Foren » Verlustangst und Eifersucht » Eifersucht und Verlustangst » wieso immer der "ungeeigeneteste" Partner?

Hallo zusammen,

wieder einmal läuft es in meiner Beziehung nicht so, wie es eigentlich laufen sollte...
Ich denke nach und grübele und suche nach den Gründen. Dabei liegen sie doch eigentlich auf der Hand.
Es sind die Unterschiede. Die unterschiedlichen Erwartungen, Ansprüche und Vorstellungen die wir von einer Beziehung haben.
Wieso suchen WIR (wenn man denn mal die Menschen mit größer als üblicher Eifersucht und Verlustangst zusammennimmt) uns immer wieder Partner, die das ganze Gegenteil sind? Die sehr autonome und starke Persönlichkeiten sind. Denen ihre "Freiheit" mehr als alles andere bedeutet. Die gereizt und mit Unverständnis auf unsere Ängste und Befürchtungen reagieren.

Zumindest bei mir kann und konnte ich dieses Muster eindeutig erkennen. Und auch der eine oder andere Beitrag von Euch geht in diese Richtung.

Ich hatte am Wochenende einen sehr heftigen Streit mit meiner Freundin. Das heißt, eigentlich war es kein richtiger Streit, sie hat es als "Aussprache" bezeichnet.
Und in dieser "Aussprache" sind diese Unterschiede sehr deutlich zum Ausdruck gekommen. Sie fühlt sich manchmal von mir überfordert, von meiner Liebe "eingeengt". Dann reagiert sie mit Zurückziehen, und ich mit dem von mir so empfundenen Liebesentzug mit noch mehr "Klammern"...ein Teufelskreis...

Für mich ist es schwer zu akzeptieren, daß einem Liebe zu viel wird. In meiner eigenen Welt gibt es immer nur ein "zu wenig" nie ein "zu viel" im Zusammenhang mit Liebe...

Warum suche ich mir nicht einfach jemanden, de die selben Bedürfnisse hat? Und wieso ist es so schwierig einen Konsens zu finden zwischen ihren und meinen Vorstellungen von "der perfekten Beziehung"?

Ich hoffe, das klingt für Euch jetzt alles nicht zu konfus und ich würde mich über den einen oder anderen Kommentar zu meiner eigenartigen Gedankenwelt freuen...

lg
anotherDay
Hallo anotherDay,

ich glaube, da schaukelt sich was hoch in einer Beziehung zwischen einem Verlustängstler oder Übereifersüchtigen und einem "normalen" Partner.
Ein Zuviel an Liebe wird es sicher für den Partner auch nicht geben, aber ein Zuviel an den Blüten, die diese Liebe auf Seiten des E-Süchtigen (mal als Überbegrifft zu verstehen) so treiben kann. Ein Zuviel an Erwartungen und Ansprüchen, die der E-Süchtige stellt, und die mit der eigentlichen Liebe nichts mehr zu tun haben. Ich denke da an den Wunsch nach absoluter Fokussierung des Partners auf die Partnerschaft und damit z.B. die zwangsläufige Einschränkung des sozialen Umfeldes. Oder an den Wunsch nach Kontrolle aller Lebensbereiche des Partners, um der eigenen Angst vermeintlich zu entgehen.
Je mehr und je stärker der E-Süchtige solche Wünsche zulässt oder auslebt, um so stärker regt sich der Widerstand des Partner, weil dieser ganz genau merkt, das diese Forderungen und Ansprüche nichts mit seiner Liebe zu tun haben, sondern nur noch die eigene Unterwerfung unter die Eifersucht oder Verlustangst bedeuten würden. Das wird dann vom E-Süchtigen wiederum fehlgedeutet, als dass die Freiheit dem Partner mehr bedeutet als alles andere.
Wahrscheinlich ist es auch so, dass der E-Süchtige grundsätzlich einen "normalen" Partner als autonome und starke Persönlichkeit sieht. Gerade weil dieser in der Lage ist, ein Leben ohne diese Ängste zu führen, das der E-Süchtige sich für sich selbst auch wünscht, aber nicht ohne weiteres erreichen kann. Da wird der Partner irgendwie zwangsläufig übergroß, auch wenn er das gar nicht ist.

Gruß Romy
moin anderer tag ;)

.....Wieso suchen WIR (wenn man denn mal die Menschen mit größer als üblicher Eifersucht und Verlustangst zusammennimmt) uns immer wieder Partner, die das ganze Gegenteil sind?.....


sagen wirs mal so:

wenn ich eine freundin hatte die so ähnlich war wie ich,
wurde die beziehung schnell langweilig, immer alle das gleiche wollten.

wenn ich eine freundin hatte, die das krasse gegenteil war, dann war die beziehung fast perfekt, interessant, spannend, immer etwas neues, bis auf das, das dadurch meine resultierende damalige eifersucht enorm stieg. hatte aber andere gründe. ;)

so, und dann gibts noch ne andere möglichkeit:

die frauen oder männer nehmen oft immer das gegenteil von sich, weil sie sich selber ja kennen, daher wäre das ja uninteressant, also lieber das interessante also das gegensätzliche.


mein deutsch ist heute miserabel, man möge mir verzeihen.


ja und dann gibts noch eine ganz andere interessante möglichkeit, und das liegt nun leider, wie fast immer, in der kindheitsgeschichte:

nur mal ein beispiel, frau xyz wurde in ihrer kindheit vom
onkel oder vater sexuell missbraucht, ist die wahrscheinlichkeit hoch,das sie sich einen partner instinktiv sucht, der auch solche ambitionen hat.

wie gesagt, ähm geschrieben, alles nur möglichkeiten.

vielleicht hifts ein wenig

lg pilot
Hi,

hab da noch einen anderen Erklärungsversuch:

Wir suchen uns gegensätzliche Partner, um an diesen zu wachsen, etwas zu lernen, uns weiter zu entwickeln.

Ich hab z.B. immer Probleme damit gehabt mich in meinen Beziehungen abzugrenzen. Bin auch immer in Partnerschaften gelandet, wo die Männer reichlich Probleme (körperlich, psychisch)hatten. Diese Probleme hab ich dann immer zu meinen gemacht, mich mehr um deren Kram gekümmert, als um meinen eigenen. Mein Vater war Alkoholiker und ich hab das co-abhängige Beziehungsverhalten von meiner Mutter vorgelebt bekommen. Soviel zu meiner "Prägung".

Mein (Ex-) Freund ist extrem misstrauisch und eifersüchtig und damit einher ging dann, wie ein Wechselbad, geradezu invasive Nähe, teilweise wollte er die durch Kontrolle erzwingen.

Er war/ist in allem so extrem, ich musste mich abgrenzen, um mich nicht total aufzulösen.

Ich habe lange gegrübelt, warum ich trotz 100 Sitzungen Einzeltherapie und vielen Erkenntnissen an den schwierigsten Mann meines Lebens geraten bin. Mir scheint nun ich brauchte so einen extremen Partner, damit ich endlich lerne mich abzugrenzen! Ich hatte auch jahrelang vorher meine Aggressionen und Wut unterdrückt, aber mit ihm gab es so viel Krach und Streit, soviel hab ich in meinem ganzen Leben davor nicht geschrien und gewütet. Nicht, dass das schön war..... aber meine unterdrückten Aggressionen hatten eine Bühne um sich auszutoben.

Kommt man immer wieder an einen ähnlichen Typ Partner, obwohl man das gar nicht will (oder, was ich auch schon mehrmals hatte, die Partner wirken erstmal gaaaanz anders und erst nach einigen Monaten stellte ich dann fest, dass der auch wieder nicht so selbstbewußt und optimistisch ist, wie er zunächst den Eindruck machte)dann hat man etwas Wichtiges für sich selbst wohl noch nicht kapiert.

Der Groschen ist quasi noch nicht gefallen:D

Naja, und dann suchen wir uns eben gern Partner mit Eigenschaften, die uns selbst fehlen.

Die Wucht, mit der mein Freund all seine Gefühle sofort ungefiltert unkontrolliert rausgelassen hat, die positiven wie die negativen, hat mir zwar oft Angst gemacht, aber es hat mich auch beeindruckt, weil bei mir immer gleich der Kopf dazwischen kommt, a là "ich bin sauer, aber aus seiner Sicht hat er vielleicht recht, also werd mal nicht laut, etc. pepe...."

LG
Mandir
Hi zusammen,

und es geht noch darüberhinaus. Wenn ihr Mal genauer Euer Umfeld durchleuchtet, dann werdet auch ihr erkennen, dass ihr auch in eurem Umfeld alles vertreten habt. Von super soft bis hin zu extremst hart.

Letztendlich haben wir auch beide Seiten in uns selbst.

Wir können als Mensch selbst zum Wolf werden und haben ihn in uns und wir haben aber auch das kleine verletztliche Kind in uns.

Ich selbst bin immer wieder heute noch verblüfft, wie tricksig unser eignes Unterbewußtsein arbeitet. Vorallem zu welchen Lebenszeitpunkt wir wen kennenlernen und welche Bekannten wir auch schnell wieder verabschieden. Welche wir über längeren Zeitraum im Enddeffekt neben uns haben müssen, weil wir genau diesen Gegenpart in ihm finden oder auch genau selbiges was in uns ist bestätigt wissen wollen durch diesen Menschen. Welche Menschen uns neben der Familie auch auf Lebenszeit begleiten weil es wahre Freunde sind. Oder dann auch Lebenspartner.

Mich hat eine Geschichte echt zum Nachdenken angeregt und nicht losgelassen. Einer in unserer Therapie hat eine packende Kindheit und dieser welche hat sich selbst von Frau und Kind getrennt vor geraumer Zeit. Er selbst hatte kein Elternhaus was harmonisch war, sondern die Ehe seiner Eltern war überflutet von Differenzen und Geheimnissen.

Dieser junge Mann heute hat ungefähr zeitgleich einhergehend mit der Trennung seiner Frau, den Arbeitsplatz gewechselt und hat sich nun unterbewusst genau selbige Situation, durch seinen Chef und deren Frau wiedergeholt, wie er sie selbst nur zu gut kennt.

Heißt, er steht heute da und hat zwei zankende und absolut Wahrnehmung ausgeblendete Menschen vor sich, die vor nichts zurückschrecken und hemmungslos vor sich her zanken.

Witzigerweise erfüllen auch genau beide Rollen weiblich und männlich genau den Part i-Tüpfel gleich, wie er ihn von früher kennt.

Weitergesponnen wurde die Story nun dahingehend, dass dieser Chef mit dem dass er diesen Mann unbedingt haben wollte und auch abgeworben hat, seinen nicht gehabten Sohn in ihm gesucht hat. Kreativ, stark, absolut in den Dingen, die er anpackt und auch er selbst hat genau solch Geschichte hinter sich. Sein Vater verstarb sehr früh, den er über alles liebte und den er absolut vergötterte. Auch er suchte seinen Vater in diesem Mann wieder.

Hammerhart, aber es passt so genau.

Ich habe ähnliches bei mir und meinem Umfeld durchgeführt und bin auch zu verblüffenden Ergebnissen gekommen.

Mein Vater selbst ist stark wie ein Löwe von seiner Persönlichkeit her, aber er ist eben auch genauso offenherzig und gutmütig wie es sich kaum einer vorstellen kann.

In meinem Ex-Mann dann habe ich genau das gesucht, was nicht dieses ewige NORMAL-SEIN ausmachte und zu gutherzig und lieb, sondern hart und schroff.

Durchsezten, über Grenzen des anderen gehend. Und vom Kern aber absolut labil. Das wiederum ist mein Dad ganz und gar nicht. Mein Ex-Mann aber doch, genau das machte seine unkontrollierten Wutausbrüche aus,überrollt von seinen eigenen Ängsten und immer und immer wieder mit Geschrei auf alle anderen. so à la "Angriff ist die beste Verteidigung".

Mein Dad war schon immer ein Typ Mensch wiederum, der die Dinge recht gelassen sah und relativ ruhig blieb, selbst in sehr schwierigen Situationen. Der selbst die Ruhe bewarte wenn es richtig heftig wurde und dennoch Kraft anderen geben konnte, auch wenn es ihm beim Anblick selbst das Herz zeriss. Er war sehr zuverlässig, alles war langweilig normal.

Mein Ex wiederum war ein Typ schon immer bis heute, der sich nicht gerne fest legte. Der am liebsten immer der kleine verwöhnte Junge geblieben wäre, der er damals war.

Warum ich auch hier wieder meinen Dad ins Spiel bringe?

Weil auch das eine große Rolle spielt unsere Eltern sind auch großer Schlüssel zu der Partnerwahl.

Neben den Lebenssituationen spielen sie doch sehr stark eine Rolle. :)

Lieben Gruß
Sonnenschein
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