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KeckwinAmadeus Männlich

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#1 | Montag, 28. Juni 2010 (17:54) | profil | eMail | nMail | ip | suchen |


Voilà - meine erste Kurzgeschichte in diesem Forum. Soweit meine Kreativität mitmacht, folgen hoffentlich bald weitere. /images/smile.gif

Gegangen

Da lagen wir nun. Eng umschlungen, gedankenversunken. Ich atmete ihren Engelsduft, immer wieder nahm ich tiefe Züge in mich auf, mein Haupt in ihre blond gelockte Haarpracht versenkend. Süchtig nach der ersten Sekunde, und doch ließ ich mir Zeit. Denn der Duft gehörte mir. Sie gehörte mir. Von heute an für immer. Ein Happyend – der Prinz küsst seine Prinzessin, sie reiten gemeinsam auf einem weißen Ross gen Sonnenuntergang und dann der Abspann. Doch es war ein weiter Weg bis zu diesem Moment, unsere ganz persönliche Geschichte.
Als sie mir das erste mal auffiel, setzte mein Herz einen Schlag aus. Ich weiß noch, wie sich sofort ein Hauch von Leben in mir regte, das erste mal seit langem, als die Tür sich öffnete und sie eintrat. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein besonders geselliger Mensch gewesen, niemals. Ich war ein stilles Wasser, ein stiller Beobachter. Selbst als ich noch zur Schule ging, hatte ich nie Ambitionen, mich ernsthaft mit Menschen zu beschäftigen, ich wusste auch nie so richtig wie das ging. Und so durchwanderte ich zwölf Jahre Schule ohne weiter aufzufallen. Im Unterricht war ich nie präsent, war aber dennoch konzentriert und schaffte es somit sogar auf einen ziemlich guten Abschluss. Abitur. Ich dachte schon ernsthaft daran, zu studieren, fand jedoch keine passende Universität in der Umgebung und da ich schon immer Angst davor hatte, wegzuziehen und irgendwo in der Fremde ein neues Leben zu beginnen, wurde auch dieser Plan schnell wieder verworfen. So habe ich also kurze Zeit später eine Ausbildung begonnen. Dann noch eine und sogar eine dritte. Ich hielt es nie lange aus, weder mit den Ausbildungsinhalten noch mit den dazugehörigen Menschen und so war ich über längere Zeit arbeitslos.
Um etwas Geld zu verdienen, verkaufte ich ab und zu mal einige meiner Gemälde im Internet, visuelle Kunst war ohnehin das Einzige, wofür ich mich je wirklich begeistern konnte und so wurde ich irgendwann gut genug, um mich damit vorübergehend über Wasser zu halten. Vorübergehend. Doch die Zeit ging nicht vorüber, sie fror ein, oder schlimmer noch – sie lief weiter und verging dennoch nie. Bewegung ohne Fortschritt, Weg ohne Ziel, Stagnation. Mein Leben. Und selbst wenn ich schlief wurde dieses Leben in meinen Träumen abgebildet, ein Gang der länger wurde, je schneller ich auf die Tür am anderen Ende zu rannte. So ging das eine ganze Weile und Verzweiflung machte sich breit zwischen den Mauern meiner Wohnung. Doch wie das mit Verzweiflung nun mal so ist, staute sie sich an bis sie irgendwann ausbrach.
Eines Abends, ich hatte schon seit zwei Wochen keinen Kunden mehr für ein Gemälde gefunden, war es dann soweit. Getrieben von den aggressivsten Tönen, die meine Musiksammlung vorzuweisen hatte, zerstörte ich. Wenn ich nichts Erschaffen konnte, was gefiel, konnte ich es ja mal in die andere Richtung versuchen – Zerstörung. Denn auch Zerstörung ist letztlich etwas Kreatives. Rage. Zuerst war der Fernseher dran. Dieses Miststück! Reibt mir das Leben der Reichen und Schönen unter die Nase, während mein eigenes Leben meiner Vorstellung von den tiefsten Feuern der Hölle immer ähnlicher wurde! Es folgten Möbel, diverse elektronische Geräte, eine Tür und der Großteil meiner Keramikbestände. Anschließend Leinwände, bemalt oder nicht, Farbpaletten, Bilderrahmen und der Rest meines künstlerischen Daseins. Meine Farbbestände hob ich mir für das Finale auf. Ich schmiss sie quer durch die Zimmer, lies sie auf mein zerstörtes Mobiliar klatschen, zertrat sie auf dem Teppich, zerrieb sie an der eklig braunen Tapete, warf sie mit voller Kraft gegen die Fenster, torpedierte mein kaputtes Leben mit den strahlendsten Farben – es war traumhaft. Ich sah grün, blau, orange, gelb, violett, braun und alles durcheinander. Aber vor allem sah ich rot. Und meine Wohnung war nicht genug.
Ich nahm den Teil meines Farbbestandes, der die Schlacht überlebte und rannte das Treppenhaus des Neubaublocks herunter, zielstrebig Richtung Ausgang – und diesmal würde ich die Tür erreichen. Geschwängert vom Wahnsinn rannte ich auf die nächtlichen Straßen der Großstadt. Großstadt. Große Stadt. Viele Menschen, viele Seelen. Viel Verkehr. Schläft nie. Ich rannte quer über die mehrspurige Straße, den Autos ausweichend, immer weiter und weiter, den Schmerz in meinen Waden ignorierend. Adrenalin schoss durch meinen Körper, verdrängte die anfängliche Angst. Autos hupten, Reifen quietschten, Fahrer brüllten, aber ich war schon längst weiter gerannt. Immer mehr Autos, immer schneller ausweichen, laut schreien. Doch dann wurde es Zeit für die Artillerie.
Ein weißer Renault wechselte anscheinend unbeeindruckt die Fahrbahn, wollte offenbar ohne weitere Komplikationen sein Ziel erreichen – mein erstes Opfer. Ein Schwall grüner Farbe auf seiner Scheibe. Erneutes Reifenquietschen. Ich erwartete einen lauten Knall. Ich erwartete das Geräusch von splitterndem Glas, irgendetwas, das mir die monströsen Auswüchse meines unmenschlichen Handelns bewusst machte. Doch da war nichts. Ich drehte mich um, wollte mein grausames Kunstwerk begutachten. Da stand der Renault und hatte keinen Kratzer, kam offenbar ohne größere Probleme zum Stehen. Hupen und Quietschen aus der Laufrichtung – ich drehte mich um. Das letzte was ich sah, waren zwei helle Lichter, die sich auf mich zu bewegten. Dann wurde es dunkel und still. Die Nacht empfing mich. Keine Großstadtnacht, sondern echte.


Wenn man erstmal knapp am Tod vorbei rauscht sieht man die Welt mit anderen Augen. Die Ruhe stellt sich schnell wieder ein, aber die Farben bleiben, geben dem altbekannten Grau, meinem bisherigen Wegbegleiter, keinen Raum mehr. Und so kam es, dass ich mein Leben nach dem Rendezvous mit der verchromten Stoßstange, die mich in jener Nacht so unsanft von den Beinen riss, erstmals als etwas wertvolles ansah. So lag ich also im Krankenbett und dachte über all die Dinge nach, die ich tun würde, sobald ich wieder aufrecht stehen konnte. Zuerst würde ich meine Wohnung in Ordnung bringen müssen. Anschließend alle noch funktionstüchtigen, aber entbehrlichen Besitztümer verkaufen und mit der überschaubaren Summe meiner Ersparnisse in eine andere Stadt ziehen und studieren, denn Angst vor dem Ungewissen ist ein unmögliches Gefühl, wenn man den Tod so greifbar vor sich gesehen hat. Meine Gedanken drifteten weiter ab und kreisten um alle möglichen Dinge, die ich in meinem Leben noch vor hatte, viele davon völlig unrealistisch aber schön für den Moment. Ich machte Pläne. Ich wusste zwar nicht wie spät es war oder wie lang ich überhaupt weg war, die Sonne stand jedoch noch sehr tief, als ich aufwachte und bewegte sich nun langsam aber zielstrebig auf ihren Zenit zu, als meine Gedanken plötzlich von dem Öffnen der Zimmertür durchschnitten wurden.
Und da war sie, die Frau in Engelsgestalt. Sie stellte sich als die Fahrerin des Renaults vor und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden. Ich war zunächst ziemlich überrumpelt, da ich die Szene mit dem Renault völlig aus meinem Gedächtnis verdrängt hatte. Und so entschuldigte ich mich tausendfach für mein Verhalten und rechnete mit einer kostspieligen Klage. Der Engel jedoch schien sich lediglich für die Hintergründe meiner Tat zu interessieren und so erzählte ich ihr von meinem Leben – erst zaghaft, schon bald jedoch sehr flüssig und intensiv, da mich das mir entgegengebrachte Verständnis und die vertraute Aura der Frau sofort in ihren Bann zogen. Ich erzählte viel und als mein Leben als Gesprächsstoff aufgebraucht war, was traurigerweise nicht sehr lange dauerte, machten wir bei ihrem weiter, wobei mich die Parallelen der beiden Geschichten verblüfften und wohl gleichzeitig der Grund für die Vertrautheit waren, die sie umgab. Schon bald redeten wir über alles Mögliche, über die wichtigen und unwichtigen Dinge im Leben, mal ernst, mal lachend und ich fühlte mich so lebendig wie noch nie. Und als ich das nächste mal aus meinen Gedanken auftauchte, hatte die Sonne schon längst ihren Zenit hinter sich gelassen. Mein erster Gedanke, ich wäre dem Tod nur knapp entkommen, wurde schon bald von einem jungen Arzt verneint, der mich offenbar nicht schnell genug aus dem Krankenbett kriegen konnte und mich nach einer kurzen Untersuchung entließ und so kam es, dass ich mich nach einem kurzen Abstecher nach Hause auf einem weiten Feld wiederfand, die Engelsgestalt neben mir.
Wir lagen einfach so da, auf dieser sommerlichen Wiese, spürten die gespeicherte Wärme des vorangegangenen Tages auf dem Erdboden unter uns und blickten in den dämmrigen Himmel, während die ersten Sterne aufgingen. Nach stundenlangen Gesprächen wussten wir inzwischen ziemlich viel voneinander und ich spürte eine seltsame Verbindung zwischen uns. Irgendwann verstummten unsere Stimmen und wir lagen eine Unendlichkeit lang einfach nur im Feld und betrachteten den Himmel. Ich kannte sie erst wenige Stunden und doch überkam mich ein Gefühl tiefsten Vertrauens, als wir so schweigend nebeneinander lagen. Sie drehte sich zu mir, wie selbstverständlich nahm ich sie in den Arm. Ich war ganz ruhig. Sie betrachtete mich aus saphirblauen Augen, die das Meer aus Sternen, das sich inzwischen über uns ausbreitete, reflektierten. Ich umschloss sie mit meinen Armen und neigte mich ihr zu, sie war jetzt ganz nah.
Da lagen wir also. Eng umschlungen. Gedankenversunken. Gedankenkreisend. Ich weiß noch, wie sich das Wetter plötzlich veränderte. Die Luft wurde kaum merklich kälter, obwohl der milde, schwache Wind, der bisher die Haare des Engels umspielte, sich legte und plötzlich völlige Windstille eintrat. Die Ruhe vor dem Sturm. Sonderbar. Befremdlich. Elektrizität in der Luft. Kalter Schweiß auf meiner Haut. Gedanken überschlugen.
Wer ist diese Frau? Sie sieht mich an, als würde sie mich kennen, aus verträumten Augen, dabei kennt sie lediglich einen groben Abriss meiner eintönigen Lebensgeschichte. Eigentlich weiß sie gar nichts von mir. Und warum kommt sie so nah? Ich rieche sie und es riecht sonderbar fern und unwirklich. Wieso berührt sie mich, fährt mit ihrer Hand über meinen Arm? Ich fühle es und es fühlt sich falsch an. Fremde Menschen sollten sich nicht so nah kommen. Und wieso blicken ihre Augen so fordernd? Was erwartet sie von mir? Was auch immer sie will, ich kann es ihr nicht geben. Falsch. Falscher Mensch!
Sie schloss ihre Augen, legte ihren Kopf in den Nacken, ihre Hand streichelte über meine Wangen. Sie kam immer näher und näher.
Und da bin ich gegangen.
Kein Mensch ändert sich über Nacht.
Und besonders gesellig war ich noch nie.


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Cihank Männlich

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#2 | Montag, 28. Juni 2010 (19:20) | profil | eMail | nMail | ip | suchen |


Sehr gerne gelesen /images/smile.gif
Hat mir echt spass gemacht.


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mande Männlich

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#3 | Dienstag, 29. Juni 2010 (5:28) | profil | eMail | nMail | ip | suchen |


Guten Morgen Keckwin,
in deine Vorstellung, ´Das bin ich´, du gebrauchtest das Wort ´Geschreibsel´ ein wenig mit ironischen Unterton. Das hier ist kein, sondern ´damn good´!/images/smile.gif
Muss sagen, bin echt erstaunt!
Da fält mir ein, schade das van Gogh nicht eine Dame mit Renault ist begegnet, sicher damals Wagen mit Pferd. Er wäre vielleicht auch nur gegangen, doch mit beide Ohren. War ja auch nicht ein geselliger Mensch!

Nun, mehr davon. Wer liest nicht gern gute Geschichten!
Auch an der Form, ja, finde nix zum Ausbessern! Glaube, wenn auch nur Laie, alles es ist am richtigen Plaz!

Mit Grüsse,
Manfred
----------------------------------------------------
Wir warten auf Godot, weil wir nichts mehr erwarten!
(Manfred Schröder)

[ Editiert von mande am 29.06.10 5:45 ]
_______________________________
Mande
http://bilder.nexusboard.net/7260/buchlesen.gif


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Claudia-Helena Weiblich

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#4 | Dienstag, 29. Juni 2010 (7:38) | profil | eMail | nMail | ip | suchen |


Ich war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein besonders geselliger Mensch gewesen, niemals.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nie besonders gesellig gewesen...

Ich war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein besonders geselliger Mensch gewesen, niemals. Ich war ein stilles

Zu viele Sätze, die mit ich beginnen....


war war war

und zu viel war....

Um etwas Geld zu verdienen, verkaufte ich ab und zu mal einige meiner Gemälde im Internet, visuelle Kunst war ohnehin das Einzige, wofür ich mich je wirklich begeistern konnte und so wurde ich irgendwann gut genug, um mich damit vorübergehend über Wasser zu halten.

Daraus kannst du locker 2 Sätze machen....


zerstörte ich. Wenn ich nichts Erschaffen konnte, was gefiel, konnte ich es ja mal in die andere Richtung versuchen – Zerstörung.
Denn auch Zerstörung ist letztlich




Ich, ich ich



Mein erster Gedanke, ich wäre dem Tod nur knapp entkommen, wurde schon bald von einem jungen Arzt verneint, der mich offenbar nicht schnell genug aus dem Krankenbett kriegen konnte und mich nach einer kurzen Untersuchung entließ und so kam es, dass ich mich nach einem kurzen Abstecher nach Hause auf einem weiten Feld wiederfand, die Engelsgestalt neben mir.

Viel zu lang....


Wer ist diese Frau?



Da wechselst du plötzlich ins Präsens....




Lieber David, deine Geschichte habe ich gerne gelesen. Stilistisch kannst du verbessern.


Liebe Grüße


Claudia


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Patricia Koelle Weiblich

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#5 | Dienstag, 29. Juni 2010 (7:54) | profil | nMail | ip | suchen |


Außerdem könntest du an ein paar Klischees arbeiten: "saphirblaue Augen", "ein Meer aus Sternen" etc. Das sind abgenutzte Redewendungen, für die du sicher originelleres finden könntest.
Ansonsten: Ich bin ebenso positiv überrascht wie Mande. Gute Geschichte, für den Anfang sehr gut erzählt. Gutes Ende. Gerne gelesen.
Du solltest unbedingt weiter schreiben! Es lohnt sich bestimmt.

Beste Grüße, Patricia
_______________________________
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Zooonk Männlich
hallo
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#6 | Freitag, 23. Juli 2010 (19:55) | profil | nMail | ip | suchen |


Hallo KeckwinAmadeus,

ich finde deine Geschichte fantastisch.
Hab sie gerne gelesen,die Dynamik,die Bilder,
einfach eine ganz feine Sache/images/smile.gif

mit Grüßen,Zooonk


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Start: 23. Februar 2010
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