Foren » Forum » Was - wäre - wenn ? » Unternehmen Seelöwe und die Folgen eines Sieges
The Real Blaze
Unternehmen Seelöwe

Leider nur auf englisch zu erhalten...
Am 31.Juli gab es auf dem Berghof eine Besprechnung mit Raeder und Brauchitsch.Raeder umriß die bisherigen Vorbereitungen und gab als Stichtag für die Bereitschaft der Kriegsmarine den 15.September an.Die Landung selbst sollte im Morgengrauen erfolgen(was aber von der Marine mißbilligt wurde)und 2 Stunden nach der letzten Hochflut erfolgen,damit die Landungskähne mit dem ablaufenden Wasser fest aufsetzen konnten.
Raeder beschrieb die zusammengestellte Transportflotte,als eine dichtgedrängte Ansammlung schwerfälliger Einheiten,die zum navigieren zumindest das Licht eines Halbmondes um 23.00 Uhr bräuchte.Zur Erfüllung dieser Bedingungen müßte die Landung an einen Tag zwischen den 19. und 26.September erfolgen.
Die SKL forderte auch eine Abänderung der Operation,womit von der "Cherbourg-Gruppe" Abstand genommen werden sollte,weil der Weg zu weit war um sie effektiv zu schützen.Die gesamte Landungsfront sollte sich ausschließlich auf die Straße von Dover beschränken.Nur dort sah er Möglichkeiten eines gewissen Schutzes,weil die benutzten Hochseeschiffe bis zu 36 Stunden für die Entladung bräuchten.
Innerhalb von drei Tagen sollten zunächst bis zu 260000 Mann angelandete werden(90000 am ersten Tag).Danach sollten Kräfte von insgesamt 39 Divisionen(davon 6 PzD) und 2 Luftlandedivisionen folgen.Schwere Artillerie sollte flankierend den Übersetzkorridor decken.(war schon relativ schnell in Stellung).
Hitler bestimmte im übrigen den 15.September als Invasionstermin, wenn die Lage dafür erreicht sei.Die Verkleinerung des Übersetzgebietes könnte seiner Meinung nach,auch während der Operation vorgenommen werden.Mit auf dieser Besprechung wurde auch Brauchitschs Vorschlag behandelt, sofort 2 Panzerdivisionen, nach Afrika zu verlegen,um so die Italiener zu unterstützen.Hitler wollte dieses "Ablenkungsmanöver" prüfen.Insgesamt schätzte Hitler den Beitrag der kleinen Kriegsmarine als "nutzlos" ein.Minen ,Küstenartillerie und Luftwaffe sollten die Operation erzwingen und später natürlich die überlegene Panzerwaffe.(650 Panzer gegen etwas mehr wie 120?)Gegen Ende der Besprechung, teilte Hitler mit,daß er Rußland angreifen gedenke,wenn ein Landung nicht stattfinden könne.
Die in der Nordsee zu errichtenden Minensperren, sollten auch alle erbeuteten französische Minen zugeführt werden.Zusätzlich forderte man aus Südfrankreich noch alle verfügbaren Minen an.
Die kleinere Septemberlösung für Operation Seelöwe:
In der Septemberfassung waren nur noch 23 Divisionen geplant.Im Bereich der HG A von Rundstedt, sollten vier Divisionen der 16.Armee Buschs, die die Hauptlast des Angriffs tragen sollten, sich in Rotterdam,Antwerpen, Ostende,Dünkirchen und Calais einschiffen und zwischen Folkstone und St.Leonards landen.Teile von zwei Divisionen der 9.Armee Strauss, sollten von Bologne und der Canche Bucht ausgehend zwischen Bexhill und Eastbourne landen, während Teile von drei weiteren Divisionen von Le Havre kommend zwischen Beachy Head und Brighton gelandet wären.
Die erste Anlandung sollte von 250 Amphibienpanzern und einem Luftlandeunternehmen der 7.Fliegerdivision unterstützt werden.Die rasche Einnahme von Dover und der Vormarsch nach Deal wurde unterstrichen.Das geplante und auf Helgoland trainierte Doverunternehmen der Brandenburger wäre also auf jeden Fall gestartet worden.Innerhalb von 14 Tagen war die Anlandung von 11 Divisionen, davon einer PzD geplant.Danach waren Angriffe Richtung Portsmouth und Themsemündung geplant.
Neben der Deckungs und Unterstützungsrolle der Luftflotten 2 und 3, sollte die Kriegsmarine mit zehn Zerstörern und zwanzig Torpedobooten die Westflanke schützen und mit 30 Schnellbooten die Ostflanke(Befehl hatte Lütjens).Im westlichen Kanal und in der Nordsee sollten insgesamt 21 U-Boote operieren,weitere 6 vor Northumberland und dem Pentland Firth.Von Südnorwegen war eine Operation mit schwerern Einheiten und Transportschiffen geplant um eine Scheinlandung vorzutäuschen.Die "Admiral Hipper" sollte einen Ausfall Richtung Island unternehmen.
13.9.1940 Nordsee
Die Royal Navy verlegt den Schlachtkreuzer Hood, die Schlachtschiffe Rodney und Nelson, 2 Kreuzer und 8 Zerstörer von Scapa Flow nach Rosyth, um bei einem deutschen Invasionsversuch im Kanal auftreten zu können.
Noch am 14.9 1940 entschloß sich Hitler nach reiflicher Überlegung die Operation doch nicht aufzugeben.15.00 Uhr an diesem Tag stellte er fest:" Eine erfolgreiche Landung mit folgender Besetzung, würde den Krieg in kürzester Frist beenden´.England wisse nun,daß seine Hoffnungen auf russische Hilfe sich nicht verwirklicht haben und das es seine Lage neu bedenken müße."
Zur Marine stellte er fest:"Die von der Marine zu schaffenden Voraussetzungen seien gegeben, die Armierung der Küste mit schwerer Arillerie vollzogen."Die Wirkung der laufenden Luftoffensive wurde als groß und ungeheuerlich eingeschätzt,"wenn sich auch der Gegner immer wieder erhole"Und dann dieses realistische Eingeständnis:"Eigene Erfolgsmeldungen geben kein ganz sicheres Bild.Insgesamt stellte man fest, daß eben die Voraussetzungen für OP Seelöwe noch nicht gegeben seien.
Halder schrieb dazu:"Glückhafte Landung bedeutet den Sieg,diese verlangt völlige Luftherrschaft.Schlechtwetterlage hat völlige Luftherrschaft bisher verhindert.Alle anderen Faktoren sind in Ordnung."Hitler verschob die Landung auf dem 17.9.40.
Der Septemberplan trat in Kraft, als die Luftwaffe sich zielmäßig nicht auf London mit Terrorangriffen konzentriert hätte, sondern weiter RAF,Infrastruktur und Luftrüstungswerke bekämpft hatte. Im übrigen sah das auch Göring ein, der die Strategie der Luftwaffe über England am 17.9 wieder entsprechend ausrichten wollte.
Die Landung erfolgte am 21.9 in einer dreitägigen Schönwetterphase(real geschehen)... Trotz schwerer Verluste fasste man Fuß und die Invasion gewann Raum.Die englische Schlachtschiffgruppe aus Rosyth auslaufend, wurde durch schwere Luftangriffe und kombinierte U-Boot Angriffe zerschlagen...
Was nach einer erfolgreichen Invasion geschehen wäre:
Bezeichnend für die intensiven Vorbereitungen, war auch ein Befehl am 23.9 an die Landungsdivisionen, sämtliche männliche Engländer zwischen 17 und 45 Jahren festzunehmen und auf das Festland zu bringen(wahrscheinlich wegen Zwangsarbeit).In diesen Zusammenhang waren entsprechende Kriegsgefangenlager an der flanderischen Küste schon eingerichtet!
Im September wurde auch die Dienststelle" Generalluftzeugmeister-Industrieerfassung-England" eingerichtet.Ihre Aufgabe war es den gesamten Entwicklungs und Forschungsstand der englischen Luftfahrt sicherzustellen.Alle Betriebe nach Rohstoffen,wertvollen Werkzeugmaschinen und anderen nützlichen Gegenständen zu durchkämmen.
Heydrich entwarf bis dahin schon die "Sonderfahndungsliste GB".Darin enthalten: Churchill,General de Gaulle, H.G.Wells!, Virginia Woolf und viele andere Minister,Schriftsteller,Professoren und Abgeordnete.Diese Personenliste war später der Anhang des gedruckten Handbuchs" Informationsheft G.B.". Darin wurden jüdische Organisationen,führende Konzerne,das System der Energieversorgung,Erdölbetriebe,Hafenanlagen usw beschrieben.Die Anglikanische Kirche, als "Machtinstrument der englischen Imperiumspolitik" wurde auch nicht vergessen,ebensowenig wie die Pfadfinderbewegung, die als eine vorzügliche Nachrichtenquelle des britischen N.D. angesehen wurde.SS Oberst Dr.Six wurde von Göring zum Chef der Sicherheitspolizei und SD in Großbritanien ernannt.(17.9)Hauptsitz London mit der Maßgabe für die übrigen Landesteile kleine Einsatzgruppen aufzustellen.Diese Einsatzkommandos wurden auch noch im September zusammengestellt.Hauptmittel um das besetzte England zu kontrollieren sollte die Schutzhaft werden.
Der Sitz des Erzbischhofs von Canterbury und anderer Männer der Kirche sollte durchsucht werden und das Mittel des Hausarrestes angewandt werden.Bis zum 7.9.40 wurden Karteien über Juden,Freimaurer,politische Flüchtlinge,Sozialisten,Kommunisten und Liberale zusammengestellt.Besonders der SD war sehr weitblickend, da er sich schon mit der Zeit beschäftigte,wenn deutsche Truppen England wieder verlassen hatten. Bis dahin wollte man ein dichtes Agentennetz etaplieren...
England auf der eigenen Insel besiegt hieß aber nicht unbedingt Kriegsende mit dem Commonwealth.In England selbst wäre wohl Edwart der VIII auf den Thron gekommen und hätte das Land ähnlich wie das geschlagene Frankreich unter Petain, das Land politisch an die Seite der Achse geführt.Irland wäre politisch völlig selbstständig geworden, womöglich noch um die nordirischen Provinzen erweitert.Mit Scapa Flow hätte die deutsche Kriegsmarine einen Stützpunkt gewonnen.Die Besatzungszeit wäre für die englische Bevölkerung aber größtenteils so wahrgenommen worden, so wie es auf den Kanalinseln geschah. Dafür hätten schon Hitlers Englandsymphatien gesorgt. Die Kanalinseln selbst aber wären unter deutsche Herrschaft geblieben,daß hatte Hitler nach der kampflosen Übergabe so gewünscht.
Im Spätherbst 1940 Frieden in Europa,Gibraltar an Spanien,Malta an Italien ...Ein Griechenland ohne englische Unterstützung hätte ziemlich schnell kapituliert.Ägypten ein italienisches Protektorat.Suezkanal unter deutsch-italienischer Kontrolle.Einen Putsch in Jugoslawien hätte es wohl auch nicht gegeben(kein Partisanenkrieg).
Strategisch war ein eigenständiger Kampf der Commonwealthstaaten ein sinnloses Unterfangen. Es wäre Ende 1941 zu einem allgemeinen europäischen Frieden gekommen...
Rückgabe deutscher Kolonien und Anerkennung der neuen europäischen Grenzen wären wohl die deutschen Hauptforderungen gewesen.
Bei den USA, wäre wohl alles vorhersehbar gewesen.
1940 hatten die nur ganze 400 Panzer und plötzlich hatte England den Krieg verloren.Die hätten das geschluckt und sich wieder ihren pazifischen Problemen mit Japan zu gewandt,egal ob dann Kanada noch weiter Krieg geführt hätte.
Es hätte wohl auch keinen Krieg mit Rußland gegeben,weil Stalin allein in Europa gewesen wäre.Der ganze Aufmarsch der Russen 1941, war ja auch von den Engländern mit herbei gebettelt worden. Aber ohne Engländer?
Stalin hatte ja noch die Option, für einen von Berlin angebotenen Feldzug gegen Indien,falls die im Commonwealth weitergekämpft hätten. Und da hätten sie genug zu tun gehabt.
Die Chancen auf einen deutsch-russischen Krieg, waren bei einem Sieg über England 1940 eher niedrig. Es wäre einzig und allein auf Stalins Verhalten angekommen. Und dumm war er ja nicht.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.01.09 12:50

Leider nur auf englisch zu erhalten...
Am 31.Juli gab es auf dem Berghof eine Besprechnung mit Raeder und Brauchitsch.Raeder umriß die bisherigen Vorbereitungen und gab als Stichtag für die Bereitschaft der Kriegsmarine den 15.September an.Die Landung selbst sollte im Morgengrauen erfolgen(was aber von der Marine mißbilligt wurde)und 2 Stunden nach der letzten Hochflut erfolgen,damit die Landungskähne mit dem ablaufenden Wasser fest aufsetzen konnten.
Raeder beschrieb die zusammengestellte Transportflotte,als eine dichtgedrängte Ansammlung schwerfälliger Einheiten,die zum navigieren zumindest das Licht eines Halbmondes um 23.00 Uhr bräuchte.Zur Erfüllung dieser Bedingungen müßte die Landung an einen Tag zwischen den 19. und 26.September erfolgen.
Die SKL forderte auch eine Abänderung der Operation,womit von der "Cherbourg-Gruppe" Abstand genommen werden sollte,weil der Weg zu weit war um sie effektiv zu schützen.Die gesamte Landungsfront sollte sich ausschließlich auf die Straße von Dover beschränken.Nur dort sah er Möglichkeiten eines gewissen Schutzes,weil die benutzten Hochseeschiffe bis zu 36 Stunden für die Entladung bräuchten.
Innerhalb von drei Tagen sollten zunächst bis zu 260000 Mann angelandete werden(90000 am ersten Tag).Danach sollten Kräfte von insgesamt 39 Divisionen(davon 6 PzD) und 2 Luftlandedivisionen folgen.Schwere Artillerie sollte flankierend den Übersetzkorridor decken.(war schon relativ schnell in Stellung).
Hitler bestimmte im übrigen den 15.September als Invasionstermin, wenn die Lage dafür erreicht sei.Die Verkleinerung des Übersetzgebietes könnte seiner Meinung nach,auch während der Operation vorgenommen werden.Mit auf dieser Besprechung wurde auch Brauchitschs Vorschlag behandelt, sofort 2 Panzerdivisionen, nach Afrika zu verlegen,um so die Italiener zu unterstützen.Hitler wollte dieses "Ablenkungsmanöver" prüfen.Insgesamt schätzte Hitler den Beitrag der kleinen Kriegsmarine als "nutzlos" ein.Minen ,Küstenartillerie und Luftwaffe sollten die Operation erzwingen und später natürlich die überlegene Panzerwaffe.(650 Panzer gegen etwas mehr wie 120?)Gegen Ende der Besprechung, teilte Hitler mit,daß er Rußland angreifen gedenke,wenn ein Landung nicht stattfinden könne.
Die in der Nordsee zu errichtenden Minensperren, sollten auch alle erbeuteten französische Minen zugeführt werden.Zusätzlich forderte man aus Südfrankreich noch alle verfügbaren Minen an.
Die kleinere Septemberlösung für Operation Seelöwe:
In der Septemberfassung waren nur noch 23 Divisionen geplant.Im Bereich der HG A von Rundstedt, sollten vier Divisionen der 16.Armee Buschs, die die Hauptlast des Angriffs tragen sollten, sich in Rotterdam,Antwerpen, Ostende,Dünkirchen und Calais einschiffen und zwischen Folkstone und St.Leonards landen.Teile von zwei Divisionen der 9.Armee Strauss, sollten von Bologne und der Canche Bucht ausgehend zwischen Bexhill und Eastbourne landen, während Teile von drei weiteren Divisionen von Le Havre kommend zwischen Beachy Head und Brighton gelandet wären.
Die erste Anlandung sollte von 250 Amphibienpanzern und einem Luftlandeunternehmen der 7.Fliegerdivision unterstützt werden.Die rasche Einnahme von Dover und der Vormarsch nach Deal wurde unterstrichen.Das geplante und auf Helgoland trainierte Doverunternehmen der Brandenburger wäre also auf jeden Fall gestartet worden.Innerhalb von 14 Tagen war die Anlandung von 11 Divisionen, davon einer PzD geplant.Danach waren Angriffe Richtung Portsmouth und Themsemündung geplant.
Neben der Deckungs und Unterstützungsrolle der Luftflotten 2 und 3, sollte die Kriegsmarine mit zehn Zerstörern und zwanzig Torpedobooten die Westflanke schützen und mit 30 Schnellbooten die Ostflanke(Befehl hatte Lütjens).Im westlichen Kanal und in der Nordsee sollten insgesamt 21 U-Boote operieren,weitere 6 vor Northumberland und dem Pentland Firth.Von Südnorwegen war eine Operation mit schwerern Einheiten und Transportschiffen geplant um eine Scheinlandung vorzutäuschen.Die "Admiral Hipper" sollte einen Ausfall Richtung Island unternehmen.
13.9.1940 Nordsee
Die Royal Navy verlegt den Schlachtkreuzer Hood, die Schlachtschiffe Rodney und Nelson, 2 Kreuzer und 8 Zerstörer von Scapa Flow nach Rosyth, um bei einem deutschen Invasionsversuch im Kanal auftreten zu können.
Noch am 14.9 1940 entschloß sich Hitler nach reiflicher Überlegung die Operation doch nicht aufzugeben.15.00 Uhr an diesem Tag stellte er fest:" Eine erfolgreiche Landung mit folgender Besetzung, würde den Krieg in kürzester Frist beenden´.England wisse nun,daß seine Hoffnungen auf russische Hilfe sich nicht verwirklicht haben und das es seine Lage neu bedenken müße."
Zur Marine stellte er fest:"Die von der Marine zu schaffenden Voraussetzungen seien gegeben, die Armierung der Küste mit schwerer Arillerie vollzogen."Die Wirkung der laufenden Luftoffensive wurde als groß und ungeheuerlich eingeschätzt,"wenn sich auch der Gegner immer wieder erhole"Und dann dieses realistische Eingeständnis:"Eigene Erfolgsmeldungen geben kein ganz sicheres Bild.Insgesamt stellte man fest, daß eben die Voraussetzungen für OP Seelöwe noch nicht gegeben seien.
Halder schrieb dazu:"Glückhafte Landung bedeutet den Sieg,diese verlangt völlige Luftherrschaft.Schlechtwetterlage hat völlige Luftherrschaft bisher verhindert.Alle anderen Faktoren sind in Ordnung."Hitler verschob die Landung auf dem 17.9.40.
Der Septemberplan trat in Kraft, als die Luftwaffe sich zielmäßig nicht auf London mit Terrorangriffen konzentriert hätte, sondern weiter RAF,Infrastruktur und Luftrüstungswerke bekämpft hatte. Im übrigen sah das auch Göring ein, der die Strategie der Luftwaffe über England am 17.9 wieder entsprechend ausrichten wollte.
Die Landung erfolgte am 21.9 in einer dreitägigen Schönwetterphase(real geschehen)... Trotz schwerer Verluste fasste man Fuß und die Invasion gewann Raum.Die englische Schlachtschiffgruppe aus Rosyth auslaufend, wurde durch schwere Luftangriffe und kombinierte U-Boot Angriffe zerschlagen...
Was nach einer erfolgreichen Invasion geschehen wäre:
Bezeichnend für die intensiven Vorbereitungen, war auch ein Befehl am 23.9 an die Landungsdivisionen, sämtliche männliche Engländer zwischen 17 und 45 Jahren festzunehmen und auf das Festland zu bringen(wahrscheinlich wegen Zwangsarbeit).In diesen Zusammenhang waren entsprechende Kriegsgefangenlager an der flanderischen Küste schon eingerichtet!
Im September wurde auch die Dienststelle" Generalluftzeugmeister-Industrieerfassung-England" eingerichtet.Ihre Aufgabe war es den gesamten Entwicklungs und Forschungsstand der englischen Luftfahrt sicherzustellen.Alle Betriebe nach Rohstoffen,wertvollen Werkzeugmaschinen und anderen nützlichen Gegenständen zu durchkämmen.
Heydrich entwarf bis dahin schon die "Sonderfahndungsliste GB".Darin enthalten: Churchill,General de Gaulle, H.G.Wells!, Virginia Woolf und viele andere Minister,Schriftsteller,Professoren und Abgeordnete.Diese Personenliste war später der Anhang des gedruckten Handbuchs" Informationsheft G.B.". Darin wurden jüdische Organisationen,führende Konzerne,das System der Energieversorgung,Erdölbetriebe,Hafenanlagen usw beschrieben.Die Anglikanische Kirche, als "Machtinstrument der englischen Imperiumspolitik" wurde auch nicht vergessen,ebensowenig wie die Pfadfinderbewegung, die als eine vorzügliche Nachrichtenquelle des britischen N.D. angesehen wurde.SS Oberst Dr.Six wurde von Göring zum Chef der Sicherheitspolizei und SD in Großbritanien ernannt.(17.9)Hauptsitz London mit der Maßgabe für die übrigen Landesteile kleine Einsatzgruppen aufzustellen.Diese Einsatzkommandos wurden auch noch im September zusammengestellt.Hauptmittel um das besetzte England zu kontrollieren sollte die Schutzhaft werden.
Der Sitz des Erzbischhofs von Canterbury und anderer Männer der Kirche sollte durchsucht werden und das Mittel des Hausarrestes angewandt werden.Bis zum 7.9.40 wurden Karteien über Juden,Freimaurer,politische Flüchtlinge,Sozialisten,Kommunisten und Liberale zusammengestellt.Besonders der SD war sehr weitblickend, da er sich schon mit der Zeit beschäftigte,wenn deutsche Truppen England wieder verlassen hatten. Bis dahin wollte man ein dichtes Agentennetz etaplieren...
England auf der eigenen Insel besiegt hieß aber nicht unbedingt Kriegsende mit dem Commonwealth.In England selbst wäre wohl Edwart der VIII auf den Thron gekommen und hätte das Land ähnlich wie das geschlagene Frankreich unter Petain, das Land politisch an die Seite der Achse geführt.Irland wäre politisch völlig selbstständig geworden, womöglich noch um die nordirischen Provinzen erweitert.Mit Scapa Flow hätte die deutsche Kriegsmarine einen Stützpunkt gewonnen.Die Besatzungszeit wäre für die englische Bevölkerung aber größtenteils so wahrgenommen worden, so wie es auf den Kanalinseln geschah. Dafür hätten schon Hitlers Englandsymphatien gesorgt. Die Kanalinseln selbst aber wären unter deutsche Herrschaft geblieben,daß hatte Hitler nach der kampflosen Übergabe so gewünscht.
Im Spätherbst 1940 Frieden in Europa,Gibraltar an Spanien,Malta an Italien ...Ein Griechenland ohne englische Unterstützung hätte ziemlich schnell kapituliert.Ägypten ein italienisches Protektorat.Suezkanal unter deutsch-italienischer Kontrolle.Einen Putsch in Jugoslawien hätte es wohl auch nicht gegeben(kein Partisanenkrieg).
Strategisch war ein eigenständiger Kampf der Commonwealthstaaten ein sinnloses Unterfangen. Es wäre Ende 1941 zu einem allgemeinen europäischen Frieden gekommen...
Rückgabe deutscher Kolonien und Anerkennung der neuen europäischen Grenzen wären wohl die deutschen Hauptforderungen gewesen.
Bei den USA, wäre wohl alles vorhersehbar gewesen.
1940 hatten die nur ganze 400 Panzer und plötzlich hatte England den Krieg verloren.Die hätten das geschluckt und sich wieder ihren pazifischen Problemen mit Japan zu gewandt,egal ob dann Kanada noch weiter Krieg geführt hätte.
Es hätte wohl auch keinen Krieg mit Rußland gegeben,weil Stalin allein in Europa gewesen wäre.Der ganze Aufmarsch der Russen 1941, war ja auch von den Engländern mit herbei gebettelt worden. Aber ohne Engländer?
Stalin hatte ja noch die Option, für einen von Berlin angebotenen Feldzug gegen Indien,falls die im Commonwealth weitergekämpft hätten. Und da hätten sie genug zu tun gehabt.
Die Chancen auf einen deutsch-russischen Krieg, waren bei einem Sieg über England 1940 eher niedrig. Es wäre einzig und allein auf Stalins Verhalten angekommen. Und dumm war er ja nicht.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.01.09 12:50
The Real Blaze
Über deutsche Tauchpanzer

hier ein Systemquerschnitt
und hier rollt ein deutscher Tauchpanzer an das andere Ufer.Eingesetzt bei der Durchquerung des Bug, beim Rußlandfeldzug.

Hier deutsche Tauchpanzer PIV

Alle deutschen Tauchpanzer bewährten sich und hätten wohl sich auch bei der OP Seelöwe eine wichtige Rolle gespielt.An englischen Panzern stand ja auf der Insel nicht mehr viel.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:23

hier ein Systemquerschnitt
und hier rollt ein deutscher Tauchpanzer an das andere Ufer.Eingesetzt bei der Durchquerung des Bug, beim Rußlandfeldzug.
Hier deutsche Tauchpanzer PIV

Alle deutschen Tauchpanzer bewährten sich und hätten wohl sich auch bei der OP Seelöwe eine wichtige Rolle gespielt.An englischen Panzern stand ja auf der Insel nicht mehr viel.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:23
Dracula
Tauchpanzer III

Tauchpanzer III
Der Tauchpanzer entstand 1940 aus dem PzKpfw III, ausf. F,G,H oder Befehlswagen für die geplante OP Seelöwe.
Unter Wasser sog der Motor die Luft über einen 18 M langen Schlauch an, der an einem Schwimmer befestigt war.
Die Abgase entwichen über zwei große Rohre mit Rückschlagventil. Die Atemluft der Besatzung kam von einem Rohr das jedenfalls an dem Schwimmer befestigt war und eine Funkantenne beherbergte.
Der Tauchpanzer konnte 20 Minuten in einer Tiefe von 15 M eingesetzt werden.
Als die OP Seelöwe abgesagt wurde, entschied man sich zum Umbau der 168 Tauchpanzer. Sie erhielten nun ein festes Schnorchelrohr, das in die Kommandantkuppel führte.
Ihre glorreichsten Momente erlebten die Tauchpanzer bei der Überquerung des Bugs am 22. Juni 1941 zu Beginn der OP Barbarossa (80 Panzer).
Im Buch wird auch noch berichtet von der 3. Abt des 6. Pz-Rgts. unter Ritterkreuzträger Hauptmann Ferdinand Schneider-Kostalski der im Herbst 1941 mit 60 PzKpfw III den Dnepr passierte. Der Fluß war an dieser Stelle etwa 300 Meter breit und zw. 10 - 15 Meter tief.
Bei dieser Überquerung blieben zwei Panzer im Schlamm stecken und wurden zurückgelassen.
Weiter wird auch noch von der Produktion von ca. 40 Tauchpanzer IV ausf. D und E berichtet die nach Abbruch der OP Seelöwe an das 18. Panzerregiment ausgeliefert wurden und auch teilnahmen an die Überquerung des Bug in 1941.
In Putlos wurden eine Versuchsstation und eine Ausbildungseinrichtung (GSGS 408/9) gegründet. Bei der Auswahl der Panzerbesatzungen wurde insbesondere auf Intelligenz, die Fähigkeit hohen Druck auszuhalten, Trommelfelle u.a. geachtet.
Desweiteren werden noch die Versuchszwecke der Panzer V und VI beschrieben.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:32

Tauchpanzer III
Der Tauchpanzer entstand 1940 aus dem PzKpfw III, ausf. F,G,H oder Befehlswagen für die geplante OP Seelöwe.
Unter Wasser sog der Motor die Luft über einen 18 M langen Schlauch an, der an einem Schwimmer befestigt war.
Die Abgase entwichen über zwei große Rohre mit Rückschlagventil. Die Atemluft der Besatzung kam von einem Rohr das jedenfalls an dem Schwimmer befestigt war und eine Funkantenne beherbergte.
Der Tauchpanzer konnte 20 Minuten in einer Tiefe von 15 M eingesetzt werden.
Als die OP Seelöwe abgesagt wurde, entschied man sich zum Umbau der 168 Tauchpanzer. Sie erhielten nun ein festes Schnorchelrohr, das in die Kommandantkuppel führte.
Ihre glorreichsten Momente erlebten die Tauchpanzer bei der Überquerung des Bugs am 22. Juni 1941 zu Beginn der OP Barbarossa (80 Panzer).
Im Buch wird auch noch berichtet von der 3. Abt des 6. Pz-Rgts. unter Ritterkreuzträger Hauptmann Ferdinand Schneider-Kostalski der im Herbst 1941 mit 60 PzKpfw III den Dnepr passierte. Der Fluß war an dieser Stelle etwa 300 Meter breit und zw. 10 - 15 Meter tief.
Bei dieser Überquerung blieben zwei Panzer im Schlamm stecken und wurden zurückgelassen.
Weiter wird auch noch von der Produktion von ca. 40 Tauchpanzer IV ausf. D und E berichtet die nach Abbruch der OP Seelöwe an das 18. Panzerregiment ausgeliefert wurden und auch teilnahmen an die Überquerung des Bug in 1941.
In Putlos wurden eine Versuchsstation und eine Ausbildungseinrichtung (GSGS 408/9) gegründet. Bei der Auswahl der Panzerbesatzungen wurde insbesondere auf Intelligenz, die Fähigkeit hohen Druck auszuhalten, Trommelfelle u.a. geachtet.
Desweiteren werden noch die Versuchszwecke der Panzer V und VI beschrieben.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:32
The Real Blaze
Im Buch "Operation Seelöwe" von Ronald Wheatley wird sogar die Vorschau der Heeresgruppe A Rundstedts für den Verlauf des ersten Angriffs abgedruckt:

Deutsche Landung bei Dover!
Erste Kampfhandlungen
In der Morgendämmerung werden die ersten Stoßtrupps der Vorausabteilung und die I.Staffeln des 1.Treffens unter mehr oder weniger feindlicher Gegenwehr anlanden.
Wo es notwendig erscheint, wird von den bei Hellwerden landenden Teilen künstlicher Nebel angefordert werden.Die erkannten Küstenbatterien und Befestigungen werden einige tage vor dem S- Tag von der Luftwaffe niedergekämpft oder wenigstens gelähmt sein.
Nach Gewinnung örtlicher Brückenköpfe an den Landungsstellen werden tatkräftige Unter-Führer die zusammengewürfelten Teile zusammenfassen und wichtige Geländepunkte landeinwärts gewinnen.Allmählich entstehen zusammenhängende ,schwache Fronten, die durch ununterbrochen nachgeführten Verstärkungen immer mehr erweitert werden und an Tiefe gewinnen.
Sehr bald ist mit kräftigen Gegenangriffen eines mit Artillerie und schweren Waffen ausgestatteten Feindes zu rechnen, demgegenüber unsere Truppen zahlenmäßig und materiell noch schwach sein werden.Hartnäckige Kämpfe werden sich entwickeln.Alles wird darauf ankommen, daß beherzte und harte Unter -Führer die gelandeten Teile straff führen und keinen Fußbreit Boden aufgeben.
Diesen in oft nicht einfachen Lagen schwer ringenden Kräften müssen die noch auf dem Festland verbleibenden und dort führenden Stäbe der Generalkommandos und Armeen mit allen Mitteln weitere Kräfte, vor allem Artillerie und Panzer, sowie Munition nachschieben.
Erst wenn die kampfkraft der gelandeten Teile von rückwärts her genügend gestärkt ist, werden die höheren Führer mit kleineren Stäben übersetzen, ihre Chefs oder Ia noch zurücklassend.Das Nachführen umfangreicher Stäbe(Korps und Armeestäbe) darf erst erfolgen, wenn vorher die zum Kampfe benötigten kräfte in genügender Stärke übergesetzt sind und Raum nach dem Landesinneren gewonnen ist.
Ein vorzeitiges Nachschieben geschlossener Stäbe nützt bei dem Kleinkampf an der Küste nichts und gefährdet das ununterbrochene Nachführen weiterer Kräfte und weiterer Artillerie, schwerer Waffen und einzelner Panzereinheiten.
Die ersten Kämpfe an der Küste werden daher zunächst hauptsächlich durch die Führer der Battalione,Regimenter und Divisionen mit kleineren Stäben geführt und später durch die höheren Führer übernommen.Auch ist der schmale Raum noch nicht aufnahmefähig für Kraftfahrzeuge,Kolonnen,Stäbe aller Art.
Die Luftwaffe wird am S-Tag erst bei Helligkeit mit schwerpunkt die Landetruppen zu unterstützen und die fehlende Artillerie ersetzen können.Andere Teile werden das Herankommen von feindlichen Verstärkungen aus Südengland verhindern müssen.Erst später werden wichtige Eisenbahnlinien usw in Mittel und Nordengland zu stören sein.
Kleine, aber geschlossene Einheiten der Panzerdivisionen werden frühzeitig in das 1.Treffen eingegliedert werden, um der Infantrie zu helfen.
Das Anlanden geschloßéner Panzerdivisionen kann erst erfolgen, wenn auf der Insel genügend Raum für diese auf Massenwirkung berechnete Waffe gewonnen ist.da die Anlandung notwendigerweise auf breiten Fronten erfolgen muß, wird eine Zusammenfassung dieser Divisionen erst durch Antreten nach dem Landesinneren allmählich möglich werden.

Panzer III Ausf. F für Operation Seelöwe verladet
Ist die zusammenhängende 20-30km tiefe Brückenkopfstellung gewonnen, werden Tage vergehen, bis das einheitliche Antreten zum Angriff gegen das 1.Operationsziel erfolgen kann.

deutsche Truppen in Straßenkämpfen in London
Schlagzeile der letzten Ausgabe der "Times"
Dieses allmählich sich entwickelnde Bild des Anlandens,Vorwärtskämpfens und Gewinnens des Brückenkopfes ist das Wahrscheinliche. Ergeben günstige Umstände eine Beschleunigung, so wird sich unsere sehr bewegliche und wendige Führung dieser günstigen Lage ebenso schnell anpassen wissen, wie in den bisherigen Operationen.

Invasionsplan
Tage später dann...

London von deutschen Truppen erobert...


deutsche Truppen vor dem Buckingham Palast

Deutsche Truppen sorgen für Ordnung in London

1943 in Mittelengland
Panzerjägerabteilung beim Manöver

Waffen SS marschiert vor dem Buckinghampalast auf
Scotland Yard arbeitet jetzt für die deutsche Besatzungsmacht



Waffen SS Fotos , geschoßen von einem Reporter des Daily Telegraph

[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:55

Deutsche Landung bei Dover!
Erste Kampfhandlungen
In der Morgendämmerung werden die ersten Stoßtrupps der Vorausabteilung und die I.Staffeln des 1.Treffens unter mehr oder weniger feindlicher Gegenwehr anlanden.
Wo es notwendig erscheint, wird von den bei Hellwerden landenden Teilen künstlicher Nebel angefordert werden.Die erkannten Küstenbatterien und Befestigungen werden einige tage vor dem S- Tag von der Luftwaffe niedergekämpft oder wenigstens gelähmt sein.
Nach Gewinnung örtlicher Brückenköpfe an den Landungsstellen werden tatkräftige Unter-Führer die zusammengewürfelten Teile zusammenfassen und wichtige Geländepunkte landeinwärts gewinnen.Allmählich entstehen zusammenhängende ,schwache Fronten, die durch ununterbrochen nachgeführten Verstärkungen immer mehr erweitert werden und an Tiefe gewinnen.
Sehr bald ist mit kräftigen Gegenangriffen eines mit Artillerie und schweren Waffen ausgestatteten Feindes zu rechnen, demgegenüber unsere Truppen zahlenmäßig und materiell noch schwach sein werden.Hartnäckige Kämpfe werden sich entwickeln.Alles wird darauf ankommen, daß beherzte und harte Unter -Führer die gelandeten Teile straff führen und keinen Fußbreit Boden aufgeben.
Diesen in oft nicht einfachen Lagen schwer ringenden Kräften müssen die noch auf dem Festland verbleibenden und dort führenden Stäbe der Generalkommandos und Armeen mit allen Mitteln weitere Kräfte, vor allem Artillerie und Panzer, sowie Munition nachschieben.
Erst wenn die kampfkraft der gelandeten Teile von rückwärts her genügend gestärkt ist, werden die höheren Führer mit kleineren Stäben übersetzen, ihre Chefs oder Ia noch zurücklassend.Das Nachführen umfangreicher Stäbe(Korps und Armeestäbe) darf erst erfolgen, wenn vorher die zum Kampfe benötigten kräfte in genügender Stärke übergesetzt sind und Raum nach dem Landesinneren gewonnen ist.
Ein vorzeitiges Nachschieben geschlossener Stäbe nützt bei dem Kleinkampf an der Küste nichts und gefährdet das ununterbrochene Nachführen weiterer Kräfte und weiterer Artillerie, schwerer Waffen und einzelner Panzereinheiten.
Die ersten Kämpfe an der Küste werden daher zunächst hauptsächlich durch die Führer der Battalione,Regimenter und Divisionen mit kleineren Stäben geführt und später durch die höheren Führer übernommen.Auch ist der schmale Raum noch nicht aufnahmefähig für Kraftfahrzeuge,Kolonnen,Stäbe aller Art.
Die Luftwaffe wird am S-Tag erst bei Helligkeit mit schwerpunkt die Landetruppen zu unterstützen und die fehlende Artillerie ersetzen können.Andere Teile werden das Herankommen von feindlichen Verstärkungen aus Südengland verhindern müssen.Erst später werden wichtige Eisenbahnlinien usw in Mittel und Nordengland zu stören sein.
Kleine, aber geschlossene Einheiten der Panzerdivisionen werden frühzeitig in das 1.Treffen eingegliedert werden, um der Infantrie zu helfen.
Das Anlanden geschloßéner Panzerdivisionen kann erst erfolgen, wenn auf der Insel genügend Raum für diese auf Massenwirkung berechnete Waffe gewonnen ist.da die Anlandung notwendigerweise auf breiten Fronten erfolgen muß, wird eine Zusammenfassung dieser Divisionen erst durch Antreten nach dem Landesinneren allmählich möglich werden.

Panzer III Ausf. F für Operation Seelöwe verladet
Ist die zusammenhängende 20-30km tiefe Brückenkopfstellung gewonnen, werden Tage vergehen, bis das einheitliche Antreten zum Angriff gegen das 1.Operationsziel erfolgen kann.

deutsche Truppen in Straßenkämpfen in London
Schlagzeile der letzten Ausgabe der "Times"
Dieses allmählich sich entwickelnde Bild des Anlandens,Vorwärtskämpfens und Gewinnens des Brückenkopfes ist das Wahrscheinliche. Ergeben günstige Umstände eine Beschleunigung, so wird sich unsere sehr bewegliche und wendige Führung dieser günstigen Lage ebenso schnell anpassen wissen, wie in den bisherigen Operationen.

Invasionsplan
Tage später dann...

London von deutschen Truppen erobert...


deutsche Truppen vor dem Buckingham Palast

Deutsche Truppen sorgen für Ordnung in London

1943 in Mittelengland
Panzerjägerabteilung beim Manöver

Waffen SS marschiert vor dem Buckinghampalast auf
Scotland Yard arbeitet jetzt für die deutsche Besatzungsmacht



Waffen SS Fotos , geschoßen von einem Reporter des Daily Telegraph

[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:55
The Real Blaze
Chef der Sicherheitspolizei und SD in Großbritanien wäre Prof. Dr. phil. Franz Alfred Six geworden. Also der Reichsstatthalter in England.

Sein Steckbrief
SS-Brigadeführer / SS-Untersturmführer d.R.:
geboren: 12.08.1909 in Mannheim.
NSDAP-Nr.: 245 670 ,eingetreten am 1.03.1930 /SS-Nr.: 107 480 ,eingetreten am 20.04.1935
Promotions:
SS-Brigf.: 30.01.45 (?); SS-Oberf.: 9.11.41; SS-Staf.: ; SS-OStubaf.: ; SS-Stubaf.: ; SS-HStuf.: ; SS-OStuf.: ; SS-UStuf.: .
Kariere:
Leiter der Kulturpolitischen Abteilung in Auswärtige Amt: 1.09.42 - 05.45.
Kdr. Vorkommando Moskau in Einsatzgruppe B: 20.06.41 - 20.08.41.
Waffen-SS in SS-Division "Reich": 1941.
Leiter der Abteilung VII des SD-Hauptamts: 1937 -
Leiter der Abteilung II des SD-Hauptamts: 1937 -
Hauptamtsleiter des NS-Studenenbundes:
Eingetreten in die HJ: 1929.
Nachkriegszeit:
In Nürnberg zu 20 jahre verurteilt, Am 04.1948. auf 10 Jahre vermindert ; herausgekommen am 30.09.1952.
Professor an der Universität Berlin: 10.1939.
Ordentl. Professor an der Universität Königsberg: 1938.
Dr. phil.: 1934.
Offenbar lebt Professor Dr. Six noch. Habe kein Todesdatum gefunden...
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:57

Sein Steckbrief
SS-Brigadeführer / SS-Untersturmführer d.R.:
geboren: 12.08.1909 in Mannheim.
NSDAP-Nr.: 245 670 ,eingetreten am 1.03.1930 /SS-Nr.: 107 480 ,eingetreten am 20.04.1935
Promotions:
SS-Brigf.: 30.01.45 (?); SS-Oberf.: 9.11.41; SS-Staf.: ; SS-OStubaf.: ; SS-Stubaf.: ; SS-HStuf.: ; SS-OStuf.: ; SS-UStuf.: .
Kariere:
Leiter der Kulturpolitischen Abteilung in Auswärtige Amt: 1.09.42 - 05.45.
Kdr. Vorkommando Moskau in Einsatzgruppe B: 20.06.41 - 20.08.41.
Waffen-SS in SS-Division "Reich": 1941.
Leiter der Abteilung VII des SD-Hauptamts: 1937 -
Leiter der Abteilung II des SD-Hauptamts: 1937 -
Hauptamtsleiter des NS-Studenenbundes:
Eingetreten in die HJ: 1929.
Nachkriegszeit:
In Nürnberg zu 20 jahre verurteilt, Am 04.1948. auf 10 Jahre vermindert ; herausgekommen am 30.09.1952.
Professor an der Universität Berlin: 10.1939.
Ordentl. Professor an der Universität Königsberg: 1938.
Dr. phil.: 1934.
Offenbar lebt Professor Dr. Six noch. Habe kein Todesdatum gefunden...
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 21:57
The Real Blaze
Im Buch Jörg Friedrichs "Der Brand" wird im Zusammenhang mit deutschen Invasion "Seelöwe", über Churchill erwähnt, daß er schwörte bei Anlandung deutscher Truppen die englischen Strände mit Senfgas "aufzuweichen".

Schon 1935 wurde in England an einen künftigen Gaskrieg gedacht...
Welchen Erfolg das gehabt hätte weiß man nicht, den zur Ausrüstung des deutschen Infantristen gehörte die Gasmaske.
Wenn das "Fighter Command" verschlissen gewesen wäre, also die Luftwaffe weiter an der Bombadierung englischer Flugplätze festgehalten hätte , wäre der Fall eingetreten, daß nur noch die Marine für England vorhanden gewesen wäre.
Innerhalb der deutschen Luftherrschaft hätte sie sich aber auch sehr schnell verschließen und die Reste hätten sich erst nach Schottland und schließlich nach Kanada zurückziehen müßen.
Das auslösende Moment, daß die Luftwaffe von den englischen Flugplätzen ablies, war ein einzelner deutscher Bomber! der sich über Londons Hafendocks verirrte und dort durch Bomben geringen Sachschaden verursachte.
Für Churchill die Gelegenheit jetzt englische Bomber nach Berlin zu schicken.Schon 1919 träumte Churchill davon Berlin mit einen Tausendbomberangriff zu zerstören.Nun war der zeitpunkt da nur die Mittel noch nicht entsprechend.
Es wurden immerhin 89 Bomber die am 26.8.1940 Berlin bombadierten mit und immerhin eine Holzlaube in Rosenthal zerstören konnten...
Da es nicht der erste englische Angriff auf Deutschland war, wurde jetzt die Luftwaffe für Vergeltungsschläge herangezogen. Damit waren die Reste des "Fighter Command" gerettet, die sich nun auf den jetzt nicht mehr bombadierten Flugplätzen neu organisieren konnte um jetzt die unzulängliche Luftwaffenoffensive gegen London und England zu bekämpfen...

Ostlondon am 7.September nach deutschen Bombenangriff
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 22:05

Schon 1935 wurde in England an einen künftigen Gaskrieg gedacht...
Welchen Erfolg das gehabt hätte weiß man nicht, den zur Ausrüstung des deutschen Infantristen gehörte die Gasmaske.
Wenn das "Fighter Command" verschlissen gewesen wäre, also die Luftwaffe weiter an der Bombadierung englischer Flugplätze festgehalten hätte , wäre der Fall eingetreten, daß nur noch die Marine für England vorhanden gewesen wäre.
Innerhalb der deutschen Luftherrschaft hätte sie sich aber auch sehr schnell verschließen und die Reste hätten sich erst nach Schottland und schließlich nach Kanada zurückziehen müßen.
Das auslösende Moment, daß die Luftwaffe von den englischen Flugplätzen ablies, war ein einzelner deutscher Bomber! der sich über Londons Hafendocks verirrte und dort durch Bomben geringen Sachschaden verursachte.
Für Churchill die Gelegenheit jetzt englische Bomber nach Berlin zu schicken.Schon 1919 träumte Churchill davon Berlin mit einen Tausendbomberangriff zu zerstören.Nun war der zeitpunkt da nur die Mittel noch nicht entsprechend.
Es wurden immerhin 89 Bomber die am 26.8.1940 Berlin bombadierten mit und immerhin eine Holzlaube in Rosenthal zerstören konnten...
Da es nicht der erste englische Angriff auf Deutschland war, wurde jetzt die Luftwaffe für Vergeltungsschläge herangezogen. Damit waren die Reste des "Fighter Command" gerettet, die sich nun auf den jetzt nicht mehr bombadierten Flugplätzen neu organisieren konnte um jetzt die unzulängliche Luftwaffenoffensive gegen London und England zu bekämpfen...

Ostlondon am 7.September nach deutschen Bombenangriff
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 22:05
TÖLZ
Zitat:
Gepostet von The Real Blaze
Offenbar lebt Professor Dr. Six noch. Habe kein Todesdatum gefunden...
Gestorben am 9. Juli 1975 Bozen/Südtirol.
The Real Blaze
Nun falls es in anderen Themen nicht ersichtlich ist, was eine erfolgreiche deutsche Invasion bewirkt hätte, die nach Mansteins Analyse auch erfolgreich gewesen wäre(er hätte selbst ein Landekorps befehligt), noch mal eine Kurzanalyse:
Ein Sieg über England bewirkte sofort:
Keine Atlantikschlacht, die "Bismarck" und die "Tirpitz" hätten nie mehr in diesen Krieg eigegriffen. Die "Graf Zeppelin" wäre fertig gebaut worden, daß U Boot Bauprogramm sofort auf Sparflamme gehalten. Ein Bau von Superschlachtschiffen hat sich erübrigt, weil Frieden und kein Seekrieg mehr in Sicht! Selbst wenn das Commonwealth unter einen geflohenen Churchill weiter rumgemurkst hätte, es hätte ohne Großbritannien, als Eurobasis keine Rolle gespielt.

deutsche Truppen in London
Mit Englands Niederlage war Roosevelts Kriegseinstiegspolitik hinfällig, da kein Seekrieg, gab es auch keine Rechtfertigung mitten im Frieden Island zu besetzen( real 1941).
Es hätte auch keinen Pazifikkrieg gegeben, auch wenn die USA ihren Ölboykott aufrechterhalten hätte, den die Japaner hätten es mit großer Sicherheit geschafft, sich Öl bei Stalin hinzuzukaufen, der angesichts des Krieges jede Forderungspolitik aufgegeben hätte. Ohne den brisanten Molotowbesuch im November 1940 und ohne sowjetrussischen Truppenaufmarsch, wäre nie der Improvisationsplan "Barbarossa" geboren worden. Man hätte weiter Geschäfte mit den Russen gemacht, zum gegenseitigen Nutzen.
Nebenauswirkung: Keinen Balkanfeldzug (weil keine englisch-sowjetrussische Involvierung) und wenn Mussolini doch in Griechenland gezündelt hätte, wären dort keine englische Truppen gelandet.
Das Ideologieproblem hatte bei dem Pragmatiker Hitler nie eine Rolle gespielt, weder bei dem Hitler-Stalin Pakt, noch bei Molotows Besuch im November 1940 ging, wo es nur um den Beitritt der Sowjets zur Achse ging.
Stalin mit offensichtlicher Friedenpolitik( weil ihm keine andere Wahl blieb), wie hätte sich also Hitler vor dem Deutschen Volk erklärt, wenn es keinen Kriegsgrund gab?
Zum anderen hätte eine Niederlage Englands durch eine Invasion, keinen billigen Frieden bewirkt, sondern hätte die sofortige Rückkehr der ehemaligen deutschen Kolonien bewirkt. Das war das absolute mindeste plus eine Anerkennung der Kriegsergebnisse. Die Kraft des Großdeutschen Reiches war dann zur Sicherung, des wiedererlangten Kolonialbesitzes gebunden.
Gewisse Unwägbarkeiten standen schließlich noch im Raum:
Die sogenannten "Freien Franzosen" zum Beispiel hätten ohne weitere englische Hilfe kaum noch Bedeutung erlangt.
Wenn aber ein kriegsführendes Commonwealth da eingesprungen wäre, hätte das eine militärische Bindung in Afrika bedeutet.
Südafrika wäre wohl aus diesem Krieg ausgestiegen, weil die burische Komponente, das wohl durchgesetzt hätte. Ansonsten hätten neue Unruhen gedroht, wenn mit englischer Sicherung, deutsche Truppen in Südwestafrika gelandet wären.
Für die deutsche Seite galt also zwingend die Konsolidierung der Kriegsergebnisse, bis zum großen Gesamtfrieden.
Also ganz grob festgestellt: Eine erfolgreiche Invasion bedeutete auf längere Sicht europäische Friedensjahre, höchstens bis zu Stalins natürlichen Ableben, aber danach wird es ohnehin zu spekulativ. Den eine antibolschewistische , nationalrussische Revolte war genauso im Bereich des möglichen
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 22:10
Ein Sieg über England bewirkte sofort:
Keine Atlantikschlacht, die "Bismarck" und die "Tirpitz" hätten nie mehr in diesen Krieg eigegriffen. Die "Graf Zeppelin" wäre fertig gebaut worden, daß U Boot Bauprogramm sofort auf Sparflamme gehalten. Ein Bau von Superschlachtschiffen hat sich erübrigt, weil Frieden und kein Seekrieg mehr in Sicht! Selbst wenn das Commonwealth unter einen geflohenen Churchill weiter rumgemurkst hätte, es hätte ohne Großbritannien, als Eurobasis keine Rolle gespielt.

deutsche Truppen in London
Mit Englands Niederlage war Roosevelts Kriegseinstiegspolitik hinfällig, da kein Seekrieg, gab es auch keine Rechtfertigung mitten im Frieden Island zu besetzen( real 1941).
Es hätte auch keinen Pazifikkrieg gegeben, auch wenn die USA ihren Ölboykott aufrechterhalten hätte, den die Japaner hätten es mit großer Sicherheit geschafft, sich Öl bei Stalin hinzuzukaufen, der angesichts des Krieges jede Forderungspolitik aufgegeben hätte. Ohne den brisanten Molotowbesuch im November 1940 und ohne sowjetrussischen Truppenaufmarsch, wäre nie der Improvisationsplan "Barbarossa" geboren worden. Man hätte weiter Geschäfte mit den Russen gemacht, zum gegenseitigen Nutzen.
Nebenauswirkung: Keinen Balkanfeldzug (weil keine englisch-sowjetrussische Involvierung) und wenn Mussolini doch in Griechenland gezündelt hätte, wären dort keine englische Truppen gelandet.
Das Ideologieproblem hatte bei dem Pragmatiker Hitler nie eine Rolle gespielt, weder bei dem Hitler-Stalin Pakt, noch bei Molotows Besuch im November 1940 ging, wo es nur um den Beitritt der Sowjets zur Achse ging.
Stalin mit offensichtlicher Friedenpolitik( weil ihm keine andere Wahl blieb), wie hätte sich also Hitler vor dem Deutschen Volk erklärt, wenn es keinen Kriegsgrund gab?
Zum anderen hätte eine Niederlage Englands durch eine Invasion, keinen billigen Frieden bewirkt, sondern hätte die sofortige Rückkehr der ehemaligen deutschen Kolonien bewirkt. Das war das absolute mindeste plus eine Anerkennung der Kriegsergebnisse. Die Kraft des Großdeutschen Reiches war dann zur Sicherung, des wiedererlangten Kolonialbesitzes gebunden.
Gewisse Unwägbarkeiten standen schließlich noch im Raum:
Die sogenannten "Freien Franzosen" zum Beispiel hätten ohne weitere englische Hilfe kaum noch Bedeutung erlangt.
Wenn aber ein kriegsführendes Commonwealth da eingesprungen wäre, hätte das eine militärische Bindung in Afrika bedeutet.
Südafrika wäre wohl aus diesem Krieg ausgestiegen, weil die burische Komponente, das wohl durchgesetzt hätte. Ansonsten hätten neue Unruhen gedroht, wenn mit englischer Sicherung, deutsche Truppen in Südwestafrika gelandet wären.
Für die deutsche Seite galt also zwingend die Konsolidierung der Kriegsergebnisse, bis zum großen Gesamtfrieden.
Also ganz grob festgestellt: Eine erfolgreiche Invasion bedeutete auf längere Sicht europäische Friedensjahre, höchstens bis zu Stalins natürlichen Ableben, aber danach wird es ohnehin zu spekulativ. Den eine antibolschewistische , nationalrussische Revolte war genauso im Bereich des möglichen
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 22:10
The Real Blaze
Wie die britischen Kanalinseln aus der Luft erobert wurden
Primärquelle: DMZ

Roman Gastager eroberte im ersten Feindflug die britische Insel Guernsey. Gastager bekam am 18.November 1944 die Frontflugspange in Gold mit Anhänger und erhielt er zudem das Deutsche Kreuz in Gold.
" Am 30. Juni 1940 um 12.53 Uhr startete ich zu meinem ersten Feindflug - mit einem ganz besonderen Ereignis für Deutschland und besonders für mich. Mit Leutnant Hauber als Flugzeugführer und der Do 17 D 4U-FL flogen wir zur Besetzung der ersten englischen Insel. Mit drei Maschinen starteten wir nach Guernsey. Wir wußten nicht, ob die Engländer noch da waren oder ob sie dort ebenfalls schon den Rückzug angetreten hatten. Wir flogen sofort den Flugplatz an. Dort weideten Kühe - also gab es keine Minen. Die Kühe vertrieben wir im Tiefflug, landeten als erste Maschine und rollten zum Flugplatzhäusl. Ich sprang raus und brachte zur Absicherung mein Maschinengewehr in Stellung. Die anderen blieben in der Maschine. Der Flugplatz war zum Glück nicht besetzt.
Wir verständigten die beiden anderen Flieger oben, die zweite Maschine landete nun ebenfalls, die dritte übernahm weiterhin die Sicherung aus der Luft. Kaum war die zweite Maschine gelandet, kamen drei englische Bomber des Typs Bristol Blenheim. „Alarm!", wir starteten sofort wieder. Unser „Jagdhund" oben machte sofort Jagd auf die plötzlich erschienenen Gegner und konnte zwei von ihnen abschießen, der dritte suchte daraufhin schnellstens das Weite. Damit war unser Auftrag bestens verlaufen, wir flogen wieder zurück nach Buc und holten mit der Ju 52 die Mannschaften für die Inselbesetzung.

deutsche Do 17
Nach dieser ersten Erkundung flogen wir mit der Staffel gleich wieder zurück nach Guernsey, während die 2. Staffel Jersey anflog, und besetzten mit unserem Bodenpersonal die Inseln.
Ich war glücklich und stolz, als erster deutscher Soldat englischen Boden in diesem Krieg betreten zu haben. Die Bewohner der Inseln zeigten übrigens nicht den geringsten Widerstand. Sie waren sichtlich glücklich, daß wir die Besetzung ohne einen einzigen Schuß erledigt hatten.
In der Stadt lief alles weiter als sei nichts gewesen. Die Polizei regelte weiter den Verkehr und grüßte jeden deutschen Soldaten freundlich, nur der Postbeamte telefonierte weiter mit England, bis einer von uns die Leitung endgültig kappte. Auch so kann man also Gebiete erobern.
Wir flogen wieder zurück nach Buc, während unsere Leute blieben, bis die Wehrmacht alles übernahm. Um 16.15 Uhr landeten wir in unserem Standort und wurden von der Staffel feierlich empfangen. Am gleichen Abend kam die Sondermeldung im Radio, daß deutsche Fliegerstaffeln die englischen Kanalinseln besetzt und damit die Landung auf englischem Boden eingeleitet hatten. Reichsmarschall Hermann Göring kam persönlich und gratulierte seiner „Eisernen Dritten", wie unsere Staffel stolz genannt wurde, zu diesem Handstreich.
Göring sagte damals zu mir, ich solle noch ein paar Feindflüge machen, dann bekäme ich das Eiserne Kreuz."

Besetzung der englischen Kanalinseln mit Marschmusik
An Hand vieler Berichte, über die Besetzung und die Besatzungszeit der englischen Kanalinseln kann man erfahren, wie in etwa die Besatzungszeit Britanniens , ab Spätherbst 1940 ausgesehen hätte...
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.01.09 12:12
Primärquelle: DMZ

Roman Gastager eroberte im ersten Feindflug die britische Insel Guernsey. Gastager bekam am 18.November 1944 die Frontflugspange in Gold mit Anhänger und erhielt er zudem das Deutsche Kreuz in Gold.
" Am 30. Juni 1940 um 12.53 Uhr startete ich zu meinem ersten Feindflug - mit einem ganz besonderen Ereignis für Deutschland und besonders für mich. Mit Leutnant Hauber als Flugzeugführer und der Do 17 D 4U-FL flogen wir zur Besetzung der ersten englischen Insel. Mit drei Maschinen starteten wir nach Guernsey. Wir wußten nicht, ob die Engländer noch da waren oder ob sie dort ebenfalls schon den Rückzug angetreten hatten. Wir flogen sofort den Flugplatz an. Dort weideten Kühe - also gab es keine Minen. Die Kühe vertrieben wir im Tiefflug, landeten als erste Maschine und rollten zum Flugplatzhäusl. Ich sprang raus und brachte zur Absicherung mein Maschinengewehr in Stellung. Die anderen blieben in der Maschine. Der Flugplatz war zum Glück nicht besetzt.
Wir verständigten die beiden anderen Flieger oben, die zweite Maschine landete nun ebenfalls, die dritte übernahm weiterhin die Sicherung aus der Luft. Kaum war die zweite Maschine gelandet, kamen drei englische Bomber des Typs Bristol Blenheim. „Alarm!", wir starteten sofort wieder. Unser „Jagdhund" oben machte sofort Jagd auf die plötzlich erschienenen Gegner und konnte zwei von ihnen abschießen, der dritte suchte daraufhin schnellstens das Weite. Damit war unser Auftrag bestens verlaufen, wir flogen wieder zurück nach Buc und holten mit der Ju 52 die Mannschaften für die Inselbesetzung.

deutsche Do 17
Nach dieser ersten Erkundung flogen wir mit der Staffel gleich wieder zurück nach Guernsey, während die 2. Staffel Jersey anflog, und besetzten mit unserem Bodenpersonal die Inseln.
Ich war glücklich und stolz, als erster deutscher Soldat englischen Boden in diesem Krieg betreten zu haben. Die Bewohner der Inseln zeigten übrigens nicht den geringsten Widerstand. Sie waren sichtlich glücklich, daß wir die Besetzung ohne einen einzigen Schuß erledigt hatten.
In der Stadt lief alles weiter als sei nichts gewesen. Die Polizei regelte weiter den Verkehr und grüßte jeden deutschen Soldaten freundlich, nur der Postbeamte telefonierte weiter mit England, bis einer von uns die Leitung endgültig kappte. Auch so kann man also Gebiete erobern.
Wir flogen wieder zurück nach Buc, während unsere Leute blieben, bis die Wehrmacht alles übernahm. Um 16.15 Uhr landeten wir in unserem Standort und wurden von der Staffel feierlich empfangen. Am gleichen Abend kam die Sondermeldung im Radio, daß deutsche Fliegerstaffeln die englischen Kanalinseln besetzt und damit die Landung auf englischem Boden eingeleitet hatten. Reichsmarschall Hermann Göring kam persönlich und gratulierte seiner „Eisernen Dritten", wie unsere Staffel stolz genannt wurde, zu diesem Handstreich.
Göring sagte damals zu mir, ich solle noch ein paar Feindflüge machen, dann bekäme ich das Eiserne Kreuz."

Besetzung der englischen Kanalinseln mit Marschmusik
An Hand vieler Berichte, über die Besetzung und die Besatzungszeit der englischen Kanalinseln kann man erfahren, wie in etwa die Besatzungszeit Britanniens , ab Spätherbst 1940 ausgesehen hätte...
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.01.09 12:12
The Real Blaze
Der September Plan

VORSCHAU DER HEERESGRUPPE A AUF DEN VERLAUF DES ERSTEN ANGRIFFS
Quelle: Wheatley,Operation Seelöwe
Die folgende Vorschau auf die ersten Kampfhandlungen auf englischem Boden wurde den deutschen Landungsarmeen durch die Heeresgruppe A Rundstedts gegeben. Sie bildete einen Anhang zu dem vom 14. September 1940 datierten BefehlNr. 1 für die Durchführung von SEE LÖWE der Heeresgruppe A.

Befehlshaber der Heeresgruppe A Gerd von Rundstedt
Erste Kampfhandlungen
Ist unter den bekannten Voraussetzungen die Durchführung des Unternehmens SEELÖWE befohlen, so wird sich voraussichtlich der Kampf um die englische Küste und später die Gewinnung des ersten zusammenhängenden Brückenkopfes wie folgt abspielen:
In der Morgendämmerung werden die ersten Stoßtrupps der Vorausabteilungen und die I. Staffeln des 1. Treffens unter mehr oder weniger feindlicher Gegenwehr anlanden.
Wo es notwendig erscheint, wird von den bei Hellwerden landenden Teilen künstlicher Nebel angefordert werden. Die erkannten Küstenbatterien und Befestigungen werden einige Tage vor dem S-Tag von der Luftwaffe niedergekämpft oder wenigstens gelähmt sein.
Nach Gewinnung örtlicher Brückenköpfe an den Landungsstellen werden tatkräftige Unter-Führer die zusammengewürfelten Teile zusammenfassen und wichtige Geländepunkte landeinwärts gewinnen. Allmählich entstehen zusammenhängende, schwache Fronten, die durch ununterbrochen nachgeführte Verstärkungen immer mehr erweitert werden und die allmählich an Tiefe gewinnen.
Sehr bald ist mit kräftigen Gegenangriffen eines mit Artillerie und schweren Waffen ausgestatteten Feindes zu rechnen, demgegenüber unsere Truppen zahlenmäßig und materiell vorerst noch schwach sein werden. Hartnäckige Kämpfe werden sich entwickeln. Alles wird darauf ankommen, daß beherzte und harte Unterführer die gelandeten Teile straff führen und keinen Fußbreit Boden aufgeben.
Diesen in oft nicht einfachen Lagen schwer ringenden Kräften müssen die noch auf dem Festland verbleibenden und dort führenden Stäbe der Generalkommandos und Armeen mit allen Mitteln weitere Kräfte, vor allem Artillerie und Panzer, sowie Munition nachschieben.
Erst wenn die Kampfkraft der gelandeten Teile von rückwärts her genügend gestärkt ist, werden die höheren Führer mit kleinen Stäben übersetzen, ihre Chefs oder la noch zurücklassend. Das Nachführen umfangreicher Stäbe (Korpsund Armeestäbe) darf erst erfolgen, wenn vorher die zum Kampfe benötigten Kräfte in genügender Stärke übergesetzt sind und Raum nach dem Landesinnern gewonnen ist.
So werden erst nach Tagen und allmählich die höheren Stäbe den Schwerpunkt der Führung nach der Insel verlegen und das Nachschieben der weiteren Kräfte durch die Heimatstäbe durchführen lassen.
Ein vorzeitiges Hinüberführen geschlossener hoher Stäbe nützt bei dem Kleinkampf an der Küste nichts und gefährdet das ununterbrochene Nachführen weiterer Kräfte und weiterer Artillerie, schwerer Waffen und einzelner Panzereinheiten. Die ersten Kämpfe an der Küste werden daher zunächst hauptsächlich durch die Führer der Bataillone, Regimenter und Divisionen mit kleinen Stäben geführt und später durch die höheren Führer übernommen.
Auch ist der schmale Raum noch nicht aufnahmefähig für Kraftfahrzeuge, Kolonnen, Stäbe aller Art.
Die Luftwaffe wird am S-Tag erst bei Helligkeit mit Schwerpunkt die Landetruppen unterstützen und die fehlende Artillerie ersetzen können. Andere Teile werden das Herankommen von feindlicher Verstärkungen in Südengland verhindern müssen. Erst später werden wichtige Eisenbahnlinien in Mittel- oder Nordengland zu stören sein.
Kleine, aber geschlossene Einheiten der Panzerdivisionen werden frühzeitig in das 1. Treffen eingegliedert werden um der Infanterie zu helfen.
Das Anlanden geschlossener Panzerdivisionen kann erst erfolgen, wenn auf der Insel genügend Raum für diese auf Massenwirkung berechnete Waffe gewonnen ist. Da die Anlandung notwendigerweise auf breiten Fronten erfolgen muß, wird eine Zusammenfassung dieser Divisionen erst durch Antreten nach dem Landesinneren allmählich möglich werden.
Ist die zusammmenhängende 20—50 km tiefe Brückenkopf-Stellung gewonnen, werden Tage vergehen, bis das einheitliche Antreten zum Angriff gegen das 1. Operationsziel erfolgen kann.
Dieses allmählich sich entwickelnde Bild des Anlandens, Vorwärtskämpfens und Gewinnens des Brückenkopfes ist das Wahrscheinliche. Ergeben günstige Umstände eine Beschleunigung, so wird sich unsere sehr bewegliche und wendige Fuhrung dieser günstigen Lage ebenso schnell anzupassen wissen, wie in den bisherigen Operationen.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 19:13

VORSCHAU DER HEERESGRUPPE A AUF DEN VERLAUF DES ERSTEN ANGRIFFS
Quelle: Wheatley,Operation Seelöwe
Die folgende Vorschau auf die ersten Kampfhandlungen auf englischem Boden wurde den deutschen Landungsarmeen durch die Heeresgruppe A Rundstedts gegeben. Sie bildete einen Anhang zu dem vom 14. September 1940 datierten BefehlNr. 1 für die Durchführung von SEE LÖWE der Heeresgruppe A.

Befehlshaber der Heeresgruppe A Gerd von Rundstedt
Erste Kampfhandlungen
Ist unter den bekannten Voraussetzungen die Durchführung des Unternehmens SEELÖWE befohlen, so wird sich voraussichtlich der Kampf um die englische Küste und später die Gewinnung des ersten zusammenhängenden Brückenkopfes wie folgt abspielen:
In der Morgendämmerung werden die ersten Stoßtrupps der Vorausabteilungen und die I. Staffeln des 1. Treffens unter mehr oder weniger feindlicher Gegenwehr anlanden.
Wo es notwendig erscheint, wird von den bei Hellwerden landenden Teilen künstlicher Nebel angefordert werden. Die erkannten Küstenbatterien und Befestigungen werden einige Tage vor dem S-Tag von der Luftwaffe niedergekämpft oder wenigstens gelähmt sein.
Nach Gewinnung örtlicher Brückenköpfe an den Landungsstellen werden tatkräftige Unter-Führer die zusammengewürfelten Teile zusammenfassen und wichtige Geländepunkte landeinwärts gewinnen. Allmählich entstehen zusammenhängende, schwache Fronten, die durch ununterbrochen nachgeführte Verstärkungen immer mehr erweitert werden und die allmählich an Tiefe gewinnen.
Sehr bald ist mit kräftigen Gegenangriffen eines mit Artillerie und schweren Waffen ausgestatteten Feindes zu rechnen, demgegenüber unsere Truppen zahlenmäßig und materiell vorerst noch schwach sein werden. Hartnäckige Kämpfe werden sich entwickeln. Alles wird darauf ankommen, daß beherzte und harte Unterführer die gelandeten Teile straff führen und keinen Fußbreit Boden aufgeben.
Diesen in oft nicht einfachen Lagen schwer ringenden Kräften müssen die noch auf dem Festland verbleibenden und dort führenden Stäbe der Generalkommandos und Armeen mit allen Mitteln weitere Kräfte, vor allem Artillerie und Panzer, sowie Munition nachschieben.
Erst wenn die Kampfkraft der gelandeten Teile von rückwärts her genügend gestärkt ist, werden die höheren Führer mit kleinen Stäben übersetzen, ihre Chefs oder la noch zurücklassend. Das Nachführen umfangreicher Stäbe (Korpsund Armeestäbe) darf erst erfolgen, wenn vorher die zum Kampfe benötigten Kräfte in genügender Stärke übergesetzt sind und Raum nach dem Landesinnern gewonnen ist.
So werden erst nach Tagen und allmählich die höheren Stäbe den Schwerpunkt der Führung nach der Insel verlegen und das Nachschieben der weiteren Kräfte durch die Heimatstäbe durchführen lassen.
Ein vorzeitiges Hinüberführen geschlossener hoher Stäbe nützt bei dem Kleinkampf an der Küste nichts und gefährdet das ununterbrochene Nachführen weiterer Kräfte und weiterer Artillerie, schwerer Waffen und einzelner Panzereinheiten. Die ersten Kämpfe an der Küste werden daher zunächst hauptsächlich durch die Führer der Bataillone, Regimenter und Divisionen mit kleinen Stäben geführt und später durch die höheren Führer übernommen.
Auch ist der schmale Raum noch nicht aufnahmefähig für Kraftfahrzeuge, Kolonnen, Stäbe aller Art.
Die Luftwaffe wird am S-Tag erst bei Helligkeit mit Schwerpunkt die Landetruppen unterstützen und die fehlende Artillerie ersetzen können. Andere Teile werden das Herankommen von feindlicher Verstärkungen in Südengland verhindern müssen. Erst später werden wichtige Eisenbahnlinien in Mittel- oder Nordengland zu stören sein.
Kleine, aber geschlossene Einheiten der Panzerdivisionen werden frühzeitig in das 1. Treffen eingegliedert werden um der Infanterie zu helfen.
Das Anlanden geschlossener Panzerdivisionen kann erst erfolgen, wenn auf der Insel genügend Raum für diese auf Massenwirkung berechnete Waffe gewonnen ist. Da die Anlandung notwendigerweise auf breiten Fronten erfolgen muß, wird eine Zusammenfassung dieser Divisionen erst durch Antreten nach dem Landesinneren allmählich möglich werden.
Ist die zusammmenhängende 20—50 km tiefe Brückenkopf-Stellung gewonnen, werden Tage vergehen, bis das einheitliche Antreten zum Angriff gegen das 1. Operationsziel erfolgen kann.
Dieses allmählich sich entwickelnde Bild des Anlandens, Vorwärtskämpfens und Gewinnens des Brückenkopfes ist das Wahrscheinliche. Ergeben günstige Umstände eine Beschleunigung, so wird sich unsere sehr bewegliche und wendige Fuhrung dieser günstigen Lage ebenso schnell anzupassen wissen, wie in den bisherigen Operationen.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 30.12.08 19:13
The Real Blaze
Luftkriegslage September 1940- unmittelbar vor der geplanten Landung
Der folgende Auszug aus dem vom 23. September datierten Bericht des Generalmajors Warlimont über einen Besuch im Bereitstellungsraum für die Landung zwischen dem 18. und dem 21. September ist in dem Entwurf des Kriegstagebuches des Wehrmachtführungsstabes für den 23. September 1940 enthalten.
Über den bisherigen Ablauf des Luftkrieges habe der Chef des Stabes, Gen.Lt. Speidel, folgendes ausgeführt: Die erste Phase sei durch erfolgreiches Niederkämpfen der feindlichen Jäger gekennzeichnet, die immer mehr an Zahl und Angriffskraft verloren hätten. Als die Luftflotte daraufhin zum Großangriff auf London habe schreiten wollen, sei dieser zunächst nicht genehmigt und erst auf mehrfaches Drängen freigegeben worden. Dann habe aber nur noch 1 Tag guten Wetters zur Verfügung gestanden, sodaß der Angriff nicht in der geplanten Form habe durchgeführt werden können. Die Atempause habe die Engländer in die Lage versetzt aus sämtlichen Schulen Personal und Material und aus der Industrie noch nicht einmal fertig gestrichene Jagdflugzeuge heranzuziehen. Infolgedessen habe sich in den folgenden Tagen die feindliche Jagdabwehr erneut allmählich verstärkt. Hierbei hätten die Engländer auch weniger gut ausgebildete Jagdstaffeln rücksichtslos gegen die deutschen Kampfverbände anfliegen lassen, wobei als letztes Kampfverfahren das Rammen mehrfach in Erscheinung getreten sei. Die deutschen Jagdflugzeuge würden hingegen meist nur von geübteren englischen Jägern angegriffen.
Diese Entwicklung habe dazu geführt, daß seit einigen Tagen der Kampf gegen die feindlichen Jäger wieder habe aufgenommen werden müssen, sodaß man jetzt in der 3. Phase des Luftkrieges gleichzeitig starke Kampfverbände, wenn auch hauptsächlich bei Nacht, und starke Jagdkräfte einsetze. Die eigenen Kräfte fühlten sich dem Feind nach wie vor stark überlegen und es herrsche volle Zuversicht auf eine erfolgreiche weitere Durchführung des Luftkrieges.

Me 109 mit Zusatztank
Anhang E
DIE BEFEHLE DES OBERBEFEHLSHABERS DER LUFTWAFFE FÜR SEELÖWE
Die nachstehende Abschrift ist ein vom 5. September 1940 datierter und von Jeschonnek, dem Chef des Generalstabes der Luftwaffe, gezeichneter Befehl des Oberbefehlshabers der Luftwaffe. Dieser ohne Angabe eines Betreffs herausgegebene Befehl, der in den Anlagen des Kriegstagebuchs der 16. Armee aufgefunden wurde, ergänzte und berichtigte eine frühere Weisung des Oberbefehlshabers der Luftwaffe vom 27. August 1940 (Nr. 5925/40 g.K.). Beide Befehle behandeln offenkundig den Anteil der Luftwaffe an SEELÖWE.
Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe H.Qu., 5. 9.1940
Führungsstab Ia Nr.5944/40 g.K.(opl)
Chef-Sache 10 Ausfertigungen
4. Ausfertigung
Bezug: ObdL, Fü.Stab Ia Nr.5925/40 g.K.v.27.8.40.
Im Nachgang bzw. in Abänderung der angezogenen Verfügung wird befohlen:
1. Änderung der Ab sichten des O.K.H.:
Übergang mit 16. Armee von Rotterdam—Calais in den Küstenabschnitt Folkestone—Hostings.

Primäres Landegebiet der 9.Armee die Küste von Bexhill und...

... das Seebad Worthing mit seinem flachen Strand
Übergang mit 9. Armee — die 1. Staffel des 1. Treffens von Le Havre, die späteren Teile von Boulogne abspringend — in den Küstenstreifen zwischen Bexhill und Worthing.
1. Operationsziel:
Gewinnen der allgemeinen Linie Themse-Mündung—Höhen südlich London—Portsmouth.
Hierzu ist als 1. Angriffsziel zunächst das Gelände wenigstens bis zur Linie: Höhen halbwegs Canterbury/Folkestone—Ashford—Höhen 20 km nördlich Hostings und das Küstengelände mindestens bis zur Linie Höhen 20 km nördl. Bexhill—Höhen 10 km nördl. Worthing zu besetzen.

Landegebiet für die später folgende Heeresgruppe B: die Lyme Bay
Heeresgr. B: nimmt an dem 1. Angriffsakt nicht teil. Bei günstiger Entwicklung der Seelage kann für sie zu einem späteren Zeitpunkt der Übergang aus Gegend Cherbourg in den Küstenabschnitt der Lyme-Bay in Betracht kommen.
Die unmittelbare Unterstützung des Landeunternehmens und des Vorgehens des Heeres bleiben bei Luftflotte 2 (VIII.Fl.Korps) und bei Lfl.3 (I.Fl.Korps), wie durch Ob.d.L., Führungsstab la Nr.5925/40 g.K. Chef-Sache vom 27.8.40, Ziff. 3b, befohlen. Die unmittelbare Unterstützung der etwa in Betracht kommenden Landung der Heeresgr. B ist Aufgabe der Luftflotte 3.
Der Einsatz der Flak-Korps ist mit Ob.d.L., Führungsstab la Nr. 5929/40 g.K.(op2) Chef-Sache vom 28.8.40 geregelt. Es muß jedoch damit gerechnet werden, daß die nach Berlin und Mitteldeutschland verlegten Flakrgt. nicht zurückgeführt werden können. Soweit Ersatz für diese notwendig, ist er aus dem Bereich der Lfl. 2 und 3 zu stellen.
Über Zuteilung und Zuführung von Sonderfahrzeugen (SS-Pontons) zu den Flak-Korps folgt Befehl.
4. Die Trennungslinie zwischen Luftflotte 2 und 3 für Aufklärung und Kampf (einschl. Flak-Korps) wird wie folgt geändert:
St.Quentin (3) — Boulogne (3) — Hostings (2) — Reigate (2) — Hendon (3) — Elstree (2) — Banbury (3) — alte Trennungslinie.
5.Das neue Unterstellungsverhältnis für VIII.Fl.Korps unter
Lfl.2 ist mit Ob.d.L., Führungsstab la Nr.8342/40 g.K. vom
26.8.40 in Kraft getreten.
Das neue Unterstellungsverhältnis für I.Fl.Korps unter Lfl.3 tritt auf besonderen Befehl des Ob.d.L. nach Durchführung des Angriffes „Loge" (Ob.d.L., Fü.Stab la Nr.8476/40 g.K. v.31.8.40) in Kraft.
Der folgende Auszug aus dem vom 23. September datierten Bericht des Generalmajors Warlimont über einen Besuch im Bereitstellungsraum für die Landung zwischen dem 18. und dem 21. September ist in dem Entwurf des Kriegstagebuches des Wehrmachtführungsstabes für den 23. September 1940 enthalten.
Über den bisherigen Ablauf des Luftkrieges habe der Chef des Stabes, Gen.Lt. Speidel, folgendes ausgeführt: Die erste Phase sei durch erfolgreiches Niederkämpfen der feindlichen Jäger gekennzeichnet, die immer mehr an Zahl und Angriffskraft verloren hätten. Als die Luftflotte daraufhin zum Großangriff auf London habe schreiten wollen, sei dieser zunächst nicht genehmigt und erst auf mehrfaches Drängen freigegeben worden. Dann habe aber nur noch 1 Tag guten Wetters zur Verfügung gestanden, sodaß der Angriff nicht in der geplanten Form habe durchgeführt werden können. Die Atempause habe die Engländer in die Lage versetzt aus sämtlichen Schulen Personal und Material und aus der Industrie noch nicht einmal fertig gestrichene Jagdflugzeuge heranzuziehen. Infolgedessen habe sich in den folgenden Tagen die feindliche Jagdabwehr erneut allmählich verstärkt. Hierbei hätten die Engländer auch weniger gut ausgebildete Jagdstaffeln rücksichtslos gegen die deutschen Kampfverbände anfliegen lassen, wobei als letztes Kampfverfahren das Rammen mehrfach in Erscheinung getreten sei. Die deutschen Jagdflugzeuge würden hingegen meist nur von geübteren englischen Jägern angegriffen.
Diese Entwicklung habe dazu geführt, daß seit einigen Tagen der Kampf gegen die feindlichen Jäger wieder habe aufgenommen werden müssen, sodaß man jetzt in der 3. Phase des Luftkrieges gleichzeitig starke Kampfverbände, wenn auch hauptsächlich bei Nacht, und starke Jagdkräfte einsetze. Die eigenen Kräfte fühlten sich dem Feind nach wie vor stark überlegen und es herrsche volle Zuversicht auf eine erfolgreiche weitere Durchführung des Luftkrieges.

Me 109 mit Zusatztank
Anhang E
DIE BEFEHLE DES OBERBEFEHLSHABERS DER LUFTWAFFE FÜR SEELÖWE
Die nachstehende Abschrift ist ein vom 5. September 1940 datierter und von Jeschonnek, dem Chef des Generalstabes der Luftwaffe, gezeichneter Befehl des Oberbefehlshabers der Luftwaffe. Dieser ohne Angabe eines Betreffs herausgegebene Befehl, der in den Anlagen des Kriegstagebuchs der 16. Armee aufgefunden wurde, ergänzte und berichtigte eine frühere Weisung des Oberbefehlshabers der Luftwaffe vom 27. August 1940 (Nr. 5925/40 g.K.). Beide Befehle behandeln offenkundig den Anteil der Luftwaffe an SEELÖWE.
Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe H.Qu., 5. 9.1940
Führungsstab Ia Nr.5944/40 g.K.(opl)
Chef-Sache 10 Ausfertigungen
4. Ausfertigung
Bezug: ObdL, Fü.Stab Ia Nr.5925/40 g.K.v.27.8.40.
Im Nachgang bzw. in Abänderung der angezogenen Verfügung wird befohlen:
1. Änderung der Ab sichten des O.K.H.:
Übergang mit 16. Armee von Rotterdam—Calais in den Küstenabschnitt Folkestone—Hostings.

Primäres Landegebiet der 9.Armee die Küste von Bexhill und...

... das Seebad Worthing mit seinem flachen Strand
Übergang mit 9. Armee — die 1. Staffel des 1. Treffens von Le Havre, die späteren Teile von Boulogne abspringend — in den Küstenstreifen zwischen Bexhill und Worthing.
1. Operationsziel:
Gewinnen der allgemeinen Linie Themse-Mündung—Höhen südlich London—Portsmouth.
Hierzu ist als 1. Angriffsziel zunächst das Gelände wenigstens bis zur Linie: Höhen halbwegs Canterbury/Folkestone—Ashford—Höhen 20 km nördlich Hostings und das Küstengelände mindestens bis zur Linie Höhen 20 km nördl. Bexhill—Höhen 10 km nördl. Worthing zu besetzen.

Landegebiet für die später folgende Heeresgruppe B: die Lyme Bay
Heeresgr. B: nimmt an dem 1. Angriffsakt nicht teil. Bei günstiger Entwicklung der Seelage kann für sie zu einem späteren Zeitpunkt der Übergang aus Gegend Cherbourg in den Küstenabschnitt der Lyme-Bay in Betracht kommen.
Die unmittelbare Unterstützung des Landeunternehmens und des Vorgehens des Heeres bleiben bei Luftflotte 2 (VIII.Fl.Korps) und bei Lfl.3 (I.Fl.Korps), wie durch Ob.d.L., Führungsstab la Nr.5925/40 g.K. Chef-Sache vom 27.8.40, Ziff. 3b, befohlen. Die unmittelbare Unterstützung der etwa in Betracht kommenden Landung der Heeresgr. B ist Aufgabe der Luftflotte 3.
Der Einsatz der Flak-Korps ist mit Ob.d.L., Führungsstab la Nr. 5929/40 g.K.(op2) Chef-Sache vom 28.8.40 geregelt. Es muß jedoch damit gerechnet werden, daß die nach Berlin und Mitteldeutschland verlegten Flakrgt. nicht zurückgeführt werden können. Soweit Ersatz für diese notwendig, ist er aus dem Bereich der Lfl. 2 und 3 zu stellen.
Über Zuteilung und Zuführung von Sonderfahrzeugen (SS-Pontons) zu den Flak-Korps folgt Befehl.
4. Die Trennungslinie zwischen Luftflotte 2 und 3 für Aufklärung und Kampf (einschl. Flak-Korps) wird wie folgt geändert:
St.Quentin (3) — Boulogne (3) — Hostings (2) — Reigate (2) — Hendon (3) — Elstree (2) — Banbury (3) — alte Trennungslinie.
5.Das neue Unterstellungsverhältnis für VIII.Fl.Korps unter
Lfl.2 ist mit Ob.d.L., Führungsstab la Nr.8342/40 g.K. vom
26.8.40 in Kraft getreten.
Das neue Unterstellungsverhältnis für I.Fl.Korps unter Lfl.3 tritt auf besonderen Befehl des Ob.d.L. nach Durchführung des Angriffes „Loge" (Ob.d.L., Fü.Stab la Nr.8476/40 g.K. v.31.8.40) in Kraft.
The Real Blaze
Die Brandenburger bei OP Seelöwe
Quelle: Kurowski, Deutsche Kommandotrupps 1939-1945
Die Führerweisung Nr. 17 vom 1. August 1940, in der die Landungsoperationen in Ost- und Südengland angeordnet wurden, sah vor, die Truppen der Heeresgruppen A und B aus den Räumen Calais - Le Havre - und Cherbourg in drei Angriffsgruppen zum Sturm auf die Insel antreten sollten.
Von rechts nach links waren dazu vorgesehen: Die 26. Armee, die 9. Armee und die 6. Armee. Sie sollten an der Ostküste Englands zwischen Norwich und Brighton landen.
Am 2. Juli 1940 wurde das I. Bataillon der »Brandenburger« noch unter dem Kommando von Major von Hippel und das Bataillon Rudloff alarmiert. Das Regiment »Brandenburg«, das sich gerade in der Aufstellungsphase befand, konnte dennoch rasch beide Bataillone in die vorgesehenen Bereitstellungsräume an der Kanalküste verlegen und einsatzbereit melden.
Zum Bereich der 16. Armee gehörte das Bataillon von Hippel. Bataillonsgefechtsstand wurde Nieuwport, ostwärts von Dünkirchen.
Das III. Bataillon unter Hauptmann Rudloff sammelte im Gefechtsabschnitt der 6. Armee. Der Gefechtsstand wurde Caen an der Seinemündung.

Ziel des I.Bataillons: Folkstone mit seinen Schleusen
Das I. Bataillon sollte im Luftlandeeinsatz zunächst die Schleusen von Folkestone vernichten. Dann sollte ein zweiter Teil des Bataillon an der Halbinsel Dungenes landen und die dortigen Schleusen, B-Werke und Wasserkraftwerke, vor allem aber die dortige Küstengeschützbatterie außer Gefecht setzen.

Ziel des III. Bataillons: Stadt und Hafen Weymouth
Das III. Bataillon sollte als erstes Stadt und Hafen Weymouth in Besitz nehmen und dazu einige Zeit vor dem Gros starten, um dessen Ziele - Plymouth und Portsmouth - zu verschleiern.
Das 100 Mann starke Kommando der »Brandenburger«, das aus englisch sprechenden Auslandsdeutschen zusammengestellt worden war, sollte mit der ersten Welle landen und auf Leichtmotor-Krädern schnell durchstoßen, um bereits im Hinterland Spezialaufträge auszuführen und den Gegner zu verwirren.
Alles schien bereit, als zunächst die Marine am 12. Oktober 1940 die Weisung des OKW erhielt, »die Landung in England lediglich als Druckmittel aufrecht zu erhalten.« Damit war das Unternehmen »Seelöwe« gestorben. Die endgültige Absage an eine Landung in England erfolgte dann am 10. Januar 1941.
Damit hatten die für dieses Unternehmen vorgesehenen »Brandenburger« »einen schönen Badeurlaub an der See verbracht«, wie einer derselben zu berichten wußte.
Quelle: Kurowski, Deutsche Kommandotrupps 1939-1945
Die Führerweisung Nr. 17 vom 1. August 1940, in der die Landungsoperationen in Ost- und Südengland angeordnet wurden, sah vor, die Truppen der Heeresgruppen A und B aus den Räumen Calais - Le Havre - und Cherbourg in drei Angriffsgruppen zum Sturm auf die Insel antreten sollten.
Von rechts nach links waren dazu vorgesehen: Die 26. Armee, die 9. Armee und die 6. Armee. Sie sollten an der Ostküste Englands zwischen Norwich und Brighton landen.
Am 2. Juli 1940 wurde das I. Bataillon der »Brandenburger« noch unter dem Kommando von Major von Hippel und das Bataillon Rudloff alarmiert. Das Regiment »Brandenburg«, das sich gerade in der Aufstellungsphase befand, konnte dennoch rasch beide Bataillone in die vorgesehenen Bereitstellungsräume an der Kanalküste verlegen und einsatzbereit melden.
Zum Bereich der 16. Armee gehörte das Bataillon von Hippel. Bataillonsgefechtsstand wurde Nieuwport, ostwärts von Dünkirchen.
Das III. Bataillon unter Hauptmann Rudloff sammelte im Gefechtsabschnitt der 6. Armee. Der Gefechtsstand wurde Caen an der Seinemündung.

Ziel des I.Bataillons: Folkstone mit seinen Schleusen
Das I. Bataillon sollte im Luftlandeeinsatz zunächst die Schleusen von Folkestone vernichten. Dann sollte ein zweiter Teil des Bataillon an der Halbinsel Dungenes landen und die dortigen Schleusen, B-Werke und Wasserkraftwerke, vor allem aber die dortige Küstengeschützbatterie außer Gefecht setzen.

Ziel des III. Bataillons: Stadt und Hafen Weymouth
Das III. Bataillon sollte als erstes Stadt und Hafen Weymouth in Besitz nehmen und dazu einige Zeit vor dem Gros starten, um dessen Ziele - Plymouth und Portsmouth - zu verschleiern.
Das 100 Mann starke Kommando der »Brandenburger«, das aus englisch sprechenden Auslandsdeutschen zusammengestellt worden war, sollte mit der ersten Welle landen und auf Leichtmotor-Krädern schnell durchstoßen, um bereits im Hinterland Spezialaufträge auszuführen und den Gegner zu verwirren.
Alles schien bereit, als zunächst die Marine am 12. Oktober 1940 die Weisung des OKW erhielt, »die Landung in England lediglich als Druckmittel aufrecht zu erhalten.« Damit war das Unternehmen »Seelöwe« gestorben. Die endgültige Absage an eine Landung in England erfolgte dann am 10. Januar 1941.
Damit hatten die für dieses Unternehmen vorgesehenen »Brandenburger« »einen schönen Badeurlaub an der See verbracht«, wie einer derselben zu berichten wußte.
The Real Blaze
Erich von Manstein über das Unternehmen „Seelöwe"
Primärquelle: Manstein, Verlorene Siege

Erich von Manstein, links neben Führer Adolf Hitler am Kartentisch stehend
Erich von Manstein schreibt in seinem Buch "Verlorene Siege" auch über das Unternehmen Seelöwe. Er gilt als der nachweislich beste deutsche Stratege und war auch unmittelbar mit den Vorbereitungen für das Landeunternehmen befasst. Eine authentischere Sichtweise findet man kaum in der Literatur.
Deutsche hatten nie einen "Kriegsplan"
"Es erscheint geboten, hier einige kritische Bemerkungen zu dem Plan Hitlers, in England zu landen, hinsichtlich der Gründe, die zum Abgehen von dieser Absicht geführt haben, einzuschalten.
Wenn Hitler nach der Niederwerfung Frankreichs wirklich geglaubt haben sollte, daß er den Krieg bereits gewonnen habe, daß es nur noch darauf ankomme, auch Großbritannien zu dieser Einsicht zu bekehren, so hatte er sich offensichtlich geirrt. Die eisige Ablehnung, die sein -allerdings recht vages - Friedensangebot in Großbritannien fand, zeigte. daß weder die Britische Regierung noch die Nation einer solchen Bekehrung zugänglich waren.
Hitler und sein OKW sahen sich also vor die Frage gestellt:
„Was nun?"
Diese Frage mag an den Staatsmann und Feldherrn unvermeidlich herantreten, wenn im Kriege militärische Fehlschläge oder unerwartete politische Entwicklungen, z. B. das Eintreten weiterer Mächte in den Krieg auf der Feindseite, eine völlig neue Lage schaffen. Dann wird u. U. nichts übrig bleiben, als den „Kriegsplan" umzuwerfen.
In solchem Falle wird man der betreffenden Führung vielleicht vorwerfen können, daß sie die Kräfte des eigenen Staates über-, die des Gegners unterschätzt, daß sie die politische Lage falsch beurteilt habe.
Wenn aber eine Staats- und militärische Führung sich die Frage „Was nun?" vorlegen muß, nachdem die militärischen Operationen durchaus nach ihren Erwartungen - im vorliegenden Falle wahrscheinlich sogar weit über diese Erwartung hinaus - zu einer siegreichen Entscheidung gegen den einen Gegner geführt haben, während der andere sich geschlagen auf seine Insel gerettet hat, dann wird man sich fragen müssen, ob auf deutscher Seite überhaupt so etwas wie ein „Kriegsplan" bestanden hat.
Gewiß, kein Krieg rollt nach einem festen Programm ab, nach einem Kriegsplan, den sich die eine Seite zurecht gelegt hat. Aber wenn Hitler im September 1939 nun einmal das Risiko eines Kampfes gegen Frankreich und England einging, dann mußte er sich wohl auch vorher überlegen, wie er gegebenenfalls mit diesen Mächten fertig werden könne. Offenbar hat die deutsche oberste Führung vor und wohl auch noch während der Offensive in Frankreich keinerlei „Kriegsplan" gehabt, was mit dem erhofften militärischen Siege anzufangen sein werde bzw. wie man den Krieg dann fortsetzen wolle.
Hitler hoffte auf ein Nachgeben Großbritanniens. Seine militärischen Berater aber haben offenbar geglaubt, die „Entschlüsse des Führers" abwarten zu müssen.
An diesem Beispiel zeigte sich eklatant, wohin eine unzweckmäßige militärische Spitzenorganisation führen mußte, wie sie sich bei uns aus der Übernahme des Oberbefehls über die Wehrmacht durch Hitler ohne gleichzeitige Schaffung eines für die Gesamtkriegführung verantwortlichen Reichsgeneralstabschefs ergeben hatte.
Tatsächlich gab es neben dem Staatsoberhaupt, das die Politik bestimmte, keine militärische Stelle, die befugt gewesen wäre, sich für die Gesamtkriegführung verantwortlich zu fühlen.
Das OKW hatte Hitler von vornherein auf die Stufe eines militärischen Sekretariats herabgedrückt. Sein Chef Keitel wäre auch gar nicht in der Lage gewesen, Hitler strategisch zu beraten.
Den Oberbefehlshabern der Wehrmachtsteile aber räumte Hitler praktisch so gut wie keinen Einfluß auf die Gesamtkriegführung ein. Sie mochten ihm wohl gelegentlich eine Ansicht zu Fragen der Kriegführung vortragen können, aber Hitler entschied doch letztlich allein auf Grund seiner eigenen Überlegungen.
Er nahm in jedem Fall das Recht der Initiative für sich in Anspruch, so daß - außer im Fall Norwegen , in dem Großadmiral Raeder wohl den ersten Anstoß gegeben hat - mir kein Fall bekannt ist, in dem eine grundlegende Entscheidung in Fragen der Gesamtkriegführung auf das Konto eines der Oberkommandos der drei Wehrmachtsteile zu setzen sein dürfte.
Da niemand befugt war, einen „Kriegsplan" zu entwerfen, am allerwenigsten offenbar das OKW, kam es praktisch darauf hinaus, daß jeder
auf die „Intuitionen des Führers" wartete. Die einen, wie Keitel und Göring, in gläubiger Anbetung, die anderen wie Brauchitsch und Raeder, in Resignation. Daran änderte auch nichts, daß sicherlich innerhalb der Oberkommandos der drei Wehrmachtsteile Erwägungen angestellt worden sind, die auch die Kriegführung auf längere Sicht betrafen.
So hat Großadmiral Raeder bereits im Winter 1939/40 durch die Seekriegsleitung die technischen Möglichkeiten und Erfordernisse eines Landungsunternehmens in England studieren lassen. Aber es gab keine militärische Stelle, keine Persönlichkeit, die im Sinne der Tätigkeit eines wirklichen Generalstabschefs von Hitler nicht nur als Experte oder Vollstrecker angesehen, sondern als der für die militärische Gesamtkriegführung berufene Berater anerkannt worden wäre.
Im vorliegenden Falle war der Erfolg einer derartigen militärischen Spitzenorganisation der, daß, als der Feldzug im Westen unseres Kontinents entschieden war, man, wie bereits gesagt, vor der Frage stand:
„Was nun?"
Zugleich mit dieser Frage aber stand die oberste deutsche Führung zwei Tatsachen gegenüber:
Der Tatsache eines noch nicht geschlagenen und zu einer Verständigung offenbar nicht bereiten Großbritannien;
Der Tatsache, daß das Reich unter der latenten Drohung eines früher oder später möglichen Eingreifens der Sowjetunion, die jetzt sein unmittelbarer Nachbar geworden war, in den Krieg stand. So friedliebend sich der Kreml vorerst Deutschland gegenüber auch geben mochte. Einer Drohung, die Hitler bereits im November 1939 angedeutet hatte, als er die Notwendigkeit betonte, unverzüglich im Westen eine Entscheidung herbeizuführen.
Angesichts dieser beiden Tatsachen war es klar, daß es für das Reich darauf ankommen mußte, den Krieg mit Großbritannien so schnell wie möglich zu beenden. Nur wenn dies gelang, konnte man hoffen, daß Stalin die Chance, den Zwist der europäischen Völker zur Fortsetzung seiner Expansionspolitik auszunutzen, endgültig verpaßt haben würde.
Gelang es nicht, einen Weg zur Verständigung zu finden, dann mußte das Reich versuchen, durch Anwendung kriegerischer Mittel sich so bald als möglich seines derzeit letzten Gegners England zu entledigen.
Es ist die Tragik jener kurzen Zeitspanne, in der das Schicksal Europas für lange Zeit entschieden worden ist, daß keine der beiden Seiten ernstlich den Weg zu einer Verständigung auf vernünftiger Grundlage gesucht hat. Daß Hitler an sich einem Entscheidungskampf gegen das britische Empire lieber ausgewichen wäre, weil seine eigentlichen Ziele im Osten lagen, ist sicher.
Die Art aber, in der er in der Reichstagsitzung nach Abschluß des Feldzuges in Frankreich sein allzu vages Friedensangebot an Großbritannien richtete, war wenig geeignet, auf der Gegenseite einen günstigen Widerhall zu wecken. Zudem muß bezweifelt werden, daß Hitler -bereits der Hybris (= Übermut) verfallen - sich zu einem Frieden auf der Grundlage der Vernunft und der Gerechtigkeit bereitgefunden hätte, wenn die Gegenseite einen solchen ernsthaft angeboten haben würde. Zudem war er bereits der Gefangene seiner bisherigen Taten. Er hatte halb Polen und das Baltikum der Sowjetunion ausgeliefert, eine Tatsache, die er nur um den Preis eines neuen Krieges würde rückgängig machen können. Er hatte der Begehrlichkeit Italiens nach unter französischer Herrschaft stehenden Gebieten den Weg freigemacht und war damit in die Abhängigkeit von seinem Verbündeten geraten. Schließlich war er seit Prag für die Welt unglaubwürdig geworden und hatte jedes Vertrauen in Abmachungen, denen er vielleicht zustimmen würde, verscherzt.

Ein Westfrieden hätte keineswegs bedeutet, daß die Westfälische Grenzzone, ein Gebiet was bis 1648 zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehört hatte, auch wirklich Großdeutschland angegliedert worden wäre. Nach einem Friedensschluß mit Frankreich wäre nur ganz sicher das deutsche Elsaß-Lothringen zu Deutschland gekommen, was ohnehin schon 1942 geschah, dazu noch im Ärmelkanal Hitlers Wunsch, die Kanalinseln. Die U-Bootbasen hätten wohl einen Pachtvertrag erhalten, während die restliche Küstenzone wieder zu Frankreich gekommen wäre. Die Westfälische Grenzzone muß man auch als Faustpfandzone verstehen, ähnlich der wie es die Franzosen in Saarland handhabten. Im Norden sollte bis zur Somme Grossflandern gegründet werden, dass womöglich mit den Niederlanden eine Union angestrebt hätte. Calais, Boulogne, sowie einige weitere französische Städte haben auf der Karte ihre alten deutschen Namen zurückerhalten.
Das deutsche Volk allerdings würde in seiner Masse Hitler zugejubelt haben, wenn er ihm nach dem Siege über Frankreich einen auf vernünftiger Grundlage vereinbarten Frieden gebracht hätte. Es war weder begierig, dem Reich überwiegend polnische Landstriche einzuverleiben, noch fanden Gedanken gewisser Phantasten bei ihm Widerhall, die aus einer fernen Vergangenheit Anspruch auf Gebiete herleiten wollten, weil diese ehemals Teile des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gewesen waren. Die Idee des „Herrenvolks", dem die Herrschaft in Europa oder gar in der Welt zustehe, wurde in Deutschland - außer von wenigen Parteifanatikern - niemals ernst genommen. Es hätte nur bedurft, daß Hitler seine Propagandameute zurückpfiff, um der allgemeinen Zustimmung zu einem vernünftigen Frieden die Bahn frei zu machen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.01.09 12:51
Primärquelle: Manstein, Verlorene Siege

Erich von Manstein, links neben Führer Adolf Hitler am Kartentisch stehend
Erich von Manstein schreibt in seinem Buch "Verlorene Siege" auch über das Unternehmen Seelöwe. Er gilt als der nachweislich beste deutsche Stratege und war auch unmittelbar mit den Vorbereitungen für das Landeunternehmen befasst. Eine authentischere Sichtweise findet man kaum in der Literatur.
Deutsche hatten nie einen "Kriegsplan"
"Es erscheint geboten, hier einige kritische Bemerkungen zu dem Plan Hitlers, in England zu landen, hinsichtlich der Gründe, die zum Abgehen von dieser Absicht geführt haben, einzuschalten.
Wenn Hitler nach der Niederwerfung Frankreichs wirklich geglaubt haben sollte, daß er den Krieg bereits gewonnen habe, daß es nur noch darauf ankomme, auch Großbritannien zu dieser Einsicht zu bekehren, so hatte er sich offensichtlich geirrt. Die eisige Ablehnung, die sein -allerdings recht vages - Friedensangebot in Großbritannien fand, zeigte. daß weder die Britische Regierung noch die Nation einer solchen Bekehrung zugänglich waren.
Hitler und sein OKW sahen sich also vor die Frage gestellt:
„Was nun?"
Diese Frage mag an den Staatsmann und Feldherrn unvermeidlich herantreten, wenn im Kriege militärische Fehlschläge oder unerwartete politische Entwicklungen, z. B. das Eintreten weiterer Mächte in den Krieg auf der Feindseite, eine völlig neue Lage schaffen. Dann wird u. U. nichts übrig bleiben, als den „Kriegsplan" umzuwerfen.
In solchem Falle wird man der betreffenden Führung vielleicht vorwerfen können, daß sie die Kräfte des eigenen Staates über-, die des Gegners unterschätzt, daß sie die politische Lage falsch beurteilt habe.
Wenn aber eine Staats- und militärische Führung sich die Frage „Was nun?" vorlegen muß, nachdem die militärischen Operationen durchaus nach ihren Erwartungen - im vorliegenden Falle wahrscheinlich sogar weit über diese Erwartung hinaus - zu einer siegreichen Entscheidung gegen den einen Gegner geführt haben, während der andere sich geschlagen auf seine Insel gerettet hat, dann wird man sich fragen müssen, ob auf deutscher Seite überhaupt so etwas wie ein „Kriegsplan" bestanden hat.
Gewiß, kein Krieg rollt nach einem festen Programm ab, nach einem Kriegsplan, den sich die eine Seite zurecht gelegt hat. Aber wenn Hitler im September 1939 nun einmal das Risiko eines Kampfes gegen Frankreich und England einging, dann mußte er sich wohl auch vorher überlegen, wie er gegebenenfalls mit diesen Mächten fertig werden könne. Offenbar hat die deutsche oberste Führung vor und wohl auch noch während der Offensive in Frankreich keinerlei „Kriegsplan" gehabt, was mit dem erhofften militärischen Siege anzufangen sein werde bzw. wie man den Krieg dann fortsetzen wolle.
Hitler hoffte auf ein Nachgeben Großbritanniens. Seine militärischen Berater aber haben offenbar geglaubt, die „Entschlüsse des Führers" abwarten zu müssen.
An diesem Beispiel zeigte sich eklatant, wohin eine unzweckmäßige militärische Spitzenorganisation führen mußte, wie sie sich bei uns aus der Übernahme des Oberbefehls über die Wehrmacht durch Hitler ohne gleichzeitige Schaffung eines für die Gesamtkriegführung verantwortlichen Reichsgeneralstabschefs ergeben hatte.
Tatsächlich gab es neben dem Staatsoberhaupt, das die Politik bestimmte, keine militärische Stelle, die befugt gewesen wäre, sich für die Gesamtkriegführung verantwortlich zu fühlen.
Das OKW hatte Hitler von vornherein auf die Stufe eines militärischen Sekretariats herabgedrückt. Sein Chef Keitel wäre auch gar nicht in der Lage gewesen, Hitler strategisch zu beraten.
Den Oberbefehlshabern der Wehrmachtsteile aber räumte Hitler praktisch so gut wie keinen Einfluß auf die Gesamtkriegführung ein. Sie mochten ihm wohl gelegentlich eine Ansicht zu Fragen der Kriegführung vortragen können, aber Hitler entschied doch letztlich allein auf Grund seiner eigenen Überlegungen.
Er nahm in jedem Fall das Recht der Initiative für sich in Anspruch, so daß - außer im Fall Norwegen , in dem Großadmiral Raeder wohl den ersten Anstoß gegeben hat - mir kein Fall bekannt ist, in dem eine grundlegende Entscheidung in Fragen der Gesamtkriegführung auf das Konto eines der Oberkommandos der drei Wehrmachtsteile zu setzen sein dürfte.
Da niemand befugt war, einen „Kriegsplan" zu entwerfen, am allerwenigsten offenbar das OKW, kam es praktisch darauf hinaus, daß jeder
auf die „Intuitionen des Führers" wartete. Die einen, wie Keitel und Göring, in gläubiger Anbetung, die anderen wie Brauchitsch und Raeder, in Resignation. Daran änderte auch nichts, daß sicherlich innerhalb der Oberkommandos der drei Wehrmachtsteile Erwägungen angestellt worden sind, die auch die Kriegführung auf längere Sicht betrafen.
So hat Großadmiral Raeder bereits im Winter 1939/40 durch die Seekriegsleitung die technischen Möglichkeiten und Erfordernisse eines Landungsunternehmens in England studieren lassen. Aber es gab keine militärische Stelle, keine Persönlichkeit, die im Sinne der Tätigkeit eines wirklichen Generalstabschefs von Hitler nicht nur als Experte oder Vollstrecker angesehen, sondern als der für die militärische Gesamtkriegführung berufene Berater anerkannt worden wäre.
Im vorliegenden Falle war der Erfolg einer derartigen militärischen Spitzenorganisation der, daß, als der Feldzug im Westen unseres Kontinents entschieden war, man, wie bereits gesagt, vor der Frage stand:
„Was nun?"
Zugleich mit dieser Frage aber stand die oberste deutsche Führung zwei Tatsachen gegenüber:
Der Tatsache eines noch nicht geschlagenen und zu einer Verständigung offenbar nicht bereiten Großbritannien;
Der Tatsache, daß das Reich unter der latenten Drohung eines früher oder später möglichen Eingreifens der Sowjetunion, die jetzt sein unmittelbarer Nachbar geworden war, in den Krieg stand. So friedliebend sich der Kreml vorerst Deutschland gegenüber auch geben mochte. Einer Drohung, die Hitler bereits im November 1939 angedeutet hatte, als er die Notwendigkeit betonte, unverzüglich im Westen eine Entscheidung herbeizuführen.
Angesichts dieser beiden Tatsachen war es klar, daß es für das Reich darauf ankommen mußte, den Krieg mit Großbritannien so schnell wie möglich zu beenden. Nur wenn dies gelang, konnte man hoffen, daß Stalin die Chance, den Zwist der europäischen Völker zur Fortsetzung seiner Expansionspolitik auszunutzen, endgültig verpaßt haben würde.
Gelang es nicht, einen Weg zur Verständigung zu finden, dann mußte das Reich versuchen, durch Anwendung kriegerischer Mittel sich so bald als möglich seines derzeit letzten Gegners England zu entledigen.
Es ist die Tragik jener kurzen Zeitspanne, in der das Schicksal Europas für lange Zeit entschieden worden ist, daß keine der beiden Seiten ernstlich den Weg zu einer Verständigung auf vernünftiger Grundlage gesucht hat. Daß Hitler an sich einem Entscheidungskampf gegen das britische Empire lieber ausgewichen wäre, weil seine eigentlichen Ziele im Osten lagen, ist sicher.
Die Art aber, in der er in der Reichstagsitzung nach Abschluß des Feldzuges in Frankreich sein allzu vages Friedensangebot an Großbritannien richtete, war wenig geeignet, auf der Gegenseite einen günstigen Widerhall zu wecken. Zudem muß bezweifelt werden, daß Hitler -bereits der Hybris (= Übermut) verfallen - sich zu einem Frieden auf der Grundlage der Vernunft und der Gerechtigkeit bereitgefunden hätte, wenn die Gegenseite einen solchen ernsthaft angeboten haben würde. Zudem war er bereits der Gefangene seiner bisherigen Taten. Er hatte halb Polen und das Baltikum der Sowjetunion ausgeliefert, eine Tatsache, die er nur um den Preis eines neuen Krieges würde rückgängig machen können. Er hatte der Begehrlichkeit Italiens nach unter französischer Herrschaft stehenden Gebieten den Weg freigemacht und war damit in die Abhängigkeit von seinem Verbündeten geraten. Schließlich war er seit Prag für die Welt unglaubwürdig geworden und hatte jedes Vertrauen in Abmachungen, denen er vielleicht zustimmen würde, verscherzt.

Ein Westfrieden hätte keineswegs bedeutet, daß die Westfälische Grenzzone, ein Gebiet was bis 1648 zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehört hatte, auch wirklich Großdeutschland angegliedert worden wäre. Nach einem Friedensschluß mit Frankreich wäre nur ganz sicher das deutsche Elsaß-Lothringen zu Deutschland gekommen, was ohnehin schon 1942 geschah, dazu noch im Ärmelkanal Hitlers Wunsch, die Kanalinseln. Die U-Bootbasen hätten wohl einen Pachtvertrag erhalten, während die restliche Küstenzone wieder zu Frankreich gekommen wäre. Die Westfälische Grenzzone muß man auch als Faustpfandzone verstehen, ähnlich der wie es die Franzosen in Saarland handhabten. Im Norden sollte bis zur Somme Grossflandern gegründet werden, dass womöglich mit den Niederlanden eine Union angestrebt hätte. Calais, Boulogne, sowie einige weitere französische Städte haben auf der Karte ihre alten deutschen Namen zurückerhalten.
Das deutsche Volk allerdings würde in seiner Masse Hitler zugejubelt haben, wenn er ihm nach dem Siege über Frankreich einen auf vernünftiger Grundlage vereinbarten Frieden gebracht hätte. Es war weder begierig, dem Reich überwiegend polnische Landstriche einzuverleiben, noch fanden Gedanken gewisser Phantasten bei ihm Widerhall, die aus einer fernen Vergangenheit Anspruch auf Gebiete herleiten wollten, weil diese ehemals Teile des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gewesen waren. Die Idee des „Herrenvolks", dem die Herrschaft in Europa oder gar in der Welt zustehe, wurde in Deutschland - außer von wenigen Parteifanatikern - niemals ernst genommen. Es hätte nur bedurft, daß Hitler seine Propagandameute zurückpfiff, um der allgemeinen Zustimmung zu einem vernünftigen Frieden die Bahn frei zu machen.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.01.09 12:51
The Real Blaze
Über Churchill und die Engländer

Churchill an der Südostküste Englands - er war nachweislich bereit Giftgas einzusetzen, wenn die deutsche Invasion angelaufen wäre!
"Auf der Gegenseite aber hat wohl der britische Nationalcharakter, der sich so eindrucksvoll in der Person des Regierungschefs Churchill verkörperte, es verhindert, daß man in jener Phase des Krieges - wie auch später - in Großbritannien ernstlich an das Suchen nach einem vernünftigen Ausgleich gedacht hätte. Es war jene bewundernswerte Zähigkeit der Briten, einen Kampf, den sie einmal aufgenommen haben, unter allen Umständen durchzustehen, so bedrohlich die Lage des Augenblicks auch immer erscheinen mag. Hinzu kam, daß in der Erbitterung, in dem „bedingungslosen Haß" gegen Hitler und sein Regime (bei manchen führenden Politikern auch gegen Preußen-Deutschland), die Fähigkeit untergegangen war, das noch schlimmere System, die noch größere Gefahr zu erkennen, die Europa in Gestalt der Sowjetunion bedrohten.
Auch ist offenbar die britische Politik noch in der traditionellen Anschauung eines „europäischen Gleichgewichts" (um dessen Wiederherstellung willen letzten Endes England in den Krieg eingetreten war) befangen gewesen, das die Niederwerfung des auf dem Kontinent übermächtig gewordenen Reiches zur Voraussetzung habe. Man verschloß die Augen davor, daß es in einer veränderten Welt um die Herstellung eines „Weltgleichgewichts" gehen müsse angesichts der Macht, zu der die Sowjetunion herangewachsen war und der Gefahr, die eine solche Macht - dem Gedanken der Weltrevolution verschrieben - für Europa bedeutete.
Zudem war der britische Regierungschef Churchill wohl zu sehr Kämpfer. Ein Mann, der zu ausschließlich an den Kampf und an den erhofften Sieg dachte, um über dieses militärische Ziel hinaus in die politische Zukunft zu sehen. Erst als Jahre später sich die Sowjets bereits dem Balkan und damit einem neuralgischen Punkt Großbritanniens näherten, hat Churchill die in dieser Entwicklung liegende Gefahr gewertet. Zu jener Zeit aber konnte er sich gegenüber Roosevelt und Stalin nicht mehr durchsetzen. Vorerst vertraute er auf die Kraft seines Volkes und darauf, daß schließlich die Vereinigten Staaten durch ihren Präsidenten an Englands Seite in den Krieg geführt werden würden. So wenig die Masse des amerikanischen Volkes - trotz aller Abneigung gegen Hitler - zu jenem Zeitpunkt hierzu bereit sein mochte.
Des weiteren konnte die latente Gefahr, die die Sowjetunion für das Reich darstellte, dem Blick eines Mannes wie Churchill nicht verborgen bleiben. Was den Krieg anbetraf, so buchte er sie als eine Hoffnung für Großbritannien. Dagegen scheint der Gedanke, einen Ausgleich mit Deutschland zu suchen, da einem solchen mit größter Wahrscheinlichkeit in Kürze ein Machtkampf zwischen den beiden totalitären Mächten folgen werde, in seinem Denken keinen Platz gefunden zu haben. Obwohl nüchternes Abwägen der Stärken und Schwächen der beiden Mächte wohl mit Sicherheit hätte erwarten lassen, daß keine derselben der anderen völlig Herr werden, daß sie sich vielmehr in solchem Kampf für lange Zeit binden und schwächen würden. Eine Lage, die zwangsläufig den beiden angelsächsischen Mächten die Weltschiedsrichterrolle in die Hand gespielt haben würde. Auch hätte möglicherweise der Machtkampf der beiden totalitären Staaten das Ende ihrer Regime zur Folge gehabt.

Churchill gehört heute zu den schlimmsten Kriegsverbrechern der Welt, denen nie der Prozeß gemacht wurde. 1940 war er in den USA, um dort um Waffen zu betteln, der US Kriegseintritt war dort schon längst beschlossene Sache, man wußte nur noch nicht, wie man das bewerkstelligen wollte...es fehlte noch ein plausibler Grund für das amerikanische Volk.
In einer Zeit der Diktaturen, der Ideologien, der „Kreuzzüge", der durch eine maßlose Propaganda aufgepeitschten Massen wird leider das Wort „Vernunft" nirgends groß geschrieben. So ergab sich zum Schaden beider Völker und zum Unglück Europas, daß nur der Weg, die Entscheidung zwischen Großbritannien und dem Reich mit den Waffen auszutragen, beiden Seiten als gangbar erschien."
[...]

Churchill an der Südostküste Englands - er war nachweislich bereit Giftgas einzusetzen, wenn die deutsche Invasion angelaufen wäre!
"Auf der Gegenseite aber hat wohl der britische Nationalcharakter, der sich so eindrucksvoll in der Person des Regierungschefs Churchill verkörperte, es verhindert, daß man in jener Phase des Krieges - wie auch später - in Großbritannien ernstlich an das Suchen nach einem vernünftigen Ausgleich gedacht hätte. Es war jene bewundernswerte Zähigkeit der Briten, einen Kampf, den sie einmal aufgenommen haben, unter allen Umständen durchzustehen, so bedrohlich die Lage des Augenblicks auch immer erscheinen mag. Hinzu kam, daß in der Erbitterung, in dem „bedingungslosen Haß" gegen Hitler und sein Regime (bei manchen führenden Politikern auch gegen Preußen-Deutschland), die Fähigkeit untergegangen war, das noch schlimmere System, die noch größere Gefahr zu erkennen, die Europa in Gestalt der Sowjetunion bedrohten.
Auch ist offenbar die britische Politik noch in der traditionellen Anschauung eines „europäischen Gleichgewichts" (um dessen Wiederherstellung willen letzten Endes England in den Krieg eingetreten war) befangen gewesen, das die Niederwerfung des auf dem Kontinent übermächtig gewordenen Reiches zur Voraussetzung habe. Man verschloß die Augen davor, daß es in einer veränderten Welt um die Herstellung eines „Weltgleichgewichts" gehen müsse angesichts der Macht, zu der die Sowjetunion herangewachsen war und der Gefahr, die eine solche Macht - dem Gedanken der Weltrevolution verschrieben - für Europa bedeutete.
Zudem war der britische Regierungschef Churchill wohl zu sehr Kämpfer. Ein Mann, der zu ausschließlich an den Kampf und an den erhofften Sieg dachte, um über dieses militärische Ziel hinaus in die politische Zukunft zu sehen. Erst als Jahre später sich die Sowjets bereits dem Balkan und damit einem neuralgischen Punkt Großbritanniens näherten, hat Churchill die in dieser Entwicklung liegende Gefahr gewertet. Zu jener Zeit aber konnte er sich gegenüber Roosevelt und Stalin nicht mehr durchsetzen. Vorerst vertraute er auf die Kraft seines Volkes und darauf, daß schließlich die Vereinigten Staaten durch ihren Präsidenten an Englands Seite in den Krieg geführt werden würden. So wenig die Masse des amerikanischen Volkes - trotz aller Abneigung gegen Hitler - zu jenem Zeitpunkt hierzu bereit sein mochte.
Des weiteren konnte die latente Gefahr, die die Sowjetunion für das Reich darstellte, dem Blick eines Mannes wie Churchill nicht verborgen bleiben. Was den Krieg anbetraf, so buchte er sie als eine Hoffnung für Großbritannien. Dagegen scheint der Gedanke, einen Ausgleich mit Deutschland zu suchen, da einem solchen mit größter Wahrscheinlichkeit in Kürze ein Machtkampf zwischen den beiden totalitären Mächten folgen werde, in seinem Denken keinen Platz gefunden zu haben. Obwohl nüchternes Abwägen der Stärken und Schwächen der beiden Mächte wohl mit Sicherheit hätte erwarten lassen, daß keine derselben der anderen völlig Herr werden, daß sie sich vielmehr in solchem Kampf für lange Zeit binden und schwächen würden. Eine Lage, die zwangsläufig den beiden angelsächsischen Mächten die Weltschiedsrichterrolle in die Hand gespielt haben würde. Auch hätte möglicherweise der Machtkampf der beiden totalitären Staaten das Ende ihrer Regime zur Folge gehabt.

Churchill gehört heute zu den schlimmsten Kriegsverbrechern der Welt, denen nie der Prozeß gemacht wurde. 1940 war er in den USA, um dort um Waffen zu betteln, der US Kriegseintritt war dort schon längst beschlossene Sache, man wußte nur noch nicht, wie man das bewerkstelligen wollte...es fehlte noch ein plausibler Grund für das amerikanische Volk.
In einer Zeit der Diktaturen, der Ideologien, der „Kreuzzüge", der durch eine maßlose Propaganda aufgepeitschten Massen wird leider das Wort „Vernunft" nirgends groß geschrieben. So ergab sich zum Schaden beider Völker und zum Unglück Europas, daß nur der Weg, die Entscheidung zwischen Großbritannien und dem Reich mit den Waffen auszutragen, beiden Seiten als gangbar erschien."
[...]
The Real Blaze
Wenn tatsächlich nur England letzter Kriegsgegner geblieben wäre
Im Falle einer deutschen Invasion wären die USA zu spät gekommen
"Die Frage „Was nun?", die nach dem Abschluß des Westfeldzuges an die deutsche oberste Führung herantrat, war also im Sinne der Fortsetzung des Kampfes gegen Großbritannien entschieden. Die Tatsache aber, daß aus den vorher erörterten Gründen auf deutscher Seite kein Kriegsplan bestanden hatte, der über den Westfeldzug auf dem Kontinent hinausgereicht hätte, sollte eine schwerwiegende Folge zeitigen.
Als Hitler nunmehr den Plan (nicht aber den Entschluß) faßte, England auf dem Wege einer Invasion zu Leibe zu gehen, waren keinerlei praktische Vorbereitungen für diese Lösung getroffen. Das Ergebnis ist gewesen, daß man die beste Chance, die Schwäche Großbritanniens sofort auszunutzen, verschenken mußte. Die nunmehr in Angriff genommenen Vorbereitungen nahmen soviel Zeit in Anspruch, daß das Gelingen einer Landung schon aus Witterungsgründen zweifelhaft wurde.
Die letztere Tatsache hat neben anderen, auf die noch zurückzukommen sein wird, dann den Anlaß - oder Vorwand - für Hitler gebildet, das Invasionsunternehmen fallen zu lassen, sich überhaupt von Großbritannien abzuwenden, um in der Folge gegen die Sowjetunion loszuschlagen. Das Ergebnis ist bekannt.
Bevor ich auf die Gründe dieses entscheidenden Frontwechsels eingehe, erscheint es nötig, die Möglichkeiten zu besprechen, die bestanden haben würden, wenn Hitler bereit gewesen wäre, den Kampf mit Großbritannien bis zum Letzten durchzufechten.
Dreierlei Wege hätten dafür offengestanden.

Auch die Kriegsmarine konnte allein Großbritannien nicht besiegen, selbst wenn die Chancen durch den U-Boot Krieg 1941 erheblich gestiegen waren. Letzlich fehlten die Mittel dazu, die man nur zur Verfügung hatte, wenn es keinen Ostkrieg gegeben hätte. Doch der war mit dem russischen Aufmarsch unvermeidbar, es gab absolut keinerlei andere Wahl für Großdeutschland dort präfentiv loszuschlagen, bevor die Sowjets ihren Großangriff auf Europa starteten!
Der erste wäre der Versuch gewesen, Großbritannien durch Abschnürung seiner Zufuhren über See auf die Knie zu zwingen. Die Voraussetzungen hierfür waren insofern günstig, als das Reich nunmehr im vollen Besitz der Küsten Norwegens, Hollands, Belgiens und Frankreichs als Basen der Luft- und U-Boot-Kriegführung war.
Weniger günstig war die Lage in bezug auf die hierfür einzusetzenden Kampfmittel.
Die Kriegsmarine verfügte noch keineswegs über eine auch nur annähernd ausreichende Zahl von U-Booten. Von schweren Schiffen, insbesondere Flugzeugträgern, die mit den U-Booten hätten zusammenwirken können, ganz zu schweigen. Zudem zeigte sich, daß die britische U-Boot-Abwehr solange überlegen bleiben würde, als es nicht gelungen war, die britische Luftwaffe niederzukämpfen.

Auch die Luftwaffe konnte allein den Sieg nicht erzwingen, besonders verhängnisvoll war, daß es für weitentfernte Ziele keinerlei Begleitschutzjäger gab mit ausreichender Reichweite. Die praktisch schutzlos nur auf ihre Awehrbewaffnung bauenden deutschen Bomberpulks erlitten vermeidbare Verluste, wenn Göring erstens nur die Flugplätze, die Flugzeugindustrie und Häfen weiter bombardiert hätte und zweitens den Großeinsatz ("Adlertag") für die Zeit der Invasion aufgespart hätte...
Was die deutsche Luftwaffe anging, so wären ihr in diesem Kampfe folgende Aufgaben zugefallen:
Die Erringung der Luftherrschaft zum mindesten in dem Maße, daß eine Einwirkung der britischen Luftwaffe gegen den U-Boot-Krieg ausgeschlossen blieb,
die Lahmlegung der britischen Seehäfen durch ihre Zerstörung, wirkungsvolles Zusammenarbeiten mit den U-Booten im Kampf gegen den feindlichen Seeverkehr.
Praktisch hätte dies die Niederkämpfung der britischen Luftwaffe und die Zerstörung ihrer Rüstungsquellen zur Voraussetzung gehabt.
Daß die deutsche Luftwaffe im Jahre 1940 noch nicht stark genug gewesen ist, dieses Ziel zu erreichen, hat der Verlauf der „Schlacht über England" erwiesen. Ob ihr Resultat sich anders gestaltet hätte, wenn die Wetterverhältnisse im August und September nicht so ungünstig gewesen wären (was nicht zu erwarten war), und wenn die deutsche Führung sich nicht im vielleicht gerade für den Gegner kritischsten Augenblick von dem Kampf gegen die britische Luftwaffe zum Angriff auf London abgewandt hätte, mag dahingestellt bleiben.
In jedem Falle aber konnte man im Sommer 1940 keineswegs im Hinblick auf die doch nur begrenzte Zahl der verfügbaren Bomberkräfte und das Fehlen von Tägern mit weitem Aktionsradius mit Sicherheit darauf rechnen, daß man das Ziel der Niederringung der britischen Luftwaffe und der Zerstörung ihrer Rüstungsquellen schnell erreichen würde. Noch immer hat ein Kampf, der im wesentlichen durch die Wucht der materiellen Mittel entschieden werden muß, mehr Zeit und weit mehr Kräfte erfordert, als man zunächst annahm. Schnelle Entscheidungen werden im Kampf zwischen annähernd gleichwertigen Gegnern in der Regel nur durch Führungskunst erreicht, selten im Abringen der Kräfte, wie es hier unvermeidlich geworden wäre.
Man hätte sich also von vornherein auf einen langen Kampf einrichten müssen. Wie die U-Boot-Flotte erst hätte vervielfacht werden müssen, um den Erfolg zu gewährleisten, so wäre ein gleiches hinsichtlich der Luftwaffe notwendig gewesen.
Es muß auch ganz klar ausgesprochen werden, daß der Gedanke, ein so großes Land wie Großbritannien durch den „operativen Luftkrieg" im Sinne des Generals Douhet schnell auf die Knie zu zwingen, jedenfalls damals noch ein Wunschtraum war. Entsprechendes hat sich auch später hinsichtlich der alliierten Luftkriegführung gegen das Reich gezeigt.
In jedem Fall hätten - wenn man den Entschluß faßte, Großbritannien durch Abschnürung seines Seeverkehrs niederzuzwingen, alle Rüstungskräfte des Reiches für die Verstärkung der U-Boot- und der Luftwaffe freigemacht werden müssen. Eine Verminderung des Heeres zwecks Freimachung von Arbeitskräften wäre unerläßlich gewesen.
In der Länge dieses Kampfes aber lag seine Gefahr. Niemand konnte wissen, wie lange die Sowjetunion noch ruhig bleiben würde. Bei einer Verminderung der deutschen Landmacht und restloser Bindung der deutschen Luftmacht im Kampf gegen England konnte sie, wenn nicht in den Krieg eingreifen, so doch den Weg der politischen Erpressungen beschreiten.

Es war dann auch kein Zufall das im November 1940, wo sichtbar war, dass es keine deutsche Invasion in England mehr geben würde, Sowjetaußenminister Molotow in Berlin auftauchte und unannehmbare Forderungen für einen Achsenbeitritt der Sowjets stellte, so unter anderen einen Bosporus-Stützpunkt, einen Adria-Stützpunkt und einen Ostseestützpunkt am Ostseeausgang, also im Raum Dänemark! Dazu folgten noch Ansprüche auf den Balkan, inklusive ganz Rumäniens, Bulgariens und Serbiens, um dort die Sowjetmacht über die slawischen Balkanvölker zu errichten! Der gleichzeitig ständig verstärkte Aufmarsch der Sowjets an der Westgrenze, war dann tatsächlich auch eine militärisch-politischen Erpreßung, die präfentiv zerschlagen werden mußte!
Eine weitere Gefahr war die Möglichkeit eines frühzeitigen Eingreifens der Vereinigten Staaten. Sie hätten wohl kaum zugesehen, wie Großbritannien langsam erwürgt wurde. In diesen Kampf der Luftflotten und Seestreitkräfte aber hätten die Vereinigten Staaten verhältnismäßig früh eingreifen können, während sie im Fall einer deutschen Invasion Englands damals in jedem Fall zu spät gekommen wären.
Immerhin - wenn das Reich eine wirkliche Gesamt-Kriegsleitung gehabt hätte - wäre es durchaus denkbar gewesen, daß man diesen Weg mit Aussicht auf Erfolg hätte beschreiten können. Immer allerdings unter dem Vorbehalt der Gefahr einer Einmischung der Sowjetunion oder der Vereinigten Staaten. Und sicherlich nur, wenn man strikt daran festhielt, sich allein auf das Ziel der Vernichtung der britischen Luftwaffe und anschließend der Abschnürung des britischen Seeverkehrs zu beschränken. Jedes Abgleiten in die vagen Ideen eines Kampfes gegen die Moral des feindlichen Volkes durch Angriffe auf Städte hätte den Erfolg nur gefährden können.
Als zweiter möglicher Weg, der hätte eingeschlagen werden sollen, um Großbritannien niederzuringen, wird der Kampf um das Mittelmeer genannt. Man wirft Hitler, oder der deutschen militärischen Führung überhaupt, vor, daß sie sich nicht aus dem kontinentalen Denken hätten lösen können. Sie hätten niemals die Bedeutung des Mittelmeeres als der Lebensader des britischen Empire erkannt.
Daß Hitler rein kontinental gedacht hat, mag richtig sein. Eine andere Frage aber ist, ob einerseits der Verlust seiner Mittelmeer-Stellung Großbritannien wirklich zur Aufgabe des Kampfes gezwungen haben würde und welche Folgen anderseits die Eroberung des Mittelmeerraumes für das Reich gehabt hätte.
Es ist unbestreitbar, daß der Verlust seiner Mittelmeerstellung für Großbritannien ein schwerer Schlag gewesen wäre. Die möglichen Folgen in bezug auf Indien, wie in bezug auf den Nahen Osten und damit die britische Ölversorgung konnten schwerwiegend sein. Die endgültige Sperrung der Durchfahrt durch das Mittelmeer hätte darüber hinaus die britische Versorgungslage wesentlich verschärft."
[...]
Im Falle einer deutschen Invasion wären die USA zu spät gekommen
"Die Frage „Was nun?", die nach dem Abschluß des Westfeldzuges an die deutsche oberste Führung herantrat, war also im Sinne der Fortsetzung des Kampfes gegen Großbritannien entschieden. Die Tatsache aber, daß aus den vorher erörterten Gründen auf deutscher Seite kein Kriegsplan bestanden hatte, der über den Westfeldzug auf dem Kontinent hinausgereicht hätte, sollte eine schwerwiegende Folge zeitigen.
Als Hitler nunmehr den Plan (nicht aber den Entschluß) faßte, England auf dem Wege einer Invasion zu Leibe zu gehen, waren keinerlei praktische Vorbereitungen für diese Lösung getroffen. Das Ergebnis ist gewesen, daß man die beste Chance, die Schwäche Großbritanniens sofort auszunutzen, verschenken mußte. Die nunmehr in Angriff genommenen Vorbereitungen nahmen soviel Zeit in Anspruch, daß das Gelingen einer Landung schon aus Witterungsgründen zweifelhaft wurde.
Die letztere Tatsache hat neben anderen, auf die noch zurückzukommen sein wird, dann den Anlaß - oder Vorwand - für Hitler gebildet, das Invasionsunternehmen fallen zu lassen, sich überhaupt von Großbritannien abzuwenden, um in der Folge gegen die Sowjetunion loszuschlagen. Das Ergebnis ist bekannt.
Bevor ich auf die Gründe dieses entscheidenden Frontwechsels eingehe, erscheint es nötig, die Möglichkeiten zu besprechen, die bestanden haben würden, wenn Hitler bereit gewesen wäre, den Kampf mit Großbritannien bis zum Letzten durchzufechten.
Dreierlei Wege hätten dafür offengestanden.

Auch die Kriegsmarine konnte allein Großbritannien nicht besiegen, selbst wenn die Chancen durch den U-Boot Krieg 1941 erheblich gestiegen waren. Letzlich fehlten die Mittel dazu, die man nur zur Verfügung hatte, wenn es keinen Ostkrieg gegeben hätte. Doch der war mit dem russischen Aufmarsch unvermeidbar, es gab absolut keinerlei andere Wahl für Großdeutschland dort präfentiv loszuschlagen, bevor die Sowjets ihren Großangriff auf Europa starteten!
Der erste wäre der Versuch gewesen, Großbritannien durch Abschnürung seiner Zufuhren über See auf die Knie zu zwingen. Die Voraussetzungen hierfür waren insofern günstig, als das Reich nunmehr im vollen Besitz der Küsten Norwegens, Hollands, Belgiens und Frankreichs als Basen der Luft- und U-Boot-Kriegführung war.
Weniger günstig war die Lage in bezug auf die hierfür einzusetzenden Kampfmittel.
Die Kriegsmarine verfügte noch keineswegs über eine auch nur annähernd ausreichende Zahl von U-Booten. Von schweren Schiffen, insbesondere Flugzeugträgern, die mit den U-Booten hätten zusammenwirken können, ganz zu schweigen. Zudem zeigte sich, daß die britische U-Boot-Abwehr solange überlegen bleiben würde, als es nicht gelungen war, die britische Luftwaffe niederzukämpfen.

Auch die Luftwaffe konnte allein den Sieg nicht erzwingen, besonders verhängnisvoll war, daß es für weitentfernte Ziele keinerlei Begleitschutzjäger gab mit ausreichender Reichweite. Die praktisch schutzlos nur auf ihre Awehrbewaffnung bauenden deutschen Bomberpulks erlitten vermeidbare Verluste, wenn Göring erstens nur die Flugplätze, die Flugzeugindustrie und Häfen weiter bombardiert hätte und zweitens den Großeinsatz ("Adlertag") für die Zeit der Invasion aufgespart hätte...
Was die deutsche Luftwaffe anging, so wären ihr in diesem Kampfe folgende Aufgaben zugefallen:
Die Erringung der Luftherrschaft zum mindesten in dem Maße, daß eine Einwirkung der britischen Luftwaffe gegen den U-Boot-Krieg ausgeschlossen blieb,
die Lahmlegung der britischen Seehäfen durch ihre Zerstörung, wirkungsvolles Zusammenarbeiten mit den U-Booten im Kampf gegen den feindlichen Seeverkehr.
Praktisch hätte dies die Niederkämpfung der britischen Luftwaffe und die Zerstörung ihrer Rüstungsquellen zur Voraussetzung gehabt.
Daß die deutsche Luftwaffe im Jahre 1940 noch nicht stark genug gewesen ist, dieses Ziel zu erreichen, hat der Verlauf der „Schlacht über England" erwiesen. Ob ihr Resultat sich anders gestaltet hätte, wenn die Wetterverhältnisse im August und September nicht so ungünstig gewesen wären (was nicht zu erwarten war), und wenn die deutsche Führung sich nicht im vielleicht gerade für den Gegner kritischsten Augenblick von dem Kampf gegen die britische Luftwaffe zum Angriff auf London abgewandt hätte, mag dahingestellt bleiben.
In jedem Falle aber konnte man im Sommer 1940 keineswegs im Hinblick auf die doch nur begrenzte Zahl der verfügbaren Bomberkräfte und das Fehlen von Tägern mit weitem Aktionsradius mit Sicherheit darauf rechnen, daß man das Ziel der Niederringung der britischen Luftwaffe und der Zerstörung ihrer Rüstungsquellen schnell erreichen würde. Noch immer hat ein Kampf, der im wesentlichen durch die Wucht der materiellen Mittel entschieden werden muß, mehr Zeit und weit mehr Kräfte erfordert, als man zunächst annahm. Schnelle Entscheidungen werden im Kampf zwischen annähernd gleichwertigen Gegnern in der Regel nur durch Führungskunst erreicht, selten im Abringen der Kräfte, wie es hier unvermeidlich geworden wäre.
Man hätte sich also von vornherein auf einen langen Kampf einrichten müssen. Wie die U-Boot-Flotte erst hätte vervielfacht werden müssen, um den Erfolg zu gewährleisten, so wäre ein gleiches hinsichtlich der Luftwaffe notwendig gewesen.
Es muß auch ganz klar ausgesprochen werden, daß der Gedanke, ein so großes Land wie Großbritannien durch den „operativen Luftkrieg" im Sinne des Generals Douhet schnell auf die Knie zu zwingen, jedenfalls damals noch ein Wunschtraum war. Entsprechendes hat sich auch später hinsichtlich der alliierten Luftkriegführung gegen das Reich gezeigt.
In jedem Fall hätten - wenn man den Entschluß faßte, Großbritannien durch Abschnürung seines Seeverkehrs niederzuzwingen, alle Rüstungskräfte des Reiches für die Verstärkung der U-Boot- und der Luftwaffe freigemacht werden müssen. Eine Verminderung des Heeres zwecks Freimachung von Arbeitskräften wäre unerläßlich gewesen.
In der Länge dieses Kampfes aber lag seine Gefahr. Niemand konnte wissen, wie lange die Sowjetunion noch ruhig bleiben würde. Bei einer Verminderung der deutschen Landmacht und restloser Bindung der deutschen Luftmacht im Kampf gegen England konnte sie, wenn nicht in den Krieg eingreifen, so doch den Weg der politischen Erpressungen beschreiten.

Es war dann auch kein Zufall das im November 1940, wo sichtbar war, dass es keine deutsche Invasion in England mehr geben würde, Sowjetaußenminister Molotow in Berlin auftauchte und unannehmbare Forderungen für einen Achsenbeitritt der Sowjets stellte, so unter anderen einen Bosporus-Stützpunkt, einen Adria-Stützpunkt und einen Ostseestützpunkt am Ostseeausgang, also im Raum Dänemark! Dazu folgten noch Ansprüche auf den Balkan, inklusive ganz Rumäniens, Bulgariens und Serbiens, um dort die Sowjetmacht über die slawischen Balkanvölker zu errichten! Der gleichzeitig ständig verstärkte Aufmarsch der Sowjets an der Westgrenze, war dann tatsächlich auch eine militärisch-politischen Erpreßung, die präfentiv zerschlagen werden mußte!
Eine weitere Gefahr war die Möglichkeit eines frühzeitigen Eingreifens der Vereinigten Staaten. Sie hätten wohl kaum zugesehen, wie Großbritannien langsam erwürgt wurde. In diesen Kampf der Luftflotten und Seestreitkräfte aber hätten die Vereinigten Staaten verhältnismäßig früh eingreifen können, während sie im Fall einer deutschen Invasion Englands damals in jedem Fall zu spät gekommen wären.
Immerhin - wenn das Reich eine wirkliche Gesamt-Kriegsleitung gehabt hätte - wäre es durchaus denkbar gewesen, daß man diesen Weg mit Aussicht auf Erfolg hätte beschreiten können. Immer allerdings unter dem Vorbehalt der Gefahr einer Einmischung der Sowjetunion oder der Vereinigten Staaten. Und sicherlich nur, wenn man strikt daran festhielt, sich allein auf das Ziel der Vernichtung der britischen Luftwaffe und anschließend der Abschnürung des britischen Seeverkehrs zu beschränken. Jedes Abgleiten in die vagen Ideen eines Kampfes gegen die Moral des feindlichen Volkes durch Angriffe auf Städte hätte den Erfolg nur gefährden können.
Als zweiter möglicher Weg, der hätte eingeschlagen werden sollen, um Großbritannien niederzuringen, wird der Kampf um das Mittelmeer genannt. Man wirft Hitler, oder der deutschen militärischen Führung überhaupt, vor, daß sie sich nicht aus dem kontinentalen Denken hätten lösen können. Sie hätten niemals die Bedeutung des Mittelmeeres als der Lebensader des britischen Empire erkannt.
Daß Hitler rein kontinental gedacht hat, mag richtig sein. Eine andere Frage aber ist, ob einerseits der Verlust seiner Mittelmeer-Stellung Großbritannien wirklich zur Aufgabe des Kampfes gezwungen haben würde und welche Folgen anderseits die Eroberung des Mittelmeerraumes für das Reich gehabt hätte.
Es ist unbestreitbar, daß der Verlust seiner Mittelmeerstellung für Großbritannien ein schwerer Schlag gewesen wäre. Die möglichen Folgen in bezug auf Indien, wie in bezug auf den Nahen Osten und damit die britische Ölversorgung konnten schwerwiegend sein. Die endgültige Sperrung der Durchfahrt durch das Mittelmeer hätte darüber hinaus die britische Versorgungslage wesentlich verschärft."
[...]
The Real Blaze
Alternativpläne zur Invasion wären erfolglos für eine Kriegsentscheidung gewesen
Wären die Schläge der Luftwaffe und Kriegsmarine für sich tödlich gewesen?
"Diese Frage ist meiner Anwort nach doch wohl zu verneinen. Es blieb Großbritannien doch immer noch die Verbindung nach dem Fernen und Nahen Osten um das Kap der Guten Hoffnung offen, die in keinem Fall gesperrt werden konnte. Es sei denn durch eine enge Blockade der britischen Insel mittels des U-Boot- und Luftkrieges, also auf dem erstgenannten Wege. Dies hätte jedoch die Gesamtkräfte der Luftwaffe in Anspruch genommen, so daß für das Mittelmeer nichts mehr übrig geblieben wäre!
So schmerzlich der Verlust von Gibraltar, Malta und der Stellung in Ägypten wie im Nahen Osten für Großbritannien auch immer sein mochte, tödlich wäre er nicht gewesen. Dagegen würden diese Einbußen so wie die Briten nun einmal sind, voraussichtlich deren Kampfeswillen nur noch mehr versteift haben. Die britische Nation hätte sich geweigert, diese Verluste als endgültig hinzunehmen und nur um so erbitterter den Kampf fortgesetzt! Sie hätte aller Wahrscheinlichkeit nach das Schlagwort, daß das Mittelmeer die Lebensader des Empire darstelle Lügen gestraft. Es ist auch durchaus zweifelhaft, ob die Dominions ihr bei der Fortsetzung des Kampfes die Gefolgschaft verweigert haben würden.
Die zweite Frage ist die, welche Folgen der entscheidungssuchende Kampf um das Mittelmeer für das Reich gehabt hätte.
Als erstes ist hierzu festzustellen, daß Italien für diesen Kampf wohl eine gute Basis abgeben konnte, daß seine Wehrmacht jedoch nur einen recht bescheidenen Beitrag in diesem Ringen hätte leisten können. Das brauchte nicht erst durch die Ereignisse bewiesen zu werden, sondern war bereits damals zu übersehen.
Insbesondere war nicht zu erwarten, daß die italienische Flotte in der Lage sein würde, die Briten aus dem Mittelmeer zu vertreiben.
Die Last dieses Kampfes hätte also im wesentlichen von Deutschland getragen werden müssen, wobei die Tatsache erschwerend wirken mußte, daß der Bundesgenosse das Mittelmeer als sein Reservat ansehen und dementsprechende Führungsansprüche stellen würde.
Wollte man Großbritannien seiner Mittelmeerstellung berauben, in der Hoffnung, ihm dadurch einen tödlichen Schlag zu versetzen, so mußte man Malta und Gibraltar wegnehmen und die Briten aus Ägypten und aus Griechenland vertreiben. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß die deutsche Wehrmacht, wenn sie den Schwerpunkt der Kriegführung in den Mittelmeerraum verlegte, militärisch diese Autgabe hätte lösen können.

Man stelle sich den 2.Weltkrieg ohne Italien vor! Es gab überhaupt keinen Punkt, wo man den italienischen Beitrag vermißt hätte. Wäre Italien neutral geblieben, so wie es das prodeutsche Spanien und Portugal handhabten, hätte das Mittelmeer wohl kaum Kriegshandlungen erlebt! Dazu kam noch, daß bis zum italienischen Überfall auf Griechenland, die Helenen ebenfall prodeutsch waren! Die gefallenen deutschen Fallschirmjäger auf Kreta kommen zum Beispiel deshalb auch auf das Konto der Italiener!
Italiens Kriegeintritt auf der deutschen Seite verhinderte auch die konsequente Durchführung des Unternehmens Seelöwe. Deutscherseits hätte man sich nie mit einem Kriegsschauplatz im Mittelmeer, geschweige Nordafrika beschäftigen müssen, um dort britische Positionen zu bekämpfen. In der Legende der Karte heißt es noch zu Bundesgenosse Italien:: "Unsere Zusammenarbeit auf politischem und militärischem Gebiet ist eine vollkommene.Sie wird das Unrecht löschen, das in Jahrhunderten dem deutschen und dem italienischen Volk zugefügt worden ist. Den am Ende von allem steht der gemeinsame Sieg!" - Im 1.Weltkrieg war es besonders der italienische Verrat im Dreibund und die Annexion des deutschen Südtirols, was Unrecht schuff...
Jedoch der Weg hätte zwangsläufig weiter geführt. Die Wegnahme Gibraltars bedurfte entweder der Zustimmung Spaniens, die tatsächlich nicht erreicht worden ist, oder mußte unter Druck auf Spanien durchgeführt werden. In beiden Fällen wäre das Ende der spanischen Neutralität die Folge gewesen. Es wäre dem Reich nichts anderes übrig geblieben als die Sicherung auch der Küsten der iberischen Halbinsel mit oder gegen den Willen der spanischen und portugiesischen Regierung und zugleich die Versorgung dieses Gebietes zu übernehmen.
Mit Widerständen sowohl in Spanien, wie vor allem in Portugal, das seine Kolonien alsbald von England besetzt gesehen hätte, wäre zu rechnen gewesen. In jedem Fall aber würde die iberische Halbinsel einen erheblichen Teil deutscher Heereskräfte auf die Dauer verschluckt haben. Die Rückwirkung einer gewaltsamen Besetzung der iberischen Länder auf die USA wie auf die lateinamerikanischen Mächte konnte katastrophal werden.
Gelangte man nicht mit Frankreich zu einer wirklichen Verständigung, was angesichts der italienischen und spanischen Ansprüche auf französische Kolonial-Gebiete ziemlich ausgeschlossen war, so würde in der Folge auch die Besetzung Französisch-Nordafrikas notwendig geworden sein, wenn man verhindern wollte, daß die Seemacht England nicht doch eines Tages wieder im Mittelmeerraum Fuß faßte.
Hatte man die Briten aus Ägypten - und falls sie sich in Griechenland festsetzten, auch von dort - vertrieben, so hätte der Weg auch im östlichen Mittelmeer vermutlich zwangsläufig nach den Ländern des Nahen Ostens weitergeführt. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt, daß es notwendig sein würde, Großbritannien die Ölzufuhr abzuschneiden. Es ist die Auffassung vertreten worden, daß die Schaffung einer Basis im Nahen Osten Deutschland zwei Vorteile gebracht haben würde. Einmal die Möglichkeit einer Bedrohung Indiens. Zum anderen den Gewinn einer Flankenstellung gegenüber der Sowjetunion, die diese von einem Eingreifen gegen Deutschland abgehalten haben würde. Ich glaube, daß solche Gedankengänge irreal sind.
Ganz abgesehen davon, daß es durchaus fraglich war, welche Wirkung die Festsetzung deutscher Streitkräfte in den Ländern des Nahen Ostens auf die Dauer auf die Haltung der dortigen Völker ausgeübt hätte, ist zweierlei festzustellen:
1.) Operationen aus dem Bereich des Nahen Ostens gegen Indien oder gegen die Sowjetunion konnten schon aus Nachschubgründen niemals in einer Stärke durchgeführt werden, die einen wirklichen Erfolg verbürgt härte. Die Seemacht England saß hier immer am längeren Hebelarm.
2.) Das Erscheinen Deutschlands im Nahen Osten würde die Sowjetunion keineswegs von einem Eingreifen gegen Deutschland abgehalten,
sondern ein solches eher herbeigeführt haben.
Der springende Punkt der ganzen Frage eines Kampfes um den MitteImeerraum scheint mir in folgendem zu liegen:
Der Verlust seiner Mittelmeerstellung hätte Großbritannien wohl kaum tödlich getroffen.
Des weiteren hätte ein entscheidungssuchender Kampf um das Mittelmeer so starke deutsche Kräfte auf die Dauer gebunden, daß die Verlockung für die Sowjetunion, in den Kampf gegen Deutschland einzugreifen, außerordentlich gestiegen wäre. Dies um so mehr, als dann die Preise, die sich die Sowjetunion vielleicht hätte holen wollen, der Balkan und der vorherrschende Einfluß im Nahen Osten, nur im Kampf gegen Deutschland zu gewinnen gewesen wären.
Der Weg über das Mittelmeer, um Großbritannien niederzuringen, stellte einen Umweg dar, vergleichbar dem, welchen Napoleon I. eingeschlagen hatte, als er gedachte, England über Ägypten in Indien tödlich zu treffen. Sein Einschlagen mußte zu einer Festlegung der deutschen Kräfte auf lange Sicht in einer nicht entscheidenden Richtung führen. Eine Festlegung, die einerseits die Aufrüstung des britischen Mutterlandes ermöglicht, andererseits der Sowjetunion die große Chance gegenüber dem Reich gegeben hätte.
Der Weg über das Mittelmeer wäre in Wahrheit ein Ausweichen vor der Entscheidung gewesen, die man gegen das britische Mutterland nicht glaubte erzwingen zu können.
Damit kommt man zu dem dritten Weg, der im Jahre 1940 zur Debatte stand, dem einer Invasion der britischen Insel.
Ehe zu dieser Frage Stellung genommen wird, sei hinsichtlich der Kriegführung im Mittelmeer, wie sie sich tatsächlich ergeben hat, bemerkt, daß auch hier - wie später in Rußland so oft - Hitler an Kräften nie das Notwendige rechtzeitig zur Verfügung stellte. Ein Kardinalfehler ist jedenfalls gewesen, daß er auf die Wegnahme Maltas, die zu einem frühen Zeitpunkt sehr wohl möglich gewesen wäre, verzichtet hat. Dieser Verzicht ist wohl letzten Endes mit von ausschlaggebender Bedeutung für den schließlichen Verlust Nordafrikas mit allen seinen Folgen gewesen.
Jedenfalls hat Hitler im Juli 1940 den Plan (nicht aber den endgültigen Entschluß) zu einer Invasion der britischen Insel gefaßt und die entsprechenden Vorbereitungen angeordnet.
Die Operation sollte unter dem Decknamen „Seelöwe" vorbereitet, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden. Über die Art, in der diese Durchführung geplant war, über das Hin und Her, das über diese Frage in erster Linie zwischen den Oberkommandos des Heeres und der Kriegsmarine entstand, ist von anderer Seite bereits berichtet worden. Desgleichen über die Gründe - oder Vorwände -, die schließlich den Verzicht auf dies Unternehmen rechtfertigen sollten.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 03.01.09 13:11
Wären die Schläge der Luftwaffe und Kriegsmarine für sich tödlich gewesen?
"Diese Frage ist meiner Anwort nach doch wohl zu verneinen. Es blieb Großbritannien doch immer noch die Verbindung nach dem Fernen und Nahen Osten um das Kap der Guten Hoffnung offen, die in keinem Fall gesperrt werden konnte. Es sei denn durch eine enge Blockade der britischen Insel mittels des U-Boot- und Luftkrieges, also auf dem erstgenannten Wege. Dies hätte jedoch die Gesamtkräfte der Luftwaffe in Anspruch genommen, so daß für das Mittelmeer nichts mehr übrig geblieben wäre!
So schmerzlich der Verlust von Gibraltar, Malta und der Stellung in Ägypten wie im Nahen Osten für Großbritannien auch immer sein mochte, tödlich wäre er nicht gewesen. Dagegen würden diese Einbußen so wie die Briten nun einmal sind, voraussichtlich deren Kampfeswillen nur noch mehr versteift haben. Die britische Nation hätte sich geweigert, diese Verluste als endgültig hinzunehmen und nur um so erbitterter den Kampf fortgesetzt! Sie hätte aller Wahrscheinlichkeit nach das Schlagwort, daß das Mittelmeer die Lebensader des Empire darstelle Lügen gestraft. Es ist auch durchaus zweifelhaft, ob die Dominions ihr bei der Fortsetzung des Kampfes die Gefolgschaft verweigert haben würden.
Die zweite Frage ist die, welche Folgen der entscheidungssuchende Kampf um das Mittelmeer für das Reich gehabt hätte.
Als erstes ist hierzu festzustellen, daß Italien für diesen Kampf wohl eine gute Basis abgeben konnte, daß seine Wehrmacht jedoch nur einen recht bescheidenen Beitrag in diesem Ringen hätte leisten können. Das brauchte nicht erst durch die Ereignisse bewiesen zu werden, sondern war bereits damals zu übersehen.
Insbesondere war nicht zu erwarten, daß die italienische Flotte in der Lage sein würde, die Briten aus dem Mittelmeer zu vertreiben.
Die Last dieses Kampfes hätte also im wesentlichen von Deutschland getragen werden müssen, wobei die Tatsache erschwerend wirken mußte, daß der Bundesgenosse das Mittelmeer als sein Reservat ansehen und dementsprechende Führungsansprüche stellen würde.
Wollte man Großbritannien seiner Mittelmeerstellung berauben, in der Hoffnung, ihm dadurch einen tödlichen Schlag zu versetzen, so mußte man Malta und Gibraltar wegnehmen und die Briten aus Ägypten und aus Griechenland vertreiben. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß die deutsche Wehrmacht, wenn sie den Schwerpunkt der Kriegführung in den Mittelmeerraum verlegte, militärisch diese Autgabe hätte lösen können.

Man stelle sich den 2.Weltkrieg ohne Italien vor! Es gab überhaupt keinen Punkt, wo man den italienischen Beitrag vermißt hätte. Wäre Italien neutral geblieben, so wie es das prodeutsche Spanien und Portugal handhabten, hätte das Mittelmeer wohl kaum Kriegshandlungen erlebt! Dazu kam noch, daß bis zum italienischen Überfall auf Griechenland, die Helenen ebenfall prodeutsch waren! Die gefallenen deutschen Fallschirmjäger auf Kreta kommen zum Beispiel deshalb auch auf das Konto der Italiener!
Italiens Kriegeintritt auf der deutschen Seite verhinderte auch die konsequente Durchführung des Unternehmens Seelöwe. Deutscherseits hätte man sich nie mit einem Kriegsschauplatz im Mittelmeer, geschweige Nordafrika beschäftigen müssen, um dort britische Positionen zu bekämpfen. In der Legende der Karte heißt es noch zu Bundesgenosse Italien:: "Unsere Zusammenarbeit auf politischem und militärischem Gebiet ist eine vollkommene.Sie wird das Unrecht löschen, das in Jahrhunderten dem deutschen und dem italienischen Volk zugefügt worden ist. Den am Ende von allem steht der gemeinsame Sieg!" - Im 1.Weltkrieg war es besonders der italienische Verrat im Dreibund und die Annexion des deutschen Südtirols, was Unrecht schuff...
Jedoch der Weg hätte zwangsläufig weiter geführt. Die Wegnahme Gibraltars bedurfte entweder der Zustimmung Spaniens, die tatsächlich nicht erreicht worden ist, oder mußte unter Druck auf Spanien durchgeführt werden. In beiden Fällen wäre das Ende der spanischen Neutralität die Folge gewesen. Es wäre dem Reich nichts anderes übrig geblieben als die Sicherung auch der Küsten der iberischen Halbinsel mit oder gegen den Willen der spanischen und portugiesischen Regierung und zugleich die Versorgung dieses Gebietes zu übernehmen.
Mit Widerständen sowohl in Spanien, wie vor allem in Portugal, das seine Kolonien alsbald von England besetzt gesehen hätte, wäre zu rechnen gewesen. In jedem Fall aber würde die iberische Halbinsel einen erheblichen Teil deutscher Heereskräfte auf die Dauer verschluckt haben. Die Rückwirkung einer gewaltsamen Besetzung der iberischen Länder auf die USA wie auf die lateinamerikanischen Mächte konnte katastrophal werden.
Gelangte man nicht mit Frankreich zu einer wirklichen Verständigung, was angesichts der italienischen und spanischen Ansprüche auf französische Kolonial-Gebiete ziemlich ausgeschlossen war, so würde in der Folge auch die Besetzung Französisch-Nordafrikas notwendig geworden sein, wenn man verhindern wollte, daß die Seemacht England nicht doch eines Tages wieder im Mittelmeerraum Fuß faßte.
Hatte man die Briten aus Ägypten - und falls sie sich in Griechenland festsetzten, auch von dort - vertrieben, so hätte der Weg auch im östlichen Mittelmeer vermutlich zwangsläufig nach den Ländern des Nahen Ostens weitergeführt. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt, daß es notwendig sein würde, Großbritannien die Ölzufuhr abzuschneiden. Es ist die Auffassung vertreten worden, daß die Schaffung einer Basis im Nahen Osten Deutschland zwei Vorteile gebracht haben würde. Einmal die Möglichkeit einer Bedrohung Indiens. Zum anderen den Gewinn einer Flankenstellung gegenüber der Sowjetunion, die diese von einem Eingreifen gegen Deutschland abgehalten haben würde. Ich glaube, daß solche Gedankengänge irreal sind.
Ganz abgesehen davon, daß es durchaus fraglich war, welche Wirkung die Festsetzung deutscher Streitkräfte in den Ländern des Nahen Ostens auf die Dauer auf die Haltung der dortigen Völker ausgeübt hätte, ist zweierlei festzustellen:
1.) Operationen aus dem Bereich des Nahen Ostens gegen Indien oder gegen die Sowjetunion konnten schon aus Nachschubgründen niemals in einer Stärke durchgeführt werden, die einen wirklichen Erfolg verbürgt härte. Die Seemacht England saß hier immer am längeren Hebelarm.
2.) Das Erscheinen Deutschlands im Nahen Osten würde die Sowjetunion keineswegs von einem Eingreifen gegen Deutschland abgehalten,
sondern ein solches eher herbeigeführt haben.
Der springende Punkt der ganzen Frage eines Kampfes um den MitteImeerraum scheint mir in folgendem zu liegen:
Der Verlust seiner Mittelmeerstellung hätte Großbritannien wohl kaum tödlich getroffen.
Des weiteren hätte ein entscheidungssuchender Kampf um das Mittelmeer so starke deutsche Kräfte auf die Dauer gebunden, daß die Verlockung für die Sowjetunion, in den Kampf gegen Deutschland einzugreifen, außerordentlich gestiegen wäre. Dies um so mehr, als dann die Preise, die sich die Sowjetunion vielleicht hätte holen wollen, der Balkan und der vorherrschende Einfluß im Nahen Osten, nur im Kampf gegen Deutschland zu gewinnen gewesen wären.
Der Weg über das Mittelmeer, um Großbritannien niederzuringen, stellte einen Umweg dar, vergleichbar dem, welchen Napoleon I. eingeschlagen hatte, als er gedachte, England über Ägypten in Indien tödlich zu treffen. Sein Einschlagen mußte zu einer Festlegung der deutschen Kräfte auf lange Sicht in einer nicht entscheidenden Richtung führen. Eine Festlegung, die einerseits die Aufrüstung des britischen Mutterlandes ermöglicht, andererseits der Sowjetunion die große Chance gegenüber dem Reich gegeben hätte.
Der Weg über das Mittelmeer wäre in Wahrheit ein Ausweichen vor der Entscheidung gewesen, die man gegen das britische Mutterland nicht glaubte erzwingen zu können.
Damit kommt man zu dem dritten Weg, der im Jahre 1940 zur Debatte stand, dem einer Invasion der britischen Insel.
Ehe zu dieser Frage Stellung genommen wird, sei hinsichtlich der Kriegführung im Mittelmeer, wie sie sich tatsächlich ergeben hat, bemerkt, daß auch hier - wie später in Rußland so oft - Hitler an Kräften nie das Notwendige rechtzeitig zur Verfügung stellte. Ein Kardinalfehler ist jedenfalls gewesen, daß er auf die Wegnahme Maltas, die zu einem frühen Zeitpunkt sehr wohl möglich gewesen wäre, verzichtet hat. Dieser Verzicht ist wohl letzten Endes mit von ausschlaggebender Bedeutung für den schließlichen Verlust Nordafrikas mit allen seinen Folgen gewesen.
Jedenfalls hat Hitler im Juli 1940 den Plan (nicht aber den endgültigen Entschluß) zu einer Invasion der britischen Insel gefaßt und die entsprechenden Vorbereitungen angeordnet.
Die Operation sollte unter dem Decknamen „Seelöwe" vorbereitet, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden. Über die Art, in der diese Durchführung geplant war, über das Hin und Her, das über diese Frage in erster Linie zwischen den Oberkommandos des Heeres und der Kriegsmarine entstand, ist von anderer Seite bereits berichtet worden. Desgleichen über die Gründe - oder Vorwände -, die schließlich den Verzicht auf dies Unternehmen rechtfertigen sollten.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 03.01.09 13:11
The Real Blaze
War überhaupt mit dem Gelingen einer Invasion zu rechnen und welche Folgen hätte ihr Scheitern gehabt?
Welches waren die Gründe, die Hitler schließlich dazu veranlaßt haben, auf die Invasion und damit auf das Austragen der Entscheidung gegen Großbritannien zu verzichten und sich gegen die Sowjetunion zu wenden?
" Zur ersten Frage ist zu sagen, daß eine Invasion der schnellste Weg zur Niederringung Großbritanniens gewesen wäre. Die beiden anderen Wege, die vorstehend erörtert worden sind, konnten eine schnelle Entscheidung nicht bringen.
Wäre aber diese Entscheidung endgültig gewesen? Zu dieser Frage muß man zugeben, daß durchaus die Möglichkeit, vielleicht sogar die Wahrscheinlichkeit bestand, daß die Regierung Churchill selbst nach einer Eroberung der britischen Insel versucht haben würde, den Kampf von Kanada aus fortzusetzen. Ob ihm alle Dominions auf diesem Wege Folge geleistet hätten, mag dahingestellt bleiben. Immerhin bedeutete selbst die Eroberung der britischen Insel noch nicht die volle Niederlage des britischen Empire.
Der entscheidende Punkt dürfte jedoch der folgende sein: Mit der Eroberung der britischen Insel durch die Deutschen fiel für die Gegenseite die Basis weg, die für einen Angriff über See auf den europäischen Kontinent wenigstens damals noch unerläßlich war. Eine Invasion über den Atlantik hinweg zu führen, ohne sich dabei der britischen Insel als Sprungbrett bedienen zu können, mußte zu jener Zeit noch als ausgeschlossen angesehen werden, selbst wenn die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten.
Daß es nach der Besitznahme von England und damit des Ausfalls der britischen Luftwaffe, der Vertreibung der britischen Flotte über den Atlantik, des Ausfalls des Kriegspotentials der britischen Insel für das Reich ohne weiteres möglich gewesen wäre, auch die Lage im Mittelmeer schnell zu bereinigen, kann wohl kaum bezweifelt werden.
Man wird also sagen müssen, daß, selbst wenn die britische Regierung nach Verlust der britischen Insel versucht haben würde, den Krieg fortzusetzen, sie wohl kaum noch eine Aussicht gehabt hätte, ihn zu gewinnen. Würden ihr aber dann die Dominions weiter gefolgt sein?
Die Frage, ob im Fall des Gelingens einer Invasion die britische Bevölkerung -anders als die französische - den Widerstand fortgesetzt oder ob sich - was auch Churchill für denkbar gehalten hat - eine Regierung gefunden hätte, die eine Kapitulation unterzeichnete, kann hier als rein hypothetisch nicht erörtert werden; ebenso wie die Frage, ob sich in letzterem Fall für die Ernährung der englischen Bevölkerung ein Weg hätte finden lassen wie im Falle Belgiens im Ersten Weltkrieg.

Die Frage wie England sich unter einer deutscher Besatzung verhalten hätte beantworteten die Engländer zum Beispiel selbst, wie in dem damals besten Alternativ Film " It happened here". Dort war die Invasion selbst erfolgreich und auch der Endkampf um die Insel. Thema des Films war dann eine 1944 plötzlich aufkommende "Untergrundbewegung"...
Würde die latente Drohung, die die Sowjetunion für das Reich darstellte, noch ihr Gewicht behalten haben, wenn die Sowjets nicht mehr in absehbarer Zeit mit einer „zweiten Front" in Europa hätten rechnen können? Würde sich Stalin alsdann nicht doch im Einvernehmen mit Hitler nach Asien gewandt haben?
Würden die Vereinigten Staaten ihren „Kreuzzug" gegen das Reich unternommen haben, wenn sie darauf rechnen mußten, die Kosten desselben im wesentlichen allein zu tragen?
Niemand kann heute oder konnte damals diese Frage schlüssig beantworten.
Gewiß, auch das Reich hätte nicht die Möglichkeit gehabt, den Frieden jenseits der Meere zu erzwingen. Eines aber ist sicher: Seine Lage wäre nach dem Gelingen einer Invasion der britischen Insel unvergleichlich günstiger gewesen, als dies je auf dem Wege hätte erreicht werden können, den Hitler eingeschlagen hat.
Vom militärischen Standpunkt also wäre im Sommer 1940 eine Invasion Englands, wenn Aussicht auf einen Erfolg derselben bestand, zweifellos die richtige Lösung gewesen. Was im Falle eines solchen deutschen Erfolges hätte geschehen sollen und geschehen können, um zu einem Remis-Frieden zu gelangen, der immer nur das Ziel einer vernünftigen deutschen Politik hätte sein dürfen, gehört nicht in den Bereich dieser militärischen Betrachtung.
Wenden wir uns also lieber wieder der militärischen Seite zu und damit der entscheidenden Frage, ob eine Invasion Englands im Jahre 1940 Aussicht auf Erfolg hatte?
Die Ansichten, ob dem Unternehmen „Seelöwe" eine Erfolgschance zuzubilligen gewesen wäre oder nicht, werden wohl immer geteilt bleiben. Sicher ist, daß es ein außerordentliches Risiko in sich schloß.
Immerhin ist der Hinweis auf den ungeheuren technischen Apparat, dessen die Alliierten bei ihrer Invasion 1944 bedurft haben - Panzerlandungsfahrzeuge, schwimmende Häfen usw. - allein nicht ausreichend, um daraus den Schluß herzuleiten, daß die auf wesentlich primitivere Übersetzmittel angewiesene deutsche Invasion hätte scheitern müssen. Desgleichen nicht der Hinweis auf die absolute Luft- und Seeherrschaft der Alliierten im Jahre 1944, so ausschlaggebend beide für den Erfolg auch gewesen sind.
Konnte die deutsche Seite im Sommer 1940 auch nicht annähernd in gleicher Weise diese Pluspunkte für sich in Rechnung stellen, so hatte sie andererseits den entscheidenden Vorteil, daß sie mit einer organisierten Abwehr an der britischen Küste, die von ausreichend bewaffneten, ausgebildeten und geführten Truppen hätte durchgeführt werden können, zunächst nicht zu rechnen hatte.

und weil auch die Engländer wußten, daß das was sie noch hatten, kaum reichen würde, wurden hektisch Homeguards aufgestellt, was mit dem "Volkssturm" zu vergleichen war. Sie sollten vor allem auf deutsche Fallschirmjäger schießen...

Auch reguläre Truppen waren natürlich vorhanden, doch fehlten ihnen vor allem Panzer die man an den Stränden von Dünkirchen zurückgelassen hatte. Andererseits darf auch nicht vergessen werden, daß besonders gerettete Franzosen aus Dünkirchen wieder nach Frankreich zurücktransportiert wurden, die dort nach dem Zusammenbruch in Kriegsgefangenschaft gerieten. Es waren also von den geretteten Soldaten aus Dünkirchen keinesfalls alle auch auf der Insel vorhanden.
Tatsächlich stand England im Sommer 1940 zu Lande einer Invasion weitgehend wehrlos gegenüber. Eine Wehrlosigkeit, die nahezu vollständig gewesen wäre, wenn Hitler die britische Expeditions-Armee nicht aus Dünkirchen hätte entkommen lassen.
Der Erfolg einer Invasion Englands im Sommer 1940 hing von zwei Faktoren ab:
Von einer möglichst frühzeitigen Durchführung, um England noch im Stande der Wehrlosigkeit zu Lande zu treffen und zugleich die günstigen Witterungsbedingungen des Sommers auszunutzen. Wir haben im Juli, August und Anfang September den Kanal zumeist als spiegelglatte See vor uns liegen sehen.
Von der Möglichkeit, die Einwirkung der britischen Luftwaffe und Flotte im Kanalgebiet für die Dauer des Überganges und der darauffolgenden Zeitspanne in ausreichendem Maße auszuschalten.
Sicher ist allerdings, daß bei der Unsicherheit des Faktors „Wetter" wie bei der Ungewißheit, ob die deutsche Luftwaffe in der Lage sein werde, die Luftherrschaft über dem Kanal wenigstens in dem genannten Maße zu erreichen, das Unternehmen „Seelöwe" immer ein sehr hohes Risiko in sich tragen mußte.
Im Hinblick auf dieses Risiko sind die verantwortlichen hohen Führungsstellen denn auch mehr oder weniger zögernd und mit Vorbehalten an das Unternehmen herangegangen.
Daß Hitler von vornherein nicht mit dem Herzen bei der Sache war, zeigte sich schon damals. Man merkte bis zu den ausführenden Stellen herunter, daß bei den Vorbereitungen die sonst so treibende Kraft der obersten Stelle fehlte. General Jodl, der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, hat in dem Versuch einer Invasion eine Art Verzweiflungstat gesehen, die zu unternehmen die allgemeine Lage keine Veranlassung biete.
Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Göring, wie immer von der Wehrmachtsführung nicht straff genug an den Zügel genommen, hat die von ihm geleitete Luftkriegführung gegen England keineswegs unter dem Gesichtspunkt angesehen, daß sie ein Teilstück - wenn auch vielleicht das wesentlichste - eines Invasionsunternehmens der Gesamtwehrmacht sein müsse. Die Art, wie er die Kräfte der Luftwaffe eingesetzt und schließlich weitgehend verausgabt hat, zeigt vielmehr, daß er die Luftkriegführung gegen die britische Insel mehr als einen selbständigen operativen Akt betrachtet und dementsprechend geleitet hat.
Das Oberkommando der Kriegsmarine, das als erste Stelle die Frage einer Invasion Englands aufgeworfen hatte, war bei der Prüfung der praktischen Möglichkeit seiner Durchführung immerhin zu dem Ergebnis gekommen, daß das Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein werde. Trotzdem stand es wohl am stärksten unter dem Druck der Erkenntnis seiner zu schwachen Mittel.

Wehrschwach wie England im Sommer 1940 war, sah man sich deutscherseits schon in London, wie es im Film " It happened here" dargestellt wurde
Am positivsten ist wohl das OKH eingestellt gewesen, nachdem es zunächst - also vor dem Niederbruch Frankreichs - die Möglichkeit einer Invasion der britischen Insel überhaupt nicht in den Kreis seiner Erwägungen gezogen zu haben scheint.
Eines ist sicher. Diejenigen, die in erster Linie bei „Seelöwe" ihre Haut zu riskieren gehabt hätten, die für die Invasion vorgesehenen Teile des Heeres, sind zugleich diejenigen gewesen, die die Vorbereitungen am intensivsten betrieben haben und an die ganze Sache mit der Überzeugung des Gelingens herangegangen sind. Ich glaube dies sagen zu können, weil das von mir befehligte 38. AK in der ersten Welle zum Übergehen bestimmt war, und zwar von Boulogne-Etaples nach Bexhill-Beachy Head. Wir waren von der Möglichkeit des Gelingens überzeugt, ohne die Gefahren gering zu schätzen. Allerdings haben wir die Sorgen der beiden andern Wehrmachtsteile, insbesondere der Marine, vielleicht nicht genügend gekannt."
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 03.01.09 13:12
Welches waren die Gründe, die Hitler schließlich dazu veranlaßt haben, auf die Invasion und damit auf das Austragen der Entscheidung gegen Großbritannien zu verzichten und sich gegen die Sowjetunion zu wenden?
" Zur ersten Frage ist zu sagen, daß eine Invasion der schnellste Weg zur Niederringung Großbritanniens gewesen wäre. Die beiden anderen Wege, die vorstehend erörtert worden sind, konnten eine schnelle Entscheidung nicht bringen.
Wäre aber diese Entscheidung endgültig gewesen? Zu dieser Frage muß man zugeben, daß durchaus die Möglichkeit, vielleicht sogar die Wahrscheinlichkeit bestand, daß die Regierung Churchill selbst nach einer Eroberung der britischen Insel versucht haben würde, den Kampf von Kanada aus fortzusetzen. Ob ihm alle Dominions auf diesem Wege Folge geleistet hätten, mag dahingestellt bleiben. Immerhin bedeutete selbst die Eroberung der britischen Insel noch nicht die volle Niederlage des britischen Empire.
Der entscheidende Punkt dürfte jedoch der folgende sein: Mit der Eroberung der britischen Insel durch die Deutschen fiel für die Gegenseite die Basis weg, die für einen Angriff über See auf den europäischen Kontinent wenigstens damals noch unerläßlich war. Eine Invasion über den Atlantik hinweg zu führen, ohne sich dabei der britischen Insel als Sprungbrett bedienen zu können, mußte zu jener Zeit noch als ausgeschlossen angesehen werden, selbst wenn die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten.
Daß es nach der Besitznahme von England und damit des Ausfalls der britischen Luftwaffe, der Vertreibung der britischen Flotte über den Atlantik, des Ausfalls des Kriegspotentials der britischen Insel für das Reich ohne weiteres möglich gewesen wäre, auch die Lage im Mittelmeer schnell zu bereinigen, kann wohl kaum bezweifelt werden.
Man wird also sagen müssen, daß, selbst wenn die britische Regierung nach Verlust der britischen Insel versucht haben würde, den Krieg fortzusetzen, sie wohl kaum noch eine Aussicht gehabt hätte, ihn zu gewinnen. Würden ihr aber dann die Dominions weiter gefolgt sein?
Die Frage, ob im Fall des Gelingens einer Invasion die britische Bevölkerung -anders als die französische - den Widerstand fortgesetzt oder ob sich - was auch Churchill für denkbar gehalten hat - eine Regierung gefunden hätte, die eine Kapitulation unterzeichnete, kann hier als rein hypothetisch nicht erörtert werden; ebenso wie die Frage, ob sich in letzterem Fall für die Ernährung der englischen Bevölkerung ein Weg hätte finden lassen wie im Falle Belgiens im Ersten Weltkrieg.

Die Frage wie England sich unter einer deutscher Besatzung verhalten hätte beantworteten die Engländer zum Beispiel selbst, wie in dem damals besten Alternativ Film " It happened here". Dort war die Invasion selbst erfolgreich und auch der Endkampf um die Insel. Thema des Films war dann eine 1944 plötzlich aufkommende "Untergrundbewegung"...
Würde die latente Drohung, die die Sowjetunion für das Reich darstellte, noch ihr Gewicht behalten haben, wenn die Sowjets nicht mehr in absehbarer Zeit mit einer „zweiten Front" in Europa hätten rechnen können? Würde sich Stalin alsdann nicht doch im Einvernehmen mit Hitler nach Asien gewandt haben?
Würden die Vereinigten Staaten ihren „Kreuzzug" gegen das Reich unternommen haben, wenn sie darauf rechnen mußten, die Kosten desselben im wesentlichen allein zu tragen?
Niemand kann heute oder konnte damals diese Frage schlüssig beantworten.
Gewiß, auch das Reich hätte nicht die Möglichkeit gehabt, den Frieden jenseits der Meere zu erzwingen. Eines aber ist sicher: Seine Lage wäre nach dem Gelingen einer Invasion der britischen Insel unvergleichlich günstiger gewesen, als dies je auf dem Wege hätte erreicht werden können, den Hitler eingeschlagen hat.
Vom militärischen Standpunkt also wäre im Sommer 1940 eine Invasion Englands, wenn Aussicht auf einen Erfolg derselben bestand, zweifellos die richtige Lösung gewesen. Was im Falle eines solchen deutschen Erfolges hätte geschehen sollen und geschehen können, um zu einem Remis-Frieden zu gelangen, der immer nur das Ziel einer vernünftigen deutschen Politik hätte sein dürfen, gehört nicht in den Bereich dieser militärischen Betrachtung.
Wenden wir uns also lieber wieder der militärischen Seite zu und damit der entscheidenden Frage, ob eine Invasion Englands im Jahre 1940 Aussicht auf Erfolg hatte?
Die Ansichten, ob dem Unternehmen „Seelöwe" eine Erfolgschance zuzubilligen gewesen wäre oder nicht, werden wohl immer geteilt bleiben. Sicher ist, daß es ein außerordentliches Risiko in sich schloß.
Immerhin ist der Hinweis auf den ungeheuren technischen Apparat, dessen die Alliierten bei ihrer Invasion 1944 bedurft haben - Panzerlandungsfahrzeuge, schwimmende Häfen usw. - allein nicht ausreichend, um daraus den Schluß herzuleiten, daß die auf wesentlich primitivere Übersetzmittel angewiesene deutsche Invasion hätte scheitern müssen. Desgleichen nicht der Hinweis auf die absolute Luft- und Seeherrschaft der Alliierten im Jahre 1944, so ausschlaggebend beide für den Erfolg auch gewesen sind.
Konnte die deutsche Seite im Sommer 1940 auch nicht annähernd in gleicher Weise diese Pluspunkte für sich in Rechnung stellen, so hatte sie andererseits den entscheidenden Vorteil, daß sie mit einer organisierten Abwehr an der britischen Küste, die von ausreichend bewaffneten, ausgebildeten und geführten Truppen hätte durchgeführt werden können, zunächst nicht zu rechnen hatte.

und weil auch die Engländer wußten, daß das was sie noch hatten, kaum reichen würde, wurden hektisch Homeguards aufgestellt, was mit dem "Volkssturm" zu vergleichen war. Sie sollten vor allem auf deutsche Fallschirmjäger schießen...

Auch reguläre Truppen waren natürlich vorhanden, doch fehlten ihnen vor allem Panzer die man an den Stränden von Dünkirchen zurückgelassen hatte. Andererseits darf auch nicht vergessen werden, daß besonders gerettete Franzosen aus Dünkirchen wieder nach Frankreich zurücktransportiert wurden, die dort nach dem Zusammenbruch in Kriegsgefangenschaft gerieten. Es waren also von den geretteten Soldaten aus Dünkirchen keinesfalls alle auch auf der Insel vorhanden.
Tatsächlich stand England im Sommer 1940 zu Lande einer Invasion weitgehend wehrlos gegenüber. Eine Wehrlosigkeit, die nahezu vollständig gewesen wäre, wenn Hitler die britische Expeditions-Armee nicht aus Dünkirchen hätte entkommen lassen.
Der Erfolg einer Invasion Englands im Sommer 1940 hing von zwei Faktoren ab:
Von einer möglichst frühzeitigen Durchführung, um England noch im Stande der Wehrlosigkeit zu Lande zu treffen und zugleich die günstigen Witterungsbedingungen des Sommers auszunutzen. Wir haben im Juli, August und Anfang September den Kanal zumeist als spiegelglatte See vor uns liegen sehen.
Von der Möglichkeit, die Einwirkung der britischen Luftwaffe und Flotte im Kanalgebiet für die Dauer des Überganges und der darauffolgenden Zeitspanne in ausreichendem Maße auszuschalten.
Sicher ist allerdings, daß bei der Unsicherheit des Faktors „Wetter" wie bei der Ungewißheit, ob die deutsche Luftwaffe in der Lage sein werde, die Luftherrschaft über dem Kanal wenigstens in dem genannten Maße zu erreichen, das Unternehmen „Seelöwe" immer ein sehr hohes Risiko in sich tragen mußte.
Im Hinblick auf dieses Risiko sind die verantwortlichen hohen Führungsstellen denn auch mehr oder weniger zögernd und mit Vorbehalten an das Unternehmen herangegangen.
Daß Hitler von vornherein nicht mit dem Herzen bei der Sache war, zeigte sich schon damals. Man merkte bis zu den ausführenden Stellen herunter, daß bei den Vorbereitungen die sonst so treibende Kraft der obersten Stelle fehlte. General Jodl, der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, hat in dem Versuch einer Invasion eine Art Verzweiflungstat gesehen, die zu unternehmen die allgemeine Lage keine Veranlassung biete.
Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Göring, wie immer von der Wehrmachtsführung nicht straff genug an den Zügel genommen, hat die von ihm geleitete Luftkriegführung gegen England keineswegs unter dem Gesichtspunkt angesehen, daß sie ein Teilstück - wenn auch vielleicht das wesentlichste - eines Invasionsunternehmens der Gesamtwehrmacht sein müsse. Die Art, wie er die Kräfte der Luftwaffe eingesetzt und schließlich weitgehend verausgabt hat, zeigt vielmehr, daß er die Luftkriegführung gegen die britische Insel mehr als einen selbständigen operativen Akt betrachtet und dementsprechend geleitet hat.
Das Oberkommando der Kriegsmarine, das als erste Stelle die Frage einer Invasion Englands aufgeworfen hatte, war bei der Prüfung der praktischen Möglichkeit seiner Durchführung immerhin zu dem Ergebnis gekommen, daß das Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein werde. Trotzdem stand es wohl am stärksten unter dem Druck der Erkenntnis seiner zu schwachen Mittel.

Wehrschwach wie England im Sommer 1940 war, sah man sich deutscherseits schon in London, wie es im Film " It happened here" dargestellt wurde
Am positivsten ist wohl das OKH eingestellt gewesen, nachdem es zunächst - also vor dem Niederbruch Frankreichs - die Möglichkeit einer Invasion der britischen Insel überhaupt nicht in den Kreis seiner Erwägungen gezogen zu haben scheint.
Eines ist sicher. Diejenigen, die in erster Linie bei „Seelöwe" ihre Haut zu riskieren gehabt hätten, die für die Invasion vorgesehenen Teile des Heeres, sind zugleich diejenigen gewesen, die die Vorbereitungen am intensivsten betrieben haben und an die ganze Sache mit der Überzeugung des Gelingens herangegangen sind. Ich glaube dies sagen zu können, weil das von mir befehligte 38. AK in der ersten Welle zum Übergehen bestimmt war, und zwar von Boulogne-Etaples nach Bexhill-Beachy Head. Wir waren von der Möglichkeit des Gelingens überzeugt, ohne die Gefahren gering zu schätzen. Allerdings haben wir die Sorgen der beiden andern Wehrmachtsteile, insbesondere der Marine, vielleicht nicht genügend gekannt."
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 03.01.09 13:12
The Real Blaze
Wenn man die Luftschlacht über England bei Invasionsbeginn geschlagen hätte...
Es ist bekannt, daß es im wesentlichen zwei Gründe - oder Vorwände - gewesen sind, aus denen Hitler schließlich den Plan „Seelöwe" fallengelassen hat.
Einmal die Tatsache, daß die Vorbereitungen für das Unternehmen so lange gedauert haben, daß der Übergang der ersten Welle frühestens am 24. September hätte erfolgen können. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem - selbst wenn der Übergang der ersten Welle noch gelang - keine Gewähr mehr bestand, daß im Kanal noch auf eine längere, das weitere Übergehen ermöglichende Schönwetterlage zu rechnen sein würde.

Zerbombte Spitfire auf einen südenglischen Flugplatz - die Wirkung solcher Angriffe wäre aber erheblich größer gewesen, wenn gleichzeitig die Invasion angelaufen wäre...
Der zweite und im wesentlichen ausschlaggebende Grund ist die Tatsache gewesen, daß es der Luftwaffe bis zu diesem frühesten Übergangstag nicht gelungen war, die erstrebte Luftherrschaft über England zu erringen. Selbst wenn man zugibt, daß im September 1940 diese beiden Tatsachen so schwerwiegend erscheinen konnten, daß man auf die Invasion Englands verzichtete, so ist doch damit noch nicht die Antwort auf die Frage gegeben, ob eine Invasion bei anderer deutscher Führung möglich gewesen wäre.
Darum aber geht es letztlich bei der Beurteilung der Entscheidung Hitlers, dem Endkampf mit Großbritannien auszuweichen, um sich auf die Sowjetunion zu stürzen.
Es geht also um die Frage, ob die beiden vorgenannten Tatsachen - die Verzögerung des Unternehmens „Seelöwe" und das unzureichende Ergebnis der Luftschlacht über England — unabwendbar gewesen sind oder nicht.
Was die erste der beiden Tatsachen, das Hinausschieben des Landungstermins bis in das letzte Drittel des September, anbetrifft, so liegt auf der Hand, daß sie vermeidbar gewesen wäre. Bei Bestehen eines „Kriegsplans", der von vornherein auch die Frage der Niederringung Englands ins Auge fassen mußte, hätte ein wesentlicher Teil der technischen Invasionsvorbereitungen bereits vor Beendigung des Westfeldzuges in Angriff genommen werden können.
Bei Bestehen eines solchen Planes wäre es wohl undenkbar gewesen, daß Hitler die britische Expeditions-Armee - aus welchen Gründen auch immer - aus Dünkirchen entkommen ließ. Zum mindesten aber würde die Verzögerung des Landungstermins bis in den Herbst nicht eingetreten sein, wenn die deutsche Führung den Entschluß zur Invasion wenigstens zum Zeitpunkt des Niederbruchs Frankreichs, also Mitte Juni und nicht erst Mitte Juli, gefaßt hätte. Die Invasionsvorbereitungen sind auf Grund des im Juli ergangenen Befehls im Rahmen des zu jener Zeit überhaupt Möglichen bis Mitte September abgeschlossen gewesen. Ein vier Wochen früher gefaßter Entschluß hätte also die Überquerung des Kanals bereits Mitte August ermöglicht.

Reste einer über Südostengland abgeschossenen und am Boden explodierten He 111 ... vor allem der mangels Reichweite ungenügende deutsche Begleitschutz forderte hohe Verluste in den deutschen Kampfgeschwadern. Deutsche Piloten die sich retten konnten, blieben bis Kriegsende in feindlicher Kriegsgefangenschaft. Nur eine zeitgleich zur Invasion ablaufende Luftschlacht, hätten in Kriegsgefangenschaft geratenen deutschen Piloten die Chance eröffnet, wieder heimzukehren, wenn die England erobert und besetzt worden wäre...

mit Zusatztanks in die Luftschlacht - Wenn die Invasion zeitgleich begonnen wäre, hätte bereits ein erster eroberter Flugplatz in Südengland die Effektivität der deutschen Jagdgeschwader erheblich erhöht...
Was die zweite Tatsache angeht, die den Grund für den Verzicht auf „Seelöwe" gebildet hat, das ungenügende Ergebnis der „Schlacht über England" so ist hierzu folgendes zu sagen:
Die Absicht, durch einen wochenlang vor dem frühestmöglichen Invasionstermin beginnenden isolierten Luftkrieg die Luftherrschaft über England zu gewinnen, stellt einen Führungsfehler dar.
Man wollte durch Erringen der Luftherrschaft über England vor der Invasion sich eine Sicherheit für das Gelingen der letzteren schaffen. Man hat damit die Kräfte der deutschen Luftwaffe in einem vorzeitigen, von ihr unter ungünstigen Bedingungen zu führenden Kampf verbraucht.
Bei nüchternem Abwägen der eigenen und der feindlichen Kräfte und Möglichkeiten hätte das Ob.Kdo.d.Luftwaffe zum mindesten starke Zweifel haben müssen, ob die eigenen Kräfte ausreichend und geeignet sein würden, über England den Kampf gegen die britische Luftwaffe und deren Erzeugungsstätten mit durchschlagendem Erfolg zu führen.
Zunächst hat die Führung der deutschen Luftwaffe die Stärke der britischen Jagdwaffe unter-, die Wirkung der eigenen Bomberkräfte überschätzt und ist durch das Vorhandensein eines bereits wirkungsvoll arbeitenden Radarsystems auf der Feindseite überrascht worden.
Darüber hinaus aber wußte man, daß der Aktionsradius und damit die Eindringungstiefe der Bomber, vor allem aber der Jäger, nicht genügte.
Die feindliche Luftwaffe konnte sich den ihr zugedachten Vernichtungsschlägen entziehen. Ganz abgesehen davon, daß die deutschen Jäger über England immer unter ungünstigeren Kampfbedingungen zu fechten hatten als ihre Gegner. Die Bomber mußten weitgehend ausreichenden Jagdschutzes entbehren, sobald sie über die Reichweite der Jäger hinaus vorstießen.
Allein diese Erwägung hätte der deutschen Luftwaffenführung den Gedanken nahelegen müssen, den Entscheidungskampf gegen die britische Luftwaffe erst dann aufzunehmen, wenn diese sich unter gleichen Bedingungen, das heißt über dem Kanal bzw. dessen Küsten, zum Kampfe stellen mußte, also in unmittelbarem operativen Zusammenhang mit der Invasion selbst.

Wenn die Invasion nach Manstein frühstens am 24.September trotz der bekannten Risiken angelaufen wäre, hätte es die britische Flotte teilweise auf den falschen Fuß erwischt. Flugzeugträger Arc Royal war mit den Schlachtschiffen Barham und Resolution, sechs Kreuzern, 10 Zerstörern und 8000 Mann Marineinfanterie auf drei Truppentransportern vor Westafrika, um dort das französische Dakar anzugreifen. Um sich angesichts der zusammengezogenen Invasionseinheiten in Kanalkäfen so zu entbößen, hatten entweder die Engländer kaltschnäuzig gepokert, dass die Deutschen sowieso nicht kommen würden - was offiziell überhaupt noch nicht absehbar war, oder sie hatten durch deutsche Verräter erfahren, dass Hitler bereits die Invasion nicht mehr durchführen wollte. Dumm für sie wäre nur gewesen, wenn Hitler, wie so oft, es sich anders überlegt hätte! Die Invasion wäre bei den ersten Wellen, um ein vielfaches leichter gewesen, trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit! Nachweislich existierte um den 23./24. September eine Drei-Tage - Schönwetterzeit...
Schließlich hat die deutsche Führung noch den weiteren Fehler gemacht, das operative Ziel ihrer Luftoffensive gerade in dem Augenblick zu ändern, als - trotz der vorerwähnten, teils vorherzusehenden, teils überraschend ungünstigen Kampfbedingungen - die Entscheidung auf des Messers Schneide stand. Am 7. September wurde der Schwerpunkt der Angriffe auf London verlegt, ein Ziel, das mit der Vorbereitung einer Invasion in keinem operativen Zusammenhang mehr stand.
So erwünscht es auch immer sein mußte, die Luftherrschaft bereits vor Beginn der Invasion zu gewinnen, so hätte doch nüchternes Abwägen aller Faktoren die oberste deutsche Führung dazu veranlassen müssen, die Luftwaffe erst im unmittelbaren Zusammenhang mit der Invasion zum entscheidenden Schlag einzusetzen.
Gewiß kann man einwenden, daß bei solchem Verfahren die Kräfte der deutschen Luftwaffe durch zu viele Aufgaben in Anspruch genommen worden wären, nämlich durch:
den Angriff gegen die britischen Luftbasen in Südengland, den Schutz der Einschiffungen in den französischen Häfen, den Schutz der Transportflotte bei der Überquerung des Kanals, die Unterstützung der ersten Welle der Invasionstruppen bei ihrer Anlandung und - im Zusammenwirken mit Marine und Küstenartillerie - das Verhindern des Eingreifens der britischen Flotte. Aber diese Aufgaben wären doch nicht alle gleichzeitig, wenn auch zeitlich schnell nacheinander zu lösen gewesen. So hätte zum Beispiel die britische Flotte - von den in den südenglischen Häfen liegenden leichteren Seestreitkräften abgesehen - voraussichtlich erst eingreifen können, wenn die erste Welle der Invasionstruppen bereits gelandet war.
Das Schicksal hätte eben von dem Ausgang einer großen Luftschlacht abgehangen, die sich über dem Kanal bzw. über Südengland abgespielt hätte, von dem Augenblick an, in dem Heer und Marine zur Invasion ansetzten. In dieser Schlacht hätten jedoch die Kampfbedingungen für die deutsche Luftwaffe wesentlich günstiger gelegen als bei ihren Angriffen in das Innere Englands.
Ein solches Verfahren bedeutete naturgemäß, daß man alles auf eine Karte setzte. Dies aber war der Preis, den man unter den gegebenen Verhältnissen zahlen mußte, wenn man die Invasion überhaupt wagen wollte.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.01.09 14:56
Es ist bekannt, daß es im wesentlichen zwei Gründe - oder Vorwände - gewesen sind, aus denen Hitler schließlich den Plan „Seelöwe" fallengelassen hat.
Einmal die Tatsache, daß die Vorbereitungen für das Unternehmen so lange gedauert haben, daß der Übergang der ersten Welle frühestens am 24. September hätte erfolgen können. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem - selbst wenn der Übergang der ersten Welle noch gelang - keine Gewähr mehr bestand, daß im Kanal noch auf eine längere, das weitere Übergehen ermöglichende Schönwetterlage zu rechnen sein würde.

Zerbombte Spitfire auf einen südenglischen Flugplatz - die Wirkung solcher Angriffe wäre aber erheblich größer gewesen, wenn gleichzeitig die Invasion angelaufen wäre...
Der zweite und im wesentlichen ausschlaggebende Grund ist die Tatsache gewesen, daß es der Luftwaffe bis zu diesem frühesten Übergangstag nicht gelungen war, die erstrebte Luftherrschaft über England zu erringen. Selbst wenn man zugibt, daß im September 1940 diese beiden Tatsachen so schwerwiegend erscheinen konnten, daß man auf die Invasion Englands verzichtete, so ist doch damit noch nicht die Antwort auf die Frage gegeben, ob eine Invasion bei anderer deutscher Führung möglich gewesen wäre.
Darum aber geht es letztlich bei der Beurteilung der Entscheidung Hitlers, dem Endkampf mit Großbritannien auszuweichen, um sich auf die Sowjetunion zu stürzen.
Es geht also um die Frage, ob die beiden vorgenannten Tatsachen - die Verzögerung des Unternehmens „Seelöwe" und das unzureichende Ergebnis der Luftschlacht über England — unabwendbar gewesen sind oder nicht.
Was die erste der beiden Tatsachen, das Hinausschieben des Landungstermins bis in das letzte Drittel des September, anbetrifft, so liegt auf der Hand, daß sie vermeidbar gewesen wäre. Bei Bestehen eines „Kriegsplans", der von vornherein auch die Frage der Niederringung Englands ins Auge fassen mußte, hätte ein wesentlicher Teil der technischen Invasionsvorbereitungen bereits vor Beendigung des Westfeldzuges in Angriff genommen werden können.
Bei Bestehen eines solchen Planes wäre es wohl undenkbar gewesen, daß Hitler die britische Expeditions-Armee - aus welchen Gründen auch immer - aus Dünkirchen entkommen ließ. Zum mindesten aber würde die Verzögerung des Landungstermins bis in den Herbst nicht eingetreten sein, wenn die deutsche Führung den Entschluß zur Invasion wenigstens zum Zeitpunkt des Niederbruchs Frankreichs, also Mitte Juni und nicht erst Mitte Juli, gefaßt hätte. Die Invasionsvorbereitungen sind auf Grund des im Juli ergangenen Befehls im Rahmen des zu jener Zeit überhaupt Möglichen bis Mitte September abgeschlossen gewesen. Ein vier Wochen früher gefaßter Entschluß hätte also die Überquerung des Kanals bereits Mitte August ermöglicht.

Reste einer über Südostengland abgeschossenen und am Boden explodierten He 111 ... vor allem der mangels Reichweite ungenügende deutsche Begleitschutz forderte hohe Verluste in den deutschen Kampfgeschwadern. Deutsche Piloten die sich retten konnten, blieben bis Kriegsende in feindlicher Kriegsgefangenschaft. Nur eine zeitgleich zur Invasion ablaufende Luftschlacht, hätten in Kriegsgefangenschaft geratenen deutschen Piloten die Chance eröffnet, wieder heimzukehren, wenn die England erobert und besetzt worden wäre...

mit Zusatztanks in die Luftschlacht - Wenn die Invasion zeitgleich begonnen wäre, hätte bereits ein erster eroberter Flugplatz in Südengland die Effektivität der deutschen Jagdgeschwader erheblich erhöht...
Was die zweite Tatsache angeht, die den Grund für den Verzicht auf „Seelöwe" gebildet hat, das ungenügende Ergebnis der „Schlacht über England" so ist hierzu folgendes zu sagen:
Die Absicht, durch einen wochenlang vor dem frühestmöglichen Invasionstermin beginnenden isolierten Luftkrieg die Luftherrschaft über England zu gewinnen, stellt einen Führungsfehler dar.
Man wollte durch Erringen der Luftherrschaft über England vor der Invasion sich eine Sicherheit für das Gelingen der letzteren schaffen. Man hat damit die Kräfte der deutschen Luftwaffe in einem vorzeitigen, von ihr unter ungünstigen Bedingungen zu führenden Kampf verbraucht.
Bei nüchternem Abwägen der eigenen und der feindlichen Kräfte und Möglichkeiten hätte das Ob.Kdo.d.Luftwaffe zum mindesten starke Zweifel haben müssen, ob die eigenen Kräfte ausreichend und geeignet sein würden, über England den Kampf gegen die britische Luftwaffe und deren Erzeugungsstätten mit durchschlagendem Erfolg zu führen.
Zunächst hat die Führung der deutschen Luftwaffe die Stärke der britischen Jagdwaffe unter-, die Wirkung der eigenen Bomberkräfte überschätzt und ist durch das Vorhandensein eines bereits wirkungsvoll arbeitenden Radarsystems auf der Feindseite überrascht worden.
Darüber hinaus aber wußte man, daß der Aktionsradius und damit die Eindringungstiefe der Bomber, vor allem aber der Jäger, nicht genügte.
Die feindliche Luftwaffe konnte sich den ihr zugedachten Vernichtungsschlägen entziehen. Ganz abgesehen davon, daß die deutschen Jäger über England immer unter ungünstigeren Kampfbedingungen zu fechten hatten als ihre Gegner. Die Bomber mußten weitgehend ausreichenden Jagdschutzes entbehren, sobald sie über die Reichweite der Jäger hinaus vorstießen.
Allein diese Erwägung hätte der deutschen Luftwaffenführung den Gedanken nahelegen müssen, den Entscheidungskampf gegen die britische Luftwaffe erst dann aufzunehmen, wenn diese sich unter gleichen Bedingungen, das heißt über dem Kanal bzw. dessen Küsten, zum Kampfe stellen mußte, also in unmittelbarem operativen Zusammenhang mit der Invasion selbst.

Wenn die Invasion nach Manstein frühstens am 24.September trotz der bekannten Risiken angelaufen wäre, hätte es die britische Flotte teilweise auf den falschen Fuß erwischt. Flugzeugträger Arc Royal war mit den Schlachtschiffen Barham und Resolution, sechs Kreuzern, 10 Zerstörern und 8000 Mann Marineinfanterie auf drei Truppentransportern vor Westafrika, um dort das französische Dakar anzugreifen. Um sich angesichts der zusammengezogenen Invasionseinheiten in Kanalkäfen so zu entbößen, hatten entweder die Engländer kaltschnäuzig gepokert, dass die Deutschen sowieso nicht kommen würden - was offiziell überhaupt noch nicht absehbar war, oder sie hatten durch deutsche Verräter erfahren, dass Hitler bereits die Invasion nicht mehr durchführen wollte. Dumm für sie wäre nur gewesen, wenn Hitler, wie so oft, es sich anders überlegt hätte! Die Invasion wäre bei den ersten Wellen, um ein vielfaches leichter gewesen, trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit! Nachweislich existierte um den 23./24. September eine Drei-Tage - Schönwetterzeit...
Schließlich hat die deutsche Führung noch den weiteren Fehler gemacht, das operative Ziel ihrer Luftoffensive gerade in dem Augenblick zu ändern, als - trotz der vorerwähnten, teils vorherzusehenden, teils überraschend ungünstigen Kampfbedingungen - die Entscheidung auf des Messers Schneide stand. Am 7. September wurde der Schwerpunkt der Angriffe auf London verlegt, ein Ziel, das mit der Vorbereitung einer Invasion in keinem operativen Zusammenhang mehr stand.
So erwünscht es auch immer sein mußte, die Luftherrschaft bereits vor Beginn der Invasion zu gewinnen, so hätte doch nüchternes Abwägen aller Faktoren die oberste deutsche Führung dazu veranlassen müssen, die Luftwaffe erst im unmittelbaren Zusammenhang mit der Invasion zum entscheidenden Schlag einzusetzen.
Gewiß kann man einwenden, daß bei solchem Verfahren die Kräfte der deutschen Luftwaffe durch zu viele Aufgaben in Anspruch genommen worden wären, nämlich durch:
den Angriff gegen die britischen Luftbasen in Südengland, den Schutz der Einschiffungen in den französischen Häfen, den Schutz der Transportflotte bei der Überquerung des Kanals, die Unterstützung der ersten Welle der Invasionstruppen bei ihrer Anlandung und - im Zusammenwirken mit Marine und Küstenartillerie - das Verhindern des Eingreifens der britischen Flotte. Aber diese Aufgaben wären doch nicht alle gleichzeitig, wenn auch zeitlich schnell nacheinander zu lösen gewesen. So hätte zum Beispiel die britische Flotte - von den in den südenglischen Häfen liegenden leichteren Seestreitkräften abgesehen - voraussichtlich erst eingreifen können, wenn die erste Welle der Invasionstruppen bereits gelandet war.
Das Schicksal hätte eben von dem Ausgang einer großen Luftschlacht abgehangen, die sich über dem Kanal bzw. über Südengland abgespielt hätte, von dem Augenblick an, in dem Heer und Marine zur Invasion ansetzten. In dieser Schlacht hätten jedoch die Kampfbedingungen für die deutsche Luftwaffe wesentlich günstiger gelegen als bei ihren Angriffen in das Innere Englands.
Ein solches Verfahren bedeutete naturgemäß, daß man alles auf eine Karte setzte. Dies aber war der Preis, den man unter den gegebenen Verhältnissen zahlen mußte, wenn man die Invasion überhaupt wagen wollte.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.01.09 14:56
The Real Blaze
Invasion wurde von nicht vorhandener Gesamtkriegsleitung verhindert
Nichtdurchführung der Invasion ein Fehler - ein Jahr Entscheidungszeit sinnlos verschenkt
Wenn Hitler im September 1940 aus den beiden vorerwähnten Gründen den Plan einer Invasion Englands praktisch ad acta gelegt hat, so mögen diese Gründe zu jenem Zeitpunkt tatsächlich zwingend gewesen sein. Daß sie aber überhaupt in Erscheinung treten konnten, lag daran, daß es innerhalb der deutschen obersten Führung keine Stelle - außer dem Politiker Hitler - gab, die für die militärische Gesawfkriegführung verantwortlich war. Eine Stelle, die rechtzeitig einen Kriegsplan auch gegenüber England vorbereitet hätte und die in der Lage gewesen wäre, die Invasion als eine einheitliche Operation aller drei Wehrmachtsteile wirklich zu führen.

Es war ganz eindeutig ein Fehler die Invasion nicht durchzuführen. Bilder wie diese von den deutsch besetzten Kanalinseln hätte es nur von ganz England gegeben, wenn Hitler die Invasion Mitte September befohlen hätte!
Wenn die deutsche Führung im Sommer 1940 in der geschilderten Weise ihre Chancen, den Endkampf gegen England erfolgreich durchzuführen, verschenkt hat, so liegen die Gründe dafür allerdings nicht nur in der Unzulänglichkeit der Führungsorganisation, sondern wesentlich in dem politischen Denken Hitlers.
Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß Hitler immer den Wunsch gehabt hat, einen Kampf gegen Großbritannien und das britische Empire zu vermeiden. Er hat oft genug ausgesprochen, daß es nicht im Interesse des Reiches liegen könne, das britische Empire zu zerstören. Er bewunderte es als politische Leistung. Selbst wenn man diesen Äußerungen nicht ohne weiteres Glauben schenken will, so ist doch eines sicher: Hitler wußte, daß im Falle der Zerstörung des britischen Empire nicht er oder Deutschland der Erbe sein könne, sondern die USA, Japan oder die Sowjetunion. Aus dieser nüchternen Erwägung heraus wird seine Einstellung gegenüber Großbritannien in jedem Falle erklärlich. Er hatte den Krieg mit England nicht gewollt und nicht erwartet. Er wollte, wenn immer es möglich war, einem Entscheidungskampf mit dieser Macht ausweichen.
Aus dieser Einstellung heraus und wohl auch, weil er einen so vollständigen Sieg über Frankreich nicht erwartet hatte, ist zu erklären, daß Hitler keinen Kriegsplan ins Auge faßte, der - nach einer Niederwerfung Frankreichs - auch die Großbritanniens anstrebte. Er wollte letzten Endes nicht in England landen. Sein politisches Konzept stand den
nach dem Siege über Frankreich sich ergebenden strategischen Forderungen entgegen.
Das Verhängnisvolle war nur, daß sein politisches Konzept keinerlei Gegenliebe auf britischer Seite fand.
Im Gegensatz hierzu hat wohl stets Hitlers Einstellung gegenüber der Sowjetunion gestanden, auch wenn er sich 1939 mit Stalin verbündete. Er mißtraute dieser Macht und unterschätzte sie zugleich. Er fürchtete den traditionellen Expansionsdrang des russischen Reiches, dem er allerdings durch den Moskauer Pakt selbst die Tore nach Westen wieder geöffnet hatte.
Man darf annehmen, daß Hitler sich bewußt gewesen ist, daß eines Tages die Auseinandersetzung der beiden totalitären Regime kommen müsse, nachdem sie unmittelbare Nachbarn geworden waren. Weiterhin ist der Politiker Hitler immer von dem Gedanken an den „Lebensraum" beherrscht gewesen, den er dem deutschen Volke sichern zu müssen glaubte. Diesen Lebensraum konnte er nur im Osten suchen.
Wenn auch die beiden vorstehenden Gedankengänge die Vertagung der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion auf spätere Zeiten zugelassen haben würden, so mußten sie in einem Mann wie Hitler doch besonders lebendig werden, als er nach dem Siege über Frankreich praktisch Herr auf dem Kontinent geworden zu sein schien. Dies umso-mehr, als die drohende Anhäufung sowjetischer Truppen an der deutschen Ostgrenze in jedem Falle Bedenken hinsichtlich der künftigen Haltung des Kreml wachrufen mußte.

Das britische Empire wäre so oder so untergangenen, aber ein germanisches England nicht. Man kann schon darauf schließen, dass eine deutsche Besatzungszeit in England, die der auf den Kanalinseln oder in Holland oder Dänemark geähnelt hätte. Englische SS-Einheiten wären später die einzige innere Ordnungsmacht geworden, während die Wehrmacht nur innerhalb von Stützpunkten konzentriert gewesen wäre. Eine deutsche Militärpräsenz wäre in London genauso unsichtbar gewesen, wie in Paris während der deutschen Besatzungszeit.
Nun sah sich Hitler vor die Frage einer Invasion Englands gestellt. Er erkannte das zweifellos hohe Risiko, das in einer solchen Unternehmung damals liegen mußte. Gelang die Invasion nicht, so waren die für sie eingesetzten Kräfte des Heeres und der Marine verloren. Auch die Luftwaffe würde erheblich geschwächt aus einem erfolglosen Kampf hervorgegangen sein. Immerhin würde, rein militärisch gesehen, selbst das Fehlschlagen einer Invasion in England noch keine Schwächung der deutschen militärischen Kraft bedeutet haben, die nicht wieder hätte ausgeglichen werden können. Weitgehender aber würden die politischen Folgen gewesen sein. Einmal im Hinblick auf den Auftrieb, den ein Fehlschlagen der Invasion dem britischen Kriegswillen gegeben hätte. Des weiteren in bezug auf die Haltung der USA und der Sowjetunion. Vor allem aber würde ein derartiger eklatanter militärischer Mißerfolg, wie ihn das Scheitern einer Invasion Englands dargestellt hätte, das Ansehen des Diktators in Deutschland, wie in der ganzen Welt, entscheidend geschwächt haben.
Dieser Gefahr aber konnte der Diktator sich nicht aussetzen. Hatte seine Gesamteinstellung gegenüber dem britischen Empire ihn immer schon den Gedanken an einen Entscheidungskampf gegen dasselbe in den Hintergrund schieben lassen, hatte eine falsche Einschätzung des britischen Denkens ihn in der Hoffnung gewiegt, doch schließlich zu einer Verständigung kommen zu können, so scheute er nun vor dem Risiko zurück. Er wollte dem Wagnis eines Entscheidungskampfes gegen Großbritannien ausweichen. Anstatt diese Macht niederzukämpfen, glaubte er, sie von der Notwendigkeit einer Verständigung überzeugen zu können, indem er versuchte, ihr den letzten „Festlands-Degen", auf den sie vielleicht hoffen konnte, aus der Hand zu schlagen.
Mit diesem Zurückschrecken vor einem gewiß hohen militärischen und politischen Risiko aber hat Hitler die große Fehlentscheidung getroffen.
Denn eines war sicher: wenn Hitler sich scheute, den Kampf mit Großbritannien in der für ihn günstigsten Stunde auszutragen, dann mußte Deutschland früher oder später in eine unhaltbare Lage geraten. Je länger sich der Krieg gegen Großbritannien hinzog, desto größer mußte die Gefahr werden, die dem Reich im Osten drohte.
Als Hitler den entscheidenden Schlag gegen England im Sommer 1940 nicht wagte und nachdem er die einmalige Chance für ihn verpaßt hatte, konnte er nicht mehr auf „Warten" spielen. Er unterlag nunmehr dem Zwang, den Versuch zu wagen, durch einen Präventivkrieg die Sowjetunion als Gegner auszuschalten, solange im Westen noch kein Feind vorhanden war, der ihm auf dem Kontinent gefährlich werden konnte.
In Wahrheit ging Hitler damit aber aus Scheu vor dem Risiko einer Invasion Englands das weit größere Risiko eines Zweifrontenkrieges ein. Zugleich hat er durch die verspätete Planung der Invasion und deren schließliches Fallenlassen ein Jahr verschenkt. Ein Jahr, das die Entscheidung hätte bringen müssen, ein Zeitverlust, der von Deutschland nicht mehr einzuholen war.
Mit dem Abblasen von „Seelöwe" Ende September kehrte auch das 38. Korps zu normalen Ausbildungsaufgaben zurück. Die für uns bereitgestellten Übersetzmittel wurden aus den bereits durch Angriffe der britischen Luftwaffe gefährdeten Kanalhäfen zurückgezogen. Noch aber verlautete nichts über die Absichten Hitlers gegenüber der Sowjetunion, wie denn auch sein endgültiger Entschluß zum Angriff auf dieselbe erst sehr viel später gefallen ist.
[...]
Nichtdurchführung der Invasion ein Fehler - ein Jahr Entscheidungszeit sinnlos verschenkt
Wenn Hitler im September 1940 aus den beiden vorerwähnten Gründen den Plan einer Invasion Englands praktisch ad acta gelegt hat, so mögen diese Gründe zu jenem Zeitpunkt tatsächlich zwingend gewesen sein. Daß sie aber überhaupt in Erscheinung treten konnten, lag daran, daß es innerhalb der deutschen obersten Führung keine Stelle - außer dem Politiker Hitler - gab, die für die militärische Gesawfkriegführung verantwortlich war. Eine Stelle, die rechtzeitig einen Kriegsplan auch gegenüber England vorbereitet hätte und die in der Lage gewesen wäre, die Invasion als eine einheitliche Operation aller drei Wehrmachtsteile wirklich zu führen.

Es war ganz eindeutig ein Fehler die Invasion nicht durchzuführen. Bilder wie diese von den deutsch besetzten Kanalinseln hätte es nur von ganz England gegeben, wenn Hitler die Invasion Mitte September befohlen hätte!
Wenn die deutsche Führung im Sommer 1940 in der geschilderten Weise ihre Chancen, den Endkampf gegen England erfolgreich durchzuführen, verschenkt hat, so liegen die Gründe dafür allerdings nicht nur in der Unzulänglichkeit der Führungsorganisation, sondern wesentlich in dem politischen Denken Hitlers.
Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß Hitler immer den Wunsch gehabt hat, einen Kampf gegen Großbritannien und das britische Empire zu vermeiden. Er hat oft genug ausgesprochen, daß es nicht im Interesse des Reiches liegen könne, das britische Empire zu zerstören. Er bewunderte es als politische Leistung. Selbst wenn man diesen Äußerungen nicht ohne weiteres Glauben schenken will, so ist doch eines sicher: Hitler wußte, daß im Falle der Zerstörung des britischen Empire nicht er oder Deutschland der Erbe sein könne, sondern die USA, Japan oder die Sowjetunion. Aus dieser nüchternen Erwägung heraus wird seine Einstellung gegenüber Großbritannien in jedem Falle erklärlich. Er hatte den Krieg mit England nicht gewollt und nicht erwartet. Er wollte, wenn immer es möglich war, einem Entscheidungskampf mit dieser Macht ausweichen.
Aus dieser Einstellung heraus und wohl auch, weil er einen so vollständigen Sieg über Frankreich nicht erwartet hatte, ist zu erklären, daß Hitler keinen Kriegsplan ins Auge faßte, der - nach einer Niederwerfung Frankreichs - auch die Großbritanniens anstrebte. Er wollte letzten Endes nicht in England landen. Sein politisches Konzept stand den
nach dem Siege über Frankreich sich ergebenden strategischen Forderungen entgegen.
Das Verhängnisvolle war nur, daß sein politisches Konzept keinerlei Gegenliebe auf britischer Seite fand.
Im Gegensatz hierzu hat wohl stets Hitlers Einstellung gegenüber der Sowjetunion gestanden, auch wenn er sich 1939 mit Stalin verbündete. Er mißtraute dieser Macht und unterschätzte sie zugleich. Er fürchtete den traditionellen Expansionsdrang des russischen Reiches, dem er allerdings durch den Moskauer Pakt selbst die Tore nach Westen wieder geöffnet hatte.
Man darf annehmen, daß Hitler sich bewußt gewesen ist, daß eines Tages die Auseinandersetzung der beiden totalitären Regime kommen müsse, nachdem sie unmittelbare Nachbarn geworden waren. Weiterhin ist der Politiker Hitler immer von dem Gedanken an den „Lebensraum" beherrscht gewesen, den er dem deutschen Volke sichern zu müssen glaubte. Diesen Lebensraum konnte er nur im Osten suchen.
Wenn auch die beiden vorstehenden Gedankengänge die Vertagung der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion auf spätere Zeiten zugelassen haben würden, so mußten sie in einem Mann wie Hitler doch besonders lebendig werden, als er nach dem Siege über Frankreich praktisch Herr auf dem Kontinent geworden zu sein schien. Dies umso-mehr, als die drohende Anhäufung sowjetischer Truppen an der deutschen Ostgrenze in jedem Falle Bedenken hinsichtlich der künftigen Haltung des Kreml wachrufen mußte.

Das britische Empire wäre so oder so untergangenen, aber ein germanisches England nicht. Man kann schon darauf schließen, dass eine deutsche Besatzungszeit in England, die der auf den Kanalinseln oder in Holland oder Dänemark geähnelt hätte. Englische SS-Einheiten wären später die einzige innere Ordnungsmacht geworden, während die Wehrmacht nur innerhalb von Stützpunkten konzentriert gewesen wäre. Eine deutsche Militärpräsenz wäre in London genauso unsichtbar gewesen, wie in Paris während der deutschen Besatzungszeit.
Nun sah sich Hitler vor die Frage einer Invasion Englands gestellt. Er erkannte das zweifellos hohe Risiko, das in einer solchen Unternehmung damals liegen mußte. Gelang die Invasion nicht, so waren die für sie eingesetzten Kräfte des Heeres und der Marine verloren. Auch die Luftwaffe würde erheblich geschwächt aus einem erfolglosen Kampf hervorgegangen sein. Immerhin würde, rein militärisch gesehen, selbst das Fehlschlagen einer Invasion in England noch keine Schwächung der deutschen militärischen Kraft bedeutet haben, die nicht wieder hätte ausgeglichen werden können. Weitgehender aber würden die politischen Folgen gewesen sein. Einmal im Hinblick auf den Auftrieb, den ein Fehlschlagen der Invasion dem britischen Kriegswillen gegeben hätte. Des weiteren in bezug auf die Haltung der USA und der Sowjetunion. Vor allem aber würde ein derartiger eklatanter militärischer Mißerfolg, wie ihn das Scheitern einer Invasion Englands dargestellt hätte, das Ansehen des Diktators in Deutschland, wie in der ganzen Welt, entscheidend geschwächt haben.
Dieser Gefahr aber konnte der Diktator sich nicht aussetzen. Hatte seine Gesamteinstellung gegenüber dem britischen Empire ihn immer schon den Gedanken an einen Entscheidungskampf gegen dasselbe in den Hintergrund schieben lassen, hatte eine falsche Einschätzung des britischen Denkens ihn in der Hoffnung gewiegt, doch schließlich zu einer Verständigung kommen zu können, so scheute er nun vor dem Risiko zurück. Er wollte dem Wagnis eines Entscheidungskampfes gegen Großbritannien ausweichen. Anstatt diese Macht niederzukämpfen, glaubte er, sie von der Notwendigkeit einer Verständigung überzeugen zu können, indem er versuchte, ihr den letzten „Festlands-Degen", auf den sie vielleicht hoffen konnte, aus der Hand zu schlagen.
Mit diesem Zurückschrecken vor einem gewiß hohen militärischen und politischen Risiko aber hat Hitler die große Fehlentscheidung getroffen.
Denn eines war sicher: wenn Hitler sich scheute, den Kampf mit Großbritannien in der für ihn günstigsten Stunde auszutragen, dann mußte Deutschland früher oder später in eine unhaltbare Lage geraten. Je länger sich der Krieg gegen Großbritannien hinzog, desto größer mußte die Gefahr werden, die dem Reich im Osten drohte.
Als Hitler den entscheidenden Schlag gegen England im Sommer 1940 nicht wagte und nachdem er die einmalige Chance für ihn verpaßt hatte, konnte er nicht mehr auf „Warten" spielen. Er unterlag nunmehr dem Zwang, den Versuch zu wagen, durch einen Präventivkrieg die Sowjetunion als Gegner auszuschalten, solange im Westen noch kein Feind vorhanden war, der ihm auf dem Kontinent gefährlich werden konnte.
In Wahrheit ging Hitler damit aber aus Scheu vor dem Risiko einer Invasion Englands das weit größere Risiko eines Zweifrontenkrieges ein. Zugleich hat er durch die verspätete Planung der Invasion und deren schließliches Fallenlassen ein Jahr verschenkt. Ein Jahr, das die Entscheidung hätte bringen müssen, ein Zeitverlust, der von Deutschland nicht mehr einzuholen war.
Mit dem Abblasen von „Seelöwe" Ende September kehrte auch das 38. Korps zu normalen Ausbildungsaufgaben zurück. Die für uns bereitgestellten Übersetzmittel wurden aus den bereits durch Angriffe der britischen Luftwaffe gefährdeten Kanalhäfen zurückgezogen. Noch aber verlautete nichts über die Absichten Hitlers gegenüber der Sowjetunion, wie denn auch sein endgültiger Entschluß zum Angriff auf dieselbe erst sehr viel später gefallen ist.
[...]
The Real Blaze
Erich von Manstein über Invasions-Vorbereitungen

deutsche Soldaten an der Kanalküste, Sommer 1940. Neben Erholung standen intensive Landungsmanöver auf den Tagesplan
"Am Tage der Reichstagssitzung erfuhr ich, daß unser Generalkommando für eine neue Verwendung vorgesehen sei. Wir wurden zur Vorbereitung der Invasion Englands an die Kanalküste verlegt. Drei Infanterie-Divisionen wurden uns hierzu unterstellt. Wir nahmen Quartier in Le Touquet, einem eleganten Seebade nahe Boulogne, in dem auch viele Engländer hübsche Villen besaßen. Während der Stab in einem der großen, mit unerhörtem Aufwand erbauten Hotels unterkam, bezog ich mit meiner engsten Umgebung eine kleine Villa, die einem französischen Reeder gehörte. Der Besitzer war zwar geflohen, harte aber seine Hausmannsfamilie zurückgelassen, so daß wir jemanden vorfanden, der das Haus und sein Mobiliar in Ordnung halten und hüten konnte. Im Gegensatz zu dem, was man später in Deutschland erleben mußte, betrachteten wir uns keineswegs als die Herren, die mit feindlichem Eigentum nach Belieben schalten konnten. Es wurde vielmehr streng darauf geachtet daß in allen von unseren Truppen belegten Häusern Ordnung gehalten wurde. Die Fortführung des gesamten Mobiliars oder die Wegnahme von Wertstücken als „Souvenir" gehörten jedenfalls nicht zu den Gepflogenheiten des deutschen Heeres. Als ich einmal an einer Villa vorbeiritt, die kurz zuvor von einer Truppe geräumt und in ziemlich wüster Unordnung zurückgelassen worden war, hatte am nächsten Tage der Hauptfeldwebel der betreffenden Kompanie mit einem Reinemachkommando zu erscheinen und selbst die Ordnung wieder herzustellen.

deutsche Soldaten im Seebad Le Touquet, dahinter jenes Hotel, wo Mansteins Stab Quartier bezog. Der Soldat rechts könnte sogar Erich von Manstein selbst sein
Infolge des einwandfreien Verhaltens unserer Truppen blieb in jenem halben Jahre, das ich noch in Frankreich verbrachte, das Verhältnis zu der französischen Bevölkerung völlig ungetrübt. Letztere zeigte bei aller Höflichkeit stets eine würdige Zurückhaltung, durch die sie nur unsere Achtung gewinnen konnte. Im übrigen verfiel wohl jeder mehr oder weniger dem Zauber dieses gesegneten Landes. Was bot es doch alles an Zeugen alter Kultur, an landschaftlichen Schönheiten und auch an Genüssen einer berühmten Küche! Was gab es noch an Waren in diesem reichen Lande!
Allerdings waren wir in unserer Kaufkraft recht beschränkt. Nur ein gewisser Prozentsatz des Wehrsoldes wurde in Besatzungsgeld ausgezahlt. Eine Regelung, die zum mindesten im Bereich des Heeres strikt innegehalten worden ist. So waren der begreiflichen Kauflust enge Grenzen gezogen, was im Interesse des Ansehens der deutschen Wehrmacht im übrigen recht erwünscht war. Immerhin reichte es, daß man in jenen Monaten ab und an nach Paris fahren konnte, um für einen Tag den Charme dieser Stadt zu genießen. Unser Aufenthalt an der Küste bot auch bis in den November hinein die Freude des Badens im Meer, die mein neuer Ordonnanzoffizier, Oberleutnant Specht, mein treuer Fahrer Nagel und mein Pferdepfleger Runge ebenso auskosteten wie den Genuß eines langen Galopps am Strande.
Einmal hatten wir beim Baden allerdings nicht die im Kanal außerordentliche Fluthöhe bedacht, die bis zu 8 Meter Unterschied gegenüber der Ebbe ausmacht. Ein Umstand, der übrigens bei der Frage der Landemöglichkeit an der englischen Küste wie der der Einschiffungszeiten in den Invasionshäfen eine große Rolle spielte. So kam es, daß, während wir weit ins Meer hinausschwammen, unser am Strand stehender Mercedes plötzlich von den Flutwellen umspült wurde. Nur im letzten Augenblick gelang es, ihn mit einer schnell herbeigeholten Zugmaschine in dem bereits aufgeweichten Sand aus der Flut herauszuziehen. Dafür machte Nagel einmal im Meer eine originelle Beute. Weit draußen schwamm die Brücke eines versenkten Dampfers vorbei. Nagel erklomm sie und tauchte bald darauf aus der Kapitänskabine mit einem Tischtennisnetz, Schlägern und Bällen wieder auf, mit denen wir das Arsenal unserer Sportgeräte bereichern konnten. Auf seltsamere Weise dürfte noch niemand in den Besitz eines Tischtennis gelangt sein.
Die Freuden und Annehmlichkeiten, die das schöne Land und die Zeit der Ruhe nach dem gewonnenen Feldzug gewährten, führten jedoch nicht etwa dazu, daß die Truppe dem Schicksal der Verweichlichung anheim fiel, dem in der Regel Besatzungstruppen ausgesetzt sind. Dem stand die Notwendigkeit entgegen, unsere Verbände für die in Aussicht genommene Invasion, eine völlig neue Aufgabe, zu schulen. Die Truppen übten täglich in dem Dünen- und in dem anschließenden Marschgelände, das in vielem dem unserer in Aussicht genommenen Landungsstellen entsprach.

über Holland herangeführte Rheinschlepper für die Invasion
Nachdem unsere Übersetzmittel: umgebaute Rhein- und Elbkähne, kleine Fischdampfer und Motorboote eingetroffen waren, konnten wir bei ruhigem Wetter auch Verlade- und Anlandeübungen von See aus, zusammen mit der Marine, durchführen. Dabei gab es manchmal für einige Teilnehmer ein kaltes Bad, wenn der betreffende Landungskahn ungeschickt auf den Strand aufgesetzt worden war. Die jungen Fähnriche der Marine mußten eben auch erst diese neue Aufgabe lernen. Daß sie nicht sonderlich davon begeistert waren, einen Eibkahn zu führen, statt auf einem schnittigen Kreuzer oder U-Boot Dienst zu tun, konnte man ihnen nicht übel nehmen. Um so weniger, als es nicht ganz einfach war, mit den alten Skippern, den Eigentümern der Kähne oder Fischdampfer, zurechtzukommen, die neben ihnen auf der Brücke dieser etwas abenteuerlichen Invasionsfahrzeuge standen. Trotzdem ging alles mit Feuereifer an die Vorbereitungen dieser uns so ungewohnten Aufgabe heran und wir waren überzeugt, daß auch sie gemeistert werden würde.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 06.01.09 14:06

deutsche Soldaten an der Kanalküste, Sommer 1940. Neben Erholung standen intensive Landungsmanöver auf den Tagesplan
"Am Tage der Reichstagssitzung erfuhr ich, daß unser Generalkommando für eine neue Verwendung vorgesehen sei. Wir wurden zur Vorbereitung der Invasion Englands an die Kanalküste verlegt. Drei Infanterie-Divisionen wurden uns hierzu unterstellt. Wir nahmen Quartier in Le Touquet, einem eleganten Seebade nahe Boulogne, in dem auch viele Engländer hübsche Villen besaßen. Während der Stab in einem der großen, mit unerhörtem Aufwand erbauten Hotels unterkam, bezog ich mit meiner engsten Umgebung eine kleine Villa, die einem französischen Reeder gehörte. Der Besitzer war zwar geflohen, harte aber seine Hausmannsfamilie zurückgelassen, so daß wir jemanden vorfanden, der das Haus und sein Mobiliar in Ordnung halten und hüten konnte. Im Gegensatz zu dem, was man später in Deutschland erleben mußte, betrachteten wir uns keineswegs als die Herren, die mit feindlichem Eigentum nach Belieben schalten konnten. Es wurde vielmehr streng darauf geachtet daß in allen von unseren Truppen belegten Häusern Ordnung gehalten wurde. Die Fortführung des gesamten Mobiliars oder die Wegnahme von Wertstücken als „Souvenir" gehörten jedenfalls nicht zu den Gepflogenheiten des deutschen Heeres. Als ich einmal an einer Villa vorbeiritt, die kurz zuvor von einer Truppe geräumt und in ziemlich wüster Unordnung zurückgelassen worden war, hatte am nächsten Tage der Hauptfeldwebel der betreffenden Kompanie mit einem Reinemachkommando zu erscheinen und selbst die Ordnung wieder herzustellen.

deutsche Soldaten im Seebad Le Touquet, dahinter jenes Hotel, wo Mansteins Stab Quartier bezog. Der Soldat rechts könnte sogar Erich von Manstein selbst sein
Infolge des einwandfreien Verhaltens unserer Truppen blieb in jenem halben Jahre, das ich noch in Frankreich verbrachte, das Verhältnis zu der französischen Bevölkerung völlig ungetrübt. Letztere zeigte bei aller Höflichkeit stets eine würdige Zurückhaltung, durch die sie nur unsere Achtung gewinnen konnte. Im übrigen verfiel wohl jeder mehr oder weniger dem Zauber dieses gesegneten Landes. Was bot es doch alles an Zeugen alter Kultur, an landschaftlichen Schönheiten und auch an Genüssen einer berühmten Küche! Was gab es noch an Waren in diesem reichen Lande!
Allerdings waren wir in unserer Kaufkraft recht beschränkt. Nur ein gewisser Prozentsatz des Wehrsoldes wurde in Besatzungsgeld ausgezahlt. Eine Regelung, die zum mindesten im Bereich des Heeres strikt innegehalten worden ist. So waren der begreiflichen Kauflust enge Grenzen gezogen, was im Interesse des Ansehens der deutschen Wehrmacht im übrigen recht erwünscht war. Immerhin reichte es, daß man in jenen Monaten ab und an nach Paris fahren konnte, um für einen Tag den Charme dieser Stadt zu genießen. Unser Aufenthalt an der Küste bot auch bis in den November hinein die Freude des Badens im Meer, die mein neuer Ordonnanzoffizier, Oberleutnant Specht, mein treuer Fahrer Nagel und mein Pferdepfleger Runge ebenso auskosteten wie den Genuß eines langen Galopps am Strande.
Einmal hatten wir beim Baden allerdings nicht die im Kanal außerordentliche Fluthöhe bedacht, die bis zu 8 Meter Unterschied gegenüber der Ebbe ausmacht. Ein Umstand, der übrigens bei der Frage der Landemöglichkeit an der englischen Küste wie der der Einschiffungszeiten in den Invasionshäfen eine große Rolle spielte. So kam es, daß, während wir weit ins Meer hinausschwammen, unser am Strand stehender Mercedes plötzlich von den Flutwellen umspült wurde. Nur im letzten Augenblick gelang es, ihn mit einer schnell herbeigeholten Zugmaschine in dem bereits aufgeweichten Sand aus der Flut herauszuziehen. Dafür machte Nagel einmal im Meer eine originelle Beute. Weit draußen schwamm die Brücke eines versenkten Dampfers vorbei. Nagel erklomm sie und tauchte bald darauf aus der Kapitänskabine mit einem Tischtennisnetz, Schlägern und Bällen wieder auf, mit denen wir das Arsenal unserer Sportgeräte bereichern konnten. Auf seltsamere Weise dürfte noch niemand in den Besitz eines Tischtennis gelangt sein.
Die Freuden und Annehmlichkeiten, die das schöne Land und die Zeit der Ruhe nach dem gewonnenen Feldzug gewährten, führten jedoch nicht etwa dazu, daß die Truppe dem Schicksal der Verweichlichung anheim fiel, dem in der Regel Besatzungstruppen ausgesetzt sind. Dem stand die Notwendigkeit entgegen, unsere Verbände für die in Aussicht genommene Invasion, eine völlig neue Aufgabe, zu schulen. Die Truppen übten täglich in dem Dünen- und in dem anschließenden Marschgelände, das in vielem dem unserer in Aussicht genommenen Landungsstellen entsprach.

über Holland herangeführte Rheinschlepper für die Invasion
Nachdem unsere Übersetzmittel: umgebaute Rhein- und Elbkähne, kleine Fischdampfer und Motorboote eingetroffen waren, konnten wir bei ruhigem Wetter auch Verlade- und Anlandeübungen von See aus, zusammen mit der Marine, durchführen. Dabei gab es manchmal für einige Teilnehmer ein kaltes Bad, wenn der betreffende Landungskahn ungeschickt auf den Strand aufgesetzt worden war. Die jungen Fähnriche der Marine mußten eben auch erst diese neue Aufgabe lernen. Daß sie nicht sonderlich davon begeistert waren, einen Eibkahn zu führen, statt auf einem schnittigen Kreuzer oder U-Boot Dienst zu tun, konnte man ihnen nicht übel nehmen. Um so weniger, als es nicht ganz einfach war, mit den alten Skippern, den Eigentümern der Kähne oder Fischdampfer, zurechtzukommen, die neben ihnen auf der Brücke dieser etwas abenteuerlichen Invasionsfahrzeuge standen. Trotzdem ging alles mit Feuereifer an die Vorbereitungen dieser uns so ungewohnten Aufgabe heran und wir waren überzeugt, daß auch sie gemeistert werden würde.
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 06.01.09 14:06
The Real Blaze
Visionen und Tendenzen nach einer erfolgreichen Invasion (1)

England 1941 und die Grenzen der Nachkriegszeit
Politik 1941
Hitler hätte es allein nicht verhindern können, wenn Unternehmen "Seelöwe" Erfolg gehabt hätte. Die heutigen verstärkten Unabhängikeitsbewegungen in Schottland und Wales hätten schon nach der Niederlage von 1940 das Ende von Großbritannien bedeutet. König Edward VIII. sollte nach deutschen Vorstellungen ohnehin wieder König werden, während sich Schottland und Wales abgespaltet hätten. Das britische Kolonialssystem wäre kaum zu halten gewesen, wenn das Commonwealth den Krieg weitergeführt hätte, aussichtslos jemals über die Ozeane hinweg ihrerseits eine Invasion auf England durchzuführen.
Eher wahrscheinlich: Der Kriegszustand wäre durch Vermittlung dritter Staaten (Vatikan) beendet worden und das britische Kolonialsystem konnte für einige Gebiete erhalten bleiben, während sich Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika sich sofort von der britischen Krone lossagten und das Ende des Commonwealth beschließen. Auch Indien hätte sich für unabhängig erklärt, ohne ernsthafte Folgen befürchten zu müßen. Sogenannte britische Protektorate wie über Palästina , dem Irak oder in Ägypten hätten ebenfalls ihr Ende gefunden und diese Staaten wären unabhängig geworden. Die restlichen afrikanischen Kolonien, aber auch die pazifischen Inselkolonien wären bei England geblieben. Abzüglich natürlich jene Gebiete, die bis 1920 deutsche Kolonien waren, die bei einem Friedensschluß ganz sicher wieder deutsches Hoheitsgebiet geworden wären.
Gibraltar wäre spanisch geworden, Malta italienisch. Die Suezkanal -Zone wäre wohl unter deutsch-italienischer Kontrolle gekommen, wobei die Ägypter unter dem deutschfreundlichen Nasser wohl Achsenmitglied geworden wären. Möglich war auch ein italienisches Protektorat im Sudan, um eine landmässige Verbindung nach Italienisch-Ostafrika herzustellen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass Italien mit dieser Verwaltungsaufgabe so vollauf beschäftig gewesen wäre, dass andere Mittelmeerstaaten nicht das Opfer eines italienischen Überfalls (wie etwa Griechenland) geworden wären.
Ob nach einen Beitritt Jugoslawiens in den Dreimächtepakt, tatsächlich dort eine antideutscher Putsch stattgefunden hätte, darf bezweifelt werden, wenn die damals maßgebliche Rolle der Engländer weggefallen wäre. Auch eine Involvierung der Sowjets darf bezweifelt werden, weil ein Außenminister Molotow wohl kaum mit einer Forderliste im November 1940 in Berlin aufgetaucht wäre, wenn zu dieser Zeit der Krieg bereits beendet oder das Ergebnis im Sinne der Deutschen absehbar war.

Irland hätte in der Folge der britischen Niederlage Nordirland zurückbekommen und so seine geteilte Provinz Ulster wiedervereint

Der irische Kriegsminister Traynor 1940. Irland hätte ganz sicher die Gelegenheit ergriffen der Achse beizutreten, wenn die Invasion erfolgreich verlaufen wäre. Das dann dort deutsche Truppen stationiert geworden wären, wäre wohl sicher gewesen. Schwerpunkt wären aber Luft- und Kriegsmarinebasen gewesen, um im Nordatlantik Präsenz zu zeigen. Irland hätte auf jedenfall von einem deutschen Sieg über Großbritannien profitiert
Das Ende der Exilregierungen in London

als deutsche Truppen sich nach London hineinkämpften, waren die meisten Exilregierungen entweder geflohen oder hatten sich aufgelöst...
London war seit Kriegsbeginn Tummelplatz von gewissen Exilregierungen, die dort in aller Sicherheit und mit britischer Unterstützung an ihren ganz speziellen Nachkriegsplänen arbeiteten, ganz darauf vertrauend, daß England auch tatsächlich irgendwann siegen würde. Besonders bei der tschechischen Exilregierung unter Bensch und unter der polnischen Exilregierung unter Raczkiewicz gierten nach Annexionen deutschen Gebietes und planten schon zu dieser Zeit die radikale Vertreibung der deutschen Bevölkerung.

Die polnische Exilregierung unter Raczkiewicz (Bildmitte). Real hatte sie nur bis Sommer 1945 die offizielle Anerkennung, danach wurde sie von Briten und Amerikaner fallen gelassen, weil die Sowjets sie ohnehin nicht nach Warschau gelassen hätten. Falls sie es nach Kanada oder in die USA geschafft hätte, wäre ihr nur ein bedeutungsloser Status beschieden gewesen, mit starken Auflösungstendenzen.

Die Exiltschechen unter dem späteren Vertreibungsverbrecher Benesch in London. Sie hätten nie die Gelegenheit bekommen die Sudetendeutschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, wo sie real am Tod von ca 250000 Deutschen schuldig wurden! Beneschs Exiltschechen hätten hinter dem Ozean ohnmächtig beobachten müssen, wie das Protektorat, als Bestandteil Großdeutschlands eine blühende wohlhabende Provinz geworden wäre. Wie Masaryk wären sie in die USA geflohen, immer darauf hoffend, dass ein Wunder geschieht. Unfähig auf das Protektorat Einfluß zu nehmen, hätte sich Beneschs Exilregierung in einen bedeutungslosen Altherren-Debattierclub verwandelt, wo man der verpfuschten tschechischen Zwischenkriegs-Staatlichkeit hinterherjammerte. Als Nebeneffekt wäre Reinhard Heydrich nie 1942 Opfer eines tschechischen Exilterror-Attentats geworden. Ein "Lidice" wäre der Geschichte erspart blieben!
Das Ende der Gaullisten

Der stolze Franzose Charles de Gaulles vor dem Mikrofon der BBC. Als er im Juni seine Ansprache an die Franzosen hielt, hätte diese Rede wohl kaum jenen historischen Stellenwert erfahren, wenn Großbritannien geschlagen worden wäre. Er wäre niemals in seinem Leben Präsident von Frankreich geworden, wenn die Deutschen 1941 nach einem Friedensschluß Frankreich größtenteils verlassen hätten. Noch zu Churchills Zeiten genoß er dessen Unterstützung und hätte wohl kurz nach Anlaufen des britisch-gaullistischen Angriffs auf Dakar von der deutschen Invasion auf England erfahren. Und Wochen später hätte die britische Niederlage auch das Ende der sogenannten "Freien Franzosen" bedeutet, die ohnehin rechtlich gesehen ihren Status als Franzosen verloren hätten. Denn nach einen erlassenen Gesetz in Vichy-Frankreich wurden allen Franzosen die sich länger als ein halbes Jahr im Ausland befanden, die Staatsbürgerschaft aberkannt.
Was wäre dann wohl aus de Gaulles geworden? Ein zentralafrikanischer Kolonialrebell, ein franko-kanadischer Exil-Militär oder ein geleuterter Heimkehrer, dem eine französische Nachkriegsregierung Amnestie versprach? Da war wirklich alles drin, nur eben kein Präsidentenamt mehr.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.02.09 18:27 ]

England 1941 und die Grenzen der Nachkriegszeit
Politik 1941
Hitler hätte es allein nicht verhindern können, wenn Unternehmen "Seelöwe" Erfolg gehabt hätte. Die heutigen verstärkten Unabhängikeitsbewegungen in Schottland und Wales hätten schon nach der Niederlage von 1940 das Ende von Großbritannien bedeutet. König Edward VIII. sollte nach deutschen Vorstellungen ohnehin wieder König werden, während sich Schottland und Wales abgespaltet hätten. Das britische Kolonialssystem wäre kaum zu halten gewesen, wenn das Commonwealth den Krieg weitergeführt hätte, aussichtslos jemals über die Ozeane hinweg ihrerseits eine Invasion auf England durchzuführen.
Eher wahrscheinlich: Der Kriegszustand wäre durch Vermittlung dritter Staaten (Vatikan) beendet worden und das britische Kolonialsystem konnte für einige Gebiete erhalten bleiben, während sich Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika sich sofort von der britischen Krone lossagten und das Ende des Commonwealth beschließen. Auch Indien hätte sich für unabhängig erklärt, ohne ernsthafte Folgen befürchten zu müßen. Sogenannte britische Protektorate wie über Palästina , dem Irak oder in Ägypten hätten ebenfalls ihr Ende gefunden und diese Staaten wären unabhängig geworden. Die restlichen afrikanischen Kolonien, aber auch die pazifischen Inselkolonien wären bei England geblieben. Abzüglich natürlich jene Gebiete, die bis 1920 deutsche Kolonien waren, die bei einem Friedensschluß ganz sicher wieder deutsches Hoheitsgebiet geworden wären.
Gibraltar wäre spanisch geworden, Malta italienisch. Die Suezkanal -Zone wäre wohl unter deutsch-italienischer Kontrolle gekommen, wobei die Ägypter unter dem deutschfreundlichen Nasser wohl Achsenmitglied geworden wären. Möglich war auch ein italienisches Protektorat im Sudan, um eine landmässige Verbindung nach Italienisch-Ostafrika herzustellen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass Italien mit dieser Verwaltungsaufgabe so vollauf beschäftig gewesen wäre, dass andere Mittelmeerstaaten nicht das Opfer eines italienischen Überfalls (wie etwa Griechenland) geworden wären.
Ob nach einen Beitritt Jugoslawiens in den Dreimächtepakt, tatsächlich dort eine antideutscher Putsch stattgefunden hätte, darf bezweifelt werden, wenn die damals maßgebliche Rolle der Engländer weggefallen wäre. Auch eine Involvierung der Sowjets darf bezweifelt werden, weil ein Außenminister Molotow wohl kaum mit einer Forderliste im November 1940 in Berlin aufgetaucht wäre, wenn zu dieser Zeit der Krieg bereits beendet oder das Ergebnis im Sinne der Deutschen absehbar war.

Irland hätte in der Folge der britischen Niederlage Nordirland zurückbekommen und so seine geteilte Provinz Ulster wiedervereint

Der irische Kriegsminister Traynor 1940. Irland hätte ganz sicher die Gelegenheit ergriffen der Achse beizutreten, wenn die Invasion erfolgreich verlaufen wäre. Das dann dort deutsche Truppen stationiert geworden wären, wäre wohl sicher gewesen. Schwerpunkt wären aber Luft- und Kriegsmarinebasen gewesen, um im Nordatlantik Präsenz zu zeigen. Irland hätte auf jedenfall von einem deutschen Sieg über Großbritannien profitiert
Das Ende der Exilregierungen in London

als deutsche Truppen sich nach London hineinkämpften, waren die meisten Exilregierungen entweder geflohen oder hatten sich aufgelöst...
London war seit Kriegsbeginn Tummelplatz von gewissen Exilregierungen, die dort in aller Sicherheit und mit britischer Unterstützung an ihren ganz speziellen Nachkriegsplänen arbeiteten, ganz darauf vertrauend, daß England auch tatsächlich irgendwann siegen würde. Besonders bei der tschechischen Exilregierung unter Bensch und unter der polnischen Exilregierung unter Raczkiewicz gierten nach Annexionen deutschen Gebietes und planten schon zu dieser Zeit die radikale Vertreibung der deutschen Bevölkerung.

Die polnische Exilregierung unter Raczkiewicz (Bildmitte). Real hatte sie nur bis Sommer 1945 die offizielle Anerkennung, danach wurde sie von Briten und Amerikaner fallen gelassen, weil die Sowjets sie ohnehin nicht nach Warschau gelassen hätten. Falls sie es nach Kanada oder in die USA geschafft hätte, wäre ihr nur ein bedeutungsloser Status beschieden gewesen, mit starken Auflösungstendenzen.

Die Exiltschechen unter dem späteren Vertreibungsverbrecher Benesch in London. Sie hätten nie die Gelegenheit bekommen die Sudetendeutschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, wo sie real am Tod von ca 250000 Deutschen schuldig wurden! Beneschs Exiltschechen hätten hinter dem Ozean ohnmächtig beobachten müssen, wie das Protektorat, als Bestandteil Großdeutschlands eine blühende wohlhabende Provinz geworden wäre. Wie Masaryk wären sie in die USA geflohen, immer darauf hoffend, dass ein Wunder geschieht. Unfähig auf das Protektorat Einfluß zu nehmen, hätte sich Beneschs Exilregierung in einen bedeutungslosen Altherren-Debattierclub verwandelt, wo man der verpfuschten tschechischen Zwischenkriegs-Staatlichkeit hinterherjammerte. Als Nebeneffekt wäre Reinhard Heydrich nie 1942 Opfer eines tschechischen Exilterror-Attentats geworden. Ein "Lidice" wäre der Geschichte erspart blieben!
Das Ende der Gaullisten

Der stolze Franzose Charles de Gaulles vor dem Mikrofon der BBC. Als er im Juni seine Ansprache an die Franzosen hielt, hätte diese Rede wohl kaum jenen historischen Stellenwert erfahren, wenn Großbritannien geschlagen worden wäre. Er wäre niemals in seinem Leben Präsident von Frankreich geworden, wenn die Deutschen 1941 nach einem Friedensschluß Frankreich größtenteils verlassen hätten. Noch zu Churchills Zeiten genoß er dessen Unterstützung und hätte wohl kurz nach Anlaufen des britisch-gaullistischen Angriffs auf Dakar von der deutschen Invasion auf England erfahren. Und Wochen später hätte die britische Niederlage auch das Ende der sogenannten "Freien Franzosen" bedeutet, die ohnehin rechtlich gesehen ihren Status als Franzosen verloren hätten. Denn nach einen erlassenen Gesetz in Vichy-Frankreich wurden allen Franzosen die sich länger als ein halbes Jahr im Ausland befanden, die Staatsbürgerschaft aberkannt.
Was wäre dann wohl aus de Gaulles geworden? Ein zentralafrikanischer Kolonialrebell, ein franko-kanadischer Exil-Militär oder ein geleuterter Heimkehrer, dem eine französische Nachkriegsregierung Amnestie versprach? Da war wirklich alles drin, nur eben kein Präsidentenamt mehr.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.02.09 18:27 ]
The Real Blaze
Visionen und Tendenzen nach einer erfolgreichen Invasion (2)

Es wäre spannend gewesen, wer alles sich vor deutschen Soldaten in London unter Gullydeckel versteckt hätte...(Filmszene "It happened here")
Die geflohenen Adelsfamilien
Holland

Königin Wilhelmina mit Hofstaat 1940 in London (rechts dahinter von ihr Prinz Bernhard) - wenn deutsche Soldaten gelandet wären, hätte sie wohl erstmal das Weite gesucht, vermutlich Richtung Niederländisch Antillen...
Königin Wilhelmina, die erste regierende Königin auf dem niederländischen Thron, floh nach der Niederlage der holländischen Armee gegen die deutsche Wehrmacht mit der Regierung nach London aus, wo sie eine Exilregierung bildete. Mit dabei: der "böse deutsche Prinz Bernhard", Ehemann von Prinzessin Juliana, der sich real später als RAF Terrorpilot betätigte und sich nach dem Krieg dieser Art Kampf auch noch rühmte, der so viele deutschen Frauen und Kinder zum Opfer gefallen sind.

Terrorpilot Prinz Bernhard...diese für deutsche Zivilisten mörderische Karriere wäre ihm wohl bei einer deutschen Invasion verwehrt geblieben!
Auch bei den Holländern ging die Tendenz der Exil-Regierung nach einen deutschen Sieg über England Richtung Auflösung, während sich die holländische Königsfamilie, über die Zwischenstation USA Richtung Karibik abgesetzt hätte, wo ein kleines Stückchen Holland (neben Surinam in Südamerika) übrig geblieben war, wo die deutsche Kriegsmarine zu dieser Zeit noch nicht operativ in Erscheinung getreten war und nach einem Frieden es auch nicht wäre. Auch hier muß man aber damit rechnen, daß Wilhelmina, samt Familie wohl irgendwann heimgekehrt wäre und dann völlig unbehelligt ihr Monrachenleben weitergelebt hätte, weil sie politisch ohnehin ausgespielt hätte.
Norwegen

Links König Haakon , rechts Kronprinz Olav - da er wohl Quisling nie aktzeptiert hätte, wäre er als Privatmann irgendwann zurückgekehrt. Sein Sohn wäre aber so nie König geworden. Tendenziell war auch möglich, daß Kronprinz Olav längere Zeit in den USA gelebt hätte, weil er sich doch 1939 mit Roosevelt anfreundete
Die norwegische Königsfamilie entstammt dem ursprünglich in Schleswig-Holstein ansässigen Fürstengeschlecht Glücksburg. Das spielte für König Haakon 1940 aber keine Rolle mehr, er floh mit seiner Familie nach London und gründete ebenfalls eine Exilregierung. Als "Mitbringsel" hatte er 200 moderne Tanker, die er weltweit den Briten zur Verfügung stellte.
Angeblich versuchte die deutsche Wehrmacht nach Beginn des Unternehmens Weserübung am 9. April, König und Regierung in ihre Gewalt zu bringen. Die Königsfamilie, die Regierung und die meisten Parlamentsabgeordneten konnten aber noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Oslo entkommen.
In Elverum angekommen antwortete König Haakon auf die Forderung der Deutschen nach Ernennung einer Regierung mit dem Nationalsozialisten Vidkun Quisling als Ministerpräsident mit einem nein. Er brachte dabei zum Ausdruck, dass er den Standpunkt der Regierung in dieser Frage nicht beeinflussen wolle, dass er aber zurücktreten würde, sollte die Regierung der Auffassung sein, man müsse der deutschen Forderung nachgeben. Im Falle eines deutschen Gesamtsieges wäre er dann wohl aufgrund dieses Standpunktes zurückgetreten, es hätte wohl das Ende der norwegischen Monarchie bedeutet.
Nach einen Luftangriff auf Nybergsund, den Aufenthaltsort des Königs, reisten König, Kronprinz und Regierung am 7. Juni 1940 von Tromsø nach England. Zurückgetreten, hätte er wohl nach einen deutschen Sieg als Privatmann nach Norwegen zurückkehren können. Es wäre auch bei König Haakon nicht unbedingt erste Wahl gewesen, als König ohne Land für immer in ein US-Exil abzutauchen. Der Drang auf Heimkehr wäre immer geblieben, er hätte schließlich seinen weiteren Lebenslauf bestimmt. Und selbst nach einen deutschen Sieg, wäre er in Norwegen wieder begeistert empfangen worden.
Anzumerken sei deshalb noch, dass sein Bruder Christian X., der König von Dänemark war, in seinen Land blieb und dort trotz deutscher Besatzung seine Autorität wahrte.
Anhand dieses Beispiels kann man auch sehen, dass König Haakon wohl ebenfalls nichts passiert wäre, wenn er in Norwegen geblieben wäre und erst recht nichts, wenn er heimgekehrt wäre, ob als König oder Privatmann.
[...]

Es wäre spannend gewesen, wer alles sich vor deutschen Soldaten in London unter Gullydeckel versteckt hätte...(Filmszene "It happened here")
Die geflohenen Adelsfamilien
Holland

Königin Wilhelmina mit Hofstaat 1940 in London (rechts dahinter von ihr Prinz Bernhard) - wenn deutsche Soldaten gelandet wären, hätte sie wohl erstmal das Weite gesucht, vermutlich Richtung Niederländisch Antillen...
Königin Wilhelmina, die erste regierende Königin auf dem niederländischen Thron, floh nach der Niederlage der holländischen Armee gegen die deutsche Wehrmacht mit der Regierung nach London aus, wo sie eine Exilregierung bildete. Mit dabei: der "böse deutsche Prinz Bernhard", Ehemann von Prinzessin Juliana, der sich real später als RAF Terrorpilot betätigte und sich nach dem Krieg dieser Art Kampf auch noch rühmte, der so viele deutschen Frauen und Kinder zum Opfer gefallen sind.

Terrorpilot Prinz Bernhard...diese für deutsche Zivilisten mörderische Karriere wäre ihm wohl bei einer deutschen Invasion verwehrt geblieben!
Auch bei den Holländern ging die Tendenz der Exil-Regierung nach einen deutschen Sieg über England Richtung Auflösung, während sich die holländische Königsfamilie, über die Zwischenstation USA Richtung Karibik abgesetzt hätte, wo ein kleines Stückchen Holland (neben Surinam in Südamerika) übrig geblieben war, wo die deutsche Kriegsmarine zu dieser Zeit noch nicht operativ in Erscheinung getreten war und nach einem Frieden es auch nicht wäre. Auch hier muß man aber damit rechnen, daß Wilhelmina, samt Familie wohl irgendwann heimgekehrt wäre und dann völlig unbehelligt ihr Monrachenleben weitergelebt hätte, weil sie politisch ohnehin ausgespielt hätte.
Norwegen

Links König Haakon , rechts Kronprinz Olav - da er wohl Quisling nie aktzeptiert hätte, wäre er als Privatmann irgendwann zurückgekehrt. Sein Sohn wäre aber so nie König geworden. Tendenziell war auch möglich, daß Kronprinz Olav längere Zeit in den USA gelebt hätte, weil er sich doch 1939 mit Roosevelt anfreundete
Die norwegische Königsfamilie entstammt dem ursprünglich in Schleswig-Holstein ansässigen Fürstengeschlecht Glücksburg. Das spielte für König Haakon 1940 aber keine Rolle mehr, er floh mit seiner Familie nach London und gründete ebenfalls eine Exilregierung. Als "Mitbringsel" hatte er 200 moderne Tanker, die er weltweit den Briten zur Verfügung stellte.
Angeblich versuchte die deutsche Wehrmacht nach Beginn des Unternehmens Weserübung am 9. April, König und Regierung in ihre Gewalt zu bringen. Die Königsfamilie, die Regierung und die meisten Parlamentsabgeordneten konnten aber noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Oslo entkommen.
In Elverum angekommen antwortete König Haakon auf die Forderung der Deutschen nach Ernennung einer Regierung mit dem Nationalsozialisten Vidkun Quisling als Ministerpräsident mit einem nein. Er brachte dabei zum Ausdruck, dass er den Standpunkt der Regierung in dieser Frage nicht beeinflussen wolle, dass er aber zurücktreten würde, sollte die Regierung der Auffassung sein, man müsse der deutschen Forderung nachgeben. Im Falle eines deutschen Gesamtsieges wäre er dann wohl aufgrund dieses Standpunktes zurückgetreten, es hätte wohl das Ende der norwegischen Monarchie bedeutet.
Nach einen Luftangriff auf Nybergsund, den Aufenthaltsort des Königs, reisten König, Kronprinz und Regierung am 7. Juni 1940 von Tromsø nach England. Zurückgetreten, hätte er wohl nach einen deutschen Sieg als Privatmann nach Norwegen zurückkehren können. Es wäre auch bei König Haakon nicht unbedingt erste Wahl gewesen, als König ohne Land für immer in ein US-Exil abzutauchen. Der Drang auf Heimkehr wäre immer geblieben, er hätte schließlich seinen weiteren Lebenslauf bestimmt. Und selbst nach einen deutschen Sieg, wäre er in Norwegen wieder begeistert empfangen worden.
Anzumerken sei deshalb noch, dass sein Bruder Christian X., der König von Dänemark war, in seinen Land blieb und dort trotz deutscher Besatzung seine Autorität wahrte.
Anhand dieses Beispiels kann man auch sehen, dass König Haakon wohl ebenfalls nichts passiert wäre, wenn er in Norwegen geblieben wäre und erst recht nichts, wenn er heimgekehrt wäre, ob als König oder Privatmann.
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The Real Blaze
Die britische Angst vor deutschen Fallschirmjägern
Primärquelle: Kieser, Unternehmen Seelöwe
Invasion - das Wort signalisierte für die Briten von jeher Schlimmeres als Pest, Feuer, Sturmflut oder Krieg: Es bedeutete schlicht den Anfang vom Ende ihres Insellebens. Angesichts der Geschichte der Britischen Inseln mag man das für eine wenig berechtigte Dramatisierung halten, denn die Phönizier waren gelandet, die Kelten, die Römer hatten mit ihren Heeren den Kanal bezwungen, die Wikinger, die Juten, die alten Sachsen und die Normannen waren gekommen und hatten gesiegt - nur die Spanier, die Holländer und die Franzosen hatten es versucht und waren gescheitert , jedoch immer war das Leben auf den Inseln weitergegangen, hatten die Bewohner von den Invasoren profitiert...

Eine deutsche Besatzung Englands hätte zumindest den Krieg beendet, insbesondere den Luftkrieg zwischen England und dem Reich - zum Wohle der Zivilbevölkerung...
Wenn man es recht betrachtet, muß man zu der Überzeugung kommen, daß die Briten viel mehr Glück mit ihren Feinden hatten als die Völker auf dem Kontinent. Aus der spanischen Armada von 1588 ist ein bloßes Schreckgespenst geworden, wie aus den nie gebauten Riesen-Montgolfieren Napoleons, die, scheinbar für ewig, in der Phantasie der Briten drohend am blaßblauen Himmel von Sussex und Kent hängen. Dreitausend Mann sollten damals mit ihnen über den Kanal befördert werden, um London einzunehmen. Jedes Schulkind kennt die Jahreszahl 1797, als während des englisch-französischen Krieges der französische General Hoche 1 200 Söldner, in der Mehrzahl Sträflinge aus französischen Gefängnissen, unter dem Befehl von William Täte, einem 70jährigen amerikanischen Abenteurer, an die Südwestküste von Wales schickte. Die Franzosen wußten nicht, was sie dort sollten, und begannen nach der Landung planlos die Gegend zu brandschatzen. In ganz England und Wales machten sich wehrfähige Männer in Karren, Kutschen, zu Pferd und zu Fuß auf. Die Franzosen waren bald umzingelt und mußten sich ergeben.
Die Zeit überdauert haben viele der sogenannten Martellotürme. Sie waren ab 1805 zur Abwehr Napoleons in Abständen von etwa 500 Metern entlang der Südküste von Kent und Sussex gebaut worden. Als Vorbild dieser kreisrunden Ziegeltürme hatte eine korsische Rundfestung gedient, die wenige Jahre vorher einem britischen Angriff erfolgreich Widerstand geleistet hatte. Unter großem Aufwand (für einen Turm war eine Viertelmillion Ziegel erforderlich) waren damals 74 dieser Bastionen entstanden, von denen aus britische Soldaten die Küste bewachten. Nach Waterloo waren sie nicht mehr benutzt worden und verfielen. 1914 wurden die 26 verbliebenen Türme wieder besetzt und mit leichten Geschützen und MGs bestückt. Diesmal rechnete man mit einer deutschen Invasion.

Martello Türme bei Folkestone, einem primären Landeabschnitt im deutschen Invasionsplan
Noch 1915 erwartete die britische Heeresleitung einen Ansturm von 70 000 bis 160 000 deutschen Soldaten gegen die südenglische Küste. Die Befürchtung war völlig unbegründet, denn im kaiserlichen Generalstab dachte niemand daran, den Ärmelkanal zu überqueren. Doch die Furcht blieb. Sie ist ein Teil der Inselmentalität, Preis für den Schutz, den Neptun seinen Briten gewährt.
Da sie immer unterschwellig vorhanden ist, genügt der geringste Anlaß, sie wieder zu beleben und zu einem Monstrum anwachsen zu lassen. Schon einige Wochen vor dem deutschen Überraschungssieg in Frankreich, der deutsche Divisionen an die Kanalküste brachte, waren in England die ersten Stimmen laut geworden, die vor einer Invasion warnten. Die Besetzung Norwegens hatte gezeigt, daß die deutschen Truppen nicht nur zu Lande und über kurze Entfernungen zu siegen vermochten. Luftwaffe und Kriegsmarine hatten das bisher größte Landungsunternehmen so erfolgreich unterstützt, daß die Briten ihre Überlegenheit in der Nordsee nicht hatten ausspielen können.
Am 7. Mai stellte der Abgeordnete Clement Wedgwood im Britischen Unterhaus fest: »Obwohl die britische Marine imstande ist, die Seewege nach Westen offenzuhalten und Großbritannien dadurch vor dem Verhungern zu schützen, scheint sie doch nicht in der Lage zu sein, die deutschen Besetzer in Norwegen abzuschneiden. Es ist deshalb denkbar, daß sie einem Einfall der Deutschen in Lincolnshire oder im Wash nichts entgegenzusetzen hat.«

eine bewaffnetes hölzernes Ruderboot der Home Guard in Aberdeen - sie sollte sich besonders gegen deutsche Anlandungen aus Norwegen stemmen...
Wenige Tage später, am Freitag, dem 10. Mai 1940, erhob sich das Gespenst der Invasion zu voller Größe. Das britische Luftfahrtministerium gab folgende »dringende« Nachricht an die Admiralität, das Kriegsministerium und das Ministerium für Landessicherheit: »Nach Informationen aus Norwegen halten deutsche Fallschirmspringer beim Absprung beide Arme in die Höhe, als ob sie sich ergeben wollten. Sie halten jedoch in jeder Hand eine Granate, die sie auf jeden werfen, der ihnen bei der Landung entgegentreten will. Um diesen Trick zu vereiteln, sollten Fallschirmspringer, wenn ihre Zahl sechs übersteigt (der größte britische Bomber hatte eine Besatzung von sechs Mann), als feindlich angesehen und möglichst noch in der Luft erschossen werden.«
Auch im britischen Luftfahrtministerium mußte man wissen, daß Fallschirmspringer mit beiden Händen über dem Kopf in die Leinen greifen, um ihren Schirm zu steuern. Es ging hier wahrscheinlich nur darum, den Schießbefehl plausibel zu machen. Die Beamten rechneten damit, daß mancher Hemmungen haben würde, auf wehrlos in der Luft schwebende Menschen zu schießen. Diese Hemmschwelle hat später tatsächlich manchem abgeschossenen deutschen Piloten das Leben gerettet.
Fallschirmspringer spielten auch in den nächsten, viel wichtigeren Nachrichten eine große Rolle. Am 10. Mai 1940 um 5.30 Uhr hatten deutsche Truppen die holländische und die belgische Grenze überschritten. Fallschirmjäger waren eine halbe Stunde zuvor im Rücken der Verteidiger gelandet und hatten das für uneinnehmbar geltende Fort Eben Emael besetzt und mehrere wichtige Brücken in ihre Hand gebracht. Wie die Briten darauf reagierten, als sie aus ihrer Überraschung wieder zu sich kamen, konnte man am 12. in der Zeitung »News of the World« lesen, deren erste Seite in großer Aufmachung einen Leserbrief brachte:
»Laßt sie nur kommen! Die Deutschen setzen Truppen mit Fallschirmen ab. Möglich, daß sie das auch bei uns tun werden! Ich spreche für Tausende, wenn nicht Millionen ehemaliger Soldaten, die alle schießen können. Wir sind zu alt für den aktiven Dienst, aber wir können mit dem Gewehr umgehen! Laßt sie nur kommen!«
In Pubs und Clubs, in Büros und Fabriken, in jedem Haus wurde die Möglichkeit einer Invasion diskutiert - Hauptfrage war: Wie kann man feindliche Fallschirmspringer unschädlich machen? Die vielen ehemaligen Soldaten und Offiziere aller Waffengattungen, die in Indien, Arabien, Afrika, im Burenkrieg und im Ersten Weltkrieg gedient hatten, sahen sich jetzt aus ihren Nostalgien gerissen und autgerufen, einer völlig neuartigen Gefahr zu begegnen: einem Krieg ohne Front. Fallschirmjäger konnten überall am Himmel auftauchen. Jede Stadt, jedes Dorf, jedes Haus, jeder einzelne war dann »Front«.
Tausende von Briefen wurden an Zeitungen, Parlamentarier und an das Kriegsministerium geschrieben. Jeder wollte dabeisein. In Leeds hatten sich einige ältere Geschäftsleute, alle ehemalige Offiziere, zum Lunch getroffen. »Wir kamen darin überein«, sagte spater einer von ihnen, ein Major a. D., »daß man einer solchen Bedrohung unseres Landes nur begegnen kann, indem man alle früheren Soldaten bewaffnet.« Die Gruppe verfaßte einen Brief an ihren Abgeordneten im Unterhaus: »Können Sie das Kriegskabinett veranlassen, freiwillige Ex-Soldaten für eine Landwehr gegen die Fallschirmspringer aufzurufen? Wir hier in Leeds sind willens und bereit, in kürzester Zeit eine solche Einheit auf die Beine zu stellen. Alles was wir brauchen, sind Waffen und eine Ermächtigung. Bis jetzt ist in Leeds nichts dergleichen veranlaßt worden. Jemand muß schnell handeln, daher dieser Appell.«

erste Home Guard - Krieger bei der Ausbildung
Noch am Samstag und Sonntag, während sich die Alarmmeldungen aus Holland und Belgien häuften, tagten Vertreter des Kriegsministeriums und des Ministeriums für Landessicherheit mit den Stabschefs der Streitkräfte und besprachen die Bildung einer Heimwehr. Sie einigten sich darauf, daß jeder Brite zwischen siebzehn und fünfundsechzig, der schon einmal eine Waffe in der Hand gehabt hatte und keine körperliche Behinderung aufwies, als Freiwilliger (Local Defence Volunteer - L. D. V.) in einer nach militärischen Prinzipien aufgestellten Heimwehr Dienst tun konnte. Die wöchentliche Dienstleistung wurde auf zehn Stunden festgesetzt, vorerst für die nächsten sechs Monate bei einer gegenseitigen Kündigungsfrist von vierzehn Tagen (die sogenannte Dienstmädchenklausel). Verpflegung sollte jeder Freiwillige selbst mitbringen. Zwanzig Schuß Munition für noch zu beschaffende Gewehre, Tee, ein Strohsack, Zeltplane und drei Decken sollten die von der Armee bereitzustellende Grundausrüstung bilden. Die Aufgabe: Ortung und Bekämpfung feindlicher Fallschirmspringer.

Die Altersgrenze von 55 Jahren war für viele englische Greise kein Hindernis sich trotzdem anzumelden
Churchill glaubte fest an eine kurz bevorstehende Landung der Deutschen. In einem seiner fast regelmäßigen Briefe an den amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt hieß es: »Wir selbst erwarten hier, aus der Luft (d. h. mit Bomben), von Fallschirmspringern und Luftlandetruppen angegriffen zu werden. Wir bereiten uns auf ihren Empfang vor!« Eine seiner ersten Amtshandlungen als Premierminister hatte die Invasion zum Gegenstand: Von den drei Stabschefs der Streitkräfte verlangte er für den Fall, daß Frankreich den Kampf auf dem Kontinent verlieren sollte, eine Analyse der militärischen Situation Großbritanniens. Von der übertriebenen Voraussetzung ausgehend, daß Deutschlands Luftwaffe der Royal Air Force in vierfacher Übermacht gegenüberstand, kamen die Militärs zu dem traurigen Schluß, daß sie fast ohnmächtig waren: »Prima facie hat Deutschland die meisten Karten in der Hand; letzten Endes wird es jedoch darauf ankommen, ob die Moral unserer Truppe und der Zivilbevölkerung die zahlenmäßige und materielle Überlegenheit der Deutschen wettmacht. Wir glauben, daß sie das tut.«

Kriegsminister Eden - ein ganz besonderer Deutschenhasser - bei der Home Guard.
Die Briten bereiteten sich auf einen totalen Krieg vor. Er begann am Abend des 14. Mai, der auch der Tag der Kapitulation der holländischen Streitkräfte vor der deutschen Übermacht war. Der neue Kriegsminister im Kabinett Churchills, Anthony Eden, hielt eine Rundfunkansprache, in der er die Heimwehr ausrief und Freiwillige aufforderte, sich sofort bei der nächsten Polizeidienststelle registrieren zu lassen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 01.02.09 15:13
Primärquelle: Kieser, Unternehmen Seelöwe
Invasion - das Wort signalisierte für die Briten von jeher Schlimmeres als Pest, Feuer, Sturmflut oder Krieg: Es bedeutete schlicht den Anfang vom Ende ihres Insellebens. Angesichts der Geschichte der Britischen Inseln mag man das für eine wenig berechtigte Dramatisierung halten, denn die Phönizier waren gelandet, die Kelten, die Römer hatten mit ihren Heeren den Kanal bezwungen, die Wikinger, die Juten, die alten Sachsen und die Normannen waren gekommen und hatten gesiegt - nur die Spanier, die Holländer und die Franzosen hatten es versucht und waren gescheitert , jedoch immer war das Leben auf den Inseln weitergegangen, hatten die Bewohner von den Invasoren profitiert...

Eine deutsche Besatzung Englands hätte zumindest den Krieg beendet, insbesondere den Luftkrieg zwischen England und dem Reich - zum Wohle der Zivilbevölkerung...
Wenn man es recht betrachtet, muß man zu der Überzeugung kommen, daß die Briten viel mehr Glück mit ihren Feinden hatten als die Völker auf dem Kontinent. Aus der spanischen Armada von 1588 ist ein bloßes Schreckgespenst geworden, wie aus den nie gebauten Riesen-Montgolfieren Napoleons, die, scheinbar für ewig, in der Phantasie der Briten drohend am blaßblauen Himmel von Sussex und Kent hängen. Dreitausend Mann sollten damals mit ihnen über den Kanal befördert werden, um London einzunehmen. Jedes Schulkind kennt die Jahreszahl 1797, als während des englisch-französischen Krieges der französische General Hoche 1 200 Söldner, in der Mehrzahl Sträflinge aus französischen Gefängnissen, unter dem Befehl von William Täte, einem 70jährigen amerikanischen Abenteurer, an die Südwestküste von Wales schickte. Die Franzosen wußten nicht, was sie dort sollten, und begannen nach der Landung planlos die Gegend zu brandschatzen. In ganz England und Wales machten sich wehrfähige Männer in Karren, Kutschen, zu Pferd und zu Fuß auf. Die Franzosen waren bald umzingelt und mußten sich ergeben.
Die Zeit überdauert haben viele der sogenannten Martellotürme. Sie waren ab 1805 zur Abwehr Napoleons in Abständen von etwa 500 Metern entlang der Südküste von Kent und Sussex gebaut worden. Als Vorbild dieser kreisrunden Ziegeltürme hatte eine korsische Rundfestung gedient, die wenige Jahre vorher einem britischen Angriff erfolgreich Widerstand geleistet hatte. Unter großem Aufwand (für einen Turm war eine Viertelmillion Ziegel erforderlich) waren damals 74 dieser Bastionen entstanden, von denen aus britische Soldaten die Küste bewachten. Nach Waterloo waren sie nicht mehr benutzt worden und verfielen. 1914 wurden die 26 verbliebenen Türme wieder besetzt und mit leichten Geschützen und MGs bestückt. Diesmal rechnete man mit einer deutschen Invasion.

Martello Türme bei Folkestone, einem primären Landeabschnitt im deutschen Invasionsplan
Noch 1915 erwartete die britische Heeresleitung einen Ansturm von 70 000 bis 160 000 deutschen Soldaten gegen die südenglische Küste. Die Befürchtung war völlig unbegründet, denn im kaiserlichen Generalstab dachte niemand daran, den Ärmelkanal zu überqueren. Doch die Furcht blieb. Sie ist ein Teil der Inselmentalität, Preis für den Schutz, den Neptun seinen Briten gewährt.
Da sie immer unterschwellig vorhanden ist, genügt der geringste Anlaß, sie wieder zu beleben und zu einem Monstrum anwachsen zu lassen. Schon einige Wochen vor dem deutschen Überraschungssieg in Frankreich, der deutsche Divisionen an die Kanalküste brachte, waren in England die ersten Stimmen laut geworden, die vor einer Invasion warnten. Die Besetzung Norwegens hatte gezeigt, daß die deutschen Truppen nicht nur zu Lande und über kurze Entfernungen zu siegen vermochten. Luftwaffe und Kriegsmarine hatten das bisher größte Landungsunternehmen so erfolgreich unterstützt, daß die Briten ihre Überlegenheit in der Nordsee nicht hatten ausspielen können.
Am 7. Mai stellte der Abgeordnete Clement Wedgwood im Britischen Unterhaus fest: »Obwohl die britische Marine imstande ist, die Seewege nach Westen offenzuhalten und Großbritannien dadurch vor dem Verhungern zu schützen, scheint sie doch nicht in der Lage zu sein, die deutschen Besetzer in Norwegen abzuschneiden. Es ist deshalb denkbar, daß sie einem Einfall der Deutschen in Lincolnshire oder im Wash nichts entgegenzusetzen hat.«

eine bewaffnetes hölzernes Ruderboot der Home Guard in Aberdeen - sie sollte sich besonders gegen deutsche Anlandungen aus Norwegen stemmen...
Wenige Tage später, am Freitag, dem 10. Mai 1940, erhob sich das Gespenst der Invasion zu voller Größe. Das britische Luftfahrtministerium gab folgende »dringende« Nachricht an die Admiralität, das Kriegsministerium und das Ministerium für Landessicherheit: »Nach Informationen aus Norwegen halten deutsche Fallschirmspringer beim Absprung beide Arme in die Höhe, als ob sie sich ergeben wollten. Sie halten jedoch in jeder Hand eine Granate, die sie auf jeden werfen, der ihnen bei der Landung entgegentreten will. Um diesen Trick zu vereiteln, sollten Fallschirmspringer, wenn ihre Zahl sechs übersteigt (der größte britische Bomber hatte eine Besatzung von sechs Mann), als feindlich angesehen und möglichst noch in der Luft erschossen werden.«
Auch im britischen Luftfahrtministerium mußte man wissen, daß Fallschirmspringer mit beiden Händen über dem Kopf in die Leinen greifen, um ihren Schirm zu steuern. Es ging hier wahrscheinlich nur darum, den Schießbefehl plausibel zu machen. Die Beamten rechneten damit, daß mancher Hemmungen haben würde, auf wehrlos in der Luft schwebende Menschen zu schießen. Diese Hemmschwelle hat später tatsächlich manchem abgeschossenen deutschen Piloten das Leben gerettet.
Fallschirmspringer spielten auch in den nächsten, viel wichtigeren Nachrichten eine große Rolle. Am 10. Mai 1940 um 5.30 Uhr hatten deutsche Truppen die holländische und die belgische Grenze überschritten. Fallschirmjäger waren eine halbe Stunde zuvor im Rücken der Verteidiger gelandet und hatten das für uneinnehmbar geltende Fort Eben Emael besetzt und mehrere wichtige Brücken in ihre Hand gebracht. Wie die Briten darauf reagierten, als sie aus ihrer Überraschung wieder zu sich kamen, konnte man am 12. in der Zeitung »News of the World« lesen, deren erste Seite in großer Aufmachung einen Leserbrief brachte:
»Laßt sie nur kommen! Die Deutschen setzen Truppen mit Fallschirmen ab. Möglich, daß sie das auch bei uns tun werden! Ich spreche für Tausende, wenn nicht Millionen ehemaliger Soldaten, die alle schießen können. Wir sind zu alt für den aktiven Dienst, aber wir können mit dem Gewehr umgehen! Laßt sie nur kommen!«
In Pubs und Clubs, in Büros und Fabriken, in jedem Haus wurde die Möglichkeit einer Invasion diskutiert - Hauptfrage war: Wie kann man feindliche Fallschirmspringer unschädlich machen? Die vielen ehemaligen Soldaten und Offiziere aller Waffengattungen, die in Indien, Arabien, Afrika, im Burenkrieg und im Ersten Weltkrieg gedient hatten, sahen sich jetzt aus ihren Nostalgien gerissen und autgerufen, einer völlig neuartigen Gefahr zu begegnen: einem Krieg ohne Front. Fallschirmjäger konnten überall am Himmel auftauchen. Jede Stadt, jedes Dorf, jedes Haus, jeder einzelne war dann »Front«.
Tausende von Briefen wurden an Zeitungen, Parlamentarier und an das Kriegsministerium geschrieben. Jeder wollte dabeisein. In Leeds hatten sich einige ältere Geschäftsleute, alle ehemalige Offiziere, zum Lunch getroffen. »Wir kamen darin überein«, sagte spater einer von ihnen, ein Major a. D., »daß man einer solchen Bedrohung unseres Landes nur begegnen kann, indem man alle früheren Soldaten bewaffnet.« Die Gruppe verfaßte einen Brief an ihren Abgeordneten im Unterhaus: »Können Sie das Kriegskabinett veranlassen, freiwillige Ex-Soldaten für eine Landwehr gegen die Fallschirmspringer aufzurufen? Wir hier in Leeds sind willens und bereit, in kürzester Zeit eine solche Einheit auf die Beine zu stellen. Alles was wir brauchen, sind Waffen und eine Ermächtigung. Bis jetzt ist in Leeds nichts dergleichen veranlaßt worden. Jemand muß schnell handeln, daher dieser Appell.«

erste Home Guard - Krieger bei der Ausbildung
Noch am Samstag und Sonntag, während sich die Alarmmeldungen aus Holland und Belgien häuften, tagten Vertreter des Kriegsministeriums und des Ministeriums für Landessicherheit mit den Stabschefs der Streitkräfte und besprachen die Bildung einer Heimwehr. Sie einigten sich darauf, daß jeder Brite zwischen siebzehn und fünfundsechzig, der schon einmal eine Waffe in der Hand gehabt hatte und keine körperliche Behinderung aufwies, als Freiwilliger (Local Defence Volunteer - L. D. V.) in einer nach militärischen Prinzipien aufgestellten Heimwehr Dienst tun konnte. Die wöchentliche Dienstleistung wurde auf zehn Stunden festgesetzt, vorerst für die nächsten sechs Monate bei einer gegenseitigen Kündigungsfrist von vierzehn Tagen (die sogenannte Dienstmädchenklausel). Verpflegung sollte jeder Freiwillige selbst mitbringen. Zwanzig Schuß Munition für noch zu beschaffende Gewehre, Tee, ein Strohsack, Zeltplane und drei Decken sollten die von der Armee bereitzustellende Grundausrüstung bilden. Die Aufgabe: Ortung und Bekämpfung feindlicher Fallschirmspringer.

Die Altersgrenze von 55 Jahren war für viele englische Greise kein Hindernis sich trotzdem anzumelden
Churchill glaubte fest an eine kurz bevorstehende Landung der Deutschen. In einem seiner fast regelmäßigen Briefe an den amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt hieß es: »Wir selbst erwarten hier, aus der Luft (d. h. mit Bomben), von Fallschirmspringern und Luftlandetruppen angegriffen zu werden. Wir bereiten uns auf ihren Empfang vor!« Eine seiner ersten Amtshandlungen als Premierminister hatte die Invasion zum Gegenstand: Von den drei Stabschefs der Streitkräfte verlangte er für den Fall, daß Frankreich den Kampf auf dem Kontinent verlieren sollte, eine Analyse der militärischen Situation Großbritanniens. Von der übertriebenen Voraussetzung ausgehend, daß Deutschlands Luftwaffe der Royal Air Force in vierfacher Übermacht gegenüberstand, kamen die Militärs zu dem traurigen Schluß, daß sie fast ohnmächtig waren: »Prima facie hat Deutschland die meisten Karten in der Hand; letzten Endes wird es jedoch darauf ankommen, ob die Moral unserer Truppe und der Zivilbevölkerung die zahlenmäßige und materielle Überlegenheit der Deutschen wettmacht. Wir glauben, daß sie das tut.«

Kriegsminister Eden - ein ganz besonderer Deutschenhasser - bei der Home Guard.
Die Briten bereiteten sich auf einen totalen Krieg vor. Er begann am Abend des 14. Mai, der auch der Tag der Kapitulation der holländischen Streitkräfte vor der deutschen Übermacht war. Der neue Kriegsminister im Kabinett Churchills, Anthony Eden, hielt eine Rundfunkansprache, in der er die Heimwehr ausrief und Freiwillige aufforderte, sich sofort bei der nächsten Polizeidienststelle registrieren zu lassen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 01.02.09 15:13
The Real Blaze
Eden rief zum Heckenschützenkrieg auf - Kommunisten lehren roten Bandenkrieg
Die Resonanz war überwältigend. Noch während Eden sprach. machten sich die ersten Freiwilligen auf den Weg. In Gillingham, Cranbrook und Folkestone, wie in vielen anderen Gemeinden der Inseln, ließen sie ihr Bier in den Pubs stehen, um nicht zu spät zu kommen. Die Polizeidienststellen waren nicht informiert worden, an die zuständige Dienststelle denkt man in solchen Fällen gewöhnlich nicht, und Fragebögen für die nötigen Angaben waren auch nicht vorhanden. Die verblüfften Polizisten ließen sich jedoch nicht aus der Fassung bringen und notierten bis lange nach Mitternacht Namen und Anschriften.

man wollte erstmal dabei sein - doch Waffen waren so gut wie nicht vorhanden
Am nächsten Morgen setzte ein regelrechter Sturm auf die Polizeireviere ein. In Oxford standen Professoren, Studenten, Geschäftsleute und Arbeiter gemeinsam schon um 6.30 Uhr morgens Schlange, in Canterbury trug sich die Oberstufe der King's School geschlossen ein. Noch nie wurden so viele falsche Geburtsdaten in Listen einge tragen wie jetzt: alte Männer machten sich zehn, zwanzig Jahre jünger, junge Burschen um zwei oder drei Jahre älter - so leicht ließ sich das nicht nachprüfen, da es in Großbritannien kein polizeiliches Melderegister gibt. Innerhalb der ersten vierundzwanzig Stunden nach Edens Rede hatten sich in England, Wales und Schottland sowie in Nordirland mehr als eine Viertelmillion Männer eintragen lassen.

Feldmarschall Sir Edmund Ironside
Die Home Guard (wie die L. D. V. später genannt wurde) wurde dem Befehlshaber der Home Forces, zuerst Feldmarschall Sir Edmund Ironside, dann General Sir Walter Kirke, unterstellt und streng militärisch gegliedert: in Regimenter (Zonen), Bataillone, Kompanien und Züge. Waffen waren für die neugegründete Streitmacht nicht vorhanden, und es blieb jedem einzelnen »Parashot«, wie sich bald nannten, überlassen, das Problem für sich selbst zu lösen.
Als Truppenführer wurden erfahrene, gediente Offiziere eingesetzt, wobei es vorkam, daß ein Generalleutnant a. D. als Major, ein Oberst a. D. als Hauptmann oder Leutnant Dienst tun mußte. In größter Eile wurden Hunderttausende von Aufnahmeformularen gedruckt und auf schnellstem Weg mit Lastwagen auch in die entlegensten Polizeireviere gebracht. Die Formalitäten wurden vor Ort erledigt, so daß Einheiten oft innerhalb weniger Stunden aufgestellt wurden. Den Bürokraten gab man keine Chance, denn zu groß war die Gefahr, daß plötzlich Tausende schwerbewaffneter Feinde vom Himmel fielen.
Allein in London bildeten sich in diesen Tagen sechzig Bataillone der Home Guard. In der City, in Wohn- und Geschäftshäusern, in den Fabriken und Docks sah man nun Gruppen von Zivilisten, die mit Stöcken, alten Gewehren und Säbeln bewaffnet Streife gingen und Ausweise kontrollierten oder stundenlang in den Himmel starrten.
In der Fleet Street hatten sich Setzer und Drucker zu einem Bataillon zusammengetan. Zum Westminster Bataillon, in dem Generalität und Hochadel den Ton angaben, gehörte auch ein Zug des Buckingham Palastes mit den Beamten des Hofes. Die City hatte ihr eigenes Bataillon, wie die beiden Häuser des Parlaments, die Gaswerke, die BBC, die Müllabfuhr und die Taxifahrer. Auf einer 125 Meilen langen Strecke patrouillierte ein Flußbataillon, das die Eigner der auf der Themse liegenden privaten Motor- und Hausboote gebildet hatten.
Sogar unter den in London lebenden Amerikanern war eine Abteilung der Home Guard entstanden. Sie nannte sich » American Squadron«, war sechzig bis siebzig Mann stark und stand unter dem Befehl von General Wade H. Hayes. Ihre Aufstellung rief das Außenministerium auf den Plan: Wenn die Angehörigen einer neutralen Macht auf den Britischen Inseln ein bewaffnetes Kontingent stellten, konnte man dieses Recht anderen neutralen Mächten kaum vorenthalten und in England gab es unter anderem auch eine beträchtliche Anzahl von Japanern. Diese Bedenken erwiesen sich jedoch als gegenstandslos. Nicht so die des amerikanischen Botschafters Joseph Kennedy, dem die Sache ganz und gar mißfiel: »Das kann dazu führen, daß bei einer Besetzung Londons alle dort lebenden U. S. Bürger als Franktireurs erschossen werden!«
Ähnliche Bedenken hatten auch einige Lord-lieutenants (entspricht etwa dem deutschen Regierungspräsidenten)verschiedener Grafschaften über die Home Guard geäußert. Nach der Haager Landkriegsordnung mußten Freischärler ein Abzeichen haben, ihre Waffen offen tragen und unter einer verantwortlichen Führung stehen. Whitehall reagierte darauf sofort, verschrieb den »Parashots«, Armbinden mit den Buchstaben L. D. V. und begann gleichzeitig mit der Uniformierung der Einheiten: Drillich, Overalls und khaki Käppis.
Das hielt die deutsche Presse nicht davon ab, sich auf das gefundene Fressen zu stürzen: »Unter keinen Umständen kann es einem Staat erlaubt sein, Zivilisten unter irgendeinem Vorwand oder irgendeiner Tarnung dem Feind mit der Waffe entgegenzustellen. Wer es wie die Regierung Churchill-Eden unternimmt, die Bevölkerung seines eigenen Landes zu solchen völkerrechtlich verbotenen, militärisch zwecklosen und für jeden Einzelnen gefährlichen Kampfmethoden aufzureizen, versündigt sich an seinem Volk und damit an seinem Vaterland. Eine solche unverantwortliche Handlungsweise der Regierung ist Ausdruck einer Hysterie, die aus dem Gefühl der militärischen Schwäche zu jeder Mordmethode ihre Zuflucht nimmt.«
Die Auswertungsabteilung Feindpresse in Goebbels' Propagandaministerium hatte die Entwicklung der »Kunst des Meuchelmordes« in den britischen Tageszeitungen aufmerksam verfolgt. Dort war die Rede von Handgranatenlagern in Dörfern, von Steinhaufen auf den Feldern gegen deutsche Luftlandungen, von Dynamit, mit dem deutsche Soldaten heimtückisch in die Luft gesprengt werden sollten. Jeder Bauer ein Soldat, jede Reiterin eine Amazone, war die Devise der britischen Heimatverteidigung.
Die deutschen Kommentare dazu sprechen für sich selbst, wie der folgende: »Aus der Verkennung echten Soldatentums stammt der Ungeist, in dessen Zeichen der Kriegsminister Eden zum Heckenschützenkrieg aufrief. Es ist die Ausgeburt eines hemmungslosen Vernichtungswillen des Gegners, zu dessen Beseitigung jedes Mittel recht und jede Waffe wert ist... und so kennt er in seinen Rechtsbrüchen, Roheiten und Mordaktionen keine Grenzen und erwartet, daß »Our Lord« selbst den Heckenschützenkrieg segnet... hier fällt die Hülle der christlichen Zivilisation.«
Den Deutschen war die wichtige Rolle nicht entgangen, die ehemalige kommunistische Spanienkämpfer bei der Home Guard spielten; sie sprachen von Machenschaften der Rotgardisten und von Mordgesindel. Gemeint war in der Hauptsache Tom Wintringham, der mililitärische Mitarbeiter des »Daily Mirror« und ehemalige rote Spanierkämpfer, der seinen Landsleuten den roten Bandenkrieg beibrachte.

Wintringham in Spanien unter Hammer und Sichel knieend - da kann man sich gut vorstellen, welch roter Wind durch die Home Guards wehte... Da hätte es für die englische Zivilbevölkerung ein böses Erwachen gegeben!

machte skurille Witze über die Home Guard: Lord Haw Haw
In den nach Großbritannien aus strahlten Rundfunksendungen des Reichspropagandaministeriums machte sich »Lord Haw-Haw«, ein Amerikaner irischer Abstammung, über die Home Guard lustig. Er zitierte Leserbriefe aus den Tageszeitungen, in denen die seltsamsten Vorschläge gemacht wurden, wie den deutschen Fallschirmspringern zu begegnen sei. Zum Beispiel hatte jemand im »Daily Mirror« geraten, unter den Sätteln absichtlich stehengelassener Fahrräder Miniaturnähmaschinen anzubringen, mit denen deutsche Soldaten beim Losfahren automatisch ihre Hose am Sattel festnähen würden. Ein anderer schlug vor, die Home Guard mit Lassos auszurüsten, denn das sei die beste Methode, einen Fallschirmjäger zu fangen - auch Bumerangs waren als Waffe im Gespräch.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.02.09 19:13 ]
Die Resonanz war überwältigend. Noch während Eden sprach. machten sich die ersten Freiwilligen auf den Weg. In Gillingham, Cranbrook und Folkestone, wie in vielen anderen Gemeinden der Inseln, ließen sie ihr Bier in den Pubs stehen, um nicht zu spät zu kommen. Die Polizeidienststellen waren nicht informiert worden, an die zuständige Dienststelle denkt man in solchen Fällen gewöhnlich nicht, und Fragebögen für die nötigen Angaben waren auch nicht vorhanden. Die verblüfften Polizisten ließen sich jedoch nicht aus der Fassung bringen und notierten bis lange nach Mitternacht Namen und Anschriften.

man wollte erstmal dabei sein - doch Waffen waren so gut wie nicht vorhanden
Am nächsten Morgen setzte ein regelrechter Sturm auf die Polizeireviere ein. In Oxford standen Professoren, Studenten, Geschäftsleute und Arbeiter gemeinsam schon um 6.30 Uhr morgens Schlange, in Canterbury trug sich die Oberstufe der King's School geschlossen ein. Noch nie wurden so viele falsche Geburtsdaten in Listen einge tragen wie jetzt: alte Männer machten sich zehn, zwanzig Jahre jünger, junge Burschen um zwei oder drei Jahre älter - so leicht ließ sich das nicht nachprüfen, da es in Großbritannien kein polizeiliches Melderegister gibt. Innerhalb der ersten vierundzwanzig Stunden nach Edens Rede hatten sich in England, Wales und Schottland sowie in Nordirland mehr als eine Viertelmillion Männer eintragen lassen.

Feldmarschall Sir Edmund Ironside
Die Home Guard (wie die L. D. V. später genannt wurde) wurde dem Befehlshaber der Home Forces, zuerst Feldmarschall Sir Edmund Ironside, dann General Sir Walter Kirke, unterstellt und streng militärisch gegliedert: in Regimenter (Zonen), Bataillone, Kompanien und Züge. Waffen waren für die neugegründete Streitmacht nicht vorhanden, und es blieb jedem einzelnen »Parashot«, wie sich bald nannten, überlassen, das Problem für sich selbst zu lösen.
Als Truppenführer wurden erfahrene, gediente Offiziere eingesetzt, wobei es vorkam, daß ein Generalleutnant a. D. als Major, ein Oberst a. D. als Hauptmann oder Leutnant Dienst tun mußte. In größter Eile wurden Hunderttausende von Aufnahmeformularen gedruckt und auf schnellstem Weg mit Lastwagen auch in die entlegensten Polizeireviere gebracht. Die Formalitäten wurden vor Ort erledigt, so daß Einheiten oft innerhalb weniger Stunden aufgestellt wurden. Den Bürokraten gab man keine Chance, denn zu groß war die Gefahr, daß plötzlich Tausende schwerbewaffneter Feinde vom Himmel fielen.
Allein in London bildeten sich in diesen Tagen sechzig Bataillone der Home Guard. In der City, in Wohn- und Geschäftshäusern, in den Fabriken und Docks sah man nun Gruppen von Zivilisten, die mit Stöcken, alten Gewehren und Säbeln bewaffnet Streife gingen und Ausweise kontrollierten oder stundenlang in den Himmel starrten.
In der Fleet Street hatten sich Setzer und Drucker zu einem Bataillon zusammengetan. Zum Westminster Bataillon, in dem Generalität und Hochadel den Ton angaben, gehörte auch ein Zug des Buckingham Palastes mit den Beamten des Hofes. Die City hatte ihr eigenes Bataillon, wie die beiden Häuser des Parlaments, die Gaswerke, die BBC, die Müllabfuhr und die Taxifahrer. Auf einer 125 Meilen langen Strecke patrouillierte ein Flußbataillon, das die Eigner der auf der Themse liegenden privaten Motor- und Hausboote gebildet hatten.
Sogar unter den in London lebenden Amerikanern war eine Abteilung der Home Guard entstanden. Sie nannte sich » American Squadron«, war sechzig bis siebzig Mann stark und stand unter dem Befehl von General Wade H. Hayes. Ihre Aufstellung rief das Außenministerium auf den Plan: Wenn die Angehörigen einer neutralen Macht auf den Britischen Inseln ein bewaffnetes Kontingent stellten, konnte man dieses Recht anderen neutralen Mächten kaum vorenthalten und in England gab es unter anderem auch eine beträchtliche Anzahl von Japanern. Diese Bedenken erwiesen sich jedoch als gegenstandslos. Nicht so die des amerikanischen Botschafters Joseph Kennedy, dem die Sache ganz und gar mißfiel: »Das kann dazu führen, daß bei einer Besetzung Londons alle dort lebenden U. S. Bürger als Franktireurs erschossen werden!«
Ähnliche Bedenken hatten auch einige Lord-lieutenants (entspricht etwa dem deutschen Regierungspräsidenten)verschiedener Grafschaften über die Home Guard geäußert. Nach der Haager Landkriegsordnung mußten Freischärler ein Abzeichen haben, ihre Waffen offen tragen und unter einer verantwortlichen Führung stehen. Whitehall reagierte darauf sofort, verschrieb den »Parashots«, Armbinden mit den Buchstaben L. D. V. und begann gleichzeitig mit der Uniformierung der Einheiten: Drillich, Overalls und khaki Käppis.
Das hielt die deutsche Presse nicht davon ab, sich auf das gefundene Fressen zu stürzen: »Unter keinen Umständen kann es einem Staat erlaubt sein, Zivilisten unter irgendeinem Vorwand oder irgendeiner Tarnung dem Feind mit der Waffe entgegenzustellen. Wer es wie die Regierung Churchill-Eden unternimmt, die Bevölkerung seines eigenen Landes zu solchen völkerrechtlich verbotenen, militärisch zwecklosen und für jeden Einzelnen gefährlichen Kampfmethoden aufzureizen, versündigt sich an seinem Volk und damit an seinem Vaterland. Eine solche unverantwortliche Handlungsweise der Regierung ist Ausdruck einer Hysterie, die aus dem Gefühl der militärischen Schwäche zu jeder Mordmethode ihre Zuflucht nimmt.«
Die Auswertungsabteilung Feindpresse in Goebbels' Propagandaministerium hatte die Entwicklung der »Kunst des Meuchelmordes« in den britischen Tageszeitungen aufmerksam verfolgt. Dort war die Rede von Handgranatenlagern in Dörfern, von Steinhaufen auf den Feldern gegen deutsche Luftlandungen, von Dynamit, mit dem deutsche Soldaten heimtückisch in die Luft gesprengt werden sollten. Jeder Bauer ein Soldat, jede Reiterin eine Amazone, war die Devise der britischen Heimatverteidigung.
Die deutschen Kommentare dazu sprechen für sich selbst, wie der folgende: »Aus der Verkennung echten Soldatentums stammt der Ungeist, in dessen Zeichen der Kriegsminister Eden zum Heckenschützenkrieg aufrief. Es ist die Ausgeburt eines hemmungslosen Vernichtungswillen des Gegners, zu dessen Beseitigung jedes Mittel recht und jede Waffe wert ist... und so kennt er in seinen Rechtsbrüchen, Roheiten und Mordaktionen keine Grenzen und erwartet, daß »Our Lord« selbst den Heckenschützenkrieg segnet... hier fällt die Hülle der christlichen Zivilisation.«
Den Deutschen war die wichtige Rolle nicht entgangen, die ehemalige kommunistische Spanienkämpfer bei der Home Guard spielten; sie sprachen von Machenschaften der Rotgardisten und von Mordgesindel. Gemeint war in der Hauptsache Tom Wintringham, der mililitärische Mitarbeiter des »Daily Mirror« und ehemalige rote Spanierkämpfer, der seinen Landsleuten den roten Bandenkrieg beibrachte.

Wintringham in Spanien unter Hammer und Sichel knieend - da kann man sich gut vorstellen, welch roter Wind durch die Home Guards wehte... Da hätte es für die englische Zivilbevölkerung ein böses Erwachen gegeben!

machte skurille Witze über die Home Guard: Lord Haw Haw
In den nach Großbritannien aus strahlten Rundfunksendungen des Reichspropagandaministeriums machte sich »Lord Haw-Haw«, ein Amerikaner irischer Abstammung, über die Home Guard lustig. Er zitierte Leserbriefe aus den Tageszeitungen, in denen die seltsamsten Vorschläge gemacht wurden, wie den deutschen Fallschirmspringern zu begegnen sei. Zum Beispiel hatte jemand im »Daily Mirror« geraten, unter den Sätteln absichtlich stehengelassener Fahrräder Miniaturnähmaschinen anzubringen, mit denen deutsche Soldaten beim Losfahren automatisch ihre Hose am Sattel festnähen würden. Ein anderer schlug vor, die Home Guard mit Lassos auszurüsten, denn das sei die beste Methode, einen Fallschirmjäger zu fangen - auch Bumerangs waren als Waffe im Gespräch.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 02.02.09 19:13 ]
The Real Blaze
Die Golf-Club Home Guard aus Leeds
Die Reihen der Home Guard schwollen weiter an. Die Inselbewohner wußten nur zu gut um ihre Skurrilität. Für einen Ausländer ist es dabei fast unmöglich zu erkennen, wo der Spaß aufhört und der Ernst beginnt. Zum Beispiel bei der Sache mit dem Golfclub.

Zu den scharfen Home Guard Einsätzen gehörte natürlich auch deutsche Flugzeugwracks zu sichern...
Hatten sich in den Städten die Einheiten der Heimwehr wie von selbst meist aus den Zusammenhängen des Berufslebens in Fabriken, im öffentlichen Dienst oder in Handelshäusern gebildet, so gab es auf dem Land meist nur die Dorfgemeinschaften, in denen der Local Squire, der Grundbesitzer, seine Pächter, Landarbeiter und kleine Geschäftsleute um sich scharte wie zu Napoleons Zeiten. Daneben gab es auch einige Kirchenchöre, Laienbühnen und Vereine, deren Mitglieder sich zur Heimatverteidigung in der paramilitärischen Einheit zusammenschlossen. So auch der Cobble Hall Golf Club in Leeds, der die Landesverteidigung so typisch englisch improvisierte, daß sie sich genausogut in Indien, Burma oder Afrika hätte abspielen können. An Ex-Offizieren war in dem Club kein Mangel. Die stocksteifen, weißhaarigen Herren mit den Schnauzbärten in den vom Whisky geröteten Gesichtern hatten zum Teil schon im Burenkrieg und in China, alle aber im Ersten Weltkrieg gefochten. Keine Frage, daß der Club geschlossen den 2. Zug der Leeds Kompanie bilden würde. Nach drei Tagen des Rekrutierens - die Club-Bar diente als Einberufungslokal - stand der Club, um einige nützliche Nichtmitglieder vermehrt, zum ersten Wachdienst angetreten. Anzug: Golfkleidung, Bewaffung: kräftige Spazierstöcke. Wachlokal war die Club-Halle, geschlafen wurde in den dort herumstehenden Ledersesseln.
Die militärische Aufgabe war klar umrissen: Auf erhöhten Punkten waren Beobachtungsposten zu besetzen, Straßensperren waren zu bemannen und auf Streifengängen im Gelände war nach gelandeten Feinden, Spionen und Angehörigen der Fünften Kolonne zu fahnden. Den Ausdruck Fünfte Kolonne hatten die kommunistische Spanienkämpfer mitgebracht; er umschrieb einen Feind im Innern, von dem man so gut wie keine Vorstellung hatte. Man wußte nur, daß er allgegenwärtig und sehr gefährlich war, er konnte als Verräter oder Saboteur in einem Kirchendiener wie in einem pensionierten Oberst, in einem internierten »feindlichen Ausländer« oder einem Arbeitslosen stecken. Man lebte also gewissermaßen im feindlichen Ausland, jedermann war ein potentieller Feind. Dieses Gefühl kannte man schon vom Leben in den Kolonien, und die Golfspieler von Leeds wußten, wie man sich da verhielt. Wer wollte ihnen jedoch verübeln, daß sie nach einem Streifengang gewöhnlich noch eine Runde Golf spielten?
Zwei Mitglieder brachten ihre Gewehre mit, denn mit einem Spazierstock kann man keinen Spion füsilieren. Leider mußte einer der beiden verwarnt werden, weil er sich auf seinem Beobachtungsposten die Zeit mit Kaninchenjagd vertrieb, statt nach Fallschirmspringern Ausschau zu halten.

Tea Time auf Wache - die Home Guard legte Wert auf Stil und Tradition...
Das Wachlokal wurde in den Tea Room verlegt, wo nun auch Betten aufgestellt wurden. Ein Textilfabrikant, der auch Mitglied des Clubs war, stiftete Matratzen und Decken. Der Trockenraum wurde Waffenkammer. Doch sonst ging das Clubleben weiter wie gewohnt. Eine Symbiose von Heckenschützenkrieg und Golf. Eines Abends machte der Offizier vom Dienst der Leeds Kompanie seine Runde und kam gegen 22.30 Uhr beim 2. Zug vorbei, gerade als eine adrett gekleidete Kellnerin in weißem Spitzenhäubchen und Schürze mit einem Tablett Tee und Sandwiches den Wachraum betrat.
Das sprach sich herum. Die anderen Züge mokierten sich über das Luxusleben dieses Zuges, der einen eigenen Gärtner und Gehilfen hatte, um die Handgranatwurfbahn und die Bajonettpuppen in Ordnung zu halten. »Golfspieler sind ideale Heimatverteidiger, nur manchmal vergessen sie das über dem Golfspiel«, sagte der Zugführer. »Da kommt es schon mal vor, daß einer meldet »Leuchtspur über dem 13. Grün« oder »Scheinwerfer 105 Grad vom 7. Loch!«
Der Golf-Club-Zug hatte solchen Zuspruch, daß bald die ältesten Mitglieder nach Hause geschickt wurden. Manche aber tauchtenten unter den fadenscheinigsten Vorwänden und mit dem Hinweis auf ihre Unentbehrlichkeit immer wieder auf - und es war nicht nur die Bar oder das Bridgespiel, oder das Billard im Spielzimmer, das sie anzog...
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 03.02.09 19:23 ]
Die Reihen der Home Guard schwollen weiter an. Die Inselbewohner wußten nur zu gut um ihre Skurrilität. Für einen Ausländer ist es dabei fast unmöglich zu erkennen, wo der Spaß aufhört und der Ernst beginnt. Zum Beispiel bei der Sache mit dem Golfclub.

Zu den scharfen Home Guard Einsätzen gehörte natürlich auch deutsche Flugzeugwracks zu sichern...
Hatten sich in den Städten die Einheiten der Heimwehr wie von selbst meist aus den Zusammenhängen des Berufslebens in Fabriken, im öffentlichen Dienst oder in Handelshäusern gebildet, so gab es auf dem Land meist nur die Dorfgemeinschaften, in denen der Local Squire, der Grundbesitzer, seine Pächter, Landarbeiter und kleine Geschäftsleute um sich scharte wie zu Napoleons Zeiten. Daneben gab es auch einige Kirchenchöre, Laienbühnen und Vereine, deren Mitglieder sich zur Heimatverteidigung in der paramilitärischen Einheit zusammenschlossen. So auch der Cobble Hall Golf Club in Leeds, der die Landesverteidigung so typisch englisch improvisierte, daß sie sich genausogut in Indien, Burma oder Afrika hätte abspielen können. An Ex-Offizieren war in dem Club kein Mangel. Die stocksteifen, weißhaarigen Herren mit den Schnauzbärten in den vom Whisky geröteten Gesichtern hatten zum Teil schon im Burenkrieg und in China, alle aber im Ersten Weltkrieg gefochten. Keine Frage, daß der Club geschlossen den 2. Zug der Leeds Kompanie bilden würde. Nach drei Tagen des Rekrutierens - die Club-Bar diente als Einberufungslokal - stand der Club, um einige nützliche Nichtmitglieder vermehrt, zum ersten Wachdienst angetreten. Anzug: Golfkleidung, Bewaffung: kräftige Spazierstöcke. Wachlokal war die Club-Halle, geschlafen wurde in den dort herumstehenden Ledersesseln.
Die militärische Aufgabe war klar umrissen: Auf erhöhten Punkten waren Beobachtungsposten zu besetzen, Straßensperren waren zu bemannen und auf Streifengängen im Gelände war nach gelandeten Feinden, Spionen und Angehörigen der Fünften Kolonne zu fahnden. Den Ausdruck Fünfte Kolonne hatten die kommunistische Spanienkämpfer mitgebracht; er umschrieb einen Feind im Innern, von dem man so gut wie keine Vorstellung hatte. Man wußte nur, daß er allgegenwärtig und sehr gefährlich war, er konnte als Verräter oder Saboteur in einem Kirchendiener wie in einem pensionierten Oberst, in einem internierten »feindlichen Ausländer« oder einem Arbeitslosen stecken. Man lebte also gewissermaßen im feindlichen Ausland, jedermann war ein potentieller Feind. Dieses Gefühl kannte man schon vom Leben in den Kolonien, und die Golfspieler von Leeds wußten, wie man sich da verhielt. Wer wollte ihnen jedoch verübeln, daß sie nach einem Streifengang gewöhnlich noch eine Runde Golf spielten?
Zwei Mitglieder brachten ihre Gewehre mit, denn mit einem Spazierstock kann man keinen Spion füsilieren. Leider mußte einer der beiden verwarnt werden, weil er sich auf seinem Beobachtungsposten die Zeit mit Kaninchenjagd vertrieb, statt nach Fallschirmspringern Ausschau zu halten.

Tea Time auf Wache - die Home Guard legte Wert auf Stil und Tradition...
Das Wachlokal wurde in den Tea Room verlegt, wo nun auch Betten aufgestellt wurden. Ein Textilfabrikant, der auch Mitglied des Clubs war, stiftete Matratzen und Decken. Der Trockenraum wurde Waffenkammer. Doch sonst ging das Clubleben weiter wie gewohnt. Eine Symbiose von Heckenschützenkrieg und Golf. Eines Abends machte der Offizier vom Dienst der Leeds Kompanie seine Runde und kam gegen 22.30 Uhr beim 2. Zug vorbei, gerade als eine adrett gekleidete Kellnerin in weißem Spitzenhäubchen und Schürze mit einem Tablett Tee und Sandwiches den Wachraum betrat.
Das sprach sich herum. Die anderen Züge mokierten sich über das Luxusleben dieses Zuges, der einen eigenen Gärtner und Gehilfen hatte, um die Handgranatwurfbahn und die Bajonettpuppen in Ordnung zu halten. »Golfspieler sind ideale Heimatverteidiger, nur manchmal vergessen sie das über dem Golfspiel«, sagte der Zugführer. »Da kommt es schon mal vor, daß einer meldet »Leuchtspur über dem 13. Grün« oder »Scheinwerfer 105 Grad vom 7. Loch!«
Der Golf-Club-Zug hatte solchen Zuspruch, daß bald die ältesten Mitglieder nach Hause geschickt wurden. Manche aber tauchtenten unter den fadenscheinigsten Vorwänden und mit dem Hinweis auf ihre Unentbehrlichkeit immer wieder auf - und es war nicht nur die Bar oder das Bridgespiel, oder das Billard im Spielzimmer, das sie anzog...
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 03.02.09 19:23 ]
The Real Blaze
Mehr Schein als Sein - Home Guards nerven Engländer

die Home Guard nervte bald England mit Sinnloskontrollen und oder gar erschossenen Spaziergängern, die sich angeblich verdächtig bewegt hätten..
Zur Home Guard zu gehören bedeutete auch, gewisse Machtbefugnisse gegenüber Mitbürgern zu haben. Ob aus übersteigerten Geltungsbedürfnis oder aus übertriebenem Pflichtbewußtsein, zeigten sich die Männer der Home Guard nicht zimperlich, wenn es darum ging, verdächtige Personen zu kontrollieren. Nach der Devise: »Auch in einer Bobbyuniform kann ein Spion stecken« hielten sie Polizeistreifen an und verlangten deren Ausweise zu sehen. Das führte zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Innenministerium und dem Ministerium für Landessicherheit, die zum Erfolg hatte, daß sich die Polizisten von nun an die Ausweise der Home Guard zeigen ließen.
Als König Georg VI. eine Munitionsfabrik in Südengland besuchte, brachte es ein Mann der Home Guard des Werkes fertig, den Wagen des Königs anzuhalten, um sich die Ausweise zeigen zu lassen. Erst als ihm ein Adjutant erlaubte, einen Blick ins Wageninnere zu werfen, salutierte der Übereifrige und gab den Weg frei.
Schlimm wurde es jedoch, wenn Patrouillen an den Straßensperren oder im Gelände anfingen zu schießen, weil ihnen etwas verdächtig vorkam. Zu oft geschah es, daß harmlose Leute, die sich im Gelände, in einem Fall sogar im eigenen Garten, »verdächtig bewegten«, oder mit ihrem Fahrzeug in Unkenntnis einer Sperre oder aus Angst weiterfuhren, kurzerhand erschossen wurden. In einer Nacht ereigneten sich allein vier solcher Fälle.
Ein Arzt in Kent sagte von der Heimwehr, was viele dachten: sie sei eher von Übel als von Nutzen. Er war eines Nachts um 1.00 Uhr zu einem Hausbesuch in das Internat von Bennenden gerufen worden, das nur drei Meilen von seiner Wohnung entfernt lag. Auf halbem Weg hielt ein ziemlich verwildert aussehender und eine Muskete schwingender Jüngling seinen Wagen an. Der Doktor bekam es mit der Angst zu tun und schrie den Jungen an: »Um Himmels willen, leg' das verdammte Ding weg! Du wirst noch einen von uns erschießen!« Eingeschüchtert folgte der Junge der Aufforderung und legte das Mordinstrument behutsam vor sich auf die Erde. Er verlangte nach den Papieren. Unbekümmert stellte er sich dann vor den Kühler und studierte im schwachen Lichtstrahl des verdunkelten Scheinwerfers die Ausweise des Arztes. Der Motor lief noch. Eine kleine Fußbewegung hätte den »Posten« ins Jenseits befördern können. »Wenn ich ein Deutscher wäre, wärst du nicht mehr am Leben!« sagte der Arzt, als er seine Papiere zurückerhielt. Er verzichtete jedoch auf eine nähere Erklärung, da der Lauf der Muskete sich seinem Gesicht schon wieder bedrohlich näherte, und fuhr schleunigst davon.
Die Home Guard war bei der Bevölkerung nicht populär. Bisweilen wurden ihre Leute ausgelacht, weil sie in Ermangelung von Gewehren mit Besenstielen exerzieren mußten oder weil sie selber Opfer der Fallschirmhysterie wurden. Allzuoft wurde falscher Alarm gegeben und eine große Suchaktion eingeleitet, weil die Phantasie mit den Wächtern durchgegangen war. Da hatte eine Streife im nächtlichen Dunst des Frühsommers das Stampfen weidenden Viehs für den Aufschlag landender Fallschirmspringer gehalten; da hatte ein Pfarrer in einer mondhellen Nacht einen landenden Schwan für einen Fallschirm angesehen oder war ein Home-Guard-Mann durch einen vom Himmel treibenden Fetzen eines Sperrballons genarrt worden.
Für die Phantastereien konnte man die Home Guard kaum verantwortlich machen. Sie waren Ausdruck der Inselfurcht, von der auch die Inhaber höchster Ämter nicht frei waren. Sir Edmund Ironside, der Befehlshaber der Heimatstreitkräfte, verstieg sich in einer Konferenz von Kommandeuren der Home Guard zu der Behauptung: »Wir haben definitive Beweise, daß es in diesem Land Leute gibt, die Landeplätze für den Feind vorbereiten.« Der kommandierende Admiral von Dover, Sir Bertram Ramsey, entdeckte »zahlreiche Anzeichen von Sabotageakten und Fünfte-Kolonne-Aktivitäten«, unter anderem, daß »Gebrauchtwagen zu Phantasiepreisen aufgekauft und auf verschiedenen Parkplätzen abgestellt« waren.

die Home Guard in einer "Vorgartenstellung" beim theatralischen Manöver
Die Beute der Parashots waren in der Regel harmlose Vogelfreunde, die mit dem Feldstecher Vögel beobachteten, Urlauber, die als Hobbymaler Landschaften skizzierten, Flugzeugnarren, die um Flugplätze herumlungerten, oder Liebespaare, die im hohen Gras geortet wurden.
Für die Briten, theaterbesessen wie kaum eine andere Nation, hatte die erste Phase der Invasionsdrohung den Charakter eines patriotischen Melodrams. Jeder versuchte sich ein eigenes, bewegtes Bild von der Invasion zu machen. Nichts war vor der schwarzen Phantasie der Briten sicher - von der Verkleidung der Fallschirmspringer bis hin zu jener Französin, die mit ihren beiden kleinen Kindern über den Kanal geflüchtet war: Als sie an der Küste eintraf, hielt sie an einer Hand ein kleines Kind, mit der anderen umkrampfte sie eine angeblich tote Kinderhand - deutsche Bomber hätten ihr das Kind von der Seite gerissen und dabei seinen Arm abgetrennt...
In dieser Stimmung gaben die Briten sogar geheiligte Vorrechte auf, Opfer, die sie auf dem Altar des Vaterlandes brachten: Willig ließen sie sich in Listen eintragen, was sie sonst nie taten, folgten ohne Murren den Anweisungen der Obrigkeit und trugen sogar den jedem Briten verhaßten Personalausweis stets bei sich. Quer durch die Blumenbeete und gepflegten Rasenflächen ihrer geliebten Gärten hoben sie Gräbenund Unterstände aus. Sie gaben ihre Aluminiumkochtöpfe für die Flugzeugproduktion, demontierten die Eisengitter ihrer Vorgärten und strichen die polierten Kotflügel und die Stoßstangen ihrer Autos mit weißer Ölfarbe an. Als die eigentliche Invasionszeit begann, waren sie zumindest moralisch gerüstet...
[...]

die Home Guard nervte bald England mit Sinnloskontrollen und oder gar erschossenen Spaziergängern, die sich angeblich verdächtig bewegt hätten..
Zur Home Guard zu gehören bedeutete auch, gewisse Machtbefugnisse gegenüber Mitbürgern zu haben. Ob aus übersteigerten Geltungsbedürfnis oder aus übertriebenem Pflichtbewußtsein, zeigten sich die Männer der Home Guard nicht zimperlich, wenn es darum ging, verdächtige Personen zu kontrollieren. Nach der Devise: »Auch in einer Bobbyuniform kann ein Spion stecken« hielten sie Polizeistreifen an und verlangten deren Ausweise zu sehen. Das führte zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Innenministerium und dem Ministerium für Landessicherheit, die zum Erfolg hatte, daß sich die Polizisten von nun an die Ausweise der Home Guard zeigen ließen.
Als König Georg VI. eine Munitionsfabrik in Südengland besuchte, brachte es ein Mann der Home Guard des Werkes fertig, den Wagen des Königs anzuhalten, um sich die Ausweise zeigen zu lassen. Erst als ihm ein Adjutant erlaubte, einen Blick ins Wageninnere zu werfen, salutierte der Übereifrige und gab den Weg frei.
Schlimm wurde es jedoch, wenn Patrouillen an den Straßensperren oder im Gelände anfingen zu schießen, weil ihnen etwas verdächtig vorkam. Zu oft geschah es, daß harmlose Leute, die sich im Gelände, in einem Fall sogar im eigenen Garten, »verdächtig bewegten«, oder mit ihrem Fahrzeug in Unkenntnis einer Sperre oder aus Angst weiterfuhren, kurzerhand erschossen wurden. In einer Nacht ereigneten sich allein vier solcher Fälle.
Ein Arzt in Kent sagte von der Heimwehr, was viele dachten: sie sei eher von Übel als von Nutzen. Er war eines Nachts um 1.00 Uhr zu einem Hausbesuch in das Internat von Bennenden gerufen worden, das nur drei Meilen von seiner Wohnung entfernt lag. Auf halbem Weg hielt ein ziemlich verwildert aussehender und eine Muskete schwingender Jüngling seinen Wagen an. Der Doktor bekam es mit der Angst zu tun und schrie den Jungen an: »Um Himmels willen, leg' das verdammte Ding weg! Du wirst noch einen von uns erschießen!« Eingeschüchtert folgte der Junge der Aufforderung und legte das Mordinstrument behutsam vor sich auf die Erde. Er verlangte nach den Papieren. Unbekümmert stellte er sich dann vor den Kühler und studierte im schwachen Lichtstrahl des verdunkelten Scheinwerfers die Ausweise des Arztes. Der Motor lief noch. Eine kleine Fußbewegung hätte den »Posten« ins Jenseits befördern können. »Wenn ich ein Deutscher wäre, wärst du nicht mehr am Leben!« sagte der Arzt, als er seine Papiere zurückerhielt. Er verzichtete jedoch auf eine nähere Erklärung, da der Lauf der Muskete sich seinem Gesicht schon wieder bedrohlich näherte, und fuhr schleunigst davon.
Die Home Guard war bei der Bevölkerung nicht populär. Bisweilen wurden ihre Leute ausgelacht, weil sie in Ermangelung von Gewehren mit Besenstielen exerzieren mußten oder weil sie selber Opfer der Fallschirmhysterie wurden. Allzuoft wurde falscher Alarm gegeben und eine große Suchaktion eingeleitet, weil die Phantasie mit den Wächtern durchgegangen war. Da hatte eine Streife im nächtlichen Dunst des Frühsommers das Stampfen weidenden Viehs für den Aufschlag landender Fallschirmspringer gehalten; da hatte ein Pfarrer in einer mondhellen Nacht einen landenden Schwan für einen Fallschirm angesehen oder war ein Home-Guard-Mann durch einen vom Himmel treibenden Fetzen eines Sperrballons genarrt worden.
Für die Phantastereien konnte man die Home Guard kaum verantwortlich machen. Sie waren Ausdruck der Inselfurcht, von der auch die Inhaber höchster Ämter nicht frei waren. Sir Edmund Ironside, der Befehlshaber der Heimatstreitkräfte, verstieg sich in einer Konferenz von Kommandeuren der Home Guard zu der Behauptung: »Wir haben definitive Beweise, daß es in diesem Land Leute gibt, die Landeplätze für den Feind vorbereiten.« Der kommandierende Admiral von Dover, Sir Bertram Ramsey, entdeckte »zahlreiche Anzeichen von Sabotageakten und Fünfte-Kolonne-Aktivitäten«, unter anderem, daß »Gebrauchtwagen zu Phantasiepreisen aufgekauft und auf verschiedenen Parkplätzen abgestellt« waren.

die Home Guard in einer "Vorgartenstellung" beim theatralischen Manöver
Die Beute der Parashots waren in der Regel harmlose Vogelfreunde, die mit dem Feldstecher Vögel beobachteten, Urlauber, die als Hobbymaler Landschaften skizzierten, Flugzeugnarren, die um Flugplätze herumlungerten, oder Liebespaare, die im hohen Gras geortet wurden.
Für die Briten, theaterbesessen wie kaum eine andere Nation, hatte die erste Phase der Invasionsdrohung den Charakter eines patriotischen Melodrams. Jeder versuchte sich ein eigenes, bewegtes Bild von der Invasion zu machen. Nichts war vor der schwarzen Phantasie der Briten sicher - von der Verkleidung der Fallschirmspringer bis hin zu jener Französin, die mit ihren beiden kleinen Kindern über den Kanal geflüchtet war: Als sie an der Küste eintraf, hielt sie an einer Hand ein kleines Kind, mit der anderen umkrampfte sie eine angeblich tote Kinderhand - deutsche Bomber hätten ihr das Kind von der Seite gerissen und dabei seinen Arm abgetrennt...
In dieser Stimmung gaben die Briten sogar geheiligte Vorrechte auf, Opfer, die sie auf dem Altar des Vaterlandes brachten: Willig ließen sie sich in Listen eintragen, was sie sonst nie taten, folgten ohne Murren den Anweisungen der Obrigkeit und trugen sogar den jedem Briten verhaßten Personalausweis stets bei sich. Quer durch die Blumenbeete und gepflegten Rasenflächen ihrer geliebten Gärten hoben sie Gräbenund Unterstände aus. Sie gaben ihre Aluminiumkochtöpfe für die Flugzeugproduktion, demontierten die Eisengitter ihrer Vorgärten und strichen die polierten Kotflügel und die Stoßstangen ihrer Autos mit weißer Ölfarbe an. Als die eigentliche Invasionszeit begann, waren sie zumindest moralisch gerüstet...
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The Real Blaze
Schon lange vor Kriegsausbruch geplant - wer deutsch war wird eingesperrt !
Britische Hassmärchen über deutsche Fallschirmjäger

schon lange vor dem Krieg geplant: die Internierung von feindlichen Ausländern, womit mindestens sämtliche Deutsche gemeint waren!
Die Anwesenheit Tausender »enemy aliens« das waren feindlicher Ausländer, in der Mehrzahl jüdische und andere Flüchtlinge aus dem Reich, erwies sich als Störfaktor bei den Verteidigungsanstrengungen der Briten. Das glaubte jedenfalls eine große Anzahl konservativer Politiker, die auch die Spionageangst und die Furcht vor der Fünften Kolonne schürten. So war schon lange vor Kriegsausbruch die Internierung »unzuverlässiger Elemente« geplant und ab September 1939 durchgeführt worden. Dabei sollten sowohl nationalgesinnte Deutsche und Österreicher zusammen mit Flüchtlingen vor dem NS-Staat in die gleichen Lager gesperrt werden!
Faktisch muß man deshalb von einen langfristig angelegten britischen Kriegsplan sprechen, der unabhängig der deutsch-polnischen Krise bereits beschlossen wurde. Der Feind war das deutsche Volk - es spielte keinerlei Rolle was man politisch darstellte. Ob deutsche Kommunisten, deutsche Juden oder Nationalsozialisten - sie waren alle feindliche Ausländer! Und weil sie alle Deutsche waren, sollten sie auch in gemeinsame Konzentrationslager gesperrt werden. Bereits hier konnte man den Charakter erkennen, was britischerseits bekämpft werden sollte: Keinerlei Ideologie oder Konfession, sondern nur der deutsche Volksangehörige!
Das Los der Flüchtlinge, besonders der Juden, hatte die Öffentlichkeit nicht berührt, obwoh manl brennende Synagogen während der Reichskristallnacht gesehen hatte, oder Deportationsbilder während des Anschlußes Österreichs und im besiegten Polen.
Das britische Innenministerium hatte aber am Anfang Unterschiede gemacht und die feindlichen Ausländer sorgsam in drei Kategorien eingeteilt.
In die Kategorie A fielen Deutsche und Österreicher, von denen zu erwarten war, daß sie ihrem eigenen Land (sie!) helfen oder die Verteidigungsanstrengungen auf der Insel behindern würden. Diese Kategorie war in Konzentrationslager zu internieren.
Kategorie C umfaßte alle Flüchtlinge, die Deutschland aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen hatten verlassen müssen. Außerdem fielen in diese Kategorie auch solche, die schon längere Zeit in Großbritannien lebten und sich mit diesem Land identifizierten, wenn sie einen guten Leumund und ihre Loyalität glaubhaft nachweisen konnten. Sie sollten in Freiheit bleiben und so weiterleben können wie bisher.
Wer nicht in Kategorie A oder C fiel, kam automatisch in die Kategorie B und mußte sich einschneidende Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit gefallen lassen, d. h. diese Ausländer durften sich zum Beispiel nicht weiter als fünf Meilen von ihrem Wohnsitz entfernen, durften keine Kameras ode Landkarten besitzen und mußten sich regelmäßig bei der Polizei melden.
In England, Schottland und Wales wurden 120 tribunals eingerichtet, die jeden einzelnen Fall zu beurteilen und die Zuweisung zu einer der drei Kategorien vorzunehmen hatten, ähnlich den Spruchkammern, die der Entnazifizierung im Nachkriegsdeutschland dienten. Die Vorsitzenden waren jeweils Richter, Anwälte oder Friedensrichter, die Beisitzer kamen zumeist aus den Gemeinderäten. Insgesamt wurden 73 800 Fälle vor diesen Kammern verhandelt. Etwa 64 200 Personen wurden der Kategorie C zugeteilt, so daß am Anfang nur einige Tausend interniert, d. h. in schnell improvisierten Lagern gefangengehalten wurden.
Mit Beginn des deutschen Westfeldzuges verschärfte sich die Situation schlagartig. Die überraschenden Aktionen der deutschen Fallschirmjäger und Luftlandetruppen in Holland, der schnelle Vorstoß der deutschen Panzerdivisionen und das Zusammenbrechen jeglichen Widerstandes auf dem Kontinent nährten in England die Angst vor einer Invasion und vor der Fünften Kolonne.

erfand widerliche Schauermärchen über deutsche Fallschirmjäger: Sir Campbell Stuart
Aus Unterhaltungen mit den holländischen Flüchtlingen, unter denen sich Angehörige der holländischen Regierung befanden, bildete sich zum Beispiel der Direktor der Propaganda in feindlichen Ländern, Sir Campbell Stuart, eine groteske und furchterregende Vorstellung von der Besetzung Hollands, die ihren Niederschlag in einer weitverbreiteten erlogenen Hetzschrift fand. Darin hieß es, daß die deutschen Fallschirmtruppen allein 35 000 bis 40 000 holländische Soldaten getötet hätten; sie seien in den mannigfachsten Verkleidungen vom Himmel gefallen - in holländischen. belgischen, französischen und britischen Uniformen, als gewöhnliche Zivilisten, als Priester, als Schuljungen, die »teilweise als Mädchen verkleidet waren«. Alle hatten automatische Waffen und Handgranaten bei sich und verteilten giftige Zigaretten und Schokolade an vorbeiziehende Truppen und Zivilisten.

Sir Neville Bland erfand das deutsch- jüdische Terrordienstmädchen - präfentiv sollten deshalb sämtliche Deutsche eingesperrt werden - natürlich auch jene aus der Ostmark!
Sir Neville Bland, der britische Botschafter in Den Haag, der mit anderen Flüchtlingen aus Holland auf einem britischen Zerstörer die englische Küste am 14. Mai erreichte, berichtete Lord Halifax von seinen Erfahrungen und entwarf ebenfalls ein Schauergemälde von der Überwältigung der Niederlande durch die Deutschen, wobei sich kämpfende Truppen und Fünfte Kolonne eindrucksvoll vermischten: »Die Fallschirmjäger sind Jungen von sechzehn bis achtzehn Jahren, die, durch und durch von Hitlers Ideengut durchtränkt. nichts anderes im Sinn haben als so viel Tod und Verderben zu bringen wie sie können, ehe sie selbst getötet werden. Sie landeten auf Dächern, im offenen Gelände, sogar in privaten Gärten.«
Nach Sir Neville Bland kannten sie sich in Holland sehr gut aus und wußten, wo welche Einheiten der holländischen Armee lagen und wo sich ihre. Flugplätze befanden. Woher? Von den Holländern selbst, die sich vor ihrem deutschen oder österreichischen Hauspersonal oder ihren Angestellten nicht in acht genommen hatten.
»Das armseligste Küchenmädchen«, behauptete er, »kann nicht nur eine Bedrohung der Sicherheit unseres Landes sein, sondern gewöhnlich ist sie es auch.« Gemeint waren damit auch die vielen ärmeren jüdischen Flüchtlingsfrauen und -mädchen, die in englischen Haushalten als Dienstpersonen untergekommen waren.
Bland schloß daraus, daß in dem Augenblick, in dem Hitler das Signal dazu geben würde, die »Vasallen des Ungeheuers «im ganzen Land eine Welle von Sabotageakten gegen zivile und militärische Anlagen auslösen würden, und er forderte: »Alle Deutschen und Österreicher sollten sofort mindestens interniert werden.«
Man mag in Rechnung stellen, daß Bland, wie die geflüchteten Holländer, eventuell unter einem Schock standen; er hatte deutsche Fallschirmjäger leibhaftig gesehen, ihre Schüsse gehört, und der Zerstörer, der ihn zurückbrachte, war mehrmals von Maschinen der deutschen Luftwaffe angegriffen worden. Aber seine übertriebenen Schilderungen fielen auf fruchtbaren Boden. Von rechts und links wurden die »feindlichen Ausländer« allesamt plötzlich als gefährliche Agenten angesehen.
Die extreme Rechte hatte schon lange Stimmung gegen die Ausländer gemacht, sie als Handlanger der kommunistischen Internationale bezeichnet, die der Bolschewisierung Englands Vorschub leisten wollten. In Lord Rothermeres Zeitung »Sunday Dispatch« hatte man im Februar lesen können: Hier ( in Glasgow) gibt es mehr als 2 000 subversive Agenten mit Anweisungen aus Moskau. Sie tarnen sich als Friedensgesellschaften oder aufrichtige Organisationen der Arbeiterklasse. Es ist an der Zeit, daß aufgezeigt wird, wer sie wirklich sind.«
Im April wurde die Zeitung deutlicher: »Der Große Ausländerskandal« lautete die Schlagzeile. Tschechische Kommunisten hatten zwei Millionen Pfund als Unterstützung erhalten und damit Rote Zellen gegründet und kommunistische Broschüren drucken lassen.
Nach Einnahme Hollands durch die deutschen Truppen im Mai ging es jedoch nicht mehr nur um Kommunisten, sondern um alle Deutschen ohne Unterschied. So kam der Nachrichtenstab der Streitkräfte unter Sir William Cavendish-Bentinck nach einer eigenen Analyse der Vorgänge in Holland zu dem Schluß, daß alle feindlichen Ausländer, männliche wie weibliche, zwischen 16 und 70 Jahren interniert werden sollten.
[...]
Britische Hassmärchen über deutsche Fallschirmjäger

schon lange vor dem Krieg geplant: die Internierung von feindlichen Ausländern, womit mindestens sämtliche Deutsche gemeint waren!
Die Anwesenheit Tausender »enemy aliens« das waren feindlicher Ausländer, in der Mehrzahl jüdische und andere Flüchtlinge aus dem Reich, erwies sich als Störfaktor bei den Verteidigungsanstrengungen der Briten. Das glaubte jedenfalls eine große Anzahl konservativer Politiker, die auch die Spionageangst und die Furcht vor der Fünften Kolonne schürten. So war schon lange vor Kriegsausbruch die Internierung »unzuverlässiger Elemente« geplant und ab September 1939 durchgeführt worden. Dabei sollten sowohl nationalgesinnte Deutsche und Österreicher zusammen mit Flüchtlingen vor dem NS-Staat in die gleichen Lager gesperrt werden!
Faktisch muß man deshalb von einen langfristig angelegten britischen Kriegsplan sprechen, der unabhängig der deutsch-polnischen Krise bereits beschlossen wurde. Der Feind war das deutsche Volk - es spielte keinerlei Rolle was man politisch darstellte. Ob deutsche Kommunisten, deutsche Juden oder Nationalsozialisten - sie waren alle feindliche Ausländer! Und weil sie alle Deutsche waren, sollten sie auch in gemeinsame Konzentrationslager gesperrt werden. Bereits hier konnte man den Charakter erkennen, was britischerseits bekämpft werden sollte: Keinerlei Ideologie oder Konfession, sondern nur der deutsche Volksangehörige!
Das Los der Flüchtlinge, besonders der Juden, hatte die Öffentlichkeit nicht berührt, obwoh manl brennende Synagogen während der Reichskristallnacht gesehen hatte, oder Deportationsbilder während des Anschlußes Österreichs und im besiegten Polen.
Das britische Innenministerium hatte aber am Anfang Unterschiede gemacht und die feindlichen Ausländer sorgsam in drei Kategorien eingeteilt.
In die Kategorie A fielen Deutsche und Österreicher, von denen zu erwarten war, daß sie ihrem eigenen Land (sie!) helfen oder die Verteidigungsanstrengungen auf der Insel behindern würden. Diese Kategorie war in Konzentrationslager zu internieren.
Kategorie C umfaßte alle Flüchtlinge, die Deutschland aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen hatten verlassen müssen. Außerdem fielen in diese Kategorie auch solche, die schon längere Zeit in Großbritannien lebten und sich mit diesem Land identifizierten, wenn sie einen guten Leumund und ihre Loyalität glaubhaft nachweisen konnten. Sie sollten in Freiheit bleiben und so weiterleben können wie bisher.
Wer nicht in Kategorie A oder C fiel, kam automatisch in die Kategorie B und mußte sich einschneidende Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit gefallen lassen, d. h. diese Ausländer durften sich zum Beispiel nicht weiter als fünf Meilen von ihrem Wohnsitz entfernen, durften keine Kameras ode Landkarten besitzen und mußten sich regelmäßig bei der Polizei melden.
In England, Schottland und Wales wurden 120 tribunals eingerichtet, die jeden einzelnen Fall zu beurteilen und die Zuweisung zu einer der drei Kategorien vorzunehmen hatten, ähnlich den Spruchkammern, die der Entnazifizierung im Nachkriegsdeutschland dienten. Die Vorsitzenden waren jeweils Richter, Anwälte oder Friedensrichter, die Beisitzer kamen zumeist aus den Gemeinderäten. Insgesamt wurden 73 800 Fälle vor diesen Kammern verhandelt. Etwa 64 200 Personen wurden der Kategorie C zugeteilt, so daß am Anfang nur einige Tausend interniert, d. h. in schnell improvisierten Lagern gefangengehalten wurden.
Mit Beginn des deutschen Westfeldzuges verschärfte sich die Situation schlagartig. Die überraschenden Aktionen der deutschen Fallschirmjäger und Luftlandetruppen in Holland, der schnelle Vorstoß der deutschen Panzerdivisionen und das Zusammenbrechen jeglichen Widerstandes auf dem Kontinent nährten in England die Angst vor einer Invasion und vor der Fünften Kolonne.

erfand widerliche Schauermärchen über deutsche Fallschirmjäger: Sir Campbell Stuart
Aus Unterhaltungen mit den holländischen Flüchtlingen, unter denen sich Angehörige der holländischen Regierung befanden, bildete sich zum Beispiel der Direktor der Propaganda in feindlichen Ländern, Sir Campbell Stuart, eine groteske und furchterregende Vorstellung von der Besetzung Hollands, die ihren Niederschlag in einer weitverbreiteten erlogenen Hetzschrift fand. Darin hieß es, daß die deutschen Fallschirmtruppen allein 35 000 bis 40 000 holländische Soldaten getötet hätten; sie seien in den mannigfachsten Verkleidungen vom Himmel gefallen - in holländischen. belgischen, französischen und britischen Uniformen, als gewöhnliche Zivilisten, als Priester, als Schuljungen, die »teilweise als Mädchen verkleidet waren«. Alle hatten automatische Waffen und Handgranaten bei sich und verteilten giftige Zigaretten und Schokolade an vorbeiziehende Truppen und Zivilisten.

Sir Neville Bland erfand das deutsch- jüdische Terrordienstmädchen - präfentiv sollten deshalb sämtliche Deutsche eingesperrt werden - natürlich auch jene aus der Ostmark!
Sir Neville Bland, der britische Botschafter in Den Haag, der mit anderen Flüchtlingen aus Holland auf einem britischen Zerstörer die englische Küste am 14. Mai erreichte, berichtete Lord Halifax von seinen Erfahrungen und entwarf ebenfalls ein Schauergemälde von der Überwältigung der Niederlande durch die Deutschen, wobei sich kämpfende Truppen und Fünfte Kolonne eindrucksvoll vermischten: »Die Fallschirmjäger sind Jungen von sechzehn bis achtzehn Jahren, die, durch und durch von Hitlers Ideengut durchtränkt. nichts anderes im Sinn haben als so viel Tod und Verderben zu bringen wie sie können, ehe sie selbst getötet werden. Sie landeten auf Dächern, im offenen Gelände, sogar in privaten Gärten.«
Nach Sir Neville Bland kannten sie sich in Holland sehr gut aus und wußten, wo welche Einheiten der holländischen Armee lagen und wo sich ihre. Flugplätze befanden. Woher? Von den Holländern selbst, die sich vor ihrem deutschen oder österreichischen Hauspersonal oder ihren Angestellten nicht in acht genommen hatten.
»Das armseligste Küchenmädchen«, behauptete er, »kann nicht nur eine Bedrohung der Sicherheit unseres Landes sein, sondern gewöhnlich ist sie es auch.« Gemeint waren damit auch die vielen ärmeren jüdischen Flüchtlingsfrauen und -mädchen, die in englischen Haushalten als Dienstpersonen untergekommen waren.
Bland schloß daraus, daß in dem Augenblick, in dem Hitler das Signal dazu geben würde, die »Vasallen des Ungeheuers «im ganzen Land eine Welle von Sabotageakten gegen zivile und militärische Anlagen auslösen würden, und er forderte: »Alle Deutschen und Österreicher sollten sofort mindestens interniert werden.«
Man mag in Rechnung stellen, daß Bland, wie die geflüchteten Holländer, eventuell unter einem Schock standen; er hatte deutsche Fallschirmjäger leibhaftig gesehen, ihre Schüsse gehört, und der Zerstörer, der ihn zurückbrachte, war mehrmals von Maschinen der deutschen Luftwaffe angegriffen worden. Aber seine übertriebenen Schilderungen fielen auf fruchtbaren Boden. Von rechts und links wurden die »feindlichen Ausländer« allesamt plötzlich als gefährliche Agenten angesehen.
Die extreme Rechte hatte schon lange Stimmung gegen die Ausländer gemacht, sie als Handlanger der kommunistischen Internationale bezeichnet, die der Bolschewisierung Englands Vorschub leisten wollten. In Lord Rothermeres Zeitung »Sunday Dispatch« hatte man im Februar lesen können: Hier ( in Glasgow) gibt es mehr als 2 000 subversive Agenten mit Anweisungen aus Moskau. Sie tarnen sich als Friedensgesellschaften oder aufrichtige Organisationen der Arbeiterklasse. Es ist an der Zeit, daß aufgezeigt wird, wer sie wirklich sind.«
Im April wurde die Zeitung deutlicher: »Der Große Ausländerskandal« lautete die Schlagzeile. Tschechische Kommunisten hatten zwei Millionen Pfund als Unterstützung erhalten und damit Rote Zellen gegründet und kommunistische Broschüren drucken lassen.
Nach Einnahme Hollands durch die deutschen Truppen im Mai ging es jedoch nicht mehr nur um Kommunisten, sondern um alle Deutschen ohne Unterschied. So kam der Nachrichtenstab der Streitkräfte unter Sir William Cavendish-Bentinck nach einer eigenen Analyse der Vorgänge in Holland zu dem Schluß, daß alle feindlichen Ausländer, männliche wie weibliche, zwischen 16 und 70 Jahren interniert werden sollten.
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The Real Blaze
Massenverhaftungen gegen Deutsche und Italiener
Innenminister Sir John Anderson, der für eine liberale Haltung gegenüber den Flüchtlingen eingetreten war, weil er rechtliche Bedenken hatte, konnte sich gegen die nun einsetzende Ausländerhysterie nicht durchsetzen. Die Internierung fiel unter die »Royal Prerogative«, das Vorrecht des Königs in Kriegszeiten, das der jeweiligen Regierung erlaubte, die ihr nötig erscheinenden außergesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen.
Noch im Mai hatte das Innenministerium widerstrebend den Generalstab ersucht, alle Deutschen im Alter von 16 bis 60 Jahren, die in den küstennahen Grafschaften wohnten, zu internieren — einschließlich der Kategorie B. So wurden bei zwei Polizeiaktionen 5 000 Deutsche zusammengetrieben.
Unter den Verhafteten befanden sich Männer wie der 43jährige Journalist Richard Broh. Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, war er später Angestellter im Reichskriegsministerium und Mitglied des Bürger- und Soldatenrates von Berlin geworden. Seit 1926 war er dann gewerkschaftlich orientierter Journalist - bis Goebbels 1935 entdeckte, daß in der Reichspressekammer noch zwölf jüdische Journalisten gemeldet waren. Broh war einer von ihnen. Goebbels ordnete ihren Ausschluß an, was einem Berufsverbot gleichkam. Die zwölf gingen daraufhin vor Gericht. Durch die Olympischen Spiele wurde das Verfahren verzögert, denn Goebbels wollte zu diesem Zeitpunkt keinen Skandal. Doch 1937 bestätigte das Gericht den Ausschluß. Broh erkannte die Gefahr, in der er nun schwebte, rechtzeitig und entkam nach England. Die elf anderen wurden verhaftet und kamen in ein KL. Von England aus hatte Broh seine Zeitung weiterbeliefert. bis der Kriegsausbruch auch dem ein Ende setzte. Die Spruchkammer hatte ihn in Kategorie B eingestuft. Daß er nun auch in ein Internierungslager kam und dort auf Nationalsozialisten stieß, dürfte für ihn kaum eine Genugtuung bedeutet haben.
Der Kriegseintritt Italiens am 10. Juni heizte die ausländerfeindliche Stimmung noch an, und es kam in London zu antiitalienischen Ausschreitungen. Bis zum 14. Juni waren schon 1687 Italiener verhaftet, ohne daß man sie vor eines der Tribunale gestellt hätte. Sie waren keineswegs alle überzeugte Faschisten, oder aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen nach England geflohen, vielmehr waren sie als Lehrer, Geschäftsleute oder Küchenchefs nach England gekommen und hatten sich zum größten Teil längst assimiliert.
Andersons Kategorien waren nun endgültig gestorben. Im Juni wurden die ersten Deutschen der Kategorie C verhaftet und in die Lager eingeliefert. Eines der bekanntesten war das »Olympia«, eine alte Ausstellungshalle in London, die anfangs nur mit 40 Mann belegt war, von denen 17 erklärte Nationalsozialisten und ein sehr hoher Prozentsatz Juden waren, die sich die Schlafgelegenheiten mit aktiven Parteimitgliedern teilen mußten.
Allein im Lager Onchan auf der Isle of Man befanden sich neben strammen Nationalsozialisten 121 geflüchtete Künstler und Literaten, 113 Wissenschaftler und Hochschullehrer, 67 Diplomingenieure, 38 Physiker, 22 Chemiker, 19 Geistliche und zwölf Zahnärzte bei einer Belegung von 1491 Häftlingen, von denen 82 Prozent Juden waren.
In den Lagern kam es zu vehementen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der NSDAP und denen, die aus Deutschland geflohen waren. Erstere versuchten sich als Lagerführer und Kapos, um das Kommando zu übernehmen. Sie wollten den Briten zeigen, was deutsche Disziplin und Ordnung ist.
Die erbärmlichen Lebensbedingungen in den Lagern und das Desinteresse der Briten förderten solche Auswüchse, denn immer ging es auch um die besseren Plätze, einen größeren Anteil an der kargen Verpflegung und um die Kontrolle des blühenden Schwarzen Marktes. Zu essen gab es oft nur Biskuits und Tee, wässeriges Gemüse und Kartoffeln.
Die Unterbringung war katastrophal. Wer nicht das Glück hatte, in ein Lager mit den bei der britischen Armee üblichen Nissen-Hütten (Wellblechtunneln auf einem Betonsockel) zu kommen, konnte zum Beispiel in den Umkleidekabinen unter den Tribünen eines Pferderennplatzes, wie in Linfield, oder in den Badehütten eines Seebades, wie in Seaton-on-the-sea, landen. Die Badehütten hatten den Vorteil, daß man durch ein Loch im Holzfußboden Aale fangen und damit einen schwunghaften Handel treiben konnte.

Internierungshäftling Max Braun (SPD)
Die Verhaftungen dauerten bis Juli an. Am Ende waren 27 200 Deutsche, Österreicher und Italiener in Lagern versammelt. Viele Männer mit Rang und Namen, deren Loyalität dem Gastland gegenüber außer Zweifel stand, waren den Schikanen zum Opfer gefallen: Max Braun, der SPD-Vorsitzende des Saarlandes, Dr. Martin Freud, der Sohn Sigmund Freuds, der Dirigent Hans Oppenheim, der Pianist Frank Osborne, der bekannte Jurist Prof. Fritz Pringsheim, der Maler Kurt Schwitters (er war erst im Mai aus Norwegen vor deutschen Truppen geflohen), die Journalisten Robert Neumann und Sebastian Haffner, der Romancier und Herausgeber von Knaurs Enzyklopädie Richard Friedenthal. Auch Ernst »Putzi« Hanfstaengl, einstiger Intimus und Beschützer Hitlers, befand sich unter den Internierten. Den ehemaligen »Hofnarren« des Führers, der vor Goebbels' Eifersucht geflohen war, nahm in England niemand ernst — außer den Beamten des Home Office, die ihn als einen der ersten auf die Verhaftungsliste gesetzt hatten und nach Kanada abschoben.

Insgesamt zweimal Internierungshäftling: Sebastian Haffner, der später den Briten Studien lieferte, wie man das deutsche Volk bekämpft!

Hitlerfreund Ernst »Putzi« Hanfstaengl wurde auf Betreiben Roosevelts in der US Army eine Art Hitler-Profiler
Nach den Deutschen und Italienern lenkte die Presse nun die Aufmerksamkeit auf jene Gruppierung, die in manchen Zeitungen offen als »Quislinge« und »Hitlers künftige Gauleiter in Großbritannien« angesprochen wurde: die British Union of Fascists (BFU) des Sir Oswald Mosley. Diese britischen Nationalisten, etwa 5 000 eingeschriebene Mitglieder, waren politisch bedeutungslos geblieben. Nach Straßenkämpfen in der Cable Street in London 1936 war ihnen das Uniformtragen verboten worden und wegen ihrer Schlägertrupps hatten sie in der Bevölkerung fast jede Unterstützung verloren. Bei Nach- und Neuwahlen hatten sie in den letzten Jahren nie einen Sitz erhalten.

Außenminister Sir John Anderson
Sir John Anderson wehrte sich gegen eine Internierung der Mosley-Anhänger mehr noch als gegen die der Ausländer und führte diesmal auch politische Bedenken an, nachdem eine Berufung auf die Bill of Rights (habeas corpus) nichts gefruchtet hatte: »Obgleich es zu den politischen Zielen der BFU gehört, sich den Kriegsanstrengungen zu widersetzen und die Regierung anzugreifen, gibt es keinen Beweis dafür, daß sie den Feind unterstützt. Ihre Propaganda schlägt sogar patriotische Töne an. In meinen Augen wäre ein Schlag gegen diese Organisation durch eine Internierung ihrer Anführer zu diesem Zeitpunkt verfehlt.« Die Regierung beugte sich jedoch dem Druck der öffentlichen Meinung.

Lady Diana Mosley (rechts) mit ihrer Schwester Unity 1937 in Nürnberg - war eine Cousine von Churchills Ehefrau und wurde 1940 verhaftet
Am 29. Juni legte Anderson Premier Winston Churchill eine Liste von 150 Leuten vor, die er am Tag zuvor hatte verhaften lassen. Churchill war pikiert, denn unter den ersten drei auf der Liste waren auch zwei seiner Verwandten! Cousine Lady Mosley (besser bekannt als Diana Mitford, Tochter von Lord Redesdale und Schwester von Unity Mitford) und sein Cousin Geo Pitt-Rivers, Mosleys Stellvertreter..
Unity Mosley
Primärquelle: wikipedia

Dianas Schwester Unity Mitford bei Hitler - 1940 ebenfalls verhaftet
Am 20. Oktober 1934 reiste Unity Mitford zu einem „Sprachstudium“ nach München, um am Reichsparteitag der NSDAP teilzunehmen. Vor allem wollte sie den von ihr verehrten Reichskanzler des Deutschen Reiches Adolf Hitler, den Führer des nationalsozialistischen Deutschland, kennen lernen. Anfang Februar 1935 gelang es ihr, in der Osteria Bavaria, einem Münchner Restaurant, in dem Hitler häufig verkehrte, mit diesem zusammenzutreffen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen: Unity war zu diesem Zeitpunkt erst 20 Jahre alt; etwa 1,80 m groß, mit blondem Haar und blauen Augen entsprach sie dem zeitgenössischen Schönheitsideal. An ihre Schwester Diana schrieb Unity am 10. Februar über das Zusammentreffen: „Du kannst Dir vorstellen, wie ich mich fühle. Ich bin so glücklich [...] Ich glaube, daß ich das glücklichste Mädchen der Welt bin.“ Den britischen Botschafter in München begrüßte sie später mit dem Hitlergruß.
Im Juli und August 1939 waren Unity und ihre Schwester Diana – die Ehefrau des britischen Faschistenführers Mosley – anlässlich der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Als Hitler sagte, England sei zum Krieg entschlossen, der kaum noch verhindert werden könne, äußerte Unity, solch eine Tragödie wolle sie nicht erleben.
Als Großbritannien im September 1939 Deutschland den Krieg erklärte, schoss sie sich im Münchner Englischen Garten mit einer kleinen automatischen Pistole in den Kopf. Sie hinterließ einen an Adolf Wagner, den Gauleiter von München, adressierten Umschlag, der ihr spezielles NSDAP-Abzeichen (da Unity als Ausländerin nicht Parteimitglied werden konnte, hatte Hitler ihr ein besonderes Abzeichen überreicht, in das auf der Rückseite ihr Name eingraviert war), ein signiertes und mit einer persönlichen Widmung von Hitler versehenes Foto sowie einen Abschiedsbrief an Hitler enthielt. In dem Brief stand, sie könne den Krieg zwischen Deutschland und England nicht ertragen und nehme sich deshalb das Leben.

Der britische Geheimdienst (SIS) stellte 1936 in einem Bericht fest, dass Unity Mitford viel Zeit mit Hitler verbringe, wenn er sich in München aufhielt...
Der Suizidversuch misslang jedoch. Hitler besuchte Unity Mitford persönlich im Krankenhaus und ließ sich darlegen, warum ein Entfernen der noch im Kopf steckenden Kugel nicht ratsam war und gab ihr das Parteiabzeichen zurück. Sie nahm es und verschluckte es vor seinen Augen. "Hoffmann", soll Hitler zu seinem Leibfotografen gesagt haben, "ich beginne mich zu fürchten."
Unity wurde nach England überführt. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie schwerkrank und weitgehend apathisch. Sie erlag den Spätfolgen des Selbsttötungsversuchs am 28. Mai 1948 im Krankenhaus in Oban. Die Kugel war nicht entfernt worden, eine Operation wurde auch von den britischen Ärzten als zu riskant angesehen. Unity Mitford starb möglicherweise an einer Meningitis als Folge der Schwellung ihrer Gehirnmasse um die eingeschlossene Kugel.
Unity Mitford wurde auf dem Friedhof von Swinbrook (Oxfordshire) in England beigesetzt.
[...]
Innenminister Sir John Anderson, der für eine liberale Haltung gegenüber den Flüchtlingen eingetreten war, weil er rechtliche Bedenken hatte, konnte sich gegen die nun einsetzende Ausländerhysterie nicht durchsetzen. Die Internierung fiel unter die »Royal Prerogative«, das Vorrecht des Königs in Kriegszeiten, das der jeweiligen Regierung erlaubte, die ihr nötig erscheinenden außergesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen.
Noch im Mai hatte das Innenministerium widerstrebend den Generalstab ersucht, alle Deutschen im Alter von 16 bis 60 Jahren, die in den küstennahen Grafschaften wohnten, zu internieren — einschließlich der Kategorie B. So wurden bei zwei Polizeiaktionen 5 000 Deutsche zusammengetrieben.
Unter den Verhafteten befanden sich Männer wie der 43jährige Journalist Richard Broh. Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, war er später Angestellter im Reichskriegsministerium und Mitglied des Bürger- und Soldatenrates von Berlin geworden. Seit 1926 war er dann gewerkschaftlich orientierter Journalist - bis Goebbels 1935 entdeckte, daß in der Reichspressekammer noch zwölf jüdische Journalisten gemeldet waren. Broh war einer von ihnen. Goebbels ordnete ihren Ausschluß an, was einem Berufsverbot gleichkam. Die zwölf gingen daraufhin vor Gericht. Durch die Olympischen Spiele wurde das Verfahren verzögert, denn Goebbels wollte zu diesem Zeitpunkt keinen Skandal. Doch 1937 bestätigte das Gericht den Ausschluß. Broh erkannte die Gefahr, in der er nun schwebte, rechtzeitig und entkam nach England. Die elf anderen wurden verhaftet und kamen in ein KL. Von England aus hatte Broh seine Zeitung weiterbeliefert. bis der Kriegsausbruch auch dem ein Ende setzte. Die Spruchkammer hatte ihn in Kategorie B eingestuft. Daß er nun auch in ein Internierungslager kam und dort auf Nationalsozialisten stieß, dürfte für ihn kaum eine Genugtuung bedeutet haben.
Der Kriegseintritt Italiens am 10. Juni heizte die ausländerfeindliche Stimmung noch an, und es kam in London zu antiitalienischen Ausschreitungen. Bis zum 14. Juni waren schon 1687 Italiener verhaftet, ohne daß man sie vor eines der Tribunale gestellt hätte. Sie waren keineswegs alle überzeugte Faschisten, oder aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen nach England geflohen, vielmehr waren sie als Lehrer, Geschäftsleute oder Küchenchefs nach England gekommen und hatten sich zum größten Teil längst assimiliert.
Andersons Kategorien waren nun endgültig gestorben. Im Juni wurden die ersten Deutschen der Kategorie C verhaftet und in die Lager eingeliefert. Eines der bekanntesten war das »Olympia«, eine alte Ausstellungshalle in London, die anfangs nur mit 40 Mann belegt war, von denen 17 erklärte Nationalsozialisten und ein sehr hoher Prozentsatz Juden waren, die sich die Schlafgelegenheiten mit aktiven Parteimitgliedern teilen mußten.
Allein im Lager Onchan auf der Isle of Man befanden sich neben strammen Nationalsozialisten 121 geflüchtete Künstler und Literaten, 113 Wissenschaftler und Hochschullehrer, 67 Diplomingenieure, 38 Physiker, 22 Chemiker, 19 Geistliche und zwölf Zahnärzte bei einer Belegung von 1491 Häftlingen, von denen 82 Prozent Juden waren.
In den Lagern kam es zu vehementen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der NSDAP und denen, die aus Deutschland geflohen waren. Erstere versuchten sich als Lagerführer und Kapos, um das Kommando zu übernehmen. Sie wollten den Briten zeigen, was deutsche Disziplin und Ordnung ist.
Die erbärmlichen Lebensbedingungen in den Lagern und das Desinteresse der Briten förderten solche Auswüchse, denn immer ging es auch um die besseren Plätze, einen größeren Anteil an der kargen Verpflegung und um die Kontrolle des blühenden Schwarzen Marktes. Zu essen gab es oft nur Biskuits und Tee, wässeriges Gemüse und Kartoffeln.
Die Unterbringung war katastrophal. Wer nicht das Glück hatte, in ein Lager mit den bei der britischen Armee üblichen Nissen-Hütten (Wellblechtunneln auf einem Betonsockel) zu kommen, konnte zum Beispiel in den Umkleidekabinen unter den Tribünen eines Pferderennplatzes, wie in Linfield, oder in den Badehütten eines Seebades, wie in Seaton-on-the-sea, landen. Die Badehütten hatten den Vorteil, daß man durch ein Loch im Holzfußboden Aale fangen und damit einen schwunghaften Handel treiben konnte.

Internierungshäftling Max Braun (SPD)
Die Verhaftungen dauerten bis Juli an. Am Ende waren 27 200 Deutsche, Österreicher und Italiener in Lagern versammelt. Viele Männer mit Rang und Namen, deren Loyalität dem Gastland gegenüber außer Zweifel stand, waren den Schikanen zum Opfer gefallen: Max Braun, der SPD-Vorsitzende des Saarlandes, Dr. Martin Freud, der Sohn Sigmund Freuds, der Dirigent Hans Oppenheim, der Pianist Frank Osborne, der bekannte Jurist Prof. Fritz Pringsheim, der Maler Kurt Schwitters (er war erst im Mai aus Norwegen vor deutschen Truppen geflohen), die Journalisten Robert Neumann und Sebastian Haffner, der Romancier und Herausgeber von Knaurs Enzyklopädie Richard Friedenthal. Auch Ernst »Putzi« Hanfstaengl, einstiger Intimus und Beschützer Hitlers, befand sich unter den Internierten. Den ehemaligen »Hofnarren« des Führers, der vor Goebbels' Eifersucht geflohen war, nahm in England niemand ernst — außer den Beamten des Home Office, die ihn als einen der ersten auf die Verhaftungsliste gesetzt hatten und nach Kanada abschoben.

Insgesamt zweimal Internierungshäftling: Sebastian Haffner, der später den Briten Studien lieferte, wie man das deutsche Volk bekämpft!

Hitlerfreund Ernst »Putzi« Hanfstaengl wurde auf Betreiben Roosevelts in der US Army eine Art Hitler-Profiler
Nach den Deutschen und Italienern lenkte die Presse nun die Aufmerksamkeit auf jene Gruppierung, die in manchen Zeitungen offen als »Quislinge« und »Hitlers künftige Gauleiter in Großbritannien« angesprochen wurde: die British Union of Fascists (BFU) des Sir Oswald Mosley. Diese britischen Nationalisten, etwa 5 000 eingeschriebene Mitglieder, waren politisch bedeutungslos geblieben. Nach Straßenkämpfen in der Cable Street in London 1936 war ihnen das Uniformtragen verboten worden und wegen ihrer Schlägertrupps hatten sie in der Bevölkerung fast jede Unterstützung verloren. Bei Nach- und Neuwahlen hatten sie in den letzten Jahren nie einen Sitz erhalten.

Außenminister Sir John Anderson
Sir John Anderson wehrte sich gegen eine Internierung der Mosley-Anhänger mehr noch als gegen die der Ausländer und führte diesmal auch politische Bedenken an, nachdem eine Berufung auf die Bill of Rights (habeas corpus) nichts gefruchtet hatte: »Obgleich es zu den politischen Zielen der BFU gehört, sich den Kriegsanstrengungen zu widersetzen und die Regierung anzugreifen, gibt es keinen Beweis dafür, daß sie den Feind unterstützt. Ihre Propaganda schlägt sogar patriotische Töne an. In meinen Augen wäre ein Schlag gegen diese Organisation durch eine Internierung ihrer Anführer zu diesem Zeitpunkt verfehlt.« Die Regierung beugte sich jedoch dem Druck der öffentlichen Meinung.

Lady Diana Mosley (rechts) mit ihrer Schwester Unity 1937 in Nürnberg - war eine Cousine von Churchills Ehefrau und wurde 1940 verhaftet
Am 29. Juni legte Anderson Premier Winston Churchill eine Liste von 150 Leuten vor, die er am Tag zuvor hatte verhaften lassen. Churchill war pikiert, denn unter den ersten drei auf der Liste waren auch zwei seiner Verwandten! Cousine Lady Mosley (besser bekannt als Diana Mitford, Tochter von Lord Redesdale und Schwester von Unity Mitford) und sein Cousin Geo Pitt-Rivers, Mosleys Stellvertreter..
Unity Mosley
Primärquelle: wikipedia

Dianas Schwester Unity Mitford bei Hitler - 1940 ebenfalls verhaftet
Am 20. Oktober 1934 reiste Unity Mitford zu einem „Sprachstudium“ nach München, um am Reichsparteitag der NSDAP teilzunehmen. Vor allem wollte sie den von ihr verehrten Reichskanzler des Deutschen Reiches Adolf Hitler, den Führer des nationalsozialistischen Deutschland, kennen lernen. Anfang Februar 1935 gelang es ihr, in der Osteria Bavaria, einem Münchner Restaurant, in dem Hitler häufig verkehrte, mit diesem zusammenzutreffen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen: Unity war zu diesem Zeitpunkt erst 20 Jahre alt; etwa 1,80 m groß, mit blondem Haar und blauen Augen entsprach sie dem zeitgenössischen Schönheitsideal. An ihre Schwester Diana schrieb Unity am 10. Februar über das Zusammentreffen: „Du kannst Dir vorstellen, wie ich mich fühle. Ich bin so glücklich [...] Ich glaube, daß ich das glücklichste Mädchen der Welt bin.“ Den britischen Botschafter in München begrüßte sie später mit dem Hitlergruß.
Im Juli und August 1939 waren Unity und ihre Schwester Diana – die Ehefrau des britischen Faschistenführers Mosley – anlässlich der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Als Hitler sagte, England sei zum Krieg entschlossen, der kaum noch verhindert werden könne, äußerte Unity, solch eine Tragödie wolle sie nicht erleben.
Als Großbritannien im September 1939 Deutschland den Krieg erklärte, schoss sie sich im Münchner Englischen Garten mit einer kleinen automatischen Pistole in den Kopf. Sie hinterließ einen an Adolf Wagner, den Gauleiter von München, adressierten Umschlag, der ihr spezielles NSDAP-Abzeichen (da Unity als Ausländerin nicht Parteimitglied werden konnte, hatte Hitler ihr ein besonderes Abzeichen überreicht, in das auf der Rückseite ihr Name eingraviert war), ein signiertes und mit einer persönlichen Widmung von Hitler versehenes Foto sowie einen Abschiedsbrief an Hitler enthielt. In dem Brief stand, sie könne den Krieg zwischen Deutschland und England nicht ertragen und nehme sich deshalb das Leben.

Der britische Geheimdienst (SIS) stellte 1936 in einem Bericht fest, dass Unity Mitford viel Zeit mit Hitler verbringe, wenn er sich in München aufhielt...
Der Suizidversuch misslang jedoch. Hitler besuchte Unity Mitford persönlich im Krankenhaus und ließ sich darlegen, warum ein Entfernen der noch im Kopf steckenden Kugel nicht ratsam war und gab ihr das Parteiabzeichen zurück. Sie nahm es und verschluckte es vor seinen Augen. "Hoffmann", soll Hitler zu seinem Leibfotografen gesagt haben, "ich beginne mich zu fürchten."
Unity wurde nach England überführt. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie schwerkrank und weitgehend apathisch. Sie erlag den Spätfolgen des Selbsttötungsversuchs am 28. Mai 1948 im Krankenhaus in Oban. Die Kugel war nicht entfernt worden, eine Operation wurde auch von den britischen Ärzten als zu riskant angesehen. Unity Mitford starb möglicherweise an einer Meningitis als Folge der Schwellung ihrer Gehirnmasse um die eingeschlossene Kugel.
Unity Mitford wurde auf dem Friedhof von Swinbrook (Oxfordshire) in England beigesetzt.
[...]
The Real Blaze
Evakuierungsmaßnahmen in Südengland
Seit 1938 hatte der Luftschutz und der Luftschutzdienst (A. R. P.) das Leben der Briten beherrscht. Mehr noch als in Deutschland versuchte man sich - hauptsächlich in Ost-, Südostengland und in London vor Angriffen aus der Luft zu schützen. Die Bombenabwürfe aus den Zeppelinluftschiffen im Ersten Weltkrieg waren vielen noch im Gedächtnis. Die Bombenangriffe der Legion Condor auf Madrid und Guernica hatten die Gefährlichkeit der deutschen Luftwaffe noch einmal bewiesen.
Im Großraum London waren 136 502 Kinder und Erwachsene auf Listen erfaßt. Drei Tage vor Kriegsausbruch begannen die Behörden mit der Evakuierung von mehr als 39 000 Personen aus den Städten am Medway (wie Rochester und Chatham), der angenommenen Anflugschneise feindlicher Bomber mit dem Ziel London, in die weiter östlich liegenden Bezirke zwischen Sittingbourne und Herne Bay.
Ab 5. September 1939 waren 97 320 Londoner an der Reihe, von denen allein 12 999 nach Folkestone an die Kanalküste und jeweils 5 000 bis 7 000 nach Ashford, Tunbridge Wells, Maidstone und in andere, kleinere Städte Kents gebracht werden sollten. Sonderzüge und eine ganze Armada von Bussen wurden zu diesem Zweck auf die Reise geschickt, und innerhalb von drei Tagen war die Aktion abgeschlossen.Die Geschwindigkeit, mit der die Evakuierung ablief, rührte nicht von einer besonders guten Organisation her, sondern hatte ihren Grund in der einfachen Tatsache, daß die meisten zu Hause geblieben waren. Am Ende stellte sich heraus, daß nur etwa 47 000 von dem Angebot der Evakuierung Gebrauch gemacht hatten. Die meisten Eltern hatten sich nicht von ihren Kindern trennen können. Und im Verlauf des weiteren Krieges, in dem von Beginn an britische Bomber Krankenhäuser Kirchen und Heilanstalten in Deutschland bombardierten , aber keine einzige deutsche Bombe auf England fiel, erschienen diese Maßnahmen immer sinnloser und es kehrten die meisten der Evakuierten nach London und an den Medway zurück.
Die Regierung, besorgt um das Schicksal der Kinder und in der Überzeugung, daß wegen des eigenen einseitigen Luftkrieges gegen deutsche Städte früher oder später die entsprechende deutsche Antwort erfolgen würde, ließ die Vorbereitungen zu einer neuerlichen Evakuierung im Februar 1940 wieder anlaufen. Neue Listen wurden aufgelegt, doch nur 2,6 Prozent der betroffenen Eltern trugen ihre Kinder für eine Verschickung ein. Die Pläne verschwanden wieder in den Schubladen des Home Office, schon weil immer noch keine deutschen Bomber aufgetaucht waren.
Mit dem Einfall der deutschen Truppen in den Niederlanden änderte sich auch in dieser Hinsicht die Situation innerhalb weniger Wochen völlig. Diesmal brauchte man keine Listen. Aufrufe in Presse und Rundfunk brachten Tausende von Kindern, Müttern, Kranken und alten Leuten auf die Bahnsteige und Busbahnhöfe in London, am Medway, in den bedrohtesten Orten Kents, wie Ramsgate, Dover, Folkestone, Canterbury.

Evakuierungsszene in London - Soldaten und Kinder treffen sich auf den Bahnsteigen
Zum ersten Mal, obwohl noch immer keine Bomben fielen, zeigte der Krieg sein wahres Gesicht. In den Tagen der Räumung Dünkirchens durch das Britische Expeditionskorps lief die Evakuierung der Kinder und von Teilen der Zivilbevölkerung in Kent auf vollen Touren. Der Bahnhof von Ramsgate hatte vier Bahnsteige; zwei davon wurden für die Rückführung der Truppen aus Frankreich benutzt, die in Bussen von den Schiffen zum Bahnhof gebracht wurden. Auf dem dritten Bahnsteig standen Verwundetenzüge und die Züge für die Evakuierten, während der vierte dem normalen Zugverkehr diente.
Der Anblick der geschlagenen Armee, die schmutzigen, zerrissenen Uniformen der völlig erschöpften Soldaten, von denen viele leicht verwundet waren, viele barfuß gingen und nur mit Hemd und Hose bekleidet waren, die langen Reihen von Tragbahren, das Stöhnen der Verwundeten, waren für die geduldig wartenden Evakuierten ein Schock.

Südengland: an diesen "Antiinvasionsblocks" wollte man deutsche Panzer aufhalten...

auch um kleine Dörfer wurden solche Betonblocklinien errichtet, in völliger Verkennung, daß solche Hindernisse keine Probleme für deutsche Pioniere waren
Die Evakuierung machte große Fortschritte. Bis zum Ende des Jahres waren weit über eine Million Kinder evakuiert worden. Aus den Küstenorten von Kent waren jedoch auch viele Erwachsene, die nicht für die Verteidigung oder in einer anderen lebensnotwendigen Funktion gebraucht wurden, den Aufrufen der Regierung gefolgt und waren nach Westen und Norden abgewandert.
Alle Seebadeorte wurden im Laufe weniger Monate entvölkert. Die Strandpromenaden waren gesperrt, die Strände waren vermint, mit Tankhindernissen und Stacheldraht überzogen. Viele Häuser waren mit Brettern vernagelt. In Margate sank die Bevölkerung von 40 000 auf 10 000, 7 208 Wohn- und Geschäftsgebäude waren verlassen worden, und in den Straßen schien alles Leben erstorben. Die Stadt war bankrott, weil keine Feriengäste mehr kamen und das Geschäftsleben stillstand. Die Regierung in London mußte einspringen, damit die laufenden Kosten bezahlt werden konnten. Ähnlich verhielt es sich in Dover, wo von 36 000 Einwohnern nur noch 16 000 in der Stadt lebten, oder in Folkestone einem primären Landeabschnitt im deutschen Invasionsplan, wo nur 6 000 von 40 000 übriggeblieben waren.
Margate war im Juni 1940 eine fast leere Stadt, »unwirklich und gespenstisch«. Der Eindruck wurde durch die Abwesenheit der sonst die Straßen bevölkernden Haustiere verstärkt: weit und breit war kein Hund und keine Katze zu sehen.
Als deutsche Panzer an der anderen Seite des Kanals auftauchten, griff die Invasionsfurcht auch in der Romney Marsh um sich, einem ausgedehnten Marschgebiet mit fetten Weiden zwischen Hastings und Folkestone. Die Gegend ist berühmt für die Aufzucht einer Schafrasse, die zugleich hervorragende Wolle und ausgezeichnetes Fleisch liefert. Die Schafzüchter fürchteten um ihre Herden und organisierten einen Umzug in die sicheren Gebiete der Grafschaften Bedfordshire, Hertfordshire, Middlesex und Wiltshire. Die Schafe wurden geschoren, sortiert und pro Tag verließen bis zu 2 000 Tiere auf Lastwagen die Romney Marsh nach Norden und Westen. Nach 19 Tagen waren 125 000 Schafe in Sicherheit gebracht. Die Züchter und ihre Helfer gingen zusammen mit ihren Familien als letzte mit. Vielleicht war ein besonderer Instinkt bei dieser Evakuierung im Spiel, denn auch die Romney Marsh war in den deutschen Invasionsplänen als Operationsgebiet ausgewiesen.
Die Evakuierungsappelle des Home Office an die Bevölkerung in den möglichen Landungsgebieten und in London entstammten nicht nur humanitären Überlegungen. Sie waren auch eine Folge der Ereignisse in Belgien und Nordfrankreich, wo die von den Kampfhandlungen überraschte Zivilbevölkerung in ihrer panikartigen Flucht nach Süden sämtliche Straßen verstopft und die Bewegungen französischer und britischer Truppen zum Teil unmöglich gemacht hatte. Das sollte sich in England nicht wiederholen.
Trotzdem sah man in gewissen Kreisen der Bevölkerung mit einiger Verachtung.auf die Evakuierten herab. Sie hatten sich von der Front gedrückt, ihre Dörfer und Städte im Stich gelassen. Selbst Kinder ließ man diese Verachtung spüren. Ein zwölfjähriges Londoner Mädchen, das im September 1939 nach Brighton evakuiert worden war, kehrte im Juli 1940 zu seinen Eltern zurück. Als es sich in seiner alten Schule wieder anmelden wollte, nahm es die Headmistress nicht wieder auf: »Feiglinge können wir an unserer Schule nicht brauchen«, sagte sie - und dabei blieb es, so daß die Kleine eine andere Schule besuchen mußte, in der man sie nicht kannte.
Auch wohlhabende ältere Leute, die sich in entlegenen Hotels auf dem Land als Dauergäste einmieteten, wurden schief angesehen. Die Anzeigen der meist luxuriösen Fluchtherbergen in Schottland und Wales waren deshalb in euphorischen Umschreibungen abgefaßt. »Heute mehr denn je«, hieß es in einer Anzeige des Aviemore Hotels in Inverness, »ist Aviemore ein Hort des Friedens und der Ruhe. Hier in der frischen Luft der Kiefernwälder werden Sie eine Zuflucht finden vor der Hetze und nervlichen Belastung der Außenwelt.«
Wohin mit der Queen?

bekundete in England bleiben zu wollen: Queen Elizabeth ,1940
Die Regierung hatte Königin Elizabeth über Hofbeamte nahegelegt, sich mit ihrem Mann aus dem gefährdeten London wenigstens für eine Zeit auf eines der entlegenen Schlösser zurückzuziehen. Die Königin hatte lakonisch geantwortet: »Mein Platz ist an der Seite Seiner Majestät, und der König wird London nicht verlassen. Er wird das Los seines Volkes teilen.« Damit war dieses Thema für das Königshaus ein für allemal vom Tisch.
Im Buckingham Palast, in dem es übrigens keine Luftschutzkeller gab, waren jedoch auch König Haakon von Norwegen und Königin Wilhelmina der Niederlande eingezogen. Für die britische Regierung, die mit einem Coup feindlicher Fallschirmjäger ähnlich dem von Den Haag rechnen mußte, bedeutete das eine dreifache Verantwortung, von der sie auch das Wort der Königin nicht so ohne weiteres befreien konnte. Deshalb wurden mit dem Einverständnis des Königs Oberstleutnant J. S.Coats mit einer Kompanie der Coldstrearn Guards und vier gepanzerte Schützenwagen der 12th Lancers und der Northamptonshire Yeomanry im Buckingham Palast stationiert. Sie hatten die Aufgabe, im Ernstfall den König und die Königin sowie die beiden ausländischen Monarchen in Sicherheit zu bringen.

Bombentreffer vor dem Buckingham Palast - das Gebäude besaß keine Luftschutzkeller...
Vier weit entfernte Landsitze waren als alternative Fluchtorte vorgesehen. Erst als die Invasionsgefahr gebannt war, wurde das Kontingent wieder abgezogen.

Sogar Wilhelm II. bekam von den Engländern ein Evakuierunsangebot - was dieser natürlich überhaupt nicht in Betracht zog. Sein Glückwunschtelegramm an Hitler sagt alles aus, daß er zu allererst Deutscher war.
Beinahe hätte sich den gekrönten Häuptern im Buckingham Palast noch ein anderes zugesellt. Am 21. Mai besprach das Kabinett die Möglichkeit, dem mit dem englischen Königshaus (Sachsen-Coburg) verwandten deutschen Kaiser Wilhelm II. Asyl zu gewähren, der seit 1918 in Holland im Exil lebte und dessen Sitz in Doorn von deutschen Truppen überrannt worden war. Nach einigem Zögern kam man überein, dem Kaiser ein entsprechendes Angebot zu machen, falls er darum ersuche. Doch Wilhelm II, wollte bleiben, wo er war.
Bei der Besetzung der Niederlande 1940 ließ Hitler das Anwesen durch die Geheime Feldpolizei abriegeln. Er starb im folgenden Jahr in Holland , gratulierte aber Hitler vorher noch zu seinem großartigen Sieg über Frankreich.
Zum deutschen Sieg über Frankreich im Mai erhielt Adolf Hitler von Wilhelm II. am 17. Juni 1940 folgendes Glückwunschtelegramm:
„Unter dem tiefergreifenden Eindruck der Waffenstreckung Frankreichs beglückwünsche ich Sie und die gesamte deutsche Wehrmacht zu dem von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten Kaiser Wilhelms des Großen vom Jahre 1870: ‚Welche Wendung durch Gottes Fügung’. In allen deutschen Herzen erklingt der Choral von Leuthen, den die Sieger von Leuthen, des Großen Königs Soldaten, anstimmten: ‚Nun danket alle Gott!’“
Transatlantische Kinderverschickung trotz U-Boot Gefahr

trotz U-Boot Gefahr versuchten die Engländer Kinder mit Schiffen nach Übersee zu evakuieren - ein Wahnsinnsplan, den kein deutscher U-Boot Kommandant hatte eine Ahnung, daß die Engländer ihre eigenen Kinder solch einer Todesgefahr aussetzten!
Am schlimmsten hing das Odium der Flucht vor dem Feind jenen prominenten Künstlern und Literaten an, die es sich leisten konnten, sich über den Atlantik abzusetzen, auf Schiffen, die auch viele Kin in die Vereinigten Staaten und in die Dominions brachten.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz in Holland, Belgien und Nordfrankreich hatten in aller Welt Sympathie für die Kinder ausgelöst, die in die Kriegsmaschinerie geraten waren. Anfang Juni hatten australische Frauenvereinigungen Plätze für holländische, belgische und britische Kriegswaisen zur Verfügung gestellt und die australische Regierung gebeten, die Transporte zu veranlassen und zu finanzieren. Nicht ohne Erfolg: Am 2. Juli verlautbarte das australische Innenministerium, daß die erste Gruppe britischer Kinder in zwei Monaten zu erwarten war. Bis dahin waren 17 000 Angebote zur Aufnahme oder Adoption der Kinder aus Übersee eingegangen.
Ähnliche Bemühungen waren in Kanada und in den Vereinigten Staaten im Gange. Der australische Premier R. G. Menzies teilte am 4. Juni dem Parlament mit, daß seine Regierung in London wegen der Aufnahme von Kindern angefragt habe.
Zur gleichen Zeit fühlten die Amerikaner auf halboffiziellem Weg bei den Deutschen vor, ob US-Schiffe für den Transport von Kindern freies Geleit bekommen könnten. Die Britische Regierung sah sich nun veranlaßt, von sich aus aktiv zu werden. Am 19. Juni erklärte Lordsiegelbewahrer Clement Attlee vor dem Unterhaus, daß man die nötigen Mittel für die Verschiffung von Kindern nach den USA und in die Dominions bereitstellen werde und daß diese Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit sei.
Das Programm lief an. Bald waren 200 000 Meldungen eingegangen, viel mehr als je berücksichtigt werden konnten, so daß die Regierungsaktion nach wenigen Tagen eingestellt wurde. Churchill war von dieser Entwicklung wenig angetan, die »stampede« schmeckte ihm zu sehr nach Defaitismus.
Doch sehr bald setzten die deutschen U-Boote der Kinderverschiffung ein erwartetes Ende. Die deutsche Seekriegsleitung hatte sich »gegen jede Ausnahmebehandlung irgendwelcher Transporte« verwahrt, »da andernfalls die Vorteile der neuen politisch militärischen Lage für unsere Streitkräfte hinfällig werden«. Das Auswärtige Amt hatte Ende August diese Antwort auf die Anfrage der Amerikaner nach Washington weitergeleitet.

Kapitänleutnant Wolfgang Lüth hatte keine Ahnung, daß sich Kinder auf dem Dampfer »City of Simla« befanden, als er mit U-138 das Schiff torpedierte
Am 21. 9. 40 versenkte ein deutsches U-Boot nordwestlich des Nordkanals, der Irland von Schottland trennt, den britischen Dampfer »City of Simla« (10138 BRT), auf dem sich 320 Kinder befanden. Sie konnten von dem herbeieilenden Dampfer »Guinan« gerettet werden und am Morgen des 22. September nach Greenock in Schottland zurückgebracht werden.

Kapitänleutnant Heinrich Bleichrodt torpedierte mit U-48 die City of Benares, ohne zu wissen, daß sich dort englische Kinder an Bord befanden.

U-48 kommt von einer Feindfahrt zurück
Drei Tage zuvor, am 18. 9., hatte mitten auf dem Atlantik auf der Höhe von Irland U-48 einen Geleitzug angegriffen und die Dampfer »City of Benares«, »Marina« und »Magdalena« torpediert. Von der sinkenden 11100 BRT »City of Benares« konnten nur elf der neunzig an Bord befindlichen Kinder gerettet werden.
Das offizielle Programm wurde sofort eingestellt. 2666 Kinder hatten bis dahin auf diesem Weg England verlassen. Mehr als doppelt soviele waren von ihren Eltern privat nach Übersee geschickt worden. Insgesamt nahmen Australien und Kanada 5 000 und die Vereinigten Staaten 2 000 Kinder auf. Auf die Situation in Großbritannien hatten diese Verschiffungen keinen Einfluß.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 20.02.09 13:11 ]
Seit 1938 hatte der Luftschutz und der Luftschutzdienst (A. R. P.) das Leben der Briten beherrscht. Mehr noch als in Deutschland versuchte man sich - hauptsächlich in Ost-, Südostengland und in London vor Angriffen aus der Luft zu schützen. Die Bombenabwürfe aus den Zeppelinluftschiffen im Ersten Weltkrieg waren vielen noch im Gedächtnis. Die Bombenangriffe der Legion Condor auf Madrid und Guernica hatten die Gefährlichkeit der deutschen Luftwaffe noch einmal bewiesen.
Im Großraum London waren 136 502 Kinder und Erwachsene auf Listen erfaßt. Drei Tage vor Kriegsausbruch begannen die Behörden mit der Evakuierung von mehr als 39 000 Personen aus den Städten am Medway (wie Rochester und Chatham), der angenommenen Anflugschneise feindlicher Bomber mit dem Ziel London, in die weiter östlich liegenden Bezirke zwischen Sittingbourne und Herne Bay.
Ab 5. September 1939 waren 97 320 Londoner an der Reihe, von denen allein 12 999 nach Folkestone an die Kanalküste und jeweils 5 000 bis 7 000 nach Ashford, Tunbridge Wells, Maidstone und in andere, kleinere Städte Kents gebracht werden sollten. Sonderzüge und eine ganze Armada von Bussen wurden zu diesem Zweck auf die Reise geschickt, und innerhalb von drei Tagen war die Aktion abgeschlossen.Die Geschwindigkeit, mit der die Evakuierung ablief, rührte nicht von einer besonders guten Organisation her, sondern hatte ihren Grund in der einfachen Tatsache, daß die meisten zu Hause geblieben waren. Am Ende stellte sich heraus, daß nur etwa 47 000 von dem Angebot der Evakuierung Gebrauch gemacht hatten. Die meisten Eltern hatten sich nicht von ihren Kindern trennen können. Und im Verlauf des weiteren Krieges, in dem von Beginn an britische Bomber Krankenhäuser Kirchen und Heilanstalten in Deutschland bombardierten , aber keine einzige deutsche Bombe auf England fiel, erschienen diese Maßnahmen immer sinnloser und es kehrten die meisten der Evakuierten nach London und an den Medway zurück.
Die Regierung, besorgt um das Schicksal der Kinder und in der Überzeugung, daß wegen des eigenen einseitigen Luftkrieges gegen deutsche Städte früher oder später die entsprechende deutsche Antwort erfolgen würde, ließ die Vorbereitungen zu einer neuerlichen Evakuierung im Februar 1940 wieder anlaufen. Neue Listen wurden aufgelegt, doch nur 2,6 Prozent der betroffenen Eltern trugen ihre Kinder für eine Verschickung ein. Die Pläne verschwanden wieder in den Schubladen des Home Office, schon weil immer noch keine deutschen Bomber aufgetaucht waren.
Mit dem Einfall der deutschen Truppen in den Niederlanden änderte sich auch in dieser Hinsicht die Situation innerhalb weniger Wochen völlig. Diesmal brauchte man keine Listen. Aufrufe in Presse und Rundfunk brachten Tausende von Kindern, Müttern, Kranken und alten Leuten auf die Bahnsteige und Busbahnhöfe in London, am Medway, in den bedrohtesten Orten Kents, wie Ramsgate, Dover, Folkestone, Canterbury.

Evakuierungsszene in London - Soldaten und Kinder treffen sich auf den Bahnsteigen
Zum ersten Mal, obwohl noch immer keine Bomben fielen, zeigte der Krieg sein wahres Gesicht. In den Tagen der Räumung Dünkirchens durch das Britische Expeditionskorps lief die Evakuierung der Kinder und von Teilen der Zivilbevölkerung in Kent auf vollen Touren. Der Bahnhof von Ramsgate hatte vier Bahnsteige; zwei davon wurden für die Rückführung der Truppen aus Frankreich benutzt, die in Bussen von den Schiffen zum Bahnhof gebracht wurden. Auf dem dritten Bahnsteig standen Verwundetenzüge und die Züge für die Evakuierten, während der vierte dem normalen Zugverkehr diente.
Der Anblick der geschlagenen Armee, die schmutzigen, zerrissenen Uniformen der völlig erschöpften Soldaten, von denen viele leicht verwundet waren, viele barfuß gingen und nur mit Hemd und Hose bekleidet waren, die langen Reihen von Tragbahren, das Stöhnen der Verwundeten, waren für die geduldig wartenden Evakuierten ein Schock.

Südengland: an diesen "Antiinvasionsblocks" wollte man deutsche Panzer aufhalten...

auch um kleine Dörfer wurden solche Betonblocklinien errichtet, in völliger Verkennung, daß solche Hindernisse keine Probleme für deutsche Pioniere waren
Die Evakuierung machte große Fortschritte. Bis zum Ende des Jahres waren weit über eine Million Kinder evakuiert worden. Aus den Küstenorten von Kent waren jedoch auch viele Erwachsene, die nicht für die Verteidigung oder in einer anderen lebensnotwendigen Funktion gebraucht wurden, den Aufrufen der Regierung gefolgt und waren nach Westen und Norden abgewandert.
Alle Seebadeorte wurden im Laufe weniger Monate entvölkert. Die Strandpromenaden waren gesperrt, die Strände waren vermint, mit Tankhindernissen und Stacheldraht überzogen. Viele Häuser waren mit Brettern vernagelt. In Margate sank die Bevölkerung von 40 000 auf 10 000, 7 208 Wohn- und Geschäftsgebäude waren verlassen worden, und in den Straßen schien alles Leben erstorben. Die Stadt war bankrott, weil keine Feriengäste mehr kamen und das Geschäftsleben stillstand. Die Regierung in London mußte einspringen, damit die laufenden Kosten bezahlt werden konnten. Ähnlich verhielt es sich in Dover, wo von 36 000 Einwohnern nur noch 16 000 in der Stadt lebten, oder in Folkestone einem primären Landeabschnitt im deutschen Invasionsplan, wo nur 6 000 von 40 000 übriggeblieben waren.
Margate war im Juni 1940 eine fast leere Stadt, »unwirklich und gespenstisch«. Der Eindruck wurde durch die Abwesenheit der sonst die Straßen bevölkernden Haustiere verstärkt: weit und breit war kein Hund und keine Katze zu sehen.
Als deutsche Panzer an der anderen Seite des Kanals auftauchten, griff die Invasionsfurcht auch in der Romney Marsh um sich, einem ausgedehnten Marschgebiet mit fetten Weiden zwischen Hastings und Folkestone. Die Gegend ist berühmt für die Aufzucht einer Schafrasse, die zugleich hervorragende Wolle und ausgezeichnetes Fleisch liefert. Die Schafzüchter fürchteten um ihre Herden und organisierten einen Umzug in die sicheren Gebiete der Grafschaften Bedfordshire, Hertfordshire, Middlesex und Wiltshire. Die Schafe wurden geschoren, sortiert und pro Tag verließen bis zu 2 000 Tiere auf Lastwagen die Romney Marsh nach Norden und Westen. Nach 19 Tagen waren 125 000 Schafe in Sicherheit gebracht. Die Züchter und ihre Helfer gingen zusammen mit ihren Familien als letzte mit. Vielleicht war ein besonderer Instinkt bei dieser Evakuierung im Spiel, denn auch die Romney Marsh war in den deutschen Invasionsplänen als Operationsgebiet ausgewiesen.
Die Evakuierungsappelle des Home Office an die Bevölkerung in den möglichen Landungsgebieten und in London entstammten nicht nur humanitären Überlegungen. Sie waren auch eine Folge der Ereignisse in Belgien und Nordfrankreich, wo die von den Kampfhandlungen überraschte Zivilbevölkerung in ihrer panikartigen Flucht nach Süden sämtliche Straßen verstopft und die Bewegungen französischer und britischer Truppen zum Teil unmöglich gemacht hatte. Das sollte sich in England nicht wiederholen.
Trotzdem sah man in gewissen Kreisen der Bevölkerung mit einiger Verachtung.auf die Evakuierten herab. Sie hatten sich von der Front gedrückt, ihre Dörfer und Städte im Stich gelassen. Selbst Kinder ließ man diese Verachtung spüren. Ein zwölfjähriges Londoner Mädchen, das im September 1939 nach Brighton evakuiert worden war, kehrte im Juli 1940 zu seinen Eltern zurück. Als es sich in seiner alten Schule wieder anmelden wollte, nahm es die Headmistress nicht wieder auf: »Feiglinge können wir an unserer Schule nicht brauchen«, sagte sie - und dabei blieb es, so daß die Kleine eine andere Schule besuchen mußte, in der man sie nicht kannte.
Auch wohlhabende ältere Leute, die sich in entlegenen Hotels auf dem Land als Dauergäste einmieteten, wurden schief angesehen. Die Anzeigen der meist luxuriösen Fluchtherbergen in Schottland und Wales waren deshalb in euphorischen Umschreibungen abgefaßt. »Heute mehr denn je«, hieß es in einer Anzeige des Aviemore Hotels in Inverness, »ist Aviemore ein Hort des Friedens und der Ruhe. Hier in der frischen Luft der Kiefernwälder werden Sie eine Zuflucht finden vor der Hetze und nervlichen Belastung der Außenwelt.«
Wohin mit der Queen?

bekundete in England bleiben zu wollen: Queen Elizabeth ,1940
Die Regierung hatte Königin Elizabeth über Hofbeamte nahegelegt, sich mit ihrem Mann aus dem gefährdeten London wenigstens für eine Zeit auf eines der entlegenen Schlösser zurückzuziehen. Die Königin hatte lakonisch geantwortet: »Mein Platz ist an der Seite Seiner Majestät, und der König wird London nicht verlassen. Er wird das Los seines Volkes teilen.« Damit war dieses Thema für das Königshaus ein für allemal vom Tisch.
Im Buckingham Palast, in dem es übrigens keine Luftschutzkeller gab, waren jedoch auch König Haakon von Norwegen und Königin Wilhelmina der Niederlande eingezogen. Für die britische Regierung, die mit einem Coup feindlicher Fallschirmjäger ähnlich dem von Den Haag rechnen mußte, bedeutete das eine dreifache Verantwortung, von der sie auch das Wort der Königin nicht so ohne weiteres befreien konnte. Deshalb wurden mit dem Einverständnis des Königs Oberstleutnant J. S.Coats mit einer Kompanie der Coldstrearn Guards und vier gepanzerte Schützenwagen der 12th Lancers und der Northamptonshire Yeomanry im Buckingham Palast stationiert. Sie hatten die Aufgabe, im Ernstfall den König und die Königin sowie die beiden ausländischen Monarchen in Sicherheit zu bringen.

Bombentreffer vor dem Buckingham Palast - das Gebäude besaß keine Luftschutzkeller...
Vier weit entfernte Landsitze waren als alternative Fluchtorte vorgesehen. Erst als die Invasionsgefahr gebannt war, wurde das Kontingent wieder abgezogen.

Sogar Wilhelm II. bekam von den Engländern ein Evakuierunsangebot - was dieser natürlich überhaupt nicht in Betracht zog. Sein Glückwunschtelegramm an Hitler sagt alles aus, daß er zu allererst Deutscher war.
Beinahe hätte sich den gekrönten Häuptern im Buckingham Palast noch ein anderes zugesellt. Am 21. Mai besprach das Kabinett die Möglichkeit, dem mit dem englischen Königshaus (Sachsen-Coburg) verwandten deutschen Kaiser Wilhelm II. Asyl zu gewähren, der seit 1918 in Holland im Exil lebte und dessen Sitz in Doorn von deutschen Truppen überrannt worden war. Nach einigem Zögern kam man überein, dem Kaiser ein entsprechendes Angebot zu machen, falls er darum ersuche. Doch Wilhelm II, wollte bleiben, wo er war.
Bei der Besetzung der Niederlande 1940 ließ Hitler das Anwesen durch die Geheime Feldpolizei abriegeln. Er starb im folgenden Jahr in Holland , gratulierte aber Hitler vorher noch zu seinem großartigen Sieg über Frankreich.
Zum deutschen Sieg über Frankreich im Mai erhielt Adolf Hitler von Wilhelm II. am 17. Juni 1940 folgendes Glückwunschtelegramm:
„Unter dem tiefergreifenden Eindruck der Waffenstreckung Frankreichs beglückwünsche ich Sie und die gesamte deutsche Wehrmacht zu dem von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten Kaiser Wilhelms des Großen vom Jahre 1870: ‚Welche Wendung durch Gottes Fügung’. In allen deutschen Herzen erklingt der Choral von Leuthen, den die Sieger von Leuthen, des Großen Königs Soldaten, anstimmten: ‚Nun danket alle Gott!’“
Transatlantische Kinderverschickung trotz U-Boot Gefahr

trotz U-Boot Gefahr versuchten die Engländer Kinder mit Schiffen nach Übersee zu evakuieren - ein Wahnsinnsplan, den kein deutscher U-Boot Kommandant hatte eine Ahnung, daß die Engländer ihre eigenen Kinder solch einer Todesgefahr aussetzten!
Am schlimmsten hing das Odium der Flucht vor dem Feind jenen prominenten Künstlern und Literaten an, die es sich leisten konnten, sich über den Atlantik abzusetzen, auf Schiffen, die auch viele Kin in die Vereinigten Staaten und in die Dominions brachten.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz in Holland, Belgien und Nordfrankreich hatten in aller Welt Sympathie für die Kinder ausgelöst, die in die Kriegsmaschinerie geraten waren. Anfang Juni hatten australische Frauenvereinigungen Plätze für holländische, belgische und britische Kriegswaisen zur Verfügung gestellt und die australische Regierung gebeten, die Transporte zu veranlassen und zu finanzieren. Nicht ohne Erfolg: Am 2. Juli verlautbarte das australische Innenministerium, daß die erste Gruppe britischer Kinder in zwei Monaten zu erwarten war. Bis dahin waren 17 000 Angebote zur Aufnahme oder Adoption der Kinder aus Übersee eingegangen.
Ähnliche Bemühungen waren in Kanada und in den Vereinigten Staaten im Gange. Der australische Premier R. G. Menzies teilte am 4. Juni dem Parlament mit, daß seine Regierung in London wegen der Aufnahme von Kindern angefragt habe.
Zur gleichen Zeit fühlten die Amerikaner auf halboffiziellem Weg bei den Deutschen vor, ob US-Schiffe für den Transport von Kindern freies Geleit bekommen könnten. Die Britische Regierung sah sich nun veranlaßt, von sich aus aktiv zu werden. Am 19. Juni erklärte Lordsiegelbewahrer Clement Attlee vor dem Unterhaus, daß man die nötigen Mittel für die Verschiffung von Kindern nach den USA und in die Dominions bereitstellen werde und daß diese Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit sei.
Das Programm lief an. Bald waren 200 000 Meldungen eingegangen, viel mehr als je berücksichtigt werden konnten, so daß die Regierungsaktion nach wenigen Tagen eingestellt wurde. Churchill war von dieser Entwicklung wenig angetan, die »stampede« schmeckte ihm zu sehr nach Defaitismus.
Doch sehr bald setzten die deutschen U-Boote der Kinderverschiffung ein erwartetes Ende. Die deutsche Seekriegsleitung hatte sich »gegen jede Ausnahmebehandlung irgendwelcher Transporte« verwahrt, »da andernfalls die Vorteile der neuen politisch militärischen Lage für unsere Streitkräfte hinfällig werden«. Das Auswärtige Amt hatte Ende August diese Antwort auf die Anfrage der Amerikaner nach Washington weitergeleitet.

Kapitänleutnant Wolfgang Lüth hatte keine Ahnung, daß sich Kinder auf dem Dampfer »City of Simla« befanden, als er mit U-138 das Schiff torpedierte
Am 21. 9. 40 versenkte ein deutsches U-Boot nordwestlich des Nordkanals, der Irland von Schottland trennt, den britischen Dampfer »City of Simla« (10138 BRT), auf dem sich 320 Kinder befanden. Sie konnten von dem herbeieilenden Dampfer »Guinan« gerettet werden und am Morgen des 22. September nach Greenock in Schottland zurückgebracht werden.

Kapitänleutnant Heinrich Bleichrodt torpedierte mit U-48 die City of Benares, ohne zu wissen, daß sich dort englische Kinder an Bord befanden.

U-48 kommt von einer Feindfahrt zurück
Drei Tage zuvor, am 18. 9., hatte mitten auf dem Atlantik auf der Höhe von Irland U-48 einen Geleitzug angegriffen und die Dampfer »City of Benares«, »Marina« und »Magdalena« torpediert. Von der sinkenden 11100 BRT »City of Benares« konnten nur elf der neunzig an Bord befindlichen Kinder gerettet werden.
Das offizielle Programm wurde sofort eingestellt. 2666 Kinder hatten bis dahin auf diesem Weg England verlassen. Mehr als doppelt soviele waren von ihren Eltern privat nach Übersee geschickt worden. Insgesamt nahmen Australien und Kanada 5 000 und die Vereinigten Staaten 2 000 Kinder auf. Auf die Situation in Großbritannien hatten diese Verschiffungen keinen Einfluß.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 20.02.09 13:11 ]
The Real Blaze
Das Evakuierungsdrama von Dünkirchen
Auf dem europäischen Festland spielte sich inzwischen das Drama von Dünkirchen ab, das die Invasionsfurcht auf den Britischen Inseln auf einen Höhepunkt trieb. Für die deutsche Wehrmacht zeitigte es mehrere für das Unternehmen Seelöwe wichtige Einsichten: Das britische Landheer war schlagbar, ein Übersetzen großer Truppenmengen über den Ärmelkanal war in kurzer Zeit möglich, und die Luftwaffe bewies bei ihren Einsätzen gegen Truppen und Evakuierungsschiffe, daß für eine geordnete militärische Aktion feindliche Luftangriffe ausgeschaltet werden mußten.

General Lord Gort war der Vorausplaner der englischen Evakuierungsoperation
Was viele Engländer damals ernsthaft befüchteten, wurde auf deutscher Seite nicht erwogen: In den letzten Mai- und ersten Junitagen hätte ein Angriff auf die britische Küste, mitten in die Evakuierungsbewegung hinein, den wichtigsten Hafen von Dover und die umliegenden Flugplätze unter geringen Verlusten in deutsche Hand gebracht. Zu keinem späteren Zeitpunkt waren die Briten so hilflos und verwundbar. Eher als die Stäbe in London hatte Lord Gort, der Befehlshaber der britischen Truppen in Frankreich und Belgien, die verzweifelte Situation dort erkannt. Während Churchill ihn ermunterte, wenigstens das eingeschlossene Calais zu entsetzen, das am 26. Mai fiel, hatte Lord Gort mit seinem militärischen Vorgesetzten, dem französischen General Blanchard, schon einen Rückzugsplan auf den Raum Dünkirchen ausgearbeitet. Seine Truppen hatten nur noch für zwei Tage Verpflegung, waren abgekämpft und hatten gegen die überlegenen deutschen Verbände nicht die geringste Chance, das Blatt noch zu ihren Gunsten zu wenden.
Am 20. Mai, als die deutschen Panzer die Kanalküste erreicht hatten, war in Churchills Kriegskabinett der Gedanke aufgetaucht, die Etappentruppen und Verwundeten vom Festland zu evakuieren, um die kämpfende Truppe von »unnützen Essern« zu befreien. Man beschloß als Vorsichtsmaßnahme, eine größere Anzahl von Schiffen zur Überfahrt nach französischen Häfen und Anlegestellen bereitzuhalten. Noch am selben Nachmittag - als Guderian in Abbeville einrückte - trafen sich im Dover Castle Vertreter der Admiralität, des Schifffahrtsministeriums und der Hafenbehörden, um die Notevakuierung größerer Kontingente über den Kanal vorzubereiten. Noch war alles nur eine Hypothese, aber man ging davon aus, daß aus Boulogne, Calais und Dünkirchen alle 24 Stunden jeweils zehntausend Mann des B. E. F. evakuiert werden sollten.
Am 22. Mai hatte die deutsche Luftaufklärung der Flieger Division 9 unter Oberst Czech gemeldet, daß sie das Seegebiet unter der Kanalküste von Ostende bis Boulogne völlig feindfrei vorgefunden habe, und daß nur bei South Foreland acht größere Dampfer mit Richtung Nord gesichtet und angegriffen worden seien. Die trügerische Ruhe führte die Aufklärer allerdings nicht zu dem Schluß, daß der Feind die Kanalhäfen bereits aufgegeben und die Einschiffungen eingestellt habe, denn andere Flugzeuge hatten Transporter und kleinere Fahrzeuge gesichtet.
Die Aufklärungsflüge der Luftwaffe in den nächsten Tagen bestätigten die Annahmen, daß weiterhin Ein- und Ausschiffungen in den Häfen der französischen und belgischen Kanalküste vor sich gingen. Die Beobachter meldeten eine starke Belegung der Downs, des Seegebietes vor Ramsgate, und der Themse mit zahlreichen Dampfern und Fahrzeugen, die wahrscheinlich in Verbindung mit Transporten von und nach den belgischen und französischen Häfen standen. Fliegerdivision 9 schlug eine Verminung dieses Seegebietes vor.
Zum kommandierenden Admiral des englische Evakuierungsunternehmens wurde Vizeadmiral Bertram Ramsey berufen. Sein Dienstsitz war Dover Castle, die Burg hoch auf den Kreidefelsen, die Stadt und Hafen überragen. Ramsey hatte man bei Kriegsanbruch aus dem Ruhestand zurückgeholt, und ihm den wichtigen Posten eines Marinekommandanten von Dover übertragen. Ramsey war in Dover kein Unbekannter. Er hatte als junger Seeoffizier im Ersten Weltkrieg das Kommando auf einem Zerstörer der »Dover Patrouille« gehabt und kannte den Hafen und die Kanalgewässer wie seine Westentasche. Ramsey kannte auch die Burg und wußte um das Labyrinth, das in napoleonischen Zeiten von französischen Kriegsgefangenen tief in die Kreidefelsen darunter gegraben worden war - eine bis heute nicht ganz durchsichtige Verteidigungsmaßnahme.
Angesichts der zunehmenden Gefahr eines Luftangriffes verlegte der Admiral seine Dienststelle in diese Katakomben. Neben Ramseys Raum, dem einzigen, der durch eine Öffnung in der Wand der Kreidefelsen etwa 160 Meter über dem Strand Tageslicht erhielt, lag eine Galerie, dort hatten im Ersten Weltkrieg die Notstromaggregate für die Burg gestanden, daher der Name Dynamoraum. Jetzt diente dieses Verlies als Konferenzraum mit einem riesigen mit grünem Filz bespannten Tisch. Der Deckname für das im Dynamoraum entwickelte Unternehmen wurde folgerichtig »Operation Dynamo«.

Britische Truppen in Dünkirchen am 27.5. 1940
Am 27. Mai gab Lord Gort den Befehl zum Rückzug in einen etwa 35 Kilometer breiten Brückenkopf um Dünkirchen, der auf der Linie Gravelines - Bergues - Nieuport verteidigt werden sollte. Gort verlegte sein Hauptquartier nach De Panne an der Küste, 16 Kilometer nordöstlich von Dünkirchen. Schon in der Nacht auf den 28. Mai zogen sich die Briten auf die Linie Poperinge - Cassel zurück, etwa vierzig Kilometer östlich von Dünkirchen, das sie am nächsten Tag erreichen sollten. Poperinge, eine kleine belgische Stadt dicht an der Grenze, war schon im Ersten Weltkrieg schwer verwüstet worden. Mit der Ankunft britischer Truppen in Nordfrankreich im Herbst 1939 war Leben in das verschlafene Städtchen gekommen; Poperinge wurde zum Ausflugsort für die Tommies.
Eigentlich durften sie den Boden des neutralen Belgien nicht betreten, aber niemand nahm das so genau. Aber nach dem 10. Mai änderte sich das, denn nun bezogen französische und britische Soldaten Stellung in Belgien, um die deutsche Wehrmacht zum Stehen zu bringen. In dem kleinen Cafe nahe der Kirche St. Bertinus herrschte ständig Hochbetrieb.
Am 24. Mai fielen die ersten Bomben auf Poperinge.

Poperinge am 28.5.1940
Bald krepierten auch die ersten Artilleriegrananten in den Straßen, und Stukas heulten über die Dächer. In den engen Häuserzeilen brachen Brände aus. Die Wasserversorgung war unterbrochen, und Soldaten ließen sich in der Stadt nicht mehr sehen. Am Horizont driftete eine breite schwarze Rauchwolke hoch am Himmel von Westen nach Osten: Es waren die brennenden Öltanks von Dünkirchen. Deutsche Panzer mit dem schwarzweißen Balkenkreuz waren plötzlich hinter einem Wäldchen aufgetaucht und schossen nach Norden, von wo französische oder britische Artillerie das Feuer erwiderte.
Kolonne um Kolonne von Briten und Franzosen zogen nach Westen. Nur vereinzelt waren Zivilisten zu sehen. Die Brücken über den Yser waren zerstört. Die sich zurückziehenden Soldaten gelangten über einen Notsteg ans andere Ufer. Mit jedem Kilometer wuchs das Durcheinander. Soldaten, wohin man sah. Die Straße gesäumt von weggeworfenen Ausrüstungsgegenständen. Immer wieder schlugen irgendwo Artilleriegranaten ein, ein Maschinengewehrfeuer tackerte dazwischen. Und als der Himmel aufklarte, kamen die deutschen Flugzeuge im Tiefflug heran. Weit voraus heulten Stukas über dem Kanal. Englische Jagdflieger kurvten dazwischen, und die Rauchfahnen abgeschossener Maschinen standen in der Luft wie schwarzbraune Pinselstriche.
Die Luftwaffe versuchte jetzt mit Macht, die Einschiffung zu verhindern. Doch Göring hatte sich in völliger Selbstüberschätzung verrechnet. Die deutschen Bomberverbände mußten tief aus dem Hinterland herangeführt werden, und ihre Zahl reichte bei weitem nicht aus, um die durch Schlechtwetterperioden bedingten Zwangspausen auszugleichen. Während der ganzen »Operation Dynamo« gab es nur dreieinhalb Tage, an denen die Luftwaffe eingesetzt werden konnte.

englische Soldaten im Brückenkopf von Dünkirchen
Die Marineoffiziere in Dover, die in ihren kleinen Sperrholzabteilen Tag und Nacht telefonierten, um eine Evakuierungsflotte aufzubieten, kamen kaum noch zum Schlafen. Die gesamte Südostküste von London über Ramsgate und Folkestone bis Plymouth wurde mobil gemacht. Hafen um Hafen, Werft um Werft wurden abgeklappert. Standen am Anfang nur 40 Zerstörer und 35 Transportschiffe, darunter die Kanalfähren, zur Verfügung, so wuchs die Flotte innerhalb weniger Tage auf 848 Schiffe. Zu den Einheiten der Royal Navy hatten sich sehr bald auch 230 Fischereifahrzeuge gesellt, 203 Motorboote, 27 Segelyachten, sämtliche Seenotrettungsboote der Küste, Hafenbarkassen, Schlepper und Kähne. Ungezählt blieben die vielen kleinsten Motor- und Segelboote, deren Besitzer auf eigene Faust losfuhren, um die Boys heimzuholen. Die »Operation Dynamo« war seit dem 27. Mai zu einem Wettrennen über den Kanal geworden , schon nach vier Tagen waren es mehr als evakuierte 126 000 Soldaten.

Ankunft von evakuierten englischen Soldaten in Dover
Das Oberkommando der Wehrmacht berichtete am 30. Mai. »Schwimmend und auf kleinen Booten versucht der Feind, die auf der Reede liegenden englischen Schiffe zu erreichen, auf die sich unsere Luftwaffe - wie schon durch Sondermeldung bekanntgegeben -mit verheerender Wirkung stürzte. Über sechzig Schiffe wurden getroffen, davon drei Kriegsschiffe und sechzehn Transporter versenkt, zehn Kriegsschiffe und einundzwanzig Handelsschiffe aller Größen schwer beschädigt oder in Brand gesetzt.«
Am 29. Mai wurden vor Nieuport und Dünkirchen über 30 Transporter und etwa 8 Zerstörer beim Einschiffen beobachtet. »Die Frontlage«, heißt es in dem Bericht, »läßt vermuten, daß die Engländer heute nacht die letzte Gelegenheit benutzen werden, um in verstärktem Umfang Truppen abzuholen.« Die Kriegsmarine hielt es deshalb für wünschenswert, in der darauffolgenden Nacht Schnellboote an den Feind zu bringen, mußte aber eingestehen, daß es nicht möglich war, mehr als vier Boote einzusetzen, weil die Brennstoffergänzung und Torpedoübernahme mit langwierigem Ein- und Ausschleusen zwischen Liegeplätzen und der See verbunden waren. Dann kam noch schlechtes Wetter dazu, das den für Wellengang sehr anfälligen Schnellbooten zu schaffen machte: Im Seegebiet um Den Helder herrschte Windstärke sechs. Den Marinestäben muß das Autklärungsergebnis des Kampfgeschwaders 126 wie Hohn geklungen haben, als es am 3. Juni meldete: »In und vor dem Hafen von Dover etwa 50 Schiffe, darunter zahlreiche Kriegsschiffe. Zwischen Dover und Dünkirchen starker Dampferverkehr.«

von S 30 versenkt: die HMS Wakeful
Seit Tagen operierten die deutschen Schnellboote aus dem holländischen Hafen Den Helder. Schon vor Beginn der Evakuierung hatten sie den französischen Zerstörer »Jaguar« vor Dünkirchen versenkt. In der Nacht vom 28. zum 29. Mai war das deutsche Schnellboot S-30 unter Kapitänleutnant Zimmermann in einen Pulk der Evakuierungsflotte gestoßen und hatte die beiden mit Truppen beladenen Zerstörer »Wakeful« und »Grafton« versenkt. Von den 60 Mann auf der in zwei Stücke zerbrochenen »Wakeful« konnten nur 150 Mann gerettet werden. Auf der »Grafton« starben 35 Offiziere des B.E.F. als ein Torpedo in der Messe explodierte.
Der Dampfer »Mona Lisa« mit 1 420 Angehörigen des B. E. F. ausgelaufen. Die deutschen Batterien zwischen Gravelines und Les Hemmes hatten ihn über eine weite Strecke unter Beschuß genommen, dann verfolgten ihn Stukas und Me 110. Mit unzähligen Geschoßeinschlägen - nur eine Bombe hatte das Schiff gestreift - lief er in Dover ein. Dreiundzwanzig Tote und sechzig Verletzte hatte der deutsche Beschuß gekostet.
Der 31. Mai war einer der wenigen Einsatztage für einen Luftwaffengroßeinsatz. Mehrere hundert Maschinen aller Typen waren von den Flugplätzen der Luftflotte 3 zur Kanalküste gestartet. Anders als bei den Einsätzen gegen französische Ziele während des Vormarsches gegen einen völlig überraschten Feind, schlugen ihnen hier pausenlos die Salven leichter und schwerer Flak entgegen. Neben den Zerstörern hatte die britische Admiralität vor Dünkirchen einen Flak-Kreuzer eingesetzt. Hinzu kamen die Spitfires und Hurricanes des Fighter Command, die von Flugplätzen in Essex den Deutschen entgegenflogen und sie schon im Hinterland in Luftkämpfe verwickelten. Eingesetzt war die 11. Jägergruppe unter Keith Park. »Jedesmal wenn wir mit unserer Staffel hinüberflogen«, erinnerte sich Leutnant Bartley, »sind wir auf fünfzig bis sechzig deutsche Maschinen gestoßen, mit denen unsere zwölf Spitfires fertigwerden mußten. Wir haben sie angegriffen und geschossen, bis unsere Munition ausging. Und während wir uns mit ihnen in 3 000 Meter Höhe herumschlugen, richteten die Stukas unter uns verheerenden Schaden an.«
Zwischen dem 10. Mai und dem 4. Juni flogen die Piloten der 11. Gruppe 213 Einsätze mit 7154 Flugstunden. Sie schossen dabei 402 deutsche Maschinen ab und beschädigten 201 weitere gegenüber 141 eigenen Verlusten. Einige der abgeschossenen britischen Piloten können sich retten, wie AI Deere, das neuseeländische Fliegeras.
Deere wurde am 29. Mai vom Heckschützen einer Do 17 erwischt und mußte 25 Kilometer nördlich von Dünkirchen am Strand notlanden. Ein Stück fuhr er per Anhalter, den Rest auf einem Fahrrad, das er sich organisiert hatte. Mühsam bahnte er sich einen Weg durch die zum Strand flutenden Kolonnen, kam schließlich zu Fuß bei einem Zerstörer an und mußte eine merkwürdige Erfahrung machen. »Was wollen Sie hier?!« herrschte ihn ein Major des Heeres an. »Ich bin Offizier der R. A. F. und will zu meiner Staffel zurück!« »Es ist mir scheißegal, wer Sie sind«, sagte der Major wütend. »Bei all den Taten, die ihr hier vollbringt, könnt ihr ebensogut am Boden bleiben!«
Der Major sprach nur aus, was fast alle Angehörigen des B. E. F. dachten: In ihren Augen hatte die R. A. F. versagt, denn zu sehr hatten sie unter den Angriffen der Luftwaffe leiden müssen. Dabei hatten die Einsätze der R. A. F. ein größeres Blutbad an den Stränden von Dünkirchen verhindert. Sie hatten in vielen Fällen einen gezielten Bombenabwurf verhindert. Zu Tausenden standen die Soldaten stundenlang in Viererreihen in kilometerlangen Zickzackschlangen ungeschützt in den Dünen. Systematischer Bordwaffenbeschuß und Bombenabwürfe hätten Tausende das Leben gekostet. Aber nur vereinzelt wagten Me 109 oder Me 110 im Tiefflug die Strände anzugreifen.
Dann war Nebel aufgekommen. Die Fliehenden waren damit wenigstens vor der Luftwaffe sicher. An diesem Tag wurden 68 014 Soldaten evakuiert. Bis jetztwaren es fast 200 000 Mann, die den Deutschen entkommen konnten. Doch Hunderte verloren ihr Leben noch auf dem Weg zur rettenden englischen Küste. Die Luftwaffe versenkte allein sieben Zerstörer und beschädigte neunzehn weitere.
Nördlich von De Panne hatte das 2. Armeekorps unter Generalmajor Montgomery vor Nieuport die Front gehalten. In der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni mußte es der gewaltigen deutschen Übermacht weichen. De Panne geriet unter immer stärker werdendes deutsches Artilleriefeuer. Montgomerys Einheiten erhielten den Befehl, sich entlang des Strandes auf Dünkirchen zurückzuziehen und sich einzuschiffen, wo immer sich eine Möglichkeit bot.
Die provisorischen Anlegestege entlang der Strände - LKWs und andere Fahrzeuge, die durch Planken verbunden waren - waren nur noch zum Teil benutzbar, weil der Seegang sie allmählich wegschwemmte. Die meisten Soldaten konnten erst bei Bray-Dunes und Malo-les-Bains Boote erreichen, die sie zu den wartenden Transportern brachten.
General Montgomery und Brigadegeneral Ritchie mit ihren Adjutanten und Burschen waren unter den letzten, die in den frühen Morgenstunden De Panne verließen. Sie gingen über den festen Sand oberhalb der Buhnen bis Dünkirchen, um sich von dort per Funk abzumelden. Wie vor ihnen schon Lord Gort wurden sie in einem Schnellboot über den Kanal gebracht.
In Dünkirchen selbst drängten sich noch Tausende von Briten und Franzosen, um über die Ostmole auf eines der dort wartenden Schiffe zu gelangen. Bomben hatten große Löcher in die Planken gerissen, und es wurde immer schwieriger, die Verwundeten über die behelfsmäßig verlegten Bretterstege zu bringen, aber es ist kein Fall bekanntgeworden, in dem einer in das schwarze gurgelnde Wasser tief unter den schmalen Brettern gefallen wäre.
Für die britischen Einschiffungsoffiziere war es schwierig, sich mit den andrängenden Franzosen zu verständigen - die wenigsten konnten ein paar Worte Französisch, und nur zu oft wurden Revolver gezogen oder sogar Warnschüsse abgegeben. Die gingen meistens sowieso im Geheul der deutschen Artilleriegranaten unter, die zunehmend größere Schäden anrichteten.
Am Abend des 2. Juni verließen die letzten britischen Truppen französischen Boden. Die Männer der Coldstream Guards brachten sogar noch ihre Handfeuerwaffen mit an Bord des Zerstörers »Sabre«. Die Ordnungstruppe der Green Howards, deren Aufgabe erfüllt war, reihte sich als letzte in die Schlange der Wartenden ein.
Admiral Wake-Walker, der die ganzen Tage über aller Gefahr trotzend in seinem MASB 10 vor der Küste patrouilliert war, nahm gegen 21.00 Uhr die Generäle Alexander und Percival mit ihren Stäben an Bord und brachte sie zum Zerstörer »Venomous«, der schon mit Soldaten fast überladen war.
Der Zerstörer »Winchelsea« begann um 22.30 Uhr zu laden - auf der Mole warteten nur noch Franzosen. Kapitän Tennant, der Einschiffungsoffizier der Briten, ließ um 22.50 Uhr nach Dover funken: »Unternehmen abgeschlossen. Kehren nach Dover zurück.« Kurz darauf legte das Schnellboot MTB 102 mit ihm an Bord ab.
Aber noch immer lief die »Operation Dynamo« Im Hafen lagen die Zerstörer »Express«, »Codnngton« und »Makoto« sowie die Autofähre »Autocarrier« neben einer Menge anderer Schiffe.
Sie warteten über eine Stunde im deutschen Artillenefeuer vergeblich darauf, daß das Gros der verbliebenen franzosischen Truppen am Hafen auftauchte. Sie fuhren leer über den Kanal zurück , denn die Poilus kämpften verbissen um jeden Meter Terrain in der Annahme, daß die Evakuierung noch nicht zu Ende sei.

ein englischer Zerstörer mit evakuierten Truppen vor Dünkirchen
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Die deutschen Truppen waren schon in die Außenbezirke Dunkirchens eingedrungen, als General Fagalde endlich den Befehl gab, sich vom Feind abzusetzen. So bekamen die Besatzungen der englischen Boote noch einmal alle Hände voll zu tun. Am 3. und in den frühen Morgenstunden des 4. Juni wurden wehere 53 000 Mann zumeist Franzosen und Belgier, an der Mole von Dünkirchen eingeladen.
Die Menschenflut, die sich aus den Schiffen auf die Hafenanlagen der Ostküste Kents - Folkestone, Dover, Ramsgate und Margate -ergoß, war in diesen Tagen kaum zu bewältigen gewesen. Die Piers und Abfertigungshallen waren nur für den in Vorkriegszeiten noch schwachen Touristenverkehr gedacht, so daß die Massen standig in Bewegung gehalten werden mußten, damit man überhaupt entladen konnte. Auf den verhältnismäßig kleinen Bahnhöfen der Hafenstädte herrschte ein heilloses Gedränge.
Admiral Ramsey und seinen Männern, den Behörden, den Hafen- und Eisenbahnbeamten und vielen freiwilligen Helfern gelang es diesen Strom der zurückflutenden Soldaten ohne Unfälle und Störungen in das Innere des Landes weiterzuleiten. Eine Welle von Solidarität ging durch die Menschen an der Küste, als Tote und Sterbende, Verwundete und Kranke von den Schiffen getragen wurden Immer war jemand da, der Hilfe leistete. Ärzte und Schwestern arbeiteten rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung, nicht anders als jene, die die Soldaten herübergebracht hatten. Ununterbrochen brachten städtische und private Busse genauso wie Lazarettzüge die transportfähigen Verwundeten und Kranken in landeinwärts gelegene Krankenhäuser.
Gesunde und gehfähige Soldaten, so müde und erschöpft sie auch sein mochten, mußten sich, kaum vom Schiff, zu den Bahnhöfen weterschleppen. Da war kaum Zeit für einen Becher Tee, den Freiwillige in großen Kübeln an den Docks und auf den Bahnsteigen kochten und hastig verteilten.
Der Bahnhofsvorsteher von Ramsgate, S. W. Smith, fertigte in den neun Tagen der Evakuierung 82 Soldatenzüge neben dem regulären Zugverkehr, den Evakuierungszügen für die Zivilisten und Kinder und den Lazarettzügen ab. »Der Bahnsteig sah aus wie eine große Wäscherei, so haben sich die Kleidungsstücke aufgetürmt, die unsere Frauen angeschleppt hatten, weil viele Soldaten nur eine Decke um den nackten Körper geschlungen hatten, andere völlig mit Öl verklebt waren.« Durch Ramsgate kamen in diesen wenigen Tagen 42 783 Soldaten, von Folkestone fuhren 35 000 in 64 Zügen weiter.
Erst auf den weiter von der Küste entfernten Bahnhöfen konnten sich die Soldaten stärken. Ashford, Paddock Wood, Headcorn waren nur drei der vielen Stationen, auf denen die Züge umschichtig etwas länger hielten. Auf dem kleinen Dorfbahnhof von Headcorn, 50 Kilometer von Dover, ging es besonders hoch her: 145 000 Briten, Franzosen und Belgier bekamen hier zum erstenmal seit Tagen wieder eine Mahlzeit. In einer großen Scheune nahe dem Bahnhof wurde gekocht und Sandwiches bereitet, die dann hastig zu den Zügen gebracht wurden - insgesamt waren es 207, von denen jeder nicht mehr als acht, im besten Fall zwanzig Minuten halten durfte. Die Nahrungsmittel wurden von der Armee herangeschafft, die auch vierzig Mann zur Verteilung kommandiert hatte.
So plötzlich die Menschenflut über die Küste hereingebrochen war, so schnell verebbte sie auch wieder. Innerhalb weniger Tage waren die Einheiten des Britischen Expeditionskorps in ihren ursprünglichen Kasernen neu aufgestellt. Es fehlten 60 000 Gefallene, Verwundete und in deutsche Kriegsgefangenschaft geratene Offiziere und Mannschaften. Und es fehlten auch die Waffen, die sie hatten zurücklassen müssen: 2 472 Geschütze, etwa 400 Panzer, 63 879 Fahrzeuge aller Art sowie Berge von Munition und Ausrüstungsgegenständen.
Von den eingesetzten 846 Schiffen waren durch die deutsche Luftwaffe, durch Artilleriebeschuß, Minen, Schnellboote und Unfälle 235 verlorengegangen, darunter 40 Schiffe der Royal Navy.
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Auf dem europäischen Festland spielte sich inzwischen das Drama von Dünkirchen ab, das die Invasionsfurcht auf den Britischen Inseln auf einen Höhepunkt trieb. Für die deutsche Wehrmacht zeitigte es mehrere für das Unternehmen Seelöwe wichtige Einsichten: Das britische Landheer war schlagbar, ein Übersetzen großer Truppenmengen über den Ärmelkanal war in kurzer Zeit möglich, und die Luftwaffe bewies bei ihren Einsätzen gegen Truppen und Evakuierungsschiffe, daß für eine geordnete militärische Aktion feindliche Luftangriffe ausgeschaltet werden mußten.

General Lord Gort war der Vorausplaner der englischen Evakuierungsoperation
Was viele Engländer damals ernsthaft befüchteten, wurde auf deutscher Seite nicht erwogen: In den letzten Mai- und ersten Junitagen hätte ein Angriff auf die britische Küste, mitten in die Evakuierungsbewegung hinein, den wichtigsten Hafen von Dover und die umliegenden Flugplätze unter geringen Verlusten in deutsche Hand gebracht. Zu keinem späteren Zeitpunkt waren die Briten so hilflos und verwundbar. Eher als die Stäbe in London hatte Lord Gort, der Befehlshaber der britischen Truppen in Frankreich und Belgien, die verzweifelte Situation dort erkannt. Während Churchill ihn ermunterte, wenigstens das eingeschlossene Calais zu entsetzen, das am 26. Mai fiel, hatte Lord Gort mit seinem militärischen Vorgesetzten, dem französischen General Blanchard, schon einen Rückzugsplan auf den Raum Dünkirchen ausgearbeitet. Seine Truppen hatten nur noch für zwei Tage Verpflegung, waren abgekämpft und hatten gegen die überlegenen deutschen Verbände nicht die geringste Chance, das Blatt noch zu ihren Gunsten zu wenden.
Am 20. Mai, als die deutschen Panzer die Kanalküste erreicht hatten, war in Churchills Kriegskabinett der Gedanke aufgetaucht, die Etappentruppen und Verwundeten vom Festland zu evakuieren, um die kämpfende Truppe von »unnützen Essern« zu befreien. Man beschloß als Vorsichtsmaßnahme, eine größere Anzahl von Schiffen zur Überfahrt nach französischen Häfen und Anlegestellen bereitzuhalten. Noch am selben Nachmittag - als Guderian in Abbeville einrückte - trafen sich im Dover Castle Vertreter der Admiralität, des Schifffahrtsministeriums und der Hafenbehörden, um die Notevakuierung größerer Kontingente über den Kanal vorzubereiten. Noch war alles nur eine Hypothese, aber man ging davon aus, daß aus Boulogne, Calais und Dünkirchen alle 24 Stunden jeweils zehntausend Mann des B. E. F. evakuiert werden sollten.
Am 22. Mai hatte die deutsche Luftaufklärung der Flieger Division 9 unter Oberst Czech gemeldet, daß sie das Seegebiet unter der Kanalküste von Ostende bis Boulogne völlig feindfrei vorgefunden habe, und daß nur bei South Foreland acht größere Dampfer mit Richtung Nord gesichtet und angegriffen worden seien. Die trügerische Ruhe führte die Aufklärer allerdings nicht zu dem Schluß, daß der Feind die Kanalhäfen bereits aufgegeben und die Einschiffungen eingestellt habe, denn andere Flugzeuge hatten Transporter und kleinere Fahrzeuge gesichtet.
Die Aufklärungsflüge der Luftwaffe in den nächsten Tagen bestätigten die Annahmen, daß weiterhin Ein- und Ausschiffungen in den Häfen der französischen und belgischen Kanalküste vor sich gingen. Die Beobachter meldeten eine starke Belegung der Downs, des Seegebietes vor Ramsgate, und der Themse mit zahlreichen Dampfern und Fahrzeugen, die wahrscheinlich in Verbindung mit Transporten von und nach den belgischen und französischen Häfen standen. Fliegerdivision 9 schlug eine Verminung dieses Seegebietes vor.
Zum kommandierenden Admiral des englische Evakuierungsunternehmens wurde Vizeadmiral Bertram Ramsey berufen. Sein Dienstsitz war Dover Castle, die Burg hoch auf den Kreidefelsen, die Stadt und Hafen überragen. Ramsey hatte man bei Kriegsanbruch aus dem Ruhestand zurückgeholt, und ihm den wichtigen Posten eines Marinekommandanten von Dover übertragen. Ramsey war in Dover kein Unbekannter. Er hatte als junger Seeoffizier im Ersten Weltkrieg das Kommando auf einem Zerstörer der »Dover Patrouille« gehabt und kannte den Hafen und die Kanalgewässer wie seine Westentasche. Ramsey kannte auch die Burg und wußte um das Labyrinth, das in napoleonischen Zeiten von französischen Kriegsgefangenen tief in die Kreidefelsen darunter gegraben worden war - eine bis heute nicht ganz durchsichtige Verteidigungsmaßnahme.
Angesichts der zunehmenden Gefahr eines Luftangriffes verlegte der Admiral seine Dienststelle in diese Katakomben. Neben Ramseys Raum, dem einzigen, der durch eine Öffnung in der Wand der Kreidefelsen etwa 160 Meter über dem Strand Tageslicht erhielt, lag eine Galerie, dort hatten im Ersten Weltkrieg die Notstromaggregate für die Burg gestanden, daher der Name Dynamoraum. Jetzt diente dieses Verlies als Konferenzraum mit einem riesigen mit grünem Filz bespannten Tisch. Der Deckname für das im Dynamoraum entwickelte Unternehmen wurde folgerichtig »Operation Dynamo«.

Britische Truppen in Dünkirchen am 27.5. 1940
Am 27. Mai gab Lord Gort den Befehl zum Rückzug in einen etwa 35 Kilometer breiten Brückenkopf um Dünkirchen, der auf der Linie Gravelines - Bergues - Nieuport verteidigt werden sollte. Gort verlegte sein Hauptquartier nach De Panne an der Küste, 16 Kilometer nordöstlich von Dünkirchen. Schon in der Nacht auf den 28. Mai zogen sich die Briten auf die Linie Poperinge - Cassel zurück, etwa vierzig Kilometer östlich von Dünkirchen, das sie am nächsten Tag erreichen sollten. Poperinge, eine kleine belgische Stadt dicht an der Grenze, war schon im Ersten Weltkrieg schwer verwüstet worden. Mit der Ankunft britischer Truppen in Nordfrankreich im Herbst 1939 war Leben in das verschlafene Städtchen gekommen; Poperinge wurde zum Ausflugsort für die Tommies.
Eigentlich durften sie den Boden des neutralen Belgien nicht betreten, aber niemand nahm das so genau. Aber nach dem 10. Mai änderte sich das, denn nun bezogen französische und britische Soldaten Stellung in Belgien, um die deutsche Wehrmacht zum Stehen zu bringen. In dem kleinen Cafe nahe der Kirche St. Bertinus herrschte ständig Hochbetrieb.
Am 24. Mai fielen die ersten Bomben auf Poperinge.

Poperinge am 28.5.1940
Bald krepierten auch die ersten Artilleriegrananten in den Straßen, und Stukas heulten über die Dächer. In den engen Häuserzeilen brachen Brände aus. Die Wasserversorgung war unterbrochen, und Soldaten ließen sich in der Stadt nicht mehr sehen. Am Horizont driftete eine breite schwarze Rauchwolke hoch am Himmel von Westen nach Osten: Es waren die brennenden Öltanks von Dünkirchen. Deutsche Panzer mit dem schwarzweißen Balkenkreuz waren plötzlich hinter einem Wäldchen aufgetaucht und schossen nach Norden, von wo französische oder britische Artillerie das Feuer erwiderte.
Kolonne um Kolonne von Briten und Franzosen zogen nach Westen. Nur vereinzelt waren Zivilisten zu sehen. Die Brücken über den Yser waren zerstört. Die sich zurückziehenden Soldaten gelangten über einen Notsteg ans andere Ufer. Mit jedem Kilometer wuchs das Durcheinander. Soldaten, wohin man sah. Die Straße gesäumt von weggeworfenen Ausrüstungsgegenständen. Immer wieder schlugen irgendwo Artilleriegranaten ein, ein Maschinengewehrfeuer tackerte dazwischen. Und als der Himmel aufklarte, kamen die deutschen Flugzeuge im Tiefflug heran. Weit voraus heulten Stukas über dem Kanal. Englische Jagdflieger kurvten dazwischen, und die Rauchfahnen abgeschossener Maschinen standen in der Luft wie schwarzbraune Pinselstriche.
Die Luftwaffe versuchte jetzt mit Macht, die Einschiffung zu verhindern. Doch Göring hatte sich in völliger Selbstüberschätzung verrechnet. Die deutschen Bomberverbände mußten tief aus dem Hinterland herangeführt werden, und ihre Zahl reichte bei weitem nicht aus, um die durch Schlechtwetterperioden bedingten Zwangspausen auszugleichen. Während der ganzen »Operation Dynamo« gab es nur dreieinhalb Tage, an denen die Luftwaffe eingesetzt werden konnte.

englische Soldaten im Brückenkopf von Dünkirchen
Die Marineoffiziere in Dover, die in ihren kleinen Sperrholzabteilen Tag und Nacht telefonierten, um eine Evakuierungsflotte aufzubieten, kamen kaum noch zum Schlafen. Die gesamte Südostküste von London über Ramsgate und Folkestone bis Plymouth wurde mobil gemacht. Hafen um Hafen, Werft um Werft wurden abgeklappert. Standen am Anfang nur 40 Zerstörer und 35 Transportschiffe, darunter die Kanalfähren, zur Verfügung, so wuchs die Flotte innerhalb weniger Tage auf 848 Schiffe. Zu den Einheiten der Royal Navy hatten sich sehr bald auch 230 Fischereifahrzeuge gesellt, 203 Motorboote, 27 Segelyachten, sämtliche Seenotrettungsboote der Küste, Hafenbarkassen, Schlepper und Kähne. Ungezählt blieben die vielen kleinsten Motor- und Segelboote, deren Besitzer auf eigene Faust losfuhren, um die Boys heimzuholen. Die »Operation Dynamo« war seit dem 27. Mai zu einem Wettrennen über den Kanal geworden , schon nach vier Tagen waren es mehr als evakuierte 126 000 Soldaten.

Ankunft von evakuierten englischen Soldaten in Dover
Das Oberkommando der Wehrmacht berichtete am 30. Mai. »Schwimmend und auf kleinen Booten versucht der Feind, die auf der Reede liegenden englischen Schiffe zu erreichen, auf die sich unsere Luftwaffe - wie schon durch Sondermeldung bekanntgegeben -mit verheerender Wirkung stürzte. Über sechzig Schiffe wurden getroffen, davon drei Kriegsschiffe und sechzehn Transporter versenkt, zehn Kriegsschiffe und einundzwanzig Handelsschiffe aller Größen schwer beschädigt oder in Brand gesetzt.«
Am 29. Mai wurden vor Nieuport und Dünkirchen über 30 Transporter und etwa 8 Zerstörer beim Einschiffen beobachtet. »Die Frontlage«, heißt es in dem Bericht, »läßt vermuten, daß die Engländer heute nacht die letzte Gelegenheit benutzen werden, um in verstärktem Umfang Truppen abzuholen.« Die Kriegsmarine hielt es deshalb für wünschenswert, in der darauffolgenden Nacht Schnellboote an den Feind zu bringen, mußte aber eingestehen, daß es nicht möglich war, mehr als vier Boote einzusetzen, weil die Brennstoffergänzung und Torpedoübernahme mit langwierigem Ein- und Ausschleusen zwischen Liegeplätzen und der See verbunden waren. Dann kam noch schlechtes Wetter dazu, das den für Wellengang sehr anfälligen Schnellbooten zu schaffen machte: Im Seegebiet um Den Helder herrschte Windstärke sechs. Den Marinestäben muß das Autklärungsergebnis des Kampfgeschwaders 126 wie Hohn geklungen haben, als es am 3. Juni meldete: »In und vor dem Hafen von Dover etwa 50 Schiffe, darunter zahlreiche Kriegsschiffe. Zwischen Dover und Dünkirchen starker Dampferverkehr.«

von S 30 versenkt: die HMS Wakeful
Seit Tagen operierten die deutschen Schnellboote aus dem holländischen Hafen Den Helder. Schon vor Beginn der Evakuierung hatten sie den französischen Zerstörer »Jaguar« vor Dünkirchen versenkt. In der Nacht vom 28. zum 29. Mai war das deutsche Schnellboot S-30 unter Kapitänleutnant Zimmermann in einen Pulk der Evakuierungsflotte gestoßen und hatte die beiden mit Truppen beladenen Zerstörer »Wakeful« und »Grafton« versenkt. Von den 60 Mann auf der in zwei Stücke zerbrochenen »Wakeful« konnten nur 150 Mann gerettet werden. Auf der »Grafton« starben 35 Offiziere des B.E.F. als ein Torpedo in der Messe explodierte.
Der Dampfer »Mona Lisa« mit 1 420 Angehörigen des B. E. F. ausgelaufen. Die deutschen Batterien zwischen Gravelines und Les Hemmes hatten ihn über eine weite Strecke unter Beschuß genommen, dann verfolgten ihn Stukas und Me 110. Mit unzähligen Geschoßeinschlägen - nur eine Bombe hatte das Schiff gestreift - lief er in Dover ein. Dreiundzwanzig Tote und sechzig Verletzte hatte der deutsche Beschuß gekostet.
Der 31. Mai war einer der wenigen Einsatztage für einen Luftwaffengroßeinsatz. Mehrere hundert Maschinen aller Typen waren von den Flugplätzen der Luftflotte 3 zur Kanalküste gestartet. Anders als bei den Einsätzen gegen französische Ziele während des Vormarsches gegen einen völlig überraschten Feind, schlugen ihnen hier pausenlos die Salven leichter und schwerer Flak entgegen. Neben den Zerstörern hatte die britische Admiralität vor Dünkirchen einen Flak-Kreuzer eingesetzt. Hinzu kamen die Spitfires und Hurricanes des Fighter Command, die von Flugplätzen in Essex den Deutschen entgegenflogen und sie schon im Hinterland in Luftkämpfe verwickelten. Eingesetzt war die 11. Jägergruppe unter Keith Park. »Jedesmal wenn wir mit unserer Staffel hinüberflogen«, erinnerte sich Leutnant Bartley, »sind wir auf fünfzig bis sechzig deutsche Maschinen gestoßen, mit denen unsere zwölf Spitfires fertigwerden mußten. Wir haben sie angegriffen und geschossen, bis unsere Munition ausging. Und während wir uns mit ihnen in 3 000 Meter Höhe herumschlugen, richteten die Stukas unter uns verheerenden Schaden an.«
Zwischen dem 10. Mai und dem 4. Juni flogen die Piloten der 11. Gruppe 213 Einsätze mit 7154 Flugstunden. Sie schossen dabei 402 deutsche Maschinen ab und beschädigten 201 weitere gegenüber 141 eigenen Verlusten. Einige der abgeschossenen britischen Piloten können sich retten, wie AI Deere, das neuseeländische Fliegeras.
Deere wurde am 29. Mai vom Heckschützen einer Do 17 erwischt und mußte 25 Kilometer nördlich von Dünkirchen am Strand notlanden. Ein Stück fuhr er per Anhalter, den Rest auf einem Fahrrad, das er sich organisiert hatte. Mühsam bahnte er sich einen Weg durch die zum Strand flutenden Kolonnen, kam schließlich zu Fuß bei einem Zerstörer an und mußte eine merkwürdige Erfahrung machen. »Was wollen Sie hier?!« herrschte ihn ein Major des Heeres an. »Ich bin Offizier der R. A. F. und will zu meiner Staffel zurück!« »Es ist mir scheißegal, wer Sie sind«, sagte der Major wütend. »Bei all den Taten, die ihr hier vollbringt, könnt ihr ebensogut am Boden bleiben!«
Der Major sprach nur aus, was fast alle Angehörigen des B. E. F. dachten: In ihren Augen hatte die R. A. F. versagt, denn zu sehr hatten sie unter den Angriffen der Luftwaffe leiden müssen. Dabei hatten die Einsätze der R. A. F. ein größeres Blutbad an den Stränden von Dünkirchen verhindert. Sie hatten in vielen Fällen einen gezielten Bombenabwurf verhindert. Zu Tausenden standen die Soldaten stundenlang in Viererreihen in kilometerlangen Zickzackschlangen ungeschützt in den Dünen. Systematischer Bordwaffenbeschuß und Bombenabwürfe hätten Tausende das Leben gekostet. Aber nur vereinzelt wagten Me 109 oder Me 110 im Tiefflug die Strände anzugreifen.
Dann war Nebel aufgekommen. Die Fliehenden waren damit wenigstens vor der Luftwaffe sicher. An diesem Tag wurden 68 014 Soldaten evakuiert. Bis jetztwaren es fast 200 000 Mann, die den Deutschen entkommen konnten. Doch Hunderte verloren ihr Leben noch auf dem Weg zur rettenden englischen Küste. Die Luftwaffe versenkte allein sieben Zerstörer und beschädigte neunzehn weitere.
Nördlich von De Panne hatte das 2. Armeekorps unter Generalmajor Montgomery vor Nieuport die Front gehalten. In der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni mußte es der gewaltigen deutschen Übermacht weichen. De Panne geriet unter immer stärker werdendes deutsches Artilleriefeuer. Montgomerys Einheiten erhielten den Befehl, sich entlang des Strandes auf Dünkirchen zurückzuziehen und sich einzuschiffen, wo immer sich eine Möglichkeit bot.
Die provisorischen Anlegestege entlang der Strände - LKWs und andere Fahrzeuge, die durch Planken verbunden waren - waren nur noch zum Teil benutzbar, weil der Seegang sie allmählich wegschwemmte. Die meisten Soldaten konnten erst bei Bray-Dunes und Malo-les-Bains Boote erreichen, die sie zu den wartenden Transportern brachten.
General Montgomery und Brigadegeneral Ritchie mit ihren Adjutanten und Burschen waren unter den letzten, die in den frühen Morgenstunden De Panne verließen. Sie gingen über den festen Sand oberhalb der Buhnen bis Dünkirchen, um sich von dort per Funk abzumelden. Wie vor ihnen schon Lord Gort wurden sie in einem Schnellboot über den Kanal gebracht.
In Dünkirchen selbst drängten sich noch Tausende von Briten und Franzosen, um über die Ostmole auf eines der dort wartenden Schiffe zu gelangen. Bomben hatten große Löcher in die Planken gerissen, und es wurde immer schwieriger, die Verwundeten über die behelfsmäßig verlegten Bretterstege zu bringen, aber es ist kein Fall bekanntgeworden, in dem einer in das schwarze gurgelnde Wasser tief unter den schmalen Brettern gefallen wäre.
Für die britischen Einschiffungsoffiziere war es schwierig, sich mit den andrängenden Franzosen zu verständigen - die wenigsten konnten ein paar Worte Französisch, und nur zu oft wurden Revolver gezogen oder sogar Warnschüsse abgegeben. Die gingen meistens sowieso im Geheul der deutschen Artilleriegranaten unter, die zunehmend größere Schäden anrichteten.
Am Abend des 2. Juni verließen die letzten britischen Truppen französischen Boden. Die Männer der Coldstream Guards brachten sogar noch ihre Handfeuerwaffen mit an Bord des Zerstörers »Sabre«. Die Ordnungstruppe der Green Howards, deren Aufgabe erfüllt war, reihte sich als letzte in die Schlange der Wartenden ein.
Admiral Wake-Walker, der die ganzen Tage über aller Gefahr trotzend in seinem MASB 10 vor der Küste patrouilliert war, nahm gegen 21.00 Uhr die Generäle Alexander und Percival mit ihren Stäben an Bord und brachte sie zum Zerstörer »Venomous«, der schon mit Soldaten fast überladen war.
Der Zerstörer »Winchelsea« begann um 22.30 Uhr zu laden - auf der Mole warteten nur noch Franzosen. Kapitän Tennant, der Einschiffungsoffizier der Briten, ließ um 22.50 Uhr nach Dover funken: »Unternehmen abgeschlossen. Kehren nach Dover zurück.« Kurz darauf legte das Schnellboot MTB 102 mit ihm an Bord ab.
Aber noch immer lief die »Operation Dynamo« Im Hafen lagen die Zerstörer »Express«, »Codnngton« und »Makoto« sowie die Autofähre »Autocarrier« neben einer Menge anderer Schiffe.
Sie warteten über eine Stunde im deutschen Artillenefeuer vergeblich darauf, daß das Gros der verbliebenen franzosischen Truppen am Hafen auftauchte. Sie fuhren leer über den Kanal zurück , denn die Poilus kämpften verbissen um jeden Meter Terrain in der Annahme, daß die Evakuierung noch nicht zu Ende sei.

ein englischer Zerstörer mit evakuierten Truppen vor Dünkirchen
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Die deutschen Truppen waren schon in die Außenbezirke Dunkirchens eingedrungen, als General Fagalde endlich den Befehl gab, sich vom Feind abzusetzen. So bekamen die Besatzungen der englischen Boote noch einmal alle Hände voll zu tun. Am 3. und in den frühen Morgenstunden des 4. Juni wurden wehere 53 000 Mann zumeist Franzosen und Belgier, an der Mole von Dünkirchen eingeladen.
Die Menschenflut, die sich aus den Schiffen auf die Hafenanlagen der Ostküste Kents - Folkestone, Dover, Ramsgate und Margate -ergoß, war in diesen Tagen kaum zu bewältigen gewesen. Die Piers und Abfertigungshallen waren nur für den in Vorkriegszeiten noch schwachen Touristenverkehr gedacht, so daß die Massen standig in Bewegung gehalten werden mußten, damit man überhaupt entladen konnte. Auf den verhältnismäßig kleinen Bahnhöfen der Hafenstädte herrschte ein heilloses Gedränge.
Admiral Ramsey und seinen Männern, den Behörden, den Hafen- und Eisenbahnbeamten und vielen freiwilligen Helfern gelang es diesen Strom der zurückflutenden Soldaten ohne Unfälle und Störungen in das Innere des Landes weiterzuleiten. Eine Welle von Solidarität ging durch die Menschen an der Küste, als Tote und Sterbende, Verwundete und Kranke von den Schiffen getragen wurden Immer war jemand da, der Hilfe leistete. Ärzte und Schwestern arbeiteten rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung, nicht anders als jene, die die Soldaten herübergebracht hatten. Ununterbrochen brachten städtische und private Busse genauso wie Lazarettzüge die transportfähigen Verwundeten und Kranken in landeinwärts gelegene Krankenhäuser.
Gesunde und gehfähige Soldaten, so müde und erschöpft sie auch sein mochten, mußten sich, kaum vom Schiff, zu den Bahnhöfen weterschleppen. Da war kaum Zeit für einen Becher Tee, den Freiwillige in großen Kübeln an den Docks und auf den Bahnsteigen kochten und hastig verteilten.
Der Bahnhofsvorsteher von Ramsgate, S. W. Smith, fertigte in den neun Tagen der Evakuierung 82 Soldatenzüge neben dem regulären Zugverkehr, den Evakuierungszügen für die Zivilisten und Kinder und den Lazarettzügen ab. »Der Bahnsteig sah aus wie eine große Wäscherei, so haben sich die Kleidungsstücke aufgetürmt, die unsere Frauen angeschleppt hatten, weil viele Soldaten nur eine Decke um den nackten Körper geschlungen hatten, andere völlig mit Öl verklebt waren.« Durch Ramsgate kamen in diesen wenigen Tagen 42 783 Soldaten, von Folkestone fuhren 35 000 in 64 Zügen weiter.
Erst auf den weiter von der Küste entfernten Bahnhöfen konnten sich die Soldaten stärken. Ashford, Paddock Wood, Headcorn waren nur drei der vielen Stationen, auf denen die Züge umschichtig etwas länger hielten. Auf dem kleinen Dorfbahnhof von Headcorn, 50 Kilometer von Dover, ging es besonders hoch her: 145 000 Briten, Franzosen und Belgier bekamen hier zum erstenmal seit Tagen wieder eine Mahlzeit. In einer großen Scheune nahe dem Bahnhof wurde gekocht und Sandwiches bereitet, die dann hastig zu den Zügen gebracht wurden - insgesamt waren es 207, von denen jeder nicht mehr als acht, im besten Fall zwanzig Minuten halten durfte. Die Nahrungsmittel wurden von der Armee herangeschafft, die auch vierzig Mann zur Verteilung kommandiert hatte.
So plötzlich die Menschenflut über die Küste hereingebrochen war, so schnell verebbte sie auch wieder. Innerhalb weniger Tage waren die Einheiten des Britischen Expeditionskorps in ihren ursprünglichen Kasernen neu aufgestellt. Es fehlten 60 000 Gefallene, Verwundete und in deutsche Kriegsgefangenschaft geratene Offiziere und Mannschaften. Und es fehlten auch die Waffen, die sie hatten zurücklassen müssen: 2 472 Geschütze, etwa 400 Panzer, 63 879 Fahrzeuge aller Art sowie Berge von Munition und Ausrüstungsgegenständen.
Von den eingesetzten 846 Schiffen waren durch die deutsche Luftwaffe, durch Artilleriebeschuß, Minen, Schnellboote und Unfälle 235 verlorengegangen, darunter 40 Schiffe der Royal Navy.
[...]
The Real Blaze
Was man den Deutschen auf der Insel entgegenwerfen wollte
Nur 40 Zerstörer und 3 Kreuzer als dirkete Invasionsabwehr
Am 28. Mai erklärte Churchill in einer Kabinettssitzung: »Ich habe in den letzten Tagen sehr intensiv darüber nachgedacht, ob es nicht meine Pflicht sei, Verhandlungen mit diesem Menschen in Erwägung zu ziehen. Solche Gedanken sind müßig, daß wir bessere Bedingungen aushandeln könnten, wenn wir versuchen, jetzt Frieden zu schließen, als wenn wir weiterkämpfen. Ich bin auch überzeugt, daß Sie sich erheben und mich von meinem Platz stoßen würden, wenn ich Unterhandlungen oder die Kapitulation anstrebte. Wenn schon die lange Geschichte unserer Inseln zu Ende gehen soll, dann soll sie erst enden, wenn jeder einzelne von uns in seinem Blut erstickend am Boden liegt.«
Churchills etwas blutrünstiger Appell an den Verteidigungswillen jedes einzelnen entsprang der Einsicht, daß die militärische Situation der Engländer verzweifelt war, und daß sie sich jetzt auf die einfachsten Verteidigungsmittel besinnen mußten. Das Heer würde noch lange brauchen, um sich von der Niederlage in Nordfrankreich zu erholen. Englands beste Truppen waren dezimiert, ohne Waffen und Transportmittel. Etwa 29 Divisionen waren einsatzbereit. Für die Länge der zu verteidigenden Küste hätte die doppelte Zahl nicht ausgereicht, um dem massierten Ansturm des Feindes an einer beliebigen Stelle zu begegnen.
Die Royal Navy hatte in Norwegen und bei Dünkirchen einsehen müssen, daß ihre großen Einheiten zur Untätigkeit verdammt waren, solange der Gegner mit seiner starken Luftwaffe operieren konnte. Die Flugzeugträger, Schlachtschiffe und schweren Kreuzer der Royal Navy lagen in Scapa Flow, Liverpool, Island, im Mittelmeer, oder sie schützten die Geleitzüge über den Atlantik.
Als Eingreifkräfte standen zwischen Tyne und Portsmouth an die 40 Zerstörer und drei Kreuzer zur Verfugung. Etwa 400 Fischereifahrzeuge und 700 Patrouillenboote aller Art hatten die Aufgabe, die britische Küste von Duncansby Head an der äußersten Spitze im Nordosten Schottlands nach Süden um die Küsten von Kent, Sussex und Cornwall wieder nach Norden bis zum Solway Firth zu überwachen und auf die Invasion zu warten.

eine He 111 H-6 des KG.26 mit Lufttorpedos - auf solche Einsätze wäre es angekommen, um die britischen Zerstörer schon beim Auslaufen zu bekämpfen, damit sie nicht die Invasionszone erreichen
Die Royal Navy konnte ihre zehnfache Überlegenheit über die deutsche Kriegsmarine nicht ausspielen. Das Kräfteverhältnis Royal Air Force zur vierfach überlegenen Luftwaffe war beinahe ausgewogen, was man aber nicht wußte.
Es war eine Frage der Waffen, die nicht vorhanden waren. Verbissen schulterten die Männer der Home Guard ihre Besenstiele -mancher gab resigniert auf und machte von der »Dienstmadchenklausel« Gebrauch. Im ganzen Königreich waren nur noch 70 000 Gewehre vorhanden. Dem Kommandeur der Zone Kent waren 1 500 zugeteilt worden, für ein Gebiet anderthalbmal so groß wie das Saarland. Kent war primärers Landungsgebiet für Unternehmen Seelöwe! Begreiflich, daß die Kommandeure an der Küste Kents zur Selbsthilfe griffen, als sich ihnen die Gelegenheit dazu bot.
In Margate an der Nordküste Kents hatten die 900 Mann der Home Guard unter Major a. D. Witts, damals Manager der Lloyd's Bank nur 100 Gewehre mit je fünf Schuß Munition . Als London die Warnung durchgab »feindliche Landung unmittelbar bevorstehend«, bewaffneten sich die Männer mit Schrotflinten, Gartenhakken, Golfschlägern und Knüppeln. Major Witts versuchte verzweifelt Schußwaffen aufzutreiben und wurde, wie übrigens auch seine Kameraden in Dover und Folkestone, an der Pier des Hafens fündig: dort lagen haufenweise Gewehre und andere Handfeuerwaffen herum die aus Dünkirchen zurückgekehrte Soldaten liegengelassen hatten. Auch Munition fand sich. Witts holte einen Lastwagen und ein paar Leute, fuhr unter die Pier und karrte die Waffen davon. Witts konnte endlich daran gehen, seine Leute im Schießen auszubilden. Die Armee forderte jedoch die Waffen zurück , man hatte ja selbst kaum etwas zählbares.
Die Vorstellung, daß der Feind jederzeit mit Panzern und Artillerie an der Küste auftauchen konnte, dämpfte derlei Erfolgsgefühle erheblich. Selbst wenn man gewußt hätte, an welcher Stelle der Küste die Deutschen landen würden, hatte man ihnen so gut wie nichts entgegenzusetzen.
Eine der geheimgehaltenen, Ideen war, an den Landungsstellen das Meer in Brand zu setzen. Verschiedene militärische Dienststellen waren an diesem grandiosen Versuch beteiligt. Von den Öltanks, die zur Versorgung von Schiffen dienten, wurden Rohrleitungen ins Meer verlegt und Öl auf die See gepumpt. Der so entstandene Ölteppich sollte entzündet werden und jedes Landungsschiff in eine brennende Fackel verwandeln. Doch Seegang und Strömung zerrissen den Ölfilm und verwandelten ihn in eine nicht brennbare Emulsion. Nicht ein einziges Mal gelang es, ihn in Brand zu stecken. Nach wochenlangen, sehr kostspieligen Versuchen wurde die Idee wieder fallengelassen.
Neben vielen weiteren Schnapsideen hatte man auch ein paar praktische Ideen, zum Beispiel wie man Panzerfallen gräbt, wie man Straßensperren errichtet, mit Dynamit umgeht, die Küste und Flußmündungen mit Fischernetzen und minenbewehrten Baumstämmen sichert, Nagelbretter im Sand vergräbt und glassplitterbesetzte Zementplatten anfertigt.

der Abbau von Wegweisern sollte Verwirrung stiften...
Die erste offizielle Maßnahme galt der Desorientierung der Deutschen. Am 31. Mai ordnete das Innenministerium an, daß alle Wegweiser zu entfernen und Ortsnamen an Bahnhöfen, Postämtern, Polizeiwachen und anderen Gebäuden ebenfalls zu entfernen oder zu überpinseln waren. In jenen Tagen war es nicht ratsam, ohne Ortskenntnisse durch das Land zu fahren. Die südenglische Landschaft ist von einem Netz so vieler kleiner, heckengesäumter Landstraßen labyrinthartig durchzogen, daß selbst Einheimische ohne Wegweiser ratlos sind. Offensichtlich dachte man bei dieser Maßnahme nicht an den Umstand, daß deutsche Soldaten ihre eigenen Karten dabei hatten.
Der nächste Schritt war die Errichtung von Straßensperren. Jede Stadt, jedes Dorf, jede Ansammlung von Häusern verbarrikadierte sich. Alles, was als Hindernis geeignet erschien, wurde an den Ortseingängen auf die Straße gezerrt. In Chillingham zum Beispiel waren das die dicksten Baumstämme aus einer nahen Sägemühle; in Newing Green waren es ein schwerer Pflug, ein eiserner Dampfkessel, ein Wassertank, Müllwagen und ein umgestürztes Autowrack; anderswo hatten die Einheimischen Dampfmaschinen und schwere Ackergeräte, Pflastersteine, Teerfässer und Sandsäcke herangeschleppt Oft genug vergaßen die Männer in ihrem Eifer, genügend weite Lücken für die eignen Lastwagen zu lassen. In Margate an der Themsemündung, wo man alte Badekarren und Strandkörbe als Hindernisse mit Sand gefüllt hatte, hatte man eine wichtige Brücke über Nacht so verrammelt, daß man fast den ganzen nächsten Tag brauchte, um sie für eigene Fahrzeuge wieder passierbar zu machen.
Der Straßenverkehr war fast völlig zum Erliegen gekommen, denn an den Tankstellen tauchte immer öfter das Schild »Kein Benzin« auf. Einige der küstennächsten Tankstellen wurden vermint; an anderen standen Wassertanks bereit, um das vorhandene Benzin damit unbrauchbar zu machen. Für noch im Verkehr befindliche Privatwagen lautete die streng befolgte Regel: Beim Parken Verteilerfinger entfernen! Damit kein vom Himmel gefallener Deutscher oder ein Angehöriger der Fünften Kolonne das Fahrzeug stehlen konnte!

Übungen mit Gasmaske - Churchill hatte den Plan deutsche Landungsabschnitte mit Giftgas zu fluten. Die einigen Leidtragenden wären aber wohl Zivilisten gewesen, wenn der Wind gedreht hätte, denn deutsche Soldaten hatten auch Gasmasken dabei.
Für die Hinhaltetaktik der Armee war das Nächstliegende die Sicherung der im Küstengebiet weitverstreuten Vorposten. Wer immer zwei Hände hatte, wurde als Helfer eingestellt. 150 000 Mann wurden eingesetzt, um »pillboxes« - Einmannbunker - Blockhäuser für Maschinengewehrnester zu bauen und Panzergräben auszuheben. Einer von den vielen Vorschlägen war, in den Gräben Petroleumfässer mit einem ferngesteuerten Zündsatz anzubringen, um festsitzende Panzer in Brand zu stecken; ein anderer war, Tigerfallen zu bauen, jene Gruben mit eingerammten nach oben spitzen Pfählen, wie sie 20 Jahre später von den Vietcong in Vietnam angewandt wurden.
Im Grunde war es jeder Gemeinde, jedem einzelnen überlassen, wie er sich schützen und wehren wollte. Als eine Dame in Buckinghamshire gefragt wurde, wie sie sich bei der Landung verhalten würde, sagte sie: »Ich würde sämtliche deutschen Offiziere zu mir bitten und sie mit Champagner bewirten!« Nach einer Kunstpause fügte sie trocken hinzu: »Vergiftetem natürlich.« Eine Hausfrau wollte dieGläser mit eingemachter Marmelade mit einem Hammer zerschmettern, um sie nicht in die Hände der marmeladehungrigen Deutschen fallen zu lassen. Die steigende Nachfrage nach Dynamit bewies, daß viele sich ihre eigenen »bobby traps« bauten: unter losen Fußbodenbrettern, in Gartenschuppen, in Wandschränken, unter Treppen, in Garagen und unter stillgelegten Fahrzeugen brachte mancher eine Dynamitladung an. Es gab nur wenig, woran die Briten nicht gedacht hätten: von mit Sprengstoff beladenen Booten, bis zu Sprengladungen an Alleebäumen, die gesprengt auf feindliche Panzer stürzen sollten.
Je mehr sich eine Landung von See her abzuzeichnen schien, desto mehr nahmen jetzt Panzer den Platz der Fallschirmspringer als Feind Nr. 1 ein. Mit Molotowcocktails wollte die Home Guard deutsche Panzer bekämpfen, den dieses Verteidigungsmittel war billig und leicht herzustellen. In allen Zonen waren bald die Vorbereitungen zur Herstellung dieser einfachsten Waffe im Gang.
Captain R.G.K. Barker fuhr an einem Sonntagmorgen in Bexley, einem Vorort Londons, von Haus zu Haus, Kneipe zu Kneipe und sammelte Flaschen. Der Spieß seiner Home Guard Kompanie, ein Schmied, und ein Adjutant, ein Bankdirektor, begleiteten ihn dabei. Whisky-, Limonaden- und Essigflaschen stapelten sich bald zu Hunderten auf ihrem Lastwagen. Bierflaschen schieden aus, weil sie zu dickwandig und kaum zu zerbrechen waren. Die Ausbeute fuhren sie in ein nahes Wäldchen, das zu einem Park gehörte. Dort hatte schon der Apotheker des Vororts zusammen mit einem Bauunternehmer und dessen Leuten ein Holzfeuer unter einem Teerkessel entfacht. Als der Teer flüssig wurde, löschten sie das Feuer und füllten die Masse, vermischt mit reichlich Petroleum, in die gesammelten Flaschen. Am Ende verfügte die Kompanie über mehrere hundert Molotowcocktails, die an verschiedenen strategischen Punkten für den Ernstfall gelagert wurden. Noch 1986 wurde beim Verkauf eines Hauses in Kent auf dem Dachboden ein so großes Lager an Molotowcocktails, Munition und Sprengstoff gefunden, daß die Sprengstoffexperten der Armee hinzugezogen werden mußten.

die Home Guard beim Molotow-Wurftraining ... gegen eine Ziegelmauer.
Der schönste Molotowcocktail verpufft wirkungslos, wenn er nicht genau ins Ziel geworfen wird. Mit den kostbaren Flaschen nur zu Übungszwecken zu werfen, kam nicht in Frage. Also wurden hölzerne »Flaschen« angefertigt. Mit Kreide zeichnete Captain Barker die Silhouette eines Panzers auf die Mauer eines leerstehenden Hauses und markierte die verwundbaren Stellen des Panzers genau nach Vorschrift. Die Männer wurden nicht müde, das Ziel stundenlang zu bombardieren. Später wurde die Übungsmethode - wenigstens in Bexley - noch verfeinert.
Ein ausgeschlachtetes Auto bekam einen Panzeraufsatz aus Blech und wurde von einem Traktor eine Straße entlanggezogen. Rechts und links im Graben lagen die Männer der Home Guard und schleuderten ihre Geschosse gegen das Vehikel. Sie hatten es »Hitler-Bus« getauft...nur schoß dieses Übungsvehikel nicht zurück.

neben dem Kreidepanzer wurde in Osterley auch das Balkenkreuz erklärt...damit es keine Verwechselung gibt
Ehemalige kommunistische Spanienkämpfer brachten eine gewisse Erfahrung im Guerillakampf mit. In Osterley, einem westlichen Vorort Londons, hatte der Earl of Jersey einen Teil seiner Besitzungen für ein Ausbildungslager der Home Guard zur Verfügung gestellt. Dort begannen der Verleger der »Picture Post«, Edward Hulton, und Tom Wintringham mit einigen britischen Instrukteuren, die ebenfalls am spanischen Bürgerkrieg teilgenommen hatten, sowie drei spanischen Bergleuten, die sich damals als Panzerknacker hervorgetan hatten, eine Guerilla-Schule für die Home Guard. Unterrichtsfächer waren: das Verhalten von Einzelkämpfern im freien Gelände, Tarnung, Ausschalten feindlicher Posten, Patrouillen, Häuserkampf und der Kampf Mann gegen Mann. Die Home-Guard-Angehörigen lernten die Handhabung von Tretminen, der verschiedensten Gewehrtypen, Handgranaten, Nebelgranaten, Drahtschlingen und wie man mit über eine Straße gespannten Stahldrähten feindliche Motorradfahrer köpft. Die Schule war so erfolgreich, daß auch die reguläre Armee, darunter auch die Garderegimenter, Offiziere und Mannschaften zur Ausbildung schickte und später die Schule ganz übernahm.
Viele der Vorbereitungen auf eine Invasion wurden unter strengster Geheimhaltung getroffen. Nur wenige in der Bevölkerung und selbst in den Streitkräften wußten etwas von der Bildung für einen Partisanenkrieg. Ihre Mitglieder sollten sich von den deutschen Truppen überrollen lassen und in deren Rücken einen Guerillakrieg führen. Die Freiwilligen waren Zivilisten, in der Regel ausgesuchte Angehörige der Home Guard. Später bildeten sie auch eigene Home-Guard-Bataillone, geheime Einheiten, die in keiner offiziellen Aufstellung auftauchten. Einen Sold erhielten sie nicht, trugen aber die gleichen Uniformen wie die Home Guard.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 14.03.09 12:01 ]
Nur 40 Zerstörer und 3 Kreuzer als dirkete Invasionsabwehr
Am 28. Mai erklärte Churchill in einer Kabinettssitzung: »Ich habe in den letzten Tagen sehr intensiv darüber nachgedacht, ob es nicht meine Pflicht sei, Verhandlungen mit diesem Menschen in Erwägung zu ziehen. Solche Gedanken sind müßig, daß wir bessere Bedingungen aushandeln könnten, wenn wir versuchen, jetzt Frieden zu schließen, als wenn wir weiterkämpfen. Ich bin auch überzeugt, daß Sie sich erheben und mich von meinem Platz stoßen würden, wenn ich Unterhandlungen oder die Kapitulation anstrebte. Wenn schon die lange Geschichte unserer Inseln zu Ende gehen soll, dann soll sie erst enden, wenn jeder einzelne von uns in seinem Blut erstickend am Boden liegt.«
Churchills etwas blutrünstiger Appell an den Verteidigungswillen jedes einzelnen entsprang der Einsicht, daß die militärische Situation der Engländer verzweifelt war, und daß sie sich jetzt auf die einfachsten Verteidigungsmittel besinnen mußten. Das Heer würde noch lange brauchen, um sich von der Niederlage in Nordfrankreich zu erholen. Englands beste Truppen waren dezimiert, ohne Waffen und Transportmittel. Etwa 29 Divisionen waren einsatzbereit. Für die Länge der zu verteidigenden Küste hätte die doppelte Zahl nicht ausgereicht, um dem massierten Ansturm des Feindes an einer beliebigen Stelle zu begegnen.
Die Royal Navy hatte in Norwegen und bei Dünkirchen einsehen müssen, daß ihre großen Einheiten zur Untätigkeit verdammt waren, solange der Gegner mit seiner starken Luftwaffe operieren konnte. Die Flugzeugträger, Schlachtschiffe und schweren Kreuzer der Royal Navy lagen in Scapa Flow, Liverpool, Island, im Mittelmeer, oder sie schützten die Geleitzüge über den Atlantik.
Als Eingreifkräfte standen zwischen Tyne und Portsmouth an die 40 Zerstörer und drei Kreuzer zur Verfugung. Etwa 400 Fischereifahrzeuge und 700 Patrouillenboote aller Art hatten die Aufgabe, die britische Küste von Duncansby Head an der äußersten Spitze im Nordosten Schottlands nach Süden um die Küsten von Kent, Sussex und Cornwall wieder nach Norden bis zum Solway Firth zu überwachen und auf die Invasion zu warten.

eine He 111 H-6 des KG.26 mit Lufttorpedos - auf solche Einsätze wäre es angekommen, um die britischen Zerstörer schon beim Auslaufen zu bekämpfen, damit sie nicht die Invasionszone erreichen
Die Royal Navy konnte ihre zehnfache Überlegenheit über die deutsche Kriegsmarine nicht ausspielen. Das Kräfteverhältnis Royal Air Force zur vierfach überlegenen Luftwaffe war beinahe ausgewogen, was man aber nicht wußte.
Es war eine Frage der Waffen, die nicht vorhanden waren. Verbissen schulterten die Männer der Home Guard ihre Besenstiele -mancher gab resigniert auf und machte von der »Dienstmadchenklausel« Gebrauch. Im ganzen Königreich waren nur noch 70 000 Gewehre vorhanden. Dem Kommandeur der Zone Kent waren 1 500 zugeteilt worden, für ein Gebiet anderthalbmal so groß wie das Saarland. Kent war primärers Landungsgebiet für Unternehmen Seelöwe! Begreiflich, daß die Kommandeure an der Küste Kents zur Selbsthilfe griffen, als sich ihnen die Gelegenheit dazu bot.
In Margate an der Nordküste Kents hatten die 900 Mann der Home Guard unter Major a. D. Witts, damals Manager der Lloyd's Bank nur 100 Gewehre mit je fünf Schuß Munition . Als London die Warnung durchgab »feindliche Landung unmittelbar bevorstehend«, bewaffneten sich die Männer mit Schrotflinten, Gartenhakken, Golfschlägern und Knüppeln. Major Witts versuchte verzweifelt Schußwaffen aufzutreiben und wurde, wie übrigens auch seine Kameraden in Dover und Folkestone, an der Pier des Hafens fündig: dort lagen haufenweise Gewehre und andere Handfeuerwaffen herum die aus Dünkirchen zurückgekehrte Soldaten liegengelassen hatten. Auch Munition fand sich. Witts holte einen Lastwagen und ein paar Leute, fuhr unter die Pier und karrte die Waffen davon. Witts konnte endlich daran gehen, seine Leute im Schießen auszubilden. Die Armee forderte jedoch die Waffen zurück , man hatte ja selbst kaum etwas zählbares.
Die Vorstellung, daß der Feind jederzeit mit Panzern und Artillerie an der Küste auftauchen konnte, dämpfte derlei Erfolgsgefühle erheblich. Selbst wenn man gewußt hätte, an welcher Stelle der Küste die Deutschen landen würden, hatte man ihnen so gut wie nichts entgegenzusetzen.
Eine der geheimgehaltenen, Ideen war, an den Landungsstellen das Meer in Brand zu setzen. Verschiedene militärische Dienststellen waren an diesem grandiosen Versuch beteiligt. Von den Öltanks, die zur Versorgung von Schiffen dienten, wurden Rohrleitungen ins Meer verlegt und Öl auf die See gepumpt. Der so entstandene Ölteppich sollte entzündet werden und jedes Landungsschiff in eine brennende Fackel verwandeln. Doch Seegang und Strömung zerrissen den Ölfilm und verwandelten ihn in eine nicht brennbare Emulsion. Nicht ein einziges Mal gelang es, ihn in Brand zu stecken. Nach wochenlangen, sehr kostspieligen Versuchen wurde die Idee wieder fallengelassen.
Neben vielen weiteren Schnapsideen hatte man auch ein paar praktische Ideen, zum Beispiel wie man Panzerfallen gräbt, wie man Straßensperren errichtet, mit Dynamit umgeht, die Küste und Flußmündungen mit Fischernetzen und minenbewehrten Baumstämmen sichert, Nagelbretter im Sand vergräbt und glassplitterbesetzte Zementplatten anfertigt.

der Abbau von Wegweisern sollte Verwirrung stiften...
Die erste offizielle Maßnahme galt der Desorientierung der Deutschen. Am 31. Mai ordnete das Innenministerium an, daß alle Wegweiser zu entfernen und Ortsnamen an Bahnhöfen, Postämtern, Polizeiwachen und anderen Gebäuden ebenfalls zu entfernen oder zu überpinseln waren. In jenen Tagen war es nicht ratsam, ohne Ortskenntnisse durch das Land zu fahren. Die südenglische Landschaft ist von einem Netz so vieler kleiner, heckengesäumter Landstraßen labyrinthartig durchzogen, daß selbst Einheimische ohne Wegweiser ratlos sind. Offensichtlich dachte man bei dieser Maßnahme nicht an den Umstand, daß deutsche Soldaten ihre eigenen Karten dabei hatten.
Der nächste Schritt war die Errichtung von Straßensperren. Jede Stadt, jedes Dorf, jede Ansammlung von Häusern verbarrikadierte sich. Alles, was als Hindernis geeignet erschien, wurde an den Ortseingängen auf die Straße gezerrt. In Chillingham zum Beispiel waren das die dicksten Baumstämme aus einer nahen Sägemühle; in Newing Green waren es ein schwerer Pflug, ein eiserner Dampfkessel, ein Wassertank, Müllwagen und ein umgestürztes Autowrack; anderswo hatten die Einheimischen Dampfmaschinen und schwere Ackergeräte, Pflastersteine, Teerfässer und Sandsäcke herangeschleppt Oft genug vergaßen die Männer in ihrem Eifer, genügend weite Lücken für die eignen Lastwagen zu lassen. In Margate an der Themsemündung, wo man alte Badekarren und Strandkörbe als Hindernisse mit Sand gefüllt hatte, hatte man eine wichtige Brücke über Nacht so verrammelt, daß man fast den ganzen nächsten Tag brauchte, um sie für eigene Fahrzeuge wieder passierbar zu machen.
Der Straßenverkehr war fast völlig zum Erliegen gekommen, denn an den Tankstellen tauchte immer öfter das Schild »Kein Benzin« auf. Einige der küstennächsten Tankstellen wurden vermint; an anderen standen Wassertanks bereit, um das vorhandene Benzin damit unbrauchbar zu machen. Für noch im Verkehr befindliche Privatwagen lautete die streng befolgte Regel: Beim Parken Verteilerfinger entfernen! Damit kein vom Himmel gefallener Deutscher oder ein Angehöriger der Fünften Kolonne das Fahrzeug stehlen konnte!

Übungen mit Gasmaske - Churchill hatte den Plan deutsche Landungsabschnitte mit Giftgas zu fluten. Die einigen Leidtragenden wären aber wohl Zivilisten gewesen, wenn der Wind gedreht hätte, denn deutsche Soldaten hatten auch Gasmasken dabei.
Für die Hinhaltetaktik der Armee war das Nächstliegende die Sicherung der im Küstengebiet weitverstreuten Vorposten. Wer immer zwei Hände hatte, wurde als Helfer eingestellt. 150 000 Mann wurden eingesetzt, um »pillboxes« - Einmannbunker - Blockhäuser für Maschinengewehrnester zu bauen und Panzergräben auszuheben. Einer von den vielen Vorschlägen war, in den Gräben Petroleumfässer mit einem ferngesteuerten Zündsatz anzubringen, um festsitzende Panzer in Brand zu stecken; ein anderer war, Tigerfallen zu bauen, jene Gruben mit eingerammten nach oben spitzen Pfählen, wie sie 20 Jahre später von den Vietcong in Vietnam angewandt wurden.
Im Grunde war es jeder Gemeinde, jedem einzelnen überlassen, wie er sich schützen und wehren wollte. Als eine Dame in Buckinghamshire gefragt wurde, wie sie sich bei der Landung verhalten würde, sagte sie: »Ich würde sämtliche deutschen Offiziere zu mir bitten und sie mit Champagner bewirten!« Nach einer Kunstpause fügte sie trocken hinzu: »Vergiftetem natürlich.« Eine Hausfrau wollte dieGläser mit eingemachter Marmelade mit einem Hammer zerschmettern, um sie nicht in die Hände der marmeladehungrigen Deutschen fallen zu lassen. Die steigende Nachfrage nach Dynamit bewies, daß viele sich ihre eigenen »bobby traps« bauten: unter losen Fußbodenbrettern, in Gartenschuppen, in Wandschränken, unter Treppen, in Garagen und unter stillgelegten Fahrzeugen brachte mancher eine Dynamitladung an. Es gab nur wenig, woran die Briten nicht gedacht hätten: von mit Sprengstoff beladenen Booten, bis zu Sprengladungen an Alleebäumen, die gesprengt auf feindliche Panzer stürzen sollten.
Je mehr sich eine Landung von See her abzuzeichnen schien, desto mehr nahmen jetzt Panzer den Platz der Fallschirmspringer als Feind Nr. 1 ein. Mit Molotowcocktails wollte die Home Guard deutsche Panzer bekämpfen, den dieses Verteidigungsmittel war billig und leicht herzustellen. In allen Zonen waren bald die Vorbereitungen zur Herstellung dieser einfachsten Waffe im Gang.
Captain R.G.K. Barker fuhr an einem Sonntagmorgen in Bexley, einem Vorort Londons, von Haus zu Haus, Kneipe zu Kneipe und sammelte Flaschen. Der Spieß seiner Home Guard Kompanie, ein Schmied, und ein Adjutant, ein Bankdirektor, begleiteten ihn dabei. Whisky-, Limonaden- und Essigflaschen stapelten sich bald zu Hunderten auf ihrem Lastwagen. Bierflaschen schieden aus, weil sie zu dickwandig und kaum zu zerbrechen waren. Die Ausbeute fuhren sie in ein nahes Wäldchen, das zu einem Park gehörte. Dort hatte schon der Apotheker des Vororts zusammen mit einem Bauunternehmer und dessen Leuten ein Holzfeuer unter einem Teerkessel entfacht. Als der Teer flüssig wurde, löschten sie das Feuer und füllten die Masse, vermischt mit reichlich Petroleum, in die gesammelten Flaschen. Am Ende verfügte die Kompanie über mehrere hundert Molotowcocktails, die an verschiedenen strategischen Punkten für den Ernstfall gelagert wurden. Noch 1986 wurde beim Verkauf eines Hauses in Kent auf dem Dachboden ein so großes Lager an Molotowcocktails, Munition und Sprengstoff gefunden, daß die Sprengstoffexperten der Armee hinzugezogen werden mußten.

die Home Guard beim Molotow-Wurftraining ... gegen eine Ziegelmauer.
Der schönste Molotowcocktail verpufft wirkungslos, wenn er nicht genau ins Ziel geworfen wird. Mit den kostbaren Flaschen nur zu Übungszwecken zu werfen, kam nicht in Frage. Also wurden hölzerne »Flaschen« angefertigt. Mit Kreide zeichnete Captain Barker die Silhouette eines Panzers auf die Mauer eines leerstehenden Hauses und markierte die verwundbaren Stellen des Panzers genau nach Vorschrift. Die Männer wurden nicht müde, das Ziel stundenlang zu bombardieren. Später wurde die Übungsmethode - wenigstens in Bexley - noch verfeinert.
Ein ausgeschlachtetes Auto bekam einen Panzeraufsatz aus Blech und wurde von einem Traktor eine Straße entlanggezogen. Rechts und links im Graben lagen die Männer der Home Guard und schleuderten ihre Geschosse gegen das Vehikel. Sie hatten es »Hitler-Bus« getauft...nur schoß dieses Übungsvehikel nicht zurück.

neben dem Kreidepanzer wurde in Osterley auch das Balkenkreuz erklärt...damit es keine Verwechselung gibt
Ehemalige kommunistische Spanienkämpfer brachten eine gewisse Erfahrung im Guerillakampf mit. In Osterley, einem westlichen Vorort Londons, hatte der Earl of Jersey einen Teil seiner Besitzungen für ein Ausbildungslager der Home Guard zur Verfügung gestellt. Dort begannen der Verleger der »Picture Post«, Edward Hulton, und Tom Wintringham mit einigen britischen Instrukteuren, die ebenfalls am spanischen Bürgerkrieg teilgenommen hatten, sowie drei spanischen Bergleuten, die sich damals als Panzerknacker hervorgetan hatten, eine Guerilla-Schule für die Home Guard. Unterrichtsfächer waren: das Verhalten von Einzelkämpfern im freien Gelände, Tarnung, Ausschalten feindlicher Posten, Patrouillen, Häuserkampf und der Kampf Mann gegen Mann. Die Home-Guard-Angehörigen lernten die Handhabung von Tretminen, der verschiedensten Gewehrtypen, Handgranaten, Nebelgranaten, Drahtschlingen und wie man mit über eine Straße gespannten Stahldrähten feindliche Motorradfahrer köpft. Die Schule war so erfolgreich, daß auch die reguläre Armee, darunter auch die Garderegimenter, Offiziere und Mannschaften zur Ausbildung schickte und später die Schule ganz übernahm.
Viele der Vorbereitungen auf eine Invasion wurden unter strengster Geheimhaltung getroffen. Nur wenige in der Bevölkerung und selbst in den Streitkräften wußten etwas von der Bildung für einen Partisanenkrieg. Ihre Mitglieder sollten sich von den deutschen Truppen überrollen lassen und in deren Rücken einen Guerillakrieg führen. Die Freiwilligen waren Zivilisten, in der Regel ausgesuchte Angehörige der Home Guard. Später bildeten sie auch eigene Home-Guard-Bataillone, geheime Einheiten, die in keiner offiziellen Aufstellung auftauchten. Einen Sold erhielten sie nicht, trugen aber die gleichen Uniformen wie die Home Guard.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 14.03.09 12:01 ]
The Real Blaze
Im geplanten Bandenkriegsgebiet Kent
The Garth wurde eine Guerillaschule ähnlich wie Osterley. Jedes Wochenende wurden dort fünfzig bis achtzig Mann versammelt, um in den umliegenden Wäldern den Guerillakampf zu üben. Da sich die Aktivitäten des Widerstandes hauptsächlich nachts abspielen würden, trugen die Schüler tagsüber oft dunkle Schweißbrillen, um sich an den Kampf in der Dunkelheit zu gewöhnen. Ausgerüstet war jeder mit einer Pistole, einem Schlagstock, einem feststehenden Messer und Kampfschuhen mit dicken Gummisohlen, die ein lautloses Anschleichen an deutsche Posten erlaubten. Jede der fünf bis acht Mann starken Patrouillen verfügte über ein leichtes Maschinengewehr, Handgranaten und einen Vorrat des damals noch ganz neuen Plastiksprengstoffs.
Allmählich verwandelte sich The Garth in ein reichhaltiges Munitions- und Waffenlager. Zu letzterem gehörten auch sechs Sportbogen. Diese lautlose Waffe war ideal für den Einsatz gegen feindliche Posten, man konnte mit ihr aber auch Brandsätze in Munitions- und Treibstofflager des Gegners schießen. Die Bogenschützen konnten in aller Öffentlichkeit üben, weil sie sich als Sportclub tarnten. Robin Hood lies grüßen...
Mit der anstrengenden Ausbildung zum Einzelkämpfer war es für die Männer künftiger Untergrundbanden jedoch nicht getan. Sie mußten auch beim Graben ihrer Verstecke helfen, obwohl die Hauptarbeit von eingeschworenen Pioniertrupps geleistet wurde. In den ersten Sommerwochen wurden in Kent etwa 25 Verstecke angelegt, in denen sich sechs bis sieben Mann mindestens zwei Wochen verbergen konnten. In der Regel war ein solcher Unterstand etwa sieben Meter lang, drei bis vier Meter breit und hoch genug, daß die Männer aufrecht darin stehen konnten.
Er enthielt Schlafkojen, einen Ofen, eine Paraffin-Lampe und einen entsprechenden Lebensmittelvorrat. Bei normaler Belegung war auch genügend Platz für Munition, Waffen und Sprengstoffvorräte vorhanden. Die Erdlöcher wurden zumeist in Wäldern ausgehoben, mit Balken belegt und sorgfältig getarnt. Die Einstiege waren gewöhnlich mit einem soliden Holzkasten abgedeckt, der mit der Humusschicht der Umgebung gefüllt war.
Alte Tunnels und Höhlen in der Steilküste Kents, die schon die Schmuggler im 17. Jahrhundert benutzt hatten, wurden bei der Suche nach geeigneten Verstecken wiederentdeckt und für den neuen Zweck hergerichtet. Einer dieser Tunnels führte direkt unter das Flugfeld des Militärflugplatzes Manston, von wo aus man leicht in die Hangars und Verwaltungsgebäude eindringen konnte, falls die Deutschen den Platz in Besitz nahmen.

Eine der vielen Küstenbefestigungen an der Kanalküste
Auch in den Kellern einer Landhausruine und sogar in erweiterten Dachsbauten machten es sich die Untergrund-Rekruten gemütlich.
Das größte Versteck lag in der Nähe von Bilting, im Godmersham Park. Diese Anlage war als Zufluchtsort für Partisanenbanden gedacht, die aus irgendeinem Grund nicht mehr in ihr eigenes Versteck zurückkehren konnten. Es bot Unterkunft, Verpflegung und Wasser für 120 Mann und trug den Namen »Air Ship«. Fleming war bei seiner Suche auf eine etwa 20 Meter lange, zehn Meter breite und zehn Meter tiefe überwucherte Ausschachtung mitten im Park gestoßen. Es stellte sich heraus, daß sie aus dem Ersten Weltkrieg stammte und für die Aufnahme eines Luftschiffes gedacht gewesen war. Ein Loch unter einem Loch würden die Deutschen nie suchen, dachte sich Fleming. Also ließ er die Vertiefung von den Pionieren um mehr als drei Meter weiter ausschachten, mit Balken abdecken und die Oberfläche wieder in ihren natürlichen Zustand zurückversetzen. Als Zugang wurde ein langer Schacht gegraben, dessen Eingang etwa fünfzehn Meter vom Rand der Vertiefung entfernt lag. Die Falltür bildete ein Baumstumpf, der mit Gewichten so balanciert war, daß man ihn mit einer Hand leicht umlegen konnte, wenn man vorher eine Verriegelung löste.
Ein großes Problem stellte der Aushub dar, der beim Versteckbau zu offensichtlich in der Landschaft herumlag, besonders weil die unteren Schichten oft aus Kreide bestanden und so hell leuchteten, daß sie von einem Flugzeug auch aus großen Höhen auszumachen waren. Mit Armeelastwagen wurde die Erde an »offizielle« Baustellen gefahren oder ins Meer gekippt. Eine Idee hatte der Nachfolger Flemings: Er ließ die Kreide- und Erdhaufen mit Sprengladungen in »Bombenkrater« verwandeln.
Je mehr Zeit verstrich, ohne daß die Deutschen kamen, desto vollkommener wurde das Widerstandsnetz ausgebaut. Außer in Kent wurden in Sussex, East Anglia, aber auch in den Midlands und in Schottland Guerillakämpfer ausgebildet und Verstecke für sie angelegt. Bis Ende 1940 waren es 300.
Auf deutscher Seite hatte man keine Ahnung von der Existenz dieser ausgebildeten Untergrundbanden , die Churchill »eine nützliche Ergänzung der Armee« nannte. Das deutsche OKH unterschätzte den Verteidigungswillen der Briten, die - anders als die Polen und die Franzosen -nicht mehr überrascht werden konnten und sich auf den Ernstfall vorbereiteten. Erfahrungen mit Banden hatte die Wehrmacht aber bereits im Polenfeldzug gesammelt, wo man immer wieder von fanatisierten Zivilisten beschossen wurde.
Am 9. August gab das OKH unter dem Titel »Truppenfeststellungen« folgende Charakterisierung der Home Guard heraus: »Für den örtlichen Sicherheitsdienst (besonders gegen Fallschirm-und Luftlandetruppen) ist neben den Landesschutzverbänden die >Heimwehr< (Home Guards), bisher >Local Defence Volunteers< genannt aufgestellt worden. Es handelt sich um eine freiwillige Hilfstruppe ohne jede militärische Ausbildung. An Stelle einer Uniform werden - anscheinend einheitlich - Pullover und Zivilhosen getragen. Die Ausstattung mit Stahlhelm ist wahrscheinlich. Die Verbände der Heimwehr sind Teile der Traditions-Regimenter der Infanterie und tragen deren Abzeichen (Badges). Die Bewaffnung mit Schußwaffen aller Art (auch Jagdgewehren) und Handgranaten ist beabsichtigt, jedoch anscheinend nur zum Teil durchgeführt. Ihre Aufgabe besteht neben dem Kampf in der Kontrolle der Verkehrswege, besonders hinsichtlich der Bewegung von Flüchtlingen; man ist scheinbar fest entschlossen, die Flucht der Einwohner aus Kampfgebieten mit allen Mitteln zu verhindern.«

die "Home Guard" bei Schießübungen...
Auch die zahlenmäßige Stärke der Home Guard unterschätzten die deutschen Beobachter, wohl auch weil sie vom Heer der Million Arbeitsloser nichts wußten, aus deren Reihen die Home Guard überraschend großen Zulauf erhielt. Die britische Presse hatte kein Hehl aus der Tatsache gemacht, daß in den ersten vierundzwanzig Stunden nach Edens Appell am 14. Mai rund 250 000 Meldungen für die Heimwehr eingegangen waren und deren Stärke Mitte Juli schon über eine Million betrug. »Die Gesamtstärke der zur Zeit verwendungsbereiten Verbände«, heißt es weiter in der Truppenfeststellung des OKH, »in der Heimat, einschließlich Küstenschutztruppen (ohne Flak-Verbände) beläuft sich schätzungsweise auf 230 000 Mann. Mit den aus Frankreich entkommenen aktiven 5 Infanterie Divisionen erhöht sich diese Zahl auf rund 320 000 Mann.«
Ganz außer acht ließen die deutschen Schätzungen den Anteil, den die Frauen an der Landesverteidigung nahmen. Da warteten nämlich Tausende von Boadiceas.
»Wir verlangen das Recht, Schulter an Schulter mit der Home Guard zu stehen«, forderte Nora Robbins, die Gründerin des Amazone Defence Corps. »Ich persönlich trage einen Schlagstock bei mir«, sagte Nora Robbins, »mit dem kann ich leicht einen Mann töten, wenn kein Gewehr zur Hand ist.«

wegen des akuten Panzermangels konnte man in Südengland auch solche seltsamen Hilfskriegsmittel der Home Guard beobachten...
Der Ernst der Situation führte zu einer nervösen Spannung, der — männliche wie weibliche - Gemüter nicht immer gewachsen waren. Die wildesten Gerüchte waren im Umlauf und falscher Alarm an der Tagesordnung. So verbrachten Reiterinnen, die sich der berittenen Home Guard angeschlossen hatten, viele Tage damit, die Felder nach »Pfeilen« abzusuchen, die Mitglieder der eingebildeteten Fünften Kolonne als "Wegweiser für Landungstruppen in das schon recht hoch gewachsene Getreide gemäht haben sollten.
Eines der vielen Gerüchte wollte lange nicht verstummen: An der Südküste seien vierzig unbekleidete Leichen deutscher Soldaten angeschwemmt worden. In einer Version war die Kanalküste »weiß von angeschwemmten Körpern«. Man rätselte viel daran herum, woher sie gekommen sein könnten. Der Ursprung des Gerüchtes konnte nie geklärt werden - aber es entsprach dem Wunschdenken der meisten Briten.
Die Phantomlandung in Nordwales
So erklären sich wohl auch die vielen falschen Alarme: Die Phantasie nahm die Ereignisse voraus, weil die erwartungsvolle Spannung zu groß geworden war. Typisch dafür war der Alarm, der eines Tages in Burton gegeben wurde. Die kleine Ortschaft liegt unweit des River Dee, eines Meeresarms in Nordwales, in einer Gegend, in der niemand ernsthaft mit einer Landung des Feindes rechnete.
Zu nachtschlafener Zeit an einem frühen Sonntagmorgen wurde der Bataillonskommandeur der Home Guard durch Geschrei vor seinem Schlafzimmerfenster geweckt: »Invasion, Sir, Invasion!« Hastig stieg der ältere Herr, ein Oberstleutnant, aus seinem Bett und streifte sich einige Kleidungsstücke über. Seinen Revolver umschnallend stürzte er nach draußen. Auf der Straße standen ein paar verwegen dreinblickende, mit Flinten, Säbeln, Eisenstangen und Stöcken bewaffnete Männer. Sie warteten auf ihn, damit er sie gegen die Deutschen führe. Der Ortspolizist trat vor, salutierte und fragte mit leiser Stimme den Kommandeur nach seinem Ausweis. Niemand fand das spaßig oder ungehörig, schließlich schauten unter dem Militärmantel des Kommandeurs ein Blazer und eine Pyjamahose hervor.
Die Lage war einfach genug: Ein Landarbeiter hatte gerade seinen Posten in den Dünen erreicht, als er die Deutschen am Strand sah.
Viele Deutsche. Er war sofort zurückgelaufen, um Meldung zu erstatten. Die Männer sprachen nur im Flüsterton. Eine Patrouille mußte ausgeschickt werden.
Geführt vom Kommandeur machte sich eine Handvoll Freiwilliger auf den Weg, unter ihnen der Vikar und der Gastwirt. Zuerst wollten sie an der Post vorbei, um mit Denhall zu telefonieren, einer Hausergruppe nicht weit vom Strand, denn dort mußte man ja am ehesten Bescheid wissen. Der Posthalter war auch schon auf den Beinen. Er trug eine schwere Axt über der Schulter: Ehe die Deutschen kamen, wollte er den Telefonschrank demolieren. Als er Denhall wählte, meldete sich dort niemand. Der Landarbeiter sagte, das sei kein Wunder, denn die Deutschen seien ja zu Hunderten am Strand gewesen. Eile tat not. Der Kommandeur und seine beherzten Männer machten sich auf den Weg zum Beobachtungsposten des Landarbeiters Es war nicht leicht, auf geradem Weg in der gerade aufkommenden Morgendämmerung über die Dünen zu klettern. Sie brauchten fast eine Stunde, um ihr etwa drei Kilometer entferntes Ziel zu erreichen. Vorsichtig pirschten sie sich an die letzte Düne heran und sahen hinunter.
»Da unten«, flüsterte der Landarbeiter, »da sind...«. Er verstummte »Blödmann!« brüllte der Kommandeur in die unheimliche Stille. »Wissen Sie nicht, was das ist?! Das sind Pfosten! Pfosten, die man eingerammt hat, damit bei Ebbe kein deutscher Flieger landen kann'«
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 14.03.09 12:02 ]
The Garth wurde eine Guerillaschule ähnlich wie Osterley. Jedes Wochenende wurden dort fünfzig bis achtzig Mann versammelt, um in den umliegenden Wäldern den Guerillakampf zu üben. Da sich die Aktivitäten des Widerstandes hauptsächlich nachts abspielen würden, trugen die Schüler tagsüber oft dunkle Schweißbrillen, um sich an den Kampf in der Dunkelheit zu gewöhnen. Ausgerüstet war jeder mit einer Pistole, einem Schlagstock, einem feststehenden Messer und Kampfschuhen mit dicken Gummisohlen, die ein lautloses Anschleichen an deutsche Posten erlaubten. Jede der fünf bis acht Mann starken Patrouillen verfügte über ein leichtes Maschinengewehr, Handgranaten und einen Vorrat des damals noch ganz neuen Plastiksprengstoffs.
Allmählich verwandelte sich The Garth in ein reichhaltiges Munitions- und Waffenlager. Zu letzterem gehörten auch sechs Sportbogen. Diese lautlose Waffe war ideal für den Einsatz gegen feindliche Posten, man konnte mit ihr aber auch Brandsätze in Munitions- und Treibstofflager des Gegners schießen. Die Bogenschützen konnten in aller Öffentlichkeit üben, weil sie sich als Sportclub tarnten. Robin Hood lies grüßen...
Mit der anstrengenden Ausbildung zum Einzelkämpfer war es für die Männer künftiger Untergrundbanden jedoch nicht getan. Sie mußten auch beim Graben ihrer Verstecke helfen, obwohl die Hauptarbeit von eingeschworenen Pioniertrupps geleistet wurde. In den ersten Sommerwochen wurden in Kent etwa 25 Verstecke angelegt, in denen sich sechs bis sieben Mann mindestens zwei Wochen verbergen konnten. In der Regel war ein solcher Unterstand etwa sieben Meter lang, drei bis vier Meter breit und hoch genug, daß die Männer aufrecht darin stehen konnten.
Er enthielt Schlafkojen, einen Ofen, eine Paraffin-Lampe und einen entsprechenden Lebensmittelvorrat. Bei normaler Belegung war auch genügend Platz für Munition, Waffen und Sprengstoffvorräte vorhanden. Die Erdlöcher wurden zumeist in Wäldern ausgehoben, mit Balken belegt und sorgfältig getarnt. Die Einstiege waren gewöhnlich mit einem soliden Holzkasten abgedeckt, der mit der Humusschicht der Umgebung gefüllt war.
Alte Tunnels und Höhlen in der Steilküste Kents, die schon die Schmuggler im 17. Jahrhundert benutzt hatten, wurden bei der Suche nach geeigneten Verstecken wiederentdeckt und für den neuen Zweck hergerichtet. Einer dieser Tunnels führte direkt unter das Flugfeld des Militärflugplatzes Manston, von wo aus man leicht in die Hangars und Verwaltungsgebäude eindringen konnte, falls die Deutschen den Platz in Besitz nahmen.

Eine der vielen Küstenbefestigungen an der Kanalküste
Auch in den Kellern einer Landhausruine und sogar in erweiterten Dachsbauten machten es sich die Untergrund-Rekruten gemütlich.
Das größte Versteck lag in der Nähe von Bilting, im Godmersham Park. Diese Anlage war als Zufluchtsort für Partisanenbanden gedacht, die aus irgendeinem Grund nicht mehr in ihr eigenes Versteck zurückkehren konnten. Es bot Unterkunft, Verpflegung und Wasser für 120 Mann und trug den Namen »Air Ship«. Fleming war bei seiner Suche auf eine etwa 20 Meter lange, zehn Meter breite und zehn Meter tiefe überwucherte Ausschachtung mitten im Park gestoßen. Es stellte sich heraus, daß sie aus dem Ersten Weltkrieg stammte und für die Aufnahme eines Luftschiffes gedacht gewesen war. Ein Loch unter einem Loch würden die Deutschen nie suchen, dachte sich Fleming. Also ließ er die Vertiefung von den Pionieren um mehr als drei Meter weiter ausschachten, mit Balken abdecken und die Oberfläche wieder in ihren natürlichen Zustand zurückversetzen. Als Zugang wurde ein langer Schacht gegraben, dessen Eingang etwa fünfzehn Meter vom Rand der Vertiefung entfernt lag. Die Falltür bildete ein Baumstumpf, der mit Gewichten so balanciert war, daß man ihn mit einer Hand leicht umlegen konnte, wenn man vorher eine Verriegelung löste.
Ein großes Problem stellte der Aushub dar, der beim Versteckbau zu offensichtlich in der Landschaft herumlag, besonders weil die unteren Schichten oft aus Kreide bestanden und so hell leuchteten, daß sie von einem Flugzeug auch aus großen Höhen auszumachen waren. Mit Armeelastwagen wurde die Erde an »offizielle« Baustellen gefahren oder ins Meer gekippt. Eine Idee hatte der Nachfolger Flemings: Er ließ die Kreide- und Erdhaufen mit Sprengladungen in »Bombenkrater« verwandeln.
Je mehr Zeit verstrich, ohne daß die Deutschen kamen, desto vollkommener wurde das Widerstandsnetz ausgebaut. Außer in Kent wurden in Sussex, East Anglia, aber auch in den Midlands und in Schottland Guerillakämpfer ausgebildet und Verstecke für sie angelegt. Bis Ende 1940 waren es 300.
Auf deutscher Seite hatte man keine Ahnung von der Existenz dieser ausgebildeten Untergrundbanden , die Churchill »eine nützliche Ergänzung der Armee« nannte. Das deutsche OKH unterschätzte den Verteidigungswillen der Briten, die - anders als die Polen und die Franzosen -nicht mehr überrascht werden konnten und sich auf den Ernstfall vorbereiteten. Erfahrungen mit Banden hatte die Wehrmacht aber bereits im Polenfeldzug gesammelt, wo man immer wieder von fanatisierten Zivilisten beschossen wurde.
Am 9. August gab das OKH unter dem Titel »Truppenfeststellungen« folgende Charakterisierung der Home Guard heraus: »Für den örtlichen Sicherheitsdienst (besonders gegen Fallschirm-und Luftlandetruppen) ist neben den Landesschutzverbänden die >Heimwehr< (Home Guards), bisher >Local Defence Volunteers< genannt aufgestellt worden. Es handelt sich um eine freiwillige Hilfstruppe ohne jede militärische Ausbildung. An Stelle einer Uniform werden - anscheinend einheitlich - Pullover und Zivilhosen getragen. Die Ausstattung mit Stahlhelm ist wahrscheinlich. Die Verbände der Heimwehr sind Teile der Traditions-Regimenter der Infanterie und tragen deren Abzeichen (Badges). Die Bewaffnung mit Schußwaffen aller Art (auch Jagdgewehren) und Handgranaten ist beabsichtigt, jedoch anscheinend nur zum Teil durchgeführt. Ihre Aufgabe besteht neben dem Kampf in der Kontrolle der Verkehrswege, besonders hinsichtlich der Bewegung von Flüchtlingen; man ist scheinbar fest entschlossen, die Flucht der Einwohner aus Kampfgebieten mit allen Mitteln zu verhindern.«

die "Home Guard" bei Schießübungen...
Auch die zahlenmäßige Stärke der Home Guard unterschätzten die deutschen Beobachter, wohl auch weil sie vom Heer der Million Arbeitsloser nichts wußten, aus deren Reihen die Home Guard überraschend großen Zulauf erhielt. Die britische Presse hatte kein Hehl aus der Tatsache gemacht, daß in den ersten vierundzwanzig Stunden nach Edens Appell am 14. Mai rund 250 000 Meldungen für die Heimwehr eingegangen waren und deren Stärke Mitte Juli schon über eine Million betrug. »Die Gesamtstärke der zur Zeit verwendungsbereiten Verbände«, heißt es weiter in der Truppenfeststellung des OKH, »in der Heimat, einschließlich Küstenschutztruppen (ohne Flak-Verbände) beläuft sich schätzungsweise auf 230 000 Mann. Mit den aus Frankreich entkommenen aktiven 5 Infanterie Divisionen erhöht sich diese Zahl auf rund 320 000 Mann.«
Ganz außer acht ließen die deutschen Schätzungen den Anteil, den die Frauen an der Landesverteidigung nahmen. Da warteten nämlich Tausende von Boadiceas.
»Wir verlangen das Recht, Schulter an Schulter mit der Home Guard zu stehen«, forderte Nora Robbins, die Gründerin des Amazone Defence Corps. »Ich persönlich trage einen Schlagstock bei mir«, sagte Nora Robbins, »mit dem kann ich leicht einen Mann töten, wenn kein Gewehr zur Hand ist.«

wegen des akuten Panzermangels konnte man in Südengland auch solche seltsamen Hilfskriegsmittel der Home Guard beobachten...
Der Ernst der Situation führte zu einer nervösen Spannung, der — männliche wie weibliche - Gemüter nicht immer gewachsen waren. Die wildesten Gerüchte waren im Umlauf und falscher Alarm an der Tagesordnung. So verbrachten Reiterinnen, die sich der berittenen Home Guard angeschlossen hatten, viele Tage damit, die Felder nach »Pfeilen« abzusuchen, die Mitglieder der eingebildeteten Fünften Kolonne als "Wegweiser für Landungstruppen in das schon recht hoch gewachsene Getreide gemäht haben sollten.
Eines der vielen Gerüchte wollte lange nicht verstummen: An der Südküste seien vierzig unbekleidete Leichen deutscher Soldaten angeschwemmt worden. In einer Version war die Kanalküste »weiß von angeschwemmten Körpern«. Man rätselte viel daran herum, woher sie gekommen sein könnten. Der Ursprung des Gerüchtes konnte nie geklärt werden - aber es entsprach dem Wunschdenken der meisten Briten.
Die Phantomlandung in Nordwales
So erklären sich wohl auch die vielen falschen Alarme: Die Phantasie nahm die Ereignisse voraus, weil die erwartungsvolle Spannung zu groß geworden war. Typisch dafür war der Alarm, der eines Tages in Burton gegeben wurde. Die kleine Ortschaft liegt unweit des River Dee, eines Meeresarms in Nordwales, in einer Gegend, in der niemand ernsthaft mit einer Landung des Feindes rechnete.
Zu nachtschlafener Zeit an einem frühen Sonntagmorgen wurde der Bataillonskommandeur der Home Guard durch Geschrei vor seinem Schlafzimmerfenster geweckt: »Invasion, Sir, Invasion!« Hastig stieg der ältere Herr, ein Oberstleutnant, aus seinem Bett und streifte sich einige Kleidungsstücke über. Seinen Revolver umschnallend stürzte er nach draußen. Auf der Straße standen ein paar verwegen dreinblickende, mit Flinten, Säbeln, Eisenstangen und Stöcken bewaffnete Männer. Sie warteten auf ihn, damit er sie gegen die Deutschen führe. Der Ortspolizist trat vor, salutierte und fragte mit leiser Stimme den Kommandeur nach seinem Ausweis. Niemand fand das spaßig oder ungehörig, schließlich schauten unter dem Militärmantel des Kommandeurs ein Blazer und eine Pyjamahose hervor.
Die Lage war einfach genug: Ein Landarbeiter hatte gerade seinen Posten in den Dünen erreicht, als er die Deutschen am Strand sah.
Viele Deutsche. Er war sofort zurückgelaufen, um Meldung zu erstatten. Die Männer sprachen nur im Flüsterton. Eine Patrouille mußte ausgeschickt werden.
Geführt vom Kommandeur machte sich eine Handvoll Freiwilliger auf den Weg, unter ihnen der Vikar und der Gastwirt. Zuerst wollten sie an der Post vorbei, um mit Denhall zu telefonieren, einer Hausergruppe nicht weit vom Strand, denn dort mußte man ja am ehesten Bescheid wissen. Der Posthalter war auch schon auf den Beinen. Er trug eine schwere Axt über der Schulter: Ehe die Deutschen kamen, wollte er den Telefonschrank demolieren. Als er Denhall wählte, meldete sich dort niemand. Der Landarbeiter sagte, das sei kein Wunder, denn die Deutschen seien ja zu Hunderten am Strand gewesen. Eile tat not. Der Kommandeur und seine beherzten Männer machten sich auf den Weg zum Beobachtungsposten des Landarbeiters Es war nicht leicht, auf geradem Weg in der gerade aufkommenden Morgendämmerung über die Dünen zu klettern. Sie brauchten fast eine Stunde, um ihr etwa drei Kilometer entferntes Ziel zu erreichen. Vorsichtig pirschten sie sich an die letzte Düne heran und sahen hinunter.
»Da unten«, flüsterte der Landarbeiter, »da sind...«. Er verstummte »Blödmann!« brüllte der Kommandeur in die unheimliche Stille. »Wissen Sie nicht, was das ist?! Das sind Pfosten! Pfosten, die man eingerammt hat, damit bei Ebbe kein deutscher Flieger landen kann'«
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 14.03.09 12:02 ]
The Real Blaze
Die frühen Invasion-Studien

Großadmiral Raeder neben Führer Adolf Hitler (1939)
Am 23. September 1939 hatte Adolf Hitler im Seebad Zoppot bei Danzig eine Unterredung mit dem Chef der Seekriegsleitung, bei der auch Generaloberst Keitel zugegen war. Großadmiral Raeder erstattete Bericht über die Seekriegslage in Ostsee, Nordsee und Atlantik. 232 000 Tonnen feindlichen Schiffsraumes waren bisher versenkt worden, dabei erklärte er, daß bei Kriegsbeginn eine große Zahl französischer und britischer Dampfer zu ihren Heimathäfen unterwegs waren und eine verhältnismäßig leichte Beute der U-Boote wurden, weil sie noch nicht bewaffnet waren.
Auf der anderen Seite seien Booten aus politischen Gründen Beschränkungen auferlegt, wie keine Angriffe auf Passagierdampfer und Schonung der französischen Kriegs- und Handelsmarine, so daß britische und französische Truppentransporte auf Passagierschiffen von Afrika und den Britischen Inseln ungehindert in französischen Häfen einlaufen konnten.
Raeder fragte Hitler nach Maßnahmen, die getroffen werden müßten, falls der Krieg gegen England und Frankreich »durchzukämpfen« sei. Das war bis dahin längst nicht klar, denn Hitler hatte auch geäußert, daß er hoffe, Frankreich aus der westlichen Allianz herauszubrechen. Hitler vertröstete seinen Marinechef damit, daß er vorhabe, innerhalb der nächsten vierzehn Tage eine Darstellung der politischen Lage vor den Oberbefehlshabern vorzunehmen und dabei die Belagerung von England verkünden werde, die von der Kriegsmarine im Verein mit der Luftwaffe durchzuführen sei.
In seinen Notizen zu dieser Besprechung hielt Raeder fest: »Belagerung Englands muß bei Weitergehen des Krieges sofort und aufs stärkste ausgeführt werden. Auswärtiges Amt, Wirtschafts- und Ernährungsministerium werden über Folgen vorher unterrichtet werden. Alle Einsprüche müssen zurückgewiesen werden. Auch Drohungen mit Eintritt Amerikas in den Krieg, der bei Fortdauer sicher erscheint, darf nicht zu Einschränkungen führen. Je früher Beginn und je brutaler, um so früher die Wirkung, um so kürzer der Krieg. Alle Einschränkungen verlängern den Krieg. Chef OKW und Führer stimmen völlig hiermit überein.«
Von einer Landung auf den Britischen Inseln war nicht die Rede. Hitler erwähnte diese Möglichkeit zu diesem Zeitpunkt und auch später mit keinem einzigen Wort. Dieser »verrückte Gedanke« kam wenige Wochen später als erstem dem Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine selber. Anläßlich eines Besuches Raeders beim Marinebefehlshaber West, am 6. November 1939, kam das Gespräch auf die Fortsetzung des Krieges nach einem möglichen Erfolg gegen Frankreich. Würde der Führer Großbritannien durch eine Seeblockade aushungern oder gar mit massiven Truppen auf den Inseln landen wollen? Hitler hatte als Angriffsdatum zur Eröffnung des Westfeldzuges den 12. November 1939 bestimmt.
Der Generalstab des Heeres hatte die Marine im Spätherbst wissen lassen, daß man mit schweren und verlustreichen Kämpfen und einer langen Dauer des Westfeldzuges rechne. Die Planer des Heeres nahmen an, daß die deutschen Truppen »etwa die gleiche Linie wie imi Krieg 1914/18 erreichen und dabei vielleicht die belgischen und holländischen Häfen am Osteingang des Kanals in unsere Hand fallen könnten«.
Raeder erinnerte sich: »Da vor dem Krieg unsere gedanklichen wie materiellen Vorbereitungen nicht auf eine bewaffnete Auseinandersetzung mit England abgestellt waren, lag mir daran, daß wir wenigstens die ersten Vorüberlegungen gemacht hatten.« Ehe nämlich die Wehrmachtführung oder Hitler darauf kamen, in England einzufallen, und ihn mit der Anforderung des Seetransportes überfuhren wollte Raeder dagegen gewappnet sein.
Studie Rot

Vizeadmiral Otto Schniewind
Am 15. November setzte Großadmiral Raeder einen kleinen Sonderstab unter dem Chef des Stabes der Seekriegsleitung, Vizeadmiral Schniewind, ein, der sich mit einer etwaigen Invasion Englands unter militärischen, seemännischen und transporttechnischen Gesicht punkten beschäftigen sollte. Den Angehörigen des Stabes wurde strengstes Stillschweigen auferlegt, niemand außerhalb der Operationsabteilung durfte etwas von diesen Überlegungen erfahren.
Die Untergebenen Schniewinds, Konteradmiral Fricke und Kapitän z. S. Reinicke, machten sich am Berliner Tirpitzufer unverzüglich an die Arbeit. Es war für sie ein völlig neues Gebiet. Truppenverschiffungen großen Stils hatte es zuvor schon viele gegeben, doch noch nie hatte eine deutsche Kriegsmarinedienststelle ein Landungsunternehmen geplant, und noch nie waren an Marineoperationen die beiden anderen Wehrmachtteile zu beteiligen gewesen.
Schon nach fünf Tagen legten die beiden Stabsoffiziere Großadmiral Raeder ein zwölfeinhalb Schreibmaschinenseiten umfassendes Dokument, die sogenannte Studie Rot, vor. Sie hatten einen etwa 100 Kilometer breiten Streifen der englischen Südküste zwischen Portland und Yarmouth auf der Insel Wight als Landungsgebiet gewählt und die Häfen wegen ihrer Zugänglichkeit und Ladekapazität für besonders geeignet gefunden. Dem eigentlichen Transportproblem hatten sie wenig Aufmerksamkeit geschenkt, dafür um so mehr den Gefahren, die einer Landungsflotte vor allem von den Royal Air Force und der Royal Navy drohten. Fricke und Reinicke machten deshalb den Erfolg eines Landungsunternehmens von der Erfüllung vier unerläßlicher Voraussetzungen abhängig:
Die gegnerischen Seestreitkräfte müssen vom Landungsgebiet ferngehalten oder dort vernichtet werden.
Die gegnerische Luftwaffe muß ausgeschaltet werden.
Die gegnerische Seeverteidigung in der Küstenzone muß zerstört werden.
Feindliche U-Bootangriffe während der Überfahrt müssen unmöglich gemacht werden.
Die Landungsflotte sollte aus deutschen Heimathäfen auslaufen. Belgische und französische Kanalhäfen - vorausgesetzt, sie wären erobert worden - schienen den Marineplanern als Sammelpunkte der Landungsstreitkräfte zu verwundbar. Trotz aller Risiken zogen sie das vorsichtige Fazit: »Wenn an der Westfront durch einen Sieg oder eine Stabilisierung der Lage Kräfte freiwerden, scheint uns ein Landungsunternehmen im großen Stil über die Nordsee unter den vorerwähnten Voraussetzungen ein mögliches Mittel, die Friedenbereitschaft des Feindes zu erzwingen.«
Es war nicht nur die Überlegenheit der feindlichen Seestreitkräfte und die Gefahr, die deutschen Truppentransporter aus der Luft drohte, derentwegen sich die Marineoffiziere so große Zurückhaltung auferlegten. Sie dachten noch ganz in den Kategorien des Ersten Weltkrieges: Seeschlachten und Krieg gegen die Handelsschiffahrt waren ihr Metier, Landungsoperationen gehörten eher in den Bereich des Heeres. Darin wurden sie auch durch die Führerweisung Nr. 9. bestätigt, in der die Aufgabe der Marine: der Handelskrieg, als einzige Aufgabe erschöpfend dargelegt war.
Die Studie Rot hatte deshalb nicht viel mehr als eine Alibifunktion. Sie wanderte im Reichsmarineamt in eine Schublade und wurde vorerst vergessen.
Abschriften gingen jedoch an das Oberkommando der Wehrmacht und an das Oberkommando des Heeres.
Im OKW registrierte Generalmajor Alfred Jodl, Chef des Wehrmachtführungsamtes, den Eingang der Studie und leitete sie an den Chef der Abteilung L (Landesverteidigung), Oberst Walter Warlimont, weiter, der sie fürs erste ablegte.
Studie Nordwest

Generalmajor Hellmuth Stieff
Im OKW dagegen regte sich militärischer Ehrgeiz: Nach Erhalt der Studie Rot veranlaßte am 13. Dezember 1939 Generaloberst Walther von Brauchitsch eine entsprechende eigene Studie des Heeres unter dem Decknamen Studie Nordwest. Generalmajor Hellmuth Stieff zeichnete für die Ausarbeitung, ein späterer Bendlerblock-Putschist.
Die Heeresleitung war nicht mit den großen Skrupeln belastet, die die Marine geplagt hatten. Unbekümmert ging man die Aufgabe an. Hauptziel war die Einnahme Londons. Als gegebene Voraussetzungen der Operation galten der Besitz der holländischen und belgischen Kanal - bzw. Nordseehäfen, und die Tatsache. daß sich der Kern des britischen Heeres auf dem Festland befand, um sich zusammen mit den Franzosen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges einem deutschen Angriff entgegenzuwerfen.
Eingedenk der Schwierigkeiten, mit denen sich die Studie Rot der Marine bei einer Landung an der Südküste Englands konfrontiert gesehen hatte, verlegten Major Stieff und seine Mitarbeiter die Landung nach Norden zwischen die Themsemündung und den Wash.
Fliegerdivision 7, verstärkt durch das Infanterie-Regiment 16, sollte in einer Luftlandeoperation die Häfen Great Yarmouth und Lowestoft nehmen, während eine Infanteriedivision und eine Radfahrerbrigade von Seeseite her in den Häfen landen sollten. Südlich der Häfen sollte eine weitere Division an der freien Küste bei Dunwich und der vor Ipswich gelegenen Hollesley Bay gelandet werden, um einer feindlichen Einwirkung von Ipswich entgegenzuwirken.
Eine zweite Welle der Landungstruppen mit zwei Panzerdivisionen, einer Motorisierten Infanteriedivision und einer verstärkten Infanteriedivision sollte folgen. Die in die belgischen und holländischen Häfen zurückgekehrten leeren Schiffe sollten dann eine dritte Welle von sechs Panzer- und Infanteriedivisionen einladen und nachbringen. Eine Scheinlandung sollte zur Tarnung nördlich der Humbermündung erfolgen. Das eigentliche Angriffsziel war der Raum nördlich Londons. Die so von ihren nördlichen Verbindungen abgeschnittene Metropole konnte dann eingenommen (»fortgenommen«) und besetzt werden.
Um diese Bilderbuch-Operation möglichst ungestört ablaufen zu lassen, wies das Heer der Kriegsmarine folgende Aufgaben zu:
1. Schließung der Straße von Dover gegen das Vordringen feindlicher Seestreitkräfte von Süden her.
2. Ausschaltung einer Einwirkung der feindlichen Über- und Unterwasserstreitkräfte in der Nordsee gegen das Landungsunternehmen und seinen Nachschub.
3. Räumung der Schiffahrtswege und Landungsplätze von feindlichen und eigenen Minen.
4. Durchführung der Seetransporte.
5. Sicherstellung des erforderlichen Landegerätes.
6 Feuerschutz für die Landungsarmee von See her.
7. Durchführung des Täuschungsmanövers nördlich der Humbermündung.
8. Behinderung der Rückkehr des B. E. F. vom Festland.
Von der Luftwaffe erwartete das Oberkommando des Heeres:
1. Die Beherrschung des Luftraumes im Anmarsch- und Landungsgebiet.
2. Unterstützung der Marine im Kampf gegen feindliche Seestreitkräfte.
3.Luftlandung Great Yarmouth und Lowestoft sowie in der Gegend von Cambridge.
4. Unterstützung der Erdoperationen in England.
5. Behinderung des Rücktransportes des B. E. F. vom Festland.
Der Generalstabschef des Heeres, General Franz Halder, und Generaloberst von Brauchitsch segneten die Studie ab und ließen sie mit der Bitte um Stellungnahme an die Seekriegsleitung und an den Oberbefehlshaber der Luftwaffe leiten. Das Echo war bezeichnend für den Mangel an Zusammenarbeit und Verständnis unter den drei Wehrmachtsteilen.
Der Führungsstab der Luftwaffe erklärte sich in seiner Antwort am 30. 12. 1939 schlichtweg außerstande, den Vorstellungen des Heeres zu entsprechen. »Der geplante Einsatz ist daher nur denkbar in einem Zustand absoluter Luftüberlegenheit und auch dann nur, wenn Überraschung gewährleistet ist«, lautete einer der Kernsätze des Schreibens. Die Luftwaffe wies das Heer darauf hin, daß die geplante Luftlandung in die stärkste Stelle der feindlichen Luftverteidigung stoße, und daß bereits schwache Kräfte der feindlichen Luftwaffe genügten, um die Transporte nahezu unmöglich zu machen.
Kein Wort davon, wie die Luftwaffe dem abzuhelfen gedachte. Statt dessen wird die Studie rundweg abgelehnt: » Eine Landung in England könnte nur der letzte Akt eines bereits siegreich verlaufenen Kriege's gegen England sein, da sonst die Voraussetzungen für das Gelingen einer kombinierten Operation nicht gegeben sind.«
Die Seekriegsleitung ließ sich in ihrer Stellungnahme wenigstens zu einer Diskusion herab. Eine gewisse Fassungslosigkeit über die Unbedarftheit des Heeresplanes konnten die Marineleute allerdings nur schlecht verhehlen. Sie machten Halder auf die Tatsache aufmerksam daß man bei einer Wegnahme der Häfen nicht nur mit einer Abwehr durch leichte Seestreitkräfte und Sperrungen im Kustenvorfeld rechnen müsse sondern daß zweifellos die gesamte britische Heimatflotte mit schweren Schiffen, Kreuzern und U-Booten voll eingesetzt werden würde. Und »die englische Heimatflotte wird stets stärker als die eigene auftreten können, wenn der Wille dazu vorhanden ist«. Deshalb verbot sich auch der Einsatz deutscher U-Boote, die einem solchen Gegner nicht gewachsen waren
.
Di Kriegsmarine die in ihrer eigenen Studie die Südhäfen nicht ohne Grund vorgezogen hatte, erklärte, daß die beengten Hafenverhältnisse in Gregat Yarmouth und Lowestoft für eine Ausladung nicht weniger problematisch waren als die freie Küste. In anderen Worten: Die Heeresleitung hatte keine Ahnung, mit welcher Umständlichkeit das Ausladen in einem beengten Hafen vor sich gehen und welcher verhängnisvoller Zeitverlust allein durch das Manövrieren der Schiffe entstehen würde. Über das Ausladen auch nur einer Kompanie Soldaten an einem steilen Kiesstrand hatte sich Major Stieff offenbar keine Gedanken gemacht: Selbst in kleinen Booten oder Leichtem war das für ungeübte Leute fast unmöglich.
In manchen Punkten drehte die Marine den Spieß einfach herum und verlangte zum Beispiel ihrerseits von der Armee die vorherig Ausschaltung der Küstenabwehr. Zugleich verneinte sie kategorisch jede Möglichkeit, fremde und eigene Minen in dem angesprochenen Seegebiet systematisch räumen zu können Auch von eineni Täuschungsmanöver nördlich der Humbermündung wollte sie nichts hören denn das hätte eine Zersplitterung ihrer an sich schon schwachen Kräfte bedeutet.
Ganz offensichtlich konnte man sich am Tirpitzufer mit keinen der Heeresvorschläge anfreunden. Am weitesten voneinander entfernt waren die beiden Standpunkte in der Kernfrage. Die Kriegsmarine war über den Umfang der Transporte entsetzt. Bei ihren eigenen Untersuchungen waren Fricke und Reinicke von 15 Dampfernund 7500 ausgegangen, jetzt sollten 100 000 Mann und schweres Material über den Kanal bugsiert werden.
»Die bezeichneten Truppenmengen«, schrieb Admiral Schniewind, »bedingen eine Transportflotte von etwa 400 mittelgroßen Seeschiffen, ferner einen großen Park von Seeschleppern, Prähmen usw. für die Ausschiffung an freier Küste.« Die Schiffe, von denen sowieso nur ein Bruchteil der erforderlichen Zahl vorhanden sei, müßten für den Transport von Truppen und schwerem Heeresgerät (Panzer, Artillerie) umgebaut und Werftkapazität dafür freigemacht werden. Das würde ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen. Landungsgerät sei in nennenswertem Umfang nicht vorhanden und müßte erst beschafft werden.
Bei der Gelegenheit feuerte die Marine gleich eine Breitseite auf die Luftwaffe ab: »Mit einer Unterstützung der Kriegsmarine durch die Luftwaffe kann nicht mit Sicherheit gerechnet werden. Wetter, Tageszeit und andere Umstände können eine Teilnahme von Luftstreitkräften über See überhaupt ausschließen.«
Zwei der drei Wehrmachtsteile hielten eine Invasion der Britischen Inseln zumindest so für nicht durchführbar. Nur in einem stimmten Heer, Marine und Luftwaffe völlig überein: Ohne eine Beherrschung des Luftraumes über dem Anmarsch- und Landegebiet war an eine Landung nicht zu denken. So blieb General Halder nichts anderes übrig, als die Studie Nordwest in einer Schublade verschwinden zu lassen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 15.03.09 10:15 ]

Großadmiral Raeder neben Führer Adolf Hitler (1939)
Am 23. September 1939 hatte Adolf Hitler im Seebad Zoppot bei Danzig eine Unterredung mit dem Chef der Seekriegsleitung, bei der auch Generaloberst Keitel zugegen war. Großadmiral Raeder erstattete Bericht über die Seekriegslage in Ostsee, Nordsee und Atlantik. 232 000 Tonnen feindlichen Schiffsraumes waren bisher versenkt worden, dabei erklärte er, daß bei Kriegsbeginn eine große Zahl französischer und britischer Dampfer zu ihren Heimathäfen unterwegs waren und eine verhältnismäßig leichte Beute der U-Boote wurden, weil sie noch nicht bewaffnet waren.
Auf der anderen Seite seien Booten aus politischen Gründen Beschränkungen auferlegt, wie keine Angriffe auf Passagierdampfer und Schonung der französischen Kriegs- und Handelsmarine, so daß britische und französische Truppentransporte auf Passagierschiffen von Afrika und den Britischen Inseln ungehindert in französischen Häfen einlaufen konnten.
Raeder fragte Hitler nach Maßnahmen, die getroffen werden müßten, falls der Krieg gegen England und Frankreich »durchzukämpfen« sei. Das war bis dahin längst nicht klar, denn Hitler hatte auch geäußert, daß er hoffe, Frankreich aus der westlichen Allianz herauszubrechen. Hitler vertröstete seinen Marinechef damit, daß er vorhabe, innerhalb der nächsten vierzehn Tage eine Darstellung der politischen Lage vor den Oberbefehlshabern vorzunehmen und dabei die Belagerung von England verkünden werde, die von der Kriegsmarine im Verein mit der Luftwaffe durchzuführen sei.
In seinen Notizen zu dieser Besprechung hielt Raeder fest: »Belagerung Englands muß bei Weitergehen des Krieges sofort und aufs stärkste ausgeführt werden. Auswärtiges Amt, Wirtschafts- und Ernährungsministerium werden über Folgen vorher unterrichtet werden. Alle Einsprüche müssen zurückgewiesen werden. Auch Drohungen mit Eintritt Amerikas in den Krieg, der bei Fortdauer sicher erscheint, darf nicht zu Einschränkungen führen. Je früher Beginn und je brutaler, um so früher die Wirkung, um so kürzer der Krieg. Alle Einschränkungen verlängern den Krieg. Chef OKW und Führer stimmen völlig hiermit überein.«
Von einer Landung auf den Britischen Inseln war nicht die Rede. Hitler erwähnte diese Möglichkeit zu diesem Zeitpunkt und auch später mit keinem einzigen Wort. Dieser »verrückte Gedanke« kam wenige Wochen später als erstem dem Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine selber. Anläßlich eines Besuches Raeders beim Marinebefehlshaber West, am 6. November 1939, kam das Gespräch auf die Fortsetzung des Krieges nach einem möglichen Erfolg gegen Frankreich. Würde der Führer Großbritannien durch eine Seeblockade aushungern oder gar mit massiven Truppen auf den Inseln landen wollen? Hitler hatte als Angriffsdatum zur Eröffnung des Westfeldzuges den 12. November 1939 bestimmt.
Der Generalstab des Heeres hatte die Marine im Spätherbst wissen lassen, daß man mit schweren und verlustreichen Kämpfen und einer langen Dauer des Westfeldzuges rechne. Die Planer des Heeres nahmen an, daß die deutschen Truppen »etwa die gleiche Linie wie imi Krieg 1914/18 erreichen und dabei vielleicht die belgischen und holländischen Häfen am Osteingang des Kanals in unsere Hand fallen könnten«.
Raeder erinnerte sich: »Da vor dem Krieg unsere gedanklichen wie materiellen Vorbereitungen nicht auf eine bewaffnete Auseinandersetzung mit England abgestellt waren, lag mir daran, daß wir wenigstens die ersten Vorüberlegungen gemacht hatten.« Ehe nämlich die Wehrmachtführung oder Hitler darauf kamen, in England einzufallen, und ihn mit der Anforderung des Seetransportes überfuhren wollte Raeder dagegen gewappnet sein.
Studie Rot

Vizeadmiral Otto Schniewind
Am 15. November setzte Großadmiral Raeder einen kleinen Sonderstab unter dem Chef des Stabes der Seekriegsleitung, Vizeadmiral Schniewind, ein, der sich mit einer etwaigen Invasion Englands unter militärischen, seemännischen und transporttechnischen Gesicht punkten beschäftigen sollte. Den Angehörigen des Stabes wurde strengstes Stillschweigen auferlegt, niemand außerhalb der Operationsabteilung durfte etwas von diesen Überlegungen erfahren.
Die Untergebenen Schniewinds, Konteradmiral Fricke und Kapitän z. S. Reinicke, machten sich am Berliner Tirpitzufer unverzüglich an die Arbeit. Es war für sie ein völlig neues Gebiet. Truppenverschiffungen großen Stils hatte es zuvor schon viele gegeben, doch noch nie hatte eine deutsche Kriegsmarinedienststelle ein Landungsunternehmen geplant, und noch nie waren an Marineoperationen die beiden anderen Wehrmachtteile zu beteiligen gewesen.
Schon nach fünf Tagen legten die beiden Stabsoffiziere Großadmiral Raeder ein zwölfeinhalb Schreibmaschinenseiten umfassendes Dokument, die sogenannte Studie Rot, vor. Sie hatten einen etwa 100 Kilometer breiten Streifen der englischen Südküste zwischen Portland und Yarmouth auf der Insel Wight als Landungsgebiet gewählt und die Häfen wegen ihrer Zugänglichkeit und Ladekapazität für besonders geeignet gefunden. Dem eigentlichen Transportproblem hatten sie wenig Aufmerksamkeit geschenkt, dafür um so mehr den Gefahren, die einer Landungsflotte vor allem von den Royal Air Force und der Royal Navy drohten. Fricke und Reinicke machten deshalb den Erfolg eines Landungsunternehmens von der Erfüllung vier unerläßlicher Voraussetzungen abhängig:
Die gegnerischen Seestreitkräfte müssen vom Landungsgebiet ferngehalten oder dort vernichtet werden.
Die gegnerische Luftwaffe muß ausgeschaltet werden.
Die gegnerische Seeverteidigung in der Küstenzone muß zerstört werden.
Feindliche U-Bootangriffe während der Überfahrt müssen unmöglich gemacht werden.
Die Landungsflotte sollte aus deutschen Heimathäfen auslaufen. Belgische und französische Kanalhäfen - vorausgesetzt, sie wären erobert worden - schienen den Marineplanern als Sammelpunkte der Landungsstreitkräfte zu verwundbar. Trotz aller Risiken zogen sie das vorsichtige Fazit: »Wenn an der Westfront durch einen Sieg oder eine Stabilisierung der Lage Kräfte freiwerden, scheint uns ein Landungsunternehmen im großen Stil über die Nordsee unter den vorerwähnten Voraussetzungen ein mögliches Mittel, die Friedenbereitschaft des Feindes zu erzwingen.«
Es war nicht nur die Überlegenheit der feindlichen Seestreitkräfte und die Gefahr, die deutschen Truppentransporter aus der Luft drohte, derentwegen sich die Marineoffiziere so große Zurückhaltung auferlegten. Sie dachten noch ganz in den Kategorien des Ersten Weltkrieges: Seeschlachten und Krieg gegen die Handelsschiffahrt waren ihr Metier, Landungsoperationen gehörten eher in den Bereich des Heeres. Darin wurden sie auch durch die Führerweisung Nr. 9. bestätigt, in der die Aufgabe der Marine: der Handelskrieg, als einzige Aufgabe erschöpfend dargelegt war.
Die Studie Rot hatte deshalb nicht viel mehr als eine Alibifunktion. Sie wanderte im Reichsmarineamt in eine Schublade und wurde vorerst vergessen.
Abschriften gingen jedoch an das Oberkommando der Wehrmacht und an das Oberkommando des Heeres.
Im OKW registrierte Generalmajor Alfred Jodl, Chef des Wehrmachtführungsamtes, den Eingang der Studie und leitete sie an den Chef der Abteilung L (Landesverteidigung), Oberst Walter Warlimont, weiter, der sie fürs erste ablegte.
Studie Nordwest

Generalmajor Hellmuth Stieff
Im OKW dagegen regte sich militärischer Ehrgeiz: Nach Erhalt der Studie Rot veranlaßte am 13. Dezember 1939 Generaloberst Walther von Brauchitsch eine entsprechende eigene Studie des Heeres unter dem Decknamen Studie Nordwest. Generalmajor Hellmuth Stieff zeichnete für die Ausarbeitung, ein späterer Bendlerblock-Putschist.
Die Heeresleitung war nicht mit den großen Skrupeln belastet, die die Marine geplagt hatten. Unbekümmert ging man die Aufgabe an. Hauptziel war die Einnahme Londons. Als gegebene Voraussetzungen der Operation galten der Besitz der holländischen und belgischen Kanal - bzw. Nordseehäfen, und die Tatsache. daß sich der Kern des britischen Heeres auf dem Festland befand, um sich zusammen mit den Franzosen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges einem deutschen Angriff entgegenzuwerfen.
Eingedenk der Schwierigkeiten, mit denen sich die Studie Rot der Marine bei einer Landung an der Südküste Englands konfrontiert gesehen hatte, verlegten Major Stieff und seine Mitarbeiter die Landung nach Norden zwischen die Themsemündung und den Wash.
Fliegerdivision 7, verstärkt durch das Infanterie-Regiment 16, sollte in einer Luftlandeoperation die Häfen Great Yarmouth und Lowestoft nehmen, während eine Infanteriedivision und eine Radfahrerbrigade von Seeseite her in den Häfen landen sollten. Südlich der Häfen sollte eine weitere Division an der freien Küste bei Dunwich und der vor Ipswich gelegenen Hollesley Bay gelandet werden, um einer feindlichen Einwirkung von Ipswich entgegenzuwirken.
Eine zweite Welle der Landungstruppen mit zwei Panzerdivisionen, einer Motorisierten Infanteriedivision und einer verstärkten Infanteriedivision sollte folgen. Die in die belgischen und holländischen Häfen zurückgekehrten leeren Schiffe sollten dann eine dritte Welle von sechs Panzer- und Infanteriedivisionen einladen und nachbringen. Eine Scheinlandung sollte zur Tarnung nördlich der Humbermündung erfolgen. Das eigentliche Angriffsziel war der Raum nördlich Londons. Die so von ihren nördlichen Verbindungen abgeschnittene Metropole konnte dann eingenommen (»fortgenommen«) und besetzt werden.
Um diese Bilderbuch-Operation möglichst ungestört ablaufen zu lassen, wies das Heer der Kriegsmarine folgende Aufgaben zu:
1. Schließung der Straße von Dover gegen das Vordringen feindlicher Seestreitkräfte von Süden her.
2. Ausschaltung einer Einwirkung der feindlichen Über- und Unterwasserstreitkräfte in der Nordsee gegen das Landungsunternehmen und seinen Nachschub.
3. Räumung der Schiffahrtswege und Landungsplätze von feindlichen und eigenen Minen.
4. Durchführung der Seetransporte.
5. Sicherstellung des erforderlichen Landegerätes.
6 Feuerschutz für die Landungsarmee von See her.
7. Durchführung des Täuschungsmanövers nördlich der Humbermündung.
8. Behinderung der Rückkehr des B. E. F. vom Festland.
Von der Luftwaffe erwartete das Oberkommando des Heeres:
1. Die Beherrschung des Luftraumes im Anmarsch- und Landungsgebiet.
2. Unterstützung der Marine im Kampf gegen feindliche Seestreitkräfte.
3.Luftlandung Great Yarmouth und Lowestoft sowie in der Gegend von Cambridge.
4. Unterstützung der Erdoperationen in England.
5. Behinderung des Rücktransportes des B. E. F. vom Festland.
Der Generalstabschef des Heeres, General Franz Halder, und Generaloberst von Brauchitsch segneten die Studie ab und ließen sie mit der Bitte um Stellungnahme an die Seekriegsleitung und an den Oberbefehlshaber der Luftwaffe leiten. Das Echo war bezeichnend für den Mangel an Zusammenarbeit und Verständnis unter den drei Wehrmachtsteilen.
Der Führungsstab der Luftwaffe erklärte sich in seiner Antwort am 30. 12. 1939 schlichtweg außerstande, den Vorstellungen des Heeres zu entsprechen. »Der geplante Einsatz ist daher nur denkbar in einem Zustand absoluter Luftüberlegenheit und auch dann nur, wenn Überraschung gewährleistet ist«, lautete einer der Kernsätze des Schreibens. Die Luftwaffe wies das Heer darauf hin, daß die geplante Luftlandung in die stärkste Stelle der feindlichen Luftverteidigung stoße, und daß bereits schwache Kräfte der feindlichen Luftwaffe genügten, um die Transporte nahezu unmöglich zu machen.
Kein Wort davon, wie die Luftwaffe dem abzuhelfen gedachte. Statt dessen wird die Studie rundweg abgelehnt: » Eine Landung in England könnte nur der letzte Akt eines bereits siegreich verlaufenen Kriege's gegen England sein, da sonst die Voraussetzungen für das Gelingen einer kombinierten Operation nicht gegeben sind.«
Die Seekriegsleitung ließ sich in ihrer Stellungnahme wenigstens zu einer Diskusion herab. Eine gewisse Fassungslosigkeit über die Unbedarftheit des Heeresplanes konnten die Marineleute allerdings nur schlecht verhehlen. Sie machten Halder auf die Tatsache aufmerksam daß man bei einer Wegnahme der Häfen nicht nur mit einer Abwehr durch leichte Seestreitkräfte und Sperrungen im Kustenvorfeld rechnen müsse sondern daß zweifellos die gesamte britische Heimatflotte mit schweren Schiffen, Kreuzern und U-Booten voll eingesetzt werden würde. Und »die englische Heimatflotte wird stets stärker als die eigene auftreten können, wenn der Wille dazu vorhanden ist«. Deshalb verbot sich auch der Einsatz deutscher U-Boote, die einem solchen Gegner nicht gewachsen waren
.
Di Kriegsmarine die in ihrer eigenen Studie die Südhäfen nicht ohne Grund vorgezogen hatte, erklärte, daß die beengten Hafenverhältnisse in Gregat Yarmouth und Lowestoft für eine Ausladung nicht weniger problematisch waren als die freie Küste. In anderen Worten: Die Heeresleitung hatte keine Ahnung, mit welcher Umständlichkeit das Ausladen in einem beengten Hafen vor sich gehen und welcher verhängnisvoller Zeitverlust allein durch das Manövrieren der Schiffe entstehen würde. Über das Ausladen auch nur einer Kompanie Soldaten an einem steilen Kiesstrand hatte sich Major Stieff offenbar keine Gedanken gemacht: Selbst in kleinen Booten oder Leichtem war das für ungeübte Leute fast unmöglich.
In manchen Punkten drehte die Marine den Spieß einfach herum und verlangte zum Beispiel ihrerseits von der Armee die vorherig Ausschaltung der Küstenabwehr. Zugleich verneinte sie kategorisch jede Möglichkeit, fremde und eigene Minen in dem angesprochenen Seegebiet systematisch räumen zu können Auch von eineni Täuschungsmanöver nördlich der Humbermündung wollte sie nichts hören denn das hätte eine Zersplitterung ihrer an sich schon schwachen Kräfte bedeutet.
Ganz offensichtlich konnte man sich am Tirpitzufer mit keinen der Heeresvorschläge anfreunden. Am weitesten voneinander entfernt waren die beiden Standpunkte in der Kernfrage. Die Kriegsmarine war über den Umfang der Transporte entsetzt. Bei ihren eigenen Untersuchungen waren Fricke und Reinicke von 15 Dampfernund 7500 ausgegangen, jetzt sollten 100 000 Mann und schweres Material über den Kanal bugsiert werden.
»Die bezeichneten Truppenmengen«, schrieb Admiral Schniewind, »bedingen eine Transportflotte von etwa 400 mittelgroßen Seeschiffen, ferner einen großen Park von Seeschleppern, Prähmen usw. für die Ausschiffung an freier Küste.« Die Schiffe, von denen sowieso nur ein Bruchteil der erforderlichen Zahl vorhanden sei, müßten für den Transport von Truppen und schwerem Heeresgerät (Panzer, Artillerie) umgebaut und Werftkapazität dafür freigemacht werden. Das würde ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen. Landungsgerät sei in nennenswertem Umfang nicht vorhanden und müßte erst beschafft werden.
Bei der Gelegenheit feuerte die Marine gleich eine Breitseite auf die Luftwaffe ab: »Mit einer Unterstützung der Kriegsmarine durch die Luftwaffe kann nicht mit Sicherheit gerechnet werden. Wetter, Tageszeit und andere Umstände können eine Teilnahme von Luftstreitkräften über See überhaupt ausschließen.«
Zwei der drei Wehrmachtsteile hielten eine Invasion der Britischen Inseln zumindest so für nicht durchführbar. Nur in einem stimmten Heer, Marine und Luftwaffe völlig überein: Ohne eine Beherrschung des Luftraumes über dem Anmarsch- und Landegebiet war an eine Landung nicht zu denken. So blieb General Halder nichts anderes übrig, als die Studie Nordwest in einer Schublade verschwinden zu lassen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 15.03.09 10:15 ]
The Real Blaze
Die "Studie England" und der inoffizielle Beginn mit Invasionsvorbereitungen
Am 10. April 1940 begann das Landungsunternehmen in Norwegen. Die Landung verlief nach dem gleichen Schema, nach dem Kaiser Wilhelm vierzig Jahre zuvor seine Truppen nach China befördert hatte. Auf großen Seeschiffen wurden die Soldaten samt Waffen in die norwegischen Häfen gebracht und dort einfach ausgeladen. Nach vier Monaten Planung war niemand auf den Gedanken gekommen, bei dieser Gelegenheit die Landung an einer verteidigten Küste zu üben und Truppen an den Stränden abzusetzen.
Von einem Strand und England war erst wieder die Rede, als am 20. Mai 1940 die Panzer General Guderians nach ihrem atemberaubenden Siegeszug durch Frankreich die Sommemündung bei Abbeville und damit die Kanalküste erreichten. Während sie nach Norden drehten, um Calais und Dünkirchen zu erreichen, wo sie sich mit der Norden kommenden Heeresgruppe B vereinigen sollten, konnten die Panzerbesatzungen jenseits des Kanals deutlich die Kreidefelsen von Dover ausmachen.

der Strand von Dover als die Engländer eine deutsche Invasion befürchteten
Großadmiral Erich Raeder hatte der Durchbruch zur Kanalküste elektrisiert: Ihn verfolgte die Vorstellung, daß Adolf Hitler nun von ihm verlangen werde, die beiden siegreichen Heeresgruppen noch voller Angriffsschwung nach England überzusetzen: »Der Augenblick war gekommen, in dem ich die Frage einer Invasion bei Hitler anschneiden mußte. Ich mußte befürchten, daß sonst von unverantwortlicher Seite der naheliegende Vorschlag zu einer Landung gemacht würde. Hitler den Gedanken aufgriff, und dann die Marine plötzlich vor eine unlösbare Aufgabe gestellt würde.«
Am 21. Mai 1940, nach der Führerkonferenz im Hauptquartier »Felsennest«, bat Raeder den Führer um ein Gespräch unter vier Augen. Er begann seinen Vortrag mit einer Erwähnung der erfolgreichen Besetzung Norwegens, die über Erwarten gut geglückt sei. Sehr schnell könne deshalb der Gedanke aufkommen, in ähnlicher Weise wie in Norwegen nun auch gegen England vorzugehen; der Sprung über den Kanal könne auf den ersten Blick weniger gefährlich erscheinen als der weite Weg zu den norwegischen Häfen. Aber das Gegenteil treffe zu; eine Landung auf den Britischen Inseln sei äußerst schwierig und mit großen Risiken verbunden. Raeder erklärte Hitler, daß der Ärmelkanal eines der gefährlichsten und tückischsten Gewässer der Erde sei und daß die Küsten durch Riffe, Untiefen, Strömungen und steile Felsen vor Angreifern geschützt seien. Die der deutschen überlegene britische Flotte sei in diesen Gewässern zu Hause, und gegenüber der starken Royal Air Force sei eine naturgemäß langsame, massierte Landungsflotte praktisch wehrlos.
Als wichtigste Voraussetzung für ein -Landungsunternehmen gegen England nannte der Großadmiral die absolute Luftherrschaft über dem Kanal. Die deutsche Luftüberlegenheit müsse so weit gehen, daß sie außer der Beherrschung des Luftraumes auch das Eingreifen der britischen Flotte, wenn nicht ganz verhindern, so doch wenigstens sehr verlustreich gestalten würde. Sonst sei das Wagnis viel zu groß und nicht zu verantworten.
Hitler hörte aufmerksam zu und äußerte keine eigene Ansicht. Er bestand jedoch darauf, daß vorläufig keinerlei Vorbereitungen getroffen werden sollten. Zusammen mit Raeder verließ Hitler das Konferenzzimmer. Er war blendender Laune und erzählte noch, daß er vergangene Nacht zum erstenmal seit zwanzig Jahren wieder eine Nachtigall gehört habe.
Dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ließ der Gedanke an eine Invasion der Britischen Inseln jedoch keine Ruhe. Nach wie vor fürchtete er, mit einem solchen Auftrag konfrontiert zu werden. Die Experten in der Seekriegsleitung gaben sich ebenfalls keinen Illusionen hin. »Das Ausmaß der Wirkungsmöglichkeiten der eigenen Flotte«, schrieb Konteradmiral Fricke, »wird gering bleiben. Die weitere Entwicklung des Krieges kann erst zeigen, ob der kleinen deutschen Flotte in einer so gewaltigen Aufgabe Wirkungsmöglichkeiten gegeben sein werden. Ihre Unterlegenheit gegenüber der englischen Flotte wird Flottenoperationen kaum zulassen. Immerhin wird sich auch hier, ähnlich wie in Norwegen, für die noch vorhandenen leichten Streitkräfte, auf kürzere Entfernungen auch für die Hilfsfahrzeuge (Dampfer, Fischdampfer) die Möglichkeit bieten, zumindest Personal beschleunigt an die englische Küste zu werfen.«

Admiral Kurt Fricke
Fricke grub die alte Marinestudie Rot vom November 1939 wieder aus und arbeitete auf dieser Basis eine neue »Studie England« aus, die er seinem Chef am 27. Mai vorlegte. Gegenüber dem alten Plan war nun auch die Ansicht des OKH aus der Studie »Nordwest« " berücksichtigt: Landungsmöglichkeiten sah Fricke nun sowohl im Raum Portland - Yarmouth als auch an der Küste zwischen der Themsemündung und Newcastle hoch im Norden Englands. Ausgangsbasis für erstere Möglichkeit sollten die Häfen zwischen Cherbourg und Texel, für letztere die Häfen zwischen Schelde und Hanstholm in Dänemark sein. Aus seemännischen und taktischen Gründen bevorzugte die Kriegsmarine jedoch noch immer eine Landung westlich der Straße von Dover, die leichter mit einem Sperrminengürtel zu versehen und aus der Luft abzuschirmen war. Die neue Situation ergab sich aus der Tatsache, daß sich die Kriegsmarine der inzwischen eroberten Häfen in Holland, Belgien und Frankreich bemächtigt hatte und sie für ihre Zwecke wiederherzustellen und auszubauen begann. Am 31. Mai wurden auch die vorbereitenden Arbeiten für eine Landungsflotte in Angriff genommen, obgleich keine Weisung an die Marine ergangen war und im Heer noch niemand an eine Invasion dachte.

Admiral Karlgeorg Schuster
Raeder beauftragte Admiral Schuster, den kommandierenden Admiral Frankreich, und Kapitän z. S. Degenhardt, den Seetransportchef z. b. V., für alle Fälle eine Übersicht über den vorhandenen Schiffsraum zu erstellen. Das Marineamt wies er an, die Möglichkeiten einer Sperrung der Straße von Dover zu prüfen und die Minenräumung vorzubereiten. Eine nicht minder wichtige Aufgabe war der 3. Abteilung der Seekriegsleitung zugefallen. Sie lieferte ihrem Oberbefehlshaber am 7. Juni eine zwanzigseitige Studie über die navigatorischen Bedingungen in den britischen Küstengewässern und die Landungsmöglichkeiten zwischen der Insel Wight im Süden und dem Wash im Norden. Jeder einzelne Hafen wurde auf allgemeine Hafenverhältnisse, Umschlagseinrichtungen, Gesamtwasserfläche, Tiefe, Verkehrsverhältnisse unter die Lupe genommen. Auch die jeweilige Entfernung zum nächstgelegenen Stützpunkt der Royal Navy wurde nicht vergessen. Mit Hilfe der Seehandbücher wurde die offene Küste auf Landungsmöglichkeiten abgeklopft.
Die Erfassung des Schiffsraumes für Transporte sollte sich über Wochen hinziehen. Die Minenräumung vor der feindlichen Küste und die Sperrung der Straße von Dover waren von so vielen Vorbedingungen abhängig, daß sie vorerst in der Schwebe blieben. Lediglich die Untersuchung der Küste und ihrer Häfen brachte einige Resultate. So wurde der Wash als schwierig und ungünstig für ein Landungsvorhaben befunden: gefährliche Sande, starker Gezeitenstrom (bis 5 sm/h), großer Tidenhub (6 bis 6,5 m), die an der sonst niedrigen Küste einer Landungsflotte große Schwierigkeiten machen würden. Weiter südlich war die Küste für eine Landung eher geeignet; erst um die Themsemündung herum wurde die Navigation wegen vieler Wracks und hoher Strömungsgeschwindigkeiten wieder schwierig. Sumpfgebiete machten eine Landung wenig ratsam. An der Südküste der Themsemündung bei der Insel Sheppey ergaben sich einige günstige Ankerplätze. Die daran anschließende Küste vom North Foreland über Dover bis Dungeness wurde als schwierig bezeichnet: Hier war der Kanal als Seeweg wegen der vielen Seebänke und starken Gezeitenströme am gefährlichsten. Zwischen Folkestone und Dungeness hielt die Marine eine Landung theoretisch für möglich, sonst gab es an dieser Küste fast nur Steilhänge und Klippen von 18 bis 36 m Höhe.
Zu manchen der in Frage kommenden Küstenabschnitte hatten die Nautiker der Marine Karten besorgt, auf denen der Seeboden im Küstenvorfeld nach seiner geologischen Beschaffenheit dargestellt war: feiner Sand, Lehm, Fels, Kies, Bodenwellen und Steilheit der Strände, auch der steinerne Wald vor der Küste von Dungeness war dort verzeichnet.
Alle diese Informationen erzeugten in der Seekriegsleitung keinen Enthusiasmus - so wenig wie die Tatsache, daß im fernen Scapa Flow ankernde britische Zerstörerrudel 24 Stunden für die Fahrt nach Dover brauchten, von den anderen Einheiten der Royal Navy ganz abgesehen.
Der Traum vom Frieden
In seinem Tagesbefehl vom 5. Juni hatte Hitler seine Soldaten dafür gelobt, daß sie vor Dünkirchen die schwerste Schlacht geschlagen und in wenigen Wochen zwei Staaten zur Kapitulation gezwungen, Frankreichs beste Divisionen vernichtet und das britische Expeditionskorps geschlagen, gefangen oder vom Kontinent verjagt hatten. Was England anbelangte, so schien ihm das letztere vorerst zu genügen. »Mit dem heutigen Tag tritt die Westfront wieder an...« Das Ziel war nicht London, sondern Paris, das am 14. Juni kampflos in deutsche Hand fiel. Am 17. Juni schickte Marschall Petain den ersten Parlamentär ins deutsche Hauptquartier nach Bruly an der belgisch-französischen Grenze.
Frieden lag in der Luft. Als Hitler am nächsten Tag, dem 18. Juni, nach München flog, um dort mit Mussolini zu sprechen, traf er sich vorher mit Göring auf dem Rhein-Main Flughafen. Die beiden fielen sich pathetisch in die Arme. »Wir werden mit England zu einer Verständigung kommen«, meinte Hitler bewegt. »Das bedeutet, wir werden endlich wieder Frieden haben!« sagte Göring und strahlte.
Auch die Konferenz mit Mussolini war von Hitlers großzügiger Einstellung gegenüber dem einzigen verbliebenen Feind geprägt. Sie sprachen darüber, daß man allenfalls den Druck auf England verstärken werde. Mussolini bot dazu seine Luftwaffe an. Nur am Rand wurde eine Landung in England als Druckmittel erwähnt, aber nicht weiter diskutiert.
Graf Ciano, der italienische Außenminister, fragte Ribbentrop, seinen deutschen Amtskollegen, geradeheraus: »Will man nun weiter Krieg oder Frieden?« Ribbentrop zögerte mit seiner Antwort keinen Augenblick: »Frieden, natürlich!« und fügte hinzu, daß man bereits über Schweden Englands Bereitwilligkeit für einen Friedensschluß sondiere.
Raeder war trotzdem nicht im Unrecht, wenn er versuchte, jetzt schon einer möglichen Anforderung für den Transport von Landungstruppen zu begegnen. Auch im Oberkommando der Wehrmacht war wegen dieser Frage Unruhe aufgekommen. General Jodl und sein Stab, der Pläne und Unternehmungen der drei Wehrmachtsteile zu koordinieren und zugleich mit Hitlers Weisungen in Einklang zu bringen hatte, war nicht verborgen geblieben, daß Heer, Luftwaffe und Marine an einer Invasion Englands bastelten und sogar mit Vorarbeiten begonnen hatten, obwohl keine Weisungen ergangen waren und Hitler nur von Frieden sprach. Nicht nur bei der Kriegsmarine, sondern auch bei den beiden anderen Wehrmachtsteilen gab es Anzeichen für derartige Invasionsvorarbeiten. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, zum Beispiel, habe die Aufstellung einer Fallschirmjägerdivision in die Wege geleitet, und General von Schell arbeite an Plänen für große Übersetzpontons.

General Adolf von Schell
Großadmiral Raeder brachte bei der nächsten Führerbesprechung am 20. Juni das Gespräch erneut auf die Schwierigkeiten, die einer Landung in England entgegenstanden: Die Wahl eines geeigneten Küstenabschnittes, die offene Minenfrage, der Mangel an geeignetem Transportraum bereiteten ebenso Sorge wie die Tatsache, daß die Heerespioniere Sonderfahrzeuge für den Seetransport entwickelten, ohne sich mit der Marine abzusprechen.
Hitler ging mit keinem Wort auf die Landungsvorbereitungen ein. Statt dessen wies er Keitel an, dafür Sorge zu tragen, daß der Bau der Sonderfahrzeuge der Marine unterstellt wurde. Damit war das Thema vom Tisch. Raeder konnte trotzdem nochmals seinen Standpunkt klarmachen, daß eine Blockade durch U-Boote das einzige seiner Marine angemessene Kampfmittel gegen die Briten war - über eine Landung könne man erst ernsthaft reden, wenn die Luftherrschaft über den Britischen Inseln errungen war. Damit war man wieder einmal um keinen Schritt weiter gekommen.
Nach dem Einmarsch in Paris am 14. Juni begann nämlich das OKH damit, vierzig Divisionen nach Hause zu schicken, weil man mit den vielen Soldaten in Frankreich nichts anfangen konnte. Man dachte an Erntedienst in der Heimat, an einen Einsatz in der Rüstungsindustrie, an Urlaub, aber auch an völlige Demobilisation.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.03.09 19:56 ]
Am 10. April 1940 begann das Landungsunternehmen in Norwegen. Die Landung verlief nach dem gleichen Schema, nach dem Kaiser Wilhelm vierzig Jahre zuvor seine Truppen nach China befördert hatte. Auf großen Seeschiffen wurden die Soldaten samt Waffen in die norwegischen Häfen gebracht und dort einfach ausgeladen. Nach vier Monaten Planung war niemand auf den Gedanken gekommen, bei dieser Gelegenheit die Landung an einer verteidigten Küste zu üben und Truppen an den Stränden abzusetzen.
Von einem Strand und England war erst wieder die Rede, als am 20. Mai 1940 die Panzer General Guderians nach ihrem atemberaubenden Siegeszug durch Frankreich die Sommemündung bei Abbeville und damit die Kanalküste erreichten. Während sie nach Norden drehten, um Calais und Dünkirchen zu erreichen, wo sie sich mit der Norden kommenden Heeresgruppe B vereinigen sollten, konnten die Panzerbesatzungen jenseits des Kanals deutlich die Kreidefelsen von Dover ausmachen.

der Strand von Dover als die Engländer eine deutsche Invasion befürchteten
Großadmiral Erich Raeder hatte der Durchbruch zur Kanalküste elektrisiert: Ihn verfolgte die Vorstellung, daß Adolf Hitler nun von ihm verlangen werde, die beiden siegreichen Heeresgruppen noch voller Angriffsschwung nach England überzusetzen: »Der Augenblick war gekommen, in dem ich die Frage einer Invasion bei Hitler anschneiden mußte. Ich mußte befürchten, daß sonst von unverantwortlicher Seite der naheliegende Vorschlag zu einer Landung gemacht würde. Hitler den Gedanken aufgriff, und dann die Marine plötzlich vor eine unlösbare Aufgabe gestellt würde.«
Am 21. Mai 1940, nach der Führerkonferenz im Hauptquartier »Felsennest«, bat Raeder den Führer um ein Gespräch unter vier Augen. Er begann seinen Vortrag mit einer Erwähnung der erfolgreichen Besetzung Norwegens, die über Erwarten gut geglückt sei. Sehr schnell könne deshalb der Gedanke aufkommen, in ähnlicher Weise wie in Norwegen nun auch gegen England vorzugehen; der Sprung über den Kanal könne auf den ersten Blick weniger gefährlich erscheinen als der weite Weg zu den norwegischen Häfen. Aber das Gegenteil treffe zu; eine Landung auf den Britischen Inseln sei äußerst schwierig und mit großen Risiken verbunden. Raeder erklärte Hitler, daß der Ärmelkanal eines der gefährlichsten und tückischsten Gewässer der Erde sei und daß die Küsten durch Riffe, Untiefen, Strömungen und steile Felsen vor Angreifern geschützt seien. Die der deutschen überlegene britische Flotte sei in diesen Gewässern zu Hause, und gegenüber der starken Royal Air Force sei eine naturgemäß langsame, massierte Landungsflotte praktisch wehrlos.
Als wichtigste Voraussetzung für ein -Landungsunternehmen gegen England nannte der Großadmiral die absolute Luftherrschaft über dem Kanal. Die deutsche Luftüberlegenheit müsse so weit gehen, daß sie außer der Beherrschung des Luftraumes auch das Eingreifen der britischen Flotte, wenn nicht ganz verhindern, so doch wenigstens sehr verlustreich gestalten würde. Sonst sei das Wagnis viel zu groß und nicht zu verantworten.
Hitler hörte aufmerksam zu und äußerte keine eigene Ansicht. Er bestand jedoch darauf, daß vorläufig keinerlei Vorbereitungen getroffen werden sollten. Zusammen mit Raeder verließ Hitler das Konferenzzimmer. Er war blendender Laune und erzählte noch, daß er vergangene Nacht zum erstenmal seit zwanzig Jahren wieder eine Nachtigall gehört habe.
Dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ließ der Gedanke an eine Invasion der Britischen Inseln jedoch keine Ruhe. Nach wie vor fürchtete er, mit einem solchen Auftrag konfrontiert zu werden. Die Experten in der Seekriegsleitung gaben sich ebenfalls keinen Illusionen hin. »Das Ausmaß der Wirkungsmöglichkeiten der eigenen Flotte«, schrieb Konteradmiral Fricke, »wird gering bleiben. Die weitere Entwicklung des Krieges kann erst zeigen, ob der kleinen deutschen Flotte in einer so gewaltigen Aufgabe Wirkungsmöglichkeiten gegeben sein werden. Ihre Unterlegenheit gegenüber der englischen Flotte wird Flottenoperationen kaum zulassen. Immerhin wird sich auch hier, ähnlich wie in Norwegen, für die noch vorhandenen leichten Streitkräfte, auf kürzere Entfernungen auch für die Hilfsfahrzeuge (Dampfer, Fischdampfer) die Möglichkeit bieten, zumindest Personal beschleunigt an die englische Küste zu werfen.«

Admiral Kurt Fricke
Fricke grub die alte Marinestudie Rot vom November 1939 wieder aus und arbeitete auf dieser Basis eine neue »Studie England« aus, die er seinem Chef am 27. Mai vorlegte. Gegenüber dem alten Plan war nun auch die Ansicht des OKH aus der Studie »Nordwest« " berücksichtigt: Landungsmöglichkeiten sah Fricke nun sowohl im Raum Portland - Yarmouth als auch an der Küste zwischen der Themsemündung und Newcastle hoch im Norden Englands. Ausgangsbasis für erstere Möglichkeit sollten die Häfen zwischen Cherbourg und Texel, für letztere die Häfen zwischen Schelde und Hanstholm in Dänemark sein. Aus seemännischen und taktischen Gründen bevorzugte die Kriegsmarine jedoch noch immer eine Landung westlich der Straße von Dover, die leichter mit einem Sperrminengürtel zu versehen und aus der Luft abzuschirmen war. Die neue Situation ergab sich aus der Tatsache, daß sich die Kriegsmarine der inzwischen eroberten Häfen in Holland, Belgien und Frankreich bemächtigt hatte und sie für ihre Zwecke wiederherzustellen und auszubauen begann. Am 31. Mai wurden auch die vorbereitenden Arbeiten für eine Landungsflotte in Angriff genommen, obgleich keine Weisung an die Marine ergangen war und im Heer noch niemand an eine Invasion dachte.

Admiral Karlgeorg Schuster
Raeder beauftragte Admiral Schuster, den kommandierenden Admiral Frankreich, und Kapitän z. S. Degenhardt, den Seetransportchef z. b. V., für alle Fälle eine Übersicht über den vorhandenen Schiffsraum zu erstellen. Das Marineamt wies er an, die Möglichkeiten einer Sperrung der Straße von Dover zu prüfen und die Minenräumung vorzubereiten. Eine nicht minder wichtige Aufgabe war der 3. Abteilung der Seekriegsleitung zugefallen. Sie lieferte ihrem Oberbefehlshaber am 7. Juni eine zwanzigseitige Studie über die navigatorischen Bedingungen in den britischen Küstengewässern und die Landungsmöglichkeiten zwischen der Insel Wight im Süden und dem Wash im Norden. Jeder einzelne Hafen wurde auf allgemeine Hafenverhältnisse, Umschlagseinrichtungen, Gesamtwasserfläche, Tiefe, Verkehrsverhältnisse unter die Lupe genommen. Auch die jeweilige Entfernung zum nächstgelegenen Stützpunkt der Royal Navy wurde nicht vergessen. Mit Hilfe der Seehandbücher wurde die offene Küste auf Landungsmöglichkeiten abgeklopft.
Die Erfassung des Schiffsraumes für Transporte sollte sich über Wochen hinziehen. Die Minenräumung vor der feindlichen Küste und die Sperrung der Straße von Dover waren von so vielen Vorbedingungen abhängig, daß sie vorerst in der Schwebe blieben. Lediglich die Untersuchung der Küste und ihrer Häfen brachte einige Resultate. So wurde der Wash als schwierig und ungünstig für ein Landungsvorhaben befunden: gefährliche Sande, starker Gezeitenstrom (bis 5 sm/h), großer Tidenhub (6 bis 6,5 m), die an der sonst niedrigen Küste einer Landungsflotte große Schwierigkeiten machen würden. Weiter südlich war die Küste für eine Landung eher geeignet; erst um die Themsemündung herum wurde die Navigation wegen vieler Wracks und hoher Strömungsgeschwindigkeiten wieder schwierig. Sumpfgebiete machten eine Landung wenig ratsam. An der Südküste der Themsemündung bei der Insel Sheppey ergaben sich einige günstige Ankerplätze. Die daran anschließende Küste vom North Foreland über Dover bis Dungeness wurde als schwierig bezeichnet: Hier war der Kanal als Seeweg wegen der vielen Seebänke und starken Gezeitenströme am gefährlichsten. Zwischen Folkestone und Dungeness hielt die Marine eine Landung theoretisch für möglich, sonst gab es an dieser Küste fast nur Steilhänge und Klippen von 18 bis 36 m Höhe.
Zu manchen der in Frage kommenden Küstenabschnitte hatten die Nautiker der Marine Karten besorgt, auf denen der Seeboden im Küstenvorfeld nach seiner geologischen Beschaffenheit dargestellt war: feiner Sand, Lehm, Fels, Kies, Bodenwellen und Steilheit der Strände, auch der steinerne Wald vor der Küste von Dungeness war dort verzeichnet.
Alle diese Informationen erzeugten in der Seekriegsleitung keinen Enthusiasmus - so wenig wie die Tatsache, daß im fernen Scapa Flow ankernde britische Zerstörerrudel 24 Stunden für die Fahrt nach Dover brauchten, von den anderen Einheiten der Royal Navy ganz abgesehen.
Der Traum vom Frieden
In seinem Tagesbefehl vom 5. Juni hatte Hitler seine Soldaten dafür gelobt, daß sie vor Dünkirchen die schwerste Schlacht geschlagen und in wenigen Wochen zwei Staaten zur Kapitulation gezwungen, Frankreichs beste Divisionen vernichtet und das britische Expeditionskorps geschlagen, gefangen oder vom Kontinent verjagt hatten. Was England anbelangte, so schien ihm das letztere vorerst zu genügen. »Mit dem heutigen Tag tritt die Westfront wieder an...« Das Ziel war nicht London, sondern Paris, das am 14. Juni kampflos in deutsche Hand fiel. Am 17. Juni schickte Marschall Petain den ersten Parlamentär ins deutsche Hauptquartier nach Bruly an der belgisch-französischen Grenze.
Frieden lag in der Luft. Als Hitler am nächsten Tag, dem 18. Juni, nach München flog, um dort mit Mussolini zu sprechen, traf er sich vorher mit Göring auf dem Rhein-Main Flughafen. Die beiden fielen sich pathetisch in die Arme. »Wir werden mit England zu einer Verständigung kommen«, meinte Hitler bewegt. »Das bedeutet, wir werden endlich wieder Frieden haben!« sagte Göring und strahlte.
Auch die Konferenz mit Mussolini war von Hitlers großzügiger Einstellung gegenüber dem einzigen verbliebenen Feind geprägt. Sie sprachen darüber, daß man allenfalls den Druck auf England verstärken werde. Mussolini bot dazu seine Luftwaffe an. Nur am Rand wurde eine Landung in England als Druckmittel erwähnt, aber nicht weiter diskutiert.
Graf Ciano, der italienische Außenminister, fragte Ribbentrop, seinen deutschen Amtskollegen, geradeheraus: »Will man nun weiter Krieg oder Frieden?« Ribbentrop zögerte mit seiner Antwort keinen Augenblick: »Frieden, natürlich!« und fügte hinzu, daß man bereits über Schweden Englands Bereitwilligkeit für einen Friedensschluß sondiere.
Raeder war trotzdem nicht im Unrecht, wenn er versuchte, jetzt schon einer möglichen Anforderung für den Transport von Landungstruppen zu begegnen. Auch im Oberkommando der Wehrmacht war wegen dieser Frage Unruhe aufgekommen. General Jodl und sein Stab, der Pläne und Unternehmungen der drei Wehrmachtsteile zu koordinieren und zugleich mit Hitlers Weisungen in Einklang zu bringen hatte, war nicht verborgen geblieben, daß Heer, Luftwaffe und Marine an einer Invasion Englands bastelten und sogar mit Vorarbeiten begonnen hatten, obwohl keine Weisungen ergangen waren und Hitler nur von Frieden sprach. Nicht nur bei der Kriegsmarine, sondern auch bei den beiden anderen Wehrmachtsteilen gab es Anzeichen für derartige Invasionsvorarbeiten. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, zum Beispiel, habe die Aufstellung einer Fallschirmjägerdivision in die Wege geleitet, und General von Schell arbeite an Plänen für große Übersetzpontons.

General Adolf von Schell
Großadmiral Raeder brachte bei der nächsten Führerbesprechung am 20. Juni das Gespräch erneut auf die Schwierigkeiten, die einer Landung in England entgegenstanden: Die Wahl eines geeigneten Küstenabschnittes, die offene Minenfrage, der Mangel an geeignetem Transportraum bereiteten ebenso Sorge wie die Tatsache, daß die Heerespioniere Sonderfahrzeuge für den Seetransport entwickelten, ohne sich mit der Marine abzusprechen.
Hitler ging mit keinem Wort auf die Landungsvorbereitungen ein. Statt dessen wies er Keitel an, dafür Sorge zu tragen, daß der Bau der Sonderfahrzeuge der Marine unterstellt wurde. Damit war das Thema vom Tisch. Raeder konnte trotzdem nochmals seinen Standpunkt klarmachen, daß eine Blockade durch U-Boote das einzige seiner Marine angemessene Kampfmittel gegen die Briten war - über eine Landung könne man erst ernsthaft reden, wenn die Luftherrschaft über den Britischen Inseln errungen war. Damit war man wieder einmal um keinen Schritt weiter gekommen.
Nach dem Einmarsch in Paris am 14. Juni begann nämlich das OKH damit, vierzig Divisionen nach Hause zu schicken, weil man mit den vielen Soldaten in Frankreich nichts anfangen konnte. Man dachte an Erntedienst in der Heimat, an einen Einsatz in der Rüstungsindustrie, an Urlaub, aber auch an völlige Demobilisation.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.03.09 19:56 ]
The Real Blaze
Halder macht sich für eine Invasion stark - Unternehmen Seelöwe wird geboren
Als General Halder am 30. Juni zu einer Familienfeier in Berlin eintraf, suchte er sofort seinen Freund, den Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst von Weizsäcker auf, um bei ihm die politische Lage zu erkunden. Weizsäcker meinte, daß von einem Frieden und von Demobilisierung nicht die Rede sein könne. Im Osten gelte es, erhöht wachsam zu sein, und im Westen bedürfe England wahrscheinlich einer weiteren Machtdemonstration, ehe es klein beigeben werde. Halder konnte mit dieser Auskunft nichts anfangen. Wie die meisten Generäle konnte er sich nicht vorstellen, daß es keine festumrissenen Absichten des Führers gab. Weizsäcker versicherte ihm, daß er nichts zurückgehalten, sich lediglich vorsichtig ausgedrückt habe.
Im Reich, und besonders in Berlin, überstürzten sich die Gerüchte über eine bevorstehende Invasion Englands. Es wurde sogar behauptet, daß der Kampf schon begonnen habe und nur wegen einer Nachrichtensperre nichts bekannt werde. An diesem 30. Juni hatten nämlich deutsche Truppen die Kanalinseln besetzt und standen damit auf britischem Boden. Andere erwarteten, daß die Irische Republik nunmehr das Deutsche Reich um militärischen Schutz bitten werde. Die deutschen Truppen würden dann von dort aus den großen Schlag gegen das britische Mutterland führen.

Franz Halder (links) mit Walther von Brauchitsch
Halder konnte sich alldem nicht entziehen. In der Hoffnung, wenigstens bei der Marine etwas zu erfahren, suchte er Admiral Schniewind am Tirpitzufer auf. Er hatte mit dem Stabschef der Seekriegsleitung schon in den Monaten zuvor, wenn auch vergeblich, über die jeweiligen Invasionsstudien korrespondiert.
Inzwischen hatte sich die Situation jedoch gründlich geändert: Die Kanalküste war in deutscher Hand. Ein Heer, das seine gewaltige Schlagkraft bewiesen hatte, sah nach Westen: Nur dreißig Kilometer Wasser trennten es von der englischen Küste, dreißig Kilometer, deren Überwindung den endgültigen Sieg bringen würde. In der Truppe dachte man zwar nicht so, nach ihren vielen Siegen wären viele Offiziere und Soldaten lieber nach Hause marschiert. Aber Halder hatte plötzlich eine Vision: Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, die Briten zusammenzustauchen. Seine Kalkulation war einfach: Das Heer hatte mehr Soldaten als ihm lieb war, die Marine Häfen und mehr Schiffe, als sie zählen konnte. Was also sprach gegen eine Invasion der Britischen Inseln? Nichts. Das war nicht mehr als ein einfaches Rechenexempel: Schiffe plus Soldaten gleich Überfahrt.
Schniewind gab Halder bereitwillig Auskunft zu geben, und brachte damit den Stein ins Rollen. Alle vorangegangene Eifersüchtelei zwischen Heer und Marine schien vergessen zu sein, als Halder sich für das neue Planspiel erwärmte. Ausgangshäfen für die Landung sollten die Häfen zwischen Le Havre und Ostende bilden. Die beiden besprachen ihre Beschaffenheit, dann die offene Küste in ihrem Wechsel von hohen Klippen und flachen Stränden, die Marschgebiete zwischen Hythe und Hastings, wo im Jahr 1066 die Normannen gelandet waren.
Gezeiten, Wasserstände, die zum Teil überraschend steil abfallenden Strände, Navigation bei Nacht. Schniewind imponierte Halder mit seineri Sachkenntnis - und er war, so erschien es Halder, einer Invasion längst nicht mehr so abgeneigt wie sein Chef: Er hielt sie politisch für notwendig und jetzt auch militärisch für machbar.
Halder machte sich seitenweise Notizen. Was sie brauchten, war lediglich eine glatte See und klare Sicht - Halbmond war am besten. Das hieß, daß innerhalb einer Mondperiode nur eine Woche günstig war, wenn das Wetter mitmachte. Mitte August war das nächstmögliche Datum, dann noch eine Woche im September, ab Mitte Oktober setzten gewöhnlich Nebel und rauhe See auf dem Kanal ein, die ein Übersetzen unmöglich machten. Halder und Schniewind konnten nicht wissen, daß die Briten auf diese Weise schon den 8. Juli als Angriffstermin für die deutschen Truppen errechnet hatten.
Halder schrieb: »Eine große Zahl kleiner Dampfer (etwa 1 000) kann zusammengezogen werden... 100 000 Mann in der ersten Welle.« Schniewind korrigierte ihn nicht, obwohl ihm bekannt war, daß in ganz Nordeuropa weniger als 300 geeignete Dampfer lagen. »Artillerieschutz auf der zweiten Hälfte des Weges und an den Stränden muß von der Luftwaffe kommen«, notierte Halder weiter. »Bedrohung durch feindliche U-Boote kann mit Netzsperren ausgeschaltet werden; Minen und deutsche U-Boote können die Royal Navy fernhalten. « Es gab nichts, auf das sich nicht eine positive Antwort finden ließ. In seiner überoptimistischen Einschätzung der Situation sah Halder jetzt das militärische Ziel deutlich vor sich und wußte auch schon, wie an den Stränden Minensperren und Tankhindernisse von Heerespionieren zu beseitigen waren, wie die Küstenbatterien der Briten niedergekämpft werden konnten. Er sah die deutschen Panzer an Land kommen und gleichsam geradewegs auf London zupreschen.
Ins OKH zurückgekehrt, erteilte er Oberstleutnant Pistorius den Auftrag, sofort mit der Ausarbeitung eines neuen Invasionsplanes zu beginnen: Am 15. August sollte die erste Welle von sechs Divisionen mit starker Panzerunterstützung die Küste stürmen. Mit Schniewind glaubte sich Halder endlich auch auf den in Frage kommenden englischen Küstenstreifen geeinigt zu haben. Die Landung sollte zwischen Margate und Insel Wight erfolgen, das hieß ober die gesamte Länge der englischen Südostküste.
Viele technische Probleme waren zu lösen: der Einsatz von Schnorchelpanzern, die die Strände unter Wasser anfahren konnten: Raketen und Nebelwerfer waren auf Booten zu installieren. Wie kann man einen Rheinkahn mit schwerem Heeresgut be- und entladen? Wie kann man Sturmboote in Küstennähe transportieren? Brauchitsch mischte sich ein. Er kannte den starken Gegenkurs, den Raeder steuerte, und beauftragte kurzerhand General Alfred Jacob, das Transportproblem ohne die Marine zu lösen und sich ganz auf Pontons zu konzentrieren.
Und wie von selbst machte nun auch die Luftwaffe mit, als wolle sie den abfahrenden Zug nicht verpassen. Der Stabschef der Luftwaffe, General Jeschonnek, ließ verlauten, daß 25 000 Mann Luftlandetruppen, davon 6 000 bis 7 000 Mann Fallschirmjäger, zur Verfügung ständen. Noch gab es allerdings wenige der Lastsegler, die außer dem Piloten acht Mann mit Ausrüstung transportieren konnten. Fallschirme waren ebenfalls Mangelware, und Nachschubkommandos schwärmten in ganz Belgien und Frankreich aus, um Fallschirmseide zu requirieren. Am 11. Juli meldete die Luftwaffe dem OKH jedoch schon, daß 400 Ju 52 Transportflugzeuge, die je zwanzig Mann aufnehmen konnten, und 110 Lastensegler einsatzbereit waren. Fünf Tage später waren es bereits 750 Flugzeuge und 150 Lastensegler.
Das OKH hatte inzwischen 13 Heeresdivisionen an der Kanalküste versammelt. Die Divisionen wurden in zwei Treffen eingeteilt: Das erste bestand aus 90 100 Mann mit Geschützen, Nebelwerfern, Panzern und einer verstärkten Ausstattung mit Maschinengewehren, Granatwerfern und Panzerabwehrkanonen, sowie etwa 4 600 Fahrzeugen und 4 433 Pferden. Sie sollten im ersten Ansturm auf die feindliche Küste eingesetzt werden. Das zweite Treffen für die folgende Sturmwelle bildeten 170 300 Mann mit dem schweren Gerät, 34 200 Fahrzeugen und 57 550 Pferden. Außerdem waren noch 26 000 Fahrräder vorgesehen.
Es sah so aus, als formiere sich allmählich eine gewaltige Streitmacht. Raeder hatte, ganz gegen seinen Willen, eine Lawine losgetreten. In den Stäben sprach man jetzt von nichts anderem mehr als von der Invasion. Nur Adolf Hitler nicht , er ließ seine Generäle schmoren...
Hitler war am 29. Juni für ein paar Tage in sein Hauptquartier Tannenberg auf dem Kniebis bei Freudenstadt im Schwarzwald gefahren, um dann auf den Obersalzberg weiterzureisen. Das OKW hatte er wissen lassen: Landung in England nur als ultima ratio - so jedenfalls notierte es sich General Jodl.
Am 11. Juli fand eine Führerkonferenz in Hitlers Alpenrefugium statt. Keitel war dabei - und Großadmiral Raeder. Hitler hielt einen langen Monolog über eine schöne deutsche Stadt, die neben Drontheim mit 300000 Einwohnern entstehen sollte, ebenso eine große Autobahn durch Norwegen und Schweden, zehn bis fünfzehn Jahre würde der gewaltige Bau dauern. Vor dem Reichstag, sagte er unvermittelt, werde er in Kürze eine Rede halten, mit der er Großbritannien umstimmen werde.
Das war Wasser auf Raeders Mühlen: Als Befehlshaber der Kriegsmarine könne er eine Invasion Englands sowieso nicht vorschlagen, wie damals bei Norwegen. Wieder führte er alle Schwierigkeiten und Risiken eines solchen Unternehmens auf. Die Royal Navy, die Royal Air Force, die Minen, der mangelnde Transportraum. Auf keinen Fall sollten Vorbereitungen getroffen werden, bevor nicht eine Entscheidung durch die Luftwaffe herbeigeführt worden sei. Das englische Volk solle den Krieg stark am eigenen Leib verspüren.
Raeder forderte eine totale Abschnürung der Seezufuhr und konzentriertere Luftangriffe als bisher, z. B. auf Liverpool und andere Zentren. Hitler stimmte zu und wiederholte, daß eine Landung nur das letzte Mittel sei. Raeder verließ den Obersalzberg in dem Glauben, das Invasionsunternehmen endgültig versenkt zu haben.
Er hatte die Rechnung ohne das Heer gemacht. Zwei Tage später trafen von Brauchitsch und Halder auf dem Berghof ein. Ihre Adjutanten schleppten dicke Aktentaschen. Sie enthielten die neuesten Invasionspläne. Doch Hitler ließ die beiden Offiziere nicht zu Wort kommen. Zwei Stunden lang hielt er ihnen einen militärischen Vortrag, aus dem sich schon manche Schlüsse auf die kommende verhängnisvolle Entwicklung ziehen ließen. Zum Beispiel sollten jetzt nicht mehr 40 oder 35 Divisionen, sondern nur noch die Mannschaften von zwanzig Divisionen auf Urlaub geschickt werden - das sah nicht gerade nach friedlichen Absichten aus.
Der Führer redete vom Balkan, von Afrika, von Rußland und Spanien, kam aber immer wieder auf Großbritannien zurück und zu der Frage, warum die Briten nicht bereit waren, den Weg zum Frieden einzuschlagen. »Der Führer sieht«, schrieb Halder in sein Tagebuch, »wie wir auch, den Grund dazu in der Hoffnung, die England in Rußland legt. Er glaubt deshalb, England müsse zum Frieden gezwungen werden. Der Grund: Wenn wir England militärisch vernichten, wird das britische Weltreich zerfallen. Davon hat Deutschland nichts. Deutsches Blut wäre für Japan, Amerika und andere geflossen.«

Unternehmen Seelöwe wird am 16.Juli 1940 beschlossen
Das gab den beiden Generälen endlich Gelegenheit, Hitler mit dem Invasionsplan des Heeres vertraut zu machen. Zu ihrer größten Überraschung nahm Hitler diesen von Halder zusammen mit Schniewind entwickelten Plan an. Ganz entgegen seinen Gewohnheiten hatte er keine Fragen zu einzelnen Operationen, wollte keine Einzelheiten wissen und machte keine Verbesserungsvorschläge. Er bezeichnete den Plan als praktische Grundlage für die Vorbereitungen und befahl, sofort damit zu beginnen.
Am 16. Juli unterzeichnete Hitler die berühmte Führerweisung Nr. 16, die das »Unternehmen Seelöwe« aus der Taufe hob: »Da England trotz seiner militärisch aussichtslosen Lage noch kein Anzeichen einer Verständigungsbereitschaft zu erkennen gibt, habe ich mich entschlossen, eine Landungsoperation gegen England vorzubereiten und wenn nötig, durchzuführen. Zweck dieser Operation ist es, das englische Mutterland als Basis für die Fortführung des Krieges gegen Deutschland auszuschalten und wenn es erforderlich werden sollte. in vollem Umfang zu besetzen.«
Die Vorbereitungen sollten bis Mitte August abgeschlossen sein, die Operation den Decknamen »Unternehmen Seelöwe« tragen. Die Kriegsmaschinerie begann zu rollen. In wenigen Wochen, meinte jeder, würde sie England zermalmen.
[...]
Als General Halder am 30. Juni zu einer Familienfeier in Berlin eintraf, suchte er sofort seinen Freund, den Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst von Weizsäcker auf, um bei ihm die politische Lage zu erkunden. Weizsäcker meinte, daß von einem Frieden und von Demobilisierung nicht die Rede sein könne. Im Osten gelte es, erhöht wachsam zu sein, und im Westen bedürfe England wahrscheinlich einer weiteren Machtdemonstration, ehe es klein beigeben werde. Halder konnte mit dieser Auskunft nichts anfangen. Wie die meisten Generäle konnte er sich nicht vorstellen, daß es keine festumrissenen Absichten des Führers gab. Weizsäcker versicherte ihm, daß er nichts zurückgehalten, sich lediglich vorsichtig ausgedrückt habe.
Im Reich, und besonders in Berlin, überstürzten sich die Gerüchte über eine bevorstehende Invasion Englands. Es wurde sogar behauptet, daß der Kampf schon begonnen habe und nur wegen einer Nachrichtensperre nichts bekannt werde. An diesem 30. Juni hatten nämlich deutsche Truppen die Kanalinseln besetzt und standen damit auf britischem Boden. Andere erwarteten, daß die Irische Republik nunmehr das Deutsche Reich um militärischen Schutz bitten werde. Die deutschen Truppen würden dann von dort aus den großen Schlag gegen das britische Mutterland führen.

Franz Halder (links) mit Walther von Brauchitsch
Halder konnte sich alldem nicht entziehen. In der Hoffnung, wenigstens bei der Marine etwas zu erfahren, suchte er Admiral Schniewind am Tirpitzufer auf. Er hatte mit dem Stabschef der Seekriegsleitung schon in den Monaten zuvor, wenn auch vergeblich, über die jeweiligen Invasionsstudien korrespondiert.
Inzwischen hatte sich die Situation jedoch gründlich geändert: Die Kanalküste war in deutscher Hand. Ein Heer, das seine gewaltige Schlagkraft bewiesen hatte, sah nach Westen: Nur dreißig Kilometer Wasser trennten es von der englischen Küste, dreißig Kilometer, deren Überwindung den endgültigen Sieg bringen würde. In der Truppe dachte man zwar nicht so, nach ihren vielen Siegen wären viele Offiziere und Soldaten lieber nach Hause marschiert. Aber Halder hatte plötzlich eine Vision: Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, die Briten zusammenzustauchen. Seine Kalkulation war einfach: Das Heer hatte mehr Soldaten als ihm lieb war, die Marine Häfen und mehr Schiffe, als sie zählen konnte. Was also sprach gegen eine Invasion der Britischen Inseln? Nichts. Das war nicht mehr als ein einfaches Rechenexempel: Schiffe plus Soldaten gleich Überfahrt.
Schniewind gab Halder bereitwillig Auskunft zu geben, und brachte damit den Stein ins Rollen. Alle vorangegangene Eifersüchtelei zwischen Heer und Marine schien vergessen zu sein, als Halder sich für das neue Planspiel erwärmte. Ausgangshäfen für die Landung sollten die Häfen zwischen Le Havre und Ostende bilden. Die beiden besprachen ihre Beschaffenheit, dann die offene Küste in ihrem Wechsel von hohen Klippen und flachen Stränden, die Marschgebiete zwischen Hythe und Hastings, wo im Jahr 1066 die Normannen gelandet waren.
Gezeiten, Wasserstände, die zum Teil überraschend steil abfallenden Strände, Navigation bei Nacht. Schniewind imponierte Halder mit seineri Sachkenntnis - und er war, so erschien es Halder, einer Invasion längst nicht mehr so abgeneigt wie sein Chef: Er hielt sie politisch für notwendig und jetzt auch militärisch für machbar.
Halder machte sich seitenweise Notizen. Was sie brauchten, war lediglich eine glatte See und klare Sicht - Halbmond war am besten. Das hieß, daß innerhalb einer Mondperiode nur eine Woche günstig war, wenn das Wetter mitmachte. Mitte August war das nächstmögliche Datum, dann noch eine Woche im September, ab Mitte Oktober setzten gewöhnlich Nebel und rauhe See auf dem Kanal ein, die ein Übersetzen unmöglich machten. Halder und Schniewind konnten nicht wissen, daß die Briten auf diese Weise schon den 8. Juli als Angriffstermin für die deutschen Truppen errechnet hatten.
Halder schrieb: »Eine große Zahl kleiner Dampfer (etwa 1 000) kann zusammengezogen werden... 100 000 Mann in der ersten Welle.« Schniewind korrigierte ihn nicht, obwohl ihm bekannt war, daß in ganz Nordeuropa weniger als 300 geeignete Dampfer lagen. »Artillerieschutz auf der zweiten Hälfte des Weges und an den Stränden muß von der Luftwaffe kommen«, notierte Halder weiter. »Bedrohung durch feindliche U-Boote kann mit Netzsperren ausgeschaltet werden; Minen und deutsche U-Boote können die Royal Navy fernhalten. « Es gab nichts, auf das sich nicht eine positive Antwort finden ließ. In seiner überoptimistischen Einschätzung der Situation sah Halder jetzt das militärische Ziel deutlich vor sich und wußte auch schon, wie an den Stränden Minensperren und Tankhindernisse von Heerespionieren zu beseitigen waren, wie die Küstenbatterien der Briten niedergekämpft werden konnten. Er sah die deutschen Panzer an Land kommen und gleichsam geradewegs auf London zupreschen.
Ins OKH zurückgekehrt, erteilte er Oberstleutnant Pistorius den Auftrag, sofort mit der Ausarbeitung eines neuen Invasionsplanes zu beginnen: Am 15. August sollte die erste Welle von sechs Divisionen mit starker Panzerunterstützung die Küste stürmen. Mit Schniewind glaubte sich Halder endlich auch auf den in Frage kommenden englischen Küstenstreifen geeinigt zu haben. Die Landung sollte zwischen Margate und Insel Wight erfolgen, das hieß ober die gesamte Länge der englischen Südostküste.
Viele technische Probleme waren zu lösen: der Einsatz von Schnorchelpanzern, die die Strände unter Wasser anfahren konnten: Raketen und Nebelwerfer waren auf Booten zu installieren. Wie kann man einen Rheinkahn mit schwerem Heeresgut be- und entladen? Wie kann man Sturmboote in Küstennähe transportieren? Brauchitsch mischte sich ein. Er kannte den starken Gegenkurs, den Raeder steuerte, und beauftragte kurzerhand General Alfred Jacob, das Transportproblem ohne die Marine zu lösen und sich ganz auf Pontons zu konzentrieren.
Und wie von selbst machte nun auch die Luftwaffe mit, als wolle sie den abfahrenden Zug nicht verpassen. Der Stabschef der Luftwaffe, General Jeschonnek, ließ verlauten, daß 25 000 Mann Luftlandetruppen, davon 6 000 bis 7 000 Mann Fallschirmjäger, zur Verfügung ständen. Noch gab es allerdings wenige der Lastsegler, die außer dem Piloten acht Mann mit Ausrüstung transportieren konnten. Fallschirme waren ebenfalls Mangelware, und Nachschubkommandos schwärmten in ganz Belgien und Frankreich aus, um Fallschirmseide zu requirieren. Am 11. Juli meldete die Luftwaffe dem OKH jedoch schon, daß 400 Ju 52 Transportflugzeuge, die je zwanzig Mann aufnehmen konnten, und 110 Lastensegler einsatzbereit waren. Fünf Tage später waren es bereits 750 Flugzeuge und 150 Lastensegler.
Das OKH hatte inzwischen 13 Heeresdivisionen an der Kanalküste versammelt. Die Divisionen wurden in zwei Treffen eingeteilt: Das erste bestand aus 90 100 Mann mit Geschützen, Nebelwerfern, Panzern und einer verstärkten Ausstattung mit Maschinengewehren, Granatwerfern und Panzerabwehrkanonen, sowie etwa 4 600 Fahrzeugen und 4 433 Pferden. Sie sollten im ersten Ansturm auf die feindliche Küste eingesetzt werden. Das zweite Treffen für die folgende Sturmwelle bildeten 170 300 Mann mit dem schweren Gerät, 34 200 Fahrzeugen und 57 550 Pferden. Außerdem waren noch 26 000 Fahrräder vorgesehen.
Es sah so aus, als formiere sich allmählich eine gewaltige Streitmacht. Raeder hatte, ganz gegen seinen Willen, eine Lawine losgetreten. In den Stäben sprach man jetzt von nichts anderem mehr als von der Invasion. Nur Adolf Hitler nicht , er ließ seine Generäle schmoren...
Hitler war am 29. Juni für ein paar Tage in sein Hauptquartier Tannenberg auf dem Kniebis bei Freudenstadt im Schwarzwald gefahren, um dann auf den Obersalzberg weiterzureisen. Das OKW hatte er wissen lassen: Landung in England nur als ultima ratio - so jedenfalls notierte es sich General Jodl.
Am 11. Juli fand eine Führerkonferenz in Hitlers Alpenrefugium statt. Keitel war dabei - und Großadmiral Raeder. Hitler hielt einen langen Monolog über eine schöne deutsche Stadt, die neben Drontheim mit 300000 Einwohnern entstehen sollte, ebenso eine große Autobahn durch Norwegen und Schweden, zehn bis fünfzehn Jahre würde der gewaltige Bau dauern. Vor dem Reichstag, sagte er unvermittelt, werde er in Kürze eine Rede halten, mit der er Großbritannien umstimmen werde.
Das war Wasser auf Raeders Mühlen: Als Befehlshaber der Kriegsmarine könne er eine Invasion Englands sowieso nicht vorschlagen, wie damals bei Norwegen. Wieder führte er alle Schwierigkeiten und Risiken eines solchen Unternehmens auf. Die Royal Navy, die Royal Air Force, die Minen, der mangelnde Transportraum. Auf keinen Fall sollten Vorbereitungen getroffen werden, bevor nicht eine Entscheidung durch die Luftwaffe herbeigeführt worden sei. Das englische Volk solle den Krieg stark am eigenen Leib verspüren.
Raeder forderte eine totale Abschnürung der Seezufuhr und konzentriertere Luftangriffe als bisher, z. B. auf Liverpool und andere Zentren. Hitler stimmte zu und wiederholte, daß eine Landung nur das letzte Mittel sei. Raeder verließ den Obersalzberg in dem Glauben, das Invasionsunternehmen endgültig versenkt zu haben.
Er hatte die Rechnung ohne das Heer gemacht. Zwei Tage später trafen von Brauchitsch und Halder auf dem Berghof ein. Ihre Adjutanten schleppten dicke Aktentaschen. Sie enthielten die neuesten Invasionspläne. Doch Hitler ließ die beiden Offiziere nicht zu Wort kommen. Zwei Stunden lang hielt er ihnen einen militärischen Vortrag, aus dem sich schon manche Schlüsse auf die kommende verhängnisvolle Entwicklung ziehen ließen. Zum Beispiel sollten jetzt nicht mehr 40 oder 35 Divisionen, sondern nur noch die Mannschaften von zwanzig Divisionen auf Urlaub geschickt werden - das sah nicht gerade nach friedlichen Absichten aus.
Der Führer redete vom Balkan, von Afrika, von Rußland und Spanien, kam aber immer wieder auf Großbritannien zurück und zu der Frage, warum die Briten nicht bereit waren, den Weg zum Frieden einzuschlagen. »Der Führer sieht«, schrieb Halder in sein Tagebuch, »wie wir auch, den Grund dazu in der Hoffnung, die England in Rußland legt. Er glaubt deshalb, England müsse zum Frieden gezwungen werden. Der Grund: Wenn wir England militärisch vernichten, wird das britische Weltreich zerfallen. Davon hat Deutschland nichts. Deutsches Blut wäre für Japan, Amerika und andere geflossen.«

Unternehmen Seelöwe wird am 16.Juli 1940 beschlossen
Das gab den beiden Generälen endlich Gelegenheit, Hitler mit dem Invasionsplan des Heeres vertraut zu machen. Zu ihrer größten Überraschung nahm Hitler diesen von Halder zusammen mit Schniewind entwickelten Plan an. Ganz entgegen seinen Gewohnheiten hatte er keine Fragen zu einzelnen Operationen, wollte keine Einzelheiten wissen und machte keine Verbesserungsvorschläge. Er bezeichnete den Plan als praktische Grundlage für die Vorbereitungen und befahl, sofort damit zu beginnen.
Am 16. Juli unterzeichnete Hitler die berühmte Führerweisung Nr. 16, die das »Unternehmen Seelöwe« aus der Taufe hob: »Da England trotz seiner militärisch aussichtslosen Lage noch kein Anzeichen einer Verständigungsbereitschaft zu erkennen gibt, habe ich mich entschlossen, eine Landungsoperation gegen England vorzubereiten und wenn nötig, durchzuführen. Zweck dieser Operation ist es, das englische Mutterland als Basis für die Fortführung des Krieges gegen Deutschland auszuschalten und wenn es erforderlich werden sollte. in vollem Umfang zu besetzen.«
Die Vorbereitungen sollten bis Mitte August abgeschlossen sein, die Operation den Decknamen »Unternehmen Seelöwe« tragen. Die Kriegsmaschinerie begann zu rollen. In wenigen Wochen, meinte jeder, würde sie England zermalmen.
[...]
The Real Blaze
Übersetzmittel gesucht...
Nachdem Hitler mit der Weisung Nr. 16 grünes Licht für die Vorbereitung der Landungsoperationen gegeben hatte und die britische Regierung nicht auf sein Friedensangebot vom 19. Juli eingegangen war, konzentrierten sich die Stäbe in den Oberkommandos des Heeres und der Marine auf die für damalige Verhältnisse gigantische Aufgabe, in möglichst kurzer Zeit eine möglichst große Streitmacht möglichst sicher über den Kanal zu bringen und sowohl an der offenen Küste als auch in Häfen zu landen.

GFM von Rundstedt bei Hitler - den "Panzerstopp von Dünkirchen" hatte von Rundstedt zu allererst zu verantworten, Hitler bestätigte nur diesen Befehl. Nun sollte er die Invasion auf England befehligen...
Das OKH hatte die Heeresgruppe A unter Generalfeldmarschall von Rundstedt mit der Durchführung der Landungsoperationen beauftragt. Die 9. und die 16. Armee sollten den Angriff in drei Wellen (Treffen) durchführen. Als erstes Treffen sollten sechs Divisionen in zwei Staffeln über den Kanal gesetzt werden, die übrigen sieben Divisionen sollten in zwei weiteren Treffen folgen.
Das hieß, die Kriegsmarine mußte Transportraum für insgesamt 260 400 Mann, 61 983 Pferde, 34 200 Fahrzeuge, darunter Panzer, Artillerie, und 52 leichte Flakbatterien der Luftwaffe beschaffen.
Die Offiziere der Seetransportabteilung waren entsetzt. Sie hatten noch mit den kleinen Kontingenten der Marinestudie Rot gerechnet. Allein die erste Welle von 90 100 Mann hätte sie in Verlegenheit gebracht, doch die folgenden Wellen mit 170 000 Mann samt Ausrüstung erzeugte in manchem Marinebüro nur Hohngelächter. Dicke Ausrufezeichen, Fragezeichen und hämische Kommentare zieren die Schriftstücke mit den Forderungen des Heeres und verewigen den Krach zwischen Heer und Kriegsmarine.

In den Kanalhäfen Flanderns wurde verfügbarer und entbehrlicher Schiffsraum zusammengezogen
zum Beispiel: »Für 170 000 Mann brauchen wir 400 Schiffe zu je 5 000 Tonnen, das sind 2 Millionen Tonnen Schiffsraum!« Der deutschen Seeschiffahrt standen im Juli Frachtschiffe von insgesamt 1 200 000 BRT zur Verfügung. Hinzu kamen Fahrgastschiffe mit 285 000 BRT. Auch wenn man weiteste Maßstäbe anlegte, konnten kaum mehr als 100 Dampfer mit etwa 700 000 Tonnen aufgetrieben werden, selbst wenn Fischdampfer und Eisenbahnfähren mitgezählt wurden.
Die meisten Frachter waren im Kohle- und Erztransport eingesetzt und konnten nicht entbehrt werden.
Die Rechnung basierte noch auf der Vorstellung, daß man ausschließlich in Häfen landen würde. Inzwischen war jedoch vom Heer die Landung an der offenen Küste in Betracht gezogen und zwischen Halder und Schniewind sehr eingehend besprochen worden. In einer Studie vom 6. Juli hatte die Seekriegsleitung schon einen anderen Weg eingeschlagen und das Transportproblem einer Lösung nähergebracht. Außer dem Frachtraum der deutschen Seeschiffahrt berücksichtigte sie nämlich auch die Binnenschiffahrt iim Reich wie in den besetzten Gebieten. Das Ergebnis war erfolgversprechend: Der in Holland, Belgien und Frankreich vorhandene und für den Seetransport geeignete Schiffsraum von 1 500 BRT und darunter reichte für den Transport von 40 000 Mann und 1 300 Fahrzeugen.
Jedes Schiff, auch der kleinste Kahn im besetzten Gebiet war unter Angabe der üblichen Daten erfaßt. Die Listen gingen an die Seekriegsleitung. Dort fiel den Bearbeitern auf, daß bei dem holländischen Fluß-Kanonenboot »Barga« diese Angaben fehlten, weshalb man sehr dringlich bei der Schiffahrtsabteilung nach dem Zustand und der Einsatzbereitschaft des Fahrzeuges anfragte.
Eine Woche verging und es geschah nichts. Angemahnt mußte die Schiffahrtsabteilung bekennen, daß man weder in Berlin noch in den Kriegsmarinedienststellen in Holland über Spezialpersonal für eine solche Untersuchung verfügte. Die Seekriegsleitung bestand darauf, über jedes Schiff genau Bescheid zu wissen, und setzte alle Hebel in Bewegung, um dem Kanonenboot auf die Spur zu kommen. Anfang September fand man endlich den Spezialisten für den wichtigen Auftrag, Marine-Oberingenieur Bake beim Werftbeauftragten für Holland und Belgien. Bake begab sich am 6.9. an den Liegeplatz der »Barga« in Emmerich am Rhein.
Sein Bericht dürfte die Seekriegsleitung befriedigt haben. »Inneneinrichtung und Brücke völlig demoliert. Maschine unklar und bedarf einer gründlichen Überholung. Eine Bodenbesichtigung hat nicht stattgefunden. Es ist aber anzunehmen, daß Schraube und Ruder beschädigt sind, da Schiff auf Strand gelegen hat. Die Herrichtung dieses Schiffes verlohnt sich mit Rücksicht auf den außerordentlichen schlechten Gesamtzustand und im Hinblick auf das Alter (Baujahr 1876) nicht. Brauchbar ist die an Bord befindliche 12 cm Kanone Fabrikat Krupp, Modell 1899.«

Eine Landungsübung mit einem umgebauten Binnenschiff, was den Vorteil der Buglandungsklappe hatte
Aus der deutschen Seeschiffahrt konnten rund 1 300 Schiffe, Fischdampfer, Motorfischkutter, Schlepper, Motorsegler, Seeleichter, Fährschiffe herausgezogen werden, vermehrt um etwa 600 solcher Schiffe, die bereits im Dienst der Kriegsmarine standen. Mit diesem Schiffsraum ließen sich rund 200 000 Mann und etwa 3 000 Fahrzeuge befördern.
Auf dem Rhein sollten holländische und deutsche Personenmotorschiffe für 4 000 Mann und 1 500 Kähne für den Transport von weiteren 120 000 Mann und 4 500 Fahrzeugen requiriert werden. Insgesamt bedeutete das eine Kapazität für 300 000 Mann und 8 500 Fahrzeuge.
So imposant diese Summe klingen mag, so bedeutet sie doch auch, daß nur etwa drei Divisionen ihre Fahrzeuge mitnehmen konnten. Der Grund für dieses Mißverhältnis lag in dem zu schwachen Ladegeschirr und den zu kleinen Luken der meisten Schiffe, die zum Beispiel für Panzer und Artillerie völlig ungeeignet waren und sich auch nicht entsprechend umbauen ließen. Zur Lösung des Problems schlugen die Autoren der Studie - wahrscheinlich Schniewind und Fricke - vor, Kähne und Leichter mit geringem Tiefgang zu verwenden, die in ausreichender Zahl vorhanden waren. Sie konnten an der offenen Küste dicht an den Strand auflaufen und über mitgeführte Klappbrücken leicht und ohne große Vorbereitungen entladen werden.
Jetzt hatte die Seekriegsleitung keine Schwierigkeiten mehr, die Bedürfnisse des Heeres mit den Möglichkeiten der Kriegsmarine unter einen Hut zu bringen. Da die erste Welle von 90 000 Mann zum größten Teil an der offenen Küste abgesetzt werden sollte, konnte sich die Marine mit 41 Seeschiffen zu 5 000 BRT begnügen, den Rest dieser Flotte bildeten 805 Prähme - Kähne zwischen 130 und 200 Tonnen , 241 Schlepper und 482 Motorboote. Für die nächsten Wellen von 170 000 Mann wurde ein Bedarf von 100 Seeschiffen mit zusammen 440 000 BRT, 760 Prähmen, 187 Schleppern und 574 Motorbooten veranschlagt. Die nächste Aufgabe der Marine war also, 2 000 Prähme, 500 Schlepper und 141 Seeschiffe aufzutreiben, umzurüsten und in die Häfen der im Westfeldzug besetzten Kanal- und Nordseeküste zu bringen.

Verladungsübung am Kanalstrand Flanderns
Wie zu erwarten, war freier Transportraum so gut wie nicht vorhanden. Die deutsche Binnenflotte war mit dem Transport von Massengütern (Erz, Kohle, Getreide und anderen Schüttgütern) voll ausgelastet. Die auf Hochtouren laufende Rüstungsindustrie trug das ihre zur Verknappung des Transportraumes bei, so daß jeder Kahn genutzt wurde. Auf der Oder waren deshalb schon nicht mehr genügend Schlepper vorhanden. Ein Eingriff dieses Ausmaßes mußte in der Versorgung von Industrie und Bevölkerung zu Engpässen führen. Wenn Kahnraum fehlte, würde auch die Belieferung der Großstädte mit Lebensmitteln eingeschränkt werden müssen. Sollte der Transportraum auch über die letzte Septemberdekade benötigt werden, würde die Lieferung von Düngemitteln in Frage gestellt und die Ernte von 1941 in Gefahr geraten. Eine vorsichtige Schätzung der Marine ergab, daß bei Entnahme von nur 700 bis 800 Kähnen für das »Unternehmen Seelöwe« die Leistungsfähigkeit der Binnenflotte insgesamt um etwa 30 Prozent verringert würde, teilweise sogar ganz zum Erliegen käme.
Mit der holländischen, belgischen und französischen Binnenflotte konnte man nicht aushelfen. Viele der holländischen und belgischen Binnenschiffer waren mit ihren Fahrzeugen nach England abgewandert, oder hatten sie durch Kriegseinwirkungen verloren. Der Rest wurde für »Seelöwe« gebraucht. Die französische Binnenflotte lag noch auf den Flüssen und Kanälen fest, weil Schleusen und Brücken gesprengt und die Wasserwege nicht passierbar waren. Die im unbesetzten Teil Frankreichs liegenden Kähne und Schlepper waren dem deutschen Zugriff entzogen.
Etwas besser sah das Bild in der Seeschiffahrt aus. Für den Verkehr mit Norwegen, Dänemark und den Randstaaten konnte fremder Schiffraum und die Bahn eingesetzt werden. Allerdings bestand die Gefahr, daß die wichtigen Erz- und Kohleeinfuhren aus Schweden sich in den Ostseehäfen stauen würden, weil sie nicht ins Binnenland weiter befördert wurden.
Großadmiral Raeder mochte die Verantwortung für diese Auswirkungen nicht alleine übernehmen und trug deshalb bei Führerbesprechungen mehrmals vor, wie sehr die deutsche Wirtschaft vom »Unternehmen Seelöwe« belastet werden würde. Hitler hörte ihm wie immer ernsthaft zu und verfügte schließlich am 25. Juli -, daß alle Arbeiten und Maßnahmen für das Unternehmen Vorrang, selbst vor der 1. Dringlichkeitsstufe für Rüstungsaufträge haben sollten.

wurde wegen der Vorbereitungen zum Unternehmen Seelöwe drei Wochen später fertiggestellt: Schlachtschiff Tirpitz! Damit wird ein Szenario interessant, wenn die Tirpitz nicht davon betroffen wäre. Raeder hatte ursprünglich Unternehmen Rheinübung mit Bismarck und Tirpitz zusammen geplant! Real war die Indienststellung der Tirpitz am 25. Februar 1941. Drei Wochen früher und Unternehmen Rheinübung hätte mit dem Schlachtschiff Tirpitz stattgefunden...
Für Raeder war diese Anordnung sehr wichtig, weil alle Schiffe und Kähne für den Transport der Truppen samt ihrer umfangreichen Ausrüstung erst hergerichtet werden mußten. Das war ein gigantisches Problem, für das die Marine sämtliche See- und Binnenwerften für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen zu ihrer Verfügung haben mußte. Alle anderen Arbeiten mußten jetzt zurückstehen. Das galt sogar für den dringenden U-Bootbau. 1940 sollten eigentlich 46 neue Boote geliefert werden, doch wegen der Arbeiten für da> »Unternehmen Seelöwe« konnte die Deutsche Werft Hamburg statt monatlich drei Boote nur noch zwei bauen, die Howaldtswerke Hamburg lieferten statt eines Bootes im Monat nur noch eines alle sechs Wochen; das gleiche galt für die Danziger Werft und die Deschimag. Bei der KMW in Wilhelmshaven mußte die Fertigstellung des Schlachtschiffes »Tirpitz« um etwa drei Wochen zurückgestellt werden, von Zerstörern und anderen Schiffstypen ganz zu schweigen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 14.03.09 13:12 ]
Nachdem Hitler mit der Weisung Nr. 16 grünes Licht für die Vorbereitung der Landungsoperationen gegeben hatte und die britische Regierung nicht auf sein Friedensangebot vom 19. Juli eingegangen war, konzentrierten sich die Stäbe in den Oberkommandos des Heeres und der Marine auf die für damalige Verhältnisse gigantische Aufgabe, in möglichst kurzer Zeit eine möglichst große Streitmacht möglichst sicher über den Kanal zu bringen und sowohl an der offenen Küste als auch in Häfen zu landen.

GFM von Rundstedt bei Hitler - den "Panzerstopp von Dünkirchen" hatte von Rundstedt zu allererst zu verantworten, Hitler bestätigte nur diesen Befehl. Nun sollte er die Invasion auf England befehligen...
Das OKH hatte die Heeresgruppe A unter Generalfeldmarschall von Rundstedt mit der Durchführung der Landungsoperationen beauftragt. Die 9. und die 16. Armee sollten den Angriff in drei Wellen (Treffen) durchführen. Als erstes Treffen sollten sechs Divisionen in zwei Staffeln über den Kanal gesetzt werden, die übrigen sieben Divisionen sollten in zwei weiteren Treffen folgen.
Das hieß, die Kriegsmarine mußte Transportraum für insgesamt 260 400 Mann, 61 983 Pferde, 34 200 Fahrzeuge, darunter Panzer, Artillerie, und 52 leichte Flakbatterien der Luftwaffe beschaffen.
Die Offiziere der Seetransportabteilung waren entsetzt. Sie hatten noch mit den kleinen Kontingenten der Marinestudie Rot gerechnet. Allein die erste Welle von 90 100 Mann hätte sie in Verlegenheit gebracht, doch die folgenden Wellen mit 170 000 Mann samt Ausrüstung erzeugte in manchem Marinebüro nur Hohngelächter. Dicke Ausrufezeichen, Fragezeichen und hämische Kommentare zieren die Schriftstücke mit den Forderungen des Heeres und verewigen den Krach zwischen Heer und Kriegsmarine.

In den Kanalhäfen Flanderns wurde verfügbarer und entbehrlicher Schiffsraum zusammengezogen
zum Beispiel: »Für 170 000 Mann brauchen wir 400 Schiffe zu je 5 000 Tonnen, das sind 2 Millionen Tonnen Schiffsraum!« Der deutschen Seeschiffahrt standen im Juli Frachtschiffe von insgesamt 1 200 000 BRT zur Verfügung. Hinzu kamen Fahrgastschiffe mit 285 000 BRT. Auch wenn man weiteste Maßstäbe anlegte, konnten kaum mehr als 100 Dampfer mit etwa 700 000 Tonnen aufgetrieben werden, selbst wenn Fischdampfer und Eisenbahnfähren mitgezählt wurden.
Die meisten Frachter waren im Kohle- und Erztransport eingesetzt und konnten nicht entbehrt werden.
Die Rechnung basierte noch auf der Vorstellung, daß man ausschließlich in Häfen landen würde. Inzwischen war jedoch vom Heer die Landung an der offenen Küste in Betracht gezogen und zwischen Halder und Schniewind sehr eingehend besprochen worden. In einer Studie vom 6. Juli hatte die Seekriegsleitung schon einen anderen Weg eingeschlagen und das Transportproblem einer Lösung nähergebracht. Außer dem Frachtraum der deutschen Seeschiffahrt berücksichtigte sie nämlich auch die Binnenschiffahrt iim Reich wie in den besetzten Gebieten. Das Ergebnis war erfolgversprechend: Der in Holland, Belgien und Frankreich vorhandene und für den Seetransport geeignete Schiffsraum von 1 500 BRT und darunter reichte für den Transport von 40 000 Mann und 1 300 Fahrzeugen.
Jedes Schiff, auch der kleinste Kahn im besetzten Gebiet war unter Angabe der üblichen Daten erfaßt. Die Listen gingen an die Seekriegsleitung. Dort fiel den Bearbeitern auf, daß bei dem holländischen Fluß-Kanonenboot »Barga« diese Angaben fehlten, weshalb man sehr dringlich bei der Schiffahrtsabteilung nach dem Zustand und der Einsatzbereitschaft des Fahrzeuges anfragte.
Eine Woche verging und es geschah nichts. Angemahnt mußte die Schiffahrtsabteilung bekennen, daß man weder in Berlin noch in den Kriegsmarinedienststellen in Holland über Spezialpersonal für eine solche Untersuchung verfügte. Die Seekriegsleitung bestand darauf, über jedes Schiff genau Bescheid zu wissen, und setzte alle Hebel in Bewegung, um dem Kanonenboot auf die Spur zu kommen. Anfang September fand man endlich den Spezialisten für den wichtigen Auftrag, Marine-Oberingenieur Bake beim Werftbeauftragten für Holland und Belgien. Bake begab sich am 6.9. an den Liegeplatz der »Barga« in Emmerich am Rhein.
Sein Bericht dürfte die Seekriegsleitung befriedigt haben. »Inneneinrichtung und Brücke völlig demoliert. Maschine unklar und bedarf einer gründlichen Überholung. Eine Bodenbesichtigung hat nicht stattgefunden. Es ist aber anzunehmen, daß Schraube und Ruder beschädigt sind, da Schiff auf Strand gelegen hat. Die Herrichtung dieses Schiffes verlohnt sich mit Rücksicht auf den außerordentlichen schlechten Gesamtzustand und im Hinblick auf das Alter (Baujahr 1876) nicht. Brauchbar ist die an Bord befindliche 12 cm Kanone Fabrikat Krupp, Modell 1899.«

Eine Landungsübung mit einem umgebauten Binnenschiff, was den Vorteil der Buglandungsklappe hatte
Aus der deutschen Seeschiffahrt konnten rund 1 300 Schiffe, Fischdampfer, Motorfischkutter, Schlepper, Motorsegler, Seeleichter, Fährschiffe herausgezogen werden, vermehrt um etwa 600 solcher Schiffe, die bereits im Dienst der Kriegsmarine standen. Mit diesem Schiffsraum ließen sich rund 200 000 Mann und etwa 3 000 Fahrzeuge befördern.
Auf dem Rhein sollten holländische und deutsche Personenmotorschiffe für 4 000 Mann und 1 500 Kähne für den Transport von weiteren 120 000 Mann und 4 500 Fahrzeugen requiriert werden. Insgesamt bedeutete das eine Kapazität für 300 000 Mann und 8 500 Fahrzeuge.
So imposant diese Summe klingen mag, so bedeutet sie doch auch, daß nur etwa drei Divisionen ihre Fahrzeuge mitnehmen konnten. Der Grund für dieses Mißverhältnis lag in dem zu schwachen Ladegeschirr und den zu kleinen Luken der meisten Schiffe, die zum Beispiel für Panzer und Artillerie völlig ungeeignet waren und sich auch nicht entsprechend umbauen ließen. Zur Lösung des Problems schlugen die Autoren der Studie - wahrscheinlich Schniewind und Fricke - vor, Kähne und Leichter mit geringem Tiefgang zu verwenden, die in ausreichender Zahl vorhanden waren. Sie konnten an der offenen Küste dicht an den Strand auflaufen und über mitgeführte Klappbrücken leicht und ohne große Vorbereitungen entladen werden.
Jetzt hatte die Seekriegsleitung keine Schwierigkeiten mehr, die Bedürfnisse des Heeres mit den Möglichkeiten der Kriegsmarine unter einen Hut zu bringen. Da die erste Welle von 90 000 Mann zum größten Teil an der offenen Küste abgesetzt werden sollte, konnte sich die Marine mit 41 Seeschiffen zu 5 000 BRT begnügen, den Rest dieser Flotte bildeten 805 Prähme - Kähne zwischen 130 und 200 Tonnen , 241 Schlepper und 482 Motorboote. Für die nächsten Wellen von 170 000 Mann wurde ein Bedarf von 100 Seeschiffen mit zusammen 440 000 BRT, 760 Prähmen, 187 Schleppern und 574 Motorbooten veranschlagt. Die nächste Aufgabe der Marine war also, 2 000 Prähme, 500 Schlepper und 141 Seeschiffe aufzutreiben, umzurüsten und in die Häfen der im Westfeldzug besetzten Kanal- und Nordseeküste zu bringen.

Verladungsübung am Kanalstrand Flanderns
Wie zu erwarten, war freier Transportraum so gut wie nicht vorhanden. Die deutsche Binnenflotte war mit dem Transport von Massengütern (Erz, Kohle, Getreide und anderen Schüttgütern) voll ausgelastet. Die auf Hochtouren laufende Rüstungsindustrie trug das ihre zur Verknappung des Transportraumes bei, so daß jeder Kahn genutzt wurde. Auf der Oder waren deshalb schon nicht mehr genügend Schlepper vorhanden. Ein Eingriff dieses Ausmaßes mußte in der Versorgung von Industrie und Bevölkerung zu Engpässen führen. Wenn Kahnraum fehlte, würde auch die Belieferung der Großstädte mit Lebensmitteln eingeschränkt werden müssen. Sollte der Transportraum auch über die letzte Septemberdekade benötigt werden, würde die Lieferung von Düngemitteln in Frage gestellt und die Ernte von 1941 in Gefahr geraten. Eine vorsichtige Schätzung der Marine ergab, daß bei Entnahme von nur 700 bis 800 Kähnen für das »Unternehmen Seelöwe« die Leistungsfähigkeit der Binnenflotte insgesamt um etwa 30 Prozent verringert würde, teilweise sogar ganz zum Erliegen käme.
Mit der holländischen, belgischen und französischen Binnenflotte konnte man nicht aushelfen. Viele der holländischen und belgischen Binnenschiffer waren mit ihren Fahrzeugen nach England abgewandert, oder hatten sie durch Kriegseinwirkungen verloren. Der Rest wurde für »Seelöwe« gebraucht. Die französische Binnenflotte lag noch auf den Flüssen und Kanälen fest, weil Schleusen und Brücken gesprengt und die Wasserwege nicht passierbar waren. Die im unbesetzten Teil Frankreichs liegenden Kähne und Schlepper waren dem deutschen Zugriff entzogen.
Etwas besser sah das Bild in der Seeschiffahrt aus. Für den Verkehr mit Norwegen, Dänemark und den Randstaaten konnte fremder Schiffraum und die Bahn eingesetzt werden. Allerdings bestand die Gefahr, daß die wichtigen Erz- und Kohleeinfuhren aus Schweden sich in den Ostseehäfen stauen würden, weil sie nicht ins Binnenland weiter befördert wurden.
Großadmiral Raeder mochte die Verantwortung für diese Auswirkungen nicht alleine übernehmen und trug deshalb bei Führerbesprechungen mehrmals vor, wie sehr die deutsche Wirtschaft vom »Unternehmen Seelöwe« belastet werden würde. Hitler hörte ihm wie immer ernsthaft zu und verfügte schließlich am 25. Juli -, daß alle Arbeiten und Maßnahmen für das Unternehmen Vorrang, selbst vor der 1. Dringlichkeitsstufe für Rüstungsaufträge haben sollten.

wurde wegen der Vorbereitungen zum Unternehmen Seelöwe drei Wochen später fertiggestellt: Schlachtschiff Tirpitz! Damit wird ein Szenario interessant, wenn die Tirpitz nicht davon betroffen wäre. Raeder hatte ursprünglich Unternehmen Rheinübung mit Bismarck und Tirpitz zusammen geplant! Real war die Indienststellung der Tirpitz am 25. Februar 1941. Drei Wochen früher und Unternehmen Rheinübung hätte mit dem Schlachtschiff Tirpitz stattgefunden...
Für Raeder war diese Anordnung sehr wichtig, weil alle Schiffe und Kähne für den Transport der Truppen samt ihrer umfangreichen Ausrüstung erst hergerichtet werden mußten. Das war ein gigantisches Problem, für das die Marine sämtliche See- und Binnenwerften für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen zu ihrer Verfügung haben mußte. Alle anderen Arbeiten mußten jetzt zurückstehen. Das galt sogar für den dringenden U-Bootbau. 1940 sollten eigentlich 46 neue Boote geliefert werden, doch wegen der Arbeiten für da> »Unternehmen Seelöwe« konnte die Deutsche Werft Hamburg statt monatlich drei Boote nur noch zwei bauen, die Howaldtswerke Hamburg lieferten statt eines Bootes im Monat nur noch eines alle sechs Wochen; das gleiche galt für die Danziger Werft und die Deschimag. Bei der KMW in Wilhelmshaven mußte die Fertigstellung des Schlachtschiffes »Tirpitz« um etwa drei Wochen zurückgestellt werden, von Zerstörern und anderen Schiffstypen ganz zu schweigen.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 14.03.09 13:12 ]
The Real Blaze
Gigantische Kraftanstrengungen für Unternehmen Seelöwe

ein mit Tarnanstrich versehener bewaffneter Schlepper für die Invasion
Die Umrüstungen waren mit einem erheblichen Zeit- und Materialaufwand verbunden. Schiffsrümpfe und Kahnboden mußten für die Aufnahme von Panzern und Artillerie verstärkt werden,
Entladerampen eingebaut und neue Schleppeinrichtungen angebracht werden. Ein Teil der Prähme erhielt Flugmotoren als Antrieb und große Portalrampen für das Laden von Panzern und Geschützen; dazu wurde der Bug abgeschnitten und schwenkbar gemacht. Achtzig Schlepper wurden mit Aussetzvorrichtungen für Sturmboote versehen, je zwei auf jeder Seite. In Frachtern wurden die Laderäume mit Zwischendecks und Traversen versehen, um darin Soldaten und Pferde unterbringen zu können. In den Eisenbahnfähren mußten die an Bord verlegten Eisenbahnschienen mit Beton ausgegossen oder mit Bohlen abgedeckt werden.
Nicht nur an den Transport dachte man, sondern auch an den Schutz der Menschen während der Überfahrt und beim Ausladen vor Gewehr- und MG-Feuer. So wurden Bordwände mit Zement und Eisenlatten verstärkt, Brücken, Steuerstände und Entladerampen verschanzt, soweit das möglich war. Auf Deck wurden Schutzwände aus Eisenplatten angebracht, hinter denen Besatzungsmitglieder und Soldaten in Deckung gehen konnten. Außerdem wurden alle Schiffe und Schlepper für den Einbau an Deck von Geschützen und MG-Ständen vorbereitet.
So viel Eisen an Bord mußte sich auf die Weisung der Kompasse ganz erheblich auswirken, doch zum Kompensieren blieb keine Zeit mehr, weshalb man mehr und mehr dazu überging, Armierungen aus Zement und Holz zu schaffen. Soweit die Schiffe kein M. E. S. besaßen, mußten derartige Minenschutzgeräte eingebaut werden. Die Eisenkähne mußten wegen der Minengefahr entmagnetisiert werden. Das konnte nur an wenigen dafür eingerichteten Plätzen geschehen, weshalb man bei einer ganzen Anzahl der Kähne auf diesen Schutz verzichten mußte.
Auf verschiedenen Werften wurden 15 kleinere Schiffe von 650 bis 1 200 BRT als Lazarettschiffe mit je 50 bis 80 Betten hergerichtet und mit Minenschutz versehen. Nichts wurde vergessen - vom Bettgeschirr bis zur Wolldecke und Rettungsgerät. Zusätzliche Kochgelegenheiten wurden auf diesen Schiffen eingerichtet, weil man mit sehr vielen Schiffbrüchigen rechnen mußte.
Die Materialbeschaffung war mühsam, ging jedoch reibungslos vonstatten. 30 000 Tonnen Eisenträger und -platten, 40 000 m3 Holzbohlen und Bretter und 75 000 m3 Beton wurden benötigt.
Um solche Mengen zu den Werften zu bringen, mußte die Organisation Todt für den Transport eingeschaltet werden. Allein 4 000 neue Schleppleinen, Klemmen, Kauschen, Haken, Tausende von anderen Einzelteilen, viele Quadratmeter Segeltuch waren zu beschaffen. Die Reichsbahn stellte mehr als tausend Abdeckplanen, wie sie für offene Güterwagen gebraucht wurden, für die Prähme zur Verfügung. Nie wieder wurden im Zweiten Weltkrieg für eine einzelne Operation solche Anstrengungen unternommen.
Die Erfassung des Transportraumes und die Verbringung der Schiffe und Kähne lief nur schleppend an. Das war zu erwarten gewesen. Von Anfang an rechnete die Marine damit, daß es mit einer Zeitspanne von vier Wochen für die Umrüstung nicht getan sein würde. Viele Vorarbeiten waren zu leisten, z. B. die Beschaffung des Materials, die Bereitstellung der Arbeitskräfte und Unterkünfte. Allein der Bedarf an Facharbeitern betrug etwa 6 500. Die Verbringung der Fahrzeuge in die Werften und die Überführung in die Einsatzhäfen würden viel Zeit beanspruchen. So mußte die Marineleitung vom Tag der Auftragserteilung bis zum Eintreffen des fertigen Fahrzeuges in Ostende oder Calais mit acht bis neun Wochen rechnen.
Der 15. August als Stichtag für »Seelöwe« war damit illusorisch. Am 23. August meldete die Kriegsmarine 1 596 Kähne im Umbau in verschiedenen Werften, 802 davon waren abschleppbereit. Jeden Tag sollten hundert Kähne fertig werden. Doch es sollte noch bis zum 19. September dauern, ehe die Marine ihr Soll erfüllt hatte. An diesem Tag standen 168 Truppentransportschiffe, 1 975 Prähme, 100 Küstenmotorschiffe, 420 Schleppfahrzeuge und 1 600 Motorboote zur Verfügung.
Doch wie stand es um die bei den Kampfhandlungen schwer mitgenommenen Absprunghäfen an der Kanalküste? Konnte die Landungsflotte dort überhaupt versammelt, beladen und über den Kanal in Marsch gesetzt werden?

Fla- Abwehrstellung in einem Kanalhafen, im Hintergrund eingetroffene Binnenschiffe für den beabsichtigten Kanalübergang
Die Marinedienststellen im besetzten Gebiet waren in der Zwischenzeit nicht müßig gewesen, wie ein Fernschreiben der Marinegruppe West an die Seekriegsleitung bezeugt: »27.7. Geheime Kommandosache. Fregattenkapitän Fischer drahtet: Sofort vorlegen. Boulogne, Calais, Gravelines, Dünkirchen erkundet. Boulogne voraussichtlich termingerecht voll verwendungsfähig. Calais keine wesentlichen Zerstörungen. Zustand Dünkirchen läßt Nutzbarkeit von zwei Fünftel bis drei Fünftel der Kailänge erwarten. Herstellung eines Torpaares, Stemmtor, an beiden Schleusen eingeleitet. Innenhäfen als Flughafen benutzbar. Erfolg jedoch ungewiß. Gravelines von kleinen Fahrzeugen benutzbar. Minister Todt anstrebt Unterstützung von Arbeitstrupps, darunter Elektriker.
Schlosser, Zimmerleute. Umgehende Bereitstellung von zwei Pionierkompanien und einem Baubataillon für Dünkirchen, eine Pionierkompanie und ein Baubataillon für Boulogne, insgesamt zwei Kompanien und ein Baubataillon für Boulogne eingesetzt, zwei Pionierkompanien und ein Baubataillon für Ostende, Nieuport und Zeebrügge sichergestellt. Zur Leitung der Arbeiten Kommandierung von Bauräten des Hafenbaues mit Hilfskräften erforderlich...«

Luftbild von Boulogne (Bonen) - der Hafen wurde termingerecht für die Invasion verwendungsfähig
Hinter diesem knappen Bericht verbergen sich wochenlange Anstrengungen, mit denen die Häfen Dünkirchen, Calais, Boulogne, Le Treport, Dieppe, St.-Valerie-en-Caux, Fecamp, Le Havre, Trouville und Cherbourg wieder brauchbar gemacht wurden. Überall waren Kaianlagen und Schleusen zerstört, gesunkene Schiffe blockierten Hafenausfahrten, Kais und die Zufahrten zu den ins Innere des Landes führenden Kanälen und Flüssen. Außer den Pioniereinheiten wurde das Arbeitsheer Organisation Todt ausgiebig in Anspruch genommen. Große Kräne zur Hebung und Beseitigung von Wracks waren in keinem der Häfen vorhanden und mußten aus dem Reich herangebracht werden. Unterwegs mußten diese Ungetüme allerdings in Rekordgeschwindigkeit zerlegt und später wieder zusammengeschweißt werden, weil sie nicht unter den vielen Brücken hindurchpaßten. Schleusen, die die Häfen mit dem inländischen Fluß- und Kanalsystem verbanden, mußten teilweise ganz erneuert, mehrere Schleusentore mußten neu eingesetzt werden, andere benötigten umfangreiche Reparaturen.
Die Arbeiten gingen zügig voran, und im August waren die ersten Häfen bereit, Teile der Landungsflotte aufzunehmen. Nur der Zustand der Binnenkanäle war so schlecht, daß die Räumungsarbeiten dort bis September und noch länger dauerten. Mühsam mußten die Trümmer vieler gesprengter Brücken aus Kanalbetten entfernt, Dutzende von Schleusen repariert und Notbrücken höher gelegt werden, damit Schiffe über den Rhein, die Schelde und französische sowie belgische Kanäle an die Küste gebracht werden konnten. Der Marne-Rhein-Kanal mußte auf lange Sicht gesperrt bleiben (man rechnete mit ein bis zwei Jahren), die Kanäle Epernay-Paris-Le Havre aber waren sehr bald schiffbar, wie auch das belgische Kanalsystem, das die Schelde mit Zeebrügge, Ostende und Calais verbindet.
Doch im August sollten die Kanäle noch keine besondere Rolle spielen. Prähme und Schiffe, die in den deutschen Werften fertiggestellt worden waren, wurden mit Zerstörergeleit über See nach und nach zu den Einsatzhäfen gebracht. Dabei machte sich ein Problem bemerkbar, das leicht vorauszusehen und deshalb schon im Juli in Angriff genommen worden war: Personalmangel.

Ein Landungsboot bei einer Einsatzübung - das Problem des seemännischen Personalmangels wurde reibungslos innerhalb der Wehrmacht gelöst
Für den Einsatz als Landungsboote mußten die Prähme Besatzungen erhalten und die der Schlepper, Schiffe und Motorboote verstärkt werden. Insgesamt rechnete die Marine mit einem Bedarf von etwa 20 000 Mannschaften und Unteroffizieren. Doch das Menschenreservoir des Reiches war noch längst nicht erschöpft. Von der Marine sollten 4 000 Mann abgestellt werden, Heer und Luftwaffe sollten3 000 Soldaten, die einen seemännischen Zivilberuf hatten, zur Marine kommandieren, durch neue Einberufungen der Marineersatzreserve konnten die Reihen um weitere 9 500 Männer aufgefüllt werden, die restlichen drei- bis viertausend zu besorgen überließ man den Wehrersatzämtern. Und alles klappte ganz ausgezeichnet.
Auch das Heer war in diesen Wochen im Begriff, einen gewaltigen seemännischen Beitrag zu den Vorbereitungen der Landung zu leisten. Das hatte damit angefangen, daß die Armeekommandos über ihre Marineverbindungsoffiziere immer wieder anfragen ließen, wann welches Schiff für welche Einheit zur Verfügung stehen würde. Immer wieder waren sie vertröstet worden, weil die Schiffe zu diesem Zeitpunkt (Ende Juli) noch nicht einmal umgerüstet waren. Als auch General Halder der Marine keine Zusagen abgewinnen konnte, verlor Generalfeldmarschall von Brauchitsch die Geduld. Er beauftragte den General der Pioniere Jacob, mit seinen Truppen unabhängig von der Marine Seetransportmittel herbeizuschaffen.
Versuche mit abenteuerlichen Behelfsmitteln
Den Mut zu dieser Entscheidung hatte ihm wahrscheinlich die Marine selbst eingeflößt. Am 9.7. hatte Konteradmiral Fricke geschrieben: (Die Kanalüberquerung) ».... gleicht einem Flußübergang, bei dem wegen der Breite und besonderen Eigenart des zu überschreitenden Gewässers die Marine als hierfür besonders ausgebildeter Wehrmachtteil eingesetzt wird.« Halder griff das Stichwort begeistert auf. bedankte sich sogar, was selten genug vorkam, und antwortete: »Die Auffassung, daß es sich bei dem geplanten Unternehmen um einen >Flußübergang< großen Stils handelt und daß dementsprechend die Vorbereitungen zu treffen sind, deckt sich völlig mit der Ansicht des OKW!«
General Jacob tat das Nächstliegende. Er bestimmte das Pionierbataillon 47 des VII Armeekorps (Friedensstandort war Bayern) in Bray-sur-Somme als »Versuchsbataillon des OKH für den Bau seetüchtiger Fähren aus Behelfsgerät, Mitteln des Landes und Kriegsbrückengerät«. Der neue Standort des Bataillons war Cateret auf der Westseite der Halbinsel Cotentin gegenüber Jersey.
Die Pioniere verloren keine Zeit. Sie schwärmten weit in das Innere des Landes aus, um nach schwimmfähigem Material und »Behelfsgerät« zu suchen.
Was sie fanden, hätte jedem Seemann den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. In verschiedenen französischen Flugzeugwerken trieben sie Schwimmer für Wasserflugzeuge auf und Treibstofftanks, die zum Einbau in Flugzeuge bestimmt waren, in einem Ausrüstungslager der französischen Pioniere fanden sie mit Kapok gefüllte Segeltuchsäcke, die den Franzosen als »Schützenschnellstege« bei Flußübergängen dienten - wohl der beziehungsreichste Fund; im übrigen requirierten die deutschen Pioniere Benzin- und Weinfässer, wo sie sie nur auftreiben konnten.
Aus den »Schwimmkörpern«, die sich in Caterets kleinem Hafen bald zu Bergen auftürmten, bauten sie Flöße. Fässer, Tanks, Schwimmer oder Kapoksäcke wurden in einer Reihe mit Tauen unter einem Längsbalken verbunden und mit einem Bohlenbelag versehen. Bei den ersten Schleppversuchen zwischen Cateret und St. Helier auf Jersey zeigte sich jedoch, daß die Sache allzu behelfsmäßig aufgezogen war. Einige der Weinfässer machten sich selbständig und trieben ab, die Kapoksäcke erwiesen sich als nicht ganz wasserdicht und sogen sich voll, so daß diese Flöße mit Mühe den Hafen erreichten, ehe sie von ihrer Last ganz unter Wasser gedrückt wurden. Versuche, den Fähren mit Außenbordmotoren einen eigenen Antrieb zu geben, schlugen ebenfalls fehl, weil die Motoren beim geringsten Seegang absoffen.
Auch als man dazu überging, die für Flußübergänge gebräuchlichen Pontons zu Flößen zusammenzusetzen, war das Ergebnis wenig ermunternd. Für den Zusammenbau wurden Eisenträger mit einfachen Steckvorrichtungen benutzt, die sich bei Seegang lösten und nur mit Drahtseilen behelfsmäßig gesichert werden konnten; die offenen Pontons liefen schon bei geringem Seegang durch überkommende Wellen voll und sanken - auch Persennige halfen wenig. Erst als man die Pontons mit leeren Kanistern füllte, hielt auch die Abdeckung stand. Einmal riß sich eine solche Fähre in schwerem Seegang los und wurde gegen die Felsen der Steilküste geschleudert: Die schweren Eisenträger wurden wie Streichhölzer geknickt, die Pontons wie Pappschachteln zusammengequetscht. Zum Glück hatte sich die Besatzung schwimmend retten können.
[...]

ein mit Tarnanstrich versehener bewaffneter Schlepper für die Invasion
Die Umrüstungen waren mit einem erheblichen Zeit- und Materialaufwand verbunden. Schiffsrümpfe und Kahnboden mußten für die Aufnahme von Panzern und Artillerie verstärkt werden,
Entladerampen eingebaut und neue Schleppeinrichtungen angebracht werden. Ein Teil der Prähme erhielt Flugmotoren als Antrieb und große Portalrampen für das Laden von Panzern und Geschützen; dazu wurde der Bug abgeschnitten und schwenkbar gemacht. Achtzig Schlepper wurden mit Aussetzvorrichtungen für Sturmboote versehen, je zwei auf jeder Seite. In Frachtern wurden die Laderäume mit Zwischendecks und Traversen versehen, um darin Soldaten und Pferde unterbringen zu können. In den Eisenbahnfähren mußten die an Bord verlegten Eisenbahnschienen mit Beton ausgegossen oder mit Bohlen abgedeckt werden.
Nicht nur an den Transport dachte man, sondern auch an den Schutz der Menschen während der Überfahrt und beim Ausladen vor Gewehr- und MG-Feuer. So wurden Bordwände mit Zement und Eisenlatten verstärkt, Brücken, Steuerstände und Entladerampen verschanzt, soweit das möglich war. Auf Deck wurden Schutzwände aus Eisenplatten angebracht, hinter denen Besatzungsmitglieder und Soldaten in Deckung gehen konnten. Außerdem wurden alle Schiffe und Schlepper für den Einbau an Deck von Geschützen und MG-Ständen vorbereitet.
So viel Eisen an Bord mußte sich auf die Weisung der Kompasse ganz erheblich auswirken, doch zum Kompensieren blieb keine Zeit mehr, weshalb man mehr und mehr dazu überging, Armierungen aus Zement und Holz zu schaffen. Soweit die Schiffe kein M. E. S. besaßen, mußten derartige Minenschutzgeräte eingebaut werden. Die Eisenkähne mußten wegen der Minengefahr entmagnetisiert werden. Das konnte nur an wenigen dafür eingerichteten Plätzen geschehen, weshalb man bei einer ganzen Anzahl der Kähne auf diesen Schutz verzichten mußte.
Auf verschiedenen Werften wurden 15 kleinere Schiffe von 650 bis 1 200 BRT als Lazarettschiffe mit je 50 bis 80 Betten hergerichtet und mit Minenschutz versehen. Nichts wurde vergessen - vom Bettgeschirr bis zur Wolldecke und Rettungsgerät. Zusätzliche Kochgelegenheiten wurden auf diesen Schiffen eingerichtet, weil man mit sehr vielen Schiffbrüchigen rechnen mußte.
Die Materialbeschaffung war mühsam, ging jedoch reibungslos vonstatten. 30 000 Tonnen Eisenträger und -platten, 40 000 m3 Holzbohlen und Bretter und 75 000 m3 Beton wurden benötigt.
Um solche Mengen zu den Werften zu bringen, mußte die Organisation Todt für den Transport eingeschaltet werden. Allein 4 000 neue Schleppleinen, Klemmen, Kauschen, Haken, Tausende von anderen Einzelteilen, viele Quadratmeter Segeltuch waren zu beschaffen. Die Reichsbahn stellte mehr als tausend Abdeckplanen, wie sie für offene Güterwagen gebraucht wurden, für die Prähme zur Verfügung. Nie wieder wurden im Zweiten Weltkrieg für eine einzelne Operation solche Anstrengungen unternommen.
Die Erfassung des Transportraumes und die Verbringung der Schiffe und Kähne lief nur schleppend an. Das war zu erwarten gewesen. Von Anfang an rechnete die Marine damit, daß es mit einer Zeitspanne von vier Wochen für die Umrüstung nicht getan sein würde. Viele Vorarbeiten waren zu leisten, z. B. die Beschaffung des Materials, die Bereitstellung der Arbeitskräfte und Unterkünfte. Allein der Bedarf an Facharbeitern betrug etwa 6 500. Die Verbringung der Fahrzeuge in die Werften und die Überführung in die Einsatzhäfen würden viel Zeit beanspruchen. So mußte die Marineleitung vom Tag der Auftragserteilung bis zum Eintreffen des fertigen Fahrzeuges in Ostende oder Calais mit acht bis neun Wochen rechnen.
Der 15. August als Stichtag für »Seelöwe« war damit illusorisch. Am 23. August meldete die Kriegsmarine 1 596 Kähne im Umbau in verschiedenen Werften, 802 davon waren abschleppbereit. Jeden Tag sollten hundert Kähne fertig werden. Doch es sollte noch bis zum 19. September dauern, ehe die Marine ihr Soll erfüllt hatte. An diesem Tag standen 168 Truppentransportschiffe, 1 975 Prähme, 100 Küstenmotorschiffe, 420 Schleppfahrzeuge und 1 600 Motorboote zur Verfügung.
Doch wie stand es um die bei den Kampfhandlungen schwer mitgenommenen Absprunghäfen an der Kanalküste? Konnte die Landungsflotte dort überhaupt versammelt, beladen und über den Kanal in Marsch gesetzt werden?

Fla- Abwehrstellung in einem Kanalhafen, im Hintergrund eingetroffene Binnenschiffe für den beabsichtigten Kanalübergang
Die Marinedienststellen im besetzten Gebiet waren in der Zwischenzeit nicht müßig gewesen, wie ein Fernschreiben der Marinegruppe West an die Seekriegsleitung bezeugt: »27.7. Geheime Kommandosache. Fregattenkapitän Fischer drahtet: Sofort vorlegen. Boulogne, Calais, Gravelines, Dünkirchen erkundet. Boulogne voraussichtlich termingerecht voll verwendungsfähig. Calais keine wesentlichen Zerstörungen. Zustand Dünkirchen läßt Nutzbarkeit von zwei Fünftel bis drei Fünftel der Kailänge erwarten. Herstellung eines Torpaares, Stemmtor, an beiden Schleusen eingeleitet. Innenhäfen als Flughafen benutzbar. Erfolg jedoch ungewiß. Gravelines von kleinen Fahrzeugen benutzbar. Minister Todt anstrebt Unterstützung von Arbeitstrupps, darunter Elektriker.
Schlosser, Zimmerleute. Umgehende Bereitstellung von zwei Pionierkompanien und einem Baubataillon für Dünkirchen, eine Pionierkompanie und ein Baubataillon für Boulogne, insgesamt zwei Kompanien und ein Baubataillon für Boulogne eingesetzt, zwei Pionierkompanien und ein Baubataillon für Ostende, Nieuport und Zeebrügge sichergestellt. Zur Leitung der Arbeiten Kommandierung von Bauräten des Hafenbaues mit Hilfskräften erforderlich...«

Luftbild von Boulogne (Bonen) - der Hafen wurde termingerecht für die Invasion verwendungsfähig
Hinter diesem knappen Bericht verbergen sich wochenlange Anstrengungen, mit denen die Häfen Dünkirchen, Calais, Boulogne, Le Treport, Dieppe, St.-Valerie-en-Caux, Fecamp, Le Havre, Trouville und Cherbourg wieder brauchbar gemacht wurden. Überall waren Kaianlagen und Schleusen zerstört, gesunkene Schiffe blockierten Hafenausfahrten, Kais und die Zufahrten zu den ins Innere des Landes führenden Kanälen und Flüssen. Außer den Pioniereinheiten wurde das Arbeitsheer Organisation Todt ausgiebig in Anspruch genommen. Große Kräne zur Hebung und Beseitigung von Wracks waren in keinem der Häfen vorhanden und mußten aus dem Reich herangebracht werden. Unterwegs mußten diese Ungetüme allerdings in Rekordgeschwindigkeit zerlegt und später wieder zusammengeschweißt werden, weil sie nicht unter den vielen Brücken hindurchpaßten. Schleusen, die die Häfen mit dem inländischen Fluß- und Kanalsystem verbanden, mußten teilweise ganz erneuert, mehrere Schleusentore mußten neu eingesetzt werden, andere benötigten umfangreiche Reparaturen.
Die Arbeiten gingen zügig voran, und im August waren die ersten Häfen bereit, Teile der Landungsflotte aufzunehmen. Nur der Zustand der Binnenkanäle war so schlecht, daß die Räumungsarbeiten dort bis September und noch länger dauerten. Mühsam mußten die Trümmer vieler gesprengter Brücken aus Kanalbetten entfernt, Dutzende von Schleusen repariert und Notbrücken höher gelegt werden, damit Schiffe über den Rhein, die Schelde und französische sowie belgische Kanäle an die Küste gebracht werden konnten. Der Marne-Rhein-Kanal mußte auf lange Sicht gesperrt bleiben (man rechnete mit ein bis zwei Jahren), die Kanäle Epernay-Paris-Le Havre aber waren sehr bald schiffbar, wie auch das belgische Kanalsystem, das die Schelde mit Zeebrügge, Ostende und Calais verbindet.
Doch im August sollten die Kanäle noch keine besondere Rolle spielen. Prähme und Schiffe, die in den deutschen Werften fertiggestellt worden waren, wurden mit Zerstörergeleit über See nach und nach zu den Einsatzhäfen gebracht. Dabei machte sich ein Problem bemerkbar, das leicht vorauszusehen und deshalb schon im Juli in Angriff genommen worden war: Personalmangel.

Ein Landungsboot bei einer Einsatzübung - das Problem des seemännischen Personalmangels wurde reibungslos innerhalb der Wehrmacht gelöst
Für den Einsatz als Landungsboote mußten die Prähme Besatzungen erhalten und die der Schlepper, Schiffe und Motorboote verstärkt werden. Insgesamt rechnete die Marine mit einem Bedarf von etwa 20 000 Mannschaften und Unteroffizieren. Doch das Menschenreservoir des Reiches war noch längst nicht erschöpft. Von der Marine sollten 4 000 Mann abgestellt werden, Heer und Luftwaffe sollten3 000 Soldaten, die einen seemännischen Zivilberuf hatten, zur Marine kommandieren, durch neue Einberufungen der Marineersatzreserve konnten die Reihen um weitere 9 500 Männer aufgefüllt werden, die restlichen drei- bis viertausend zu besorgen überließ man den Wehrersatzämtern. Und alles klappte ganz ausgezeichnet.
Auch das Heer war in diesen Wochen im Begriff, einen gewaltigen seemännischen Beitrag zu den Vorbereitungen der Landung zu leisten. Das hatte damit angefangen, daß die Armeekommandos über ihre Marineverbindungsoffiziere immer wieder anfragen ließen, wann welches Schiff für welche Einheit zur Verfügung stehen würde. Immer wieder waren sie vertröstet worden, weil die Schiffe zu diesem Zeitpunkt (Ende Juli) noch nicht einmal umgerüstet waren. Als auch General Halder der Marine keine Zusagen abgewinnen konnte, verlor Generalfeldmarschall von Brauchitsch die Geduld. Er beauftragte den General der Pioniere Jacob, mit seinen Truppen unabhängig von der Marine Seetransportmittel herbeizuschaffen.
Versuche mit abenteuerlichen Behelfsmitteln
Den Mut zu dieser Entscheidung hatte ihm wahrscheinlich die Marine selbst eingeflößt. Am 9.7. hatte Konteradmiral Fricke geschrieben: (Die Kanalüberquerung) ».... gleicht einem Flußübergang, bei dem wegen der Breite und besonderen Eigenart des zu überschreitenden Gewässers die Marine als hierfür besonders ausgebildeter Wehrmachtteil eingesetzt wird.« Halder griff das Stichwort begeistert auf. bedankte sich sogar, was selten genug vorkam, und antwortete: »Die Auffassung, daß es sich bei dem geplanten Unternehmen um einen >Flußübergang< großen Stils handelt und daß dementsprechend die Vorbereitungen zu treffen sind, deckt sich völlig mit der Ansicht des OKW!«
General Jacob tat das Nächstliegende. Er bestimmte das Pionierbataillon 47 des VII Armeekorps (Friedensstandort war Bayern) in Bray-sur-Somme als »Versuchsbataillon des OKH für den Bau seetüchtiger Fähren aus Behelfsgerät, Mitteln des Landes und Kriegsbrückengerät«. Der neue Standort des Bataillons war Cateret auf der Westseite der Halbinsel Cotentin gegenüber Jersey.
Die Pioniere verloren keine Zeit. Sie schwärmten weit in das Innere des Landes aus, um nach schwimmfähigem Material und »Behelfsgerät« zu suchen.
Was sie fanden, hätte jedem Seemann den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. In verschiedenen französischen Flugzeugwerken trieben sie Schwimmer für Wasserflugzeuge auf und Treibstofftanks, die zum Einbau in Flugzeuge bestimmt waren, in einem Ausrüstungslager der französischen Pioniere fanden sie mit Kapok gefüllte Segeltuchsäcke, die den Franzosen als »Schützenschnellstege« bei Flußübergängen dienten - wohl der beziehungsreichste Fund; im übrigen requirierten die deutschen Pioniere Benzin- und Weinfässer, wo sie sie nur auftreiben konnten.
Aus den »Schwimmkörpern«, die sich in Caterets kleinem Hafen bald zu Bergen auftürmten, bauten sie Flöße. Fässer, Tanks, Schwimmer oder Kapoksäcke wurden in einer Reihe mit Tauen unter einem Längsbalken verbunden und mit einem Bohlenbelag versehen. Bei den ersten Schleppversuchen zwischen Cateret und St. Helier auf Jersey zeigte sich jedoch, daß die Sache allzu behelfsmäßig aufgezogen war. Einige der Weinfässer machten sich selbständig und trieben ab, die Kapoksäcke erwiesen sich als nicht ganz wasserdicht und sogen sich voll, so daß diese Flöße mit Mühe den Hafen erreichten, ehe sie von ihrer Last ganz unter Wasser gedrückt wurden. Versuche, den Fähren mit Außenbordmotoren einen eigenen Antrieb zu geben, schlugen ebenfalls fehl, weil die Motoren beim geringsten Seegang absoffen.
Auch als man dazu überging, die für Flußübergänge gebräuchlichen Pontons zu Flößen zusammenzusetzen, war das Ergebnis wenig ermunternd. Für den Zusammenbau wurden Eisenträger mit einfachen Steckvorrichtungen benutzt, die sich bei Seegang lösten und nur mit Drahtseilen behelfsmäßig gesichert werden konnten; die offenen Pontons liefen schon bei geringem Seegang durch überkommende Wellen voll und sanken - auch Persennige halfen wenig. Erst als man die Pontons mit leeren Kanistern füllte, hielt auch die Abdeckung stand. Einmal riß sich eine solche Fähre in schwerem Seegang los und wurde gegen die Felsen der Steilküste geschleudert: Die schweren Eisenträger wurden wie Streichhölzer geknickt, die Pontons wie Pappschachteln zusammengequetscht. Zum Glück hatte sich die Besatzung schwimmend retten können.
[...]
The Real Blaze
Ende August wurde die Spielerei mit den »Behelfsmitteln« eingestellt, nachdem die Marine wiederholt gegen diese selbstmörderische Art der Truppenverschiffung protestiert hatte — zu der es wahrscheinlich nicht gekommen wäre, wenn sie nicht das verhängnisvolle Wort »Flußübergang« benutzt und ihre eignen Bemühungen mit dem OKH besser abgesprochen hätte. Auf jeden Fall besann man sich nun im OKH eines »Schiffsbrückengeräts«, das der österreichische Pionieroberst Hans Herbert im Ersten Weltkrieg erfunden hatte.
Zwei oben geschlossene, knapp 20 Meter lange Schiffspontons, die sich aus je sieben Segmenten zusammensetzten, trugen eine schwere 10 x 10 Meter Balkenplattform; auf ihr ließen sich Geschütze und Fahrzeuge transportieren.

die Herbert-Fähre für das DAK - eine österreichische Idee aus dem 1.Weltkrieg.
Bis zum 10. September waren zwölf dieser Fähren im Dienst und auf die Häfen Le Havre und Fecamp verteilt. Allerdings war bei der Überführung so viel Wasser durch die Luken ins Innere geschlagen, daß mehrere Mann mit Lenzpumpen die Fähren vor dem Sinken bewahren mußten. Bei einer der Fähren gelang das nicht. Sie sank kurz nach der Einfahrt in den Hafen von Le Havre.
Die Pioniere gaben jedoch nicht auf, denn neben der Herbert-Fähre war inzwischen die Siebel-Fähre entwickelt worden, die für das Unternehmen um einiges geeigneter erschien, nicht nur weil sie größer, sondern auch weil sie sehr stark motorisiert war.
Den Anstoß hatten - ohne es zu wissen - die Pioniere selbst gegeben. Bei der Suche nach Schwimmkörpern und Flugzeugtanks war einer der Pionieroffiziere in Albert bei Amiens auf den Flugzeugkonstrukteur Fritz Siebel gestoßen. Siebel, ein Günstling Görings, war dabei, das dortige Flugzeugwerk instand zu setzen. Verwundert hörte er vom Vorhaben der Pioniere und machte sich seine eignen Gedanken. Offenbar hatte er eine bessere Vorstellung von der Gewair der See und wußte, daß man ihr mit Aluminiumkanistern, wie sie die Pioniere suchten, nicht beikommen konnte.
Siebel entwarf eine Pontonfähre, die größer und stärker war als die Herbert-Fähre. Die Pontons waren mit Stahlträgern fest verbunden. In die beiden Heckteile setzte er je zwei Ford-V8-Motoren mit je 75 PS, auf dem hinteren Teil des Decks wurden drei Flugzeugmotoren mit Propellern nebeneinander aufgestellt, von denen jeder etwa 300 PS leistete. Die Heckmotoren sollten der Überfahrt dienen, die Propeller der Flugzeugmotoren sollten die Fähre mit gewaltig erhöhter Geschwindigkeit möglich -hoch auf den Landungsstrand treiben.

die geniale Siebelfähre - ein Meisterstück deutscher Improvisationskunst!
Siebel hatte keine Schwierigkeit, seine Idee an das Waffenamt des OKH zu verkaufen. Noch im September standen den Pionieren die ersten Siebel-Fähren zur Verfügung. Der Antrieb bewährte sich so gut, daß nun auch die Herbert-Fähren mit Flugzeugmotoren an Deck und drei Ford-V8-Motoren unter dem Deck zwischen den Pontons ausgerüstet wurden. Die mit 8,8 und 7,5 cm Geschützen und leichte Flak bewaffneten Siebel-Fähren waren für den Transport des schweren Heeresgerätes bestimmt. Da sie im Gegensatz zu den Herbert- Fähren einen stumpfen Pontonbug hatten, waren sie schwerer zu manövrieren und etwas langsamer. Dafür lagen sie ruhiger in der See und überstanden sogar Seegang 6.
In Anbetracht der geringen Zeitspanne, die zur Entwicklung und Bereitstellung der Seetransportmittel zur Verfügung stand - wenig mehr als zwei Monate -, ist die Vorbereitung des »Unternehmens Seelöwe« eine erstaunliche organisatorische Leistung.
Das Kriegskrokodil - der schwimmende Betonbunker mit Kettenfahrwerk!

Prof. Gottfried Feder
Eine revolutionäre Entwicklung in diesem Zusammenhang blieb allerdings im bürokratischen Dickicht hängen: das »Kriegskrokodil«.
Prof. Gottfried Feder, ein »alter Kämpfer« der NSDAP, Ingenieur und zuletzt Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, hatte im April, ausdrücklich für die seiner Meinung nach unumgängliche Landung in England, ein »völlig neues und unbekanntes Kampfmittel« entworfen: einen mindestens 27 Meter langen, 6 Meter breiten und 3,5 Meter hohen Amphibienpanzer aus Eisenbeton. Es war eher ein schwimmender Bunker mit zwei bis vier Paar Raupenketten an der Unterseite. Während der Fahrt im Wasser sollte er durch Schiffsschrauben angetrieben werden, bei der ersten Bodenberührung vor dem Landen sollte die Motorkraft auf die Raupenketten übertragen werden, die dann das Ungetüm auf den Strand kriechen ließen.
Ein »Kriegskrokodil« sollte mindestens 200 Mann samt Ausrüstung oder Panzer und Artillerie über den Kanal befördern. Beim Landen fänden die Soldaten in ihrem Betongehäuse idealen Schutz.
Feder glaubte, daß sich diese Amphibienpanzer schnell und in großer Zahl herstellen ließen, denn zur Errichtung des Westwalls waren in wenigen Monaten etwa 10 000 Bunker aus Eisenbeton erstellt worden. Erfahrung und Material waren also vorhanden und geradezu spottbillig im Gegensatz zu Holz und Eisen. Die »Krokodile« mußten nur einen genügend großen Raum umschließen, dann würde sich die Schwimmfähigkeit von selbst einstellen.
Zunächst übermittelte Feder seine Pläne an das OKH, am 21. Mai auch an das Oberkommando der Marine, wo sich alle möglichen Dienststellen sehr eingehend mit dem Projekt befaßten. Die Meinungen waren geteilt, doch es schien, als sollten die Befürworter die Oberhand behalten, denn auch Admiral Schniewind beurteilte die Erfindung günstig. Die Schiffahrtsabteilung meinte sogar, daß der Betonpanzer von »wertvollster Bedeutung« sein könne. Allein das Marineamt hatte Zweifel an der Seetüchtigkeit eines solchen Monstrums. Würde die Betonkonstruktion den Schwingungen der Antriebsmotoren widerstehen können? Wie würde sich eine hundert Quadratmeter große Betonwand als Schiffsflanke bei Seegang oder in einer starken Strömung verhalten? Langwierige und umständliche Versuche wären notwendig gewesen, um diese technischen Fragen zu klären. Die »Krokodile« wurden deshalb nie gebaut.
Aber auch ohne die Betonpanzer waren Kriegsmarine und Heer im Begriff, eine imposante Flotte zu versammeln, die sehr wohl in der Lage war, die für eine Landung notwendigen Truppen und Waffen auf die andere Seite des Ärmelkanals zu bringen.
[...]
Zwei oben geschlossene, knapp 20 Meter lange Schiffspontons, die sich aus je sieben Segmenten zusammensetzten, trugen eine schwere 10 x 10 Meter Balkenplattform; auf ihr ließen sich Geschütze und Fahrzeuge transportieren.

die Herbert-Fähre für das DAK - eine österreichische Idee aus dem 1.Weltkrieg.
Bis zum 10. September waren zwölf dieser Fähren im Dienst und auf die Häfen Le Havre und Fecamp verteilt. Allerdings war bei der Überführung so viel Wasser durch die Luken ins Innere geschlagen, daß mehrere Mann mit Lenzpumpen die Fähren vor dem Sinken bewahren mußten. Bei einer der Fähren gelang das nicht. Sie sank kurz nach der Einfahrt in den Hafen von Le Havre.
Die Pioniere gaben jedoch nicht auf, denn neben der Herbert-Fähre war inzwischen die Siebel-Fähre entwickelt worden, die für das Unternehmen um einiges geeigneter erschien, nicht nur weil sie größer, sondern auch weil sie sehr stark motorisiert war.
Den Anstoß hatten - ohne es zu wissen - die Pioniere selbst gegeben. Bei der Suche nach Schwimmkörpern und Flugzeugtanks war einer der Pionieroffiziere in Albert bei Amiens auf den Flugzeugkonstrukteur Fritz Siebel gestoßen. Siebel, ein Günstling Görings, war dabei, das dortige Flugzeugwerk instand zu setzen. Verwundert hörte er vom Vorhaben der Pioniere und machte sich seine eignen Gedanken. Offenbar hatte er eine bessere Vorstellung von der Gewair der See und wußte, daß man ihr mit Aluminiumkanistern, wie sie die Pioniere suchten, nicht beikommen konnte.
Siebel entwarf eine Pontonfähre, die größer und stärker war als die Herbert-Fähre. Die Pontons waren mit Stahlträgern fest verbunden. In die beiden Heckteile setzte er je zwei Ford-V8-Motoren mit je 75 PS, auf dem hinteren Teil des Decks wurden drei Flugzeugmotoren mit Propellern nebeneinander aufgestellt, von denen jeder etwa 300 PS leistete. Die Heckmotoren sollten der Überfahrt dienen, die Propeller der Flugzeugmotoren sollten die Fähre mit gewaltig erhöhter Geschwindigkeit möglich -hoch auf den Landungsstrand treiben.

die geniale Siebelfähre - ein Meisterstück deutscher Improvisationskunst!
Siebel hatte keine Schwierigkeit, seine Idee an das Waffenamt des OKH zu verkaufen. Noch im September standen den Pionieren die ersten Siebel-Fähren zur Verfügung. Der Antrieb bewährte sich so gut, daß nun auch die Herbert-Fähren mit Flugzeugmotoren an Deck und drei Ford-V8-Motoren unter dem Deck zwischen den Pontons ausgerüstet wurden. Die mit 8,8 und 7,5 cm Geschützen und leichte Flak bewaffneten Siebel-Fähren waren für den Transport des schweren Heeresgerätes bestimmt. Da sie im Gegensatz zu den Herbert- Fähren einen stumpfen Pontonbug hatten, waren sie schwerer zu manövrieren und etwas langsamer. Dafür lagen sie ruhiger in der See und überstanden sogar Seegang 6.
In Anbetracht der geringen Zeitspanne, die zur Entwicklung und Bereitstellung der Seetransportmittel zur Verfügung stand - wenig mehr als zwei Monate -, ist die Vorbereitung des »Unternehmens Seelöwe« eine erstaunliche organisatorische Leistung.
Das Kriegskrokodil - der schwimmende Betonbunker mit Kettenfahrwerk!

Prof. Gottfried Feder
Eine revolutionäre Entwicklung in diesem Zusammenhang blieb allerdings im bürokratischen Dickicht hängen: das »Kriegskrokodil«.
Prof. Gottfried Feder, ein »alter Kämpfer« der NSDAP, Ingenieur und zuletzt Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, hatte im April, ausdrücklich für die seiner Meinung nach unumgängliche Landung in England, ein »völlig neues und unbekanntes Kampfmittel« entworfen: einen mindestens 27 Meter langen, 6 Meter breiten und 3,5 Meter hohen Amphibienpanzer aus Eisenbeton. Es war eher ein schwimmender Bunker mit zwei bis vier Paar Raupenketten an der Unterseite. Während der Fahrt im Wasser sollte er durch Schiffsschrauben angetrieben werden, bei der ersten Bodenberührung vor dem Landen sollte die Motorkraft auf die Raupenketten übertragen werden, die dann das Ungetüm auf den Strand kriechen ließen.
Ein »Kriegskrokodil« sollte mindestens 200 Mann samt Ausrüstung oder Panzer und Artillerie über den Kanal befördern. Beim Landen fänden die Soldaten in ihrem Betongehäuse idealen Schutz.
Feder glaubte, daß sich diese Amphibienpanzer schnell und in großer Zahl herstellen ließen, denn zur Errichtung des Westwalls waren in wenigen Monaten etwa 10 000 Bunker aus Eisenbeton erstellt worden. Erfahrung und Material waren also vorhanden und geradezu spottbillig im Gegensatz zu Holz und Eisen. Die »Krokodile« mußten nur einen genügend großen Raum umschließen, dann würde sich die Schwimmfähigkeit von selbst einstellen.
Zunächst übermittelte Feder seine Pläne an das OKH, am 21. Mai auch an das Oberkommando der Marine, wo sich alle möglichen Dienststellen sehr eingehend mit dem Projekt befaßten. Die Meinungen waren geteilt, doch es schien, als sollten die Befürworter die Oberhand behalten, denn auch Admiral Schniewind beurteilte die Erfindung günstig. Die Schiffahrtsabteilung meinte sogar, daß der Betonpanzer von »wertvollster Bedeutung« sein könne. Allein das Marineamt hatte Zweifel an der Seetüchtigkeit eines solchen Monstrums. Würde die Betonkonstruktion den Schwingungen der Antriebsmotoren widerstehen können? Wie würde sich eine hundert Quadratmeter große Betonwand als Schiffsflanke bei Seegang oder in einer starken Strömung verhalten? Langwierige und umständliche Versuche wären notwendig gewesen, um diese technischen Fragen zu klären. Die »Krokodile« wurden deshalb nie gebaut.
Aber auch ohne die Betonpanzer waren Kriegsmarine und Heer im Begriff, eine imposante Flotte zu versammeln, die sehr wohl in der Lage war, die für eine Landung notwendigen Truppen und Waffen auf die andere Seite des Ärmelkanals zu bringen.
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The Real Blaze
Die Landeabschnitte werden geplant
Die gewaltigen Anstrengungen, die Heer und Kriegsmarine seit dem 16. Juli unternahmen, um das Übersetzen der Landungsstreitmacht vorzubereiten, konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß in der alles entscheidenden Frage keine Einigung erzielt worden war: wo nämlich zu landen sei.
Die Kriegsmarine hatte ihre Vorstellungen von einer begrenzten Landung im Raum westlich der Insel Wight aufgeben müssen, denn die vom Heer angesetzten 260 000 Mann samt Ausrüstung und Nachschub hätten auf diesem verhältnismäßig kurzen Abschnitt keinen Platz gefunden. Auch das Heer hatte zurückgesteckt: Jetzt war nicht mehr die Rede von einer Landung nördlich der Themsemündung. Halder hatte Schniewinds Vorschlag, südlich der Themsemündung zwischen Ramsgate und Yarmouth auf der Insel Wight zu landen, akzeptiert.
Hier schieden sich jedoch die Geister. Halder bestand auf Landungen entlang der gesamten Küste und wollte zusätzlich noch die 6. Armee in der Lyme Bucht westlich der Insel Wight absetzen. Flußübergang war in den Augen des Generalstabs gleich Flußübergang - letzten Endes kam es Halder nur darauf an, möglichst viele Brückenköpfe zu errichten, die er zur Etablierung einer zusammenhängenden Front in Südengland brauchte. Es war jetzt an der Marine, zu beweisen, daß die Kanalüberquerung eben kein Flußübergang war, und daß man sich nach den seemännischen Gegebenheiten richten und auch die Tücken des Meeres und einer Seeküste in Rechnung stellen mußte.
Immer wieder versuchte die Seekriegsleitung, dem OKH diese Gegebenheiten vor Augen zu führen. Am 20. Juli legte sie eine detaillierte »Beurteilung der Landungsmöglichkeiten an der englischen Südküste von North Foreland bis Start Point« vor. Deutlich lassen sich daraus die Schwierigkeiten, aber auch die Möglichkeiten einer Landung ablesen, wobei allerdings die Feindeinwirkung - mit einer Ausnahme — unberücksichtigt blieb.
Zwischen North Foreland und Ramsgate am nordöstlichen Zipfel der Küste von Kent, bis zur Pegwell Bay fällt die Küste bis zu 36 Meter fast senkrecht in das Meer ab, wird dann aber zum flachen Kies-und Sandstrand bis über Deal hinaus. Südlich Deal ragen wieder die für diese Küste typischen hohen Kreidefelsen auf und bestimmen das Bild bis westlich Folkestone, wo sie dann zurücktreten und einer weiten, gegen Westwinde geschützten Bucht bis Dungeness Platz machen.
Die Ansteuerung der Steilküste zwischen North Foreland und Ramsgate, zwei bis fünf Seemeilen nördlich der gefürchteten Goodwin Sandbänke, hielt die Marine für möglich - soweit die Truppen in der Lage waren, die fast senkrechten Wände zu überwinden. Eine Landung an dem folgenden flacheren Küstenabschnitt war wegen eines vorgelagerten schlickigen Watts und wegen der Sandbänke und Untiefen im Küstengewässer unmöglich. Eine Ansteuerung von Süden her durch die Downs hätte durch den zehn Seemeilen langen Ramsgate Kanal dicht unter der Küste geführt. Mit den langsamen Schleppzügen der Landungstruppen war »dieser Marsch undurchführbar«, weil die schwerfälligen Kähne mit ihren Schleppern mindestens zwei Stunden lang dem Artilleriebeschuß der britischen Küstenverteidigung ausgesetzt wären.
Südlich Deal, das einen sehr steilen, für Boote kaum zu bewältigenden Kiesstrand hat, begann wieder die Steilküste. Ihre Ansteuerung war wegen der vorgelagerten Sandbänke gefährlich. Der starke nach Nordwesten gerichtete Gezeitenstrom konnte unter Umständen die Landungsprähme auf die Goodwin Sandbänke zutreiben und dort stranden lassen. Für den gesamten Abschnitt von North Foreland bis South Foreland, nördlich von Dover, kam die Marine in ihrer Beurteilung zu dem Schluß, daß flachgehende, langsame Fahrzeuge diese Küste nicht ansteuern konnten.
Von Dover bis Folkestone war die Lage ähnlich: eine schroffe, unzugängliche Steilküste machte eine Landung unmöglich. Das galt auch für die flache East Wear Bay östlich von Folkestone, wo bei Niedrigwasser große Steine wie Klippen aus dem Wasser ragten. Erst westlich von Folkestone, bis weit über Dungeness hinaus, wird die Küste flach. Bei einer Ansteuerung von französischen Häfen aus mußte man jedoch die Untiefen Varne und The Ridge umfahren, vor denen wegen der geringen Wassertiefe von 2,7 bis 1,8 Meter und tückischen Strömungsverhältnissen alle Seehandbücher warnen. Die Marine lehnte es deshalb ab, Schleppzüge über diese Untiefen zu führen und wollte die gefährlichen Stellen trotz des großen Zeitverlustes im Süden oder Norden umgehen.

Landeabschnitt Hythe (Aufnahme 1940) wurde als nautisch gefahrlos von der Kriegsmarine bewertet , 200 Prähme wollte man hier nebeneinander anlanden
Danach drohten bei der Landung zwischen Hythe und Dungeness in diesem Gebiet keine Gefahren mehr. Die Strände sind dort flach, die Wassertiefe nimmt nur allmählich ab und bei einem Gezeitenhub von 5 Metern fällt der Strand bei Ebbe in der großen St. Mary's Bay im Norden etwa 100 Meter im Süden sogar 1 000 Meter trocken. Die Strände bestehen aus festem Sand und sind für eine Landung brauchbar, befanden die Nautiker der Marine. Hier könnten etwa 200 Prähme in Abständen von jeweils 125 Metern gleichzeitig an Land gesetzt werden.

idealer Landeabschnitt: die Rye Bay- auch hier wollte man 200 Prähme anlanden
An Dungeness schließt sich die West Road und die Rye Bucht. Die Wassertiefen nehmen hier nur ganz allmählich ab, so daß eine Landung leicht zu bewerkstelligen ist und ebenfalls 200 Prähme auf den Strand gebracht werden können. Westlich dieser Bucht von Cliff's End bis Hastings und St. Leonhards besteht wegen der steil abfallenden Küste keine Landungsmöglichkeit.

Landezone Bexhill, ein malerisches Seebad - Hier sollten 100 Prähme anlanden
Acht Kilometer westlich bei Bexhill beginnt die Küste wieder flach zu werden. Für Bexhill und die Badeküste bis Beachy Head vor Eastbourne lieferte die Marine eine fast liebevolle Beschreibung: »Die Stadt mit 22 000 Einwohnern liegt auf einer Anhöhe, mit vielen roten Häusern, über deren Dächern der spitze rote Turm der St. Peters's Kirche ragt.« Auch die acht Martellotürme zwischen Pevensey und Langley Point sind aufgezählt, der Wish-Turm von Eastbourne und der 43 Meter hohe Leuchtturm von Beachy Head aus grauem Granit mit breiten, waagrechten schwarzen Streifen, der auf den trockenfallenden Klippen unterhalb der dort wieder beginnenden Steilküste steht. Vor den langen breiten Stränden zwischen Bexhill und Eastbourne liegen einige Riffe, die zu beachten sind. Doch auch hier konnten nach Ansicht der Marine etwa 100 Prähme gleichzeitig landen.

Selsey Bill - 10 verstärkte Regimentsgruppen auf 500 Prähmen sollten hier angelandet werden.
Im nächsten Küstenabschnitt zwischen Beachy Head und dem Seebad Brighton hielt die Marine wegen der Steilufer, des felsigen Strandes und teilweise vorgelagerter Klippen eine Landung in größerem Umfang nicht für möglich. Doch von Brighton bis Selsey Bill lockten wieder 21 Seemeilen leicht anzusteuernder Strände, auf denen sich 10 verstärkte Regimentsgruppen in etwa 500 Prähmen absetzen ließen.
Danach hätte eigentlich eine Beschreibung jenes Küstenabschnittes folgen müssen, den die Marine in ihrer Studie Rot ursprünglich als besten Landungsabschnitt vorgeschlagen hatte: die Strecke von der Insel Wight bis Portland. Doch die Autoren der Küstenbeurteilung schweigen sich hier aus. Vielleicht weil sie annahmen, daß dem Heer dieser Abschnitt von der alten Studie her noch bekannt sein müsse. Jedenfalls fuhren die Marinefachleute in der Küstenbeurteilung mit Portland fort und bezeichneten eine Landung auf der Halbinsel als nicht möglich. Auch im weiteren Verlauf der Lyme Bucht bis Exmouth sahen sie nur schmale Täler und zwei Buchten, in denen Einheiten ohne Lasten gelandet werden konnten.

Landeschwerpunkt Bridport - 300 Prähme wären hier auf den Sandstrand aufgelaufen
Lediglich zwischen Portland und Bridport könnten 300 Prähme auf sehr engem Raum von Dampfern an Land gesetzt werden. Für die Marine kam nach dieser Übersicht nur der Küstenabschnitt von Folkestone bis Eastbourne in Betracht, der »schmale Landungsraum«. Nördlich von Folkestone war nach dieser Auffassung eine Landung seemännisch nicht vertretbar, Operationen westlich von Eastbourne waren auf See nicht zu sichern. Der Zeitplan der Operationsabteilung der Seekriegsleitung dehnte die mögliche Landung allerdings bis Brighton im Westen und Dover im Norden aus. Diese Überlegungen mußten reine Theorie bleiben, denn sie berücksichtigten nicht die Forderung des Heeres nach gleichzeitiger Landung der Kontingente - die Gezeitenunterschiede und die lange Entladungsdauer der Dampfer machten diese Ausdehnung des Landungsgebietes illusorisch- jedenfalls nach Ansicht der Marine. Das Heer dagegen hatte sich schon am 15. Juli festgelegt. Halder wollte möglichst viele Brückenköpfe an der ganzen Küste von Ramsgate bis in die Lyme Bucht. Entsprechend hatte er die verschiedenen Treffen gleichmäßig auf den Raum Ramsgate, Rye, Brighton, die Insel Wight und die Lyme Bucht verteilt. Damit wollte er die feindliche Abwehr zersplittern. Das notwendige Überraschungselement sah er in der Breite des Ansatzes und im Zeitpunkt des Übersetzens.
[...]
Die gewaltigen Anstrengungen, die Heer und Kriegsmarine seit dem 16. Juli unternahmen, um das Übersetzen der Landungsstreitmacht vorzubereiten, konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß in der alles entscheidenden Frage keine Einigung erzielt worden war: wo nämlich zu landen sei.
Die Kriegsmarine hatte ihre Vorstellungen von einer begrenzten Landung im Raum westlich der Insel Wight aufgeben müssen, denn die vom Heer angesetzten 260 000 Mann samt Ausrüstung und Nachschub hätten auf diesem verhältnismäßig kurzen Abschnitt keinen Platz gefunden. Auch das Heer hatte zurückgesteckt: Jetzt war nicht mehr die Rede von einer Landung nördlich der Themsemündung. Halder hatte Schniewinds Vorschlag, südlich der Themsemündung zwischen Ramsgate und Yarmouth auf der Insel Wight zu landen, akzeptiert.
Hier schieden sich jedoch die Geister. Halder bestand auf Landungen entlang der gesamten Küste und wollte zusätzlich noch die 6. Armee in der Lyme Bucht westlich der Insel Wight absetzen. Flußübergang war in den Augen des Generalstabs gleich Flußübergang - letzten Endes kam es Halder nur darauf an, möglichst viele Brückenköpfe zu errichten, die er zur Etablierung einer zusammenhängenden Front in Südengland brauchte. Es war jetzt an der Marine, zu beweisen, daß die Kanalüberquerung eben kein Flußübergang war, und daß man sich nach den seemännischen Gegebenheiten richten und auch die Tücken des Meeres und einer Seeküste in Rechnung stellen mußte.
Immer wieder versuchte die Seekriegsleitung, dem OKH diese Gegebenheiten vor Augen zu führen. Am 20. Juli legte sie eine detaillierte »Beurteilung der Landungsmöglichkeiten an der englischen Südküste von North Foreland bis Start Point« vor. Deutlich lassen sich daraus die Schwierigkeiten, aber auch die Möglichkeiten einer Landung ablesen, wobei allerdings die Feindeinwirkung - mit einer Ausnahme — unberücksichtigt blieb.
Zwischen North Foreland und Ramsgate am nordöstlichen Zipfel der Küste von Kent, bis zur Pegwell Bay fällt die Küste bis zu 36 Meter fast senkrecht in das Meer ab, wird dann aber zum flachen Kies-und Sandstrand bis über Deal hinaus. Südlich Deal ragen wieder die für diese Küste typischen hohen Kreidefelsen auf und bestimmen das Bild bis westlich Folkestone, wo sie dann zurücktreten und einer weiten, gegen Westwinde geschützten Bucht bis Dungeness Platz machen.
Die Ansteuerung der Steilküste zwischen North Foreland und Ramsgate, zwei bis fünf Seemeilen nördlich der gefürchteten Goodwin Sandbänke, hielt die Marine für möglich - soweit die Truppen in der Lage waren, die fast senkrechten Wände zu überwinden. Eine Landung an dem folgenden flacheren Küstenabschnitt war wegen eines vorgelagerten schlickigen Watts und wegen der Sandbänke und Untiefen im Küstengewässer unmöglich. Eine Ansteuerung von Süden her durch die Downs hätte durch den zehn Seemeilen langen Ramsgate Kanal dicht unter der Küste geführt. Mit den langsamen Schleppzügen der Landungstruppen war »dieser Marsch undurchführbar«, weil die schwerfälligen Kähne mit ihren Schleppern mindestens zwei Stunden lang dem Artilleriebeschuß der britischen Küstenverteidigung ausgesetzt wären.
Südlich Deal, das einen sehr steilen, für Boote kaum zu bewältigenden Kiesstrand hat, begann wieder die Steilküste. Ihre Ansteuerung war wegen der vorgelagerten Sandbänke gefährlich. Der starke nach Nordwesten gerichtete Gezeitenstrom konnte unter Umständen die Landungsprähme auf die Goodwin Sandbänke zutreiben und dort stranden lassen. Für den gesamten Abschnitt von North Foreland bis South Foreland, nördlich von Dover, kam die Marine in ihrer Beurteilung zu dem Schluß, daß flachgehende, langsame Fahrzeuge diese Küste nicht ansteuern konnten.
Von Dover bis Folkestone war die Lage ähnlich: eine schroffe, unzugängliche Steilküste machte eine Landung unmöglich. Das galt auch für die flache East Wear Bay östlich von Folkestone, wo bei Niedrigwasser große Steine wie Klippen aus dem Wasser ragten. Erst westlich von Folkestone, bis weit über Dungeness hinaus, wird die Küste flach. Bei einer Ansteuerung von französischen Häfen aus mußte man jedoch die Untiefen Varne und The Ridge umfahren, vor denen wegen der geringen Wassertiefe von 2,7 bis 1,8 Meter und tückischen Strömungsverhältnissen alle Seehandbücher warnen. Die Marine lehnte es deshalb ab, Schleppzüge über diese Untiefen zu führen und wollte die gefährlichen Stellen trotz des großen Zeitverlustes im Süden oder Norden umgehen.

Landeabschnitt Hythe (Aufnahme 1940) wurde als nautisch gefahrlos von der Kriegsmarine bewertet , 200 Prähme wollte man hier nebeneinander anlanden
Danach drohten bei der Landung zwischen Hythe und Dungeness in diesem Gebiet keine Gefahren mehr. Die Strände sind dort flach, die Wassertiefe nimmt nur allmählich ab und bei einem Gezeitenhub von 5 Metern fällt der Strand bei Ebbe in der großen St. Mary's Bay im Norden etwa 100 Meter im Süden sogar 1 000 Meter trocken. Die Strände bestehen aus festem Sand und sind für eine Landung brauchbar, befanden die Nautiker der Marine. Hier könnten etwa 200 Prähme in Abständen von jeweils 125 Metern gleichzeitig an Land gesetzt werden.

idealer Landeabschnitt: die Rye Bay- auch hier wollte man 200 Prähme anlanden
An Dungeness schließt sich die West Road und die Rye Bucht. Die Wassertiefen nehmen hier nur ganz allmählich ab, so daß eine Landung leicht zu bewerkstelligen ist und ebenfalls 200 Prähme auf den Strand gebracht werden können. Westlich dieser Bucht von Cliff's End bis Hastings und St. Leonhards besteht wegen der steil abfallenden Küste keine Landungsmöglichkeit.

Landezone Bexhill, ein malerisches Seebad - Hier sollten 100 Prähme anlanden
Acht Kilometer westlich bei Bexhill beginnt die Küste wieder flach zu werden. Für Bexhill und die Badeküste bis Beachy Head vor Eastbourne lieferte die Marine eine fast liebevolle Beschreibung: »Die Stadt mit 22 000 Einwohnern liegt auf einer Anhöhe, mit vielen roten Häusern, über deren Dächern der spitze rote Turm der St. Peters's Kirche ragt.« Auch die acht Martellotürme zwischen Pevensey und Langley Point sind aufgezählt, der Wish-Turm von Eastbourne und der 43 Meter hohe Leuchtturm von Beachy Head aus grauem Granit mit breiten, waagrechten schwarzen Streifen, der auf den trockenfallenden Klippen unterhalb der dort wieder beginnenden Steilküste steht. Vor den langen breiten Stränden zwischen Bexhill und Eastbourne liegen einige Riffe, die zu beachten sind. Doch auch hier konnten nach Ansicht der Marine etwa 100 Prähme gleichzeitig landen.

Selsey Bill - 10 verstärkte Regimentsgruppen auf 500 Prähmen sollten hier angelandet werden.
Im nächsten Küstenabschnitt zwischen Beachy Head und dem Seebad Brighton hielt die Marine wegen der Steilufer, des felsigen Strandes und teilweise vorgelagerter Klippen eine Landung in größerem Umfang nicht für möglich. Doch von Brighton bis Selsey Bill lockten wieder 21 Seemeilen leicht anzusteuernder Strände, auf denen sich 10 verstärkte Regimentsgruppen in etwa 500 Prähmen absetzen ließen.
Danach hätte eigentlich eine Beschreibung jenes Küstenabschnittes folgen müssen, den die Marine in ihrer Studie Rot ursprünglich als besten Landungsabschnitt vorgeschlagen hatte: die Strecke von der Insel Wight bis Portland. Doch die Autoren der Küstenbeurteilung schweigen sich hier aus. Vielleicht weil sie annahmen, daß dem Heer dieser Abschnitt von der alten Studie her noch bekannt sein müsse. Jedenfalls fuhren die Marinefachleute in der Küstenbeurteilung mit Portland fort und bezeichneten eine Landung auf der Halbinsel als nicht möglich. Auch im weiteren Verlauf der Lyme Bucht bis Exmouth sahen sie nur schmale Täler und zwei Buchten, in denen Einheiten ohne Lasten gelandet werden konnten.

Landeschwerpunkt Bridport - 300 Prähme wären hier auf den Sandstrand aufgelaufen
Lediglich zwischen Portland und Bridport könnten 300 Prähme auf sehr engem Raum von Dampfern an Land gesetzt werden. Für die Marine kam nach dieser Übersicht nur der Küstenabschnitt von Folkestone bis Eastbourne in Betracht, der »schmale Landungsraum«. Nördlich von Folkestone war nach dieser Auffassung eine Landung seemännisch nicht vertretbar, Operationen westlich von Eastbourne waren auf See nicht zu sichern. Der Zeitplan der Operationsabteilung der Seekriegsleitung dehnte die mögliche Landung allerdings bis Brighton im Westen und Dover im Norden aus. Diese Überlegungen mußten reine Theorie bleiben, denn sie berücksichtigten nicht die Forderung des Heeres nach gleichzeitiger Landung der Kontingente - die Gezeitenunterschiede und die lange Entladungsdauer der Dampfer machten diese Ausdehnung des Landungsgebietes illusorisch- jedenfalls nach Ansicht der Marine. Das Heer dagegen hatte sich schon am 15. Juli festgelegt. Halder wollte möglichst viele Brückenköpfe an der ganzen Küste von Ramsgate bis in die Lyme Bucht. Entsprechend hatte er die verschiedenen Treffen gleichmäßig auf den Raum Ramsgate, Rye, Brighton, die Insel Wight und die Lyme Bucht verteilt. Damit wollte er die feindliche Abwehr zersplittern. Das notwendige Überraschungselement sah er in der Breite des Ansatzes und im Zeitpunkt des Übersetzens.
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The Real Blaze
Invasionskonferenzen - was man forderte und was man ablehnte

GFM von Brauchitsch, links neben Hitler nach dem Waffenstillstand mit Frankreich
Am 26. Juli bestätigte der Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch die Pläne seines Generalstabschefs: »Die zwischen Dünkirchen und Bayeux bereitgestellten Landungskorps der 16. und der 9. Armee (1. Treffen Inf. Div., 2. Treffen schnelle Verbände) gewinnen mit den besonders ausgerüsteten vordersten Staffeln möglichst viele und tiefe Brückenköpfe zwischen Ramsgate und Portsmouth. Sie treten unter raschem Nachziehen der zweiten Staffeln der Infanteriedivisionen sowie der schnellen Verbände aus diesen Brückenköpfen baldigst zur Gewinnung des ersten Operationszieles: Themsemündung - Southampton an.«
Im einzelnen sollte der Angriff aus dem Raum Ramsgate - Dover auf den Süden Londons vorgetragen werden, gleichzeitig sollten die im Süden gelandeten Truppen aus der Gegend Brighton - Portsmouth auf Aldershot vorstoßen und zusammen mit den weiter westlich in der Lyme Bucht gelandeten Kräften einen großen Brückenkopf auf der Linie Southampton — Themsemündung bilden. Durch einen Stoß auf Bristol sollte der Südwesten Englands abgeschnitten werden.
Als der kommandierende Admiral Frankreich Schuster am 27. Juli seinen Antrittsbesuch beim OKH in Fontainebleau machte, zeigte sich der Oberbefehlshaber des Heeres besorgt. Die mit der Einschiffung und Überführung der Truppen zu betrauenden Seeoffiziere hätten noch immer nicht den Kontakt mit den Heereseinheiten aufgenommen, weshalb man bisher auf praktische Übungen an der Küste habe verzichten müssen. Mit Nachdruck bestand von Brauchitsch darauf, endlich zu erfahren, wie die einzelnen Fahrzeugtypen auf die verschiedenen Häfen verteilt würden, denn davon hing die Verteilung der Truppen zum Einladen ab.
Das Gespräch kam auf die Landung. Schuster war überrascht, wie wenig seemännische Gesichtspunkte bei den Herren des OKH Berücksichtigung fanden, ja daß sie davon sehr wenig Ahnung hatten und er ihnen sogar den Unterschied zwischen Luv- und Leeküste erklären mußte. Aber Auskünfte auf konkrete Fragen konnte umgekehrt der Admiral auch nicht erteilen und mußte auf den Kommandeur der Marinegruppe West Admiral Saalwächter und auf die Seekriegsleitung verweisen. Halder lud noch am selben Tag Admiral Schniewind zu einer Besprechung nach Fontainebleau ein.
Schniewind ließ sich Zeit. Am 29. Juli notierte er für seinen Chef, daß für ein Gelingen des Unternehmens zu viele Voraussetzungen zu erfüllen waren: Mondlicht, günstiger Stand der Gezeiten, gutes Wetter mit Seegang unter Stärke 2, Gleichzeitigkeit der Landung an weit auseinanderliegenden Stellen, deutsche Luftherrschaft und Abwesenheit der britischen Flotte. Der Seekriegsleitung erschien demnach das Unternehmen »überhaupt höchst zweifelhaft«. Schniewind riet von einer Durchführung noch in diesem Jahr ab. »Die Vorbereitungen könnten für den Fall, daß der Luftkrieg in Verbindung mit den sonstigen Maßnahmen der Kriegsmarine (gemeint war die Blockade. d. Verf.) nicht friedenswillig macht, in einem Umfang weiterlaufen. der für die Kriegswirtschaft tragbar ist. Die Durchführung selbst käme dann ab Mai 1941 wieder in Frage.«
Großadmiral Raeder nahm die Notizen seines Stabschefs mit zur Führerbesprechung am 1. August, der auch die Oberbefehlshaber der beiden anderen Wehrmachtteile und Keitel beiwohnten. Raeders Vorbehalte wurden von Hitler akzeptiert - so wie er den Heeresplan zwei Wochen zuvor in Bausch und Bogen akzeptiert hatte. Die Vorbereitungen für »Seelöwe« sollten so getroffen werden, daß ab 15. September der Landungsbefehl gegeben werden konnte. Doch die endgültige Entscheidung, ob das Unternehmen noch in diesem Jahr stattfinden sollte, machte Hitler von der Wirkung den verstärkten Luftangriffe auf die Britischen Inseln abhängig.

Der Strand bei Dover - um das Hinterland erfolgreich zu gewinnen war der Masseneinsatz aller verfügbaren Fallschirmjäger unabdingbar...
In einem wichtigen Punkt erzielte Raeder allerdings nur einen Teilerfolg: Die Truppen-Überführung sollte jetzt nur im Raum beiderseits der Enge Dover- Calais erfolgen, in einem Seegebiet, das durch die Linien Boulogne -Beachy Head und Ostende- Ramsgate begrenzt wird. Damit war der riskante Übergang bei Deal und die Fahrt durch den Ramsgate Kanal wieder im Gespräch.
Wie wenig das Führerwort tatsächlich galt, bewies ein Tagesbefehl Keitels an die Wehrmacht vom selben Tag: Die operativen Vorbereitungen sind vorerst trotz des Hinweises der Kriegsmarine, daß sie nur einen schmalen Streifen (nach Westen bis etwa Eastbourne) sichern kann, auf der bisher geplanten breiten Basis fortzusetzen.
Für die Marine war das gleichbedeutend mit einem Massaker auf hoher See. Britischen Marineeinheiten wäre es ein leichtes, nachts in die weit auseinandergezogene langsame Landungsflotte zu stoßen und Schiff um Schiff mit Tausenden von Soldaten zu versenken. Dafür konnte niemand die Verantwortung übernehmen.
[...]

GFM von Brauchitsch, links neben Hitler nach dem Waffenstillstand mit Frankreich
Am 26. Juli bestätigte der Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch die Pläne seines Generalstabschefs: »Die zwischen Dünkirchen und Bayeux bereitgestellten Landungskorps der 16. und der 9. Armee (1. Treffen Inf. Div., 2. Treffen schnelle Verbände) gewinnen mit den besonders ausgerüsteten vordersten Staffeln möglichst viele und tiefe Brückenköpfe zwischen Ramsgate und Portsmouth. Sie treten unter raschem Nachziehen der zweiten Staffeln der Infanteriedivisionen sowie der schnellen Verbände aus diesen Brückenköpfen baldigst zur Gewinnung des ersten Operationszieles: Themsemündung - Southampton an.«
Im einzelnen sollte der Angriff aus dem Raum Ramsgate - Dover auf den Süden Londons vorgetragen werden, gleichzeitig sollten die im Süden gelandeten Truppen aus der Gegend Brighton - Portsmouth auf Aldershot vorstoßen und zusammen mit den weiter westlich in der Lyme Bucht gelandeten Kräften einen großen Brückenkopf auf der Linie Southampton — Themsemündung bilden. Durch einen Stoß auf Bristol sollte der Südwesten Englands abgeschnitten werden.
Als der kommandierende Admiral Frankreich Schuster am 27. Juli seinen Antrittsbesuch beim OKH in Fontainebleau machte, zeigte sich der Oberbefehlshaber des Heeres besorgt. Die mit der Einschiffung und Überführung der Truppen zu betrauenden Seeoffiziere hätten noch immer nicht den Kontakt mit den Heereseinheiten aufgenommen, weshalb man bisher auf praktische Übungen an der Küste habe verzichten müssen. Mit Nachdruck bestand von Brauchitsch darauf, endlich zu erfahren, wie die einzelnen Fahrzeugtypen auf die verschiedenen Häfen verteilt würden, denn davon hing die Verteilung der Truppen zum Einladen ab.
Das Gespräch kam auf die Landung. Schuster war überrascht, wie wenig seemännische Gesichtspunkte bei den Herren des OKH Berücksichtigung fanden, ja daß sie davon sehr wenig Ahnung hatten und er ihnen sogar den Unterschied zwischen Luv- und Leeküste erklären mußte. Aber Auskünfte auf konkrete Fragen konnte umgekehrt der Admiral auch nicht erteilen und mußte auf den Kommandeur der Marinegruppe West Admiral Saalwächter und auf die Seekriegsleitung verweisen. Halder lud noch am selben Tag Admiral Schniewind zu einer Besprechung nach Fontainebleau ein.
Schniewind ließ sich Zeit. Am 29. Juli notierte er für seinen Chef, daß für ein Gelingen des Unternehmens zu viele Voraussetzungen zu erfüllen waren: Mondlicht, günstiger Stand der Gezeiten, gutes Wetter mit Seegang unter Stärke 2, Gleichzeitigkeit der Landung an weit auseinanderliegenden Stellen, deutsche Luftherrschaft und Abwesenheit der britischen Flotte. Der Seekriegsleitung erschien demnach das Unternehmen »überhaupt höchst zweifelhaft«. Schniewind riet von einer Durchführung noch in diesem Jahr ab. »Die Vorbereitungen könnten für den Fall, daß der Luftkrieg in Verbindung mit den sonstigen Maßnahmen der Kriegsmarine (gemeint war die Blockade. d. Verf.) nicht friedenswillig macht, in einem Umfang weiterlaufen. der für die Kriegswirtschaft tragbar ist. Die Durchführung selbst käme dann ab Mai 1941 wieder in Frage.«
Großadmiral Raeder nahm die Notizen seines Stabschefs mit zur Führerbesprechung am 1. August, der auch die Oberbefehlshaber der beiden anderen Wehrmachtteile und Keitel beiwohnten. Raeders Vorbehalte wurden von Hitler akzeptiert - so wie er den Heeresplan zwei Wochen zuvor in Bausch und Bogen akzeptiert hatte. Die Vorbereitungen für »Seelöwe« sollten so getroffen werden, daß ab 15. September der Landungsbefehl gegeben werden konnte. Doch die endgültige Entscheidung, ob das Unternehmen noch in diesem Jahr stattfinden sollte, machte Hitler von der Wirkung den verstärkten Luftangriffe auf die Britischen Inseln abhängig.

Der Strand bei Dover - um das Hinterland erfolgreich zu gewinnen war der Masseneinsatz aller verfügbaren Fallschirmjäger unabdingbar...
In einem wichtigen Punkt erzielte Raeder allerdings nur einen Teilerfolg: Die Truppen-Überführung sollte jetzt nur im Raum beiderseits der Enge Dover- Calais erfolgen, in einem Seegebiet, das durch die Linien Boulogne -Beachy Head und Ostende- Ramsgate begrenzt wird. Damit war der riskante Übergang bei Deal und die Fahrt durch den Ramsgate Kanal wieder im Gespräch.
Wie wenig das Führerwort tatsächlich galt, bewies ein Tagesbefehl Keitels an die Wehrmacht vom selben Tag: Die operativen Vorbereitungen sind vorerst trotz des Hinweises der Kriegsmarine, daß sie nur einen schmalen Streifen (nach Westen bis etwa Eastbourne) sichern kann, auf der bisher geplanten breiten Basis fortzusetzen.
Für die Marine war das gleichbedeutend mit einem Massaker auf hoher See. Britischen Marineeinheiten wäre es ein leichtes, nachts in die weit auseinandergezogene langsame Landungsflotte zu stoßen und Schiff um Schiff mit Tausenden von Soldaten zu versenken. Dafür konnte niemand die Verantwortung übernehmen.
[...]
The Real Blaze
Invasionszone wird von Hitler verkleinert
Admiral Schniewind traf mit seinem engsten Stab am 7. August in Fontainebleau ein, um den Standpunkt der Seekriegsleitung klarzumachen.
Der Empfang war sehr freundlich, doch die Besprechung, die von 20.30 Uhr bis 23.30 Uhr dauerte, entwickelte sich sehr bald zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Halder ging sofort die Frage nach dem Landungsgebiet an, in der sich die Auffassungen der Marine und des Heeres konträr gegenüberstanden: Der Vorschlag der Seekriegsleitung, nur auf schmalem Raum zwischen Folkestone und Beachy Head zu landen, sei für den Generalstab unannehmbar. Das Hinterland dieser Küste sei feuchtes Marschland und für eine Verwendung von Panzern ungeeignet. Mit Unterstützung aus der Luft könne man nur stundenweise, nicht aber über einen oder mehrere Tage rechnen. Den dort zu landenden drei deutschen Divisionen ständen etwa zwölf britische gegenüber.
Halder bestand auf weiteren Landungen in der Bucht von Brighton und im Raum Ramsgate - Dover. Geduldig setzte ihm Schniewind auseinander, daß die langsamen Schleppzüge bei der Pegwell Bay und im Ramsgate Kanal über Stunden dem Feuer der feindlichen Küstenartillerie ausgesetzt wären und daß man wegen der Gezeitenunterschiede und der unzugänglichen Küste nicht gleichzeitig im Raum Brighton landen könne.
Halder erwiderte darauf nichts. Er hielt das alles wahrscheinlich für bloße Sturheit der Kriegsmarine oder übertriebenes Sicherheitsbedürfnis. So gut wie Schniewind kannte er die vier Voraussetzungen, die die Marine wie einen Berg vor sich herschob:
1. Wetter, Mond und Gezeiten mußten günstig sein.
2. Im Raum des Kanals mußte die deutsche Seeherrschaft sichergestellt sein.
3. Es mußte auch die deutsche Luftherrschaft über See und Küste gewährleistet sein.
4. Die englische Südküste mußte »von Bombern mehrfach um gepflügt werden«.
Einer der anwesenden Heeresoffiziere meinte, es käme eben nur auf das Überraschungsmoment an. Wenn dem Feind auch die Vorbereitungen bekannt seien, könne man immer noch den Vorteil der taktischen Überraschung für sich verbuchen.

das war die dann die Endfassung für das Unternehmen Seelöwe - die Landezone entsprach vom Umfang her, der späteren alliierten Landezone in der Normandie. Dieser endgültige Plan entstand durch Hitlers persönliches Eingreifen!
Schniewind widersprach sofort: Das Auslaufen der Transporte mußte bereits acht Stunden vor Beginn der Überfahrt einsetzen. Das konnte man von der englischen Küste aus jederzeit mit dem einfachsten Fernglas und erst recht vom Flugzeug aus beobachten. Der Gegner hatte also zwölf bis fünfzehn Stunden Zeit, sich auf die Landung vorzubereiten. Das überraschte nun wiederum die Generalstäbler. Sie schlugen vor, durch Scheinmanöver die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken. Auch dem widersprach Schniewind, weil dafür der Transportraum fehle.
General Halder machte dem Hin und Her ein Ende und faßte zusammen : lch lehne in aller Schärfe den Vorschlag der Marine bezüglich der Durchführung der Landung in engem Raum Folkestone -
Beachy Head ab und bezeichne dieses Vorgehen vom Standpunkt des Heeres als reinenSelbstmord. Geradesogut könnte ich die gelandeten Truppen gleich durch die Wurstmaschine drehen.«
Admiral Schniewind gab ebenso scharf zurück, daß die Seekriegsleitung auf gleicher Basis die Landung in breiten Raum ablehne und sie nicht nur als Selbstmord, sondern auch als Aufopferung der dort zu landenden Truppen ansehen müsse.
Nach diesem ersten Zusammenprall beruhigten sich die Gemüter wieder etwas. Man sprach über die Feindeinwirkung auf See und über technische Einzelheiten der Überführung der Truppen. Dabei wollte der Generalstab partout nicht glauben, daß im deutschen Einflußgebiet nicht noch mehr Dampfer aufzutreiben waren, auch nicht, als Schniewind zu erklären versuchte, warum nicht jedes Schiff für den Truppentransport oder eine Landungsoperation geeignet war. Und schon steuerten die Gesprächspartner wieder einen scharfen Kollisionskurs. Diesmal ging es um die Tageszeit. Das Heer wollte in der Morgendämmerung landen, die Marine zog das Tageslicht vor, weil sie nämlich Begegnungen mit feindlichen Überwasserstreitkräften fürchtete und die zum Teil schwierigen Gewässer nachts nicht zu navigieren waren.
Halder wischte diese Bedenken mit der Bemerkung unter dem Tisch, daß sich der Führer selbst für die Morgendämmerung entschieden habe. Und überhaupt werde das Heer die Landung auf schmalen Raum auf keinen Fall machen - militärisch und operativ gesehen sei das Unsinn.
Schniewind hätte darauf verweisen können, daß auch die Römer und die Normannen auf einem sehr schmalen Raum eingefallen waren und Britannien doch erobert hatten. Die wichtigste Rechtfertigung der Marineansicht sollte die Geschichte allerdings erst am 6. Juni 1944 mit der Landung der Alliierten in der Normandie liefern: der Landungsabschnitt war nur 70 Kilometer breit, was etwa der Entfernung Folkestone - Beachy Head entspricht.
Doch an diesem 7. August 1940 mußte sich Schniewind damit begnügen, der Heeresleitung ein mehrfaches und lautstarkes Nein entgegenzusetzen.
Halder wandte sich an seine Begleitung. Oberst von Witzleben solle den Oberbefehlshaber des Heeres am nächsten Tag darüber unterrichten, daß eine Einigung zwischen Generalstab und Seekriegsleitung nicht erzielt werden konnte und daß deshalb ein erneuter Vortrag beim Führer erforderlich sei. Auch Admiral Schniewind machte eine Vortragsnotiz über das Gespräch »für Vortrag Chef der Seekriegsleitung beim Führer«. An den Oberkommandierenden der Wehrmacht, Feldmarschall Keitel, dachte offenbar niemand, obwohl es doch dessen Funktion war, die Unternehmen der Wehrmachtteile zu koordinieren.
Dem deutschen Generalstab, gelang es allmählich die Position der Marine aufzuweichen. Entgegen allen kategorischen Einwänden der Marine befahl das Oberkommando der Wehrmacht, Scheinoperationen für die Landung vorzubereiten. Aus Norwegen und Dänemark sollte eine Landung an der englischen Ostküste vorgetäuscht werden, aus den Niederlanden eine andere nördlich der Themsemündung, und aus Brest und der Biscaya sollte ein Ablenkungsmanöver gegen Irland vorgenommen werden. Die Marine versuchte vergeblich, den Befehl mit einem eigenen Vorschlag auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Die Seekriegsleitung ließ wissen, daß sie bereits eine Scheininvasion in Schottland beabsichtigte.
Man kann kaum behaupten, daß Keitel sich auf die Seite des Heeres geschlagen habe. Er war auf seiten des Führers und wiederholte nur, was ihm der »größte Feldherr aller Zeiten« vorsagte. Irgendwann muß Hitler die Länge des Landungsgebietes aufgefallen sein, denn am 16. August verfügte das OKW, daß die Vorbereitungen für eine Landung in der Lyme Bucht mangels ausreichender Sicherungsmöglichkeiten einzustellen seien. Auch im Raum Brighton sollte nur eine einmalige Landung ohne Nachschub von schwerem Gerät als Möglichkeit offengehalten werden. Damit war wenigstens die Westflanke der Marine weit zurückgenommen.
Das Tauziehen um die Landungsabschnitte war damit aber noch lange nicht beendet. Hinter den Kulissen tobte der Kleinkrieg fort. Am 30. August setzte sich der Oberbefehlshaber des Heeres über die Bedenken der Kriegsmarine hinweg und erteilte den Heeresgruppen an der Kanalküste eine vorläufige letzte »Anweisung für die Vorbereitung des Unternehmens Seelöwe «. Die strategischen Voraussetzungen nimmt er darin als gegeben an: »Die Luftwaffe zerschlägt die englische Luftwaffe und ihre Rüstungsbasis und erkämpft die Luftüberlegenheit. Die Kriegsmarine schafft minenfreie Wege und sperrt die Flanken des Übergangsstreifens ab.«
Die heikle Transportfrage sparte von Brauchitsch in seiner Anweisung aus. Das war Sache der Marine. Was das Heer anging, so verfügte er nur äußerste Beweglichkeit und Selbständigkeit für unvorhersehbare Änderungen der Lage, wenn zum Beispiel »die Eigenart des Seetransportes ein Zerreißen der Verbände unvermeidbar macht.«

wie die Normannen im Jahr 1066 sollte die 16.Armee bei Hastings anlanden!
Im übrigen sah nach dieser Anweisung der Landungsplan nun folgendermaßen aus: Die Heeresgruppe A landet mit der 16. und der 9. Armee an der englischen Südküste zwischen Folkestone und Worthing. Der 16. Armee wird der Landungsabschnitt Folkestone -Hastings zugewiesen. Nach Norden vorstoßend soll sie die Küste Ramsgate -Deal von Land her einnehmen und die Küstenverteidigung ausschalten, so daß die Marine dort Verstärkungen landen kann. Die 9. Armee landet zwischen Bexhill und Worthing.

Brighton, das zwischen diesen beiden Landungsabschnitten lag, sollte nach den letzten Planungen von Fallschirmtruppen eingenommen werden.
Heeresgruppe B bleibt in Bereitstellung und wird bei günstiger Entwicklung von Cherbourg auf dem Luft- und Wasserweg an der Küste der Lyme Bucht landen.
So hatte man nach zwei Monaten wenigstens einen einigermaßen brauchbaren Plan, der im Grunde auch für die Marine nicht unannehmbar war.
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Admiral Schniewind traf mit seinem engsten Stab am 7. August in Fontainebleau ein, um den Standpunkt der Seekriegsleitung klarzumachen.
Der Empfang war sehr freundlich, doch die Besprechung, die von 20.30 Uhr bis 23.30 Uhr dauerte, entwickelte sich sehr bald zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Halder ging sofort die Frage nach dem Landungsgebiet an, in der sich die Auffassungen der Marine und des Heeres konträr gegenüberstanden: Der Vorschlag der Seekriegsleitung, nur auf schmalem Raum zwischen Folkestone und Beachy Head zu landen, sei für den Generalstab unannehmbar. Das Hinterland dieser Küste sei feuchtes Marschland und für eine Verwendung von Panzern ungeeignet. Mit Unterstützung aus der Luft könne man nur stundenweise, nicht aber über einen oder mehrere Tage rechnen. Den dort zu landenden drei deutschen Divisionen ständen etwa zwölf britische gegenüber.
Halder bestand auf weiteren Landungen in der Bucht von Brighton und im Raum Ramsgate - Dover. Geduldig setzte ihm Schniewind auseinander, daß die langsamen Schleppzüge bei der Pegwell Bay und im Ramsgate Kanal über Stunden dem Feuer der feindlichen Küstenartillerie ausgesetzt wären und daß man wegen der Gezeitenunterschiede und der unzugänglichen Küste nicht gleichzeitig im Raum Brighton landen könne.
Halder erwiderte darauf nichts. Er hielt das alles wahrscheinlich für bloße Sturheit der Kriegsmarine oder übertriebenes Sicherheitsbedürfnis. So gut wie Schniewind kannte er die vier Voraussetzungen, die die Marine wie einen Berg vor sich herschob:
1. Wetter, Mond und Gezeiten mußten günstig sein.
2. Im Raum des Kanals mußte die deutsche Seeherrschaft sichergestellt sein.
3. Es mußte auch die deutsche Luftherrschaft über See und Küste gewährleistet sein.
4. Die englische Südküste mußte »von Bombern mehrfach um gepflügt werden«.
Einer der anwesenden Heeresoffiziere meinte, es käme eben nur auf das Überraschungsmoment an. Wenn dem Feind auch die Vorbereitungen bekannt seien, könne man immer noch den Vorteil der taktischen Überraschung für sich verbuchen.

das war die dann die Endfassung für das Unternehmen Seelöwe - die Landezone entsprach vom Umfang her, der späteren alliierten Landezone in der Normandie. Dieser endgültige Plan entstand durch Hitlers persönliches Eingreifen!
Schniewind widersprach sofort: Das Auslaufen der Transporte mußte bereits acht Stunden vor Beginn der Überfahrt einsetzen. Das konnte man von der englischen Küste aus jederzeit mit dem einfachsten Fernglas und erst recht vom Flugzeug aus beobachten. Der Gegner hatte also zwölf bis fünfzehn Stunden Zeit, sich auf die Landung vorzubereiten. Das überraschte nun wiederum die Generalstäbler. Sie schlugen vor, durch Scheinmanöver die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken. Auch dem widersprach Schniewind, weil dafür der Transportraum fehle.
General Halder machte dem Hin und Her ein Ende und faßte zusammen : lch lehne in aller Schärfe den Vorschlag der Marine bezüglich der Durchführung der Landung in engem Raum Folkestone -
Beachy Head ab und bezeichne dieses Vorgehen vom Standpunkt des Heeres als reinenSelbstmord. Geradesogut könnte ich die gelandeten Truppen gleich durch die Wurstmaschine drehen.«
Admiral Schniewind gab ebenso scharf zurück, daß die Seekriegsleitung auf gleicher Basis die Landung in breiten Raum ablehne und sie nicht nur als Selbstmord, sondern auch als Aufopferung der dort zu landenden Truppen ansehen müsse.
Nach diesem ersten Zusammenprall beruhigten sich die Gemüter wieder etwas. Man sprach über die Feindeinwirkung auf See und über technische Einzelheiten der Überführung der Truppen. Dabei wollte der Generalstab partout nicht glauben, daß im deutschen Einflußgebiet nicht noch mehr Dampfer aufzutreiben waren, auch nicht, als Schniewind zu erklären versuchte, warum nicht jedes Schiff für den Truppentransport oder eine Landungsoperation geeignet war. Und schon steuerten die Gesprächspartner wieder einen scharfen Kollisionskurs. Diesmal ging es um die Tageszeit. Das Heer wollte in der Morgendämmerung landen, die Marine zog das Tageslicht vor, weil sie nämlich Begegnungen mit feindlichen Überwasserstreitkräften fürchtete und die zum Teil schwierigen Gewässer nachts nicht zu navigieren waren.
Halder wischte diese Bedenken mit der Bemerkung unter dem Tisch, daß sich der Führer selbst für die Morgendämmerung entschieden habe. Und überhaupt werde das Heer die Landung auf schmalen Raum auf keinen Fall machen - militärisch und operativ gesehen sei das Unsinn.
Schniewind hätte darauf verweisen können, daß auch die Römer und die Normannen auf einem sehr schmalen Raum eingefallen waren und Britannien doch erobert hatten. Die wichtigste Rechtfertigung der Marineansicht sollte die Geschichte allerdings erst am 6. Juni 1944 mit der Landung der Alliierten in der Normandie liefern: der Landungsabschnitt war nur 70 Kilometer breit, was etwa der Entfernung Folkestone - Beachy Head entspricht.
Doch an diesem 7. August 1940 mußte sich Schniewind damit begnügen, der Heeresleitung ein mehrfaches und lautstarkes Nein entgegenzusetzen.
Halder wandte sich an seine Begleitung. Oberst von Witzleben solle den Oberbefehlshaber des Heeres am nächsten Tag darüber unterrichten, daß eine Einigung zwischen Generalstab und Seekriegsleitung nicht erzielt werden konnte und daß deshalb ein erneuter Vortrag beim Führer erforderlich sei. Auch Admiral Schniewind machte eine Vortragsnotiz über das Gespräch »für Vortrag Chef der Seekriegsleitung beim Führer«. An den Oberkommandierenden der Wehrmacht, Feldmarschall Keitel, dachte offenbar niemand, obwohl es doch dessen Funktion war, die Unternehmen der Wehrmachtteile zu koordinieren.
Dem deutschen Generalstab, gelang es allmählich die Position der Marine aufzuweichen. Entgegen allen kategorischen Einwänden der Marine befahl das Oberkommando der Wehrmacht, Scheinoperationen für die Landung vorzubereiten. Aus Norwegen und Dänemark sollte eine Landung an der englischen Ostküste vorgetäuscht werden, aus den Niederlanden eine andere nördlich der Themsemündung, und aus Brest und der Biscaya sollte ein Ablenkungsmanöver gegen Irland vorgenommen werden. Die Marine versuchte vergeblich, den Befehl mit einem eigenen Vorschlag auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Die Seekriegsleitung ließ wissen, daß sie bereits eine Scheininvasion in Schottland beabsichtigte.
Man kann kaum behaupten, daß Keitel sich auf die Seite des Heeres geschlagen habe. Er war auf seiten des Führers und wiederholte nur, was ihm der »größte Feldherr aller Zeiten« vorsagte. Irgendwann muß Hitler die Länge des Landungsgebietes aufgefallen sein, denn am 16. August verfügte das OKW, daß die Vorbereitungen für eine Landung in der Lyme Bucht mangels ausreichender Sicherungsmöglichkeiten einzustellen seien. Auch im Raum Brighton sollte nur eine einmalige Landung ohne Nachschub von schwerem Gerät als Möglichkeit offengehalten werden. Damit war wenigstens die Westflanke der Marine weit zurückgenommen.
Das Tauziehen um die Landungsabschnitte war damit aber noch lange nicht beendet. Hinter den Kulissen tobte der Kleinkrieg fort. Am 30. August setzte sich der Oberbefehlshaber des Heeres über die Bedenken der Kriegsmarine hinweg und erteilte den Heeresgruppen an der Kanalküste eine vorläufige letzte »Anweisung für die Vorbereitung des Unternehmens Seelöwe «. Die strategischen Voraussetzungen nimmt er darin als gegeben an: »Die Luftwaffe zerschlägt die englische Luftwaffe und ihre Rüstungsbasis und erkämpft die Luftüberlegenheit. Die Kriegsmarine schafft minenfreie Wege und sperrt die Flanken des Übergangsstreifens ab.«
Die heikle Transportfrage sparte von Brauchitsch in seiner Anweisung aus. Das war Sache der Marine. Was das Heer anging, so verfügte er nur äußerste Beweglichkeit und Selbständigkeit für unvorhersehbare Änderungen der Lage, wenn zum Beispiel »die Eigenart des Seetransportes ein Zerreißen der Verbände unvermeidbar macht.«

wie die Normannen im Jahr 1066 sollte die 16.Armee bei Hastings anlanden!
Im übrigen sah nach dieser Anweisung der Landungsplan nun folgendermaßen aus: Die Heeresgruppe A landet mit der 16. und der 9. Armee an der englischen Südküste zwischen Folkestone und Worthing. Der 16. Armee wird der Landungsabschnitt Folkestone -Hastings zugewiesen. Nach Norden vorstoßend soll sie die Küste Ramsgate -Deal von Land her einnehmen und die Küstenverteidigung ausschalten, so daß die Marine dort Verstärkungen landen kann. Die 9. Armee landet zwischen Bexhill und Worthing.

Brighton, das zwischen diesen beiden Landungsabschnitten lag, sollte nach den letzten Planungen von Fallschirmtruppen eingenommen werden.
Heeresgruppe B bleibt in Bereitstellung und wird bei günstiger Entwicklung von Cherbourg auf dem Luft- und Wasserweg an der Küste der Lyme Bucht landen.
So hatte man nach zwei Monaten wenigstens einen einigermaßen brauchbaren Plan, der im Grunde auch für die Marine nicht unannehmbar war.
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The Real Blaze
Die USA schreibt 1940 England ab
Primärquelle: Kieser, Unternehmen Seelöwe
Die Zeit war reif für den großen Schlag, das spürten die Briten mehr noch als die Deutschen, denn sie fühlten sich alleingelassen und einem übermächtigen Feind gegenüber. Was lag da näher, als sich nach einem Bundesgenossen umzusehen, dem einzig möglichen, den Vereinigten Staaten von Amerika? Wenn auch die Amerikaner eine Invasion nicht verhindern konnten, so waren sie doch imstande, die dringend benötigten Waffen zu liefern und moralische Hilfestellung zu leisten, auch wenn das die britischen Goldreserven kosten sollte.
Churchill, dessen Mutter Amerikanerin war, führte mit Präsident Roosevelt einen lebhaften Briefwechsel, in den er immer wieder Hilferufe einbettete: »Give us the tools and we will do the Job« (»Gebt uns das Werkzeug, die Arbeit erledigen wir«) - doch die Verteidiger von Freiheit und Demokratie waren bereit, die Briten den Deutschen auszuliefern und eine Invasion der Britischen Inseln hinzunehmen. Noch unter dem Eindruck der Niederlage in Norwegen und der Eröffnung des Westfeldzuges hatte Churchill in seinem Hilferuf an Roosevelt um die leihweise Überlassung von vierzig oder fünfzig älteren amerikanischen Zerstörern gebeten sowie um einige hundert Flugzeuge, Flakgeschütze und Munition. Roosevelt hatte ausweichend und hinhaltend geantwortet, daß er dafür eine Ermächtigung des Kongresses benötige, die einzuholen er im Augenblick nicht für opportun hielt; außerdem habe er die Verteidigungsbedürfnise der eigenen Hemisphäre und die amerikanischen Verpflichtungen im Pazifikraum zu berücksichtigen.
Bei aller persönlichen Sympathie, die Roosevelt für Churchill und die Sache der Briten empfinden mochte - die Amerikaner hatten keine Lust, sich in diesen Krieg verwickeln zu lassen. Auch als Reynaud und Churchill am 15. Juni den amerikanischen Präsidenten zu überzeugen versuchten, daß nur noch eine Kriegserklärung Amerikas an Deutschland Frankreich retten könne, kamen aus Washington nur Sympathiekundgebungen.

Senator Key Pittman. Nach ihm hatte Deutschland sechs Monate Zeit, um den Krieg gegen England durch eine Invasion zu entscheiden - der US-Wirtschaft wäre eine Niederlage Englands egal gewesen, sie hätte dann ihre Überschußprodukte mit guten Gewinn an ein deutsch geführtes Europa verkauft.
Im Foreign Relations Committee des US-Senats hatte Senator Key Pittman erklärt, daß ein Kriegseintritt der USA ausgeschlossen sei , »weil wir für mindestens ein Jahr keine Hilfe leisten können und der Krieg keine sechs Monate mehr dauern kann. Hitler muß in dieser Zeit gewinnen, oder er wird nie gewinnen.«
Die Vereinigten Staaten waren zu diesem Zeitpunkt nicht im geringsten auf einen Krieg vorbereitet. Das Heer hatte eine Stärke von nur 75 000 Mann, Marine und Luftwaffe von etwa 25 000 Mann. Die Schwäche der amerikanischen Streitkräfte hatte ihren Grund auch in einer starken isolationistischen Strömung, aus der man in der Öffentlichkeit kein Hehl machte.
Die Vereinigten Staaten hatten den Westeuropäern geholfen, den Ersten Weltkrieg zu gewinnen - aber ihre Kriegsschulden hatten die Verbündeten nicht zurückgezahlt. Die Amerikaner waren einmal auf einen europäischen Krieg hereingefallen, ein zweitesmal würde ihnen das nicht passieren. Nie wieder sollten junge Männer über den Atlantik geschickt werden, um für das Britische Empire zu kämpfen und zu sterben!
Die britisch-amerikanischen Beziehungen erreichten im Winter 1939/40 einen Tiefpunkt: die Zwischenfälle auf hoher See bei der britischen Jagd nach deutschen Seeleuten, die Zensur auch amerikanischer Überseepost auf hoher See, die Einschränkung der Importe landwirtschaftlicher Güter aus den USA hatten die Amerikaner, die Entsendung des Staatssekretärs im US-Außenministerium Sumner Welles auf den Kontinent ohne vorherige Abstimmung hatte die Briten verärgert. Zu diesem Zeitpunkt stand das britische Ansehen in den Vereinigten Staaten nicht viel höher als das der Deutschen oder der Sowjets.
In den USA nötigte der rapide wirtschaftliche Aufstieg und die wachsende militärische Macht des Deutschen Reiches den Amerikanern Respekt ab. Die glänzend inszenierte Olympiade 1936 und die pompöse Schau der Reichsparteitage verfehlten ihre Wirkung nicht. Roosevelt, bemüht, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der amerikanischen Arbeiter zu verbessern, hatte sich von seinem Botschafter in Berlin ausführlich über die sozialen Programme der NSDAP berichten lassen. Sechs Monate vor seiner Zurückberufung schrieb Wilson über einen Besuch bei Dr. Ley und dessen Arbeitsfront: »Ich glaube, daß an der >Kraft durch Freude< etwas ist. von dem die ganze Welt profitieren kann. Zweifellos ist-eine unserer größten Schwierigkeiten in der Arbeitswelt fast aller Länder der Umstand, daß erhöhte Löhne das Leben nicht bereichern oder erfüllter machen, sondern daß die Mehrzahlungen in der Regel an blödsinnige Dinge verschwendet werden. Die Deutschen, die wegen ihrer monetären Situation Löhne nicht erhöhen können, haben das Leben ihrer Arbeitnehmer bereichert, indem sie ihnen bei gleichen Löhnen Zugang zu Musik, Malerei, den Schönheiten ihres eigenen und der anderer Länder eröffnet haben. Selbst die Fabriken sind verschönen worden, während das Arbeitsjahr von Vergnügungsreisen unterbrochen ist. Und all das ist nicht als philanthropische Institution entstanden, sondern der Arbeiter hat selbst dafür gezahlt. Bei einem Umsatz von 2,5 Milliaren hat >Kraft durch Freude< im vergangenen Jahr einen Gewinn von einigen zwanzig Millionen zu verzeichnen.«
Wilson mußte auch mit Reichsarbeitsführer Hierl Kontakt aufnehmen, um einen Beobachter einige Zeit in einem Lager des Reichsarbeitsdienstes unterzubringen. Die Idee eines gemeinnützigen Arbeitsdienstes war angesichts des Heeres der amerikanischen Arbeitslosen bei Roosevelt auf fruchtbaren Boden gefallen.
Die amerikanische Presse war größternteils deutschfeindlich, und schon am Juni 1938 machte man sich im amerikanischen Außenministerium Sorgen über die möglichen internationalen Auswirkungen der wachsenden Deutschfeindlichkeit, die in den großen Tageszeitungen zum Vorschein kam.

Die New York Times - Eine der einflussreichsten Tageszeitungen war und ist ein jüdisches Massenblatt. Der damalige Herausgeber Adolph Simon Ochs (bis 1935) war ein deutschstämmiger Jude. Nach der jüdischen Kriegserklärung im März 1933 ordnete sich die New York Times in die antideutsche Medienfront ein

Adolph Simon Ochs mit seiner Ehefrau Die maßgeblich antideutsche, jüdisch geführte Presse war es dann auch , die schließlich Roosevelt zwang, der Rückberufung des US-Botschafters in Berlin zuzustimmen. Roosevelt war selbst auch Jude, und der ursprüngliche Familienname war Rosenvelt.
Alle Hilferufe aus Europa verhallten.
Wilson brachte die amerikanische Haltung auf einen einfachen Nenner: »Vor zwanzig Jahren haben wir versucht, die Welt zu retten - und wie sieht sie jetzt aus! Wenn wir wieder versuchen sollten, die Welt zu retten, würde sie am Ende des Konflikts deshalb nicht besser aussehen. Wir haben bei Eintritt in einen europäischen Konflikt nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren.«
Tatsächlich hatte man in den Vereinigten Staaten England im Juli 1940 abgeschrieben. Neun Zehntel aller Amerikaner glaubten, daß Hitler den Krieg in Europa bereits so gut wie gewonnen habe. Nur wenige gaben den Briten noch eine Chance, dem Ansturm der deutschen Wehrmacht widerstehen zu können, da es allein und fast waffenlos einer Übermacht - vor allem der vermeintlichen Überlegenheit der deutschen Luftwaffe - ausgeliefert war. Das in den Augen vieler Amerikaner dekadente Inselreich würde sich in kurzer Zeit geschlagen geben müssen und wie Frankreich von den Deutschen besetzt werden.

England war nicht nur die "Insel" sondern auch das ganze weltumspannende "Empire". So "allein" war es also ganz gewiss nicht, wenn England Krieg führt, war es damals immer ein Weltkrieg!
Die Stäbe der amerikanischen Streitkräfte, deren Planung fast ausschließlich auf die Verteidigung des pazifischen Raumes gerichtet war, sahen sich durch die überwältigenden Erfolge der deutschen Wehrmacht plötzlich vom Atlantik her bedroht. Mit dem zu erwartenden Fall Großbritanniens war die Sicherheit des amerikanischen Kontinents durch die Achsenmächte mehr gefährdet als durch Japan. Deshalb sah der amerikanische Generalstab seine Hauptaufgabe jetzt in der Verteidigung der sogenannten westlichen Hemisphäre entlang der Atlantikküste von Neufundland bis zu den Falklandinseln. In einem noch im Mai erstellten strategischen Konzept Rainbow 4 war vorgesehen, daß amerikanische Streitkräfte die britischen und französischen Stützpunkte im westlichen Atlantik besetzen und von dort einen Schlag der Achsenmächte gegen Südamerika abwehren sollten.

Das amerikanische Magazin Life schürte dann auch die Angst vor einem deutschen Europa mit absurden, realitätsfernen Invasionsplänen. Hatte man deutscherseits schon große Probleme den Kanal Richtung England zu überqueren, fantasierte man jetzt von transatlantischen Invasionsplänen!

Der Life Gründer Henry Luce war in den 1920er- und 1930er-Jahren ein begeisterter Förderer des Faschismus. Luce's Time Magazine veröffentlichte fünf Titelgeschichten über Benito Mussolini . Nicht von ungefähr wurde deshalb auch Mussolini im Life Magazin thematisiert.

Freund des Faschismus: Henry Luce - er erträumte sich eine erfolgreiche Landung der Achse in den USA mit mehreren im Life Magazin gefertigten "deutschen Planungen"
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.04.09 13:03 ]
Primärquelle: Kieser, Unternehmen Seelöwe
Die Zeit war reif für den großen Schlag, das spürten die Briten mehr noch als die Deutschen, denn sie fühlten sich alleingelassen und einem übermächtigen Feind gegenüber. Was lag da näher, als sich nach einem Bundesgenossen umzusehen, dem einzig möglichen, den Vereinigten Staaten von Amerika? Wenn auch die Amerikaner eine Invasion nicht verhindern konnten, so waren sie doch imstande, die dringend benötigten Waffen zu liefern und moralische Hilfestellung zu leisten, auch wenn das die britischen Goldreserven kosten sollte.
Churchill, dessen Mutter Amerikanerin war, führte mit Präsident Roosevelt einen lebhaften Briefwechsel, in den er immer wieder Hilferufe einbettete: »Give us the tools and we will do the Job« (»Gebt uns das Werkzeug, die Arbeit erledigen wir«) - doch die Verteidiger von Freiheit und Demokratie waren bereit, die Briten den Deutschen auszuliefern und eine Invasion der Britischen Inseln hinzunehmen. Noch unter dem Eindruck der Niederlage in Norwegen und der Eröffnung des Westfeldzuges hatte Churchill in seinem Hilferuf an Roosevelt um die leihweise Überlassung von vierzig oder fünfzig älteren amerikanischen Zerstörern gebeten sowie um einige hundert Flugzeuge, Flakgeschütze und Munition. Roosevelt hatte ausweichend und hinhaltend geantwortet, daß er dafür eine Ermächtigung des Kongresses benötige, die einzuholen er im Augenblick nicht für opportun hielt; außerdem habe er die Verteidigungsbedürfnise der eigenen Hemisphäre und die amerikanischen Verpflichtungen im Pazifikraum zu berücksichtigen.
Bei aller persönlichen Sympathie, die Roosevelt für Churchill und die Sache der Briten empfinden mochte - die Amerikaner hatten keine Lust, sich in diesen Krieg verwickeln zu lassen. Auch als Reynaud und Churchill am 15. Juni den amerikanischen Präsidenten zu überzeugen versuchten, daß nur noch eine Kriegserklärung Amerikas an Deutschland Frankreich retten könne, kamen aus Washington nur Sympathiekundgebungen.

Senator Key Pittman. Nach ihm hatte Deutschland sechs Monate Zeit, um den Krieg gegen England durch eine Invasion zu entscheiden - der US-Wirtschaft wäre eine Niederlage Englands egal gewesen, sie hätte dann ihre Überschußprodukte mit guten Gewinn an ein deutsch geführtes Europa verkauft.
Im Foreign Relations Committee des US-Senats hatte Senator Key Pittman erklärt, daß ein Kriegseintritt der USA ausgeschlossen sei , »weil wir für mindestens ein Jahr keine Hilfe leisten können und der Krieg keine sechs Monate mehr dauern kann. Hitler muß in dieser Zeit gewinnen, oder er wird nie gewinnen.«
Die Vereinigten Staaten waren zu diesem Zeitpunkt nicht im geringsten auf einen Krieg vorbereitet. Das Heer hatte eine Stärke von nur 75 000 Mann, Marine und Luftwaffe von etwa 25 000 Mann. Die Schwäche der amerikanischen Streitkräfte hatte ihren Grund auch in einer starken isolationistischen Strömung, aus der man in der Öffentlichkeit kein Hehl machte.
Die Vereinigten Staaten hatten den Westeuropäern geholfen, den Ersten Weltkrieg zu gewinnen - aber ihre Kriegsschulden hatten die Verbündeten nicht zurückgezahlt. Die Amerikaner waren einmal auf einen europäischen Krieg hereingefallen, ein zweitesmal würde ihnen das nicht passieren. Nie wieder sollten junge Männer über den Atlantik geschickt werden, um für das Britische Empire zu kämpfen und zu sterben!
Die britisch-amerikanischen Beziehungen erreichten im Winter 1939/40 einen Tiefpunkt: die Zwischenfälle auf hoher See bei der britischen Jagd nach deutschen Seeleuten, die Zensur auch amerikanischer Überseepost auf hoher See, die Einschränkung der Importe landwirtschaftlicher Güter aus den USA hatten die Amerikaner, die Entsendung des Staatssekretärs im US-Außenministerium Sumner Welles auf den Kontinent ohne vorherige Abstimmung hatte die Briten verärgert. Zu diesem Zeitpunkt stand das britische Ansehen in den Vereinigten Staaten nicht viel höher als das der Deutschen oder der Sowjets.
In den USA nötigte der rapide wirtschaftliche Aufstieg und die wachsende militärische Macht des Deutschen Reiches den Amerikanern Respekt ab. Die glänzend inszenierte Olympiade 1936 und die pompöse Schau der Reichsparteitage verfehlten ihre Wirkung nicht. Roosevelt, bemüht, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der amerikanischen Arbeiter zu verbessern, hatte sich von seinem Botschafter in Berlin ausführlich über die sozialen Programme der NSDAP berichten lassen. Sechs Monate vor seiner Zurückberufung schrieb Wilson über einen Besuch bei Dr. Ley und dessen Arbeitsfront: »Ich glaube, daß an der >Kraft durch Freude< etwas ist. von dem die ganze Welt profitieren kann. Zweifellos ist-eine unserer größten Schwierigkeiten in der Arbeitswelt fast aller Länder der Umstand, daß erhöhte Löhne das Leben nicht bereichern oder erfüllter machen, sondern daß die Mehrzahlungen in der Regel an blödsinnige Dinge verschwendet werden. Die Deutschen, die wegen ihrer monetären Situation Löhne nicht erhöhen können, haben das Leben ihrer Arbeitnehmer bereichert, indem sie ihnen bei gleichen Löhnen Zugang zu Musik, Malerei, den Schönheiten ihres eigenen und der anderer Länder eröffnet haben. Selbst die Fabriken sind verschönen worden, während das Arbeitsjahr von Vergnügungsreisen unterbrochen ist. Und all das ist nicht als philanthropische Institution entstanden, sondern der Arbeiter hat selbst dafür gezahlt. Bei einem Umsatz von 2,5 Milliaren hat >Kraft durch Freude< im vergangenen Jahr einen Gewinn von einigen zwanzig Millionen zu verzeichnen.«
Wilson mußte auch mit Reichsarbeitsführer Hierl Kontakt aufnehmen, um einen Beobachter einige Zeit in einem Lager des Reichsarbeitsdienstes unterzubringen. Die Idee eines gemeinnützigen Arbeitsdienstes war angesichts des Heeres der amerikanischen Arbeitslosen bei Roosevelt auf fruchtbaren Boden gefallen.
Die amerikanische Presse war größternteils deutschfeindlich, und schon am Juni 1938 machte man sich im amerikanischen Außenministerium Sorgen über die möglichen internationalen Auswirkungen der wachsenden Deutschfeindlichkeit, die in den großen Tageszeitungen zum Vorschein kam.

Die New York Times - Eine der einflussreichsten Tageszeitungen war und ist ein jüdisches Massenblatt. Der damalige Herausgeber Adolph Simon Ochs (bis 1935) war ein deutschstämmiger Jude. Nach der jüdischen Kriegserklärung im März 1933 ordnete sich die New York Times in die antideutsche Medienfront ein

Adolph Simon Ochs mit seiner Ehefrau Die maßgeblich antideutsche, jüdisch geführte Presse war es dann auch , die schließlich Roosevelt zwang, der Rückberufung des US-Botschafters in Berlin zuzustimmen. Roosevelt war selbst auch Jude, und der ursprüngliche Familienname war Rosenvelt.
Alle Hilferufe aus Europa verhallten.
Wilson brachte die amerikanische Haltung auf einen einfachen Nenner: »Vor zwanzig Jahren haben wir versucht, die Welt zu retten - und wie sieht sie jetzt aus! Wenn wir wieder versuchen sollten, die Welt zu retten, würde sie am Ende des Konflikts deshalb nicht besser aussehen. Wir haben bei Eintritt in einen europäischen Konflikt nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren.«
Tatsächlich hatte man in den Vereinigten Staaten England im Juli 1940 abgeschrieben. Neun Zehntel aller Amerikaner glaubten, daß Hitler den Krieg in Europa bereits so gut wie gewonnen habe. Nur wenige gaben den Briten noch eine Chance, dem Ansturm der deutschen Wehrmacht widerstehen zu können, da es allein und fast waffenlos einer Übermacht - vor allem der vermeintlichen Überlegenheit der deutschen Luftwaffe - ausgeliefert war. Das in den Augen vieler Amerikaner dekadente Inselreich würde sich in kurzer Zeit geschlagen geben müssen und wie Frankreich von den Deutschen besetzt werden.

England war nicht nur die "Insel" sondern auch das ganze weltumspannende "Empire". So "allein" war es also ganz gewiss nicht, wenn England Krieg führt, war es damals immer ein Weltkrieg!
Die Stäbe der amerikanischen Streitkräfte, deren Planung fast ausschließlich auf die Verteidigung des pazifischen Raumes gerichtet war, sahen sich durch die überwältigenden Erfolge der deutschen Wehrmacht plötzlich vom Atlantik her bedroht. Mit dem zu erwartenden Fall Großbritanniens war die Sicherheit des amerikanischen Kontinents durch die Achsenmächte mehr gefährdet als durch Japan. Deshalb sah der amerikanische Generalstab seine Hauptaufgabe jetzt in der Verteidigung der sogenannten westlichen Hemisphäre entlang der Atlantikküste von Neufundland bis zu den Falklandinseln. In einem noch im Mai erstellten strategischen Konzept Rainbow 4 war vorgesehen, daß amerikanische Streitkräfte die britischen und französischen Stützpunkte im westlichen Atlantik besetzen und von dort einen Schlag der Achsenmächte gegen Südamerika abwehren sollten.

Das amerikanische Magazin Life schürte dann auch die Angst vor einem deutschen Europa mit absurden, realitätsfernen Invasionsplänen. Hatte man deutscherseits schon große Probleme den Kanal Richtung England zu überqueren, fantasierte man jetzt von transatlantischen Invasionsplänen!

Der Life Gründer Henry Luce war in den 1920er- und 1930er-Jahren ein begeisterter Förderer des Faschismus. Luce's Time Magazine veröffentlichte fünf Titelgeschichten über Benito Mussolini . Nicht von ungefähr wurde deshalb auch Mussolini im Life Magazin thematisiert.

Freund des Faschismus: Henry Luce - er erträumte sich eine erfolgreiche Landung der Achse in den USA mit mehreren im Life Magazin gefertigten "deutschen Planungen"
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 04.04.09 13:03 ]
The Real Blaze
USA wollten die Vereinigten Nationen Amerikas errichten - auch mit Waffengewalt!
Wie Amerika sich wirtschaftlich auf ein deutsch geführtes Europa vorbereitete

die USS Qunicy wird 1940 als Druckmittel gegen Uruguay benutzt - 1942 vernichteten die Japaner diesen Kreuzer bei Guadalcanal
Zwischen dem 28. Mai und 18. Juni meldete der Nachrichtendienst der deutschen Kriegsmarine einer Verstärkung des US-Europageschwaders durch den Kreuzer »Vincennes« und zwei Zerstörer, die nun neben dem Kreuzer »Omaha« in Lissabon ankerten. Die Kreuzer Quincy und Wichita waren nach Südamerika beordert worden; ersterer lief nach Montevideo, letzterer traf am 19.6. in Rio ein. Das amerikanische Schulschiffgeschwader mit den Schiffen »Texas«, »New York« und »Arkansas« verließ den Hafen von Annapolis zu einem Besuch der Panamazone, Venezuelas und Westindiens. Weiter wurde bekannt, daß die USA beabsichtigten, 35 alte Zerstörer wieder in Dienst zu stellen und in die mit dem Neutralitätsschutz beauftragten Verbände einzugliedern. Voreilig schloß die deutsche Seekriegsleitung daraus, daß sich damit die Aussicht der Briten auf den Erwerb dieser Zerstörer verringerte.

die USS Texas 1937 im Panamakanal - falls die Wehrmacht England besetzt hätte, hätte die USA ihre Flotte eingesetzt, um alle amerikanischen Staaten in die US-geführten Vereinigten Nation von Amerika zu zwingen!
Mit den Flottenbewegungen verstärkten die Vereinigten Staaten ihre politischen Aktivitäten auf dem amerikanischen Kontinent. Pan-amerikanismus war das Schlagwort jener Zeit, und es gab im amerikanischen Außenministerium ernsthafte Überlegungen zur Gründung der »Vereinigten Nationen Amerikas« und sogar zur Besetzung südamerikanischer Länder, falls diese nicht selbst zum Schutz durch Entsendung amerikanischer Truppen ersuchten, wobei Hitler ganz offen als Vorbild zitiert wurde .
Im Juli fanden in Havanna panamerikanische Gespräche unter der Leitung des amerikanischen Außenministers Cordeil Hull statt. Aus den »Vereinigten Nationen Amerikas« wurde dabei ein realistischeres Konzept eines »Kartells der amerikanischen Staaten«. Die Bestrebungen gingen dahin, die Wirtschafts- und Verteidigungsmacht des Kontinents zusammenzufassen.
Man nahm an, daß nach der Niederschlagung Großbritanniens eine Pause, wenn nicht gar Frieden auf dem europäischen Kontinent herrschen würde. Ein integriertes Europa unter der Führung Deutschlands stellte einen gewaltigen Markt für die Überschüsse der amerikanischen Staaten dar, dessen Potential es wahrzunehmen galt. Ein Kartell auf der amerikanischen Seite würde als wirtschaftliches Gegengewicht nicht nur Preisstabilität garantieren, sondern die kleineren Länder davor bewahren, in den wirtschaftlichen Sog eines nationalsozialistischen Europa gezogen zu werden.
So sehr man in Amerika bereit war, sich mit einem Nachkriegs-Europa unter Hitlers Führung wirtschaftlich zu arrangieren, so wenig ließ sich eine militärische Bedrohung Amerikas durch die Achsenmächte verleugnen...
In den französischen und britischen Stützpunkten der Karibik sah die USA schon die deutsche Kriegsmarine agieren, unabhängig davon, welche Realitäten ein europäischer Friedensvertrag tatsächlich geschaffen hätte. Das einzige was greifbar war, wäre die Rückgabe sämtlicher deutscher Kolonien gewesen, die teilweise sogar von deutschen Steuergeld gekauft worden waren.
Nur tangierten diese Besitzungen keinesfalls US Interessen in Mittel-und Südamerika. Die USA nutzten jetzt diese angebliche Drohkulisse politisch aus, um seinen Einfluss massiv auszudehnen.
Nach der militärischen Niederlage Frankreichs und Großbritanniens fielen Deutschland auch die westatlantischen Besitzungen der beiden ehemaligen Großmächte zu. Wohl kaum als Besitzungen, aber mindestens mit Nutzungsrechte für die deutsche Kriegsmarine. Das hätte man jedenfalls nach einem Friedensvertrag nicht verhindern können. Das war aber nur die Theorie. Hätten die Commonwealth-Staaten unter einem Churchill im kanadischen Exil weitergekämpft - so wie dieser es angestrebt hatte - hätte die Umsetzung dieser Theorie kaum vollzogen werden können.
Auf der anderen Seite hätten sich sicher alle Commonwealth-Staaten die Frage nach dem weiteren Kriegssinn gestellt, wenn England den Krieg verloren hätte. Besonders in Südafrika mit seinen burischen Politikern gab es Bestrebungen diesen Krieg zu beenden. Das gleiche galt auch für Australien und Neuseeland, sowie Indien. Je weiter weg von Europa, desto sinnloser eine weitere Kriegsführung. Offensichtlich wäre wohl Kanada übriggeblieben, wo Churchill gedachte, die Reste der britischen Flotte zu sammeln. Europäische Stützpunkte waren ohnehin ohne England nicht zu halten. Spanien hätte Gibraltar bekommen und Italien Malta, vermutlich aber auch Zypern. Indien und Ägypten hätten ganz sicher die Situation genutzt um sich für unabhängig zu erklären. Der Irak hätte sich vom Protektoratsstatus losgesagt und in Palästina hätte die britische Ordnungsmacht ganz sicher die Kontrolle verloren. Der Commonwealth wäre deshalb am Freiheitswillen der unterjochten Kolonialvölker auseinandergebrochen. Am Ende hätte auch Kanada die Sinnlosigkeit einer weiteren Kriegsführung eingesehen, wahrscheinlich auch auf Druck der US-Wirtschaft, die mit Europa wieder ungestört handeln wollten.

Admiral William Standley
Der Chef des Planungsstabs der amerikanischen Marine, Admiral William Standley, erwartete eine erste Entscheidung in Neufundland. Schon im gegenwärtigen Zeitpunkt glaubte er, dass es den Deutschen gelingen könnte, die britische Flotte zu schwächen, zumindest aber sie in ihren Heimathäfen festzuhalten. Deutschland könnte sich dann in Island festsetzen, einen Stützpunkt in Grönland errichten und von dort aus Neufundland überfallen, womit der Hauptnachschub der Briten abgeschnitten wäre. Amerika mußte sich dann entscheiden, ob es diesen Angriff auf nordamerikanisches - wenn auch britisches — Territorium dulden könnte.
Standleys Drohszenario basierte aber auf extremer realitätsferner Spekulation - die deutsche Kriegsmarine war viel zu klein für eine Invasion auf Neufundland! Die britische Flotteneinheiten, die nicht nach Kanada entkommen konnten, hätten sich ganz sicher selbst versenkt. Auf die französische Flotte hatte Deutschland nach den Waffenstillstandsbedingungen keinen Zugriff und die Reste hätten sich nach Mers el Kebir nach einem bestehenden Versenkungsbefehl ebenfalls selbstversenkt. Es wäre also nichts da gewesen, womit man deutscherseits in Neufundland hätte landen können!

Das Life Magazin hatte deshalb auch für Standleys Fieberfantasie auch einen entsprechenden deutschen Plan zusammengebastelt. Die einzige reale Komponente waren deutsche Stützpunkte auf Grönland, aber ganz sicher nicht mit dem Hintergrund auf Neufundland zu landen! Tatsächlich betraten deutsche Soldaten eines U-Boot Kommandos das kanadische Labrador, um aber nur eine automatische Wetterstation zu errichten...

St.John's auf Neufundland - ein deutsches Invasionsziel? Bei gewissen Us-Militärs schon, aber niemals in Deutschland selbst! Die inszenierte Drohkulisse reichte aber aus, dass St.John's ab 1941 ein US Stützpunkt wurde!
In diesen dramatischen Wochen ging es den amerikanischen Planern nicht darum, den Franzosen und den Briten gegen Hitler beizustehen, sondern darum, ein »Eindringen der Achsenmächte in die westliche Hemisphäre« zu verhindern. General Marshall gab den Planern auf, die schlimmste Situation in Betracht zu ziehen, nämlich, daß sich die alliierten Flotten nicht mehr im Atlantik befänden. Die Zeit sei reif für eine Mobilisierung der National Guards und die Einstellung der Munitionslieferungen an England, so weit sie für die amerikanische Mobilisierung benötigt wurden. Generalstabschef Strong gab offen zu, daß Marshalls Vorgabe die baldige Niederlage der Alliierten als vollendete Tatsache voraussetze und daß Amerika nicht über die Mittel verfüge, die Situation entscheidend zu verändern. Er glaubte, daß Amerika als nächstes Opfer auf der Liste der Achsenmächte stand.
[...]
[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 05.04.09 12:13 ]
Wie Amerika sich wirtschaftlich auf ein deutsch geführtes Europa vorbereitete

die USS Qunicy wird 1940 als Druckmittel gegen Uruguay benutzt - 1942 vernichteten die Japaner diesen Kreuzer bei Guadalcanal
Zwischen dem 28. Mai und 18. Juni meldete der Nachrichtendienst der deutschen Kriegsmarine einer Verstärkung des US-Europageschwaders durch den Kreuzer »Vincennes« und zwei Zerstörer, die nun neben dem Kreuzer »Omaha« in Lissabon ankerten. Die Kreuzer Quincy und Wichita waren nach Südamerika beordert worden; ersterer lief nach Montevideo, letzterer traf am 19.6. in Rio ein. Das amerikanische Schulschiffgeschwader mit den Schiffen »Texas«, »New York« und »Arkansas« verließ den Hafen von Annapolis zu einem Besuch der Panamazone, Venezuelas und Westindiens. Weiter wurde bekannt, daß die USA beabsichtigten, 35 alte Zerstörer wieder in Dienst zu stellen und in die mit dem Neutralitätsschutz beauftragten Verbände einzugliedern. Voreilig schloß die deutsche Seekriegsleitung daraus, daß sich damit die Aussicht der Briten auf den Erwerb dieser Zerstörer verringerte.

die USS Texas 1937 im Panamakanal - falls die Wehrmacht England besetzt hätte, hätte die USA ihre Flotte eingesetzt, um alle amerikanischen Staaten in die US-geführten Vereinigten Nation von Amerika zu zwingen!
Mit den Flottenbewegungen verstärkten die Vereinigten Staaten ihre politischen Aktivitäten auf dem amerikanischen Kontinent. Pan-amerikanismus war das Schlagwort jener Zeit, und es gab im amerikanischen Außenministerium ernsthafte Überlegungen zur Gründung der »Vereinigten Nationen Amerikas« und sogar zur Besetzung südamerikanischer Länder, falls diese nicht selbst zum Schutz durch Entsendung amerikanischer Truppen ersuchten, wobei Hitler ganz offen als Vorbild zitiert wurde .
Im Juli fanden in Havanna panamerikanische Gespräche unter der Leitung des amerikanischen Außenministers Cordeil Hull statt. Aus den »Vereinigten Nationen Amerikas« wurde dabei ein realistischeres Konzept eines »Kartells der amerikanischen Staaten«. Die Bestrebungen gingen dahin, die Wirtschafts- und Verteidigungsmacht des Kontinents zusammenzufassen.
Man nahm an, daß nach der Niederschlagung Großbritanniens eine Pause, wenn nicht gar Frieden auf dem europäischen Kontinent herrschen würde. Ein integriertes Europa unter der Führung Deutschlands stellte einen gewaltigen Markt für die Überschüsse der amerikanischen Staaten dar, dessen Potential es wahrzunehmen galt. Ein Kartell auf der amerikanischen Seite würde als wirtschaftliches Gegengewicht nicht nur Preisstabilität garantieren, sondern die kleineren Länder davor bewahren, in den wirtschaftlichen Sog eines nationalsozialistischen Europa gezogen zu werden.
So sehr man in Amerika bereit war, sich mit einem Nachkriegs-Europa unter Hitlers Führung wirtschaftlich zu arrangieren, so wenig ließ sich eine militärische Bedrohung Amerikas durch die Achsenmächte verleugnen...
In den französischen und britischen Stützpunkten der Karibik sah die USA schon die deutsche Kriegsmarine agieren, unabhängig davon, welche Realitäten ein europäischer Friedensvertrag tatsächlich geschaffen hätte. Das einzige was greifbar war, wäre die Rückgabe sämtlicher deutscher Kolonien gewesen, die teilweise sogar von deutschen Steuergeld gekauft worden waren.
Nur tangierten diese Besitzungen keinesfalls US Interessen in Mittel-und Südamerika. Die USA nutzten jetzt diese angebliche Drohkulisse politisch aus, um seinen Einfluss massiv auszudehnen.
Nach der militärischen Niederlage Frankreichs und Großbritanniens fielen Deutschland auch die westatlantischen Besitzungen der beiden ehemaligen Großmächte zu. Wohl kaum als Besitzungen, aber mindestens mit Nutzungsrechte für die deutsche Kriegsmarine. Das hätte man jedenfalls nach einem Friedensvertrag nicht verhindern können. Das war aber nur die Theorie. Hätten die Commonwealth-Staaten unter einem Churchill im kanadischen Exil weitergekämpft - so wie dieser es angestrebt hatte - hätte die Umsetzung dieser Theorie kaum vollzogen werden können.
Auf der anderen Seite hätten sich sicher alle Commonwealth-Staaten die Frage nach dem weiteren Kriegssinn gestellt, wenn England den Krieg verloren hätte. Besonders in Südafrika mit seinen burischen Politikern gab es Bestrebungen diesen Krieg zu beenden. Das gleiche galt auch für Australien und Neuseeland, sowie Indien. Je weiter weg von Europa, desto sinnloser eine weitere Kriegsführung. Offensichtlich wäre wohl Kanada übriggeblieben, wo Churchill gedachte, die Reste der britischen Flotte zu sammeln. Europäische Stützpunkte waren ohnehin ohne England nicht zu halten. Spanien hätte Gibraltar bekommen und Italien Malta, vermutlich aber auch Zypern. Indien und Ägypten hätten ganz sicher die Situation genutzt um sich für unabhängig zu erklären. Der Irak hätte sich vom Protektoratsstatus losgesagt und in Palästina hätte die britische Ordnungsmacht ganz sicher die Kontrolle verloren. Der Commonwealth wäre deshalb am Freiheitswillen der unterjochten Kolonialvölker auseinandergebrochen. Am Ende hätte auch Kanada die Sinnlosigkeit einer weiteren Kriegsführung eingesehen, wahrscheinlich auch auf Druck der US-Wirtschaft, die mit Europa wieder ungestört handeln wollten.

Admiral William Standley
Der Chef des Planungsstabs der amerikanischen Marine, Admiral William Standley, erwartete eine erste Entscheidung in Neufundland. Schon im gegenwärtigen Zeitpunkt glaubte er, dass es den Deutschen gelingen könnte, die britische Flotte zu schwächen, zumindest aber sie in ihren Heimathäfen festzuhalten. Deutschland könnte sich dann in Island festsetzen, einen Stützpunkt in Grönland errichten und von dort aus Neufundland überfallen, womit der Hauptnachschub der Briten abgeschnitten wäre. Amerika mußte sich dann entscheiden, ob es diesen Angriff auf nordamerikanisches - wenn auch britisches — Territorium dulden könnte.
Standleys Drohszenario basierte aber auf extremer realitätsferner Spekulation - die deutsche Kriegsmarine war viel zu klein für eine Invasion auf Neufundland! Die britische Flotteneinheiten, die nicht nach Kanada entkommen konnten, hätten sich ganz sicher selbst versenkt. Auf die französische Flotte hatte Deutschland nach den Waffenstillstandsbedingungen keinen Zugriff und die Reste hätten sich nach Mers el Kebir nach einem bestehenden Versenkungsbefehl ebenfalls selbstversenkt. Es wäre also nichts da gewesen, womit man deutscherseits in Neufundland hätte landen können!

Das Life Magazin hatte deshalb auch für Standleys Fieberfantasie auch einen entsprechenden deutschen Plan zusammengebastelt. Die einzige reale Komponente waren deutsche Stützpunkte auf Grönland, aber ganz sicher nicht mit dem Hintergrund auf Neufundland zu landen! Tatsächlich betraten deutsche Soldaten eines U-Boot Kommandos das kanadische Labrador, um aber nur eine automatische Wetterstation zu errichten...

St.John's auf Neufundland - ein deutsches Invasionsziel? Bei gewissen Us-Militärs schon, aber niemals in Deutschland selbst! Die inszenierte Drohkulisse reichte aber aus, dass St.John's ab 1941 ein US Stützpunkt wurde!
In diesen dramatischen Wochen ging es den amerikanischen Planern nicht darum, den Franzosen und den Briten gegen Hitler beizustehen, sondern darum, ein »Eindringen der Achsenmächte in die westliche Hemisphäre« zu verhindern. General Marshall gab den Planern auf, die schlimmste Situation in Betracht zu ziehen, nämlich, daß sich die alliierten Flotten nicht mehr im Atlantik befänden. Die Zeit sei reif für eine Mobilisierung der National Guards und die Einstellung der Munitionslieferungen an England, so weit sie für die amerikanische Mobilisierung benötigt wurden. Generalstabschef Strong gab offen zu, daß Marshalls Vorgabe die baldige Niederlage der Alliierten als vollendete Tatsache voraussetze und daß Amerika nicht über die Mittel verfüge, die Situation entscheidend zu verändern. Er glaubte, daß Amerika als nächstes Opfer auf der Liste der Achsenmächte stand.
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[ Editiert von Administrator The Real Blaze am 05.04.09 12:13 ]
The Real Blaze
US-Häfen sollten als Operationsbasen für britische Flotteneinheiten dienen, wenn England deutsch besetzt war!
Wie die USA den Kriegseintritt nach Englands Niederlage plante
Am 31. Juli bat Churchill zum wiederholten Mal um Zerstörer, Torpedoboote und Flugboote: »Die Deutschen sind jetzt im Besitz der gesamten französischen Küste, von der aus U-Boote und Sturzkampfbomber gegen unsere Handelsflotte und den Lebensmittel nachschub operieren. Außerdem müssen wir ständig darauf vorbereitet sein, auf See eine drohende Invasion abzuwehren und zugleich einem Vorstoß von Norwegen nach Irland, Island, den Shetlands und Färöern zu begegnen. Wir müssen den westlichen Ausgang des Mittelmeeres und möglichst das Mittelmeer selbst beherrschen, um eine Ausweitung des Krieges auf Afrika zu verhindern.«
Die Antwort ließ lange auf sich warten. In Washington waren inzwischen die »Falken« aktiv geworden. Die Century Group, eine Vereinigung prominenter Interventionisten ( die US Kriegslobby ), hatte dem Präsidenten vorgeschlagen, den Briten die gewünschten Zerstörer zu liefern. Die Bedingungen waren allerdings wenig britenfreundlich und mehr an den amerikanischen Verteidigungsmaßnahmen orientiert.

US Marinestützpunkte, wie hier Bremerton, sollten nach Englands Niederlage Operationsbasen für Churchills Fluchtflotte werden, damit wäre die USA automatisch kriegsführende Nation geworden!
Im Fall einer Invasion England sollte die britische Flotte von kanadischen und amerikanischen Häfen aus operieren, und für die britischen Besitzungen in der westlichen Hemisphäre sollten sofort Konzessionen für Stützpunkte der amerikanischen Marine und Luftwaffe gemacht werden.
In einer Kabinettsitzung am 2. August wurde der Handel im Prinzip gutgeheißen und am 6. August öffentlich diskutiert. Am 13. August schrieb Roosevelt an Churchill: »Ich glaube, daß es möglich ist, der britischen Regierung als sofortige Hilfeleistung mindestens fünfzig Zerstörer, die bereits erwähnten Motortorpedoboote und fünf Flugzeuge jeder Kategorie als Testmaschinen zur Verfügung zu stellen.«
Das könne jedoch nur geschehen, wenn das amerikanische Volk und sein Kongreß erkennen könnten, daß dafür die nationale Verteidigung und die Sicherheit der Vereinigten Staaten gestärkt werde. Roosevelt verlangte daher:
1. Die Zusicherung des Premierministers: Für den Fall, daß die Gewässer Großbritanniens für die britische Flotte unhaltbar werden, wird letztere nicht den Deutschen übergeben oder versenkt, sondern sie wird in andere Teile des Britischen Empires geschickt, um es dort weiterzuverteidigen.
2. Die britische Regierung ermächtigt die Vereinigten Staaten, Neufundland, die Bermudas, die Bahamas, Jamaika, St. Lucia, Trinidad und British Guayana im Fall eines Angriffs einer nichtamerikanischen Nation auf die westliche Hemisphäre als Marine- und Luftwaffenstützpunkte zu benutzen; in der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten das Recht, solche Stützpunkte einzurichten und für Übungs- und Ausbildungszwecke zu benutzen. Das dazu benötigte Land kann von den Vereinigten Staaten gekauft oder für 99 Jahre gepachtet werden. «
Für die Briten war die Forderung von Stützpunkten im Gegenzug für die Lieferung von Zerstörern eine unangenehme Überraschung. Würde das nicht so aussehen, als ob Churchill für fünfzig ausgediente Zerstörer Teile des Britischen Weltreiches verhökerte? Churchill war sich der politischen Zwänge, denen Roosevelt unterlag, durchaus bewußt: »Wir können«, schrieb er, »in beiden Punkten Ihren Forderungen entsprechen, die Sie für notwendig erachten, um Ihnen im Kongreß und bei anderen zu helfen.«
Zugleich bedankte er sich in überschwenglichen Worten für die Bemühungen Roosevelts. Eine Woche später jedoch bat er den amerikanischen Präsidenten, zu bedenken, daß eine Aufrechnung der Zerstörer gegen die Teilhabe an britischen Besitzungen zu Mißverständnissen führen könne. Er wollte beide Transaktionen als nicht miteinander verbundene Geschenke betrachtet wissen. Außerdem machte er Roosevelt darauf aufmerksam, daß Neufundland im Interessengenbiet Kanadas liege, das natürlich erst konsultiert werden müsse.
Das britische Kabinett hatte kurz vor Roosevelts Forderung bereits über die Verpachtung von Stützpunkten im Westatlantik gesprochen. Es war gerade im Begriff gewesen, ein entsprechendes Angebot zu machen, denn das amerikanische Kriegsministerium hatte vorgeschlagen, der Pan-Am-Fluggesellschaft Nutzungsrechte auf britische Flugbasen in der Karibik einzuräumen, die dann automatisch von der amerikanischen Luftwaffe zum Schutz des Panamakanals genutzt werden sollten. Nun sah sich das britische Kabinett mit einer viel weitergehenden Forderung konfrontiert, die in keinem Verhältnis zu der Leistung stand, die die Amerikaner zu erbringen gedachten. Ganz abgesehen davon, daß diese Leistung indirekt auch der amerikanischen Verteidigung diente, war sie nach Ansicht der Briten materiell schon damit mehr als abgegolten, daß die Briten der amerikanischen Regierung das streng gehütete Geheimnis des Radar preisgegeben und Ingenieure in die Staaten geschickt hatten, um dort Radarstationen aufzubauen
.
Für die Amerikaner stand allerdings auch noch die alte, nie bezahlte Kriegsschuld der Briten aus dem Ersten Weltkrieg zu Buche. Sie tauchte in der Presse bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten immer wieder auf. Schwerer wog in Washington jedoch die vermeintliche Schwächung der eigenen Flotte. Darin waren die Amerikaner besonders empfindlich, denn die Einheiten ihrer Kriegsmarine waren die einzige wirklich schlagkräftige Waffe, über die die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt verfügten.
Für Roosevelt kam jetzt alles darauf an, aus wirklich zuverlässiger Quelle zu erfahren, was hinter Churchills Rhetorik stand, ob die Briten wirklich noch eine Chance in diesem Kampf hatten und ob sie -entgegen den Behauptungen Kennedys — fähig waren, sie auch wahrzunehmen.

Geheimdienstmann Oberst William Donovan im Augustv 1940 in England, sein Besuch war alles andere als geheim
Im Juli tauchte der Geheimdienstmann Oberst William Donovan in London auf, sehr zum Ärger Botschafter Kennedys, den das Außenministerium in Washington nicht über den Auftrag Donovans informiert hatte. Donovan selbst behauptete, die britischen Einberufungsgesetze als Modell für künftige amerikanische studieren zu wollen, außerdem suche er Material über den Aufbau einer Gegenspionageorganisation. Fest steht nur, daß er Roosevelt direkt über die militärische Situation auf den Britischen Inseln berichten sollte. Donovan blieb bis zum 2. August in England.

Brigadegeneral George V. Strong
Am 15. August kam ein ganzer Trupp von Beratern des amerikanischen Präsidenten nach England: Brigadegeneral George V. Strong, Chef des Planungsstabes des amerikanischen Heeres, Generalmajor Delos C. Emmons, der Planungschef des Heeresfliegerkorps und Konteradmiral Robert Ghormley, der Stellvertretende Operationschef der US-Marine. Ihre Mission war ebenso geheim wie die Donovans. Aber schon Wochen vorher war ihre Ankunft Gesprächsgegenstand auf Londoner Cocktailparties gewesen. Auch der Nachrichtendienst der deutschen Seekriegsleitung registrierte lakonisch die Ankunft des amerikanischen Admirals.
Die Briten hegten sehr hochgespannte Erwartungen. Sie sahen in dem Besuch den Anfang von Vorbereitungen zum Kriegseintritt Amerikas und wollten in Stabsgesprächen Nachschubmöglichkeiten und eventuelle gemeinsame Operationen skizzieren. Die Generäle wichen dem aus. Sie wollten sich nur kundig machen. Den Briten fiel es schwer, zu glauben, daß die Militärs ohne genaue Instruktionen nach London gekommen waren, sie paßten sich der Situation jedoch sehr schnell an. Die Besucher durften sich in allen Stäben und militärischen Einheiten umsehen. Churchill selbst fuhr mit den Amerikanern im Zug nach Dover, um ihnen einen Eindruck von der Kampfbereitschaft der Briten zu vermitteln - und von der Gefahr, in der das Inselreich schwebte.
Nach außen hin blieb alles beim alten: Amerika »saß auf dem Zaun« und sah zu, wie sich die Dinge entwickelten. Vor den Neuwahlen sollte es keine Entscheidungen, nicht einmal Diskussionen und nur ein Minimum an Hilfeleistungen geben. Es blieb der deutschen Luftwaffe vorbehalten, hier die erste Bresche zu schlagen.
[...]
Wie die USA den Kriegseintritt nach Englands Niederlage plante
Am 31. Juli bat Churchill zum wiederholten Mal um Zerstörer, Torpedoboote und Flugboote: »Die Deutschen sind jetzt im Besitz der gesamten französischen Küste, von der aus U-Boote und Sturzkampfbomber gegen unsere Handelsflotte und den Lebensmittel nachschub operieren. Außerdem müssen wir ständig darauf vorbereitet sein, auf See eine drohende Invasion abzuwehren und zugleich einem Vorstoß von Norwegen nach Irland, Island, den Shetlands und Färöern zu begegnen. Wir müssen den westlichen Ausgang des Mittelmeeres und möglichst das Mittelmeer selbst beherrschen, um eine Ausweitung des Krieges auf Afrika zu verhindern.«
Die Antwort ließ lange auf sich warten. In Washington waren inzwischen die »Falken« aktiv geworden. Die Century Group, eine Vereinigung prominenter Interventionisten ( die US Kriegslobby ), hatte dem Präsidenten vorgeschlagen, den Briten die gewünschten Zerstörer zu liefern. Die Bedingungen waren allerdings wenig britenfreundlich und mehr an den amerikanischen Verteidigungsmaßnahmen orientiert.

US Marinestützpunkte, wie hier Bremerton, sollten nach Englands Niederlage Operationsbasen für Churchills Fluchtflotte werden, damit wäre die USA automatisch kriegsführende Nation geworden!
Im Fall einer Invasion England sollte die britische Flotte von kanadischen und amerikanischen Häfen aus operieren, und für die britischen Besitzungen in der westlichen Hemisphäre sollten sofort Konzessionen für Stützpunkte der amerikanischen Marine und Luftwaffe gemacht werden.
In einer Kabinettsitzung am 2. August wurde der Handel im Prinzip gutgeheißen und am 6. August öffentlich diskutiert. Am 13. August schrieb Roosevelt an Churchill: »Ich glaube, daß es möglich ist, der britischen Regierung als sofortige Hilfeleistung mindestens fünfzig Zerstörer, die bereits erwähnten Motortorpedoboote und fünf Flugzeuge jeder Kategorie als Testmaschinen zur Verfügung zu stellen.«
Das könne jedoch nur geschehen, wenn das amerikanische Volk und sein Kongreß erkennen könnten, daß dafür die nationale Verteidigung und die Sicherheit der Vereinigten Staaten gestärkt werde. Roosevelt verlangte daher:
1. Die Zusicherung des Premierministers: Für den Fall, daß die Gewässer Großbritanniens für die britische Flotte unhaltbar werden, wird letztere nicht den Deutschen übergeben oder versenkt, sondern sie wird in andere Teile des Britischen Empires geschickt, um es dort weiterzuverteidigen.
2. Die britische Regierung ermächtigt die Vereinigten Staaten, Neufundland, die Bermudas, die Bahamas, Jamaika, St. Lucia, Trinidad und British Guayana im Fall eines Angriffs einer nichtamerikanischen Nation auf die westliche Hemisphäre als Marine- und Luftwaffenstützpunkte zu benutzen; in der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten das Recht, solche Stützpunkte einzurichten und für Übungs- und Ausbildungszwecke zu benutzen. Das dazu benötigte Land kann von den Vereinigten Staaten gekauft oder für 99 Jahre gepachtet werden. «
Für die Briten war die Forderung von Stützpunkten im Gegenzug für die Lieferung von Zerstörern eine unangenehme Überraschung. Würde das nicht so aussehen, als ob Churchill für fünfzig ausgediente Zerstörer Teile des Britischen Weltreiches verhökerte? Churchill war sich der politischen Zwänge, denen Roosevelt unterlag, durchaus bewußt: »Wir können«, schrieb er, »in beiden Punkten Ihren Forderungen entsprechen, die Sie für notwendig erachten, um Ihnen im Kongreß und bei anderen zu helfen.«
Zugleich bedankte er sich in überschwenglichen Worten für die Bemühungen Roosevelts. Eine Woche später jedoch bat er den amerikanischen Präsidenten, zu bedenken, daß eine Aufrechnung der Zerstörer gegen die Teilhabe an britischen Besitzungen zu Mißverständnissen führen könne. Er wollte beide Transaktionen als nicht miteinander verbundene Geschenke betrachtet wissen. Außerdem machte er Roosevelt darauf aufmerksam, daß Neufundland im Interessengenbiet Kanadas liege, das natürlich erst konsultiert werden müsse.
Das britische Kabinett hatte kurz vor Roosevelts Forderung bereits über die Verpachtung von Stützpunkten im Westatlantik gesprochen. Es war gerade im Begriff gewesen, ein entsprechendes Angebot zu machen, denn das amerikanische Kriegsministerium hatte vorgeschlagen, der Pan-Am-Fluggesellschaft Nutzungsrechte auf britische Flugbasen in der Karibik einzuräumen, die dann automatisch von der amerikanischen Luftwaffe zum Schutz des Panamakanals genutzt werden sollten. Nun sah sich das britische Kabinett mit einer viel weitergehenden Forderung konfrontiert, die in keinem Verhältnis zu der Leistung stand, die die Amerikaner zu erbringen gedachten. Ganz abgesehen davon, daß diese Leistung indirekt auch der amerikanischen Verteidigung diente, war sie nach Ansicht der Briten materiell schon damit mehr als abgegolten, daß die Briten der amerikanischen Regierung das streng gehütete Geheimnis des Radar preisgegeben und Ingenieure in die Staaten geschickt hatten, um dort Radarstationen aufzubauen
.
Für die Amerikaner stand allerdings auch noch die alte, nie bezahlte Kriegsschuld der Briten aus dem Ersten Weltkrieg zu Buche. Sie tauchte in der Presse bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten immer wieder auf. Schwerer wog in Washington jedoch die vermeintliche Schwächung der eigenen Flotte. Darin waren die Amerikaner besonders empfindlich, denn die Einheiten ihrer Kriegsmarine waren die einzige wirklich schlagkräftige Waffe, über die die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt verfügten.
Für Roosevelt kam jetzt alles darauf an, aus wirklich zuverlässiger Quelle zu erfahren, was hinter Churchills Rhetorik stand, ob die Briten wirklich noch eine Chance in diesem Kampf hatten und ob sie -entgegen den Behauptungen Kennedys — fähig waren, sie auch wahrzunehmen.

Geheimdienstmann Oberst William Donovan im Augustv 1940 in England, sein Besuch war alles andere als geheim
Im Juli tauchte der Geheimdienstmann Oberst William Donovan in London auf, sehr zum Ärger Botschafter Kennedys, den das Außenministerium in Washington nicht über den Auftrag Donovans informiert hatte. Donovan selbst behauptete, die britischen Einberufungsgesetze als Modell für künftige amerikanische studieren zu wollen, außerdem suche er Material über den Aufbau einer Gegenspionageorganisation. Fest steht nur, daß er Roosevelt direkt über die militärische Situation auf den Britischen Inseln berichten sollte. Donovan blieb bis zum 2. August in England.

Brigadegeneral George V. Strong
Am 15. August kam ein ganzer Trupp von Beratern des amerikanischen Präsidenten nach England: Brigadegeneral George V. Strong, Chef des Planungsstabes des amerikanischen Heeres, Generalmajor Delos C. Emmons, der Planungschef des Heeresfliegerkorps und Konteradmiral Robert Ghormley, der Stellvertretende Operationschef der US-Marine. Ihre Mission war ebenso geheim wie die Donovans. Aber schon Wochen vorher war ihre Ankunft Gesprächsgegenstand auf Londoner Cocktailparties gewesen. Auch der Nachrichtendienst der deutschen Seekriegsleitung registrierte lakonisch die Ankunft des amerikanischen Admirals.
Die Briten hegten sehr hochgespannte Erwartungen. Sie sahen in dem Besuch den Anfang von Vorbereitungen zum Kriegseintritt Amerikas und wollten in Stabsgesprächen Nachschubmöglichkeiten und eventuelle gemeinsame Operationen skizzieren. Die Generäle wichen dem aus. Sie wollten sich nur kundig machen. Den Briten fiel es schwer, zu glauben, daß die Militärs ohne genaue Instruktionen nach London gekommen waren, sie paßten sich der Situation jedoch sehr schnell an. Die Besucher durften sich in allen Stäben und militärischen Einheiten umsehen. Churchill selbst fuhr mit den Amerikanern im Zug nach Dover, um ihnen einen Eindruck von der Kampfbereitschaft der Briten zu vermitteln - und von der Gefahr, in der das Inselreich schwebte.
Nach außen hin blieb alles beim alten: Amerika »saß auf dem Zaun« und sah zu, wie sich die Dinge entwickelten. Vor den Neuwahlen sollte es keine Entscheidungen, nicht einmal Diskussionen und nur ein Minimum an Hilfeleistungen geben. Es blieb der deutschen Luftwaffe vorbehalten, hier die erste Bresche zu schlagen.
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