Meine Lieben,
ich muss mich mal gerade ein wenig aufregen.
Vielleicht haben es einige von euch mitbekommen. In den letzten Wochen geisterte in den Sozialen Netzwerken eine ominöse Initiative herum, die angeblich für ein "sauberes Hamburg" einstand und deren erklärtes Ziel es war, die Obdachlosen aus der Stadt zu vertreiben. Die Homepage dieser Bürgerinitiative war voll mit Hetztiraden gegen Obdachlose und hat natürlich für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Ähnlich wie zum Beispiel Kreutz.net.
Nun stellte sich heute morgen heraus, dass ganze war ein Marketing-Gag einer Spiele-Firma, die ein Browsergame auf den Markt gebracht hat, in dem der Spieler virtuell zum König der Penner aufsteigen kann, in dem er Pfandflaschen sammelt und sich in Banden organisiert.
Angeblich agiert die Firma natürlich uneigennützig und will mit solchen Aktionen nur das Thema ins Bewusstsein der Bevölkerung rufen, und somit gegen die Problematik ankämpfen.
Das Schlimme daran ist, dass die breite Masse das natürlich auch glaubt, und das Ganze zwar grenzwertig, aber für erfolgreich hält.
Ja merkt denn keiner, was da wirklich hinter steckt?
Man sollte doch einmal genauer nachdenken, was denn eigentlich hinter dem Deckmantel der "Guten Absicht" steckt. Das Ganze ist eine PR-Strategie um Aufmerksamkeit für das Unternehmen zu erzwingen.
Wenn ich mein Geld mit einem Browser-Game wie "Pennergame" verdienen möchte, dann überlege ich mir VORHER ganz genau eine Strategie. Ich überlege mir, wie erreiche ich eine möglichst breite Zielgruppe, ich erarbeite mir ein Thema was eine breite Masse betrifft, was polarisiert und mit dem ich möglichst hohe Viralität erzeugen kann.
Wenn ich mit einem Spiel über "Penner" mein Geld verdienen möchte, dann würde dies die Mehrheit als geschmacklos oder grenzwertig empfinden. Also erstelle ich mir eine Firmen-Philosophie, die da lautet: Wir wollen über Missstände in unserer Gesellschaft aufklären. Ich schreibe in meinem Businessplan einen gewissen Prozentsatz an Spenden zum Thema fest, die ich gleichzeitig noch schön von der Steuer absetzen kann.
Teures Marketing kann ich mir sparen, weil ich mit billigen Aktionen extrem viel Aufmerksamkeit erreiche. Niemand kann mir an den Karren fahren, weil ich tue es ja für eine gute Sache - und gleichzeitig beruhige ich mein eigenes Gewissen.
Und tadaaaa - ich kann weiterhin meine Millionen mit einem grenzwertigen Thema scheffeln und spare dabei noch Steuern.
Die Obdachlosen haben keine Lobby, die werden davon nichts mitbekommen und wohl kaum morgen demonstrierend vor meiner Firma stehen.
Wenn solche Aktionen von einem gemeinnützigen Verein kämen, dann wäre es zwar grenzwertig, aber glaubhaft. Von einem WIRTSCHAFTLICH getriebenen Unternehmen ist es einfach nur eine Frechheit. Dummerweise kapiert das die breite Masse nicht.
Die hat das Thema morgen wieder vergessen. Aber was bleibt ist die Vorsicht auf weitere Missstände aufmerksam zu machen, aus Angst wieder auf eine PR-Kampagne hereinzufallen.
Mich macht das gerade mega wütend, weil ich es einfach eine Schweinerei finde, solch ein Thema für sich zu instrumentalisieren, um möglichst billig an viel Aufmerksamkeit zu gelangen.
Jemand der sich so etwas ausdenkt, gehört auf klassisch-altmodische Weise gesteert und gefedert.
LG
Miguel
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Wer die Wahrheit sucht, darf nicht erschrecken, wenn er sie findet.
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