Deutsch- Witu-Land

The Real Blaze


Das Museum "Deutsche Postagentur in Lamu" wurde im Dezember 1996 nach dreijähriger Bauzeit durch den damaligen deutschen Botschafter und den kenianischen Minister für Nationales Erbe als neuer Teil des kenianischen Nationalmuseums offiziell eröffnet.
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Ehemalige deutsche Postagentur Lamu



Das Museum macht auf einen kurzen aber sehr interessanten Berührungspunkt in der deutschen und kenianischen Geschichte aufmerksam: auf die Geschichte des ersten deutschen Postamts in Ostafrika, das in Lamu 1888 eröffnet und im Jahre 1891 nach Abschluß des Sansibar-Helgoland-Vertrags wieder geschlossen wurde. Für die grundlegende Restaurierung des historisch wertvollen Gebäudes durch Experten des kenianischen Nationalmuseums sowie die Einrichtung des Museums stellte das Auswärtige Amt ca. 50.000 Euro bereit. In dem Gebäude unterhält das kenianische Nationalmuseum weiterhin ein Dokumentations- u. Kulturzentrum zur Swahilikultur. Das Museum ist eine von kenianischen und deutschen Touristen vielbesuchte Attraktion.

Das sog. Swahili-House war zunächst Sitz der "Witu-Gesellschaft" und ging dann an einen privaten Besitzer, von dessen Familie es 1992 vom kenianischen Nationalmuseum erworben wurde.

Das Museum ist ein wichtiger Bestandteil der Rundgänge der vielen Lamu-Touristen. Wenn man vom Platz vor dem Fort Lamu die Hauptgasse Lamus betritt, wird man bereits nach wenigen Metern durch ein großes Schild mit dem preußischen Reichsadler und der Aufschrift "German Post Office Museum Lamu" auf das neue Museum aufmerksam gemacht.
Der mit Lamu-Motiven reich verzierte Türstock des Hauses aus dem vorvorigen Jahrhundert trägt in seinem oberen Teil in arabischer Schrift den Namen des Mannes, auf dessen Initiative die Eröffnung des Postamts im wesentlichen zurückgeht - Denhardt. Die Ausstellung vermittelt neben den historischen Zusammenhängen vor allem die Atmosphäre eines deutschen Postamts in Ostafrika. Die Anregungen hierzu wurden dem Buch "Der unterbrochene Draht" über das deutsche Postwesen in Ostafrika entnommen. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet der Arbeitsplatz und die Uniform eines kolonialen deutschen Postbeamten. Kopien von Briefen und anderen Zeitdokumenten - wie des Sansibar-Helgoland-Vertrags - Briefmarken und Poststempel, die ausschließlich in Lamu verwendet wurden, historische Fotos von deutschen Postämtern in Ostafrika und deutsche Afrikakarten runden das Bild der Ausstellung ab.



Die Exponate wurden im wesentlichen von den Postmuseen in Berlin und Frankfurt, von der "Deutschen Afrika-Linie-Hamburg" und dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts zur Verfügung gestellt. Alle Holzarbeiten - z.B. der historische Schreibtisch und die Restaurierung des geschnitzten Türstocks - wurden von örtlichen Handwerkern gefertigt.

Die Geschichte der deutschen Postagentur in Lamu ist eng mit der des sogenannten "Witulandes" verbunden, einem deutschen Schutzgebiet von etwa "25 Deutschen Quadratmeilen" auf dem nahegelegenen Festland am Unterlauf des Tana-Flusses, das der Sultan von Witu den Brüdern Clemens und Gustav Denhardt am 08.04.1885 abgetreten hatte.

Gustav Denhardt

Sowohl der Sultan von Sansibar als auch der Sultan von Witu erhoben damals Anspruch auf die gesamte ostafrikanische Küste. Um sich der sansibarischen Herrschaftsansprüche besser erwehren zu können, stellte sich der Sultan von Witu unter deutschen Schutz.

Zur Verwaltung des Gebiets wurde eine ”Deutsche Witu-Gesellschaft” gegründet, die ihren Sitz in Lamu nahm - einer florierenden Handelsstadt im Einflußbereich Sansibars mit damals schon ca. 15.000 Einwohnern, weitreichenden Handelsbeziehungen und vor allem einem Hafen, der von britischen Schiffen angelaufen wurde. Zur wirtschaftlichen Nutzung des Witu-Lands wurde es immer dringender über eine stabile Postverbindung zu verfügen. Hinweise auf die für die Deutschen unbefriedigende Situation bei der Abfertigung ihrer Post finden sich in einem Brief, den Clemens Denhardt am 18.10.1887 an das Reichspostministerium sandte. Er beklagt darin u.a., daß die englischen Postdampfer Lamu nicht regelmäßig anliefen und daß "....seit der Aufhebung des englischen Konsulats (Juni 1885) die ... Postsäcke dem Zollbeamten des Said Bargasch (des Sultans von Sansibar), ... einem Indier, der europäische Schrift nicht lesen" konnte, ausgehändigt wurden, der die Postsäcke vor sich auf den Fußboden schüttete und es dann den umstehenden Interessenten überließ, sich sich die gewünschte Post herauszusuchen. Daß dabei immer wieder Post abhanden kam, kann nicht verwundern. Letztlich waren die ökonomischen Interessen der Deutschen in Witu für die Eröffnung einer eigenen deutschen Postagentur entscheidend und am 22.11.1888 wurde der Vertreter der Witu-Gesellschaft in Lamu, Kurt Toeppen, als erster deutscher Postbeamter vereidigt.

Das wichtigste Handelshemmnis wurde damit jedoch nicht beseitigt. Nach wie vor fehlte eine stabile Schiffsverbindung, mit der nicht nur die Post sondern auch die in Witu produzierten Waren kostengünstig befördert werden konnten. Auch die wachsenden deutsch-britischen Interessengegensätze in Ostafrika führten in Lamu immer wieder zu Reibereien zwischen der "Deutschen Witu-Gesellschaft" und der "Britisch-Ostafrikanischen Gesellschaft". Die britischen Schiffe durften z.B. die Post nur dem britischen Vize-Konsul aushändigen, der ab ca. 1888 wieder in Lamu vertreten war. Toeppen schreibt in einem Brief vom 22.02.1889 an die "Witu-Gesellschaft" in Berlin: " ..... teilte mir mit, daß Mr. Sandys (der britische Vize-Konsul) einen an uns adressierten Briefbeutel von Aden aufgemacht hat ... Die englischen Kapitäne haben Ordre, die Post im Britischen Vice-Consulat zu löschen und empfangen wir die Briefbeutel erst durch dieses, ein Mißstand, gegen den ich bereits protestierte. Herr Mackenzie (der Vertreter der "Britisch-Ostafrikanischen Gesellschaft") treibt die Sache nun so weit, daß er unsere Briefbeutel durch seinen Commis öffnen läßt; das ist doch das Stärkste, was man leisten kann. ... Die Post ist gewissermaßen zum Zankapfel zwischen dem Britischen Vice-Konsulat und uns geworden, und wenn wir uns eine solche Behandlung von Mackenzie gefallen lassen, so blamieren wir uns hier unsterblich ..."

Kurz nach Gründung des deutschen Postamtes liefen auch die britischen Schiffe Lamu nicht mehr an, sondern nur noch Aden, Mombasa und Sansibar. Waren und auch die Post mußten von Lamu mit Dhaus - den traditionellen Segelbooten der Swahili-Fischer - nach Mombasa transportiert und auch danach noch mehrfach umgeladen werden, ehe sie endlich in Aden auf Schiffe des Norddeutschen Lloyd verladen werden konnten. Eine Prozedur, die auch damals schon zu teuer war.

Die Interessen der Deutschen in Witu wurde in einem Artikel in der "Straßburger Post" vom 31.03.1889 ziemlich deutlich umrissen: "Soll der Witucolonie die Möglichkeit einer gedeihlichen Entwicklung gegeben und dem unablässigen, zielbewußten und energischen Vorgehen Englands (vor unserer Colonie übt auch ein englisches Kriegsschiff die Blockade aus) ein Ziel gesetzt werden, dann ist vor allem die Errichtung einer deutschen Dampferlinie notwendig .... In zweiter Linie müßte dem Sultan (von Witu) ein entschiedener Schutz von Seiten des Reiches gewährt werden; bisher hat er denselben nur auf dem Papier. ... Alle diese Maßnahmen müßten schließlich gipfeln in der Errichtung eines deutschen Vizekonsulats zu Lamu .... .Will man diese Opfer nicht bringen, dann überlasse man das Wituland ruhig den Engländern, dann wird uns die Kolonie nichts einbringen."

Pläne für die Einrichtung einer subventionierten deutschen Reichspostdampferlinie (auch die in Afrika bereits operierende "British India Steam Navigation Company" war subventioniert) nach Afrika fanden 1885 im deutschen Parlament keine Mehrheit. Ein erneuter Anlauf war erst 1890 erfolgreich. Der erste Dampfer der ”Deutschen Ostafrika Linie” stach am 23.07.1890 in Hamburg in See; fast einen Monat nach Abschluß des Sansibar-Helgoland Vertrages zwischen Deutschland und Großbritannien (Unterzeichnung am 01.07.1890), der auch das Schicksal von ”Witu-Land” und der deutschen Postagentur in Lamu besiegelte. In einem Interessenausgleich verzichtete Deutschland u.a. auf Witu und am 31.03.1891 wurde auch das deutsche Postamt in Lamu wieder geschlossen...

Deutsch- Wituland wurde im großen und ganzen für das damalige britsche Helgoland mit geopfert.Sansibar hätte aber alleine schon ausgereicht, der Vertrag damals umstritten.
Die irrtümliche Ansicht, daß Helgoland gegen Sansibar eingetauscht wäre, entstand bereits wenige Tage nach dem Vertragsabschluß, im Juli 1890. Bismarck, der sich nach seiner Entlassung auf sein Schloß Friedrichsruh zurückgezogen hatte, wurde von Reportern bestürmt und gefragt, was er von dem Vertragsabschluß seines Nachfolgers Caprivi halte. Bismarck, in der Rolle des Ausgebooteten, antwortete verstimmt, daß man in der Politik mehr Ausdauer aufbringen müsse; nach ein paar Jahren Geduld und Verhandeln hätten wir Sansibar haben können und nicht die Engländer. So aber sei dies ein Verlust für uns.- Die Reporter griffen das Wort "Verlust" auf und am nächsten Tag stand überall in de Presse zu lesen, daß Deutschland das große Sansibar gegen das kleine Helgoland verloren habe. Kein Dementi half mehr. Die Meinung "Helgoland gegen Sansibar" setzte sich durch.Und von Deutsch- Wituland sprach bald niemand mehr, für die Betroffenen war der Vertrag sowieso ein Verrat an deutsche Interessen.

Nachdem der Vertrag in Wituland bekannt wurde, kam es zum Auftstand der verschacherten Suahelis, die sich auf deutschen Besitz stürtzten und vieles verwüsteten, hunderte von Toten forderte die Rebellion.Der deutschfreundliche Sultan Fuma Bakri wurde dabei von den Aufständischen erschlagen. In einer 6 monatigen Strafexpedition wurde der Aufstand von den Engländern niedergeschlagen, die Ortschaft Witu dem Erdboden gleichgemacht.

Die vom Reich angebotene Entschädigung von 150000 Reichsmark wurde von den Denhardts abgelehnt, sie starben später verarmt.Die im Nachlaß von Clemens Denhardt gefundenen Briefmarken aus Wituland, Sansibar und anderen Ländern, haben heute einen Wert von über 500000 Euro.
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