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The Real Blaze
Eine Festung im Kampf um Zeitgewinn

Die Alpenfestung - sie hätte mehr sein können als sie war
Maßnahmen zur Errichtung einer "Kernfestung Alpen"
Primärquelle: www.acipss.org
Schon im September 1943 gab es auf deutscher Seite Überlegungen, das Alpengebiet zu einem Sperrriegel gegen die sich in Süditalien befindlichen Alliierten auszubauen. Vor allem Generalfeldmarschall Erwin Rommel war ein Befürworter dessen, dass der entscheidende Widerstand erst in den Alpen einsetzen sollte. Da man sich aber entschied, den alliierten Verbänden weit im Süden zu begegnen, wurde die Idee bald wieder verworfen. Erst als Mitte 1944 die Front immer näher rückte, wurde mit dem Ausbau der so genannten "Voralpenstellung", die sich über 400 km von der Schweiz bis nach Istrien erstrecken sollte, begonnen.
Die militärische Aktivität Deutschlands im südlichen Alpenraum wurde in alliierten Kreisen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt und letztlich "eines der tragendsten Argumente jener […], die an die Existenz oder an Planungen für ein 'Reduit' […] glaubten." Mit Reduit war der Schweizer Verdeitigungsplan von 1940 gemeint, für den Fall eines deutschen Einmarsches, dessen Umsetzung ein Hochgebirgskrieg auf Basis von Sperrstellungen und Festungen war.
Als im Sommer 1944, vor allem in der Schweiz, verschiedenste Berichte über eine "Alpenfestung" in Umlauf gebracht wurden, waren deutsche Agenten und Verbindungsmänner bereits alarmiert. Wenig später fiel ein bedeutender diplomatischer Bericht aus der Schweiz, der sich mit dem Aspekt eines Réduits beschäftigte, in deutsche Hände und über einen SD-Verbindungsmann gelangte dieser Bericht über die SD-Außenstelle Bregenz in das Amt VI (Auslandsnachrichten) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) in Berlin.

Gauleiter Franz Hofer
Durch Vermittlung des zuständigen SD-Abschnittsführers Gontard wurde dieser Bericht auch dem Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, Franz Hofer, bekannt. Dieser war über die alliierten Befürchtungen einer "Alpenfestung" erstaunt, war doch bis zum Herbst 1944 nur in Italien an Stellungen gebaut worden, die sich für die Verteidigung des Alpenraums eignen würden. An ein umfassendes Réduit im alliierten Sinne war gar nicht gedacht, doch die Idee hatte in Hofers Augen durchaus etwas für sich und so wartete er die Reaktion Berlins ab.
In Berlin geschah aber vorerst nichts und Hofer, "der darüber informiert war, dass amerikanische Diplomaten in Bern die Frage eines 'Alpen-Reduits' heftig diskutierten und das Washingtoner State Department darüber auf dem Laufenden hielten", wurde zunehmend unruhig. Weitere Nachrichten, die der SD in Erfahrung bringen konnte, sprachen sogar davon, dass die Amerikaner zögern würden, gegen ein stark befestigtes "Alpen-Réduit" vorzugehen und eher eine Belagerung oder Abspaltung des Réduits vom übrigen Reich in Betracht ziehen würden.
In den Ohren Franz Hofers mussten diese Nachrichten wie Musik klingen, bot doch das von den Amerikanern diskutierte Konzept einer "Alpenfestung" die einmalige Chance einer Bewahrung seines Gaus. Kein Wunder also, dass Hofer, der mächtigste Mann in Tirol und Vorarlberg, von da an alle Hebel in Bewegung setzte, um den Ausbau einer derartigen Festung in die Wege zu leiten.
Am 6. November 1944, aus Berlin lag noch immer keine Reaktion auf den SD-Bericht des Sommers vor, sandte Hofer ein Memorandum an Reichsleiter Martin Bormann, mit der Bitte, es unverzüglich Hitler vorzulegen. Darin hieß es unter anderem:
"Meine dringende Bitte ist, sofort zu befehlen, daß eine 'Alpen-Festung' – im Sinne des aus der Schweiz eingelangten Berichtes über ein 'Alpen-Reduit' – mit dem Einsatz aller Mittel raschest errichtet und entsprechend versorgt wird! Sieht der Bericht die militärische Entwicklung für das Jahr 1945 richtig, so wird die Schaffung einer 'Alpen-Festung' nicht nur zu einer militärischen Notwendigkeit, sondern stellt wohl eine einzigartige Möglichkeit dar, um bei geschickter und rascher Auswertung überhaupt noch in ein diplomatisches Gespräch zu kommen. Sieht der Bericht die militärische Entwicklung aber falsch, so wird die Schaffung einer 'Alpen-Festung' und ihrer unterirdischen Fabrikationsstätten, Material- und Lebensmittellager, vor allem aber das Gefühl 'Noch immer ein Eisen im Feuer zu haben' sich zweifellos für die Weiterführung des Kampfes nur günstig auswirken. Umfassende Befehle und Vollmachten sind aber nötig, um bei den Schwierigkeiten eines 6. Kriegsjahres und in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit, die Errichtung einer 'Alpen-Festung' in einer derartigen Form vorwärts zu treiben, daß sie auch tatsächlich für den Gegner sichtbar zu dem von ihm befürchteten Bollwerk in den Alpen wird, von dem es in der USA-Meldung heißt:
'dessen Niederkämpfung 6 bis 8 Monate länger brauchen würde, als die der übrigen Gebiete und ein Mehrfaches an Toten und Verwundeten verursachen würde, die der bisherige Kampf in Europa die Amerikaner gekostet hat, so daß kein Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Europa, angesichts der zu erwartenden unverhältnismäßig großen Verluste den Kampf um das 'Alpen-Reduit' verantworten, sondern diesen kleinen Raum 'aussparen' würde, so daß dann dieser Raum die Möglichkeit eines Abwartens bis zu zwei Jahren bietet.'
Nur dann kann der erhoffte Erfolg eintreten! Halbe Maßnahmen aber würden den Verlust des ganzen Aufwandes an Material, Arbeitskraft und Geld bedeuten, denn der Gegner würde dann sich nicht nur zu keinem Gespräch bereitfinden, sondern es würde auch im Ernstfall eine derartige Anlage wertlos sein!"
Zur Absicherung seines Vorhabens stellte Gauleiter Hofer noch eine Reihe weitreichender Forderungen: Erklärung des Alpenraums zum "Sperrgebiet", Bevorratung mit Lebensmitteln und lebenswichtigen Gütern auf lange Zeit, Sicherung des Rüstungspotentials, Errichtung von Waffen- und Munitionslagern, Verlegung von 30.000 amerikanischen und britischen Kriegsgefangenen in den Alpenraum (möglichst nur Offiziere), Ausweitung seiner Befehlsgewalt, Abberufung des Reichsaußenministers von Ribbentrop, um möglichst rasch diplomatische Gespräche aufnehmen zu können, und eine Rückkehr der Süd-Armee auf die südliche "Alpenstellung".
Doch Hofer, der zunächst alle zwei Wochen und mit Beginn des Jahres 1945 wöchentlich eine Antwort aus Berlin erbat, wartete vergebens, denn Bormann hielt seine "Führervorlage" zurück. Er hielt es im Hinblick auf die damalige militärische Lage wohl noch als verfrüht, gegenüber Hitler von einer letzten Verteidigung in den Alpen zu sprechen.
Erst als amerikanische Truppen im März 1945 den Rhein überschritten und Bormann erfuhr, "daß Hitler durch den deutschen Geheimdienst über die Befürchtungen der Alliierten bezüglich einer Alpenfestung unterrichtet worden war, so daß das Thema sozusagen als hoffähig gelten konnte", legte er Hofers Vorschlag Hitler vor. Erst am 9. April 1945 erhielt der Gauleiter von Tirol-Vorarlberg die Weisung, nach Berlin zu kommen, um zur Frage der "Alpenfestung" Stellung zu nehmen. Hätte man im Sommer und Herbst 1944, bei einer realen Einschätzung der deutschen Möglichkeiten, eventuell noch die Chance auf eine Realisierung, zumindest von Teilen des Projektes, gehabt, so besprach man im April 1945 allerdings nur noch eine Illusion.

SS-Obergruppenführer Karl Wolff nahm bereits im Februar 1945 über Schweizer Mittelsmänner (Max Waibel u. a.) Kontakt zum US Geheimdienst in der Schweiz auf, mit dem Ziel eine Teilkapitulation in Oberitalien herbeizuführen. Grund war die ausweglose Kriegslage. Nur was wäre gewesen, wenn Bormann den Bericht Hofers unverzüglich Hitler vorgelegt hätte und entsprechend einer Alpenfestung entschieden worden wäre? Die gesamten deutschen Italienstreitkräfte hätten sich auf die Kernfestung Alpen zurückziehen können und weil ein halbes Jahr an Sperrstellungen und Bollwerken gebaut werden konnte. Im Endeeffekt hätte damit durchaus den Krieg verlängern können, um zum Beispiel atomar bestückte Raketenfernwaffen gegen die Hauptstädte der Feindmächte einzusetzen. Ebensee mit der Anlage Zement (unterirdische Fabrik und Abschussanlagen)für "Amerika-Raketen" lag innerhalb der Kernfestung Alpen...
Gauleiter Hofer hatte in der Zwischenzeit aber auch ohne Führerbefehl an der Umsetzung seines Vorhabens gearbeitet, wenngleich ohne ausdrücklichen Befehl Hitlers an einen umfassenden Ausbau der Alpen nicht zu denken war. Dennoch gab es bis Ende März 1945 zumindest im Süden und im Westen – seit Jänner 1945 wurde auf Weisung Hofers auch in Vorarlberg gebaut – deutliche Anzeichen für Stellungsbauten, wobei vieles davon bis Kriegsende nur unvollendetes Stückwerk blieb. Im Norden war hingegen überhaupt nichts geschehen, jedoch begann man Anfang April 1945 an der Nordgrenze von Tirol und Vorarlberg sämtliche Straßen, Wege und Pässe gegen Panzer zu sperren. Auch die Ostgrenze Tirols wurde in diesen Sperrplan miteinbezogen, standen doch die Sowjets bereits in der Steiermark und westlich von Wien.
Am 11. und 12. April 1945 weilte Gauleiter Hofer in Berlin und besprach mit Hitler das Konzept einer "Alpenfestung". Angesichts der bis dahin tatsächlich durchgeführten Verteidigungsmaßnahmen war Hofer wohl bewusst, dass an eine Festung im eigentlichen Sinne nicht mehr zu denken war, zumal er darüber Bescheid wusste, dass in der Schweiz bereits seit längerem Geheimverhandlungen mit den Alliierten stattfanden, die eine Kapitulation der deutschen Südfront zum Ziel hatten.
Damit wäre die gesamte, mittlerweile gut befestigte, südliche Flanke weggebrochen und jegliche Weiterführung des Kampfes aussichtslos geworden.
Hofer jedenfalls versuchte Hitler weiterhin von der Notwendigkeit einer "Alpenfestung" zu überzeugen, ging es ihm doch in erster Linie um die Sicherung und Versorgung seines Gaus. Und Hofer hatte Erfolg - womit wohl auch beantwortet werden kann, wie Hitler im November 1944 entschieden hätte! .
Hitler willigte am 12. April 1945 in die Erkundung und den Ausbau der "Kernfestung Alpen" ein.
Damit konnte zum ersten Mal, während bisher alle Maßnahmen auf die Eigeninitiative Hofers zurückzuführen waren, offiziell von der "Alpenfestung" gesprochen werden. Und das Vorhaben wurde, nachdem niemand mehr an eine Realisierbarkeit glaubte, mit einer Gründlichkeit in Angriff genommen, als ob man noch eine halbe Ewigkeit zur Verfügung gehabt hätte.
Am 28. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, wurde der Erkundungs- und Ausbaubefehl für die "Kernfestung Alpen" erteilt. Die Begrenzung wurde wie folgt festgelegt: Füssen, Allgäuer Alpen, Valluga, Arlberg, Nauders, Stilfser Joch, Ortler, Adamello, nördlich Gardasee, Feltre, Karfreit, Karawanken, Unterdrauburg, "Gunther"-Stellung, Leoben, Dürrenstein, Waidhofen a. d. Ybbs, Steyr, Brückenkopf Salzburg, Tegernsee, Murnau. Zum Schutz der Industrieanlagen von Linz und Steyr sollte eine Vorstellung auf der Linie Dürrenstein, Amstetten, Donau bis westlich von Linz und Hausruck ausgebaut werden.
Zu dem Zeitpunkt, da dieser Führerbefehl erlassen wurde, glaubte nicht einmal mehr Adolf Hitler selbst an die Realisierbarkeit der "Alpenfestung". Hitler, der es bis zuletzt ablehnte, Berlin zu verlassen, äußerte sich dazu folgendermaßen:

"[...] eines weiß ich: Es ist völlig zwecklos, im Süden zu sitzen, weil ich dort keinen Einfluß und keine Armee habe. Ich wäre dort nur mit meinem Stabe. Einen süddeutsch-ostmärkischen Gebirgsblock könnte ich nur halten, wenn auch Italien als Kriegsschauplatz behauptet werden könnte. Aber auch dort herrscht ein völliger Defätismus bei der Führung, die von oben herunter zerfressen ist [...]."
Im alliierten Hauptquartier war man im April 1945 noch immer uneins, inwieweit man den eigenen Geheimdienstberichten über das Vorhandensein eines deutschen Réduits glauben konnte. Immerhin drängte Eisenhower noch Mitte April darauf, den Sieg nicht unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches öffentlich zu proklamieren, "da die Erstürmung der Zitadellen des Naziwiderstands sehr wohl noch Taten der Ausdauer und Heldenhaftigkeit verlangen mochten, die einzig mit den Hauptschlachten des Krieges vergleichbar seien."
Der alliierte Sieg sollte demnach erst nach der Besetzung von Schlüsselpositionen des Alpenraumes verkündet werden. Im Falle einer tatsächlichen Existenz der "Alpenfestung", blieb immer noch die Möglichkeit, sie auszusparen und zu umgehen, doch Eisenhowers Chief of Intelligence, Major General Sir W. D. Strong, sprach sich entschieden dagegen aus, da er meinte, "daß durch eine ungeknackte Alpenfestung der Mythos entstehen könnte, der Nationalsozialismus und die deutsche Nation hätten niemals kapituliert." Dieser Einschätzung wurde anscheinend Bedeutung beigemessen, denn man entschloss sich, den Sturm auf die "Alpenfestung" – wie auch immer sie letztlich aussehen möge – zu beginnen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 01.02.09 15:46

Die Alpenfestung - sie hätte mehr sein können als sie war
Maßnahmen zur Errichtung einer "Kernfestung Alpen"
Primärquelle: www.acipss.org
Schon im September 1943 gab es auf deutscher Seite Überlegungen, das Alpengebiet zu einem Sperrriegel gegen die sich in Süditalien befindlichen Alliierten auszubauen. Vor allem Generalfeldmarschall Erwin Rommel war ein Befürworter dessen, dass der entscheidende Widerstand erst in den Alpen einsetzen sollte. Da man sich aber entschied, den alliierten Verbänden weit im Süden zu begegnen, wurde die Idee bald wieder verworfen. Erst als Mitte 1944 die Front immer näher rückte, wurde mit dem Ausbau der so genannten "Voralpenstellung", die sich über 400 km von der Schweiz bis nach Istrien erstrecken sollte, begonnen.
Die militärische Aktivität Deutschlands im südlichen Alpenraum wurde in alliierten Kreisen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt und letztlich "eines der tragendsten Argumente jener […], die an die Existenz oder an Planungen für ein 'Reduit' […] glaubten." Mit Reduit war der Schweizer Verdeitigungsplan von 1940 gemeint, für den Fall eines deutschen Einmarsches, dessen Umsetzung ein Hochgebirgskrieg auf Basis von Sperrstellungen und Festungen war.
Als im Sommer 1944, vor allem in der Schweiz, verschiedenste Berichte über eine "Alpenfestung" in Umlauf gebracht wurden, waren deutsche Agenten und Verbindungsmänner bereits alarmiert. Wenig später fiel ein bedeutender diplomatischer Bericht aus der Schweiz, der sich mit dem Aspekt eines Réduits beschäftigte, in deutsche Hände und über einen SD-Verbindungsmann gelangte dieser Bericht über die SD-Außenstelle Bregenz in das Amt VI (Auslandsnachrichten) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) in Berlin.

Gauleiter Franz Hofer
Durch Vermittlung des zuständigen SD-Abschnittsführers Gontard wurde dieser Bericht auch dem Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, Franz Hofer, bekannt. Dieser war über die alliierten Befürchtungen einer "Alpenfestung" erstaunt, war doch bis zum Herbst 1944 nur in Italien an Stellungen gebaut worden, die sich für die Verteidigung des Alpenraums eignen würden. An ein umfassendes Réduit im alliierten Sinne war gar nicht gedacht, doch die Idee hatte in Hofers Augen durchaus etwas für sich und so wartete er die Reaktion Berlins ab.
In Berlin geschah aber vorerst nichts und Hofer, "der darüber informiert war, dass amerikanische Diplomaten in Bern die Frage eines 'Alpen-Reduits' heftig diskutierten und das Washingtoner State Department darüber auf dem Laufenden hielten", wurde zunehmend unruhig. Weitere Nachrichten, die der SD in Erfahrung bringen konnte, sprachen sogar davon, dass die Amerikaner zögern würden, gegen ein stark befestigtes "Alpen-Réduit" vorzugehen und eher eine Belagerung oder Abspaltung des Réduits vom übrigen Reich in Betracht ziehen würden.
In den Ohren Franz Hofers mussten diese Nachrichten wie Musik klingen, bot doch das von den Amerikanern diskutierte Konzept einer "Alpenfestung" die einmalige Chance einer Bewahrung seines Gaus. Kein Wunder also, dass Hofer, der mächtigste Mann in Tirol und Vorarlberg, von da an alle Hebel in Bewegung setzte, um den Ausbau einer derartigen Festung in die Wege zu leiten.
Am 6. November 1944, aus Berlin lag noch immer keine Reaktion auf den SD-Bericht des Sommers vor, sandte Hofer ein Memorandum an Reichsleiter Martin Bormann, mit der Bitte, es unverzüglich Hitler vorzulegen. Darin hieß es unter anderem:
"Meine dringende Bitte ist, sofort zu befehlen, daß eine 'Alpen-Festung' – im Sinne des aus der Schweiz eingelangten Berichtes über ein 'Alpen-Reduit' – mit dem Einsatz aller Mittel raschest errichtet und entsprechend versorgt wird! Sieht der Bericht die militärische Entwicklung für das Jahr 1945 richtig, so wird die Schaffung einer 'Alpen-Festung' nicht nur zu einer militärischen Notwendigkeit, sondern stellt wohl eine einzigartige Möglichkeit dar, um bei geschickter und rascher Auswertung überhaupt noch in ein diplomatisches Gespräch zu kommen. Sieht der Bericht die militärische Entwicklung aber falsch, so wird die Schaffung einer 'Alpen-Festung' und ihrer unterirdischen Fabrikationsstätten, Material- und Lebensmittellager, vor allem aber das Gefühl 'Noch immer ein Eisen im Feuer zu haben' sich zweifellos für die Weiterführung des Kampfes nur günstig auswirken. Umfassende Befehle und Vollmachten sind aber nötig, um bei den Schwierigkeiten eines 6. Kriegsjahres und in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit, die Errichtung einer 'Alpen-Festung' in einer derartigen Form vorwärts zu treiben, daß sie auch tatsächlich für den Gegner sichtbar zu dem von ihm befürchteten Bollwerk in den Alpen wird, von dem es in der USA-Meldung heißt:
'dessen Niederkämpfung 6 bis 8 Monate länger brauchen würde, als die der übrigen Gebiete und ein Mehrfaches an Toten und Verwundeten verursachen würde, die der bisherige Kampf in Europa die Amerikaner gekostet hat, so daß kein Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Europa, angesichts der zu erwartenden unverhältnismäßig großen Verluste den Kampf um das 'Alpen-Reduit' verantworten, sondern diesen kleinen Raum 'aussparen' würde, so daß dann dieser Raum die Möglichkeit eines Abwartens bis zu zwei Jahren bietet.'
Nur dann kann der erhoffte Erfolg eintreten! Halbe Maßnahmen aber würden den Verlust des ganzen Aufwandes an Material, Arbeitskraft und Geld bedeuten, denn der Gegner würde dann sich nicht nur zu keinem Gespräch bereitfinden, sondern es würde auch im Ernstfall eine derartige Anlage wertlos sein!"
Zur Absicherung seines Vorhabens stellte Gauleiter Hofer noch eine Reihe weitreichender Forderungen: Erklärung des Alpenraums zum "Sperrgebiet", Bevorratung mit Lebensmitteln und lebenswichtigen Gütern auf lange Zeit, Sicherung des Rüstungspotentials, Errichtung von Waffen- und Munitionslagern, Verlegung von 30.000 amerikanischen und britischen Kriegsgefangenen in den Alpenraum (möglichst nur Offiziere), Ausweitung seiner Befehlsgewalt, Abberufung des Reichsaußenministers von Ribbentrop, um möglichst rasch diplomatische Gespräche aufnehmen zu können, und eine Rückkehr der Süd-Armee auf die südliche "Alpenstellung".
Doch Hofer, der zunächst alle zwei Wochen und mit Beginn des Jahres 1945 wöchentlich eine Antwort aus Berlin erbat, wartete vergebens, denn Bormann hielt seine "Führervorlage" zurück. Er hielt es im Hinblick auf die damalige militärische Lage wohl noch als verfrüht, gegenüber Hitler von einer letzten Verteidigung in den Alpen zu sprechen.
Erst als amerikanische Truppen im März 1945 den Rhein überschritten und Bormann erfuhr, "daß Hitler durch den deutschen Geheimdienst über die Befürchtungen der Alliierten bezüglich einer Alpenfestung unterrichtet worden war, so daß das Thema sozusagen als hoffähig gelten konnte", legte er Hofers Vorschlag Hitler vor. Erst am 9. April 1945 erhielt der Gauleiter von Tirol-Vorarlberg die Weisung, nach Berlin zu kommen, um zur Frage der "Alpenfestung" Stellung zu nehmen. Hätte man im Sommer und Herbst 1944, bei einer realen Einschätzung der deutschen Möglichkeiten, eventuell noch die Chance auf eine Realisierung, zumindest von Teilen des Projektes, gehabt, so besprach man im April 1945 allerdings nur noch eine Illusion.

SS-Obergruppenführer Karl Wolff nahm bereits im Februar 1945 über Schweizer Mittelsmänner (Max Waibel u. a.) Kontakt zum US Geheimdienst in der Schweiz auf, mit dem Ziel eine Teilkapitulation in Oberitalien herbeizuführen. Grund war die ausweglose Kriegslage. Nur was wäre gewesen, wenn Bormann den Bericht Hofers unverzüglich Hitler vorgelegt hätte und entsprechend einer Alpenfestung entschieden worden wäre? Die gesamten deutschen Italienstreitkräfte hätten sich auf die Kernfestung Alpen zurückziehen können und weil ein halbes Jahr an Sperrstellungen und Bollwerken gebaut werden konnte. Im Endeeffekt hätte damit durchaus den Krieg verlängern können, um zum Beispiel atomar bestückte Raketenfernwaffen gegen die Hauptstädte der Feindmächte einzusetzen. Ebensee mit der Anlage Zement (unterirdische Fabrik und Abschussanlagen)für "Amerika-Raketen" lag innerhalb der Kernfestung Alpen...
Gauleiter Hofer hatte in der Zwischenzeit aber auch ohne Führerbefehl an der Umsetzung seines Vorhabens gearbeitet, wenngleich ohne ausdrücklichen Befehl Hitlers an einen umfassenden Ausbau der Alpen nicht zu denken war. Dennoch gab es bis Ende März 1945 zumindest im Süden und im Westen – seit Jänner 1945 wurde auf Weisung Hofers auch in Vorarlberg gebaut – deutliche Anzeichen für Stellungsbauten, wobei vieles davon bis Kriegsende nur unvollendetes Stückwerk blieb. Im Norden war hingegen überhaupt nichts geschehen, jedoch begann man Anfang April 1945 an der Nordgrenze von Tirol und Vorarlberg sämtliche Straßen, Wege und Pässe gegen Panzer zu sperren. Auch die Ostgrenze Tirols wurde in diesen Sperrplan miteinbezogen, standen doch die Sowjets bereits in der Steiermark und westlich von Wien.
Am 11. und 12. April 1945 weilte Gauleiter Hofer in Berlin und besprach mit Hitler das Konzept einer "Alpenfestung". Angesichts der bis dahin tatsächlich durchgeführten Verteidigungsmaßnahmen war Hofer wohl bewusst, dass an eine Festung im eigentlichen Sinne nicht mehr zu denken war, zumal er darüber Bescheid wusste, dass in der Schweiz bereits seit längerem Geheimverhandlungen mit den Alliierten stattfanden, die eine Kapitulation der deutschen Südfront zum Ziel hatten.
Damit wäre die gesamte, mittlerweile gut befestigte, südliche Flanke weggebrochen und jegliche Weiterführung des Kampfes aussichtslos geworden.
Hofer jedenfalls versuchte Hitler weiterhin von der Notwendigkeit einer "Alpenfestung" zu überzeugen, ging es ihm doch in erster Linie um die Sicherung und Versorgung seines Gaus. Und Hofer hatte Erfolg - womit wohl auch beantwortet werden kann, wie Hitler im November 1944 entschieden hätte! .
Hitler willigte am 12. April 1945 in die Erkundung und den Ausbau der "Kernfestung Alpen" ein.
Damit konnte zum ersten Mal, während bisher alle Maßnahmen auf die Eigeninitiative Hofers zurückzuführen waren, offiziell von der "Alpenfestung" gesprochen werden. Und das Vorhaben wurde, nachdem niemand mehr an eine Realisierbarkeit glaubte, mit einer Gründlichkeit in Angriff genommen, als ob man noch eine halbe Ewigkeit zur Verfügung gehabt hätte.
Am 28. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, wurde der Erkundungs- und Ausbaubefehl für die "Kernfestung Alpen" erteilt. Die Begrenzung wurde wie folgt festgelegt: Füssen, Allgäuer Alpen, Valluga, Arlberg, Nauders, Stilfser Joch, Ortler, Adamello, nördlich Gardasee, Feltre, Karfreit, Karawanken, Unterdrauburg, "Gunther"-Stellung, Leoben, Dürrenstein, Waidhofen a. d. Ybbs, Steyr, Brückenkopf Salzburg, Tegernsee, Murnau. Zum Schutz der Industrieanlagen von Linz und Steyr sollte eine Vorstellung auf der Linie Dürrenstein, Amstetten, Donau bis westlich von Linz und Hausruck ausgebaut werden.
Zu dem Zeitpunkt, da dieser Führerbefehl erlassen wurde, glaubte nicht einmal mehr Adolf Hitler selbst an die Realisierbarkeit der "Alpenfestung". Hitler, der es bis zuletzt ablehnte, Berlin zu verlassen, äußerte sich dazu folgendermaßen:

"[...] eines weiß ich: Es ist völlig zwecklos, im Süden zu sitzen, weil ich dort keinen Einfluß und keine Armee habe. Ich wäre dort nur mit meinem Stabe. Einen süddeutsch-ostmärkischen Gebirgsblock könnte ich nur halten, wenn auch Italien als Kriegsschauplatz behauptet werden könnte. Aber auch dort herrscht ein völliger Defätismus bei der Führung, die von oben herunter zerfressen ist [...]."
Im alliierten Hauptquartier war man im April 1945 noch immer uneins, inwieweit man den eigenen Geheimdienstberichten über das Vorhandensein eines deutschen Réduits glauben konnte. Immerhin drängte Eisenhower noch Mitte April darauf, den Sieg nicht unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches öffentlich zu proklamieren, "da die Erstürmung der Zitadellen des Naziwiderstands sehr wohl noch Taten der Ausdauer und Heldenhaftigkeit verlangen mochten, die einzig mit den Hauptschlachten des Krieges vergleichbar seien."
Der alliierte Sieg sollte demnach erst nach der Besetzung von Schlüsselpositionen des Alpenraumes verkündet werden. Im Falle einer tatsächlichen Existenz der "Alpenfestung", blieb immer noch die Möglichkeit, sie auszusparen und zu umgehen, doch Eisenhowers Chief of Intelligence, Major General Sir W. D. Strong, sprach sich entschieden dagegen aus, da er meinte, "daß durch eine ungeknackte Alpenfestung der Mythos entstehen könnte, der Nationalsozialismus und die deutsche Nation hätten niemals kapituliert." Dieser Einschätzung wurde anscheinend Bedeutung beigemessen, denn man entschloss sich, den Sturm auf die "Alpenfestung" – wie auch immer sie letztlich aussehen möge – zu beginnen.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 01.02.09 15:46
The Real Blaze
Die "Alpenfestung" aus alliierter Geheimdienstperspektive
Die Alliierten sowie neutrale Schweizer Stellen hatten sich von Beginn an wesentlich intensiver mit der Möglichkeit einer "Alpenfestung" auseinandergesetzt, als dies die politischen und militärischen Entscheidungsträger Deutschlands taten. Erste Beobachtungen über mögliche Verteidigungsmaßnahmen im Alpenraum wurden auf alliierter Seite Ende 1943 registriert, wie aus einem Telegramm von OSS-Bern im Oktober 1943 hervorgeht.
"Beginning last month, defense construction has been under way in valleys of the Austrian Tyrol, to the southward of a line between Imst and Bludenz. This work is being carried on by the Todt organization."
Allerdings, und darauf muss an dieser Stelle hingewiesen werden, wurden Meldungen dieser Zeit, Ende 1943 und Anfang 1944, noch nicht in Verbindung mit einer "Alpenfestung" gebracht. Gerüchte über ein deutsches Réduit verdichteten sich erst im Laufe des Jahres 1944, und auch da nur sehr allmählich. Erst mit den im Sommer und Herbst 1944 in der Schweiz gehäuft auftretenden Réduit-Meldungen entfaltete sich daran ein zunehmendes Interesse in alliierten Geheimdienstkreisen.

Brennpunkt Alpen - je näher die Fronten an die Alpen rückten, desto absurder kochte die Gerüchteküche in der alliierten Presse, aber auch bei den Geheimdiensten hoch. Man wußte nicht was einen erwartete, aber mindestens würde es ein Alptraum werden...
Im OSS-Hauptquartier in Washington hatte man bis Ende 1944 nur eine vage Vorstellung von dem, was zum Zeitpunkt einer drohenden Niederlage Hitlerdeutschlands passieren könnte. Die Nachrichtensplitter aus Europa, insbesondere aus London und Bern, widersprachen sich häufig, jedoch tauchten immer mehr Meldungen über militärische Aktivitäten im Alpenraum, sowie über die Möglichkeit eines NS-Untergrunds bis hin zu einem Werwolf-Krieg auf.
Im August 1944 berichtet OSS über das Reich, dass man in den Alpen auf gründlich ausgebildete und politisch geschulte Truppen und Zivilisten treffen werde, die zu einem fanatischen Untergrundkampf bereit wären. Zehn Jahre Nationalsozialismus hätten den Boden dafür bereitet. Besonders bedenklich seinen die grenzenlosen deutschen Möglichkeiten der Tarnung in den Hochgebirgsmassiven, deren Bekämpfung außerordentlich schwierig werden würde.
in einem Telegramm vom 12. August 1944 durch OSS-Bern wurde die Befürchtung geäußert , daß die NS Führung plante mit ca 1 000 000 Soldaten im Vorarlberg, den ostmärkischen und bayerischen Alpen die Alpenfestung verdeitigen wolle und deshalb ausreichend Kriegsmaterial in die Alpengaue fließen lassen würde. Man glaubte dann sich zwischen 6 bis 12 Monaten behaupten zu können. Auch wenn man zahlenmäßig fast bizarr daneben lag, hätten immerhin die deutschen Italientruppen unter Generalfeldmarschall Albert Kesselring für hinhaltenden Widerstand gesorgt, wenn die geplanten Stellungen der Alpenfestung rechtzeitig errichtet worden wären. Sie waren inzwischen Abwehrspezialisten in Italien geworden und konnten das vorher eindrucksvoll zwischen Monte Cassino und Gustav-Linie beweisen.
Am 22. September 1944 legte OSS in Washington einen Expertenbericht vor, in dem der süddeutsche Raum als eine gesonderte politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Einheit innerhalb des Reiches gewertet wurde. Weiters hieß es darin, dass bereits einige deutsche Regierungsstellen aufgrund alliierter Luftangriffe nach Süden verlegt worden seien und man annehmen müsse, dass diese Evakuierungstendenz anhalten würde. Auch das Schweizer Geheimdienstbüro Hausamann berichtete im Oktober 1944 über deutsche Werksverlegungen in den Alpenraum.
So hieß es beispielsweise: "Seit kurzem treffen immer mehr auch Meldungen über Werksverlegungen ins Gebiet der Zufluchtsstellung ein. Unter anderem kann man heute in den Fels eingesprengte Fabriken von Flugzeugen, Motoren, Kraftwagen usw. begegnen, die so tief in den Berg gelagert sind, daß ihnen mit Geschoßen selbst schwerster Kaliber nicht beizukommen ist."
Insbesondere im Bereich der unterirdischen Raketenfabrik in Ebensee bestätigten sich diese Meldungen eklatant.
Im November 1944 ging ein geheimer Bericht des Joint Intelligence Committee (JIC) über den deutschen Plan eines Untergrundkampfes an US-Präsident Roosevelt und die höchsten zivilen und militärischen Instanzen der Vereinigten Staaten. Ziel dieser Studie war nicht die Lokalisierung des deutschen Abwehrkampfes, sondern das Ausloten von dessen historischer und sozialer Dimension, womit freilich nicht explizit auf die mögliche Existenz einer "Alpenfestung" hingewiesen wurde. Aber gerade in diesem Bericht lag, nach Ansicht des deutschen Historikers Christof Mauch, eine der Wurzeln für die Fehleinschätzung der realen Situation. Man glaubte an einen fanatischen Widerstand in den Alpen und wer so dachte, war logischerweise von vornherein auch geneigt, an die Errichtung einer "Alpenfestung" zu glauben.
Nachdem die deutsche Ardennenoffensive im Dezember 1944 scheiterte und die militärische Lage für das Dritte Reich immer aussichtsloser wurde, spekulierte OSS-Bern im Jänner 1945 bereits sehr offen mit der Möglichkeit einer letzten Verteidigungslinie der Deutschen in den Alpen.
"As the threat to Silesia and a part of Germany becomes acute in the East, the German military authorities must be asking themselves what fronts must be sacrificed in order to try to create a new stabilized line somewhere. […] it seems likely that the men around Hitler and Himmler are preparing for the possibility of a last stand in the inner fortress of the Bavarian and Austrian Alps […]."
Mittlerweile konnte man nicht mehr nur der Schweizer Presse allerlei abenteuerliche Meldungen über ein vermeintlich uneinnehmbares deutsches Alpenbollwerk entnehmen, längst hatten auch Zeitungen und Zeitschriften anderer Länder das aufsehenerregende Thema für sich entdeckt und gaben damit den Gerüchten rund um eine deutsche "Alpenfestung" neuen Auftrieb. So veröffentlichte etwa die Zeitschrift Collier's Ende Jänner 1945 einen ausführlichen Artikel über ein gigantisches deutsches Werwolf-Programm, das angeblich in Bad Aussee vorbereitet wurde. Modernste Waffen und die Elite der SS und Hitlerjugend würden dort für einen Untergrundkrieg in den Alpen gedrillt.
In New York meldete der Daily Worker, dass die Deutschen eine Reihe von selbstmörderischen Anschlägen planten und der Militärexperte des Blattes prophezeite, dass das gesamte deutsche Alpengebiet erbittert verteidigt würde. Hanson W. Baldwin, angesehener Militärsachverständiger der New York Times, schloss sich dem an und wagte die Voraussage, dass sich nach dem unvermeidlichen Fall Berlins, die Kämpfe in das Alpengebiet verlagern würden. Welche Publizität die "Alpenfestung" bereits bekommen hatte, lässt sich am besten daran ermessen, dass man in den USA für drei Dollar eine 27 Seiten starke Broschüre kaufen konnte, die all die Gerüchte, Mutmaßungen und Schauergeschichten wiedergab, die damals kursierten.
Mitte Februar 1945 hatte sich der Mythos "Alpenfestung" so weit verfestigt, dass Allen Dulles, Leiter des OSS-Bern, eine "Alpenfestung" – wenn auch etwas verspätet – als sehr realistisch einschätzte: "It seems generally accepted now that a delayed defense fortress will lie in the Bavarian and Austrian Alps." Wenige Tage später, am 20. Februar 1945, verbreitete OSS einen Agentenbericht des OWI (Office of War Information), in dem es hieß, dass sich die Deutschen auf einen erbitterten Bergkrieg vorbereiteten.
Ein geheimer Bericht des OSS-London, der im Februar 1945 erarbeitet und mit 1. März 1945 an verschiedene Stellen verteilt wurde, ging indessen davon aus, dass die Deutschen bereits im Jänner 1945 damit begonnen hatten, hochrangige französische Geiseln in die "Alpenfestung" zu verlegen. Ebenso wurde von alliierter Seite angenommen, dass weitere namhafte Geiseln, wie beispielsweise der belgische König, Stalins Sohn oder Badoglios Kinder, in naher Zukunft in die "Alpenfestung" gebracht werden würden. Die dahinter verborgene Absicht, so wurde vermutet, lag darin, dass man im Falle einer Niederlage diese Geiseln gegen Gewährung eines Schweizer Asyls für die noch in der "Alpenfestung" verbliebenen NS-Führer hätte eintauschen können. Ansonsten, so der Bericht, würden die Geiseln im Falle einer alliierten bzw. schweizerischen Verweigerung wohl das Schicksal der bis zum Ende kämpfenden NS-Führer teilen. Ferner wurde davon ausgegangen, dass die Deutschen in der "Alpenfestung" 10 SS-Divisionen und 15 gemischte Divisionen zusammenziehen, sowie eine zweijährige Nahrungsreserve anlegen würden.
Die Annahme, dass man im Lager der Alliierten ab Februar 1945 von der Existenz eines Réduits restlos überzeugt war, entspricht aber nicht den damaligen Tatsachen. Es gab zu jeder Zeit Stimmen, auch innerhalb des OSS, die an der deutschen "Alpenfestung" zweifelten. So wurde in einer 29-seitigen OSS-Abhandlung, die über den Zeitraum von Sommer 1944 bis Mitte Februar 1945 den Mythos "Alpenfestung" untersuchte, darauf hingewiesen, dass es kaum möglich sei, auf Basis der vorhandenen Materialien eine definitive Antwort auf die Frage zu geben, ob es zu einer "Alpenfestung" kommen werde oder nicht. Fakt sei, so die Studie, dass bisher keine umfangreichen, die gesamte Alpenzone umfassenden, Verteidigungsmaßnahmen getroffen wurden.
Ein großer Skeptiker der "Alpenfestung" war der Schweizer Oberbefehlshaber und Schöpfer des Schweizer "Réduit National" General Henri Guisan. Er zweifelte an der deutschen "Alpenfestung", da erkennbare deutsche Vorbereitungen, wenn überhaupt, dann erst kaum fortgeschritten waren und sein Land über zwei Jahre für die Errichtung des "Réduits" benötigte. Darüber hinaus fehle es den Deutschen nicht nur an Baumaterial und Arbeitskräften, sondern auch an der nötigen topographischen Beschaffenheit. In den deutschen Alpen gäbe es zu viele breite Täler und das Gebirge böte nicht denselben Schutz vor Luftangriffen, wie die Berge in der Schweiz. Eine Festung, so Guisan, ließe sich nicht improvisieren.
Die Skepsis Guisans wurde nicht nur von einigen alliierten Stellen geteilt, sondern schien auch von deutscher Seite bestätigt zu werden. Wie aus einer Aufzeichnung des OSS-Bern hervorgeht, kam es im März 1945 in der Schweiz zu einer Begegnung mit einem deutschen Beamten, der nach einer 24-stündigen Autofahrt eigens aus Berlin angereist war und mitzuteilte, daß die deutsche Bevölkerung in den Alpen einen Untergrundkampf nicht unterstützen würde sondern eher auf ein schnelles Kriegsende hoffe.
Während Allen Dulles noch vor wenigen Wochen eine "Alpenfestung" als sehr wahrscheinlich einschätzte und die mangelnden deutschen Vorbereitungen darauf zurückführte, dass Hitler den Ernst der Lage und somit die Notwendigkeit eines Untertauchens noch nicht eingesehen hatte, kamen auch ihm Ende März 1945 Zweifel an der Existenz eines stark befestigten Réduits.
Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich Dulles, trotz der angeführten Erkenntnisse, bis kurz vor Kriegsende von zahlreichen Meldungen über eine "Alpenfestung" irritieren ließ und keineswegs davon überzeugt war, dass es sich bei der "Alpenfestung" um ein Phantom handeln könnte.
Ein absoluter Höhepunkt übertriebener und unseriöser Meldungen stellte der Bericht des G-2 Offiziers der 7. US-Armee(33), Oberst William W. Quinn, am 25. März 1945 dar. Er war überzeugt, dass Hitler den Bau einer "Alpenfestung" befohlen hatte und aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden nachrichtendienstlichen Unterlagen vertrat Quinn die Meinung, dass Himmler für die Verteidigung des Réduits 80 Eliteeinheiten von jeweils 1.000 bis 4.000 Mann zusammengezogen hatte. Eine unterirdische Fabrik sei darüber hinaus in der Lage, komplette Messerschmitt-Flugzeuge zu produzieren und die besten Waffen, über die Deutschland verfüge, würden in die "Alpenfestung" gebracht; so seien bereits versiegelte Güterzüge der Skoda-Werke mit Waffen und Gerät, sowie Geschütze eines neuen Typs gesehen worden. Die "Alpenfestung" würde letztlich, so Quinn, von 200.000 bis 300.000 kampferprobten SS-Soldaten und gut geschulten Gebirgstruppen verteidigt werden, die sich bis zum letzten Mann fanatisch verteidigen würden. Im Obersten Hauptquartier der alliierten Streitkräfte, dem SHAEF(35), war man aber vorsichtig genug, um der Feindlagebeurteilung der 7. US-Armee nicht vorbehaltlos zuzustimmen.
Die Unsicherheiten bezüglich einer Einschätzung der "Alpenfestung" setzten sich fort und so war es erneut Allen Dulles, der in einem Telegramm vom 6. April 1945 der Überzeugung Ausdruck verlieh, dass die Deutschen in letzter Zeit einen beschleunigten Ausbau des Réduits betreiben würden und umfangreiche Vorräte an Waffen und Nahrungsmittel angelegt hätten, die ca. 25.000 Mann ein Jahr lang versorgen könnten. Mitte April 1945 legte die Abteilung R&A des OSS-London eine Studie vor, die sich mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des für ein deutsches Réduit in Frage kommenden Gebietes beschäftigte. Detailliert wurde dabei auf Bodenschätze und Ressourcen des Alpenraumes eingegangen, die für eine "Alpenfestung" nötig wären, wobei vor allem auf das Problem einer Nahrungsmittelknappheit hingewiesen wurde. Der Alpenraum würde von sich aus zu wenig Nahrung bereitstellen, sodass man auf Vorräte angewiesen sei, so die Studie. Ein weiterer Schwachpunkt wurde in der Tatsache gesehen, dass sich die Industriezentren außerhalb der eigentlichen Kernfestung befänden, vor allem in der östlichen Mur-Mürzfurche. Würden diese Gebiete militärisch verloren gehen, so würde dies für die "Alpenfestung" einen enormen Verlust bedeuten, so die Studie weiter. Zum Entschluss, dass eine "Alpenfestung" aus ökonomischen Gründen gänzlich zum Scheitern verurteilt wäre, kam man allerdings nicht. Im Gegenteil, den Experten von R&A erschien es durchaus möglich, trotz des Mangels an Kohle, Stahl, Bauxit und Öl, im Réduit Rüstungsgüter herzustellen.
Aufmerksam wurden von OSS-London die Aktivitäten von Partisanenbanden im Alpenraum verfolgt. So wurde Mitte April 1945 berichtet, dass es Banden gelungen war, die Hauptverkehrslinien von Innsbruck nach München und Salzburg zu sprengen und das Réduit 24 Stunden von der restlichen Ostmark abgeschnitten war. Besorgt berichtete man ferner von einer Aufstockung der Führerbegleitbrigade in Berchtesgaden auf 4.000 Mann und von Material-, Waffen- und Nahrungsmittellieferungen größeren Umfangs, die täglich in Bregenz, Dornbirn und Bludenz eintrafen. Auch aus Salzburg, Berchtesgaden und anderen Teilen des Réduits meldete man verdächtige Lieferungen. Der amerikanische Geheimdienst beobachtete jede Aktivität im Alpenraum mit großer Aufmerksamkeit, doch wie stellte sich die Situation für den britischen Geheimdienst dar?
Selbstverständlich gab es eine funktionierende Kooperation zwischen dem britischen und amerikanischen Geheimdienst, doch waren dieser Zusammenarbeit von vornherein auch gewisse Grenzen gesetzt, sodass die zwei am Kriegsschauplatz miteinander verbündeten Staaten in geheimdienstlicher Hinsicht durchaus eigene Wege beschritten. So ist festzustellen, dass die Briten, im Gegensatz zu OSS, fast allen Presse- und Agentenberichten sehr skeptisch gegenüber standen. Insbesondere der britische militärische Geheimdienst MI-14 verließ sich nahezu ausschließlich auf "signal intelligence" (SIGINT).
Seit Mitte 1944 dekodierten die Briten Nachrichten, die darauf hindeuteten, dass sich die Deutschen an den südlichen Ausläufern der Alpen eine gut befestigte Verteidigungslinie, die so genannte "Alpenvorlandslinie" oder "Blaue Linie", aufbauen würden. Die Briten sprachen dabei aber lediglich von "normal defence activity", von einem Réduit war keine Rede. Der britische Secret Intelligence Service (SIS) lieferte zwar des Öfteren Berichte über "continued preparations for a final stronghold in Austria and Bavaria" , erhärten ließen sich diese Meldungen durch SIGINT aber nicht, womit ihnen von britischer Seite keine allzu hohe Priorität eingeräumt wurde. Den ersten, wenn auch indirekten, Hinweis auf die Existenz einer "Alpenfestung" entschlüsselten die Briten Ende März 1945 aus deutschen Funksprüchen. Adolf Hitler hatte eine Direktive erlassen, aus der hervor ging, dass "reinrassige" deutsche Einheiten für einen nicht näher bestimmten Fall bereitgehalten würden. Bei MI-14 wurden Vermutungen laut, dass diese Einheiten eventuell für den Endkampf in der "Alpenfestung" vorgesehen sein könnten. Obwohl gerade die Briten die Existenz einer "Alpenfestung" immer mit großer Skepsis betrachteten und wiederholt darauf hingewiesen hatten, dass der Ausbau eines Réduits infolge der alliierten Luftüberlegenheit so gut wie undurchführbar sei und der Alpenraum zudem nicht in der Lage sei, umfangreiche Streitkräfte zu versorgen, hielt man es in britischen Geheimdienstkreisen Ende März 1945 zumindest für möglich, dass sich fanatische SS-Einheiten im Alpenraum verschanzen könnten.
Als sich Eisenhower im März 1945 dazu entschloss, seine Truppen nach Süden eindrehen zu lassen und Berlin auszuklammern, opponierte zwar die britische Politik dagegen, aber von Seiten des britischen Geheimdienstes gab es so gut wie keine Kritik. In der Tat waren sich sowohl britische wie amerikanische Geheimdienstexperten darüber einig, dass sich gerade der Alpenraum vorzüglich für einen deutschen Widerstand eignen würde, weswegen man in jedem Fall verhindern wollte, dass sich größere deutsche Truppenkontingente im unwegsamen alpinen Gelände festsetzen konnten. Die Frage, ob es eine "Alpenfestung" geben werde oder nicht, konnte von den alliierten Geheimdiensten bis Kriegsende jedenfalls nicht definitiv beantwortet werden.
Die Alliierten sowie neutrale Schweizer Stellen hatten sich von Beginn an wesentlich intensiver mit der Möglichkeit einer "Alpenfestung" auseinandergesetzt, als dies die politischen und militärischen Entscheidungsträger Deutschlands taten. Erste Beobachtungen über mögliche Verteidigungsmaßnahmen im Alpenraum wurden auf alliierter Seite Ende 1943 registriert, wie aus einem Telegramm von OSS-Bern im Oktober 1943 hervorgeht.
"Beginning last month, defense construction has been under way in valleys of the Austrian Tyrol, to the southward of a line between Imst and Bludenz. This work is being carried on by the Todt organization."
Allerdings, und darauf muss an dieser Stelle hingewiesen werden, wurden Meldungen dieser Zeit, Ende 1943 und Anfang 1944, noch nicht in Verbindung mit einer "Alpenfestung" gebracht. Gerüchte über ein deutsches Réduit verdichteten sich erst im Laufe des Jahres 1944, und auch da nur sehr allmählich. Erst mit den im Sommer und Herbst 1944 in der Schweiz gehäuft auftretenden Réduit-Meldungen entfaltete sich daran ein zunehmendes Interesse in alliierten Geheimdienstkreisen.

Brennpunkt Alpen - je näher die Fronten an die Alpen rückten, desto absurder kochte die Gerüchteküche in der alliierten Presse, aber auch bei den Geheimdiensten hoch. Man wußte nicht was einen erwartete, aber mindestens würde es ein Alptraum werden...
Im OSS-Hauptquartier in Washington hatte man bis Ende 1944 nur eine vage Vorstellung von dem, was zum Zeitpunkt einer drohenden Niederlage Hitlerdeutschlands passieren könnte. Die Nachrichtensplitter aus Europa, insbesondere aus London und Bern, widersprachen sich häufig, jedoch tauchten immer mehr Meldungen über militärische Aktivitäten im Alpenraum, sowie über die Möglichkeit eines NS-Untergrunds bis hin zu einem Werwolf-Krieg auf.
Im August 1944 berichtet OSS über das Reich, dass man in den Alpen auf gründlich ausgebildete und politisch geschulte Truppen und Zivilisten treffen werde, die zu einem fanatischen Untergrundkampf bereit wären. Zehn Jahre Nationalsozialismus hätten den Boden dafür bereitet. Besonders bedenklich seinen die grenzenlosen deutschen Möglichkeiten der Tarnung in den Hochgebirgsmassiven, deren Bekämpfung außerordentlich schwierig werden würde.
in einem Telegramm vom 12. August 1944 durch OSS-Bern wurde die Befürchtung geäußert , daß die NS Führung plante mit ca 1 000 000 Soldaten im Vorarlberg, den ostmärkischen und bayerischen Alpen die Alpenfestung verdeitigen wolle und deshalb ausreichend Kriegsmaterial in die Alpengaue fließen lassen würde. Man glaubte dann sich zwischen 6 bis 12 Monaten behaupten zu können. Auch wenn man zahlenmäßig fast bizarr daneben lag, hätten immerhin die deutschen Italientruppen unter Generalfeldmarschall Albert Kesselring für hinhaltenden Widerstand gesorgt, wenn die geplanten Stellungen der Alpenfestung rechtzeitig errichtet worden wären. Sie waren inzwischen Abwehrspezialisten in Italien geworden und konnten das vorher eindrucksvoll zwischen Monte Cassino und Gustav-Linie beweisen.
Am 22. September 1944 legte OSS in Washington einen Expertenbericht vor, in dem der süddeutsche Raum als eine gesonderte politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Einheit innerhalb des Reiches gewertet wurde. Weiters hieß es darin, dass bereits einige deutsche Regierungsstellen aufgrund alliierter Luftangriffe nach Süden verlegt worden seien und man annehmen müsse, dass diese Evakuierungstendenz anhalten würde. Auch das Schweizer Geheimdienstbüro Hausamann berichtete im Oktober 1944 über deutsche Werksverlegungen in den Alpenraum.
So hieß es beispielsweise: "Seit kurzem treffen immer mehr auch Meldungen über Werksverlegungen ins Gebiet der Zufluchtsstellung ein. Unter anderem kann man heute in den Fels eingesprengte Fabriken von Flugzeugen, Motoren, Kraftwagen usw. begegnen, die so tief in den Berg gelagert sind, daß ihnen mit Geschoßen selbst schwerster Kaliber nicht beizukommen ist."
Insbesondere im Bereich der unterirdischen Raketenfabrik in Ebensee bestätigten sich diese Meldungen eklatant.
Im November 1944 ging ein geheimer Bericht des Joint Intelligence Committee (JIC) über den deutschen Plan eines Untergrundkampfes an US-Präsident Roosevelt und die höchsten zivilen und militärischen Instanzen der Vereinigten Staaten. Ziel dieser Studie war nicht die Lokalisierung des deutschen Abwehrkampfes, sondern das Ausloten von dessen historischer und sozialer Dimension, womit freilich nicht explizit auf die mögliche Existenz einer "Alpenfestung" hingewiesen wurde. Aber gerade in diesem Bericht lag, nach Ansicht des deutschen Historikers Christof Mauch, eine der Wurzeln für die Fehleinschätzung der realen Situation. Man glaubte an einen fanatischen Widerstand in den Alpen und wer so dachte, war logischerweise von vornherein auch geneigt, an die Errichtung einer "Alpenfestung" zu glauben.
Nachdem die deutsche Ardennenoffensive im Dezember 1944 scheiterte und die militärische Lage für das Dritte Reich immer aussichtsloser wurde, spekulierte OSS-Bern im Jänner 1945 bereits sehr offen mit der Möglichkeit einer letzten Verteidigungslinie der Deutschen in den Alpen.
"As the threat to Silesia and a part of Germany becomes acute in the East, the German military authorities must be asking themselves what fronts must be sacrificed in order to try to create a new stabilized line somewhere. […] it seems likely that the men around Hitler and Himmler are preparing for the possibility of a last stand in the inner fortress of the Bavarian and Austrian Alps […]."
Mittlerweile konnte man nicht mehr nur der Schweizer Presse allerlei abenteuerliche Meldungen über ein vermeintlich uneinnehmbares deutsches Alpenbollwerk entnehmen, längst hatten auch Zeitungen und Zeitschriften anderer Länder das aufsehenerregende Thema für sich entdeckt und gaben damit den Gerüchten rund um eine deutsche "Alpenfestung" neuen Auftrieb. So veröffentlichte etwa die Zeitschrift Collier's Ende Jänner 1945 einen ausführlichen Artikel über ein gigantisches deutsches Werwolf-Programm, das angeblich in Bad Aussee vorbereitet wurde. Modernste Waffen und die Elite der SS und Hitlerjugend würden dort für einen Untergrundkrieg in den Alpen gedrillt.
In New York meldete der Daily Worker, dass die Deutschen eine Reihe von selbstmörderischen Anschlägen planten und der Militärexperte des Blattes prophezeite, dass das gesamte deutsche Alpengebiet erbittert verteidigt würde. Hanson W. Baldwin, angesehener Militärsachverständiger der New York Times, schloss sich dem an und wagte die Voraussage, dass sich nach dem unvermeidlichen Fall Berlins, die Kämpfe in das Alpengebiet verlagern würden. Welche Publizität die "Alpenfestung" bereits bekommen hatte, lässt sich am besten daran ermessen, dass man in den USA für drei Dollar eine 27 Seiten starke Broschüre kaufen konnte, die all die Gerüchte, Mutmaßungen und Schauergeschichten wiedergab, die damals kursierten.
Mitte Februar 1945 hatte sich der Mythos "Alpenfestung" so weit verfestigt, dass Allen Dulles, Leiter des OSS-Bern, eine "Alpenfestung" – wenn auch etwas verspätet – als sehr realistisch einschätzte: "It seems generally accepted now that a delayed defense fortress will lie in the Bavarian and Austrian Alps." Wenige Tage später, am 20. Februar 1945, verbreitete OSS einen Agentenbericht des OWI (Office of War Information), in dem es hieß, dass sich die Deutschen auf einen erbitterten Bergkrieg vorbereiteten.
Ein geheimer Bericht des OSS-London, der im Februar 1945 erarbeitet und mit 1. März 1945 an verschiedene Stellen verteilt wurde, ging indessen davon aus, dass die Deutschen bereits im Jänner 1945 damit begonnen hatten, hochrangige französische Geiseln in die "Alpenfestung" zu verlegen. Ebenso wurde von alliierter Seite angenommen, dass weitere namhafte Geiseln, wie beispielsweise der belgische König, Stalins Sohn oder Badoglios Kinder, in naher Zukunft in die "Alpenfestung" gebracht werden würden. Die dahinter verborgene Absicht, so wurde vermutet, lag darin, dass man im Falle einer Niederlage diese Geiseln gegen Gewährung eines Schweizer Asyls für die noch in der "Alpenfestung" verbliebenen NS-Führer hätte eintauschen können. Ansonsten, so der Bericht, würden die Geiseln im Falle einer alliierten bzw. schweizerischen Verweigerung wohl das Schicksal der bis zum Ende kämpfenden NS-Führer teilen. Ferner wurde davon ausgegangen, dass die Deutschen in der "Alpenfestung" 10 SS-Divisionen und 15 gemischte Divisionen zusammenziehen, sowie eine zweijährige Nahrungsreserve anlegen würden.
Die Annahme, dass man im Lager der Alliierten ab Februar 1945 von der Existenz eines Réduits restlos überzeugt war, entspricht aber nicht den damaligen Tatsachen. Es gab zu jeder Zeit Stimmen, auch innerhalb des OSS, die an der deutschen "Alpenfestung" zweifelten. So wurde in einer 29-seitigen OSS-Abhandlung, die über den Zeitraum von Sommer 1944 bis Mitte Februar 1945 den Mythos "Alpenfestung" untersuchte, darauf hingewiesen, dass es kaum möglich sei, auf Basis der vorhandenen Materialien eine definitive Antwort auf die Frage zu geben, ob es zu einer "Alpenfestung" kommen werde oder nicht. Fakt sei, so die Studie, dass bisher keine umfangreichen, die gesamte Alpenzone umfassenden, Verteidigungsmaßnahmen getroffen wurden.
Ein großer Skeptiker der "Alpenfestung" war der Schweizer Oberbefehlshaber und Schöpfer des Schweizer "Réduit National" General Henri Guisan. Er zweifelte an der deutschen "Alpenfestung", da erkennbare deutsche Vorbereitungen, wenn überhaupt, dann erst kaum fortgeschritten waren und sein Land über zwei Jahre für die Errichtung des "Réduits" benötigte. Darüber hinaus fehle es den Deutschen nicht nur an Baumaterial und Arbeitskräften, sondern auch an der nötigen topographischen Beschaffenheit. In den deutschen Alpen gäbe es zu viele breite Täler und das Gebirge böte nicht denselben Schutz vor Luftangriffen, wie die Berge in der Schweiz. Eine Festung, so Guisan, ließe sich nicht improvisieren.
Die Skepsis Guisans wurde nicht nur von einigen alliierten Stellen geteilt, sondern schien auch von deutscher Seite bestätigt zu werden. Wie aus einer Aufzeichnung des OSS-Bern hervorgeht, kam es im März 1945 in der Schweiz zu einer Begegnung mit einem deutschen Beamten, der nach einer 24-stündigen Autofahrt eigens aus Berlin angereist war und mitzuteilte, daß die deutsche Bevölkerung in den Alpen einen Untergrundkampf nicht unterstützen würde sondern eher auf ein schnelles Kriegsende hoffe.
Während Allen Dulles noch vor wenigen Wochen eine "Alpenfestung" als sehr wahrscheinlich einschätzte und die mangelnden deutschen Vorbereitungen darauf zurückführte, dass Hitler den Ernst der Lage und somit die Notwendigkeit eines Untertauchens noch nicht eingesehen hatte, kamen auch ihm Ende März 1945 Zweifel an der Existenz eines stark befestigten Réduits.
Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich Dulles, trotz der angeführten Erkenntnisse, bis kurz vor Kriegsende von zahlreichen Meldungen über eine "Alpenfestung" irritieren ließ und keineswegs davon überzeugt war, dass es sich bei der "Alpenfestung" um ein Phantom handeln könnte.
Ein absoluter Höhepunkt übertriebener und unseriöser Meldungen stellte der Bericht des G-2 Offiziers der 7. US-Armee(33), Oberst William W. Quinn, am 25. März 1945 dar. Er war überzeugt, dass Hitler den Bau einer "Alpenfestung" befohlen hatte und aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden nachrichtendienstlichen Unterlagen vertrat Quinn die Meinung, dass Himmler für die Verteidigung des Réduits 80 Eliteeinheiten von jeweils 1.000 bis 4.000 Mann zusammengezogen hatte. Eine unterirdische Fabrik sei darüber hinaus in der Lage, komplette Messerschmitt-Flugzeuge zu produzieren und die besten Waffen, über die Deutschland verfüge, würden in die "Alpenfestung" gebracht; so seien bereits versiegelte Güterzüge der Skoda-Werke mit Waffen und Gerät, sowie Geschütze eines neuen Typs gesehen worden. Die "Alpenfestung" würde letztlich, so Quinn, von 200.000 bis 300.000 kampferprobten SS-Soldaten und gut geschulten Gebirgstruppen verteidigt werden, die sich bis zum letzten Mann fanatisch verteidigen würden. Im Obersten Hauptquartier der alliierten Streitkräfte, dem SHAEF(35), war man aber vorsichtig genug, um der Feindlagebeurteilung der 7. US-Armee nicht vorbehaltlos zuzustimmen.
Die Unsicherheiten bezüglich einer Einschätzung der "Alpenfestung" setzten sich fort und so war es erneut Allen Dulles, der in einem Telegramm vom 6. April 1945 der Überzeugung Ausdruck verlieh, dass die Deutschen in letzter Zeit einen beschleunigten Ausbau des Réduits betreiben würden und umfangreiche Vorräte an Waffen und Nahrungsmittel angelegt hätten, die ca. 25.000 Mann ein Jahr lang versorgen könnten. Mitte April 1945 legte die Abteilung R&A des OSS-London eine Studie vor, die sich mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des für ein deutsches Réduit in Frage kommenden Gebietes beschäftigte. Detailliert wurde dabei auf Bodenschätze und Ressourcen des Alpenraumes eingegangen, die für eine "Alpenfestung" nötig wären, wobei vor allem auf das Problem einer Nahrungsmittelknappheit hingewiesen wurde. Der Alpenraum würde von sich aus zu wenig Nahrung bereitstellen, sodass man auf Vorräte angewiesen sei, so die Studie. Ein weiterer Schwachpunkt wurde in der Tatsache gesehen, dass sich die Industriezentren außerhalb der eigentlichen Kernfestung befänden, vor allem in der östlichen Mur-Mürzfurche. Würden diese Gebiete militärisch verloren gehen, so würde dies für die "Alpenfestung" einen enormen Verlust bedeuten, so die Studie weiter. Zum Entschluss, dass eine "Alpenfestung" aus ökonomischen Gründen gänzlich zum Scheitern verurteilt wäre, kam man allerdings nicht. Im Gegenteil, den Experten von R&A erschien es durchaus möglich, trotz des Mangels an Kohle, Stahl, Bauxit und Öl, im Réduit Rüstungsgüter herzustellen.
Aufmerksam wurden von OSS-London die Aktivitäten von Partisanenbanden im Alpenraum verfolgt. So wurde Mitte April 1945 berichtet, dass es Banden gelungen war, die Hauptverkehrslinien von Innsbruck nach München und Salzburg zu sprengen und das Réduit 24 Stunden von der restlichen Ostmark abgeschnitten war. Besorgt berichtete man ferner von einer Aufstockung der Führerbegleitbrigade in Berchtesgaden auf 4.000 Mann und von Material-, Waffen- und Nahrungsmittellieferungen größeren Umfangs, die täglich in Bregenz, Dornbirn und Bludenz eintrafen. Auch aus Salzburg, Berchtesgaden und anderen Teilen des Réduits meldete man verdächtige Lieferungen. Der amerikanische Geheimdienst beobachtete jede Aktivität im Alpenraum mit großer Aufmerksamkeit, doch wie stellte sich die Situation für den britischen Geheimdienst dar?
Selbstverständlich gab es eine funktionierende Kooperation zwischen dem britischen und amerikanischen Geheimdienst, doch waren dieser Zusammenarbeit von vornherein auch gewisse Grenzen gesetzt, sodass die zwei am Kriegsschauplatz miteinander verbündeten Staaten in geheimdienstlicher Hinsicht durchaus eigene Wege beschritten. So ist festzustellen, dass die Briten, im Gegensatz zu OSS, fast allen Presse- und Agentenberichten sehr skeptisch gegenüber standen. Insbesondere der britische militärische Geheimdienst MI-14 verließ sich nahezu ausschließlich auf "signal intelligence" (SIGINT).
Seit Mitte 1944 dekodierten die Briten Nachrichten, die darauf hindeuteten, dass sich die Deutschen an den südlichen Ausläufern der Alpen eine gut befestigte Verteidigungslinie, die so genannte "Alpenvorlandslinie" oder "Blaue Linie", aufbauen würden. Die Briten sprachen dabei aber lediglich von "normal defence activity", von einem Réduit war keine Rede. Der britische Secret Intelligence Service (SIS) lieferte zwar des Öfteren Berichte über "continued preparations for a final stronghold in Austria and Bavaria" , erhärten ließen sich diese Meldungen durch SIGINT aber nicht, womit ihnen von britischer Seite keine allzu hohe Priorität eingeräumt wurde. Den ersten, wenn auch indirekten, Hinweis auf die Existenz einer "Alpenfestung" entschlüsselten die Briten Ende März 1945 aus deutschen Funksprüchen. Adolf Hitler hatte eine Direktive erlassen, aus der hervor ging, dass "reinrassige" deutsche Einheiten für einen nicht näher bestimmten Fall bereitgehalten würden. Bei MI-14 wurden Vermutungen laut, dass diese Einheiten eventuell für den Endkampf in der "Alpenfestung" vorgesehen sein könnten. Obwohl gerade die Briten die Existenz einer "Alpenfestung" immer mit großer Skepsis betrachteten und wiederholt darauf hingewiesen hatten, dass der Ausbau eines Réduits infolge der alliierten Luftüberlegenheit so gut wie undurchführbar sei und der Alpenraum zudem nicht in der Lage sei, umfangreiche Streitkräfte zu versorgen, hielt man es in britischen Geheimdienstkreisen Ende März 1945 zumindest für möglich, dass sich fanatische SS-Einheiten im Alpenraum verschanzen könnten.
Als sich Eisenhower im März 1945 dazu entschloss, seine Truppen nach Süden eindrehen zu lassen und Berlin auszuklammern, opponierte zwar die britische Politik dagegen, aber von Seiten des britischen Geheimdienstes gab es so gut wie keine Kritik. In der Tat waren sich sowohl britische wie amerikanische Geheimdienstexperten darüber einig, dass sich gerade der Alpenraum vorzüglich für einen deutschen Widerstand eignen würde, weswegen man in jedem Fall verhindern wollte, dass sich größere deutsche Truppenkontingente im unwegsamen alpinen Gelände festsetzen konnten. Die Frage, ob es eine "Alpenfestung" geben werde oder nicht, konnte von den alliierten Geheimdiensten bis Kriegsende jedenfalls nicht definitiv beantwortet werden.
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