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Gernot Jennerwein

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#1 | Sonntag, 21. März 2010 (14:50)
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Immer mehr in letzter Zeit hoffe ich auf das Läuten an der Haustür, aber die Klingel schweigt. Es ist mir seltsam im Raum der Wohnung. Ich sitze am Tisch und rauche, denke über dies und jenes nach und betrachte den Schneefall draußen vor dem Fenster. Das ist wohl ein Fehler, aber es fällt mir nichts Besseres ein und so langweile ich mich dahin, ohne etwas zu verändern. Ich bin kein geselliger Mensch, bemerke jedoch, dass ich mir die Zeit mit Gedanken über andere Menschen vertreibe. Ich bin also grundsätzlich nicht anders, als jeder andere Mensch. Nur die Mischung der Elemente ist verschieden, ein jeder verfügt über sein persönliches Verhältnis.
Im Treppenhaus, im allgemeinen Hauptquartier des Lärms, höre ich laute Schritte und dann eine vertraute Stimme.
„Hey, du Exote, mach schon die Tür auf!“
Es ist Sarah, die ungeduldig gegen meine Abgeschiedenheit drängt. Ich klinke die Tür auf und sie wirft sich an meinen Hals.
„Was willst du Sarah, das Übliche?“, sage ich und lasse mich auf das Bett fallen, als wäre es meine Rettungsinsel.
Ohne Zeit zu verlieren, schlüpft sie aus ihren Sachen und legt sich neben mich. „Das Übliche“, säuselt sie, „ein bisschen Sex und ein Stück von deiner Brust zum Anlehnen.“
Ich betrachte ihren Kirschmund und sage mir: „Wie eigenartig ist dieser Mensch! Wie bezeichnend und deutlich ist ihre Gleichgültigkeit gegenüber meinen Gefühlen. Sie ist zufrieden und das ist die Art ihrer Zufriedenheit, alles natürlich zu finden, was geschieht. Für eine kleine Zeit nicht denken, bieder und genormt zu sein. Ihre Zufriedenheit des Augenblicks macht sich nichts aus meinem Elend. Aber sie kann mich nicht täuschen; es ist eben doch nur ein Pfeifen, welches sie produziert.
Wir kommen zur gleichen Zeit und es wird uns gleichzeitig schlecht. Wie immer. Wir rauchen noch eine Weile. „Adieu“, sagt sie, „es war schön“, lügt sie uns beide an und geht zurück zu ihrer Familie.
Ich schließe ab hinter ihr, setze mich wieder an den Tisch und warte. Eines Tages werde ich diese Stadt verlassen.
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Aramesh
Orient und Okzident

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#2 | Sonntag, 21. März 2010 (15:25)
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Lieber Gernot,
Deine Geschichte hat mich bedrückt und doch erzählt sie von der Oberflächlichkeit, die in unserer Gesellschaft immer mehr Raum gewinnt. Jeder scheint sich selbst der Nächste. Ich finde, das hast Du gut rüber gebracht. Ein Stück Realität, ein kurzes Atemholen, das an Gleichgültigkeit verpufft. Wenn Dich heute jemand fragt, wie es Dir geht, will er es oft nicht wirklich wissen. Diese Frage ist zu einer Floskel verkommen. Dabei könnten wir uns selbst in kleinen Dingen noch erreichen. Besser als gar nicht.
Herzliche Grüße
Aramesh
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ﺁﺭﺍﻣﺵ
ﺩﺳﺗﺖ ﺩﺭﺩ ﻧﻛﻥ
"Möge Deine Hand
niemals schmerzen!"
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TomohneJerry

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#3 | Sonntag, 21. März 2010 (18:01)
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Hallo Gernot!
Ich habe bei Deiner kleinen Geschichte den Eindruck, dass noch erheblicher Bedarf an Bearbeitung besteht. Deine Absicht ist klar, die Stimmung, die Du beschreiben, wirken lassen willst. Aber sprachlich wirkt alles wie eine Erstfassung.
"Immer mehr in letzter Zeit hoffe ich auf das Läuten an der Haustür, aber die Klingel schweigt. Es ist mir seltsam im Raum der Wohnung."
Lies Dir das mal durch, klingt wirklich nicht gut, oder? Einsamkeit, Hoffnung, sich fremd sein, kann man besser darstellen, natürlich kannst Du es auch.
"Ich bin kein geselliger Mensch, bemerke jedoch, dass ich mir die Zeit mit Gedanken über andere Menschen vertreibe. Ich bin also grundsätzlich nicht anders, als jeder andere Mensch."
Gilt das Gleiche. Nebenbei: 3x "Mensch".
"Exote".
Wahrscheinlich meint sie eher Einsiedler.
„Was willst du Sarah, das Übliche?“
Wer das vor dem Sex sagt, dem rennen garantiert die Frauen weg. Aber wenn er es nur denkt, ist es stark. Man kann an dieser Stelle überlegen, dass er die Wahrheit im Kopf hat aber sie beide nur die Lüge im Mund führen, wie sie später beim Abschied: Es wäre schön gewesen.
„Wie eigenartig ist dieser Mensch! Wie bezeichnend und deutlich ist ihre Gleichgültigkeit gegenüber meinen Gefühlen. Sie ist zufrieden und das ist die Art ihrer Zufriedenheit, alles natürlich zu finden, was geschieht. Für eine kleine Zeit nicht denken, bieder und genormt zu sein. Ihre Zufriedenheit des Augenblicks macht sich nichts aus meinem Elend. Aber sie kann mich nicht täuschen; es ist eben doch nur ein Pfeifen, welches sie produziert."
Auch das ist nicht rund. Sie sind sie körperlich so nahe wie es nur geht, aber emotional meilenweit auseinander. Da kann man andere Worte finden.
"Wir kommen zur gleichen Zeit und es wird uns gleichzeitig schlecht. Wie immer."
Wenn ihnen immer schlecht nach dem Sex ist, müssen sie zum Arzt. Du meinst aber, sie fühlen sich schlecht. Aber da Du seine Perspektive hast, kann er nur von sich sprechen und es bei ihr vermuten, wenn er ihr leeres/gelangweiltes Gesicht sieht, eventuell den Blick zur Uhr.
Tut mir leid, wenn Dich meine Einschätzung trifft. Ist nur meine Meinung, knall es in die Tonne, wenn Du dich ärgerst. Aber ich meine es ehrlich. Und ich glaube, dass die Story richtig Potential hat, und dass Du es viel besser kannst, auch schon gezeigt hast (etwa die Story auf dem Boot etc).
Übrigens, bei mir es oft auch nicht besser aus, bei der Erstfassung, die keiner sehen darf.
Beste Grüße, Tom
_______________________________
Eine Zusammenstellung meiner Veröffentlichungen hier im Forum findet man auf http://autorthomasstefan.npage.de/
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Gernot Jennerwein

Beiträge: 237
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#4 | Montag, 22. März 2010 (4:43)
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hallo liebe Aramesh
manchmal ist es einfach nur trostlos. Es ist stumpf und man gewöhnt sich daran, auch wenn man es gar nicht möchte.
und hallo lieber Tom
Den Text habe ich vor etwa zwei Monaten geschrieben, x-mal überarbeitet, bis ich endlich zufrieden war.
"Ich bin kein geselliger Mensch, bemerke jedoch, dass ich mir die Zeit mit Gedanken über andere Menschen vertreibe."
Hier bin ich der Meinung, dass dieser Satz einer der Besten ist, den ich je geschrieben habe.
"Exote".
Wahrscheinlich meint sie eher Einsiedler.
Sie sagt aber "Exote"
"Wenn ihnen immer schlecht nach dem Sex ist, müssen sie zum Arzt."
*Smile*, du kennst mein Leben nicht.
Ich denke, dass dieser Text einfach nicht dein Geschmack ist. Mir gefällt er wirklich sehr. Vom Stil her ist er anders, als der Text mit dem Mann auf dem Boot. Sprachlich ist er dem Nebelmann um einiges überlegen, für mich jedenfalls.
schöne Grüße
Gernot
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