Foren » Lebens- und Liebeshilfe » Archiv Psychotanten » Nicht verzeihen können - warum ?

Ich habe da einen Freund, mit dem ich mich einmal sehr gut verstanden habe.
Wir konnten über alles reden - und ich habe mich in seiner Gegenwart einfach nur wohl gefühlt, mich auf unsere Treffen gefreut.
Es kam dann der Tag, an dem ER anfing, zu lästern über abwesende Menschen (die sich nicht wehren können), und das immer heftiger.
Ich habe ihm dann ein ziemlich hartes Feedback gegeben (zwar nicht sofort, weil ich so geschockt war) - und seitdem kann er mich nicht verzeihen.
Er sagt, dass er mich nicht mehr sehen will, dass ICH ja so gemein wäre, dass er keinen Bock auf Stress hat (denn den hat er schon genug im Job und mit seiner Frau). Wir führen dann wieder elendig lange Diskussionen darüber, wieso, weshalb und warum das mit uns nicht mehr gehen kann (ich gebe dann meistens klein bei, entschuldige mich für Dinge, die ich gar nicht verbrochen habe!)
Er WILL nicht verzeihen (warum auch immer?!), ich glaube auch, dass es ihm ungeheuer schmeichelt, wenn ich so leide wegen ihm.
Warum können Menschen nicht verzeihen? Vor allem bei Banalitäten, die sie im Grunde sogar selbst zu verantworten haben...?
Ich kann das alles nicht verstehen
Hallo Maus,

kann es sein, dass Du hier schon mal vor einiger Zeit als "Traurige Maus" gepostet hast und es hier wieder um den selben Mann geht wie schon damals in den Postings (ich frage das jetzt nur mal interessehalber so vorweg).

Ansonsten würde ich zu der von Dir geschilderten Situation einfach mal fragen, ob er Dir denn überhaupt etwas zu verzeihen hat. Denn so, wie Du es schilderst, hast Du doch eigentlich keinen Fehler gemacht, den er Dir verzeihen müsste. Kann es nicht einfach sein, dass das ganze für ihn ein Vorwand ist, um den Kontakt zu Dir zu reduzieren oder gar abzubrechen.

Ich halte es sowieso für etwas merkwürdig, wenn sich ein verheirateter Mann regelmäßig (allein) mit einer anderen Frau trifft und mit ihr dann stundenlang redet und diskutiert. Da wundert es mich auch nicht, dass er Streß mit seiner Frau hat, da würden wohl die meisten Frauen "Streß machen" (weiß seine Frau eigentlich von Euren Treffen und was sagt sie dazu ?).

Kann es sein, dass die Treffen mit Dir für ihn einfach nur so lange schön und bequem waren, so lange für ihn alles unkompliziert war und er sich mit Dir nicht weiter auseinandersetzen musste, dass er aber die Flucht ergreift, sobald Probleme und Konflikte auftauchen ? Zumal die Treffen mit Dir für ihn vermutlich auch noch mit weiteren Problemen verbunden sind (nämlich den Problemen, die er deswegen mit seiner Frau bekommt).

Und letztendlich: was erwartest Du, wie sich Eure "Beziehung" in Zukunft weiter entwickeln soll - insbesondere vor dem Hintergrund, dass er verheiratet ist ? Die Treffen scheinen für Dich doch einen ziemlich hohen Stellenwert gehabt zu haben. Welchen Stellenwert hatten sie für ihn ? Kann es nicht sein, dass Du selber hierdurch für eine eigene Partnerschaft blockiert wirst und es eigentlich auch für Dich besser wäre, wenn diese Treffen nicht mehr stattfinden ?

Vielleicht wäre es ja auch besser für Dich, Abstand von diesem Mann zu bekommen, um Dich auf den Aufbau einer eigenen "wirklichen" Partnerschaft konzentrieren zu können. (Ich gehe einfach mal davon aus, dass Du zur Zeit solo bist, denn sonst würdest Du Dir den Kopf vermutlich nicht so viel über diesen Typen zerbrechen. Ich kann mich in meiner Einschätzung natürlich auch irren).

Gruß, Lui
>kann es sein, dass Du hier schon mal vor einiger Zeit als "Traurige Maus" gepostet hast und es hier wieder um den selben Mann geht wie schon damals in den Postings (ich frage das jetzt nur mal interessehalber so vorweg).

Ja, das war ich auch schon einmal...


>Ansonsten würde ich zu der von Dir geschilderten Situation einfach mal fragen, ob er Dir denn überhaupt etwas zu verzeihen hat. Denn so, wie Du es schilderst, hast Du doch eigentlich keinen Fehler gemacht, den er Dir verzeihen müsste. Kann es nicht einfach sein, dass das ganze für ihn ein Vorwand ist, um den Kontakt zu Dir zu reduzieren oder gar abzubrechen.

Ich kenne den wahren Grund nicht für sein Verhalten. Ich glaube manchmal, dass es Menschen gibt, die das brauchen: andere herunterzumachen oder einzuschüchtern. Da er weiß, wie sehr ich unter seinem "Nicht-Verzeihen-Können" leide, ist es für ihn ein Leichtes, mir noch mehr schlechtes Gewissen einzuimpfen, dass ich mich vollends für alles schuldig und verantwortlich fühle.
Er ist nicht der Mensch, der zu dem steht, was er mal gesagt hat - sondern es sind die anderen, die es falsch oder überempfindlich auffassen und daher ein "Problem" aus allem machen.


>Ich halte es sowieso für etwas merkwürdig, wenn sich ein verheirateter Mann regelmäßig (allein) mit einer anderen Frau trifft und mit ihr dann stundenlang redet und diskutiert. Da wundert es mich auch nicht, dass er Streß mit seiner Frau hat, da würden wohl die meisten Frauen "Streß machen" (weiß seine Frau eigentlich von Euren Treffen und was sagt sie dazu ?).

Wir unterhalten uns sehr gut, sonst passiert nichts weiter.
Zwischen uns stimmt einfach die Chemie 100%ig, und ich habe das Gefühl, dass mir nie langweilig wird, mit ihm sprechen, weil ich immer 100000 Fragen habe an ihn und vieles erzählen möchte.
Nein, die Frau weiß nichts davon, überhaupt gar nichts. Er sagt, sie versteht das nicht, hat Angst ihn zu verlieren; also hält er den Mund und hat keinen Stress... Ich finde das nicht o.k., denn wir machen ja nichts verbotenes, und ich finde es auch wichtig, dass Männer und Frauen platonische Freundschaften haben können. Ich nehme niemandem was weg, da ich ihn nicht heiraten will oder ähnliches. Im Gegensatz zu Lebensgemeinschaften und Partnerschaften besteht so eine Freundschaft ausschließlich auf der Basis von Gefühlen. Glaubst du nicht, dass das geht? Platonisch?


>Und letztendlich: was erwartest Du, wie sich Eure "Beziehung" in Zukunft weiter entwickeln soll - insbesondere vor dem Hintergrund, dass er verheiratet ist ?

Dass wir uns weiter unterhalten und vertrauen können, so wie es nun bereits 2.5 Jahre geht. Und dass wir uns helfen, wenn was ist oder es einem mal schlecht geht...mehr NICHT ! !


>Die Treffen scheinen für Dich doch einen ziemlich hohen Stellenwert gehabt zu haben. Welchen Stellenwert hatten sie für ihn ?

Ich weiß das nicht, weil ich nicht in ihn hineinblicken kann.
Für mich waren sie wichtig, denn ich kann dadurch viel lernen.
Er ist für mich so was wie ein Vater (zumal er auch sehr viel älter ist), denn ich hatte niemals einen Vater, der mich unterstützt oder ernstgenommen hat. Meiner hat mich ignoriert und geschlagen...und daher durchlebe ich mit diesem Mann etwas, was ich niemals vorher hatte. Schwierig, so etwas zu verstehen, zumal ich auch nicht mehr 5 Jahre bin...


>Kann es nicht sein, dass Du selber hierd>urch für eine eigene Partnerschaft blockiert wirst und es eigentlich auch für Dich besser wäre, wenn diese Treffen nicht mehr stattfinden ?

Ich bin absolut beziehungsunfähig, schon seit Jahren, weil ich diese difuse, verletzende Beziehung mit meinem Vater hatte. Ich denke daher, dass es wichtig ist mit diesem Mann, weil ich glaube erst in der Gewissheit, einen "Vater" im Hintergrund zu haben, mit einem anderen Mann eine Partnerschaft zu leben.
Vielleicht schaffe ich es dann ja

byebye Maus
Hallo Maus,

>Im Gegensatz zu Lebensgemeinschaften und Partnerschaften besteht so eine Freundschaft ausschließlich auf der Basis von Gefühlen. Glaubst du nicht, dass das geht? Platonisch?

Grundsätzlich halte ich das sicherlich schon für möglich. Ich kenne auch einige verheiratete Frauen (z.B. aus meinem Kollegenumfeld), von denen ich sagen würde, dass es für mich gute Freundinnen sind. Allerdings treffe ich mich mit ihnen nicht regelmäßig und wenn, dann meist in Gegenwart von deren Ehemännern (mit denen ich mich auch gut angefreundet habe) und schon gar nicht heimlich hinter dem Rücken von deren Ehemännern.

Auch haben diese Frauen in meinem Leben einen wesentlich geringeren Stellenwert als offensichtlich dieser Freund für Dich. Ich meine, wenn eine davon plötzlich anfangen würde, mich so zu behandeln, wie Du es von diesem Typen schreibst, wäre ich sicherlich auch sehr enttäuscht, aber ich würde nicht so darunter leiden, wie dies bei Dir der Fall zu sein scheint und würde die "Freundschaft" (bzw. das was ich dafür gehalten hätte) dann halt notgedrungen abhaken.

>>Und letztendlich: was erwartest Du, wie sich Eure "Beziehung" in Zukunft weiter entwickeln soll - insbesondere vor dem Hintergrund, dass er verheiratet ist ?
>Dass wir uns weiter unterhalten und vertrauen können, so wie es nun bereits 2.5 Jahre geht. Und dass wir uns helfen, wenn was ist oder es einem mal schlecht geht...mehr NICHT ! !

Vertraust Du ihm denn ? Du meinst doch, Du könntest nicht in ihn hineinblicken und weißt auch nicht, aus welchem Grund er Dich so behandelt. Und bist du sicher, dass er Dir gegenüber mit der Wahrheit nicht genauso "großzügig" umgeht wie gegenüber seiner Frau (was erzählt er ihr denn, wo er hingeht, wenn ihr Euch trefft). Auch verstehe ich es so, dass er im Moment doch eine wesentliche Ursache dafür zu sein scheint, dass es Dir schlecht geht (von wegen der Hilfe, die Du Dir von ihm für den Fall erhoffst, wenn es Dir mal schlecht geht).

>Er ist für mich so was wie ein Vater (zumal er auch sehr viel älter ist), denn ich hatte niemals einen Vater, der mich unterstützt oder ernstgenommen hat. Meiner hat mich ignoriert und geschlagen...und daher durchlebe ich mit diesem Mann etwas, was ich niemals vorher hatte. Schwierig, so etwas zu verstehen, zumal ich auch nicht mehr 5 Jahre bin...

Auch wenn dieser Mann Dich zwar nicht schlägt, hört es sich für mich doch so an, als ob er Dich dennoch nicht gerade gut behandelt. Ich meine, man kann jemanden ja auch seelisch mißhandeln. Und Du scheinst doch schon sehr unter der Situation bzw. unter seinem Verhalten zu leiden.

>Ich bin absolut beziehungsunfähig, schon seit Jahren, weil ich diese difuse, verletzende Beziehung mit meinem Vater hatte. Ich denke daher, dass es wichtig ist mit diesem Mann, weil ich glaube erst in der Gewissheit, einen "Vater" im Hintergrund zu haben, mit einem anderen Mann eine Partnerschaft zu leben.

Leider bin ich auch kein Psychologe und weiß daher auch nicht, was ich hierzu raten soll. Allerdings hört sich das ganze Problem für mich schon ziemlich komplex an. Hast Du denn schon mal daran gedacht, eine Therapie zu machen ?

Gruß, Lui
Hallo Lui,

>Grundsätzlich halte ich das sicherlich schon für möglich. Ich kenne auch >einige verheiratete Frauen (z.B. aus meinem Kollegenumfeld), von denen ich >sagen würde, dass es für mich gute Freundinnen sind. Allerdings treffe ich >mich mit ihnen nicht regelmäßig und wenn, dann meist in Gegenwart von deren >Ehemännern (mit denen ich mich auch gut angefreundet habe) und schon gar nicht >heimlich hinter dem Rücken von deren Ehemännern.

Das finde ich sehr schön, und so sollte das ja auch sein. Leider habe ich keine Kollegen, da ich arbeitslos bin, und davor habe ich studiert (da gab es kaum Männer) und im letzten Job war ich sozial total isoliert, da ich auf einer Leiterstelle gearbeitet habe (und auch dort waren nur Frauen, alles Smalltalk und so). Ich beneide jeden Menschen, der ein nettes Kollegium hat, wo man täglich freundschaftlich miteinander umgehen und sich auch privat unterhalten kann...


>Auch haben diese Frauen in meinem Leben einen wesentlich geringeren >Stellenwert als offensichtlich dieser Freund für Dich. Ich meine, wenn eine >davon plötzlich anfangen würde, mich so zu behandeln, wie Du es von diesem >Typen schreibst, wäre ich sicherlich auch sehr enttäuscht, aber ich würde >nicht so darunter leiden, wie dies bei Dir der Fall zu sein scheint und würde >die "Freundschaft" (bzw. das was ich dafür gehalten hätte) dann halt notgedrungen abhaken.

Wenn man viele zur Auswahl hat und auch sonst ein ausgewogenes soziales Netz um sich herum hat, dann ist das sicher auch der richtige Weg. Du bist verheiratet und deinen Job - du hast jeden Tag genügend Menschen um dich herum, denen du was erzählen kannst und die sich für dich interessieren. Mir fehlt das alles. Leider.


>Vertraust Du ihm denn ? Du meinst doch, Du könntest nicht in ihn hineinblicken >und weißt auch nicht, aus welchem Grund er Dich so behandelt. Und bist du >sicher, dass er Dir gegenüber mit der Wahrheit nicht genauso "großzügig" >umgeht wie gegenüber seiner Frau (was erzählt er ihr denn, wo er hingeht, wenn >ihr Euch trefft). Auch verstehe ich es so, dass er im Moment doch eine >wesentliche Ursache dafür zu sein scheint, dass es Dir schlecht geht (von >wegen der Hilfe, die Du Dir von ihm für den Fall erhoffst, wenn es Dir mal >schlecht geht).

Wenn ich ihn verliere, dann habe ich gar nichts mehr. Vielleicht gehts mir dann auch wieder besser und ich bin gezwungen, mich um neue Menschen zu kümmern (und sei es in einem Arbeitslosenzentrum). Es kann sein, dass er über mich genauso lästert wie bei mir über seine Frau. Das macht er vielleicht immer so. Naja, und als ich krank war, da hat es ihn überhaupt gar nicht interessiert, da war ich lästig (du hast schon recht, halt nur wenn's lustig und spaßig ist, und sobald Probleme auftauchen - die Fliege machen).
Ich finde das seiner Frau gegenüber auch nicht nett, zumal ja nichts ist.
Sie denkt halt, er sitzt wieder länger auf der Arbeit.
Ich möchte einfach, dass die Fronten geklärt wären: Er sagt, dass er mich kennt, sie weiß davon und ich lerne sie auch kennen. Und wenn sie das nicht akzeptiert, dann ziehe ich mich zurück (ich habe das ihm gegenüber auch immer wieder so gesagt!!). Aber es wird niemals sein dürfen, und wenn ich dann "androhe", dass ich seine Frau anrufe, weil ich sie kennenlernen und mich ihr vorstellen will, dann dreht der Mann durch und sagt "Das wäre der mieseste Vertrauensbruch meines Lebens. Dann wäre es mit uns endgültig aus!". Dabei habe ich nichts getan (schon wieder einmal...). Ich kann das alles einfach überhaupt nicht verstehen. Würdest du das in Erwägung ziehen, mit der Frau zu sprechen (aus o.g. Gründen)? Damit die Sache geklärt wäre (für alle Seiten), und so alle fair und ehrlich behandelt werden? (Er will gar nicht ehrlich sein; so ist es für ihn am bequemsten...und alle spielen ja auch mit...)


>Auch wenn dieser Mann Dich zwar nicht schlägt, hört es sich für mich doch so >an, als ob er Dich dennoch nicht gerade gut behandelt. Ich meine, man kann >jemanden ja auch seelisch mißhandeln. Und Du scheinst doch schon sehr unter >der Situation bzw. unter seinem Verhalten zu leiden.
>Leider bin ich auch kein Psychologe und weiß daher auch nicht, was ich hierzu >raten soll. Allerdings hört sich das ganze Problem für mich schon ziemlich >komplex an. Hast Du denn schon mal daran gedacht, eine Therapie zu machen ?

Ich mache schon eine Therapie, und ich hoffe, dass das alles dann aufgearbeitet werden kann - aber sein Verhalten werde ich niemals verstehen. Und so einfach komme ich aus der Situation nicht heraus (s.o.).

Danke für deine Antworten
Maus
Hallo Maus,

>>Ich beneide jeden Menschen, der ein nettes Kollegium hat, wo man täglich freundschaftlich miteinander umgehen und sich auch privat unterhalten kann...

Ich bin auch froh um alle meine NETTEN Kollegen (gottlob ist die Mehrzahl nett) und weiß es auch zu schätzen, dass ich den Job habe. Nach meinem Studium war ich nämlich auch erst mal fast ein Jahr arbeitslos, ist allerdings mittlerweile schon einige Jahre her, aber ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit.

Allerdings gibt es auch am Arbeitsplatz mitunter ziemliche Spannungen und Konflikte, auch solche, die einen belasten und die man mit nachhause nimmt (im Gegensatz zu Freunden kann man sich die Kollegen eben leider nicht aussuchen).

>Du bist verheiratet und deinen Job - du hast jeden Tag genügend Menschen um dich herum, denen du was erzählen kannst und die sich für dich interessieren. Mir fehlt das alles. Leider.

Ich bin auch weder verheiratet noch sonstwie gebunden und lebe auch allein. Allerdings gebe ich zu, dass ich durch den Job wenigstens sicher sein kann, jeden Tag Gesprächspartner zum Reden zu haben, was zumindest tagsüber keine Einsamkeitsgefühle aufkommen läßt und dass sich aus dem kollegialen Umfeld auch private Freundschaften ergeben.

>Wenn ich ihn verliere, dann habe ich gar nichts mehr. Vielleicht gehts mir dann auch wieder besser und ich bin gezwungen, mich um neue Menschen zu kümmern (und sei es in einem Arbeitslosenzentrum).

Ich denke, Du solltest Dich AUF JEDEN FALL darum bemühen, auch Kontakt zu anderen Leuten zu bekommen. Ganz unabhängig von Eurer speziellen Situation denke ich, dass man generell einer einzelnen Person meist zuviel Verantwortung aufbürdet, wenn sie für einen das gesamte soziale Umfeld darstellen soll (zumal wenn die Person eigentlich anderweitig in einer Partnerschaft gebunden ist).

>Würdest du das in Erwägung ziehen, mit der Frau zu sprechen (aus o.g. Gründen)?

Das würde ich auf gar keinen Fall machen. Das wäre wirklich seine Sache. Und wenn du es tätest, würde garantiert nichts gutes dabei herauskommen. Er wäre dann sauer auf Dich und seine Frau wäre sauer auf ihn. Und wer weiß, was er seiner Frau dann erzählen würde. Bringen würde Dir das gar nichts.

>Ich mache schon eine Therapie, und ich hoffe, dass das alles dann aufgearbeitet werden kann - aber sein Verhalten werde ich niemals verstehen. Und so einfach komme ich aus der Situation nicht heraus (s.o.).

Dass es nicht einfach ist, aus so einer Situation herauszukommen, glaube ich Dir aufs Wort. Sein Verhalten verstehen zu wollen, würde ich an Deiner Stelle allerdings auch gar nicht weiter versuchen. Bestimmt ist es wichtiger zu überlegen, auf welche Weise Du mit anderen Menschen in Kontakt kommen kannst.

Gibt es über das Arbeitsamt nicht auch Weiterbildungskurse oder ähnliches, wo Du unter Leute kommen würdest ? Oder irgendwelche Kurse an der Volkshochschule ? Irgendetwas müsste sich doch finden lassen. Ich denke, dass schlimmste ist, wenn man den ganzen Tag allein ist und Zeit zum Grübeln hat.

Gruß, Lui
Hallo Lui,

>Ich denke, Du solltest Dich AUF JEDEN FALL darum bemühen, auch Kontakt zu >anderen Leuten zu bekommen. Ganz unabhängig von Eurer speziellen Situation denke ich, dass man generell einer einzelnen Person meist zuviel Verantwortung >aufbürdet, wenn sie für einen das gesamte soziale Umfeld darstellen soll
>(zumal wenn die Person eigentlich anderweitig in einer Partnerschaft gebunden >ist).

Ich werde in nächster Zeit ein paar VHS-Kurse machen, auch wenn mir das schwerfällt. Aber so komme ich dann wenigstens ab und an mal vor die Tür. Ich muss mich einfach aufraffen, was Neues anzufangen, auf Menschen zuzugehen, auch wenn ich arbeitslos bin (und damit gesellschaftlich gesehen ein Defizit habe).
Ich wäre so froh, wenn ich irgendwo in einem netten Team arbeiten könnte, wo man sich unterstützt, auch mal prívat was machen kann. Ich konnte das bisher in dieser Form so niemals (das letzte Kollegium hat sich gehasst: immer Spannungen, Betriebsausflüge wurden gestrichen..alles sehr merkwürdig...und das war mein 1. Job).


>Das würde ich auf gar keinen Fall machen. Das wäre wirklich seine Sache. Und wenn du es tätest, würde garantiert nichts gutes dabei herauskommen. Er wäre dann sauer auf Dich und seine Frau wäre sauer auf ihn. Und wer weiß, was er seiner Frau dann erzählen würde. Bringen würde Dir das gar nichts.

Es bringt mir persönlich nichts, es wäre nur ehrlich und fair für alle Seiten.
Ich wäre nicht mehr das "Geheimnis am Nachmittag", seine Frau wüsste von mir (und wie gesagt: wenn sie es nicht will, dann ziehe ich mich zurück!) und wir könnten auch mal was zusammen machen (aber das wollte er nie...). Vielleicht ist da doch vieles ganz anders als er es mir erzählt hat (vielleicht hat sie zuhause die Pantoffeln an und er ist in Wahrheit ein armes kleines Würstchen).
Für mich ist das alles zu konfus...und du hast Recht: Ich sollte mir darum nicht länger Gedanken machen (denn ich finde sowieso keine Lösung).


>Gibt es über das Arbeitsamt nicht auch Weiterbildungskurse oder ähnliches, wo Du unter Leute kommen würdest ? Oder irgendwelche Kurse an der Volkshochschule ? Irgendetwas müsste sich doch finden lassen. Ich denke, dass schlimmste ist, wenn man den ganzen Tag allein ist und Zeit zum Grübeln hat.

Ich gehe mal davon aus, dass ich aufgrund meiner Qualifikationen nicht sehr lange arbeitslos bin - eine Umschulung werde ich nicht finanziert kriegen.
Ich muss daher die Zeit versuchen täglich positiv und aktiv zu nutzen, ihn loszulassen und neue Menschen kennenlernen.

Ich danke dir für alle Antworten
Maus
Hallo Maus,
Eure schöne Diskussion habe ich gern mitverfolgt, und möchte hier zu einem Aspekt meine Meinung abgeben:

Ich stimme Lui voll zu, dass du auf keinen Fall die Frau deines Freundes informieren solltest. Ich denke, das wäre sogar sehr unfair besonders der Frau gegenüber.
Stelle dir vor, wie du reagieren würdest: Du ahnst nichts böses, da kommt plötzlich eine wildfremde Frau auf dich zu, um dir zu sagen, dass sie mit deinem Mann eng (sehr eng) befreundet ist, dass das aber alles ganz harmlos ist. Was würdest du denken, würdest du dieser Frau tatsächlich glauben, was sie erzählt, nicht sauer auf deinen Mann sein, weil er dich 2,5 Jahre hintergangen hat, diese Frau gern kennenlernen wollen???
Wenn ich mich in die Situation der Frau deines Freundes hineinversetze, dann wäre ich
1. SEHR sauer auf meinen Mann und würde so eine Verhalten als krasse Unehrlichkeit werten, als Beweis mangelnden Vertrauens in mich und mangelnder Vertrauenswürdigkeit seinerseits. Ich würde mir sehr überlegen, wie weit ich ihm in Zukunft noch trauen kann. Er hätte also mächtig Gegenwind zu erwarten.
2. Würde ich dir von deiner Geschichte nur einen Bruchteil glauben. Deine ehrenwerten Motive würde ich dir nämlich nicht eine Sekunde abnehmen (an der Stelle dieser Frau), sondern ich würde schliessen, das da etwas zwischen euch ist (warum hätte mein Mann es mir sonst so lange verschwiegen?) und dass du jetzt nur zu mir kommst, um mich zu verletzen und um einen endgültigen Keil zwischen mich und meinen Mann zu treiben. Ich wäre also sehr sicher, dass zwischen dir und meinem Mann "was ist".
Der Effekt wäre sicher, dass dein Freund dann enorm sauer auf dich wäre, weil du ihm seine Ehe ganz heftig zer- oder gestört hast.
Der Frau gegenüber wäre das extrem unfair, da sie sicher sehr leiden würde (sie kann ja nicht beurteilen, was wahr ist)und jede Menge Angst um ihre Ehe hätte.
Das kannst du ihr nicht wirklich antun wollen, oder?

Alles Gute!

Suppenkelle
Liebe Suppenkelle,

>Stelle dir vor, wie du reagieren würdest: Du ahnst nichts böses, da kommt >plötzlich eine wildfremde Frau auf dich zu, um dir zu sagen, dass sie mit >deinem Mann eng (sehr eng) befreundet ist, dass das aber alles ganz harmlos >ist. Was würdest du denken, würdest du dieser Frau tatsächlich glauben, was >sie erzählt, nicht sauer auf deinen Mann sein, weil er dich 2,5 Jahre >hintergangen hat, diese Frau gern kennenlernen wollen???

Allerdings, ich wäre auch sauer auf meinen Mann, aber das hat letztendlich der
Mann zu verantworten - weder sein Frau (unschuldig) noch ich (genauso unschuldig). Da ER derjenige ist, der nur unter Heimlichkeiten diese ganze "Beziehung" laufen lassen will (ich bin davon überzeugt aus dem reinen Grund der Bequemlichkeit), mache ich gar nichts falsch (was er mir aber gerne wieder einreden würde, und du anscheinend auch...)


>Wenn ich mich in die Situation der Frau deines Freundes hineinversetze, dann >wäre ich
>1. SEHR sauer auf meinen Mann und würde so eine Verhalten als krasse >Unehrlichkeit werten, als Beweis mangelnden Vertrauens in mich und mangelnder >Vertrauenswürdigkeit seinerseits. Ich würde mir sehr überlegen, wie weit ich >ihm in Zukunft noch trauen kann. Er hätte also mächtig Gegenwind zu erwarten.

Ja, aber auch das hat er selbst zu verantworten. Ich bin kein Mensch von Heimlichkeiten, und es gibt bei uns auch keinen Grund dazu. Und ich habe immer gesagt: "Wenn deine Frau mich kennengelernt hat und das nicht will, dann ziehe ich mich zurück, denn deine Ehe ist mir wichtiger!" Also kann man mir jetzt nicht den Vorwurf machen, dass ich Vertrauen missbrauchen, eine Ehe zerstören oder hier irgendwie herumtricksen würde...


>2. Würde ich dir von deiner Geschichte nur einen Bruchteil glauben. Deine >ehrenwerten Motive würde ich dir nämlich nicht eine Sekunde abnehmen (an der >Stelle dieser Frau), sondern ich würde schliessen, das da etwas zwischen euch >ist (warum hätte mein Mann es mir sonst so lange verschwiegen?) und dass du >jetzt nur zu mir kommst, um mich zu verletzen und um einen endgültigen Keil >zwischen mich und meinen Mann zu treiben. Ich wäre also sehr sicher, dass >zwischen dir und meinem Mann "was ist".

Von MEINER Seite aus war da nie mehr als Freundschaft, wenn das allerdings von SEINER Seite aus nicht (!) so war, dann würde ich als Frau auch überhaupt gar nichts glauben (und zwar dem Mann und nicht mir!). Das würde auch erklären, warum er so stillschweigen will, und das würde ja in meinen Augen auch erklären, warum er seine Frau verbal niedermachte (aber da will ich jetzt nicht wieder mit anfangen...). Nur gesagt hat er es mir nie. Er steht dann nur da und schimpft, weil ich nicht loslassen kann. Er steht da und starrt mich fast 1,5 Stunden ununterbrochen an während wir reden (wenn ich rede, schaue ich mein Gegenüber schon an, aber nicht ununterbrochen; das kann ich gar nicht, und das wäre mir auch peinlich, jemand mit meinen Blicken quasi so auszuziehen...)
Und um genau das alles zukünftig zu unterbinden, um mit offenen Karten zu spielen, um Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit allen gegenüber zu zeigen, finde ich ein Gespräch noch immer mit die beste Idee. Kann sein, dass er mich dann nicht mehr sehen darf - aber dann sollte es auch nicht so sein (wenn es die Frau kränkt, dann kann er sich nicht darüber hinwegsetzen, indem er es doch einfach heimlich tut ... so wie jetzt...)


>Der Effekt wäre sicher, dass dein Freund dann enorm sauer auf dich wäre, weil du ihm seine Ehe ganz heftig zer- oder gestört hast.


Ich zerstöre keine Ehe - wenn unsere Treffen ein Grund dafür wären, dann ist da noch sehr viel mehr im Argen als er zugibt...ich wäre auch sehr sauer, aber wenn die Ehe sonst o.k. ist, dann fände ich Überreaktionen nicht angebracht.


>Der Frau gegenüber wäre das extrem unfair, da sie sicher sehr leiden würde (sie kann ja nicht beurteilen, was wahr ist)und jede Menge Angst um ihre Ehe hätte.

Findest du es fairer, wenn er alles heimlich macht? Wenn sie überhaupt nichts weiß von mir? Ist das fairer? Nein, es ist einfacher für IHN, aber nicht fairer!!


>Das kannst du ihr nicht wirklich antun wollen, oder?

Ich will ihr überhaupt gar nichts antun (was soll das?!)
Ich will sie lediglich kennenlernen und unsere heimlichen Freundschaft öffentlich machen (wie jede normale platonische Beziehung öffentlich sein kann -auch bei Verheirateten!). Also, ich habe kein schlechtes Gewissen, denn meine Motive sind sind schlecht...

Schöner Gruß
Maus

P.S.: Ich glaube, dass das missverstanden wurde: Wir haben uns nicht jeden Nachmittag getroffen; lediglich alle 1-2 Wochen mal für 2 Stündchen. Mehr nicht.

>Alles Gute!
>Suppenkelle
Liebe Maus,

vielleicht haben wir uns missverstanden. Ich möchte dir nicht einreden, dass du etwas falsch gemacht hast (hast du ganz sicher nicht), oder dass du in irgendeiner Form für das Verhalten dieses Mannes verantwortlich wärst. Ganz sicher nicht! Ja, seine Frau ist unschuldig an dieser Heimlichtuerei und du ganz genauso. Und ER belastet seine Ehe durch das Verschweigen Eurer Freundschaft und nicht du.

Ganz klar hat auch der Mann den Gegenwind von seiner Frau selbst zu verantworten, wenn sie von Eurer Freundschaft erfährt. Es geht mir ganz und gar nicht darum, diesen Mann in Schutz zu nehmen, wenn ER Stress bekommt wegen dieser Geschichte, dann scheint mir das ganz in Ordnung zu gehen:-)
Ich denke nur an die Lage der Frau, die von Euch dreien am wenigsten beteiligt ist und die meiner Einschätzung nach verletzt sein würde, wenn sie von der Freundschaft ihres Mannes auf diese Weise erfährt. Besonders wenn es nicht ihr Mann ist, der ihr davon erzählt, wenn diese Freundschaft eine intensive ist (ich finde Freundschaften zwischen Frauen und Männern völlig in Ordnung, auch wenn beide jeweils gebunden sind, sehe darin auch keinen Anlass für schlechtes Gewissen den Partnern gegenüber oder für Eifersucht), wenn sie erfährt, dass er sie 2,5 Jahre hintergangen hat. Ich würde es für fair halten, wenn ihr das erspart bliebe. Wohlgemerkt IHR, nicht ihrem Mann!!

Wenn dir seine Heimlichtuerei auf die Nerven geht und ein indirektes und überflüssiges Schuldbewusstsein bei dir auslöst, kann ich das supergut verstehen. Ich glaub nur nicht, dass der Weg daraus für dich der ist, dass du mit seiner Frau redest. (Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass sie dir glauben würde, sie kennt dich ja gar nicht.):-)

Du musst seine Heimlichtuerei ja nicht länger mitmachen, schon gar nicht, wenn du dich dabei nicht wohl fühlst. Wie wäre es denn, wenn du darauf bestehst, dass beim nächsten Treffen seine Frau dabei ist? Dann müsste er doch mit seiner Frau reden und die Situation wäre endlich geklärt. Und er müsste endlich mal Farbe bekennen, anstatt sich immer hinter Schuldzuweisungen an dich zu verstecken ;-) Wenn dieses Treffen dann nicht, oder sehr lange nicht stattfindet, dann weisst du wenigstens, woran du bei deinem Freund bist.
Nebeneffekt: du zeigst ihm ganz klar, dass du tatsächlich loslassen kannst.:-)

Ganz liebe Grüße
Suppenkelle
Liebe Suppenkelle,

das ist ein sehr guter Vorschlag: das nächste Treffen gemeinsam mit der Frau ! !
Und wenn er das wirklich nicht will, dann habe ich wahrscheinlich auch nicht allzu viel verloren mit ihm - und ich kann ihn dann besser loslassen.
Dankeschön

Maus
Liebe Maus,
Zähne hoch, Kopf zusammenbeissen! :-)) Ich glaub du hast die für dich richtige Einstellung zu deinem Freund.

Liebe Grüße

Suppenkelle
Hallo Maus,

>Ich wäre nicht mehr das "Geheimnis am Nachmittag", seine Frau wüsste von mir (und wie gesagt: wenn sie es nicht will, dann ziehe ich mich zurück!) und wir könnten auch mal was zusammen machen (aber das wollte er nie...). Vielleicht ist da doch vieles ganz anders als er es mir erzählt hat (vielleicht hat sie zuhause die Pantoffeln an und er ist in Wahrheit ein armes kleines Würstchen).

Dass da alles ganz anders ist, als er erzählt, kann gut sein. Davon abgesehen kenne ich keine Ehefrau, bei der ich mir vorstellen könnte, dass sie es akzeptieren würde, dass ihr Mann jeden Tag nach der Arbeit erst mal eine andere Frau besucht, bevor er nachhause kommt, selbst wenn sich zwischen dieser Frau und dem Mann außer Reden nichts abspielt. Insofern halte ich es für ziemlich sicher, dass sie - wenn sie es wüßte - versuchen würde, Eure nachmittäglichen Treffen zu unterbinden.

Unverfänglicher wäre da sicherlich, wenn ihr Euch tatsächlich vielleicht GELEGENTLICH zu dritt treffen würdet. Wenn seine Frau in Eure Treffen miteinbezogen würde, würdet ihr Euch aber garantiert bei weitem nicht mehr so oft sehen und die Gesprächsthemen zwischen Euch wären in ihrer Gegenwart vermutlich auch ganz andere als jetzt.

>Ich muss daher die Zeit versuchen täglich positiv und aktiv zu nutzen, ihn loszulassen und neue Menschen kennenlernen.
>Ich danke dir für alle Antworten

Du bauchst Dich nicht zu bedanken, ich habe gerne geantwortet. Ich wünsche Dir für Deine Jobsuche und auch für VHS-Kurse oder ähnliches viel Glück und Erfolg und dass Du bald neue Bekanntschaften machst und es Dir gelingt, ihn loszulassen.

Gruß, Lui
Weitere Themen