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Karl-Heinz Franzen

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#1 | Samstag, 10. April 2010 (21:13)
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Ein feiner Kollege
Er hat die herrlichsten blauen Augen, die ich jemals gesehen habe. Wenn ich diese Augen ansehe, dann machen sie mich vergessen. Sie machen für einen Moment mich auch vergessen, dass die Mutter Natur ihm dazu on top noch die Figur und das Aussehen des jungen Travolta geschenkt hat. Vielleicht mögt Ihr den jungen Travolta nicht, so wie er in Saturday Night Fever zu sehen war? Ich ja. Und dazu hat mein Travolta diese herrlichen blauen Augen.
Wenn mein neuer Kollege, dieser Travolta heißt Johannes, mich so anschaut, wie er mich jetzt anschaut, dann zieht er mich aus. Stück für Stück meiner sorgsam für ihn jeden Morgen ausgesuchten Glückseligkeiten. Ich glaube, dass er es weiß. Meinen Slip lässt er bewusst etwas länger an. Zart streicheln seine Augen mir über mein Haar. Die Berührung an meinen Wangen und Ohren lässt mich erzittern. Dann in zarten Augenküssen über meinen bloßen Hals zu dem Knospen meiner Brüste, dann über den Bauchnabel bis zum Ansatz meiner Schamhaare. Hier verweilen sie einen Augenblick, streifen den Slip ganz, ganz langsam und … ehe er noch zu Boden gefallen ist, spüre ich die Augen in mir. Sie werden eins mit meinen heftigen Gefühlen … und dann fliege ich zu den Sternen … und dann zerstäuben die Funken … und ich fühle mich … und ich bin frei.
„Frau Eberfeldt. Hallo, Frau Eberfeldt, ob sie bitte zum Diktat kommen könnten! Wo sind sie nur mit Ihren Gedanken. Sie werden hier für das Sekretariat bezahlt und nicht fürs Träumen.“ Der Herr Direktor Pinkas ist schon ganz ok. Er sagt das alles mit einer gewissen, nur für mich wahrnehmbaren, Heiterkeit. Er weiß genau, was er an mir hat. Wir arbeiten jetzt schon siebzehn Jahre zusammen. Er kennt mich sozusagen aus dem Effeff. Ich kenne ihn, wie sollte es anders sein, besser als seine bekloppte Alte, die wunder meint, dass sie mit ihren strohblonden „Naturhaaren“ … alles Natur, Fräulein Peters, alles Natur … „Eberfeldt, Frau Direktor, Eberfeldt ist mein Name.“ „In Ordnung, Frau Peters, natürlich Eberfeldt, Frau Peters, ha, ha, ah, ah, ahaha.“ Was glaubt die Schachtel denn, dass ich nichts von den Zweite Hilfe Maßnahmen verstehe, denen sie sich nicht nur an den Haaren, sondern auch an Lippen und Brust unterzogen hat. Erstens ist es s i c h t b a r und zweitens hat es mir der Herr Direktor Pinkas in einer abendlichen Rücksprache klein bei klein erzählt. Nein, nein, nein. Wir haben lediglich ein freundschaftliches Arbeitsverhältnis miteinander. Der Herr Direktor Pinkas und ich. Das aber absolut perfekt.
„Frau Eberfeldt, wenn Sie es möchten, dann erledigen wir das eben morgen, oder?“ Jetzt, wo ich bei ihm im Zimmer sitze, ist er wieder ganz mein Direktorchen. Er muss so sein, dort vorne vor der Tür. Schon wegen der Disziplin. Alles klar. Alles klar für ihn. Er weiß nur nicht alles um mich. Seitdem er den Travolta mit den himmelblauen Augen vor ungefähr vier Wochen, nein vor genau 23 Tagen, eingestellt hat … Wenn mein Direktor wüsste, wie feucht ich jetzt …
Dort hinten kommt er aus der Personaltür. Noch drei, vier Sekunden. Mein Travolta. Jetzt lasse ich meinen Smart nicht anspringen. Lisabelle hat es mir gezeigt, wie das geht, ohne dass ich auch nur ein Kabel lockern muss. Lisabelle sagt: „Petra, mit der Nummer habe ich noch jeden in meinen Golf bekommen. Jeden!“ „Hallo, Frau Eberfeldt. Schwierigkeiten?“
Er wohnt recht nett. Nicht alles ist so mein Geschmack. Zu viel Schwarz und Dunkelrot. Und die schweren Vorhänge in Schwarzrotgold. Das finde ich schon ein wenig affig, wenn ich ehrlich bin. Drei Zimmer, Küche, drei Bäder. Wow. Ganz oben. Wow. Dreizehnter und vierzehnter Stock. Über eine Treppe in den vierzehnten Stock. Alles Wohnzimmer jetzt. Riesig. Eine Terrasse. Riesig. Blick über unser schönes Lübeck. Von hier oben ist Lübeck eine wunderbare Stadt. Er hat mich schon wieder mit den Augen ausgezogen. Mir wird es an diesem sonnigen Aprilabend schnell kalt, und wir gehen wieder hinein. „Sie sind die erste Kollegin, die zu mir nach Hause gekommen ist. Ich bitte Sie um Diskretion. Ich bin reicher Sohn.“ Er sagt das mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass ich nur nicken kann. Wahrscheinlich glüht meine Birne jetzt so rot, dass sie vor der Wohnzimmerwand nicht mehr zu erkennen ist.
Hoffentlich nimmt er mich bald, so denke ich gerade noch, als ich auch schon seine Lippen auf den meinen spüre. Sie sind eisenhart. Hände gleich Krallen umarmen mich, ziehen mich zu Boden. Mit einem heftigen Ruck reißt er mir den Slip unter dem Rock weg. Ich merke gerade noch, wie er an seiner Hose hantiert … und dann stößt er mit einem brutalen Ruck in mich hinein. Ein Schmerz explodiert in mir, den ich hinausschreien wollte, doch seiner Lippen Deckel saugen alles in ihn auf. Er muss dort unten gebaut sein wie … ich weiß es nicht zu sagen. Meine Beine strampeln, meine Fäuste schlagen auf seinen Rücken. Ich wehre mich mit allen meinen Kräften. Doch er hebt mich von einer Riesenwelle auf die nächste. Jetzt öffnet er seine Augenlider und … ich lasse alles widerstandslos geschehen.
Ich muss ohnmächtig geworden sein. Denn wie ich in dieses Zimmer gekommen bin, ist mir nicht bewusst. Ich liege auf einem Bett. Von einem Fluchtgedanken getrieben, will ich mich mit einem Ruck erheben. Ich bin festgebunden. An den Armen, gespreizt, zu den Bettpfosten überhinter dem Kopf. An den Beinen, gespreizt, zu den unteren Bettpfosten. Wie im Kino, wie in einem miesen guten Film mit … denke ich, und will einen Schrei ausstoßen. Der Mund ist verklebt. Na, bitte, das hast du von den blauen Augen. Ein Lachreiz durchfährt mich in dieser unwirklich wirklichen Situation. Und jetzt erst sehe ich aus den Augenwinkeln heraus, dass er im Adamskostüm auf einem Stuhl direkt neben mir am Bett sitzt. In der linken Hand hält er einen qualmenden Zigarillo, und mit der rechten Hand onaniert er. Er grinst mich an. Von seinem Zauber ist nichts geblieben.
Es ist mir jetzt egal. Soll er sich doch an mir abmühen. Es tut auch nicht mehr weh. Alles Matsch, denke ich so bei mir. So war es einmal mit Fabian gewesen. Wir hatten die ganze Nacht und den ganzen Morgen … und mittags war alles Matsch. Doch ich hatte mich damals so leicht wie jetzt beschissen gefühlt. Ich kann überhaupt nicht denken. Wie soll das weitergehen, vielleicht noch gerade so. Sonst nichts. Nichts Wirkliches mehr. Und er spricht überhaupt nicht. Grinst, raucht und fickt mich. Jetzt steht er doch auf, klopft sich auf die Brust und … nein, es ist so peinlich. Er streift an dem Ding, wie der Bauer an dem Euter der Kuh, entlang und leckt sich die Finger … Vielleicht dachte ich auch noch: „Wenn das der Herr Direktor Pinkas wüsste.“ Jetzt rammelt er weiter. Pause. Zigarillo … Irgendwie muß ich unter diesem widerlichen Biest auch schadenfroh grinsen zu dieser Fehlbesetzung in unserer Abteilung. Ein feiner Kollege, was? Das war Herrn Direktor Pinkas in den letzten siebzehn Jahren, und auch länger, garantiert noch nicht einmal passiert. Wahrscheinlich hatte er bei diesem Travolta … so tanzt dieser jetzt zwischen den Schenkeln auf mir … an seine durchgeknallte Alte gedacht. Pause. Zigarillo … Wenn ich so richtig darüber nachdenke, dann hat die sich auch vom Hintern Fett absaugen lassen. Vorigen Montag, als sie mal wieder wie eine Diva an mir vorbeimarschierte, wirkte ihr sonst so praller Doppeldecker mehr so „recht handlich“. Die hättest du mal hier aufs Bett schnallen sollen … oder war die schon mal hier … Ha.Ha. Ha. Lisabelle, ach, Lisabelle. Hätte ich mir doch bloß nicht das mit dem Starter von dir zeigen lassen. Direktor Pinkas wird mich vermissen, denke ich.
„Hallo, Petra. Hallo.“ Johannes hatte sich eine hautenge Jeans angezogen und ein Hemd mit offenem Kragen im Stil von Elvis Travolta. Verdammt noch einmal. Ein cooler Typ. „Ich habe mich ein wenig umgezogen, während Sie, liebe Petra, wohl kurz eingenickt waren. Recht so? Direktor Pinkas ist eine echte Herausforderung, was?“
Mein Smart hatte mich wieder. Ganz Kavalier. Ein schöner Abend. Ein feiner Kollege, der Johannes. Ich strich mir über die Knie und über die Schenkel. Hmh. Es kribbelte so herrlich. Dann durchfuhr es mich siedendheiß. Mein Slip. Ich hatte keinen Slip mehr an.
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10. April 2010
[ Editiert von KHF am 11.04.10 7:46 ]
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