Keine Torpedoversager-"Nelson"&"Warspite" versenkt

Foren » Forum » Was - wäre - wenn ? » Keine Torpedoversager-"Nelson"&"Warspite" versenkt

The Real Blaze
Ein deutsches U-Boot schoß im November 1939 westlich der Orkneys einen Dreierfächer auf das Schlachtschiff "Nelson". Die Torpedos wurden als Treffer ermittelt, aber sie explodierten nicht. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich kein Geringerer als Churchill an Bord der "Nelson" auf.
Während der Besetzungsoperation Norwegens schossen deutsche U-Boote im Fjord vor Narvik nicht weniger als fünf Torpedos auf das britische Schlachtschiff "Warspite" ab, die allesamt nicht explodierten. Die Quote lag bei 50% Versagern...


HMS Nelson auf Einsatzfahrt

Wenn nun aber die Torpedos nicht versagt hätten? Am 30.10. sichtet U 56 (Kptlt. Zahn) die Schlachtschiffe Nelson, Rodney und Hood mit 10 Zerstörern. Angriff auf das Schlachtschiff Nelson mit einen Dreierfächer,Volltreffer...der Rumpf der "Nelson" wird aufgerissen,Wassereinbrüche lassen das Schiff schließlich kentern und untergehen...Chuchill überlebt das nicht, weil er sich zu dieser Zeit trefferseitig auf dem Deck aufhielt.Der Erste Lord der Admiralität erhielt in London ein Staatsbegräbnis...
Wie weiter?
Der kompromißbereitere Chamberlain war noch im Amt und niemand war da der ihn ersetzen konnte... Tatsächlich geschah das am 10. Mai1940: Nach dem Beginn des deutschen " Westfeldzugs" gegen Frankreich wird Churchill unter dem Druck der öffentlichen Meinung Premier- und Verteidigungsminister einer neu gebildeten Koalitionsregierung und Parteiführer der Konservativen...

Diesen 10.Mai gab es in diesen Szenario nicht.Welcher britische Politiker hatte das Format eines Winston Churchill? Da war niemand in Sichtweite. Nach der Niederlage in Frankreich, waren die Chancen einen Frieden auszuhandeln größer als mit Churchill.
Nicht zu vergessen: Wenn es nach dem französischen Waffenstillstand auch zu einem englischen gekommen wäre, wäre nicht eine Bombe auf England gefallen. Bis Juni 1940 fiel nicht eine einzige deutsche Bombe auf England,während englische Bomber schon am 4.9.1939! Wilhelmshafen bombadierten.Der ganze sinnlose Terrorbombenkrieg gegen deutsche Städte wäre uns erspart geblieben...
Und dann? Allgemeiner Frieden in Europa im Sommer 1940, deutsche Truppen ziehen sich aus Frankreich zurück, behalten nur Elsaß-Lothringen(Hitler wollte Westgrenze bis Verdun vorschieben),Luxemburg und die Kanalinseln.Belgien teilt sich in Großflandern und Wallonien,Niederlande bekommt eine NSB Regierung...
Ohne Churchill hätte es auch keine Nordraumerweiterung des Krieges gegeben, den die Verminung norwegischer Hoheitsgewässer wurde auf seinen Befehl hin durchgeführt,was wiederum die deutsche Gegenoperation "Weserübung" provozierte...

Gut möglich,daß Edward der VIII., den Thron wieder bestiegen hätte in England.

Deutschland im Sommer 1940.Frieden im Westen.Da wäre einiges nicht passiert: Kein deutsches Afrikakorps und auch kein Putsch in Jugoslawien, der von England damals mit unterstützt wurde.Problemfall Italien hätte sich wohl schon mit Griechenland angelegt und natürlich deutsche Hilfe gebraucht.Nur ohne englisches Expeditionskorps ,war diese Krise dort schon beim Durchbruch durch die Metaxaslinie beendet.Eine blutige Erstürmung Kretas hätte es nie gegeben...

Sowjetrußland...Der Aufmarsch der Roten Armee an der deutschen Ostgrenze ,der auch durch britische Eingreifwünsche damals mit forciert wurde wäre wohl wesentlich geringer ausgefallen...Auch hier hätte sich Stalin der neuen Lage angepaßt und keinen Molotow mit Dardanellen und Balkanwünschen nach Berlin geschickt, was damals im November 1940 wirklich geschah und die OP Barbarossa mit provozierte...

Holocaust...Mit dem weltweiten Spielraum ab Sommer 1940 konnte Deutschland sich auch hier dem englischen Madagaskarplan anschließen und sein selbst inszeniertes "Judenproblem" durch Deportation lösen.Wie bereits bekannt durch eine Sendung auf Phönix, hatten die Engländer vor dem Krieg bereits damit begonnen,Juden nach Mauritius zu transportieren, ein maritimer Katzensprung von Madagaskar weg. Ein "Israel" wäre somit auf Madagaskar entstanden und nicht im krisenträchtigen Nahen Osten...
Ob unter die erträumte Führung eines Adolf Eichmann soll erstmal dahin gestellt sein...

Fazit: die deutsche Torpedokrise bescherten uns die Welt von heute...

[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 11.08.06 17:05 ]
The Real Blaze
Die fast kriegsentscheidente Story der U-56

Der Mann im Horchraum von U 56 nahm als erster den Feind wahr: In seinen Kopfhörern war das dumpfe mahlende Geräusch der Schrauben vieler Schiffe zu hören. Die Geräusche wurden stärker, näherten sich und schwollen zu brausendem Gedröhn an.

Es war der 30.10.1939, morgens kurz vor 10:00 Uhr. U 56 war wenige Meilen westlich der Orkney-Inseln auf Sehrohrtiefe weggetaucht. Kapitänleutnant Wilhelm Zahn, Kommandant von U 56, hatte das Sehrohr wiederholt ausgefahren und rundherum die Kimm gemustert.

Zunächst schien das Meer leer, doch nach kurzer Zeit waren Rümpfe am Horizont emporgewachsen. Es waren die schlanken Silhouetten von Zerstörern, insgesamt zehn. Die schnellen Schiffe fuhren U-Boot-Sicherung zum Schutze von Großbritanniens wertvollstem Gut zur See.

Inmitten der Zerstörer-Meute stampften drei der kampfstärksten Schlachtschiffe der Royal Navy durch die lange Dünung des Atlantik. Es handelte sich um die "HMS Nelson" (34.000 BRT groß), ihr Schwesterschiff die "HMS Rodney" und die "HMS Hood" (42.000 BRT groß). Die "HMS Hood" war England größtes Kriegsschiff überhaupt.

Der britische Flottenverband furchte mit Marschgeschwindigkeit von 12 Knoten dahin, unerreichbar für U 56, das unter Wasser allenfalls 7.4 Knoten laufen konnte.

Doch dann geschah es: Die großen Schiffe änderten ihren Kurs und näherten sich schnell dem Standort von U 56. Sie liefen dem lauernden U-Boot direkt vor die Rohre.

Die Zerstörer, die die Schlachtschiffe vor U-Boot-Angriffen bewahren sollten, rauschten mit weitem Abstand von den großen Schiffen durch die See. So befand sich das U-Boot plötzlich zwischen den Zerstörern und den Schlachtschiffen, vom Feind unbemerkt, bereit zum vernichtenden Schlag.

U 56 war vom B.d.U. Konteradmiral Karl Dönitz, im Seegebiet westlich der Orkney-Inseln postiert worden.

Dönitz hatte vorausgesehen, was die Briten tun würden, nachdem Günther Prien in der Bucht von Scapa Flow die "HMS Royal Oak" versenkt hatte. Karl Dönitz erinnert sich: "Es war nach Priens Erfolg klar, dass die Engländer alle möglichen Eindringlücken in die Bucht von Scapa Flow gründlich untersuchen und völlig schließen würden. Während dieser Zeit würden sie die Bucht räumen und die Heimatflottille auf einen anderen Liegeplatz führen. Ich nahm an, dass das Loch Ewe an der schottischen Westküste, der Firth of Forth und der Firth of Clyde hierfür in Frage kamen. Infolgedessen wurden entsprechende U-Boot-Unternehmungen dorthin angesetzt."

Jetzt am 30.10.1939, zwei Wochen nach der Operation von Prien, schien die Rechnung von Karl Dönitz bereits aufzugehen.

Kapitänleutnant Wilhelm Zahn verfolgte durch das Sehrohr von U 56 die Bewegungen der Schlachtschiffe, die sich stetig der Position seines U-Bootes näherten. Voran die "HMS Rodney" mit mächtiger, weiß gischtender Bugwelle, dahinter die "HMS Nelson".

Die "HMS Nelson fuhr in diesem Moment einen Kurs, der für U 56, wie Kapitänleutnant Zapp notierte, eine "ideale Schussposition" bedeutete.

Es war ein historischer Augenblick. Der junge Kommandant von U 56 konnte mit einem erfolgreichen Angriff nicht allein ein Schlachtschiff versenken, er hätte möglicherweise den Verlauf des Krieges beeinflussen können, denn an Bord der "HMS Nelson" befand sich wahrscheinlich Winston Churchill, damals noch Erster Lord der Admiralität.

HMS Nelson -derTorpedofächer hätte sie versenkt!

Die "HMS Nelson" stand jetzt in einer Entfernung von weniger als tausend Metern vor U 56. Sie kehrte dem Boot die Breitseite ihres Rumpfes zu. Uns so wanderte der Umriss des Schlachtschiffs in das Fadenkreuz des Sehrohrs. Kommandant Zahn befahl: "Dreierfächer Los!" Unmittelbar nacheinander glitten die drei Torpedos aus ihren Rohren und liefen acht Meter unter der Wasseroberfläche auf ihr Ziel zu.
Sofort ging U 56 auf größere Tiefe, denn sobald die Torpedos explodiert waren, würden zehn Zerstörer mit ihren Ortungsgeräten nach dem U-Boot suchen und den Bereich abdecken, in dem sie U 56 vermuteten. Je tiefer das Boot weggetaucht war, desto größer waren seine Aussichten, davonzukommen.

Viel Zeit hatte U 56 also nicht, denn zwischen den Torpedoschüssen und den Treffer-Detonationen würden allenfalls 60 Sekunden vergehen.
Der Mann im Horchraum von U 56 blickte auf seine Stoppuhr, und jeder Mann der Besatzung zählte heimlich mit. Auch Kommandant Zahn hatte sich die Kopfhörer aufgestülpt. Die Sekunden flogen dahin. 50, 53, 55, 57 ... und dann drei helle hämmernde Schläge. Metall schlug gegen Metall. Alle drei Torpedos waren auf dem Rumpf der "HMS Nelson" aufgetroffen.

Aber den Aufschlägen folgte nicht das dumpfe Dröhnen der Explosion von mehr als einer Tonne hochbrisanten Sprengstoffes, nicht das schrille Kreischen zerreißenden Metalls, nicht das gurgelnde Geräusch des Wassers, das mit mächtigem Schwall in die Räume eines torpedierten Schiffes eindringt.

Alle Torpedos von U 56 hatten ihr Ziel erreicht, und alle drei hatten versagt. Die "HMS Nelson und mit ihr der gesamte britische Flottenverband hielt Kurs und entschwand dem Sehrohr-Blickfeld von U-Boot-Kommandant Zahn. Unerreichbar für das kleine U-Boot.

U 56 tauchte auf, und Kapitänleutnant Zahn ließ einen Funkspruch an B.d.U. Karl Dönitz absetzen: "30. Oktober, 10:00 Uhr. 'Rodney', 'Nelson', 'Hood', 10 Zerstörer mit Kurs 240 Grad. 3 Torpedos geschossen, Versager".

Zehn Tage später traf U 56 wieder im U-Boot-Stützpunkt Wilhelmshaven ein. Zahn berichtete seinem Admiral. Dönitz notierte: "Der Kommandant des U-Bootes, der, sich voll einsetzend, innerhalb einer feindlichen Sicherung von zehn Zerstörern diesen Angriff (auf die 'Nelson') durchgeführt hatte, war nach diesem unverschuldeten Misserfolg so tief deprimiert, dass ich mich veranlaßt sah, ihn zunächst als Front-Kommandant abzulösen und in der U-Boot-Ausbildung zu verwenden. Dieser Misserfolg von U 56, war ein außerordentlicher militärischer Fehlschlag."


Kapitänleutnant Zahn(links)

The Real Blaze
The Real Blaze
Deutsche Torpedokrise war kriegsentscheident

Praktisch mit den Torpedoversagern beim Angriff auf das Schlachtschiff Nelson kam es in der deutschen Kriegsmarine zur sogenannten Torpedokrise. Vor allem während der Invasionsoperationen in Norwegen (Unternehmen Weserübung) misslangen viele U-Bootangriffe auf Schiffe, besonders auf britische Kriegsschiffe, weil die Torpedos nicht oder zu früh explodierten oder unter den Zielen durchliefen. Sowohl die eingesetzten Magnetzünder als auch die Tiefensteuerung der Torpedos funktionierten nicht richtig.

Vor dem Angriff auf die HMS Nelson gab es diesen Zeitraum, aber schon weitere Fälle des Versagens der deutschen Torpedowaffe.

Am 03.09.1939, nur 48 Stunden nachdem deutsche Truppen gegen Polen marschierten , machte U 14 unter Horst Wellner in der Ostsee ein polnisches U-Boot aus. U 14 schoss einen Torpedo auf den Gegner. Dieser aber explodierte weit vor dem Ziel, ohne Schaden anzurichten.
Auch U 39 unter Gerhard Glattes machte seine schlechten Erfahrungen mit Torpedoversagern. Das Boot wurde nach einem erfolglosen Angriff auf den britischen Flugzeugträger "HMS Ark Royal" von den Sicherungsfahrzeugen des Trägers versenkt. Die von U 39 geschossenen Torpedos explodierten zu früh. Damit war U 39 das erste deutsche U-Boot, das im zweiten Weltkrieg verlorenging. Und dies, weil es durch seine eigenen versagenden Torpedos verraten worden war. Auch Kapitänleutnant Günther Prien hatte bei seinem Angriff auf Scapa Flow mit Torpedoversagern zu kämpfen. Am 25.10.1939 meldete Kapitänleutnant Herbert Schultze, Kommandant von U 48, fünf Torpedoversager.


Victor Schütze

Am 31.10.1939 berichtete Korvettenkapitän Victor Schütze, Kommandant von U 25, über vier Torpedoversager.
Am 07.11.1939 meldete Kapitänleutnant Herbert Sohler, Kommandant von U 46, daß neun der zwölf Torpedos, mit denen sein Boot ausgerüstet gewesen war, versagt hatten.

Die von den U-Booten der Kriegsmarine eingesetzten Torpedos verfügten wahlweise über Magnetzünder oder Aufschlagzünder. Wie sich herausstellte beruhte das Versagen der Magnetzünder auf ungenügender Erprobung. Die Entwicklungsabteilung der Kriegsmarine hatte versäumt, die Schwankungen des Erdmagnetfeldes einzubeziehen. Gerade in den Küstengewässern Norwegens schwankt die Stärke des Erdmagnetfeldes aber weit stärker als in der Ostsee, wo die Torpedos getestet worden waren.

Einer der ersten, die an der Tauglichkeit der neuen Magnetzündung zweifelten, war aber schon Karl Dönitz. Schon im Sommer 1939 brachte er seine Bedenken in einem Gespräch mit Offizieren und Beamten der Torpedo-Versuchsanstalt vor. Der Leiter der Torpedo-Versuchsanstalt, Konteradmiral Oskar Wehr, jedoch nannte die Befürchtungen von Dönitz "grundlos".

Am Ende des ersten Kriegsmonats aber hatten die Meldungen der U-Boot-Kommandanten über
Torpedoversager und Frühzünder schon einen so großen Umfang angenommen, daß Dönitz sich zu einer dramatischen Maßnahme genötigt sah: Am 02.10.1939 ordnete der Befehlshaber der U-Boote an, künftig dürfe nur noch mit Aufschlagzündung geschossen werden.

Erst später stellte heraus, daß auch die Aufschlagzündung mit starken Mängeln behaftet war. Diese arbeitete mit einem Gestänge, daß die Kraft des Aufschlags nicht direkt von vorn, sondern umgelenkt von hinten auf die Zündmasse übertrug. Diese Vorrichtung aber war gegen mechanische Störungen sehr empfindlich. Wenn der Torpedo in sehr spitzem Winkel auf sein Ziel auftraf, versagte die Zündung oft.

Die Ursache für die Versager war schnell gefunden, denn schon in den ersten Tagen des Oktober 1939 teilte die Torpedo-Versuchsanstalt mit, dass ein falsch verlegtes Kabel die Frühzündung ausgelöst habe. Doch schon zwei Wochen später meldeten U-Boote von der Front, dass auch die veränderten Torpedos mit dem gleichen alten Mangel behaftet waren. Es waren wieder Frühzünder.

Wieder musste Dönitz anordnen, vorerst nur noch mit Aufschlagzündung zu schießen. In seinem Kriegstagebuch vermerkte der B.d.U. bitter: "Damit sind wir auf dem Stand von 1914/18 wieder angekommen. Aber ich habe diesen schweren Entschluss, der die oft gerühmten, viel besprochenen Vorteile der Magnetzündung aufgibt, fassen müssen, um vermeidbare Bootverluste durch eigene Waffenwirkungen zu verhindern und um die zu dieser Zeit allein bekannte Versagerquelle, die Frühzünder, im Interesse der U-Boot-Erfolge zu vermeiden."

Doch die Pechsträhne nahm kein Ende, denn schon wieder nur wenige Tage später erreichte den Befehlshaber der U-Boote eine Nachricht über einen weiteren schwerwiegenden Mangel der deutschen Torpedos. Der sogenannte Tiefenapparat funktionierte nicht wie vorgesehen.
Dieser Tiefenapparat diente dazu, den Torpedo bei seinem Lauf zum Ziel genau in der erforderlichen Wassertiefe zu halten. Jetzt aber stellte sich heraus, dass die Torpedos oft unvorhersehbar tiefer steuerten. Das bedeutete, die gingen vor dem Ziel auf eine größere Tiefe und liefen dann unter den angegriffenen Schiff hindurch. Die Aufschlagzündung konnte unter diesem Umständen natürlich nicht arbeiten. Und auch die Magnetzündung wurde nicht ausgelöst, wenn der Abstand zwischen dem Kiel des Schiffes und dem Torpedo ein bestimmtes Maß überschritt. Am Ende der Laufstrecke sank der Torpedo dann lautlos auf den Grund des Meeres.


Karl Dönitz

Am 23.10.1939 notierte Karl Dönitz in seinem Kriegstagebuch: "Es steht fest, dass die Brauchbarkeit des Torpedos in stärkstem Maße beschränkt ist: Bei Aufschlagzündung besteht die Gefahr des Untersteuerns. Bei Magnetzündung besteht die Gefahr des Frühzündens."

Dönitz drang darauf, dass die Torpedo-Versuchsanstalt eine neue Zündvorrichtung baute. Doch das Ergebnis war niederschmetternd. Auf den Schreibtisch von Karl Dönitz gelangten immer mehr Meldungen von U-Boot-Kommandanten über Torpedoversager. Wiederum wurde Karl Dönitz bei der Torpedo-Versuchsanstalt vorstellig: "Die Front braucht endlich einen zuverlässigen Torpedo."

Die Waffentechniker aber mochten die eigenen Versäumnisse nicht eingestehen und eigenen Fehlern nicht nachgehen. Sie erklärten, nicht die Torpedos hätten versagt, sondern die Kommandanten der U-Boote: Sie hätten nämlich einfach vorbeigeschossen.

Der B.d.U. nahm diese Behauptung nicht hin. Anfang Januar 1940, vier Monate nach Beginn des Krieges, 16 Wochen nach der ersten Meldung eines deutschen U-Bootes über einen Torpedo, der nicht gezündet hatte, veranstaltete die Torpedo-Inspektion ein Versuchsschießen. Es bestätigte zweifelsfrei, was Karl Dönitz und seine Kommandanten vorgebracht hatten, denn die Zündvorrichtungen versagten. Die deutschen U-Boote konnten sich tatsächlich mitten im Krieg nicht auf ihre Waffen verlassen.

Karl Dönitz notierte im Januar 1940: "Das Zutrauen der Kommandanten und Besatzungen zum Torpedo ist erheblich erschüttert. Trotz starker Gegenwehr hatten die Boote immer wieder versucht, die Torpedos unter möglichst günstigen Bedingungen anzubringen, aber trotz oft schneidigsten Einsatzes haben sie Misserfolge und Versager und Gefährdung des Bootes erlebt." Schiffe mit insgesamt 300.000 BRT, rechnete Dönitz aus, blieben den Briten erhalten, weil deutsche Torpedos versagt hatten.

Als Karl Dönitz dies schrieb, wusste der nicht, dass die Torpedo-Krise ihn nur drei Monate später vor eine ungeheuerliche Entscheidung stellen würde. Durften U-Boote überhaupt noch gegen den Feind auslaufen? Oder sollten sie von der Front zurückgezogen werden? musste der U-Boot-Krieg ganz aufgegeben werden?

Während des Norwegenfeldzuges im Frühjahr 1940 kamen nämlich mindestens 42 von insgesamt 48 eingesetzten U-Booten in Feindberührung. Dabei gingen mehr als dreißig Angriffe fehl, weil die Torpedos versagten. Die U-Boote griffen etwa 25 Kriegsschiffe an, aber es gelang ihnen nur, ein einziges britisches U-Boot zu versenken.
Dönitz hatte hier seinen Kommandanten freigestellt, ob sie mit Aufschlag- oder Magnetzündung schießen.

Anfang April 1940 standen 31 U-Boote zwischen England und Norwegen bereit. Diesmal mussten die Boote den Feind nicht suchen. Er würde kommen, und zwar genau in das Seegebiet, in dem die U-Boote lauerten.

Am 10.04.1940, dem Tag nach der Langung der deutschen Truppen in Norwegen, griff U 25 unter Viktor Schütze im Vest-Fjord von Narvik aus vorzüglicher Position eine ganze Zerstörer-Flottille ohne jeglichen Erfolg an.


Herbert Schulze

U 48 unter Herbert Schultze griff am selben Tag zwei britische schwere Kreuzer. Darunter die "HMS Cumberland" (10.000 BRT groß) mit jeweils drei Torpedos an. Bei der "HMS Cumberland" explodierte nur ein Torpedo, und dies weit hinter seinem Ziel. Bei dem zweiten Kreuzer explodierten die Torpedos viel zu früh. Kapitänleutnant Schultze funkte am 11.04.1940 einen Bericht an seinen B.d.U. Karl Dönitz.


"Graf Spee" Gegner HMS Cumberland entging wegen Torpedoversager der sicheren Versenkung

Am Tag darauf meldete sich U 51 über Funk beim B.d.U.: "10. April. 22:50 Uh. Zwei Fehlschüsse, ein Detonierer nach 300 Meter Laufstrecke, ein Detonierer nach 30 Sekunden, 100 Meter vor großem Zerstörer.

Nach seinem erfolgreichen Angriff auf sechs deutsche Zerstörer in Narvik befand sich das britische Schlachtschiff "HMS Warspite" (31.000 BRT groß) auf seinem Rückmarsch im Vest-Fjord. Im Vest-Fjord lauerte immer noch U 48. Jetzt, wo die "HMS Warspite" der offenen See zulief befand sich U 48 in idealer Schussposition. U 48 schoss. Doch nichts passierte.
Am Morgen des 15.04.1940 setzte Kapitänleutnant Schultze an den B.d.U. einen Funkspruch ab, der trotz aller Kürze Enttäuschung und Bitternis verriet: "Am 14.04. im Vest-Fjord Torpedo-Versager auf Warspite und zwei Zerstörer."

Noch am gleichen Tag gelangte ein Funkspruch von U 65 auf den Tisch von Dönitz: "Doppelschuss auf Transporter. Kein Erfolg."

Die "HMS Warspite" wurde außerdem angegriffen von U 46 unter Herbert Sohler, U 38 unter Heinrich Liebe und von U 37 unter Werner Hartmann, aber sie wurde noch nicht einmal ernstlich beschädigt.

U 30 unter Fritz-Julius Lemp griff das 31.000 BRT große Schlachtschiff "HMS Barham" an. Seine Besatzung hörte das Auftreffen der Torpedos, jedoch erfolgte keine Detonation.

Die Torpedo-Krise der deutschen U-Boote war nun ein halbes Jahr alt, aber offenbar gab es keine Mittel gegen sie. Sie begann das Selbstvertrauen der Besatzungen und die Kampfkraft der gesamten Waffe zu untergraben.

Und jetzt sollte eine dramatische Nacht vor Narvik endgültig erweisen, dass die Männer in den U-Booten sich überhaupt nicht mehr auf die Wirksamkeit ihrer Waffe verlassen konnten. Und dies egal welche Zündvorrichtung und welche Tiefe sie einstellten.

Am 15.04.1940 griff U 47 Kreuzer, Zerstörer und mehrere Transporter einer britischen Landungsgruppe, die gegen die deutschen Gebirgsjäger in Narvik angesetzt waren, sie alle aber entkamen infolge von Fehlern an den Torpedos. Auf dem Rückmarsch griff er ebenfalls erfolglos das britische Schlachtschiff "HMS Warspite" an.

Das Versagen der Torpedos während der Norwegen-Operation kam einer verlorenen Schlacht gleich.

Karl Dönitz erinnerte sich an das Ausmaß des verlorenen Sieges seiner U-Boote: "Die Funkmeldungen der Boote wurden nach ihrer Rückkehr noch durch mündliche Meldungen weiterer Fälle ergänzt. Es ergab sich daraus, dass die U-Boote in vier Fällen die 'Warspite', in vierzehn Fällen auf Zerstörer und in zehn Fällen auf Transportschiffe zum Angriff gekommen waren... Eine sehr kritische Auswertung dieser Angriffe stellt fest, dass ohne Torpedo-Versager sichere Treffer hätten erzielt werden müssen: Bei einem der vier Angriffe auf ein Schlachtschiff (die 'Warspite'), bei sieben von zwölf Angriffen auf Kreuzer, bei sieben von zehn Angriffen auf Zerstörer, bei fünf Angriffen auf Transporter."

"Die Boote", befand Karl Dönitz, "waren praktisch ohne Waffe." In sein Kriegstagebuch schrieb der B.d.U. in jener Zeit ein vernichtendes Urteil über die Arbeit der Offiziere und Techniker, die für die Beschaffenheit und Funktionsfähigkeit der Torpedos verantwortlich waren. Dönitz: "Verbrecherisch"
"Ich glaube nicht", notierte Dönitz am 15.05.1940, "dass jemals in der Kriegsgeschichte Soldaten mit einer so unbrauchbaren Waffe gegen den Feind geschickt werden mussten."

Es sei nach allem, so meine Dönitz in einem Schreiben an die deutsche Seekriegsleitung, angebracht, für die deutschen Torpedos jene Zündvorrichtung nachzubauen, mit denen die Torpedos der britischen "Seal", eines von den Deutschen erbeuteten britischen U-Boots ausgestattet waren.

Englische U-Boote hatten der deutschen Marine genau zu der Zeit, da die deutschen U-Boote ohne Erfolg geblieben waren, schwere Schläge versetzt. Diese versenkten den leichten Kreuzer "Karlsruhe", vier Transportschiffe, drei Frachter und beschädigten das Panzerschiff "Lüzow" schwer! Stephen W. Roskill würdigte die britische Leitung: "Unsere U-Boote vollbrachten eine hervorragende Leistung und fügten dem Gegner große Verluste zu."

Während die Briten sich des Kriegsglücks erfreuten, das ihnen während des Seekriegs um Norwegen unablässig zur Seite gestanden hatte, musste sich der B.d.U. nur neun Monate nach dem Beginn des Krieges mit der Frage befassen, ob der U-Boot-Krieg nicht schon ein Ende gefunden hatte, bevor er richtig in Gang gekommen war. Dönitz: "Ich stand vor der Entscheidung, ob die U-Boot-Waffe mit einem derart mangelhaften Torpedo weiterhin zu verwenden sei. Der Chef meiner Operationsabteilung, Korvettenkapitän Eberhard Godt, war der entschiedenen Ansicht, dass vor einer grundlegenden Verbesserung des Torpedos es nicht zu verantworten sei, die U-Boote wieder in den Kampf zu schicken. Ich empfand jedoch, dass ich zu diesem Zeitpunkt die U-Boote nicht einfach stilllegen konnte, ohne damit der Waffe in unübersehbarem Maße zu schaden."

Noch im April 1940 beauftragte Großadmiral Erich Raeder, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, einen Ausschuss damit, die Ursachen der deutschen Torpedo-Versager herauszufinden. Die Arbeit dieser Torpedo-Kommission legte die Wurzel der Torpedo-Krise bloß, und sie enthüllte, dass bei der Entwicklung und beim Bau der deutschen Torpedos technische Stümperei, Unzulänglich, Selbstgerechtigkeit und Uneinsichtigkeit geherrscht hatten.

Die verantwortlichen Männer wurden vor das Reichskriegsgericht gestellt. Das Gericht stellte fest, dass die Waffentechniker der Torpedo-Versuchsanstalt bereits 1936 beim Probeschießen festgestellt hatten, dass die Torpedos die eingestellte Tiefe nicht hielten. Die Torpedos rauschten nach unten weg. Sie liefen zwei oder drei Meter tiefer als ihnen vorgegeben worden war. Aber niemand drang auf rasche Änderung.

Das Reichskriegsgericht: "Verhängnisvoll hat sich hier ausgewirkt, dass die Wichtigkeit einer genauen Tiefenhaltung der Torpedos bei der Torpedo-Versuchsanstalt allgemein stark unterschätzt worden ist. Sie wurde sogar vom Leiter der Anstalt, Konteradmiral Wehr, selbst als militärisch gegenstandslos und von absolut sekundärer Bedeutung bezeichnet. Begründet wurde diese Auffassung mit dem Vorhandensein der Magnetzündung. Aber selbstverständlich bedingte auch die Anwendung der Magnetzündung genaue Tiefenhaltung."

Und ferner: "Falsche Auffassung von der absoluten Zuverlässigkeit der Aufschlagzündung hat dazu geführt, dass die Aufschlagzündung völlig unzureichend erprobt worden ist."

Karl Dönitz beschrieb, wie leichtfertig die Torpedo-Versuchsanstalt verfuhr: "Die Aufschlagzündung unseres Torpedos wurde im Frieden nach nur zwei und dazu noch nicht einmal einwandfreien Erprobungsschießen von der Torpedo-Versuchsanstalt als frontreif erklärt, Dies ist nicht zu entschuldigen... Die Torpedo-Versuchsanstalt entwickelte als Dienststelle der Marine den Torpedo selbst. Sie konstruierte ihn, ließ ihn bauen, erprobte ihn sogar selbst und traf selbst die Entscheidung, dass er frontbrauchbar sei."

Am 11.12.1941, anderthalb Jahre nach der Norwegen-Operation, fällte das Reichskriegsgericht sein Urteil. Konteradmiral Wehr und zwei seiner Beamten wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Kurz darauf wurden die Gefängnisstrafen für alle Beteiligten in Festungshaft umgewandelt. Sie verbüßten sechs Monate der Strafe und wurden dann mit Bewährungsauflagen auf freien Fuß gesetzt. Alle drei wurden wieder in der deutschen Rüstung tätig. Im Jahre 1944 wurden die Reststrafen formal durch ein Gnadenerlass Hitlers aufgehoben.

Während die von Großadmiral Raeder eingesetzte Torpedo-Kommission noch nach den Fehlerquellen fahndete, ging der Befehlshaber der U-Boote mit aller Macht daran, die Kampfmoral seiner Besatzungen wiederherzustellen.

Dönitz besuchte jede seiner Flottillen und sprach zu den Besatzungen der Boote über die Versäumnisse der Vergangenheit und die Chancen der Zukunft. Er konnte den Männern der U-Boot-Waffe zumindest versprechen, dass die Torpedos jetzt Zündvorrichtungen erhielten, die auch funktionierten.

Karl Dönitz schrieb: "Die Boote gingen mit neuem Mut wieder auf Unternehmungen. dass die Krise gemeistert wurde, zeigte den im Grunde unerschütterlichen Geist dieser deutschen U-Boot-Besatzungen in seiner ganzen Größe."



Kapitänleutnant Otto Ites

Maßgeblich an der Beseitigung der Torpedokrise war Kapitänleutnant Otto Ites beteiligt und sein Torpedomechaniker. Sie nahmen unterwegs auf einer Feindfahrt ein deutsches Problemtorpedo auseinander und klärten zutreffend die Fehlerquelle mit den überhöhten Innendruck.


Konteradmiral Otto Ites während seiner Zeit bei der Bundesmarine(1977)

Die Kaperung des britischen U Bootes Seal vor Norwegen war der zweite entscheidente Fakt, der die deutsche Torpedokrise endgültig löste. Denn mit diesen Boot fielen der Kriegsmarine auch intakte britische Torpedos in die Hände, die man genaustens analysierte. Aus diesen Erkenntnissen wurde ein neuer Torpedozünder entwickelt.


Glücksfang HMS Seal, erbeutete britische Torpedos beendeten die deutsche Torpedokrise

Wenn man die deutschen Torpedoversager auflistet mit ihren getroffenen britischen Kriegs- und Handelsschiffen, muß man feststellen, daß diese Torpedokrise eine kriegsentscheidente war. Bezeichnend war dabei der erfolglose Angriff von U 47 auf das britische Schlachtschiff HMS Warspite.


die HMS Warspite wäre Priens zweites versenktes Schlachtschiff gewesen...ohne Torpedokrise.Aber auch U 25 fuhr im April 1940 einen Angriff auf Warspite mit Torpedoversagern

Bei seinem fünften Einsatz, welcher im April nach Norwegen führte, gelangte Prien in gute Angriffsposition auf mehrere britische Transporter und das Schlachtschiff HMS Warspite. Aber alle abgefeuerten Torpedos versagten. Nach Rückkehr nach Wilhelmshaven beklagte sich Prien bei Admiral Dönitz darüber, mit untauglichen Waffen Krieg führen zu sollen. Er verglich das mit einen Kampf mit dem Holzgewehr. Die Bilanz allein des Norwegen-Feldzuges: 31 U-Boot-Angriffe aus günstiger Schußposition – vier auf Warspite, zwölf gegen verschiedene Kreuzer, zehn auf Zerstörer, fünf auf die Truppentransporter vor Harstadt – und kein einziger Erfolg...

[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 26.08.06 16:11 ]
The Real Blaze
Premierminister Halifax

Der Grundfrage dieses Threads ist die Ausschaltung Churchills als Machtpolitiker und späteren Premierminister.
Churchill wäre beim Untergang der HMS Nelson mit seinem spekulativen Ableben , für die weitere englische Geschichte verhindert gewesen.

Doch Winston Churchill wäre auch durch pure Parteipolik verhindert worden, dazu hätte es nur eines "Yes" von Lord Halifax bedurft, als er gefragt wurde, ob er bereit sei Chamberlains Nachfolge anzutreten. Er war der gewünschte politische Thronfolger, Churchill hatte nur eine Außenseiterrolle bei der Nachfolgefrage. Nicht das er keine Lobby hatte, doch Chuchill wurde im 1.Weltkrieg durch seine peinlich verlorene Dardanellenschlacht bekannt, wo er danach den Hut als Erster Seelord nehmen mußte. Viele konservative Parteifreunde misstrauten Churchill, weil eigensinnig die Parteigrenzen öfters überschritt.

Man stellte einfach seine Verlässlichkeit in Frage. In seinem Amt als Marineminister (Lord of the Admirality) wurde Churchill auch das Desaster der verlorenen Norwegenoperationen angelastet. Seine zähe Kriegswilligkeit, verbunden mit einem geradezu angeborenen Deutschenhaß wurde zu dieser Zeit kaum wahrgenommen, als Premierminister Neville Chamberlain an den Rücktritt dachte.

Als Chamberlain wegen fehlenden öffentlichen Vertrauen zu seiner Person , aber auch das seiner Partei verloren hatte, trat er zurück. Die Nachfolgefrage verengte sich relativ schnell auf zwei Kanditaten: Churchill und Lord Halifax.


Lord Halifax und Premierminister Chamberlain bei Mussolini 1939 zu Besuch

Lord Halifax, der ehemalige Vizekönig von Indien wurde weithin bewundert, war jedoch ein Verfechter von Chamberlains Appeasementpolitik. Er war also ein Mann mit besten Zeugnissen und makelloser Karriere und hatte nur eine fehlende Charaktereigenschaft: sein politisches Umfeld zu inspirieren. Besonders in Krisenzeiten, wenn das Empire wieder einmal einen weltpolitischen Machtkampf entfesselte war genau diese Eigenschaft gefragt.
Der unermüdliche Tagebuchschreiber Harold Nicholson nannte deshalb Halifax nicht von ungefähr einen "müden Mann".

Als Chamberlain mit seinen Vorschlag scheiterte die Führer der Labour Party in sein Kabinett einzubinden, war dessen Zeit zu Ende. Auch seine ziemliche erfolglose Kriegspolitik machte ihn nicht mehr tragbar. Wenige Tage vor dem deutschen Blitzzugriff auf Norwegen und Dänemark am 9.April 1940 verkündete Chamberlain noch, daß Hitler "den Bus verpasst" hätte.


Franzosen in Namsos, April 1940

Doch die Wehrmacht war nur Stunden schneller als Engländer und Franzosen, die in Norwegen einmarschieren wollten. Wegen fehlender Luftunterstützung blieb den Alliierten eine Eroberung von Drontheim verwehrt, man mußte mit den kleineren Häfen Andalsnes und Namsos vorlieb nehmen. Da aber die Wehrmacht schon schneller Fuß gefaßt hatte, war die alliierte Norwegeninvasion zum Scheitern verurteilt.
Norwegen war Chamberlains und Churchills( als Marineminister) Niederlage, trotzdem blieb Churchill im Nachfolgerennen.

An Nachmittag des 9.Mai 1940 traf Chamberlain mit Lord Halifax und Churchill zusammen.
Chamberlain wollte wissen, wenn er dem König denn zur Berufung empfehlen solle, wenn seine Rücktrittserklärung angenommen sei. Lange Zeit fiel zwischen den drei Politikern kein Wort. Dann sagte Halifax endlich etwas. Er meinte, als Angehöriger des Oberhauses, ohne Sitz im Unterhaus, könne er in Kriegszeiten wie diesen nur unter großen Schwierigkeiten die Aufgaben eines Premierministers erfüllen... Als er endete war klar, daß Churchill das Amt zufallen würde. Einen Tag später begann die deutsche Westoffensive und Churchill wurde in den Buckinghampalast gerufen.

Doch was wäre gewesen, wenn Halifax sich nicht aus dem Rennen genommen hätte?

Churchill hätte eine Zusage von Lord Halifax ohne Murren akzeptiert und hätte wohl weiterhin den Job des Marineministers ausgeübt. Aber mit Sicherheit nur noch wenige Wochen, bis zum Dünkirchenwochenende. An diesem Wochenende wurde ernsthaft diskutiert mit Deutschland zu verhandeln und Lord Halifax war ohnehin lieber für ein schnelles Kriegsende mit einigen Verlusten, als die Gefahr einzugehen das ganze Empire zu verlieren. In Europa stand zu dieser Zeit England völlig allein gegen den Kontinent, besonders für die englische Exportwirtschaft war der Krieg ein schmerzhaftes Verlustgeschäft.

Lord Halifax hatte beste Voraussetzung den Krieg auch diplomatisch zu beenden. Er hatte das Vertrauen aller Konservativer und pflegte beste Beziehungen zur Opposition.
Auch wenn Churchill höchstens Kriegsminister geworden wäre, es hätte keinerlei Alleingänge gegeben, weil niemand die Churchillpleite der verkorksten Daradanellenschlacht vergessen hatte. Für viele galt er ohnehin als übertriebener Kriegsromantiker mit einer ausgeprägten Tendenz für gefährliche Extrempläne. Das einzige was Churchill als "Erfolg" verbuchen konnte, war seine Einschätzung, daß Chamberlains Appaesementpolitik zum Deutschen Reich scheitern würde. Dabei darf man nicht vergessen, daß diese Politik im Endeffekt nur scheiterte, weil England das letzte größere Versailleproblem als Kriegstor offen lassen würde. Statt das Danziger und das Korridorproblem zu verhandeln, wurde es mit einem Militärpakt mit Polen zementiert. Und das ganz im Vertrauen, daß dieses Problem den von Churchill erhofften Krieg auslösen würde.


Churchill an der englischen Südküste, seinen schon 1936 herbeigesehnten Krieg gegen das Deutsche Reich hätte ein Premier Lord Halifax beendet

Mit einem Premierminister Halifax drohte aber nun für Churchill das Ende des Krieges und das auch nur mit einer totalen Revision des Versailler Diktats.

Der Samstag, am 25. Mai 1940 wäre der zweifellos umstrittenste Tag in der jüngeren britischen Geschichte gewesen, wo unter Premierminister Halifax das Butler- Bastianini Abkommen geschlossen wurde. Es beendete den europäischen Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich einerseits und den Deutschen Reich andererseits unter italienischer Vermittlung. Das bedrohte englische Expeditionskorps (BEK) wurde so vor der sicher angesehenen Gefangennahme gerettet. Premierminister Halifax bewahrte Großbritannien vor Kriegsleid und einer viel schlimmer ausgerechneten Niederlage. Die größten Teile Europas blieben vor größeren Verwüstungen verschohnt und was ganz wichtig war: Italien blieb bis auf weiteres nur neutraler Zuschauer.


Dünkirchen 1940 war in jeder Hinsicht ein kriegsgeschichtlicher Wendepunkt und läßt deshalb auch Raum für Geschichtsszenarios

Der britische Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten ,R.A.B. Butler wäre jener Regierungsvertreter gewesen, welcher sich mit dem italienischen Botschafter Giuseppe Bastianini über einen sofortigen Waffenstillstand verständigt hätte.


R.A.B. Butler


der italienische Botschafter Giuseppe Bastianini

Die Bedingungen für den Waffenstillstand, die Graf Ciano in Rom mit dem Deutschen Reich aushandelte hätten kaum vorteilhafter sein können.

a.) Unterzeichnung eines zehnjährigen Nichtangriffspaktes zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich.

b.) Rückkehr des Britischen Rxpeditionskorps

c.) Gleichzeitiger Waffenstillstand mit Frankreich auf der Grundlage einer besetzten Hauptstadt Paris, Süden und Mitte von Frankreich bleibt unbesetzt

d.) Rückgabe der geraubten afrikanischen Kolonien, die ohnehin schon vor dem Krieg Verhandlungssache waren

e.) Entmilitarisierung von Gibraltar und Malta

Mit der Raifizierung des Waffenstillstands hätten sich die Vertreter der Kriegslobby , allen voran Churchill, Eden, Bervin und Alexander aus dem Halifax Kabinett zurückgezogen. Halifax konnte sich dagegen mit Hilfe der Labour Partei an der Macht halten, weil der Großteil der Abgeordneten die Waffenstillstandsbedingungen als besseren Tausch empfanden, als einen weiter geführten Krieg, mit all seinen zerstörerischen Auswirkungen.


Kanadische Soldaten warten in Dünkirchen auf die Evakuierung

Auch der Umstand, das die Gefangennahme des BEK verhindert worden war, wäre von den britischen Medien als positiv bewertet worden, weil sonst sich die Waffenstillstandsbedingungen wesentlich verschärft hätten.

Welche Auswirkungen hätte ein solches Kriegsende gehabt?

Es wären weltweite strategische Implikationen gewesen!
Großbritanniens einziger Verbündeter die USA , hätten sich abgewendet von einem Großbritannien , was den Krieg bendetet hätte, was in den amerikanischen Medien als Niederlage ausgeschlachtet wurde. Die USA konnten sich jetzt ganz und gar auf ihre pazifischen Probleme mit Japan konzenrieren. Krieg drohte dort nur, wenn Japan den amerikanischen Ölboykott nicht durchbrechen konnte.

Im Mittelmeer war Italien nachwievor ein Staat , der hegemoniale Ambitionen durch Krieg lösen wollte. Erst Albanien und Athiopien und nun schaute man nach Griechenland, was nach römischen Mussoloiniverständnis italienische Einflußsphäre war. Es war wohl die einzige Krise, die trotz eines Kriegsendes im Mai 1940, tatsächlich auch zum Krieg geführt hätte. Vermutlich sogar zur tatsächlichen Kriegszeit im September 1940.
Nur hätte dieser Krieg eine etwas andere Geschichte geschrieben: Ohne den Putsch in Belgrad, der durch Sowjets und Engländer im April 1941 ausgelöst worden war, wäre der Waffengang ein anderer gewesen. Griechenland konnte sich nicht an England anlehnen, hätte dann mit Sicherheit eine deutsche Vermittlung aktzeptiert , auch wenn militärisch die Italiener kaum was bewegt hätten. Ein deutsche Drohung hätte diesen Krieg ausgetreten. Es hätte einige Grenzkorrekturen in diesen Raum gegeben- mehr nicht. Vermutlich wäre dort immer dicke Luft geblieben, den Griechenland stellte für die Italiener den einigen Staat in diesen Raum dar, wo man hegemonial noch etwas erreichen konnte. Arm, schwach und wehrlos - im Mittelmeerraum gab es das praktisch bis auf Griechenland nicht mehr. Und selbst eine griechische Bauernarmee war stärker als die Italiener.

Die Franzosen hätten mit sehr großer Sicherheit, das verloren was ohnehin nicht französisch war: Elsaß- Lothringen , dazu aber noch sämtlicher ehemaliger deutscher Kolonialbesitz in Afrika. Dann wäre es still geworden um dieses Land, den deutsche Truppen hätten sich dann auch relativ schnell wieder zurückgezogen.
Aber nur bis hinter der neuen deutschen Grenze in Elsaß-Lothringen und Luxemburg. Nördlich davon wäre das durchgesetzt worden, was auch so geplant war: ein selbstständiges Großflandern und ein mit Deutschland verbundenes Wallonien. Der belgische Kolonialbesitz wäre verwaltungstechnisch mit dem wiedererrungenen deutschen Kolonien gleichgeschaltet worden.

Die deutschen Kolonien, zurückgefordert und durch den Maifrieden auch erhalten, hätten sich strategisch auf die deutschen Zukunftsplanungen ausgewirkt. Der Aufbau von neuen Kolonialverwaltungen , inkluvise von Schutz und Polizeitruppen hätte immense Summen gefordert. Alle stillgelegten Schiffsbauten hätte man dafür fertiggebaut, dazu noch dutzende real geplante Kolonial-Kanonenboote. Schließlich brauchten die Verbindungen zu den Kolonien auch einen wehrhaften Schutz. In Norwegen wäre in Drontheim Deutschlands größter Reichskriegshafen entstanden, englische Hungerblockaden sollten so für alle Zeiten der Vergangenheit angehören.

Mit dem Frieden wäre auch der Handel wieder belebt worden. Dabei mit Großbritannien schneller, als mit Frankreich.
Fast alle westlichen Staaten, inklusive Balkanstaaten und Türkei hätten sich bündnistechnisch mit dem Deutschen Reich verbunden. Jetzt in der Siegfriedenszeit war es zum Beispiel für Franco wesentlich leichter in die Achse einzutreten.

Diese erweiterte Achse hätte wiederum die Sowjtes abgeschreckt weltrevolutionäre Abenteuer zu wagen. Es gab keinerlei Kriegsgründe und auch kein Fenster wo man bequem in einen Aasgeierkonflikt einsteigen konnte. Der zweite Wiener Schiedsspruch wäre ohne Westkrieg etwas anders ausgefallen , als es sich die Sowjets erhofft hatten. Auch hätte Stalin am 15. Juni 1940 mit Sicherheit darauf verzichtet Litauen zu besetzen, weil zu dieser Zeit der Krieg schon beendet war. Ein siegreiches Deutschland hätte diesen Vertragsbruch nicht so ohne weiteres hingenommen, wie es real geschah. Schon weil Stalin auch den Nichtangriffspakt in Frage gestellt hätte. Das konnten sich die Sowjtes als offensichtlicher ideologischer Gegner nicht leisten.

Kein sowjetischer Außenminister Molotow wäre deshalb auch im November 1940 in Berlin gelandet und hätte dort Sowjetwünsche wie Dardanellen, Rumänien oder Stützpunkte in der westlichen Ostsee und Adria gefordert(so wie es tatsächlich geschah!)
Abschließend muß man feststellen, daß ein europäischer Krieg tatsächlich nicht ausgeschloßen werden kann. Es wäre ganz auf das Verhalten Stalins angekommen.


Churchill wurde aber Premierminister und schon am Tag seiner Berufung in den Buckinghampalast wurde der terroristische Bombenkrieg der Briten auf Deutschlands offene Städte augedehnt:


das von englischen Terrorbombern maßgeblich zerstörte Freiburg

Am 10. 5. 1940 um 16.00 Uhr wurde Freiburg von drei feindlichen Flugzeugen angegriffen. Die Flugzeuge warfen insgesamt 41 Bomben, von denen bis jetzt zwölf Blindgänger festgestellt wurden. Die Verluste an Menschenleben betrugen 25 Tote und 109 Verletzte, von denen bis jetzt 25 gestorben sind. Vier Pferde wurden getötet, zehn Häuser schwer und leicht beschädigt. Eine größere Zahl von Häusern ist durch Splitter erheblich beschädigt, ferner ist eine sehr große Zahl von Fensterscheiben zerstört worden. . . . Ein Personenkraftwagen wurde getroffen und brannte aus.

[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.07.07 19:44 ]
Copyright © 1998 - 2010 www.nexusboard.net - Eigenes Forum kostenlos anmelden